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Sonnabend, den 13. November 1926.
vollste Tatpredigt erweise, daß die Christen Christus wollen, um
Ehristi willen, nicht um irdischen Glückes willen. Der Herr for— dert diesen Dienst nicht von allen, aber von vielen als einen besonders schweren, aber doch hohen.“ Pastor Rosenberg, Riga, sagte zu seiner Frau bei seiner Verhaftung:„Wenn auch mein Saupt fallen sollte, sei überzeugt, daß das anderen den Glauben stärken wird.“ Tiefergreifend sind die Berichte vom triumphie⸗ renden Ende dieser Blutzeugen und Blutzeuginnen ihres Glau⸗ bens an den gekreuzigten Christus. Die Geschichte müßte lügen, wenn nicht aus dieser edlen Saat köstliche Ernte, nicht nur für das Baltenland, sondern für die Gesamtkirche, sprossen würde. Dr. O. Schabert schreibt richtig:„Soll die heilige Saat, die Gott im Blute der Märtyrer gestreut, für die baltische Kirche und die ganze Christenheit Frucht bringen, dann bedarf es des Frühregens göttlicher Gnade, die dieser Saat allein Wachsen und Gedeihen geben kann, und des Spätregens menschlichen Gebets, das sich dankbar die großen Gedanken Gottes zu eigen macht: Wir müssen das Leben aus Christus nehmen, um unser Leben für Ihn zu lassen, wenn es sein muß, auch im Sterben für Ihn.“ e eceddacddennddddoadaanammmddem
Für unser liebes junges Volk
aauaanedcddddnmmmmdammmmmm mend rnb J Im Brunnen. Der Engel des Herrn lagert sich um die her,
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so ihn fürchten, und hilft ihnen aus.(Pf. 34, 8.)
Es war dunkle Nacht. Am schwarzblauen Himmel funkel⸗
sen die hellen Sterne. Sie leuchteten auf die Hügel des tibeta—
tischen Hochlandes, sie schienen in die engen Gassen von Rasar.
Ganz still war es in dem kleinen Ort, alles lag in tiefer Ruhe
und festem Schlaf. Vor drei Tagen war es anders gewesen,
a hatten die Männer zusammengestanden und laut und hef⸗ ig geredet, und die Frauen und Kinder hatten mitgeschrien. Hanz fürcherlich war der Lärm geworden, als aus dem Hause ses Lamas, des Priesters, ein junger Mann im langen, gel⸗ en Gewande geführt wurde. Er hieß Sundar Singh. Die
„ Menschen hatten Stöcke und Steine aufgehoben und den Ar⸗
en bedroht. Die Diener des Lamas aber nahmen ihn in ihre Neitte und führten ihn an einen trockenen Brunnen, der mit hre schweren Eisenplatte verschlossen war. Damit diese ja siemand öffnen konnte, war noch ein gewaltiges Schloß am F runnenrand befestigt, mit dem wurde der Eisendeckel an den Zaunnenrand angeschlossen. Den Schlüssel aber hatte der Lama m seinem Bund, das er Tag und Nacht am Gürtel trug. Jetzt nahm er den Schlüssel, schloß das große Schloß auf, ließ den schweren Deckel wegschieben und— stieß den jungen Nann hinab in schaurige Tiefe! Es tat einen dumpfen Fall, ils er unten auffiel, es klapperte so merkwürdig dabei. Das am von den Knochen, auf welche der Mann gefallen war. Viele baren schon vor ihm in diesem entsetzlichen Brunnen Hungers Leer ihre Gebeine vermorderten da unten. Oben aber glossen sie den Deckel wieder an den Brunnenrand, der Lama sängte den Schlüssel an sein Bund, und der ganze Haufen wan⸗ erte nach Hause. Was hatte denn der Arme getan, daß man ihn so schrecklich tafte? Er hatte den Bewohnern von Jesus erzählen wol⸗ en, denn er wanderte als Apostel und Missionar umher, und gar zu gerne hätte er auch an diesem Orte von der Liebe des heilandes erzählt. Die Leute wollten ihn aber nicht sören, sie wurden wütend und beschlossen, den ungebetenen bast zu töten. Nun lag er schon die dritte Nacht unten im Brunnen! Seine ßlieder schmerzten ihn vom Fall, sein rechter Arm war zer⸗ wetscht! Aber er stöhnte nicht etwa da unten, nein, er betete: Dein Wille geschehe!