Evangelische
n
erf), ler
agg
n ret eglichte
I
eibarbe aulie
140,
straße
0
kigentümer ist selbst als Hirte dabei. Die Viehzucht war in da⸗ haliger Zeit in Palästina ein Wirtschaftszweig für sich, nicht
bar. Es ist klar, daß ein Besitzer solch großer Herden nicht allein
baren die Mietlinge.
Organ der
Evange
Erscheint zunächst wöchentlich am Samstag. Bezugspreis: 50 Pfg. monatlich frei ins Haus. Für Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert. Schriftleitung: Edwin Hamburger in Staden(Oberh.)
2. Jahrgang.
Die Wirtschaftskrise geht mit unverminderter Hef— tigkeit weiter. Sie hätte eigentlich bereits nach der Stabilisierung der Mark ausbrechen müssen, ist aber immer wieder durch Geldvermehrung und Krediterwei— terungen vertagt worden. Unser Produktions- und Handelsapparat ist noch immer außerordentlich über— setzt. Ende 1909 hatten wir in Deutschland 5222 tätige Aktiengesellschaften und 16 508 tätige Gesell⸗ schaften mit beschränkter Haftung. Am Schluß des Jah⸗ tes 1924 dagegen wurden im stark verkleinerten Reichs⸗ gebiet 17074 Aktiengesellschaften und 79 257 Gesell⸗ schaften mit beschränkter Haftung(nach dem Statisti⸗ schen Jahrbuch) gezählt. Im Berliner Handelsregister waren 1913 insgesamt 31600 Handelsfirmen einge⸗ tragen, 1924 dagegen aber über 60 000. Es steht also fest, daß die meisten Wirtschaftszweige mit Betrieben weit übersetzt sind. Besonders hat die wirtschaftliche Scheinblüte der verhängnisvollen Zeit des Währungs⸗ verfalls außerordentlich viele verlockt, ihr Glück als selbständige Wirtschaftler und Kaufleute zu versuchen. Die Zeit der„Flucht in die Sachwerte“ hat dazu ge⸗ führt, daß in vielen Industriebetrieben die überschüssi⸗ gen flüssigen Mittel zu Erweiterungsbauten in enor⸗ mem Umfange verbraucht wurden. Daneben hat die Zahl der Kartelle außerordentlich stark zugenommen. Wir hatten im Jahre 1913 noch keine 600 Kartelle. Für das Jahr 1925 sind dagegen vom Reichswirtschafts⸗ ministerium ca. 2500 Industriekartelle, 400 Groß⸗ handelskartelle und 180 Einzelhandelskartelle festge⸗ stellt worden. Diese Kartelle, die manches Gute wir⸗ ken, üben aber vielfach auf der anderen Seite eine Bindung des Wirtschaftslebens aus, die man nicht mit Unrecht die private Zwangswirtschaft genannt hat. Diese Produkions⸗ und Handelskartelle setzen vielfach die Preise von oben herunter bis zum letzten Händler fest und kalkulieren diese Preise meistens auf den rück⸗ ständigsten Betrieben. Die Kartelle, die keine Preis⸗ bindungen vornehmen, regulieren aber in ihrer Mono⸗ polstellung die Lieferungs⸗ und Zahlungsbedingungen oft in einer Weise, die schikanös und mitunter unerträg⸗ lich erscheint. Die Kartelle tragen dazu bei, die Stabi⸗ lisierungs⸗ und Reinigungskrise zu verlangsamen. Daran helfen auch kräftig mit die Kartelle der Hand⸗ werke, die Innungen. Diese schreiben Richtpreise für Lieferungen und Arbeiten vor, die von den Bestellern Lieferungen und Arbeiten vor, die von den Bestellern, dor allen Dingen auch von der Landwirtschaft, oft als unerhört bezeichnet werden müssen. Aus allen diesen Tatsachen heraus kommt es denn auch, daß die Großhandelsindexziffer für Industriestoffe fast gar nicht
Lage und zukunptsanssichten
Abonnements⸗ u. Anzeigen⸗Annahmestelle, Druck und Verlag: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher 1362. Postscheckkonto 8437 Frankfurt⸗M.
Sonnabend, den 17. April 1926.
