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Küchlein, denen man die Henne genommen hat. los, enttäuscht war seine Jüngerschar. Meister seine Getreuen nicht lassen.
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Evangelische Warte
vangelischen Volksgemeinschaf
Erscheint zunächst wöchentlich am Samstag. Bezugspreis: 50 Pfg. monatlich frei ins Haus.
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Schriftleitung: Edwin Hamburger in Staden(Oberh.)
2. Jahrgang.
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Sonnabend, den 15. Mai 1926.
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Nummer 20.
Der Haupteinwurf, der von namhaften Vertretern evangelischen Christentums gegen die Lebensfähigkeit einer evangelischen Volksgemeinschaft erhoben wird, ist der, daß eine EV. nicht in der Lage sei, ein Wirtschafts⸗ programm aufzustellen. Das Evangelium gebe uns nur allgemeine, religibse und sittliche Grundsätze an die Hand, wirtschaftspolitische Einzelforderungen aber, die eine solche Partei als politische Partei erheben müßte, seien aus demselben nicht abzuleiten. Wie begegnen wir diesem Einwand.
Zunächst ist vollkommen richtig, daß das Evange⸗ lium von Jesus Christus an sich nichts mit wirtschaft⸗ lichen Einzelfragen zu tun hat. Die Bibel ist kein nationalökonomisches Lehrbuch, ebensowenig wie sie ein Abriß der Naturwissenschaft oder dergl. sein will. Selbst die Art, wie sich die großen schristlichen Lebensgrundsätze in den ersten Christengemeinden auswirkten, ist aner⸗ kanntermaßen nicht ohne weiteres auf unsere heutigen Lebensverhältnisse zu übertragen. Zeitliche und räum⸗ liche, klimatische und politische Verschiedenheiten gegen damals rechtfertigen das wohl widerspruchslos. Allein es ist nun gänzlich verkehrt, zu behaupten, daß das Evangelium überhaupt nichts mit wirtschaftlichen Fra⸗ gen zu tun habe. Ist denn die Stellungnahme zu wirt⸗ schaftlichen Problemen nur eine rein technische natio⸗ nalökonomische Frage? Ist sie nicht vielmehr auch eine im höchsten Maße ethische Frage?!
Es könnte auf den ersten Blick so scheinen, als ob Dinge wie Lohnverhältnisse, Schutzzölle, Freihandel, Preispolitik, Sozialisierung von Betrieben u. a. m. lediglich dem Urteil nationalökonomischer Fachleute unterliegen. Man übersieht aber dabei, daß es nicht gleichgültig sein kann, von welcher Gesamtlebens⸗ anschauung aus derartige nationalökonomische Urteile zustande kommen. Es gibt bekanntlich keine voraus⸗ setzungslose Wissenschaft, auch keine voraussetzungslose nationalökonomische Wissenschaft. Auf jeden Fall ist die Voraussetzung des Nationalökonomen sein Ver⸗ ständnis dessen, worin das Gesamtwohl des Staates und des Volkes beruhen soll oder kann. Aber gerade dieses Verständnis ist individuell bestimmt durch Erziehung, wissenschaftliche Vorbildung, Lebenserfahrung, Partei⸗ zugehörigkeit usw. Das so individuell bedingte und sub⸗ jektiv gebildete Urteil, wie es in einem nationalökono⸗ mischen System seine theoretische, in dem Wirtschafts⸗ programm jeder der bestehenden politischen Parteien seine praktische Ausprägung erfährt, ist immer ein ein⸗ seitiges. Es sei denn, daß man bereit ist, sich einer Norm zu unterwerfen, die auf der einen Seite„transsubjek⸗ tiv“ ist, d. h. keinen Raum für eine beliebige subjektive Ausdeutung der Norm läßt, und die auf der anderen
Evangelium
Von L. Brandt, Eime.
Seite eben darum als dauerndes Korrektiv für die Bil⸗ dung und Begründung von Urteilen und Maßnahmen
in wirtschaftlichen Dingen gelten kann.
