ö Sonnabend, den 16. Oktober 1926.
0 Die Winterlehrgänge 1926/27 liegen wie folgt:
und 1. Lehrgang für junge Männer: 1. November 1926 bis 5 0 bis 1. Februar 1927; f
N 2. Lehrgang für junge Mädchen: 15. Februar 1927 bis Un 15. Mai 1927.
des Teilnehmen können unbescholtene junge Leute über
ech 18 Jahre, einerlei welcher Schulbildung und welchen lde, Beruf sie haben. Die Kosten betragen 60 1 monatlich. igen Von Landwirten kann ein Teil der Kosten durch Lebens— „mittel beglichen werden. Jugendliche Erwerbslose wer— den darauf hingewiesen, daß die Behörden wünschen,
nge. daß sie die Zeit ihrer Erwerbslosigkeit zu ihrer Fort— en bildung benützen. Es besteht daher begründete Aussicht, her daß ihnen bei Besuch des Lehrgangs die Unterstützung Jin 1 gezahlt wird, mit der sie die Kosten des Lehrgangs be— hoh. streiten können. Sie wollen sich dieserhalb sofort an die alk Schule wenden..
erde Alle Anfragen und Anmeldungen sind zu richten an Herrn Pfarrer Petri⸗Hohensolms(Kreis Wetzlar). al Dort erbitte man auch den genau ausgeführten Lehr⸗ d di] plan.
10 F
Nep.
110 be Sonntagsruhe in Gefahr!
t aß Der im Reichsarbeitsministerium fertiggestellte Entwurf
Un. eines Arbeitsschutzgesetzes will zwar erfreulicherweise der höhe— eiten“ ten Verwaltungsbehörde das ihr zurzeit zustehende Recht ab— aber sprechen, neben den sechs Ausnahmesonntagen, die die Ortspolizei⸗ 0 behörde zulassen kann, allgemein noch vier weitere Sonntage für den Verkauf freizugeben und setzt die Höchstbeschäftigungsdauer an den Ausnahmesonntagen von 8 auf 6 Stunden herab. Aber diesen Verbesserungen im Sinne einer ausgedehnteren Sonntags- tuhe steht als um so größere Verschlechterung gegenüber, daß J die höhere Verwaltungsbehörde das Recht erhalten soll, in Wall— sahrtsorten und ähnlichen Orten mit zeitweilig besonderem Fremdenverkehr weitere Ausnahmesonntage ohne Festsetzung einer Höchstzahl zuzulassen; außerdem soll in Gemeinden mit
5%% weitläufiger Siedlungsweise eine regelmäßige Verkaufszeit bis Nang. ju zwei Stunden auch für Verkaufsstellen, die nicht Bedürfnis⸗ t über gewerben dienen, zugelassen werden können. bung Gegen diese folgenschweren Verschlechterungen der Bestim— galbte mungen über Sonntagsruhe setzen sich die Organisationen der 115 Handelsangestellten in zwei sehr lesenswerten Schriften von M. U Hörbrand„Die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe“ und W. b ihn. Bösche„Die Sonntagsruhe in Gefahr“ zur Wehr und fordern sam eine wirkliche, nicht durch zahllose Ausnahmemöglichkeiten durch— n fest! 9 löcherte Sonntagsruhe. In reicher Fülle werden Aeußerungen erden, bon Behörden, Geschäftsinhabern und Gewerbeaufsichtsbeamten erlay“ angeführt, aus denen hervorgeht, daß ein wirkliches Sonntags— ga bedürfnis nicht besteht, außer in sehr wenigen Bedürfnisge— f den werben und etwa an einem Sonntag vor Weihnachten, und daß eiige die volle Durchführung der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe mere lediglich Sache der Gewöhnung des Publikums an richtige Zeiteinteilung und soziale Rücksichtnahme ist. Von Gewicht sind auch die angeführten Kundgebungen evangelischer und katholi— scher kirchlicher Behörden und Verbände, die sich aufs bestimmteste eulsh gegen jede Verschlechterung der Sonntagsruhe im Handelsge— Kuß werbe aussprechen und einen möglichsten Ausbau der Sonntags⸗ fahl ruhe als soziale und religiößse Pflicht bezeichnen. chat ö In der Tat hat das zermürbte deutsche Volk von den Werten dert der Volksgesundheit, des