“ sagte er, denn er fühlte sich vom Hunger und den Schmerzen sterbensmatt. Auf einmal schien es ihm, als alle ein Lichtschein in seinen Kerker. Er schaute auf, bewegte ich da nicht der Deckel? Wirklich, immer heller wurde es, nun el sogar ein Seil herunter dicht vor den Gefangenen! Mit einen letzten Kräften ergriff er dasselbe und wurde hochgezogen. Oben in der frischen Nachtluft fiel er zur Erde. Als er sich ber erheben und seinem Retter danken wollte, war derselbe erschwunden! Der Brunnen war aber verschlossen und ver⸗ schert. Nach einigen Tagen gab es ein gewaltiges Geschrei im Ort, ls eine Frau erzählte, der Gefangene aus dem Brunnen gehe ei auf der Straße umher! Zuerst dachten alle: Die Frau muß tesinnig sein! Der liegt doch mit zerbrochenen Gliedern, elend erhungert im Brunnen! Dann aber sahen sie es mit eigenen ligen, daß die Frau recht hatte. Wer hatte den Mann befreit? En wildes Suchen nach diesem Uebeltäter begann, der Lama Bae und tobte, klagte seine Diener an, daß sie ihm den Schlüs⸗ e geraubt hätten. Aber siehe, der Schlüssel hing wie immer in Bund, und das Bund hatte der Lama die ganze Zeit bei sich —
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buffe aus der Jesuiten⸗Schmiede. Alle drei Kaiser, die nach suximilian II. bis zum Ausbruch des großen Krieges zur Re⸗ Fung kamen, Rudolf II., Mathias und endlich Ferdinand II., er eigentl. Kriegskaiser, waren Zöglinge des Jesuiten-Ordens. Bereits 1608 führte die Bedrängung der Protestanten trotz her Lauheit und inneren Uneinigkeit zu ihrem kriegerischen sammenschluß in der sogenannten Union. Die katholische itwort erfolgte im Jahre darauf durch Bildung der Liga. Die saupter der ersteren waren die drei protestantischen Kurfürsten: Johann Georg von Sachsen, den seine Zeitgenossen den Bier⸗ brig nannten, Georg Wilhelm von Brandenburg, wohl der hyächlichste Vertreter des gesamten Hohenzollern-Hauses, und * V. von der Pfalz, der leichtsinnig war wie ein fahren⸗ 3 Gesell und bald genug auch wie ein solcher leben und ster⸗ er sollte. 1 Diesem Verbande stand also die kaiserliche Gewalt des Je⸗ .be Ferdinand gegenüber, der um des Kults willen
i römisches Reich deutscher Nation zu Grunde regierte. Und r zur Seite stand die Macht der Liga unter dem stolzen, un⸗ shttlichen Herzog Maximilian J. von Bayern, der gleichfalls e Jesuiten⸗Zögling war, und den drei Kurfürsten⸗Erzbischöfen % Mainz, Köln und Trier.
Es konnte nicht fehlen, daß die Willensüberlegenheit der aßzolischen Partei im Felde nun auch das Glück der Waffen (wang. Im protestantischen Böhmen begann der Krieg im
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„Evangelische Warte“
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Wer hatte den mutigen Bekenner befreit, war es wie bei Petrus ein Bote Gottes gewesen? Wir wollens glauben und uns recht freuen darüber! Wir werden ja wohl nie ins Ge⸗ sängnis kommen wie Petrus, auch in einen solch schrecklichen Brunnen wird uns niemand stoßen. Aber vielleicht will uns doch einmal jemand verbieten, vom Heiland zu erzählen oder ihn liebzuhaben! Dann wollen wir aber nicht ängstlich stille⸗ schweigen oder furchtsam mit den anderen gehen, sondern mutig und getrost sagen:
„Laß dich durch nichts erschrecken,
O du christgläub'ge Schar!
Gott wird dir Hilf' erwecken
Und selbst dein nehmen wahr!
Er hat dich ja gezeichnet,
Gegraben in sein Händ;
Dein Nam' stets vor ihm leuchtet,
Daß er sein Hilf dir send! M. W.
* Ein herrlicher Helfer.
