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drgan der Evangelischen Volksgemeinschaft

Hauptschriftleiter: Edwin Hamburger in Staden(Oberhessen). Verantwortlich für Politik und Wirtschaft: Edwin Hamburger, für den Unterhaltungsteil: W. Greb in Weisenau bei Mainz.

Für Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert.

2. Jahrgang.

Das 400 jährige hessi

Ein starkes Leben durchflutete am 20.22. Ok⸗ tober die sonst so stillen Straßen des altertümlichen Städtchens Homberg. Schon der Auftakt zum Fest, das geistliche Konzert in der prächtigen Stadtkirche am Mittwochabend war erhebend. In außerordentlich ge schickter Komposition zog die deutsch-evangelische Kirchen musik seit Luther vorüber, mit besonderer Berücksich tigung der hessischen Musik. Tonsätze aus dem Gesang buch des hessischen Landgrafen Moritz des Gelehrten wurden abgelöst von Schöpfungen der hessischen Kan toren Schütz, Kümmel, Grosheim, Johann Wiegand und des Homberger Seminarmusiklehrers Wilh. Volck mer, dessen Präludienbuch noch heute auf jeder hessi schen und nassauischen Orgel zu finden ist. Der histo rische Festtag, Donnerstag, 21. Oktober, wurde morgens um 7 Uhr, zur selben Stunde, da vor 400 Jahren die große Synode zu Homberg ihren Anfang nahm, durch die Glocken der Kirche eingeläutet. Aus dem feierlichen Geläut heraus hob sich der Klang der neuen Reforma⸗ tionsglocke, die von sämtlichen Gemeinden des Hessen landes gespendet worden ist. Die vereinigten hessischen Posaunenchöre spielten mit ihren 150 Posaunenbläsern an der Freitreppe, die zur Kirchenempore führt, ange paßte Choräle. Inzwischen setzte sich der große Kirch⸗ gang in Bewegung, der in seiner Geschlossenheit ein imposantes Bild bot, das in vielen Punkten an den Zug erinnerte, der sich heute vor 400 Jahren durch ebendiese engen Straßen bewegte. Voran die Stadtverwaltung, dann die Kirchenregierung von Cassel. Besonders mar⸗ kant stellte sich der Aufzug der theologischen Wissenschaf⸗ ten dar. Voran der Rektor der Universität Marburg, der Historiker Geheimrat Busch im Scharlachmantel mit reichem Goldbesatz und schwerer Amtskette. Ihm folgten die Dekane und Professoren der theologischen Fakultäten von Marburg und Gießen. Das bunte Bild wurde ergänzt durch die noch ungewohnten Trach⸗ ten der evangelischen Bischöfe und Prälaten aus Nach⸗ barländern. Prälat Diehl aus Darmstadt führte die Kirchenregierung des hessischen Freistaates. Auch Nassau war vertreten. Fast ein Viertel der evangeli⸗ schen Gemeinden der heutigen nassauischen Landes⸗ kirche war vor 400 Jahren hessisch und wurde infolge der Homberger Synode für das Evangelium gewonnen, so der ganze Kreis Biedenkopf, die Niedergrafschaft Katzenellenbogen, Einrich genannt, mit den Städten Langenschwalbach und St.-Goarshausen, und die alte Herrschaft Eppstein, das sogenannte blaue Ländchen mit Eppstein, Lorsbach Liederbach u. a. Landes⸗ bischof Kortheuer von Wiesbaden mit den Präsidenten

Wathskum.

Lies Markus 4, 2629.