Familienlebens und der seelischen Er— ilch pbebung, für deren Pflege die Sonntagsruhe grundlegend ist, cho nicht mehr viel zu verspielen. Wer die Sonntagsruhe für sich n elbst fordert, muß sie auch den andern gönnen. „ e eee 9100 Abertritte. sen 14 Von einem starken Rückgang der Kirchenaustrittsbewegung tigte 1 berichtet das soeben erschienene kirchliche Jahrbuch von Prof. D. ent, Schneider. Danach sind die Austritte aus den evangelischen Lan— „„% deskirchen zum Freidenkertum oder ohne nachfolgenden Anschluß, die mit 305 584 i. J. 1920 ihren Höhepunkt in der Nachkriegszeit E erreicht hatten, von 111 866 i. J. 1923 noch weiter auf 68 347 10 jun J. 1924 herabgesunken. Andererseits ist die Zahl der Wiederein⸗ 5 tritte von 17 236 i. J. 1923 auf 22 218 gewachsen, wobei Mittel⸗ — deutschland, ein früherer Mittelpunkt der Kirchenaustrittsbe— wegung, im Vordergrund steht. Die örtliche Verteilung dieser Ergebnisse ist sehr verschieden. Die Austritte zu den Sekten und Freikirchen haben sich von 6994 i. J. 1923 auf 13 193 vermehrt. Andererseits haben auch die Uebertritte von den Sekten und Freikirchen zu den evangelischen Landeskirchen etwas zugenom—
men(1538 gegen 1269 i. J. 1923). Die Zahl der Austritte zur klatholischen Kirche in Deutschland ist nach katholischen Angaben von 7245 i. J. 1923 auf 6953 zurückgegangen, während die Ueber⸗
offess
90 leite von Katholiken zur evangelischen Kirche um über tausend, 1 170 suen 9547 i. J. 1923 auf 10 773, angewachsen sind. Diese Ueber⸗ 9 4 kritte zur evangelischen Kirche haben namentlich in Sachsen sowie ach 15 den süddeutschen Ländern Bayern, Württemberg und Baden 1 e.
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, Vom Kampf um die Weltanschauung. h Eine andere Religion.
1 1 In evangelischen Kirchen vernimmt man oft das Wort von u der latholischen Schwesterkirche, ein Wort, das auf die Kirche der 19 Reformation angewandt, man in römischen Kirchen niemals i hört. Die Anschauung ist weit verbreitet in der evangelischen . 5 Welt, Katholizismus und Protestantismus seien nicht nur ge⸗ ihn 1 schichtlich auf demselben Aste gewachsen, sondern sie seien tatsäch⸗ 0 5 lich nah mit einander verwandt, hätten vieles Gemeinsame und 1 10 es sei erstaunlich, wie weit die Uebereinstimmung gehe. In Wirk⸗ if 0 lichkeit ist dies Urteil falsch. Zwischen beiden Kirchen ist„eine 10 13 Kluft befestigt“, so breit, daß man von ihnen ruhig als von ganz 15 05 berschiedenen Religionen sprechen kann. Wie ganz anders röm. 5 5 Art als evangelische ist, zeigt schlagend z. B. eine Notiz, die die . Rhein⸗ und Wied⸗Zeitung“ vom 9. September mit innigem behlshe Behagen ihren Lesern bringt unter der Ueberschrift:„Die Weihe d, von 900 Automobilen. In Quebeck(Kanada) segnete der Pfarrer 6 5 don St. Louis am 30. Mai feierlich 900 Automobile. In seiner uh Rede führte er aus, daß das Auto zwar treffliche Dienste im Ver⸗
„Evangelische Warte“
(In den Vereinigten Staaten erreichte die Zahl der tötlichen Autounglücksfälle im letzten Jahre 25 0001!) Deshalb sei es voll- kommen begründet, daß die Gläubigen beim Gebrauch des Autos mit einer besonderen Weihe den Schutz der Vorsehung anriefen. Die Kirche segne alle wichtigen Gebrauchsgegenstände des mensch— lichen Lebens, wobei freilich der Segen nicht dem leblosen Stoffe, wohl aber jenen gelte, die diesen Gegenstand gebrauchten.“ Zwi— schen dieser„Religion“ und evangelischer Art gibt es leine
Brücken und Stege. *
Priesterliche Unduldsamkeit.
