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Weg zu gehen.
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Warum sind der Tränen unterm Mond soviel? fragen sie, wenn es einen guten Gott im Himmel gibt. Es sind gewiß mit die Besten, die so fragen. Sie sehen im Leid aber zu sehr das Zerstörende, Vernichtende. Das ist es gar nicht. Goethe sagte einmal:
„Wer nie sein Brot in Tränen aß,
Wer nie die kummervollen Nächte
Auf seinem Bette weinend saß,
Der kennt euch nicht, ihr himmlischen Mächte.“
Eine Himmelsmacht, also eine Macht des Guten, nennt er das Leid. So ist es auch. Wäre die Welt ohne Schmerz, ohne Leid, ohne Not, Kampf, Mißerfolg, so wären die Menschen traurige Egoisten, wohllebige Drohnen. Arbeit, Kultur, Wissenschaft, Charakter ent⸗ stehen nur im Kampf mit den Widerständen des Le— bens. Die tapfer kämpfen, mutig leiden, sind auch die Tüchtigsten. Ich weiß nicht, wie der Schriftsteller heißt, der einmal folgendes gesagt hat:„Viele Menschen sind mir in meinem Leben begegnet, viele waren oberfläch— lich und leichtsinnig, viele aber ernst und innig. Wenn ich nachforschte, waren die Ernsten immer die, die es schwer gehabt hatten im Leben.“ Gewiß, das Leid macht nicht jeden Meschen besser, schwache Charaktere macht es verbissen und hart. Es ist mit dem Leid wie mit dem Sturm in der Natur. Die schwachen Bäum— chen bricht er um, die starken aber macht er stärker. Wer im Leid nicht finsteres Verhängnis sieht, sondern eine
Schickung, die ihn bessern will, wird auch den Segen des Leides verspüren..
„Kommt dir ein Schmerz, so halte still Und frage, was er von dir will. Die ewige Liebe schickt dir keinen Bloß darum, daß du mögest weinen.“ Selig sind, die da Leid tragen, sagte Christus, der ja selbst am meisten gelitten hat. Als das Unglück in Oppau war, wurde ich gefragt:„Was können nun die armen, unschuldigen Kinder dafür, die bei dem Elend ums Leben gekommen sind, wie kann Gott so etwas zu— lassen?“ Die Frage ist verständlich im Munde eines Ungläubigen, für den es keine Ewigkeit gibt. Vom christlichen Standpunkte aus ist sie unverständlich. Wir wissen ja, daß diese Kinder es bei dem himmlischen Vater viel besser haben, als hier auf Erden. Der Christ sah in Oppau nicht nur Trümmer und Leichen, er sah Engelchen aus rauchenden Trümmern gen Himmel flie— gen. Aehnlich wie mit der Frage nach dem Sinn des Leides ist es mit der Frage: Warum läßt Gott das Böse auf der Welt zu?“ Das Böse ist ebenso nötig, wie das Leid. Ohne das Böse gäbe es kein Gutes. Ohne Lüge keine Wahrhaftigkeit, ohne Unglauben keinen Glauben, ohne Lieblosigkeit keine Liebe. Wenn wir nicht anders könnten, als die Wahrheit sagen, nicht anders könnten, als Liebe üben, nicht anders lönnten, als an Gott glauben, dann wäre Wahrhaftig⸗ leit, Liebe, Glaube keine Tugend, sondern naturgesetz⸗ liche Notwendigkeit. Wir wären weder böse noch gut, sondern so, wie wir eben sein müssen, Puppen, die das Naturgesetz an Drähten zieht. Gott schuf uns aber zu freien Menschen, denen er die Wahl läßt, den oder den Puppen, Maschinen hätte Jesus keine Predigt halten dürfen über den schmalen Weg zum Him⸗ mel und den breiten Weg zur Verdammnis.
(Schluß folgt.)
ich ihm aber vertrauen, wenn er die Treue gegen Gott und sein Evangelium gebrochen und seinen lutherischen Glauben mit Füßen getreten hat wider sein Gewissen und seine Ueberzeu— gung!“
Mutter Margarete schossen die Tränen in die Augen; die
Worte ihrer Tochter enthüllten ungewollt das ganze Elend und Herzeleid ihrer eignen Ehe.
