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Sonnabend, den 17. April 1926.

Evangelische Warte

Die Bekämpfung der jetzigen Krise muß in der Hauptsache durch 4 starke Mittel erfolgen. Die Ratio⸗ nalisierung der Betriebe, die erfreulicherweise bereits im Gange ist, muß durch eine gesunde Reichsbank und Kreditbankpolitik unterstützt werden. Dabei darf das Bestreben zur Behebung der Kreditnot nicht dazu füh⸗ ren, die Kapitalien der Reichsbank und der sonstigen Kreditbanken besonders auch der öffentlichen In⸗ stitute in wirtschaftlich falsche Kanäle zu leiten. Wir müssen ferner, solange die Neubildung von eigenem Ka pital nicht ausreicht, in vorsichtiger Weise Austands⸗ kredite weiter hereinnehmen. Nach der Berechnung ves Reichsbankpräsidenten ist erfreulicherweise der gesamte Umfang der Guthaben bei allen Banken, Sparkassen usw. von 10 Milliarden Reichsmark im Dezember 1924 auf c. 14 Milliarden Reichsmark im Oktober 1925 ge⸗ stiegen. Ein weiteres Mittel ist die Preissenkung für Industrieartikel, für Reparaturen und für Leistungen der Handwerksmeister. Auch die Senkung der Fracht⸗ und Transportkosten muß weiter im Auge behalten werden. Die Reichsregierung schien die eingeleiteten Preisabbaumaßnahmen zunächst ernstlich durchführen zu wollen. Sie hatte zu diesem Zweck sogar einenGe⸗ setzentwurf zur Förderung des Preisabbaues einge⸗ bracht. Die sogenannte Geschäftsaufsicht, mit der viel Unfug getrieben wurde und die eine Kriegsmaßnahme war, soll fallen und an ihre Stelle ein schnell wirkendes Vergleichsverfahren oder der Konkurs treten. Das Ge⸗ setz wendet sich auch gegen die Ringbildung und gegen Schwindelangebote bei Vergebung von Lieferungen oder Leistungen. Unter die bestehende Kartellverordnung soll auch das Kohlen- und Kalisyndikat in Zukunft fal⸗ len, und zwar dann, wenn diese Zwangssyndikate durch ihre Lieferungs- oder Preismaßnahmen das allgemeine Wohl verletzen. Ebenso wird auch dem Leistungswucher der Innungen zu Leibe gerückt. Gegen diese vernünf⸗ tigen, im Interesse der Gesamtwirtschaft liegenden Be⸗ stimmungen laufen die Nutznieser übersetzter Preise kräftig Sturm. Sie wollen keine freie Konkurrenz und auch keinen Preisabbau. Sie haben es schon so weit ge trieben, daß sogar der Reichsbankpräsident auf einer Tagung des Reichsverbandes der Deutschen Industrie öffentlich gegen die unheilvolle Kartell- und Preis⸗ konventionspolitik Stellung nehmen mußte.

(Schluß folgt.)

Neulrale Geschichtsbücher.

Es könnte nichts schaden, wenn die Kreise, die es angeht, ein wenig ihr Augenmerk auf die Lehrbücher der Geschichte richten wollten, die mit dem Anspruch neutral zu sein, in der Gegenwart erscheinen. Sie sind z. T von eigentümlicher Beschaffenheit. Ein Musterbeispiel die⸗ ser Gattung ist das bei Moritz Diesterweg erscheinende Geschichtslehrbuch für höhere Schulen, herausgegeben von Albert Maier. Der Verlag betreibt für das Werk mit Prospekten, Prüfungsexemplaren, sogar durch reisende Agenten, eine ungewöhnlich starke Reklame. Das Buch verfolgt unter der Marke der Neutralität ganz unver⸗ kennbar einseitig katholische Tendenzen. Sechs Bearbei⸗ ter schreiben es. Von den 6 Herren sind nach Ausweis des Kunze⸗Kalenders, fünft katholisch, nämlich auch die Wohnsitze der Herren sind hier nicht gleichgültig die Herren! Dr. Hack und Dr. Maier in Köln, Dr. Kallen in Neuß, Dr. Brühl in Düsseldorf und Dr. Schirmeyer in Osnabrück.