Einen ganz krassen Fall römisch-katholischer Unduldsamkeit meldet die in Bielitz„Neue Evangelische Kirchenzeitung“ vom 15. September 1926, aus Polen. Hier war in Seroczyn der evangelische Gutsbesitzer Werner gestorben. Er hatte der dor— tigen römisch-katholischen Pfarrgemeinde eine schöne Kirche ge— baut, der römisch-katholische Ortspfarrer war in seinem Hause aus- und eingegangen und zur katholischen Gemeinde stand er im besten Verhältnis. Für alles dieses lehnte es derselbe katholische Pfarrer ab, am Sarge des Toten ein Gebet zu spre— chen, er verbot sogar, daß die Glocken der von dem Verstorbenen gestifteten Kirche zu dessen Begräbnis geläutet wurden, ja noch mehr, er verweigerte sogar die vorübergehende Ueberlassung des Kreuzes, das den Begräbnissen vorangetragen wird. Das ging seinen ob soviel priesterlicher Intoleranz aufs höchste erbitterten Pfarrkindern aber doch zu weit, sie entwendeten heimlich das Kreuz und trugen es dem toten Patron ihrer Kirche voran.— Und so etwas zetert dann bei jeder Gelegenheit über: Störung
des konfessionellen Friedens. *
Amtliche Förderung der Jugendweihe zur Verdrängung der Konfirmation.
In Hamburg hat soeben die Oberschulbehörde, an deren Spitze ein Sozialdemokrat steht, den Schulleitern die Anweisung gegeben, in den Schulräumen Werbeplakate der Arbeitergemein— schaft Jugendweihe anzubringen. Daneben sollen Ankündigun— gen über die christlichen Konfirmationen aufgehängt werden. Der Zweck der schulamtlichen Verordnung ist also offensichtlich, zwi— schen Jugendweihe und Konfirmation einen Wettbewerb zu ver— anstalten. Dieser Versuch, mit weltanschaulichen Kämpfen Kin— derköpfe zu verwirren und die Kirche zu öffentlichem Konkurrenz— kampf ausgerechnet mit diesen Kreisen zwingen zu wollen, ver— anstaltet von einer Erziehungsbehörde, ist nicht nur unwürdig, sondern grenzt hart an groben Unfug. Die kirchlichen Vorstellun— gen, von jeder Ankündigung in den Schulräumen abzusehen, sind vergeblich geblieben. Infolgedessen hat die letzte Hamburgische Kirchensynodalversammlung die Zurückziehung der kirchlichen Ankündigung und bei weiterer Gestattung der Jugendweihe— plakate Beschwerde beim Senat beschlossen.
* „Buntscheckiger“ Weltprotestantismus?
Katholischerseits scheint man schon jetzt das Ergebnis der Weltkonferenz„für Glauben und Kirchenverfassung“(faith and order) die im Sommer 1927 in Lausanne tagen wird,„mit Sicherheit voraussagen“ zu können. Die„Germania“(18. 9. 1926) druckt mit sichtlicher Genugtuung einen Artikel aus der Feder des Jesuiten M. Reichmann ab, den dieser im Septemberheft der „Stimmen der Zeit“ veröffentlicht.„Auch wenn die Tagung in Lausanne, die auf einen Monat angenommen ist, ein Jahr und länger dauern sollte, und wenn auch auf diese erste Konferenz viele ähnliche folgen sollten, wird die Einigkeit am Ende ebenso groß sein wie am Anfang.“ Man brauche kein Prophet zu sein, um das vorauszusehen. Das praktische Christentum des Welt⸗ protestantismus sei doch auch nach Stockholm so„buntscheckig“ geblieben wie bisher. Man werde schon zufrieden sein müssen, „wenn der ernstgemeinte christliche Gebetsgeist, der viele Kund— gebungen der Konferenz und ihres Sekretariats auch jetzt durch— weht, üblere Folgen und neue Verbitterungen und Spaltungen hintanhält.“ In den einzelnen Fragen, die die Konferenz be— schäftigen werden,„lauere“ schon jetzt der„Wurm der Zersetzung“. Die Aussicht auf eine Einigung der Frage nach der Auffassung des Abendmahls sei„verzweifelt“. Die Einsetzung des„Siebener— ausschusses“ sei das„Geständnis vollständiger Ratlosigkeit“.„In unseren Tagen des zügellosen Subjektivismus und der Verwahr— losung der Gewissen würde eine etwaige Einigung der Führer, auch wenn sie möglich wäre, an der Masse der Namenchristen er— folglos abgleiten.“„Die nächstjährige Versammlung in Lau— sanne wird nicht als Herzenssache der großen protestantischen Welt, sondern höchstens als Professoren- und Theologenkongreß größeren Stils bewertet, mit Neugierde betrachtet oder auch— abgelehnt.“— Die Ausführungen gipfeln in der zuversichtlichen Gewißheit:„Der Weg endigt in der Sackgasse.“— So wünscht es Rom
Aus Politik und Parlament.