Frau Stuben rauch aber stand stumm und erschüttert da. Das war ihr das Härteste, daß sie wider diese schlichte Rede Sybillens auch nicht das kleinste Wörtlein zu finden wußte. Es war ihr, als ob sie eine Niederlage erlitten habe und das Feld räumen müsse.
Doch sie verbarg dies außerordentlich gewandt hinter einer rasch aufgebauten Wand nichtssagender Höflichkeiten. In deren Schutz verließ sie das Haus und das Herzeleid, das sie hineinge⸗ tragen.
„Mutter“, sagte Sybille, als die Frau Stuben rauch schon
draußen auf der Straße dahinstolzierte,„Mutter, glaubst du, daß Hans so, so“— sie wollte„schlecht“ sagen—„etwas tun wird. Er ist doch so gut und so
Das kann doch gar nicht möglich sein! f offen und so ehrlich, wie das Wasser tief ist. Dann kann man sich ja auf keinen Menschen mehr verlassen, wenn man sich auf iͤn nicht verlassen kann. Ich gehe gegen Abend einmal zu dem Pätter Vogelsberger und frage den Hans selbst. Gelt, Mutter, du hast nichts dawider?“ 7 Frau Margarete schüttelte den Kopf:„Kind, wie soll das
enden! Wenn ich dir nur helfen könnte, daß du zu deinem Glück
und deiner Ruhe kämst!“——
— Unterdessen marschierte Hans Heeger durch die Dörfer
Rodheim, Niederroßbach und Oberroßbach auf Köppern zu. Das heißt,— er marschierte nicht, er rannte dahin, von der inneren Unruhe vorwärts getrieben. Daß er die Messe besucht hatte, dos quälte ihn.
Dann wieder fiel ihm ein Wort ein, das der Großvater des
Pfalzverwüsters gesprochen hatte, Heinrich der Vierte von Frank⸗
jeich, als er, das frühere Haupt der Hugenotten, seinen refor⸗
nierten Glauben aufgab:„Die Krone von Frankreich ist wohl
eine Messe wert.“
„Ist nicht Sybille auch eine Messe wert?“ fragte er sich, und das Bild des Mädchens voll Schönheit und Liebreiz stand vor
Ihn.
Aber ich kann doch dies kömische Wesen nicht mitmachen, es
wird mir innerlich immer fremd bleiben,“ sprach eine andere Stimme in ihm, und dann frug sie weiter:„Wirst du vor dir pelbst noch Respekt haben können, wenn deine Religionsübung
icht ehrlich ist?“
lische zeitung und Bibel.
In dem„Christlichen Volksfreund“ aus Zürich, einem ganz kleinen, aber weit über das gewöhnliche Maß hinaus gehaltvollen Wochenblatt, lesen wir(10. 26) folgendes: Wer macht uns liebreicher? die Zeitung, die widerhallt vom sozialen Kampfgeschrei und in der von links und rechts geschürt wird, oder die Bibel, das Organ Gottes, das einzige, das wahrhaft über den Par⸗ teien steht und das die Sanftmütigen und Friedferti⸗ gen beständig seligpreist? Wer macht uns wahrhaf— tiger? die Zeitung, die ängstlich darauf bedacht ist, ihren Abonnenten nur das vorzusetzen, was sie gerne lesen, was ihnen recht gibt und mit ihren vorgefaßten Mei⸗ nungen übereinstimmt, oder die Bibel, die kein Ansehen der Person kennt und auch an ihren Helden und Lieb— lingen alles rücksichtslos aufdeckt? Wer macht uns selbständiger und freier? die Zeitung, die in dem Tanze um goldene, silberne und blecherne Kälber vorantanzt und sich vor jedem Tagesgötzen in den Staub wirft, oder die Bibel, die uns in allem auf Gott hinweist als auf den, dessen Urteil, Lob und Tadel allein in Betracht kommt? Wer macht uns gewissenhafter? die Zeitung, die wir schon manchmal gern zerrissen hätten, wenn sie uns wieder um kostbare, der Pflicht geweihte Viertel⸗ stunden betrogen hatte, oder die Bibel, die in allen Tö— nen das Lob der Treue singt und die uns erkennen lehrt, der wahre Zweck der Arbeit bestehe nicht darin, Erfolg zu haben, sondern Frucht zu bringen?