Kaum ist der Erntesegen in Scheuern und Kellern gebor⸗ gen, geht der Sämann schon wieder über das Feld. Wie er so, etwas von Andacht im Gesichte, in gemessener Würde die Furche entlang schreitet und die Samenkörner in den mütterlichen Schoß der Erde streut, hat er etwas Priesterliches an sich. Der rechte Bauer empfindet das Säen als ein heilig Geschäft. Ist die Säearbeit getan, geht der Bauer heim, tut in Haus und Stall, Keller und Scheune allerlei seine Felder, die muß er sich selber überlassen. Da draußen geschieht währenddessen das große Wunder: bald schauen leise wispernde grüne Blättchen über die braune Ackerscholle. Deckt auch des Winters Lein⸗ tuch die kleinen Pflänzlein, so ist es doch kein Leichentuch. Im Frühjahr hebt das Wachsen an: der Halm bildet sich, am Halm die Aehre, dann das Korn in der Aehre, die Aehre neigt sich in der Sommerglut zur Reife. Dann erst wieder kann der Bauer das Seine tun er kommt mit der Sichel, er hält Ernte.

Jesus sagt: so ist es auch mit dem Reich Gottes. Wie ist es mit dem Reich Gottes?

Es muß gesät werden!

Jesus hat das Reich Gottes gesät in heiliger, unermüdlicher Arbeit. Sein Wort war Saat, sein ganzes reines Leben war Saat; die unendliche Liebe, die er ausstrahlte, all sein Heilen und Helfen war Saat. Sein Leiden und Sterben war aller heiligste Saat. Er war der Sämann des Reiches Gottes. Es ist heute nicht anders. Wo Reich Gottes werden soll, da muß gesät werden sei es in China oder Afrika, sei es in Kindern oder jungen Menschen, sei es im eigenen Herzen. Wo die Her⸗ zen auf Gott und seine Sache gerichtet werden sollen, da muß heilige Liebe die Botschaft Gottes ausrichten durch Wort und Tat, das heißt das Reich Gottes säen. Ohne die Verkündigung

Sonnabend, den 13. November 1920.

sche Keformatsonsjubilaum in gomberg bei Cassel.

Erscheint Samstags. Bezugspreis 50 Pfennig monatlich. Abonnements⸗ und Anzeigen⸗Annahmestelle, Druck und Verlag: Gießen, Südanlage 21.

Fernsprecher 1362 und 1145. Postscheckkonto 8437 Frankfurt a. M.

des Kirchentages und des Kirchenamtes, Dekan D. Schmitt und Dr. Theinert, sehen wir im Zug. Ihnen schließen sich die staatlichen Behörden an: der Vertreter des Oberpräsidenten, der Regierungspräsident, der Landeshauptmann. Die althessische Ritterschaft ist durch ihren Marschall vertreten, den Staatsminister von Trott zu Solz. An die 300 Geistliche aus Hessen und Nachbargebieten im Ornat ziehen vorüber. Und eine nach Tausenden zählende Volksmenge folgt dem Zug. Die 1200 Plätze der großen Kirche genügen bei weitem nicht dem Andrang. Nur die wenigsten finden Platz.

Der lutherische Landespfarrer Dettmering hielt die Liturgie und der reformierte Landesober pfarrer Möller von Cassel die Festpredigt über 1. Kor. 3, 11Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. Dieser Grund der Kirche ist niemals ver⸗ lassen worden, wenn auch der Bau der Kirche erneut werden mußte. Jesus Christus ist und bleibt der Kirche Kraft und der Kirche Herrlichkeit. Die Kirche hoffe und arbeite, daß einmal ein Hirt und eine Herde werde. Sie sehe bereits über dem Dunstkreis der Gegenwart die Kirchen des Abendlandes und des Morgenlandes näher aneinander rücken. Sein Gelöbnis der Treue dem Herrn der Kirche gegenüber wird zum Schwur und zur Anbetung. Tiefen Eindruck macht an diesem Tage des Gedächtnisses und des Bekenntnisses das von der ganzen Gemeinde gesprochene Glaubensbekenntnis, das von dem gemeinsamen Gesang gekrönt wirdEin feste Burg ist unser Gott, gerade in diesem Gottes hause.