Eine solche Norm besitzt man nicht etwa in„dem Wohl des Ganzen“. Was ist denn das Wohl des Ganzen? Es ist eine veränderliche Größe, zu der jeder je nach Zeit und Umständen eine verschiedene Stellung ein⸗ nehmen kann. Das erhellt ohne weiteres aus der Tat⸗ sache, daß jede politische Partei in ihrem wirtschaft⸗ lichen Programm sich anheischig macht, dem Wohl des ganzen damit am besten dienen zu können, wobei doch alle zu mehr oder weniger verschiedenen Resultaten kommen. Die Sozialdemokratie z. B. behauptet mit der⸗ selben Wärme, daß ihre Sozialisierungsbestrebungen im allgemeinen Interesse liegen, wie etwa die Deutsche Volkspartei das gleiche von ihren manchesterlichen Grundsätzen in Handel und Industrie behaupet. Dabei ist es doch am Tage, daß ein sehr durchsichtiger Klassen⸗ oder Gruppenegoßßnus zugrunde liegt. Was dabei herauskommt, ist ficht wirtschaftliche Wohlfahrt des Ganzen, sondern der wirtschaftliche Unfriede, wie er in dem hoffnungslos zerklüfteten Parteiwesen der Gegen⸗ wart sich in betrübender, aber getreuer Weise wider⸗ spiegelt. Nebenbei bemerkt: Hier zeigt sich auf's Deut⸗ lichste, wie ungerechtfertigt, ja leichtfertig auch der Vor⸗ wurf ist, der unbesehen der E. V. gemacht wird: sie be⸗ fördere die Zersplitterung einer nationalen Interessen⸗ gemeinschaft. Vielmehr muß sie hier die Anklage der Zersplitterung aufs schärfste gegen die übrigen politi⸗ schen Parteien erheben, weil sie zwar mit lauten Wor⸗ ten das Allgemeinwohl als Norm preisen, der politi⸗ schen Praxis aber vermöge des eingewurzelten und sie beherrschenden Egoismus geradezu mit Naturnotwen— digkeit diese Norm immer wieder hintansetzen und unterschlagen.
Eine solche absolut untrügliche Norm für die Be⸗ urteilung sämtlicher allgemeiner und spezieller wirt⸗ schaftlicher Fragen liefert vielmehr einzig und allein die christliche Ethik mit ihren großen Grundsätzen der unbestechlichen, weil von irdischen Interessen und Vor⸗ teilen freien Gerechtigkeit und Liebe, d. h. der absoluten entsagungsvollen Hingabe an den Einzelnen und das Ganze, wie sie nur das an Gott gebundene Gewissen for⸗ dert. Indem der Wirtschaftspolitiker der E. V. vor Gottes Angesicht sich dieser beiden unerläßlichen For⸗ derungen des christlichen Lebens immer aufs Neue be⸗ wußt wird, ist er allein imstande, unter der Hand sich immer wieder eindrängende egoistische Neigungen ab⸗ zuweisen. Er geht also an die Entscheidung wirtschaft⸗ licher Einzelfragen nicht mit einem fertigen Programm heran, sondern mit einem von den großen göttlichen
und Wirtichaftspolitit.
Forderungen erfüllten und beherrschten neuen Geist. Wenn man dagegen einwenden wollte, daß der Mangel eines bis ins Einzelne feststehenden Wirtschaftspro⸗ gramms den Parlamentarier der E. V. unfähig mache, praktische Arbeit zu leisten, so behaupten wir das gerade Gegenteil: eine durch Gruppeninteressen gefärbte Par⸗ teibrille und Festlegung eines Parlamentariers auf irgend welche ganz bestimmte Einzelstandpunkte haben noch immer den größten Schaden gebracht. Was uns nützen könnte, uns aber bisher gefehlt hat, sind wahr⸗ haft geschlossene Persönlichkeiten, die die Grundsätze ihres Handelns nicht von Parteivorständen, auch nicht aus sich selbst, sondern von einer über dem allen stehen⸗ den Instanz bezogen haben. Alle politischen Fragen — das wird an diesem Punkte klar— auch die wirt⸗ schaftlichen, sind eben in hervorragendem Maße Gegen⸗ stand ethischen Handelns. Die Beschäftigung mit ihnen hat immer eine ganz bestimmte Weltanschauung, einen so oder so gearteten Glauben im Hintergrunde; und dieser verschiedene Glaube urteilt auch naturgemäß verschieden über Wert und Unwert der wirtschaftlichen Dinge.