Doch genug der Fragen, wo die Sache selber außer aller Frage steht! Diese Wirkungen zeigen es jedem, der sehen will, deutlich, was Bibel und Zeitung wert sind. Und mit diesem Ergebnis stimmt auch das Schick— sal der beiden. Die Zeitung zerstäubt, die Bibel bleibt. Die Zeitung— es ist wahr— bringt immer das Neueste; aber eben, weil es stets das Neueste sein muß, darum ist es schon morgen nicht mehr neu. Es gibt in der Tat nichts, was so schnell veraltet wie ein Zeitungsblatt; dieselbe Nummer, nach der soeben alle Hände gierig griffen, die legt man am anderen Tage schon enttäuscht bei Seite. Wer nun seine geistige Nahrung einzig oder doch zum größten Teile aus der Zeitung bezieht, der wird selber in dieses vergängliche Wesen hineingezogen. Die Zeitung erhält ihn auf dem Laufenden, wie man sagt,— aber eben auf dem„Laufenden“, auf dem, was keinen Bestand hat, was unter den Händen zerrinnt, was in beständigem Fluß und Wechsel begriffen ist. Wenn von irgend etwas, so gilt von der Zeitung das ernste Prophetenwort:„Alles Fleisch ist wie Gras und alle Herrlichkeit der Menschen wie des Grases Blume; das Gras verdorret und die Blume verwelket, aber des Herrn Wort bleibet in Ewigkeit!“ Ja, wer sich an die Bibel hält, den erhält sie auf dem Bleibenden! Was sie Altes und Uraltes bringt, das ist doch ewig neu und greift uns heute geborenen Menschen so ans Herz, daß uns zu Mute ist, es sei für uns geschrieben und wir erst
hätten seinen wahren Sinn erfaßt und seine ganze.
Kraft verspürt! 5
Mit diesem Lob der Bibel werden nun die meisten ohne weiteres einverstanden sein. Natürlich. wer wird auch nicht die Bibel loben! Aber damit ist es nicht getan, sondern es kommt alles darauf an, daß wir leben, wie wir loben, und aus dem Bisherigen die praktischen Folgerungen ziehen. Was dazu gehört und
„Aber ich will und kann Sybille nicht aufgeben! Es ist rein zum Verzweifeln!“
So war er in der Schwebe, kam nicht zur Ruhe, wurde immmer wieder hin- und hergeworfen.
Als er das Dorf Köppern erreicht hatte, merkte er, wie hungrig er war. Er kehrte in ein Gasthaus ein und nahm einen bescheidenen Imbiß zu sich. Dann ging er wieder heim—
wärts. Es war ein heißer Augusttag, die Sonne stand hoch am Himmel. Der Wind schlief irgendwo im Walde.
Nach einer Weile verließ Hans die Landstraße und ging über die Stoppelfelder zwischen den aufgestellten Harbenhaufen aus die„Burg“ zu. Dort legte er sich in das Gras
„Ich gehe nicht eher nach Hause, als dis ich einen festen Entschluß gefaßt habe!“
Eine Weile folgten seine Blicke noch dem Flug der Schwal— ben, die hoch über ihm dahinschossen. Dann horchte er auf den Summton der unzähligen Mücken, die droben in der Sonne spielten. Auf müden Füßen gingen seine Gedanken. Die Augen fielen ihm zu, er schlief fest ein.
Als er wieder erwachte, stand die Sonne nicht mehr über seinen Häuptern, sondern war schon eine beträchtliche Strecke nach Westen gewandert.