Als evangelisch ist im Kunze-Kalender bezeichnet Dr. Maurer in Frankfurt a. M., dem Sitz des Ver⸗ lages.

Hack bearbeitet Mittelstufe Bd. 1(Altertum), Ober⸗ stufe Bd. J bis zu Ende der römischen Republik.

Schir meyer bearbeitet Mittelstufe Bd. II(Mittel⸗ alter).

Brühl bearbeitet Mittelstufe Bd. III(Neuzeit).

Kallen bearbeitet Oberstufe Bd. Römische Kaiser⸗ geschichte bis Konstantin.

Kallen bearbeitet zusammen mit Maurer Oberstufe Bd. I] Deutsche Geschichte bis 1648.

Maier bearbeitet Oberstufe Bd. III Europäische Ge⸗ schichte 16481815.

Mau rer bearbeitet Mittelstufe Bd. IV(19. Jahr⸗

hundert) und Oberstufe Bd. IV(19. Jahrh.)

Im Handel zu haben sind bis jetzt nur Bd. J und Bd. IV für die Oberstufe. Sie lassen die katho⸗ lische Tendenz bereits so deutlich erkennen, daß man gespannt sein darf, auf die Behandlung des Mittel⸗ alters. Den einzelnen Abschnitten sind Literaturver⸗ zeichnisse vorangeschickt, in denen scheinbarparitä⸗ tisch protestantische und katholische Geschichtswerke in buntem Durcheinander zur Lektüre empfohlen wer⸗ den. Und das für Schüler! Unter dem Strich werden hier und dahistorische Romane zur Lektüre empfoh len, mit Vorliebe, für den Nichtkenner ganz unauffällig, katholische, so z. B. in Bd. IV S. g oder Bd. I S. 178. In Bd. 1(Oberstufe) widmet Kallen der Geschichte der christlichen Kirche bis zu Konstantin einen eigenen Hauptabschnitt von 10 Seiten des großen Buchformates. Und das ist im höchsten Grade bedenklich. Nicht als ob an sich solche Absätze nicht aufs wärmste zu begrüßen wären. Indessen stehen erfahrungsgemäß und man kann da gerade mit wissenschaftlich tüchtigen Herren recht drastische Erfahrungen machen die reinen Historiker allem, was Kirchengeschichte heißt, fremd und mit einer ganz unglaublichen Hilflosigkeit gegenüber. Infolge⸗ dessen werden geschickt eingeschmuggelte katholisierende Tendenzen harmlos, entweder in ihrer Absicht garnicht erkannt oder nicht weiter tragisch genommen. Die Kundi⸗ gen wissen hier Bescheid. Die oben genannten, im Berufs⸗ leben stehende Herren Bearbeiter wissen um diese Ver⸗ hältnisse natürlich auch, und diese Lage wird in wohl durchdachter Weise ausgenutzt.

Nun aber die konkreten Beweise für die katholisie⸗ renden Tendenzen! Kallen schreibt in Bd.(Oberstufe) § 87, S. 179:Das Bischofsamt, welches die Apostel zu ihren Lebzeiten innehatten. Gleich danach,Die Aelte sten bald als Presbyter, bald als Episkopen bezeichnet, seienStellvertreter der Apostel' gewesen. Dann wird im schärfsten Gegensatz zur geschichtlichen Wahrheit, be hauptet,ein aristokratischer Charakter seischon der

Erster Schulgang. Heut hab' ich mein Mädel zur Schule gebracht. Gar schlimme Gedanken hab' ich gedacht: Mein Herzenskleinchen, mein Sonnenscheinchen, Nun tust du auf denen flinken Beinchen Aus uns'rer überängstlichen Mitte In die schlimme Welt deine ersten Schritte, Und bist für immer hingegeben Dem bösen Feinde ich meine das Leben. Lernst früh aufsteh'n und tausend Pflichten Unnütz als nötig Ding verrichten. Wir haben dir jede Lüge verwehrt; Nun siehst du, wie sie die Welt durchfährt. Wir zogen dich auf zur Wahrheit und Reinheit. Wer aber siegt? Wahr' dich! Die Gemeinheit. So ziehen dir ins Herzelein And endlich wirst du, mein liebes Kind, Wie sie wie wir wie alle sind...