Von Fr. Baltrusch.
nachgibt, während die Preise für die agrarischen Pro— dukte teilweise so gesunken sind, daß die Produktions- kosten nicht mehr gedeckt werden. Die aminöse„Preis⸗ schere“, von der man seit langem spricht, d. h. das Miß⸗ verhältnis der landwirtschaftlichen Erzeugerpreise zu den Preisen für Betriebsmittel, zeigt sich leider noch immer mit voller Deutlichkeit. Die Konkursziffern sind mittlerweile über die regulären Konkursziffern der Friedenszeit hinausgegangen. In den letzten 11 Jahren während und nach dem Kriege, hatten wir eine außer— ordentlich niedrige Zahl von Konkursen, nämlich im Durchschnitt im Monat nur 223 im ganzen Reichsgebiet. Dagegen hatten wir in der Friedenszeit im Hochkon⸗ junkturjahr 1913 immerhin durchschnittlich 815 Kon- kurse im Monat. Im verflossenen Jahre 1925 war die Ziffer erheblich gestiegen. Wir hatten in den ersten 11 Monaten durchschnittlich 866 Konkurse im Monat. Dazu kommt noch die nicht kleine Zahl der sogenannten Geschäftsaufsichten. Dem standen bezeichnenderweise trotz der Schwere der Zeit eine Anzahl Neugründungen gegenüber, und zwar im Oktober z. B. 1870 und im November des vergangenen Jahres 1519. Die Arbeits⸗ losigkeit, das ist das Schlimmste bei der jetzigen Krisen⸗ erscheinung, steigerte sich plötzlich und stark. Während wir im August des verflossenen Jahres im Reichsgebiet nur ca. 168 000 Arbeitslose hatten, stieg die Zahl der⸗ selben im Januar d. J. auf über 1½ Millionen, und die Zahl der Kurzarbeiter ist sicherlich keine kleinere. Allerdings, wir vergessen schnell. Auch in Friedens⸗ jahren mit bester Konjunktur hatten wir im Winter, wenn die Saisonbetriebe und die sogenannten Außen- berufe, ihre Arbeitskräfte abstießen, immerhin bis zu einer halben Million Arbeitslose, dabei standen in Friedenszeiten im deutschen Heer 831000 junge Leute, die den Arbeitsmarkt entlasteten. Heute haben wir keine 100 000 Soldaten. Hinzu kommt dann noch bei der Betrachtung dieser Dinge die gestiegene Zahl der Erwerbstätigen überhaupt. Die kolossale Kapitalver⸗ nichtung im Kriege und die ungeheure Vermögensver⸗ schiebung in der Inflationszeit haben veranlaßt, daß mindestens 2—3 Millionen Volksgenossen, die früher einmal etwas hatten, jetzt wieder den Arbeitsmarkt be⸗ völkern müssen. Wenn man die Arbeitslosenziffer ver— gleichbarer Industrieländer bei der Beurteilung heran- zieht, dann findet man, daß z. B. England lange Jahre nach dem Kriege 1½ Millionen und jetzt auch noch über 1 Million Arbeitslose zu unterstützen hat. Aber immer⸗ hin, das ist ein schlechter Trost, wir müssen allen Ernstes den Ursachen der Krise nachgehen.
der deulschen Wirischaft.
Anzeigenpreise: die 30mm breite Kleinzeile auswärts 24 Pfg., am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg., Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Wiederholungen
Vergünstigung.
Bei
Die Ursachen der Krise sind in erster Linie die noch viel zu hohen Waxenpreise und Frachten und die dadurch zunehmende Absatzstockung, die Kreditnot und die Schwächung der inneren Kaufkraft infolge zu niedriger Löhne und Gehälter und Kaufunfähigkeit der danieder⸗ liegenden Landwirtschaft. Auch der noch viel zu geringe Welthandel Deutschlands ist eine Ursache mit. Immer⸗ hin, der graue Pessimismus braucht einen nicht gleich zu packen. Vielfach wird bereits vom„Absterben der deutschen Wirtschaft“ gesprochen. Davon kann aber ernstlich keine Rede sein. Gewiß bringt die Subventio⸗ nierung der englischen Kohle und damit ihre Verbil⸗ ligung der deutschen Kohle im eigenen Lande eine schwer Konkurrenz. Und das„Loch im Westen“ ist durch den inflationierten französischen Francs leider besonders gegen unsere Eisen- und Stahlindustrie wieder offen. And die Belegung der deutschen Waren seitens England und Amerika und auch durch andere Länder mit hohen Zöllen oder gar mit Einfuhrverboten ist auf die Dauer unerträglich. Es muß der Verhandlungskunst der deut⸗ schen Anterhändler gelingen, die Zoll- und Einfuhrver⸗ botsschranken des Auslandes niederzulegen.