Hans sprang auf die Füße und schaute hinunter zu den Taunusbergen, deren dunkelgrüne Pracht im Sonnenglanz da— lag. Wiederum sprach er zu sich:„Ich gehe nicht eher bis ich weiß, was ich zu tun habe.“
Als er sich umwandte, sah er unfern von sich einen Mann stehen, der unablässig nach Südwesten starrte, indem er mit der rechten Hand seine Augen beschattete. Er war mittlerer Größe, dabei fein gebaut, das Gesicht bartlos. Er trug einen langen braunen Rock, einen dreifach aufgeschlagenen Hut, kurze Bein- kleider, feine Strümpfe. Die ganze Kleidung des Mannes machte einen gewählten Eindruck. Ein Bauer aus der Nachbarschaft war der Mann sicher nicht. Die Aufmerksamkeit Hans Heegers wurde gefesselt; er begann, das Alter des Mannes abzuschätzen, er mochte ihm selbst an Jahren gleich sein.
Jetzt drehte sich der Fremde um und sagte mit liebens⸗ würdigem Lächeln:„Nun, mein Herr, habt ihr ausgeschlafen?“
Bei dem eigentümlichen Tonfall der Worte ging es wie ein Nuck durch Hans Heeger:„Ei, das ist ja ein Franzose.“ In heißer Erregung stand alles vor ihm, was er durch diese Nation gelitten,— die Schwester und die Heimat verloren!
Es war gar nichts von Freundlichkeit in seinem als er die Frage des Fremden durch Nicken bejahte.
„Wie kommt dieser Franzose in diese Gegend?—
Gesicht, Ah, er
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worauf dabei zu achten ist, darüber mögen noch einige kurze Ratschläge und Winke folgen, die will's Gott auf einen guten Boden fallen. Es dürfte sich empfehlen, unsere Zeitungen zu prü⸗ fen, ob sie dem reinen und versöhnlichen Geist der Bibel nicht zuwiderlaufen. Denn das versteht sich am Rand: Schmutz⸗ und Hetzblätter, die sind im Reiche Gottes ver⸗ pönt. Wider solche kennt das Evangelium nur ein Ver⸗ fahren: reiß sie in Fetzen und wirf sie— lieber nicht von dir, es könnte sie sonst ein anderer auflesen— son⸗ dern gerade ins Feuer! Das wäre ein rechtes, Gott wohlgefälliges Abelsopfer, dessen Rauch in gerader Säule gen Himmel steigt. Wer zur Erkenntnis gekommen ist, daß er auf sein
Blättchen versessen ist und daß es ihm den Geschmack an
der Bibel verdorben hat, der entschließe sich zu einer regelrechten Hungerkur! Nur ruhig einmal die Zeitung für einige Wochen nicht angerührt Wer's durchführt, wird sehen, daß das weder seiner Verdauung, noch seinem Geschäfte zum Schaden gereicht, dem inwendigen Menschen dagegen bekommt solch ein freiwilliges Fasten ausgezeichnet.
Für alle, die neben der Bibel auch die Zeitung lesen, soll das die Regel sein, daß wir wirklich die Zei⸗ tung neben der Bibel lesen und nicht die Bibel neben der Zeitung. Die Bibel das erste, die Zeitung— nicht einmal das zweite, sondern da hat noch jedes gediegene Buch den Vorzug und die Zeitung versparen wir auf die Zeit, für die es am wenigsten schad ist.— Wo's nötig ist, da wollen wir auch in dem Stück das richtige Verhältnis wieder herstellen, daß wir fortan die Bibel so andächtig lesen wie bisher die Zeitung und die Zei— tung so oberflächlich wie bisher vielleicht die Bibel.
Ein vierter Ratschlag lautet: Auch die religiösen Blätter sind kein Ersatz für die Bibel! Diese ist die Quelle, jene bieten Brunnenwasser. Wer über den Erbauungsblättern die Bibel vernachlässigt, dessen in⸗ wendiger Mensch stirbt zwar nicht ab, aber er kann sich nicht recht entfalten, er wird engbrüstig, kurzsichtig schwerfällig.
Der letzte Ratschlag wendet sich an alle; er steht Jakobus Kap. 1 und heißt:„Seid aber Täter des Wor⸗ tes und nicht Hörer(oder Leser) allein, womit ihr euch selbst betrüget und den andern die Bibel verleidet!“ Wie Luther sagt, ist die Bibel nicht nur ein Lesebuch. sondern ein Lebebuch; Lesen und Leben müssen bei— einander sein wie das Licht und der Schatten, wie der Baum und die Frucht. Nur in dem Maße, als wir nach der Bibel leben, wird uns das Lesen in der Bibel aus einer Last zu einer Lust.