Wer mith bokennel.

Von Erwin Gros. 4. Fortsetzung.

Als Hans Heeger das Hoftor der Schultheißwohnung öffnete, fuhr ihm ein großer Hund entgegen mit bissigem Knurren und Bellen. Mit Mühe erwehrte sich der Geselle des Wütenden. Plötzlich erschien in der Haustür ein junges Mädchen; ein scharfer Befehl, durch den ausgereckten Arm verstärkt, und der Hund ließ von dem Fremdling ab und verschwand in seiner Hütte.

Das Mädchen griff nun in die Tasche, holt ein kleines Geld stück hervor und reichte es dem Handwerksgesellen hin. Der aber schüttelte den Kopf:Ich will nur den Schultheiß sprechen.

Da wurde das Mädchen verlegen, eine jähe Röte zog über ihr Gesicht.

Nehmt es mir nicht übel, sagte sie leise.

Wegen einer Guttat braucht man sich nicht entschuldigen, erwiderte Hans.

Mit großem Wohlgefallen sah er auf das Mädchen; ihre hohe Gestalt gab der seinen nicht viel nach; wie eine Krone schlangen sich zwei dicke blonde Zöpfe um ihr Haupt, darunter ein lieb⸗ liches Gesicht, lauter Milch und Blut. Unwillkürlich stellte er sie neben Mariuschka. Stattlicher und stolzer stand das Mädchen da; was aber an der Mariuschka fremdartig war, das war bei diesem Mädchen anheimelnd.

Mit so einem feinen Dirnlein möchte ich wohl mein Leben lang aus einem Becher trinken, sagte Hans Heger zu sich selbst.

Wie heißt ihr eigentlich, das wüßte ich gern? fragte er nun.

Das Mädchen schaute ihn zuerst befremdet an, was kümmert einen unbekannten Mann, den sie heute zum ersten Male sah und nie wieder vor die Augen bekommen würde, ihr Name. Doch Hans schaute so treuherzig drein, daß sie ihn nicht schroff zurückweisen wollte:Ich heiße Sybille. Aber kommt, der Vater ist drin in der Stube.

Sie ging voraus in den Hausflur, wies auf eine Türe und verschwand selbst in der Küche. Indem Hans die drei Stufen emporstieg, die zur Wohnstube führten, dachte er:Sybille, ein vornehmer Name; aber adlig sieht sie auch aus.

Auf sein Anklopfen erscholl von drinnen ein barsches Herein!

Drei Männer saßen am Tisch, die Kappen auf dem Kopfe. Sie nickten kaum, als Hans Heeger seinen Gruß entbot.

Was wollt ihr? fragte der Schultheiß, der hinter dem Tisch saß.

Ich habe euch eine wichtige Nachricht zu überbringen.

Dann setzt euch derweilen mal dort auf den Stuhl, so wird's nicht pressieren, erwiderte Peter MichelAlso, wie gesagt, fuhr er zu den beiden Bauern in seiner anscheinend unterbrochenen Rede fort,der hochgeborene Freiherr Franz Adolf Dietrich von Ingelheim kommt Samstag in drei Wochen hierher. Da gilt's, das Dorf zu schmücken und am Obertor eine Ehrenpforte zu bauen; auch das Rathaus, weil da das Hochamt gehalten wird, und die Krone, wo der Freiherr wohnen wird, müssen von oben bis unten mit Kränzen behangen sein.

Der eine der beiden Bauern nickte, der andere seufzte.

Ja, Feuerbach, sagte der Schultheiß zu diesem,da dürfen die Kosten keine Rolle spielen; durch den Herrn von Ingelheim bist du und der Hans Michel Kunz Gerichtsschöffen geworden, da könnt ihr auch einmal etwas leisten.