Ihr lieben Kleinen, habt auch ihr schon von diesem Helfer gehört? Wer in der Schule Religionsunterricht hat, oder zum Kindergottesdienst von euch geht, wird sicher von dem großen Helfer Jesus Christus gehört haben. Er hilft immer da, wo es recht dunkel und finster im Herzen geworden ist, wo manch ein Kind seinen Vater oder seine liebe Mutter verloren hat und wo das kleine Kinderherz dann weint. Oder wo zu Hause Krankheit herrscht, oder auch die tägliche Nahrung oft fehlt und der Hunger recht weh tut. Aber der liebe Heiland läßt uns alle, groß und klein, in Not kommen, damit wir in der Not nach ihm rufen und er uns helfen kann. Er allein führt aus Nacht zum Licht. Hört einmal zu, wie Johann Nettelbeck seinen Heiland fand.—
Ihr alle habt sicher schon von dem alten Johann Nettelbeck gehört. Er war ein treuer Bürgersmann in Kolberg und hat dort bekanntlich zur Zeit Napoleons 1806 und 1807 tüchtig mit⸗ geholfen, die Stadt gegen die Franzosen zu verteidigen. Kol⸗ berg war ja eine von den wenigen Festungen, die sich dem Feinde nicht ergaben. Das größte Verdienst dabei hatte Joachim Nettelbeck. In seiner Jugend war er ein arger Durchgänger. Alle Streiche und Abenteuer machte er mit. Mit 18 Jahren machte er mit seinem Onkel, einem Schiffskapitän, seine erste, größere Seereise. Sein 16jähriger Bruder und ein 14jähriger Vetter gingen mit. Unterwegs brach ein gewaltiger Sturm aus, der das Schiff in der Nähe der belgischen Küste auf eine Sandbank warf, so daß es scheiterte. Der Onkel wurde schwer verletzt. Die jungen Leute schwebten in tausend Aengsten und umstanden den sterbenden Onkel. Eine Sturzwelle spülte sie alle drei über Bord, trug sie dann aber auch ans Ufer, in einem begischen, katholischen Hospital fand der Onkel Aufnahme, starb aber bald. Mutterseelenallein blieben die drei im fremden Lande zurück. Unter den schwierigsten Verhältnissen bestatteten sie den Onkel. Weinend standen sie an seinem Grabe und rie⸗ fen ihn um Hilfe an. Aber vergeblich. Endlich fanden sie ein Schiff, das sie mit nach Deutschland nahm. Doch auch dieses fiel dem Sturm zum Opfer. Zum zweiten Male wurden die drei an die Küste gespült. In der Not aber lernten sie nach Gott schreien, und als sie aufs neue gerettet waren, riefen sie nicht nach dem Onkel, sondern fielen nieder und dankten Gott für seine Hilfe und Rettung. Damals hatte Joachim Nettelbeck, wie er selbst sagt, das Beten gelernt. In der Dunkelheit fand er das Licht Gottes, erfuhr er, daß größer als der Helfer die Not nie ist. Und dieses Wissen machte ihn später kräftig und stark genug, allen Widerständen zum Trotz seine Vaterstadt dem Feinde gegenüber zu verteidigen und so die Ehre seines Vater⸗ landes zu retten.(Ev. Sehrohr“.)
Ahe gageggadgaacggggoggasoggangcggggghgggbhggacadgnggdaglacncgnane
Im Familienkreis
aaaaadamamamddamaadadmadaaddmdnamaudamms Ich muß— ich will.
Weißt du, wie man ein hartes Muß leichter machen kann? Man muß es machen wie jenes Büblein. Dem sagte die Mut⸗ ter:„Hansli, du mußt mir jetzt noch Wasser holen.“—„Nein“, sagte der Hansli,„das muß ich nicht.“—„Doch, du mußt.“— „Nein, ich muß nicht.“ Und so ging's eine Weile hin und her, bis endlich die Mutter nach der Rute langte und sagte:„Ich will dir jetzt zeigen, Hansli, ob du mußt oder nicht.“ Da sagte der Hansli mit verschmitztem Gesicht:„Aber Mutterli, wenn ich doch will, so muß ich nicht.“ Ja das ist das große Geheim— nis: sobald man will, muß man nicht mehr. Das:„Ich will“ bricht dem„Ich muß“ die scharfe verwundende Spitze ab, macht das Bittere süß und das Schwere leicht. Lern doch auch diese feine Kunst, aus jedem„Du mußt“ ein„Ich will“ zu machen. Du glaubst nicht, wieviel leichter dir dann alles wird und wie froh du dabei wirst und wie deine Seele dabei erstarkt.