Vom Reichsschulgesetz.
Nachdem über die Vorarbeiten an dem vom Reichsinnen— ministerium vorbereiteten Reichsschulgesetzentwurf allerlei Mit— teilung an die Oeffentlichkeit gedrungen sind, hat neben anderen schulpolitischen Gruppen auch die Führerschaft des Reichseltern— bundes bei einer jüngst nach Berlin einberufenen Tagung Stel— lung genommen. Mit Bestimmtheit wiederholt sie die im Namen von Elternrecht und Gewissensfreiheit auch früher schon ausge— sprochenen Forderungen:
1. Der Belenntnisschule muß Gleichberechtigung und gleiche staatliche Förderung wie den anderen in der Reichsverfassung an— gesehenen Schularten gewährt werden.
2. Die Schulen, die bei Erlaß der Reichsverfassung bestanden, sollen ohne besondere Anmelde- und Antragsverfahren erhalten bleiben. Für andere als diese Schulen soll die Möglichkeit der sofortigen Eröffnung eines Antragsverfahrens gegeben werden.
3. Die Bestimmung darüber, was ein geordneter Schul⸗ betrieb ist, soll durch Reichsgesetz getroffen werden. Dabei soll auch die Schule mit geringer Gliederung als ein geordneter Schulbetrieb anerkannt werden.
J. Bei der inhaltlichen Bestimmung der Bekenntnisschule
kehrswesen leiste, aber auch oft genug Unglücksfälle herbeiführte.
soll zum Ausdruck kommen, daß in ihr entsprechend der Forderung der Erziehungswissenschaft, das gesamte Schulleben vom Geist der betreffenden Welt- und Lebensanschauung durchdrungen ist.
5. Der Religionsunterricht soll gesichert werden, wobei eine Mitwirkung der Religionsgemeinschaft nach Art. 149 der Reichs⸗ verfassung durch geeignete Organe vorzusehen ist.
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Kleine Nathrithten.
Ein Ausreiseverbot. Landesbischof der evangelischen Kirche Rußlands, Bischof Malmgren in Petersburg, ist von der Moskauer Regie— rung die Erlaubnis zur Ausreise nach Deutschland zur Teil— nahme an der diesjährigen Tagung des Gustav-Adolf-Vereins ohne Angabe von Gründen verweigert worden. *
Helfe, was helfen mag.
In Frankreich wird jetzt, einem Bericht der„Schöneren Zu— kunft“ Nr. 50 zufolge, von römisch-katholischer Seite der Katechis— musunterricht durch den Film in Angriff genommen. Zehn Films wurden bereits in einer Länge von je 450 Fuß fertigge— stellt. Jeder Film wird mit den textlichen Erläuterungen unge— fähr 40 Minuten in Anspruch nehmen. Die zehn Filme behan— deln die sieben Sakramente und die Messe, alle Messefunktionen sind durch Priester der Diözese Paris dargestellt. Eine weitere Filmreihe, die die Geschichte der Riten von den ältesten Zeiten, bis zur Gegenwart nach katholischer Auffassung behandeln wird, ist in Vorbereitung.
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Deutschenhaß.
Bei dem internationalen Kampf für Frauenhaarschmuck, der in Brüssel stattfand, errang der Friseur Steinbock aus Hannover den ersten Preis. Der zweite und dritte Preis fiel an Frankreich und England. hrend nach der Bekanntgabe der Sieger die Klänge der französischen und englischen Nationalhymne ertönten, wurde die deutsche Nationalhymne nicht gespielt.— Die deutschen Friseure und der siegreiche Herr Steinbock werden diesen Schlag hoffentlich mit Fassung tragen!