Dies unser Rat. Nun fragt es sich: sind alle wil⸗ lens, ihn zu befolgen? Oder denken vielleicht etliche der Leser: was da steht, ist alles recht und gut, aber darum machen wir doch, was wir wollen und im Punkte des Zeitungslesens bleibt es für uns beim Alten! Wer so denkt, dem haben wir weiter nichts zu sagen, er tut es auf seine eigene Rechnung und Gefahr. Nur eine Frage möge er sich noch vorlegen lassen! Wenn es mit dir zum Sterben geht und die ersten Strahlen der Ewig⸗ keit auf dein Leben fallen, wirst du dann die Zeitung und die Bibel auch noch so ansehen und einschätzen? Wird es dich dann freuen, daß du zeitlebens die Zeitung zu deines Fußes Leuchte gemacht hast; wenn du dann noch einmal anfangen könntest, würdest du wirklich noch einmal dieselbe Rangordnung und Reihenfolge treffen,
stammt wohl aus einem der welschen Dörfer. Dann hat er auch die Heimat verloren wie ich.“
Und durch den Gedanken, einen Leidensgefährten vor sich zu haben, milder gestimmt, sagte er:„Ihr schaut wohl nach dem alten Vaterlande aus?“
Der Franzose erwiderte schwermütig:„Man vergißt so schwer die Stätte, wo man als Kind zu den Füßen von Vater und Mutter gespielt hat.“
„Mein Heimatdorf liegt auch drüben im Westen, der Krieg mich in die Fremde getrieben,“ sagte Hans Heeger. „In die Fremde?— Es ist doch euer Vaterland, und ihr seid unter euren Landsleuten hier, wir aber sind Fremdlinge in diesem Land, es ist uns ein Asyl, eine Zuflucht. Unsern Kindern, vielleicht erst unsern Enkelkindern, wird es einmal eine Heimat werden. Wisset, daß meine Landsleute zuerst in armseligen Hütten wohnten und nicht Häuser bauen wollten, weil sie immer noch auf Heimkehr hofften.“
„Ihr seid wohl mit euren Eltern nach Friedrichsdorf ge— kommen? fragte Hans Hesger.
„Ach nein,“ erwid eee der junge Franzose, und fuhr sich mit der Hand über die Augen„meine Mutter liegt in Frankreich begraben, mein Vater aber, ob er dort noch lebt oder verscharrt worden ist,— das weiß ich nicht.“
„Ihr scheint ein schweres Leben hinter euch zu haben; wenn es euch nicht allzu sehr angreift, so bitte ich euch, mir etwas da⸗ von mitzuteilen; es ist nicht Neugier, sondern herzliche Teil— nahme, die mir diesen Wunsch eingibt.“
„Wollen wir uns nicht ein wenig setzen“, sprach der Fran⸗ zose,„es erzählt sich dann besser, und es hört sich besser zu, auch ist meine Geschichte nicht kurz.“
Sie nahmen an einem Hang Platz, von wo aus die ganze Gegend zu überschauen war. Sonntagsstille und Abendfriede war über der weiten Flur und der waldigen Höhe, über den nahen und fernen Dörfern.
„Ihr wiß wohl, daß man die Hugenotten in Frankreich,— das waren die, die sich von der Papstkirche getrennt, und dem Evangelium zugeschworen hatten, lange Jahre grausam ver⸗ folgt hat. Dann aber kam ein König auf den Thron, Heinrich der Vierte. Der war selbst Hugenotte gewesen, dann aber katholisch geworden, um die Krone von Frankreich zu bekom⸗ men. Er hätte es nicht tun sollen, es wäre besser für ihn und uns gewesen.“
Hans Heeger richtete sich unwillkürlich straffer auf, als er den Namen des Königs hörte, mit dem er sich vor etlichen Stun⸗ den hatte trösten wollen.
„Seltsame Fügung!“ sprach er zu sich selbst.
hat
(Forts. folgt.)