Die Außenhandelsziffern zeigen denn ouch schon, besonders in den letzten Monaten, eine erfreuliche Auf— wärtsbewegung. Unsere Handelsbilanz war zum exsten Male seit längerer Zeit im Dezember aktiv. Wenn man allerdings die Wertbilanz für das verflossene Jahr hinsichtlich der Ein- und Ausfuhr zieht, so überwiegt die Einfuhr um ca. 4,3 Milliarden. Und wenn man die reine Wareneinfuhr einsetzt, überwiegt auch diese mit fast 4 Millarden Mark die deutsche Ausfuhr gegenüber dem Jahre 1924. Die Außenhandelsentwickelung der letzten Monate bietet auch keinen Grund zu ernsteren Befürchtungen, denn wir haben für die Wirtschaft geborgten ausländischen Kapitalien ganz naturgemäß erhebliche Mengen an Rohstoffen eingeführt, die, wenn sie wieder verarbeitet sind, für die deutsche Volkswirt⸗ schaft sehr gewinnbringend sind. Natürlich ist auf der anderen Seite absolut kein Grund zu einem übertriebe⸗ nen Optimismus vorhanden. Der Schlüssel zun deut⸗ schen Außenhandelslage liegt bei den Vereinigten Staa⸗ ten von Nordamerika. Die Vereinigten Staaten führ⸗ ten z. B. nach Deutschland bis zum 30. Juni 1925 für rund 464 Millionen Dollar an Waren ein. Dagegen betrug die Einfuhr aus Deutschland in derselben Zeit nur rund 144 Millionen Dollar. Gelingt es nicht, mit diesem Lande zu ausgeglichenen Handelsbeziehungen zu kommen, so besteht in absehbarer Zeit kaum die Mög⸗ lichkeit der dauernden Aktivierung der deutschen Ge⸗ samtbilanz.
c— 5 N 72
hirt und Mielling. Johannes 10,12. Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässet sein Leben für die Schafe. Der Miet⸗ ling aber, der nicht Hirte ist, des die Schafe nicht eigen sind, siehet den Wolf kommen, und verlässet die Schafe und fliehet; und der Wolf erhaschet und zerstreuet die Schafe.
Wenn der Zweifel an der Geschichtlichkeit Jesu nicht heute überwunden wäre, dann müßten doch die Gleichnisse Jesu jedem, guch dem Nichttheologen, die Augen öffnen, daß da eine geschicht⸗ liche Persönlichkeit der Urheber ist. Denn diese Gleichnisse sind sp lebendig und ungesucht aus den Verhältnissen und dem Leben des damaligen Palästina genommen, daß man immer den Ein⸗ bruck beim Lesen hat, man ginge durch eine galiläische Landschaft. desus geht über eine ausgedehnte Weidefläche. Sie begegnen einer großen Herde Vieh. Dort weiden die Rinder, an anderer Stelle die Schafe. Wem mochten diese Herden gehören? Der
pie bei uns ein Anhängsel der Landwirtschaft. Der Hirte lebte don seiner Herde. Das Weideland war frei. Ueberall, wo Platz bar, da zog der Hirte hin und blieb so lange, bis abgeweidet
die Hut übernehmen konnte. Da brauchte er noch eine Anzahl Knechte, die für Geld ihm bei seinem Berufe halfen. Das Im Vorbeigehen beobachtet Jesu den Interschied zwischen dem Hirten und den Mietlingen. Der Hirte ge ganz bei der Sache, der Mietling steht dabei, als ging ihn illes nicht viel an. Wenn nun, was damals in Palästina häufig Untrat, ein Wolf käme und sich an die Herde schleichen würde? Lo fragt sich Jesus. Da würde der Mietling laufen, der Hirte iber würde seine Herde verteidigen, auch wenn die Gefahr noch
groß wäre.
N
Davon nimmt nun Jesus einen Vergleich mit sich selbst. Er gleicht dem Hirten, dem die Schafe gehören. Er gibt sich ganz für seine Sache hin. Er opfert sich auf für seine Aufgabe. Er achtet nicht wie der Mietling, dem der Verdienst die Hauptsache ist, auf einen Lohn. Er gibt sogar das Leben für die ihm an⸗ vertrauten Menschen. Warum konnte wohl Jesus ein solch guter Hirte sein? Er fühlte sich keinem Menschen verantwortlich, son⸗ dern nur seinem Vater im Himmel. Dieser hatte ihm die Menschen gegeben, die an ihn glaubten. Für diese war er da, für diese hatte er zu wirken, für sie hatte er zu leiden und zu sterben.