Es ist ja nicht um die Kosten, die trägt ja der Gemeinde säckel, aber wie soll man mit der Arbeit auf dem Felde fertig werden, wenn man Kränze machen und Ehrenpforten bauen soll, erwiderte Gerhard Feuerbach.

Gerhard, sagte der Schultheiß,das habe ich von dir nicht erwartet. Wenn du schon ein schiefes Maul ziehst, was werden da erst die Lutherischen machen; die werden so schon von Tag zu Tag aufsässiger und widerspenstiger; habe ich nicht recht, Hann michel?

Hans Michel Kunz nickte:Laßt gut sein, Peter, der Gerhard und ich werden schon unsere Schuldigkeit tun, denn warum? Eine Hand wäscht die andere; tut man dem Herrn von Ingelheim einen Gefallen, so tut er unsereinem gelegentlich wieder einen Gefallen.

Gerhard Feuerbach schien überredet; er und Hans Michel Kunz erhoben sich, auch der Schultheiß kam hinterm Tisch hervor, und als sie Hans Heeger so nahe beieinander stehen sah, sprach er bei sich selbst:Drei so listge Fuchsgesichter wird man lange suchen können, bis man sie findet. Keinem von denen gäbe ich

einen roten Heller auf Handschlag, noch nicht auf einen Hand⸗

Urkirche wesentlich gewesen. Daßim Anfang eine

begeisterte Bruderliebe alle Gegensätze überbrückt habe,

wird nicht nur durch AG. 5, 110, bes. aber 6, 1, sondern

auch durch 1. Kor. Jac. Apoc. widerlegt. Auch die Dar⸗ stellungdes Christentums als einer verklärtenJen⸗

seitsreligion ist ganz verfehlt: das Urchristentum hat

recht stark das Diesseits im Auge: Dein Reich komme,

betete man; die Wiederkehr Christi zur Erde wurde er⸗ wartet. Wie es dann im Laufe der Zeit zur Jenseits⸗ religion geworden ist, ist jedem Kenner der Kirchenge⸗ schichte geläufig. Aber eben, daß es in dieser Beziehung und auch sonst eine tief greifende Wandlung erfahren hat, kann der Katholik Kallen, selbst wenn ihm über⸗ haupt diese Dinge fachmännisch näher getreten wären, doch nicht zugeben, infolge seiner kirchlichen Gebunden⸗ heit.

g Echt katholisch ist ferner, was Kallen S. 137 über Konstantin und die Kirche schreibt:die eiserne Festig⸗ keit der kirchlichen Organisation sei für Konstantin Zeugnis und Triumpf gewesen und habe ihnzum Glauben an den Gott des Christentums gezwungen! Daß eben diese Organisation damals völlig auseinan⸗ derklaffte, wird verschwiegen. Durch Konstantin werden der Kirchevom Staate Fesseln angelegt. Das Kon⸗ zil von 325 wird alsdas verfassungsmäßige Organ der Kirche bezeichnet gänzlich unhistorisch, da die In⸗ stitution erst im Laufe der Zeit vom Staate zu einem solchen gemacht worden ist.

Seite 138 wird behauptet, Rom habeden aner-

kannten Vorrang seines Bischofs vor allen Geistlichen

des Reiches behauptet, wo doch in Wirklichkeit sowohl

325 als auch 381 Rom hinter Konstantinopel rangiert und noch später Alexandrien einmal ganz dicht daran ist,

Rom den Vorrang abzulaufen, römische Ansprüche jeden⸗

falls sehr ernstlich ablehnt.

Und von alledem wird im Vorwort behauptet, der Verfasser biete nur, waswissenschaftlich gesicherte

Tatsache sei! Wobei merkwürdigerweise der Ausdruc wissenschaftlich in Gänsefüßchen gesetzt ist.

Und in Band IV, den ein Evangelischer(J) geschrie⸗ ben hat, bekommt Bismarck den Tritt für den Kultur⸗ lampf:Bismarcks Politik ist unmoralisch und vor allen Dingen wurzelfaul. Nicht Ideen zu dienen, sondern sich ihrer im Staatsinteresse zu bemächtigen, war Bis marcks Grundsatz. 1890 sank dieser Mann, der zwei Jahrzehnte nicht nur Deutschland beherrschte, sondern Europa seinen Willen aufgezwungen hatte, widerstands⸗ los in die Nacht zurück; und am Schluß(1898) wird er alsGründer des Deutschen Reiches in Gänsefüßchen!) bezeichnet. So also sollen nach der Absicht des Verfas sers Primaner Bismarck sehen!

