in den übrigen deutschen Ländern, z. B. in dem uns benachbarten
Sonnabend, den 14. August 1926.
„Evangelische Warte“
Verfügung stehenden Schwestern um 25 zurückgegangen. Und das mitten in einer Zeit großer und schwerer Ar⸗ beitslosigkeit, die auch auf den weiblichen Erwerbstäti— gen lastet. Spielhöllen. Dezember 1919 besteht das neue Glückspielge— setz. Bei seinem Zustandekommen gab es in Berlin 12 Spiel⸗ ubs, heute sind es 125. Die Presse veröffentlicht Schilderun— gen der brutalen Betrugsmanöver, die sich in ihnen abspielen. Die meisten dieser Klubs„tagen“ ununterbrochen von nach— mittags 5 bis morgens 6 Uhr, um dann in einem anderen Raume die Arbeit fortzusetzen. Die größte Dreistigkeit erlaubt sich ein Klub an der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtnistirche, der die Spieler 6 Uhr früh, bei Wiedereinsetzen des Schankbe— triebes, zum Morgenfrühstück und Spiel auf seinem Dachgarten einladet. Die Besitzer sind bis auf drei oder vier meistens Leute, die Schiffbruch erlitten haben, zum Teil„schwere Jun— gens“, vier sind nachsweislich mit Zuchthaus vorbestraft. Und das alles vor den Augen der Ueberwachungsbehörden! Das Berliner Polizeipräsidium, das ständig auf diese Auswüchse aufmerksam gemacht wird, erklärt sich außer stande, einzugrei— fen, da es ohne Ausführungsbestimmungen keinerlei Hand— habe besitze.— Es wird vom Reichstag verlangt werden müssen, daß er entweder das Glücksspielgesetz ändert oder aufhebt. *
Zuschußbedarf des Reiches im 1. Vierteljahr 1926.
Nach der vom Reichsfinanzministerium herausgegebenen Uebersicht über die Reichseinnahmen- und ⸗Ausgaben im ersten Vierteljahr des Finanzjahres 1926(April bis Ende Juni) be⸗ liefen sich, in Millionen Reichsmark ausgedrückt, im ordentlichen Haushalt die Einnahmen auf 1524, die Ausgaben auf 1601. Mit⸗ hin war ein kassenmäßiger Zuschuß von 77 erforderlich. Dagegen ergibt sich infolge der in den Haushalt jetzt eingestellten Ueber⸗ schüsse aus den Jahren 1925 und 1924 ein etatmäßiger Ueber⸗ schuß von 14,8. Im außerordentlichen Haushalt beliefen sich die Einnahmen auf 0,6, die Ausgaben auf 116,5.
Alls Hessen.
Finanznöte der hessischen Landeskirche.
Darmstadt. Der hessische Landeskirchentag hat bei seiner letzten Tagung folgende öffentliche Kundgebung erlassen:„Die evangelische Landeskirche in Hessen befindet sich in einer äußerst schwierigen Finanzlage. Die Kirchensteuern haben eine kaum noch tragbare Höhe erreicht. Aus eigener Kraft kann sich die Kirche nicht mehr helfen. Wir erheben vor der Oeffentlichkeit erneut Beschwerde darüber, daß der hessische Staat seinen ge⸗ schichtlich und rechtlich unbestrittenen Verpflichtungen gegen die evangelische Kirche nicht genügend nachgekommen ist. Dies ist
*
Seit dem 22.
Baden, trotz ihrer gewiß auch nicht günstigen Finanzlage ge— schehen. Kein Staat, der den Anspruch erhebt, ein Kulturstaat zu sein, darf die Dienste vergessen, die die christlichen Kirchen, und nicht zuletzt die evangelische, auf dem sittlich-religiösen, geistig⸗kulturellen und sozial⸗charitativem Gebiete dem Volks⸗ ganzen und damit dem Staate von jeher geleistet haben, heute noch leisten und in Zukunft leisten müssen.“
Darmstadt. Die zweite Hälfte der Darmstädter Opernsaison 1925 26 nahm mit Pfitzners„Palestrina“ einen großzügigen Anfang. In der Osterzeit erschien Wagners„Parsifal“ in einer gegen das Vorjahr sehr vervollkommneten Inszenierung. Moderne Uraufführungen brachte man mit Francescos Mali⸗ pieros drei Goldonischen Komödien„Das Kaffeehaus“,„Herr Todero Brontolone“ und„Die zänkischen Weiber von Chioggio“ heraus, die mit dem lärmenden Ballett„Das venezianische Klo⸗ ster“ von Alfredo Casella zusammengekoppelt waren. Erfolg⸗ reiche Neueinstudierungen erlebten„Der Wildschütz“, Donizettis „Don Pasquale“. Pergoleses serva padrona“, Abu Hassan“ von Weber und„Die Nürnberger Puppe“ von Adam.„Fidelio“, „Zauberflöte“ und„Oberon“. Die letzte Neueinstudierung war Verdis„La Traviata“. Hervorragende Gäste waren Richard Mayr und Anne Noselle von Wien, Karl Jörn. Der große Er⸗ folg ist in erster Linie dem neuen Generalmusikdirektor Josef Rosenstock zu verdanken.