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Politische Versammlungen und Umzüge im besetzten Gebiet.
In den Garnisonstädten des besetzten Gebietes müssen nach den neuesten Verfügungen politische Versammlungen und Umzüge in Zukunft 48 Stunden vor dem Zeitpunkt, an dem sie stattfinden sollen, bei dem betreffenden Platzkommandanten angemeldet wer⸗ den. Die Anmeldung muß den Gegenstand der Versammlung und eine Liste der Einberufer enthalten. Wenn der Platzkom— mandant der Ansicht ist, daß die geplante Versammlung oder der Umzug die Sicherheit der Besatzungstruppen oder die öffentliche Ordnung gefährden kann, hat er sofort die Rheinland kommission hiervon zu verständigen, die dann entscheidet, ob die Versamm— lung oder der Umzug stattfinden kann oder zu verbieten ist.
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Mißerfolg der katholischen Caritasarbeit in Sachsen.
Wie tätig der römische Katholizismus in Sachsen unter Führung seines dortigen Bischofs Dr. Schrei ber ist, tritt dem aufmerksamen Beobachter immer wieder neu vor Augen. Die gezeitigten Erfolge aber halten mit den gemachten Anstrengungen nicht immer gleichen Schritt. Wenn man das Wort; an ihren Früch⸗ ten sollt ihr sie erkennen, als Maßstab anlegt, dann hat man zuweilen doch den Eindruck, daß es mit dem inne⸗ ren Werte des röm. Katholizismus in Sachsen nicht allzu weit her ist. So blieben die Erfolge der diesjährigen großen Caritas-Opferwoche, die der Caritasverband ausgeschrieben hatte, weit hinter allen Erwartungen zurück. Es konnten insgesamt nur 1623,84/ verein⸗ nahmt werden, dazu an Naturalien 9 Zentner Kar⸗ toffeln, 3 Zentner Weizen, 21½ Zentner Mehl, 6 Zent⸗ ner Roggen und ½ Zentner Kakao. Nur in ganz ge⸗ ringem Umfange wurden Kleidungsstücke, Wäsche und Schuhe abgeliefert. Diese praktische Betätigung römisch-katholischer Glaubensfreudigkeit ist in der Tat nicht überwältigend, und man lernt es allmählich ver⸗ stehen, wenn auch nicht billigen, daß von römisch-katho⸗ lischer Seite so gern verstohlen bei Evangelischen— unter Ausnutzung ihrer Harmlosigkeit— für katholische Zwecke gebettelt wird.
Die deutschen Spareinlagen.
Trotz der Arbeitslosigkeit nehmen die Spareinlagen bei den deutschen Sparkassen allmonatlich zu, und zwar wachsen sie in den letzten Monat durchschnittlich um 100 Millionen Mark im Reich. Die Gesamtsumme der Spargelder hat heute bereits 2% Milliarden Mark überschritten. Allerdings betrug beispiels— weise im Januar der Ueberschuß der Einlagen noch 166 Millionen im Monat, er fiel dann im Februar auf 138 Millionen, im März auf 107 Millionen, um von da an konstant zu bleiben.
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Auswanderung nach Mexiko.
Immer noch ist die Zahl derer, die auf„Gut Glück“ nach Mexiko auswandern, recht bedeutend.— Nach soeben beim Evangelischen Hauptverein für deutsche Ansiedler und Auswan⸗ derer in Witzenhausen a. d. Werra eingegangenem Bericht kön— nen diese, falls sie nicht über genügende Barmittel verfügen, in Mexiko auf keinerlei Hilfe der Deutschen Kolonie rechnen. Die in letzter Zeit von dieser in großem Umfange geleistete Unter— stützung der Eingewanderten hat ihre Kasse geleert.— Täglich kommen Verzweifelte, Hilfe erbittend, in deren Büro, müssen aber abgewiesen werden. Auch die vorhandenen deutschen Ge— schäfte wollen infolge der gemachten Erfahrungen keine Unter— stützungen mehr gewähren. Die bisher betriebene und bedeutende Stellenvermittlung ist aus gewissen Gründen eingeschränkt wor— den. Fortan werden nur noch bekannte oder bestens empfohlene Personen berücksichtigt. In obigem Bericht heißt es„Sie können