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Auf der Warte.
Trotz Völkerbund, Verständigung und Friedens⸗ willen wetterleuchtet es in allen Winkeln der Welt. In Italien wurde auf den allmächtigen Ministerpräsi⸗ denten, man könnte besser sagen„ungekrönten König“, ein neues Attentat verübt. Das Volk wurde dadurch aufgepeitscht, wobei die„Schwarzhemden“(Fajzisten, Anhänger Mussolinis) selbst vor dem französischen Konsulat nicht Halt machten. Ein Zeichen, wie die „Sieger“ nach wenigen Jahren schon wieder zueinander stehen.— Gleichzeitig kommt auch die Meldung, daß man an der spanischen Grenze in Frankreich eine gegen Spanien gerichtete Aktion aufgedeckt hat. Europa ist heute unruhiger denn je.— In Sachsen brachten die Wahlen eine Linksmehrheit. Sehr zu denken gibt die Stärkung des sozialdemokratischen linken Flügels und der Kommunisten.— Das rührige Zentrum war in Erfurt zu einer Tagung versammelt, auf der der Reichskanzler Marx eine bedeutsame Rede hielt. Ob der Riß, der zwischen den beiden Flügeln entstanden war, auf dieser Tagung zugekittet wurde, ist sehr zweifelhaft, wenn man auch nach außen hin diesen Eindruck erwecken will.— Dem Kabinett des Deut⸗ schen Reiches ging eine Wahlrechtsreform zu, die der Mißwirtschaft der parlamentarischen Führerauslese ein Ende bereiten will. Wie traurig es bestellt ist, zeigt ein kurzer Auszug aus einem Bericht, den der„Main⸗ zer Anzeiger“ in Nr. 259 bringt: Erwerbslosenfürsorge im Reichstage:
Berlin, 6. Nov. Wer an diesem vorgerückten Nachmittag in der Psyche des Reichstages zu lesen versuchte, hatte nicht die Empfindung, daß hier um Dinge gestritten wird, die große Volksteile aufs heftigste bewegen. Zunächst einmal: es wird über⸗ haupt nicht gestritten. Die übliche Szenerie sozial⸗ politischer Debatten: Leere Bänke, vereinzelte Horch⸗ posten, da und dort kleine Gruppen, und zwischendurch auch ein Einsamer, der sich Mühe gibt, aufmerksam zu lauschen, da er einer von den kommenden Rednern ist. Man könnte es— und das wäre ein Ehrentitel
eine akademische Aussprache nennen. Dazu indes bleibt man zu sehr an der Oberfläche halten. An das eigentliche Kernproblem wird gar nicht gerührt, an die Frage, wieweit die Erwerbslosenfürsorge in den bisherigen Formen ud nach den bisherigen Methoden mit unserem Wirtschaftssystem sich vertrage.
Wo bleibt da die Verantwortung, ihr werten Her⸗ ren Parlamentarier?
8 Bittere Pillen.
Ein Kranker sollte auf Verordnung des Arztes Pillen ein⸗ nehmen. Aber anstatt sie gleich herunterzuschlucken, wälzte er sie so lange im Munde herum, bis sie unerträglich bitter wur⸗ den. Der Arzt sagt, das solle er nicht tun; hier gilt nichts kauen oder schmecken, sondern verschlucken.— Darüber macht sich Gotthold in seinen zufälligen Andachten folgende Gedan⸗ ken: Die Scheltworte eines feindseligen Menschen sind sehr bittere Pillen, und es ist nicht jedermanns Ding, dieselben un⸗ gekaut zu verschlucken. Sie sind aber einem gottseligen Christen sehr dienlich, weil sie ihn entweder an seine eigene Schuld er⸗ innern, oder seine Geduld und Sanftmut bewähren, oder ihm zeigen, wovor er sich zu hüten habe, und endlich bei Gott, um dessentwillen sie mit Geduld erlitten werden, ihm zur Ehre und zum Ruhm gedeihen. Hier wills aber nicht ratsam sein, daß einer die Schmähpillen in seinen Gedanken stets hin und her wälze und nach seines Fleisches und der Welt Dünken sie achte. Denn so werden sie nur immer bitterer und füllen die Zunge und das Herz mit gleichmäßiger Bitterkeit. Verschluk⸗ ken, verschweigen und vergessen ist das Beste.