Nicht rein verstandesmäßige Erwägungen im Ge⸗ gensatze zu ethischen Verpflichtungen, nicht theoretische Kenntnisse und Fähigkeiten entscheiden, letztlich über die Frage, ob überhaupt ein Mensch, auch der Politiker, und wie er zu wirtschaftlichen Fragen Stellung nehmen muß. Vielmehr entscheidet immer die Art der Weltan⸗ schauung darüber, ob jemand zu wirtschaftlicher Betã⸗ tigung berechtigt ist,(siehe den Vorwurf: Religion und Politik haben nichts miteinander zu tun) und wel⸗ chen Erfolg er von solcher erwarten kann. Prüfen wir daraufhin die drei hauptsächlichsten Arten von Weltan⸗ schauungen:
Die atheistische Weltanschauung, vertreten beson⸗ ders im Linkssozialismus, vereinzelt aber auch in allen übrigen Parteien, bietet den stärksten Antrieb zur Stel⸗ lungnahme zu wirtschaftlichen Fragen. Denn das Ziel der atheistischen Weltanschauung ist in irgend einer Form immer die rein irdische Glückseligkeit der Men⸗ schen(vgl. Erfurter Programm). Schließen diese Kreise auch noch so fest ihre Reihen zusammen, so werden sie doch niemals ihr Ziel der Menschenbeglückung erreichen, weil in ihrer gott⸗losen Welt stets der Mensch das Maß aller Dinge ist. Wie vorhin schon angeführt, stehen dann aber dem theoretischen, subjektiv gebildeten Wirtschaftsurteil eines einzelnen Menschen, einer einzelnen Klasse oder einer Wirtschaftspartei mit zumindest der gleichen Be⸗ rechtigung so und so viele andere Menschen, Parteien usw. mit ebenso subjektiv gewonnenen, theoretischen, aber ganz anders gearteten Urteilen entgegen. Eine
Komm heiliger Geist!
Lukas 11,13. Der Vater im Himmel wird den heiligen Geist geben denen, die ihn bitten.
Wir stehen wieder vor dem Pfingstfest und denken an die Stunde, da Jesus ganz in Abschiedsgedanken versunken, seinen Jüngern den heiligen Geist verheißt. Jesus kannte die Rat⸗ losigkeit, die auf die Jünger wartete zu der Zeit, da er am Kreuze sein Werk besiegeln und durch seine Himmelfahrt es krönen werde. Dann sah er sein Häuflein Jünger wie eine Schar Hilflos, trost⸗ Aber so will der liebe Einen„Tröster“ will er ihnen senden, der von seinem himmlischen Vater kommt. Dieser Tröster soll sie weiter lehren und führen und alles das in ihnen in der Erinnerung erhalten, was der Meister ihnen gesagt hatte. Jesus nennt diesen Tröster den heiligen Geist. Was ist das? Es gibt ja eine Menge verschiedener Geister. Sie haben nur eines miteinander gemeinsam. Man kann sie nicht sehen. Ja wie oft irrt man sich im Geist eines Menschen. Wir dachten, der Mensch habe einen guten Geist. Eines Tages merken wir, daß er einen falschen scheinheiligen Geist hat. Oft suchen wir bei Menschen einen verständigen großzügigen Geist. Aber da gehen uns auf einmal die Augen auf. Diese Leute haben ja einen törichten, kleinlichen Geist. Woran liegt dieses häufige Irren? Wir können keinen Geist sehen. Einen Mensch können wir auf Schönheit und Kraft beurteilen, aber wie sein Geist beschaffen ist, das sehen wir ihm nicht an. Erst müssen wir hören, was der Mensch redet, müssen sehen, was der Mensch tut, dann erst dürfen wir Schlüsse ziehen auf die Beschaffenheit seines Geistes. So ähnlich ist es auch mit dem heiligen Geist. Wir machen die Augen auf und sehen, was unsere Mitmenschen reden und trei⸗ ben. Kommen wir in ein Ort, wo man die Leute auf der Straße
fluchen hört, wo man sich beim Essen wie Ochs und Esel ohne Gebet zu Tisch begibt, wo am Sonntag die Kirche leersteht, dort ist kein heiliger Geist.