Alsfeld August. Eine weitere Autopostlinie im Vogels⸗ berg ist von Alsfeld nach Ulrichstein geplant. Die beteiligten Ge⸗ meinden haben eine Garantiesumme von etwa 32 000 Mark zu leisten; auf Alsfeld entfallen etwa 15 000 Mark. Der Stadtvor⸗ stand stimmte der neuen Linie zu und bewilligte die Garantie⸗ summe. Das Auto wird in Alsfeld untergestellt, täglich sind zwei Fahrten vorgesehen.
Büdingen, August. Unter außerordentlich starker Beteili— gung der Bürgerschaft und insbesondere der ehemaligen Schüler wurde hier das 325jährige Bestehen des Wolfgang⸗Ernst⸗Gymna⸗ siums begangen. Die Anstalt wurde im Jahre 1601 durch den Grafen Wolfgang Ernst von Birstein gestiftet, dessen Namen sie gelegentlich des 300jährigen Jubiläums erhielt. 1882 war sie Staatsanstalt geworden. Gelegentlich des Jubiläums wurde für die im Weltkrieg Gefallenen eine Tafel enthüllt, die die Namen von zwei Lehrern und 95 Schülern enthält.
Die hessischen Geschichtsvereine zur Fürstenhetze.
Gelnhausen. Der Landesverein für hessische Geschichte und Landeskunde, hat in Gelnhausen seine Jahrestagung abgehal⸗ ten. Bei der Erstattung des Jahresberichts wurde u. a. er⸗ wähnt:„Die in der letzten Zeit anläßlich der Verhandlungen über die Abfindung der Fürstenhäuser nicht selten gehässigen An— griffe der Linkspresse auf die hessischen Landgrafen fanden beim Vorstand wie bei den übrigen Mitgliedern des Vereins lebhafteste Beachtung. In einem ganz besonders krassen Falle hat der Vorstand auch einen Schritt zur Richtigstellung unternommen, nämlich als die„Welt am Montag“ einen von Brunner längst als Fälschung erwiesenen Brief Landgraf Friedrichs II. neuer⸗ dings mit entsprechendem Kommentar abgedruckt, in dem der Landgraf angeblich sein„Mißfallen“ darüber ausdrückt, daß von einem nach Amerika transportierten hessischen Truppenteil so wenige seiner Landeskinder gefallen seien, weil infolgedessen weniger englische Werbungsgelder in seine Tasche flössen. Der Vorstand schickte der Redaktion unter Hinweis auf den Brunner⸗ schen Aufsatz eine Berichtigung zu, die denn auch von der„Welt am Montag“ abgedruckt worden ist, aber an so versteckter Stelle, daß gewiß niemand sie gelesen hat. Daraus ergab sich, daß es gegenüber einer übelwollenden Presse ziemlich zwecklos sei, den Kampf gegen die Verleumdung namentlich Friedrichs II., wegen seines sogenannten„Soldatenhandels“ aufzunehmen, und man
hat daher von ähnlichen Schritten in der Folgezeit age
a8 10. ohnedies nicht mehr an jene Verleumdungen, und Leute, die sich aus parteipolitischen Gründen nicht belehren lassen wollen, wird man ohnedies nicht zu einer gerechten Beurteilung jener einzig aus den Anschauungen ihrer Zeit heraus zu würdigenden
Einsichtige und wahrheitsliebende Geschichtsforscher
Vorgänge bekehren können.“
Homberg(Bez. Kassel). unter Landgraf Philipp dem Großmütigen in Homberg a. d. Efze die sogen.„Homberger Synode“ statt. Die 400jährige Wie⸗
derkehr dieses Ereignisses soll im Herbst dieses Jahres von der gesamten Evangelischen Landeskirche in Hessen feierlich begangen
Die Feier wird an den historischen Tagen hier statt⸗ Die„Homberger Synode“ bedeutet den Eintritt Hessens
werden. finden.
in die Reihe der Gebiete, die sich der evangelischen Erneuerung im 16. Jahrhundert öffneten. Im Rahmen der Veranstaltungen zum Hessischen Reformationsjubiläum erscheint u. a. ein Fest⸗
spiel, das die anziehende Gestalt Philipps zum Mittelpunkt hat.