Hier geschieht etwas, was nicht widerspruchslos hin⸗ genommen werden darf. Diese Zeiten sind nicht harmlos, Vertrauensseligkeit ist freilich bequem aber mitunter ein Verbrechen. Man ist daran, dem deutschen Volle das Bild der Geschichte und seine eigene Vergangenheit

zu fäl schen! Wothensthau.

Im amerikanischen Repräsentantenhause hat der re⸗ publikanische Abgeordnete Ogden Mills eine Gesetzes⸗ vorlage eingebracht über die Freigabe deutschen Eigen⸗ tums in Amerika. Die Aufgabe, die das Gesetz sich stellt, ist eine dreifache. 1. will es für die Befriedigung der Ansprüche amerikanischer Staatsangehöriger aus dem Kriege sorgen, für die bisher das in den Vereinigten Staaten beschlagnahmte deutsche Privateigentum als Pfand diente; 2. will es dieses Pfand zurückgeben und

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schein, da müßten Zeugen herbei, und vor denen müßte es fest gemacht werden.

Jetzt sprach der Schultheiß:Geht derweilen voraus in die Krone und sagt dem Johann Kilian Kitz, ich käme auch gleich, Wir haben mit ihm noch etwas zu beschwätzen.

Die Gerichtsschöffen Gerhard Feuerbach und Hans Michel Kunz gingen. Der Schultheiß begab sich ins Nebengelaß, das vom Wohnzimmer durch eine halbhohe Bretterwand abgetrennt war; dort stand in der einen Ecke sein Ehebett, am Fenster aber ein Tisch mit spärlichem Schreibwerk; denn der Bauersmann schrieb vor zweihundert Jahren noch seltener und ungerner als heute, auch als Schultheiß. Mit viel weniger Tinte wurde da⸗ mals die Welt und das Dorf regiert, und es ging auch, wahr⸗ scheinlich besser als heute, wo die Gesetzesmaschine im Akkord

arbeitet, und uns unter der Flut neuer Gesetze und Verord⸗ e

nungen die Luft ausgeht.

Als Peter Michel wieder zum Vorschein kam, trug er in der

Rechten ein Bambusrohr mit silbernem Knauf; das war das

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Zeichen seiner hohen Schultheißenwürde, das durfte nicht fehlen,

wenn er als Amtsperson durch sein Reich Holzhausen schritt.

Also, was wollt ihr, wie heißt ihr, fragte er kurz; er ge⸗

dachte im Vorübergehen die Sache abzuwickeln.

Hans Heeger nannte seinen Namen und seine Heimat, und

erzählte dann schlicht und eindringlich, wie er in die Gesellschaft 1

der Zigeuner geraten, und was er da erlauscht habe. Der Schultheiß war höchst zwiespältig in seinem Sinn. In

diesem Augenblick sagte er sich, das ist natürlich ein ganz durch-

sichtiges Lügengewebe eines abgebrühten Kunden, der auf ein Dann aber schien ihm die

gehöriges Botenbrot hinaus will. Rede des fremden Gesellen so den Stempel der Wahrheit zu tragen, daß er wieder irre ward.

Da er aber mehr auf krummen, als auf geraden Wegen zu wandeln gewohnt war und, wenn's einen Vorteil galt, bereit war, sich selber anzulügen, so wurde er zuletzt darin fest, es ist natürlich alles Schwindel. Und er gedachte den Herrn Lügen⸗ mund schlau zu fangen.

Glaubt ihr, fragte er,daß die Zigeuner mutig sind, oder haltet ihr sie für feig? Glaubt ihr, daß vierzig oder fünfzig Zigeuner ein Dorf anpacken werden, in dem mehr als zehn Dutzend kräftiger Mannsleute wohnen?

(JFortsetzung folgt.)