Und nun, lieber Leser, wollen wir einen Blick werfen in das heutige Leben hinein. Wie haben wir doch heute die Hirten so nötig, und wieviele Mietlinge sehen wir. Das fängt schon im Kleinen an. Schon das Dienstmädchen im Hause kann Hirte und und Mietling sein. Die eine hat von zu Hause von der klugen Mutter gesagt bekommen:„Tue so, als ob du alle deine Arbeiten für dich machen würdest, dann bist du später an Sorgfalt und Ordnung gewöhnt. Wie du es bei deiner Herrschaft lernst, so machst du es dann dein Leben lang.“ Dann sieht man es dem Mädchen sogleich an; sie will Hirte sein, kein Mietling. Aber ein anderes bekommt von zu Hause gesagt:„Iß tüchtig! Das ist die Hauptsache. Schaffe nur nicht zu viel!“ Das gibt dann die rechten Mietlinge, die ihr Leben nichts tauchen und zu denen man nicht gerne kommt, weil man fürchten muß, vor Schmutz umzukommen.
Oder schau einmal in eine Handwerkerwerkstatt hinein. Da gibt es Lehrjungen, die nicht nur das Handwerk erlernen, son⸗ dern ihrem Meister jede Hilfe zuteilwerden lassen. Aber wieder andere Lehrjungen sagen frech, wenn der Meister ihnen außer⸗ halb der Werkstatt eine Arbeit geben will:„Das brauche ich nicht zu tun!“ Mietlinge!
Wir schauen in Fabriken hinein. Da sind Arbeiter, die werden von dem Fabrikherrn gehalten, solange es nur geht. Auch selbst in Zeiten schlechter Konjunktur bleiben sie im Be⸗ triebe und werden nicht entlassen. Der Fabrikherr weiß genau,
r daß er sich auf diese verlassen kann. Andere aber werden bei der nächsten Gelegenheit auf die Straße gesetzt. Warum wohl? Ob solche sich nicht einmal fragen sollten! Wenn du sie fragst, dann ist immer der Fabrikherr schuld.
In Wirklichkeit aber sind sie selbst allein schuld daran. Sie sind Mietlinge.
In den Bauernhäusern bestand ein alter Stolz darin, daß die Knechte und Mägde lange blieben. Obgleich in den alten Bauernhöfen eine gute Zucht und Ordnung gehalten wurde, so fügte man sich und hielt die Treue. Es ist mir immer, wie ein Lied aus alter Zeit, wenn ich die Auszeichnungen der Landwirt⸗ schaftskammern lese für 25, 30 oder 40 Jahre treue Dienste in einem Bauernhofe. Das waren noch gute Hirten, auf die man sich verlassen konnte. Heute gibt es Mietlinge die Menge, die kaum noch ein Jahr ganz einhalten bei ihrer Herrschaft.
Aus dem Kleinen wollen wir aber jetzt auf das Große schauen. Wir wollen an unser Volk denken. Wo benötigen wir heute gute Hirten? Wie wäre es, wenn wir da zuerst einmal an unsere Parlamentarier dächten? Ist nicht für viele, ja vielleicht für die Meisten, die Vertretung ihrer Volksgenossen ein Miet⸗ lingsgeschäft? Suchen nicht sogar viele nach dieser Stellung, um Gelegenheit zu haben, sich wirtschaftlichen Einfluß und Vorteil zu verschaffen? Denken wir an die hohen Tagegelder! Ueberall soll heute gespart werden. Warum fängt man nicht endlich bei dem guten Vorbild derer an, die ja über Sparen und Abbau zu entscheiden haben? Mietlinge! Wie wohl wäre uns, wenn wir gute Hirten hätten!
Wohl dürfen wir auch etwas an unsere Regierungen denken. Das Wohl und Wehe des ganzen Volkes ist ihnen anvertraut. Nicht nur für die Besitzenden, sondern auch für die Nichtbesitzen— den muß da gesorgt werden. Gute Hirten bedürfen wir. Wir werden sie bekommen, wenn man nicht mehr den Materialismus Alleinherrscher sein läßt, sondern das an Jesus geschärfte Ge⸗ wissen. Wir werden sie bekommen, wenn man sich nicht mehr den Geldquellen, sondern seinem Herrgott gegenüber verant⸗ wortlich weiß! Amen. Hr.
* 9