Bücherbesprechung. Zwei Schriften, E. V. aufs wärmste empfohlen werden: 1.„Evangelisch oder katholisch?“ von H. Seeliger. scher Lutherverlag Witten a. Ruhr. Preis 1 Mark. 2.„Warum evangelisch und nicht katholisch?“ von Lic. M. Stäglich. Verlag des Evangelischen Bundes, Berlin Wü 35. Preis 0,90 Mark. Wir von der E. V. kämpfen gegen die Machtansprüche der
ee
römischen Kirche, weil wir wissen, daß das letzte Ziel ihrer Beseitigung des Protestantismus, Die Kraft und den Mut für unsern Kampf müssen wir immer wieder aus der Er⸗
äußeren Machtentfaltung, Vernichtung der evangelischen Religion ist.
kenntnis schöpfen, was für uns auf dem Spiele steht, wenn Rom die Macht gewinnt, die es haben will; wir müssen wissen, welch herrliches Gut wir mit unserm Glauben verlieren, wenn Deutschland katholisiert wird. Dieses, und daß unser Glaube! es wert ist, für ihn zu kämpfen, zeigen uns deutlich die beiden oben genannten Schriften. Es sind keine Hetzschriften, sondern in aller Sachlicheit zeigen sie die Herrlichkeit und Ueberlegen⸗ heit des evangelischen Christentums gegenüber katholischer Lehre und katholischer Kirchenpraxis. Die Sprache ist in beiden Schrif⸗ ten schlicht und volkstümlich, sodaß auch der einfache Mann sie versteht. Zu Besprechungen in Mitgliederversammlungen der E. V. eignen sich beide Heftchen sehr gut. Ide, Höchst a. M.
Paul Gerhardt, Schauspiel in 5 Aufzügen und 1 Schluß⸗ szene, von Emma Lehn. Verlag des Evang. Gemeindeblattes zu Offenbach a. M., Gothestraße 10. Preis Mk. 1,.—. Dieses Schauspiel, zum 250. Todestag Paul Gerhardts erschienen, wird Vielen, die zumal in diesem Jahre ihren Gemeinden die Gestalt des großen Liederdichters der evangelischen Kirche lebendig vor⸗ führen wollen, gute Dienste tun. Das Aufführungsrecht ist durch den Verlag einzuholen.— Aus der Feder derselben Schrift⸗ stellerin sind unter anderem erschienen die Bühnenspiele:„Die Calvinisten“,„Dramatische Bilder aus der Zeit Deutscher Not und Erhebung“,„Das Deutsche Volkslied in Wort und Bild und Lied“,„Das Kirchenjahr“, Die Lehrdichtung„Gegenkönige“ ., d. m.
An unsere Mitglieder und Freunde!
Auf unserer 1. Reichstagung in Gießen am 2. Juni v. Is. war beschlossen worden, daß die 2. Reichstagung im Herbst 1926 in Gelsenkirchon stattfinden solle. Mit Rücksicht darauf, daß voraussichtlich im Volksstaat Hessen im Herbst Landtagswahlen sind, daß wir im letzten Jahr nicht nur in Hessen und Hessen⸗Nassau, sondern auch in fast allen Gegenden des Reiches viele neue Mitglieder und Anhänger gewonnen haben, berufen wir in Ab⸗
änderung des obigen Beschlusses für
Sonntag, den 3. und Montag, den 4. Oktober 1926 die 2. Reichstagung nach Frankfurt a. M.
Auf dieser Tagung spricht auch
Reichstagsabgeordneter Dr. Best über das Volksbegehren für eine gerechte Aufwertung.
Wir bitten heute schon unsere Mitglieder und Freunde, sich für diesen Tag bereit zu halten und nach Möglichkeit für diese 2. Reichstagung zu werben. Der 3. Oktober muß ein gewaltiges Bekenntnis zu unserer guten Sache werden. Näheres später.
Mit evangelischem Gruß
Der engere Vorstand der Evangelischen Volksgemeinschaft:
Professor Niemann⸗Gelsenkirchen,
Bürgermeister Völker⸗Lich,
Pfarrer Weidner⸗Ober⸗Lais.
1 10 ü Blumenhaus Dietz 5 Wir bitten um örtliche Nachrichten für die Seltersweg 3s Gießen Fernsprecher 13 8 8 a 1 95 Evangelische Warte. Diese Berichte sind direkt Größtes Spezialgeschästoberhessens[as Schuh Ver, C leg F en den Verlag der„Ev. Warte“(Sie fen S 2 8 3 5 Südanlage 21) bis spätestens Donners⸗ . I Prompte u. reelle Bedienung. 3 65 H a m bur ger. 8 T 19 b f n b M 1 f n b 1 1 Drucksachen aller Art% Albin Klein, ideen, 23 ü—— in jeder Preislage, zum Teil ellnüssen Leser der Warte!
eigene Crescensen
Ich bin befreit vom 1. Tage an, wo ich von Ihrer Methode Ge- brauch machte, bin ich das Uebel los. So schr. Landw. O Brambacher im Hot. Alt. u. Geschl. angeb. Ausk. kostenl.
Istu Winkler
München M 256—257 Nympbenburgerstr. 168
C. Striba 1.
Gegründet 1883
i 0 5. b 5 in e 5
N i 2
2
Flonheim
bei Bingen am Rhein. A 7
dere
Sorgt für
Verlangt die„Evangellsche Warleꝰ
in den Gasthäusern insbeson- in der
Sommerfrische.
Bestellung,
Wo sje nleht zu haben ist
Am 21. und 22. Oktober 1526 fand
die den Mitgliedern und Freunden den
1
wir! qu en alles Fott Nun Jie unte nicht
det!
vbelc
Jude
woll füt Nu gedr gege gan,
Ent fh far mei Jede len
uf dos


