Sonnabend, den 16. Oktober 1926.
„Evangelische Warte“
Sonntagsgedanken.
In einem goldenen Buche steht geschrieben:„Wer leben will und gute Tage sehen, der schweige seine Zunge, daß sie nichts Böses rede, und seine Lippen, daß sie nicht trügen. Er suche den Frieden und jage ihm nach.“
Wie wäre es um uns Menschen bestellt, wenn uns jeden Tag, jede Stunde dies Mahnwort leiten würde, wenn über den Ratsstuben der Völker in leuchtenden Lettern die goldenen Worte stünden, wenn auf den Pilgerwegen, die die Menschen wandern, diese Stimme gleich einem Wecker an ihre Ohren klängen!
Wir schauen so viel auf kostbare Gewänder, auf Zierart und Gold; wer reich ist, will sich reich schmücken und die andern ma— chen es nach. Wenn nur für den Herzens-Zierrat der Menschen auch solcher Eifer wäre, für das geistige Gewand, das keiner Mode unterworfen ist, das den Aermsten wie den Reichsten gleich schön schmückt, das nicht veraltet, das keine Motten verzehren, sondern erst am Ende des Pilgerzuges seine volle Schönheit ent— faltet. Gleichgesinnt, mitleidig, brüderlich, barmherzig, demütig, das ist der Faltenwurf des Gewandes Liebe.
Das Hineinleben in deines Bruders Leid und Freude, das ist des Rätsels Lösung, das erstmals der Prediger von Nazareth den Menschen verkündete. An sich selbst fühlt es der selbstsüchtige Mensch, wenn sein Bruder ihn erquickt, der für sein Leid, für das von ihm selbst kaum verstandene Zittern seiner Seele das rechte Wort mitleidiger Liebe gefunden. Ihr Menschen schreit nach Frieden der Welt, und zeiget eurem Nächsten schon Haß, vergeltet Böses mit Bösem, Scheltwort mit Scheltwort. Reformiert nicht gleich die ganze Erde, sondern beginnet dort, wo aller Völker— gemeinschaft Arsprung liegt! Den Frieden zuerst ins eigene Herz, dann in dein Haus, in deines Nachbarn Stube und dann hinausgetragen in diese friedlose Welt, in diese Millionen Her— zen, die bald der Besitz, bald die Sinnlichkeit, bald die Rache, bald der Groll zu keiner Ruhe kommen läßt.
Wer den Frieden ruft, ruft die Liebe, und sie nur allein ver⸗ mag wieder mit Gotteskraft das Weltall neu zu weihen.
Waldfried.
jedem Siedler, der nach Mexiko gehen will und Warnungen kein Gehör schenkt, kategorisch erklären, daß er, wenn er ins Elend kommt, auf keinerlei Hilfe seitens der Deutschen Kolonien zu 1 0 hat.— Er wird und muß seinem Schicksal überlassen blei⸗ en.“
Das von dem„Verbande Deutscher Reichsangehöriger in Mexiko“ geplante Siedlungsunternehmen ist vorläufig zurück⸗ gestellt worden, weil die Mexikanische Regierung den Bau groß⸗ zügiger Besiedlungsobjekte in verschiedenen Landesteilen be— gonnen hat und, sobald eine genügend große Anzahl von Be⸗ wässerungsanlagen nebst Vermessungsarbeiten fertig sind, die Kolonisation dieser Länder vornehmen will.— Einige Jahre dürften bis dahin noch vergehen. Als Kolonisten kommen sowohl einheimische Bauern als auch Europäer in Betracht.— Alle, die an Auswanderung nach Mexiko denken, seien wiederum drin⸗ gend vor Ankauf von Ländereien von sogenannten„Siedlungs⸗
wanderung gewarnt.— Der Evangelische Hauptverein für deutsche Ansiedler und Auswanderer in Witzenhausen an der Werra— Leiter: Direktor Pastor Tönjes— ist nach wie vor gern bereit, jede gewünschte und sachgemäße Auskunft zu erteilen, Seine monatlich erscheinende ee„Der Deutsche Auswan— derer“(Bezugspreis für das Jahr 5.— R.-Mk.) unterrichtet ein⸗ gehend über alle Fragen der Auswanderung und Siedlung. In der Septembernummer erschien ein eingehender Artikel über obiges Siedlungsunternehmen der Mexikanischen Regierung. Probenummern stehen kostenlos zur Verfügung.