Ach, mein Gott! wie schwer ist's, die Schmähpillen schluk⸗ ken, segnen, die mir fluchen, wohltun denen, die mich hassen, bitten für die, so mich beleidigen! Herr, Du willst es so haben! So gib es, wie Du es haben willst, denn ohne Dich kann ich
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hierin nichts tun. C„Sehrohr“) Bgld 3 2— 2 E— „Für Büter und Mütter Eeadcdanmddmaamdmanmmmddadammadomammaindmdm;
Zurechtgewiesen.
Vor zehn Jahren sah ich in einer Straße des Westens Ber⸗ lins einen schönen Kinderwagen, darin lag ein Kindlein von einigen Wochen. Daneben ging ein süßes kleines Mädelchen von noch nicht drei Jahren. Ich beugte mich zu der Kleinen und fragte:
Jahre 1618, um von dort in die Pfalz verpflanzt zu werden. Dort wie hier wurde das Protestantentum in Blut ertränkt. An den pfälzischen Feldzug schloß sich dann der niedersächsische, in den auch der Dänenkönig als Herzog von Holstein hineingezogen wurde. Nach einem Jahrzehnt war wie Süddeutschland auch Norddeutschland und das ganze Dänemark bis auf seine Inseln von Tilly, dem General der Liga, und Wallenstein, dem General des Kaisers, unterworfen. Um auch die dänischen Inseln und die noch widerstehenden Hansestädte, vor allem Stralsund, zu erobern, zugleich die Verbindung über den Ozean mit dem habs— burgischen Spanien herzustellen, und auf diese Weise auch Skan⸗ dinavien, kurz das ganze Europa unter das habsburger Jesuiten— Joch zu bringen, plante Wallenstein den Bau einer Flotte.
Das war die allgemeine Lage, angesichts deren Gustav Adolf seine deutsche Sendung antrat. Ich aber will nun kurz Fragen stellen, die die Leser selbst beantworten mögen:
Sind wir Deutschen heute im Gegensatz zu damals im Geiste, im Glauben ein einzig Volk von Brüdern? Hat das fremdartige, von Rom aus kommandierte Kirchenwesen seinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit, auf Verdrängung der von Luther begründeten Freiheit des Christenmenschen heute auf⸗ gegeben? Ist nicht auch der Jesuiten-Orden aufs neue am Werk? Gibt es heute nicht auch noch andere, womöglich noch schlimmere internationale Gesellschaften, die unseres Volkes
ö Seele mit Jesuiten⸗List verfälschen und vergiften? Waren viele
unserer Fürsten, die wir vor kurzem hatten, nicht Ebenbilder jener kurzsichtigen, in Eigennutz und Lastern versunkenen Haus⸗ politiker? Hatten und haben wir nicht demnach die Fürsten, die wir, das deutsche Volk, verdienten und verdienen? Wenn wir die Standesfürsten schon absetzten, haben wir dafür nicht Parteifürsten bekommen, die gleichfalls nur kurzsichtige und oft gewissenlose Hauspolitik treiben? Ist jenes alte Teologen⸗ Gezänk nicht vollauf ersetzt oder verstärkt worden durch ein Politiker-Gezänk, worin der eine den andern, ganz wie damals, durch Programm-Seligkeit, nur nicht durch dienende Liebe zu übertreffen sucht? Stehen wir nicht einander, ganz wie da⸗ mals, in kriegerischer Entschlossenheit gegenüber und hören nicht, wie unseres gemeinsamen Deutschtums Außenfeinde an allen seinen Toren pochen? Können wir besonders des deut⸗ schen Hauses Westwand, die damals der Franzose ungestraft niederriß, heute auch nur viele Meilen östlich jener Lienie wie⸗ der aufbauen?
Ganz gewiß, irdisch wie himmlisch Heimatland ist heute wie damals bedroht, und inbrünstig, wie Gustav Adolf damals vom deutschen Volke als Retter begrüßt wurde, müssen wir heute beten: Erwecke, o Gott, uns neuen Heldengeist, der im Ver⸗ trauen auf dich so kühn und klug und unbesieglich wie jener Held aus dem Norden, unser armes Deutschtum wieder auf⸗ richtet wider alles Verderben, das aus uns und über uns ge⸗ kommen ist!