Es gibt auch Zeitungen, es müssen nicht gerade nur solche sein, die von vornherein Schmutz und Schund bringen wollen, aus denen spricht kein heiliger Geist. Jesus nennt den Geist Geist der Wahrheit. Gewiß denkt Jesus dabei an die ewige Wahrheit. Wie kann aber von ewiger Wahrheit im Ernste ge⸗ handelt, wenn bewußte Lügen aufgetischt werden. Wie kann dort von heiligem Geist etwas zu finden sein, wo man nur Selbstsucht, Gruppenegoismus und Standesdünkel findet. Nein dort ist kein heiliger Geist.
In der großen französischen Revolution hat man Gott und Jesus abgesetzt. Damals glaubte man, daß der Mensch der Herr sei auch über das Gebiet des Göttlichen. Was aber auch ohne Gott in dieser Revolution an Grausamkeit geleistet worden ist, geschah in teuflischem Geiste. Auch in Rußland hat man während und nach der Revolution die Kirchen geschlossen und die Religion verboten. Teufelsgeist hat auch dort geherrscht mit einem blutigen Schreckensregiment. Bei der deutschen Revolution hat man ja auch geglaubt, so etwas ähnliches nachmachen zu müssen; ist aber nicht weit gekommen. In Frankreich hat sich dieser Satansgeist nicht auf die Dauer halten können, weil sonst durch die Gewalt des Bösen das ganze Land untergegangen wäre. In Rußland hören wir, wie sogar in den Staatsdruckereien Bibeln gedruckt werden. Wünschen wir doch auch für unser deutsches Volk wieder mehr den heiligen Geist. Ohne den heiligen Geist kommen wir nicht heraus aus der Zersplitterung, dem Egoismus, der Selbst⸗ sucht, der Unwahrhaftigkeit und dem Materialismus.„Komm heiliger Geist!“
Wenn wir für unser Volk den heiligen Geist erbitten, dann müssen wir aber auch für jeden Einzelnen denselben erbitten. Denn nur dadurch, daß dieser Geist von den Einzelnen unseres Volkes Besitz ergreift, kann er mehr und mehr in unser Volk
kommen. Wann werden wir nun am ersten bereit sein, um heiligen Geist zu bitten? Sicher dann, wenn wir im Staube liegen. Dabei meine ich nicht jenes künstliche in den Staub⸗ drücken, wie es eine ungesunde Frömmigkeit wünscht. Nein ich denke an die Sturmtage in unserem Leben und an trübe Wolken⸗ tage, in denen es uns kalt über den Rücken rieselt und es kämpfen und aushalten heißt. In solchen Tagen sehnen wir uns nach dem Geist, der uns erfüllt mit heiligem Wollen, heiligem Kämpfen, heiligem Standhalten, heiligem Siegen.„Komm heiliger Geist!“
Leben wir nicht eben in einer Zeit, die wir Sturmzeit nennen? Gerade gegen unser Evangelium wird ja Sturm ge⸗ laufen. Alte treue Stützen dieses Evangeliums sind heute durch den Teufelsgeist des Materialismus Feinde geworden. Eine lange feindliche Front stürmt ein auf das, was uns teuer und wert ist. Viele Verräter üben die Judastat, treulose Mietlinge wagen feige keinen entschiedenen Entschluß. Da sehnen wir uns nach Einigkeit und Treue, nach Führer und Hirten.„Komm heiliger Geist!“
Jesus nennt den heiligen Geist den Geist der Wahrheit. Man kann auch sagen Geist des Entschlusses und der Entschiedenheit. Als solcher wirkt er so wohltätig auf unser Wollen. Er rüttelt die auf, die weder warm noch kalt sind. Er lehrt, die Hände aus dem Schoße nehmen und angreifen, wo es nötig ist. Gott will, daß wir wollen. Ist es nicht ein Versuchen Gottes, wenn man alles gehen läßt, wie es geht? Wozu hat Gott uns seine Gaben gegeben? Darum auf, werdet wach, die ihr schlaft! Heilige Begeisterung erfülle euch!„Komm heiliger Geist!“
O Licht, o Tröster, bist du, ach,
Nur jener Zeit, nur jener Schar verkündet? Nicht uns, nicht überall, wo wach
Und Trostes bar sich eine Seele findet?
Ich schmachte in der schwülen Nacht;
O leuchte, eh das Auge ganz erblindet;
Es weint und wacht! Amen. Hr.