Alls Hessen.
Vom hessischen Reformationsjubiläum.
In den Tagen, an denen vor 400 Jahren die Synode zu Homberg stattfand, durch die Hessen evangelisch wurde, vom 20. bis 22. Oktober begeht dort die evangelische Landeskirche in Hessen-Kassel das Gedächtnis ihrer Reformation. In eindrucks⸗ voller Feier will sie sich dabei als Volkskirche im eigentlichen Sinne darstellen. Schon die Auswahl der etwa 200 Ehrengäste bezeugte diesen Sinn der Veranstaltung. Sie gestattet eine Heerschau von seltener Vollständigkeit. Von den höchsten kirch⸗ lichen und staatlichen Behörden bis zu dörflichen Vertretern aus den versteckten Tälern des hessischen Berglandes sammelt sich das evangelische Kirchenvolk an der historischen Stätte. Es fehlen nicht die Landesuniversitäten Marburg und Gießen, an— dere Vertreter der Wissenschaft, der Kunst und des Bildungs— wesens. Aber auch wirtschaftliche Verbände wie Raiffeisen sind zur Stelle.
Mit einem Kirchenkonzert unter Leitung des Seminarober— lehrers Gg. Heinrichs wird am 20. Oktober abends der Auftakt gegeben. Es bietet mit gut besetztem Orchester die Bach'sche Reformationskantate„Gott der Herr ist Sonn' und Schild“, so⸗ wie an Hand von Beispielen aus vier Jahrhunderten einen Gang durch die Geschichte der Evangelischen Kirchenmusik unter beson⸗ derer Berücksichtigung der hessischen Tonkünstler. Am Donners⸗ tag, den 21., läuten morgens zur Stunde der ersten Versamm⸗ lung der historischen Synode die neuen Glocken das Fest ein, darunter die Hessische Reformationsglocke, eine Stiftung der gan— zen Landes. Die vereinigten Hessischen Posaunenchöre grüßen unter Leitung Lehrer Sieberts aus Hephata den festlichen Mor— gen. Der feierliche Zug der Gäste wird zur hochragenden Refor— mationskirche geleitet, wo um 10 Uhr der Festgottesdienst be— ginnt. An ihn schließt sich auf dem dazu außerordentlich geeig⸗ neten Marktplatz der Festakt an mit Grußworten der Ehrengäste, Gesang und feierlicher Handlung. Nachmittags um 4 Uhr hält in der Kirche Prof. D. Dr. Hermelink den Festvortrag über die Homberger Synode von 1526 und Prälat D. Dr. Diehl-Darm⸗ stadt spricht von ihrer Bedeutung für die Gegenwart. Am Abend um 8 Uhr wird das von Pfarrer Stolzenbach gedichtete Fest— spiel„Dem Evangelium Bahn“ aufgeführt. Und am nächsten Morgen ist um 10 Uhr ein festlicher Jugendgottesdienst, woran sich ein Konzert der Vereinigten Hessischen Posaunenchöre an⸗
die Einrichtung zahlreicher Bahn⸗
sichtigung bet mancherlei Wert eben Sehen würdigte Hof bergs, die einen Eindruck von den verborgenen Schätzen Heimat geben mögen. Die idyllische Abgelegenheit der Krel
und Autoverbindungen, dig den Gästen, sofern sie nicht am Orte selbst zu übernachten wi
schen, eine bequeme Heimfahrt an jedem Abend ermöglichen wer den. Freilich ist eine möglichst frühzeitige Anmeldung dure Postkarte an den Festausschuß Homberg(Bez. Kassel) nötig, da mit schon vor Eintreffen alles geregelt sein kann. So versprich! die Veranstaltung, ohne den Charakter der landläufigen Stad feste nachzuahmen, eine imposante Kundgebung der Hessischen
Evangelischen Kirche und ihrer Glieder im besten volkstümliche füge Sinne zu werden. My 60 * cm
Darmstadt. Die 200. Wiederkehr des Geburtstages Dani
4. Chodowieckis feiert das Kupferstichkabinett des Landesmuseush 9 0 durch eine Ausstellung seiner Radierungen, die vom 10. Olle
ber bis zum 14. November ds. Is. dauert.
Schotten. Auf Anordnung des Staatspräsidenten werde in unserem Kreis folgende Sparmaßnahmen durchgeführt. d Fortbildungsschulen von Michelbach, Götzen und Betzenrod we den mit der hiesigen Fortbildungsschule vereinigt. Ebenso wer
den 14 weitere Fortbildungsschulen so zusammengelegt, daß na l sieben vorhanden sind. Die Stundenvergütung wird beträchtsi 1 herabgesetzt, auch der Handarbeitsunterricht muß billiger 9 sistett. ten werden. Die Vergütung für nebenamtliche Leitung der Jon izeln
bildungsschule wird um 25 Prozent gekürzt, auch sind weitere F gl
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sparnismaßnahmen in Aussicht genommen. Hleichz
Holzhausen v. d. 5. Seit einigen Wochen sind hier Une ehen
suchungen mehrerer Typhuserkrankungen, meinde zu verzeichnen sind, im Gange. nicht, den Ursprung der Erkrankungen festzustellen. lautet, befinden sich einige Personen, bei denen Typhus verdach besteht, im Krankenhaus zu Bad Homburg, ein anderer Erkran
ter fand Aufnahme im Hospital zu Friedberg. In ärztliche]
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Die Deutsche Buchgemeinschaft in Berlin SW. 61, Teltow ein
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straße 29, verfolgt als eines ihrer vornehmsten Ziele, das gu enokt und billige Buch in weitesten Kreisen des deutschen Volkes Muft;
tragen. Für den geringen Mitgliedsbeitrag von Mk. 3,90 p
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Vierteljahr erhält das Mitglied nicht nur einen prächtigen Hafß 11
lederband nach eigener Wahl, sondern außerdem kostenfrei illustrierte Zeitschrift„Die Lesestunde“ zweimal im Monat. An
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der Auswahlreihe der Deutschen Buch-Gemeinschaft ist hervom fing
heben das Werk von A. F. Brachvogel„Oberst von Steubeg nuch,
Historischer Roman. Neu herausgegeben von E. Th. Kauer, Je be
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Roman des friedericanischen Obersten Steuben, seine Schichsah sertei
am Hofe der Zarin Katharina, in Sanssouci und in Amerssa ank
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gesellschaften“ sowie vor jeder planlosen und unbesonnenen Aus- schließt. Dieser zweite Tag bietet außerdem Führung und Be-] Ein kulturhistorisches Gemälde jener Zeit. Noe e Id liche
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4 Ueber die technische Ausführung der in meiner Druckerei gedruckten und besonders gut eingebundenen Tauf- Vonfirmations-, Trau⸗ 5
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mir mehrere Dankschreiben von Pfarrämtern zugegangen. 0
19 Die Herren Pfarrer bitte ich, meine Formularhandlung, die mehr als 1000 verschiedene Formulare für alle Behörden, Vereine, K
8 Anstalten etc. umfaßt, auch den Herren Kirchenrechnern und anderen Grganisationsmännern zu empfehlen. 9
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Verlangt die„Evangelsche Warle“
in den Gasthäusern insbeson- dere in
der Sommerfrische.
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