Vor der Kirche beginnt nun der große Festakt, der sich zu einer erhebenden Kundgebung für die evange⸗ lische Sache gestaltet. Da stehen sie oben auf dem Kirchberg und unten auf dem großen, freien Markt⸗ platz, all die Tausende und geben ein ergreifendes Treubekenntnis zum angestammten Glauben der Väter. Glaube und Heimat ist der Tenor aller Reden. Nach den Grußworten der staatlichen Behörden überbringt Prälat Diehl die Segenswünsche des Evangelischen Kirchenausschusses zu Berlin und der hessischen Schwe⸗ sterkirche zu Darmstadt. Nach seinen Worten sollen die beiden Schwesterkirchen zusammen gehen, aber sich nicht verschmelzen. Dieser Standpunkt des volkstüm⸗ lichen Kirchenmannes wurde jedoch von gar vielen ab⸗ gelehnt. Die Verschmelzung der Landeskirche von Cassel, Darmstadt, Wiesbaden und Frankfurt würde von zahlreichen treuen Christen als Fortschritt und Segen begrüßt werden. Auch eine beträchtliche Kosten⸗ des Evangeliums wäre vor 400 Jahren nirgendswoevange⸗ lische Bewegung entstanden. Wo solche heute in irgend einem Sinne entstehen soll, da ist die Urvoraussetzung, daßgesät wird. Auch für unsere Bewegung. Möchten sich recht viele Säeleute finden, die aus rechter Liebe heraus unserem Geschlecht die frohe Gottesbotschaft sagen. Möchtest du nicht in die Kette dieser Säeleute eintreten?

Mehr können Menschen nicht tun!

Der Bauer kann nicht eingreifen in den Prozeß des Kei⸗ mens und Wachsens auf seinem Acker. Versuchte er es törich⸗ ter Weise er würde nur verderben und zerstören. Mögen Leute in Jesu Umgebung gewesen sein, denen es zu langsam ging mit dem Reiche Gottes. Vielleicht hat denen gerade der Herr unser Gleichnis erzählt. Er wußte, daß er es nicht herbei⸗ zwingen konnte. Er wußte, daß das Reich Gottes ebensowenig durch Menschenwillen undkraft herbeizuzwingen sei wie Wachstum und Reife auf den Feldern. Wer das Reich Gottes in Junge oder Alte, Einzelne oder Massen hineinzwingen wollte, der täte etwas Unsinniges, ja handelte gegen Gottes Willen. Alles, was dagemacht wird, ist oberflächlich, ver⸗ logen, vom Teufel. Zwang und Drang stößt ab, verhärtet, ver⸗ dirbt. Nur eins können wir: säen in den Tiefen der Herzen wirken, das kann nur einer.

Gott allein schafft Wachstum und Reife!

Der Mensch begreift noch nicht einmal das Wunder des Keimens, Wachsens und Reifens. Geschweige denn, daß er es jemals schaffen könnte! Das kann nur Gott auch in den Menschenherzen, in die gesät worden ist. Alle Anstrengungen der Menschen, das Reich Gottes zu schaffen oder nur zu beschleu⸗ nigen, mag fromm aussehen es ist in Wirklichkeit unfromm; der Mensch traut sich selbst zu viel zu und Gott zu wenig. Ob irgend eine Bewegung, die die Nichtung auf Gott hat, wirklich echt ist, wirklich wächst und zur Reife kommt, darüber entscheidet

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Nummer 406.

ersparnis wäre es, wenn die 4 kleinen Kirchenbehörden abgelöst würden durch eine große Behörde.

Herr Landesbischof Kortheuer, Wiesbaden, über⸗ reichte ein Geschenk: Wertvolle Festschriften aus Bieden⸗ kopf und Katzenellenbogen, die beide in der Lebensge⸗ schichte Philipps des Großmütigen eine Rolle spielten. Die Grüße der Frankfurter Kirchenregierung bringt Kirchenrat Kübel zum Ausdruck.

Nachdem der Vertreter der althessischen Ritterschaft und die Vertreter des höheren und Volksschulwesens und der Landeshauptmann von Hessen ihr geschichtliches Recht und ihre geschichtliche Pflicht, an dieser Feier mit⸗ zuwirken, betonten, letzterer, indem er dankbar gedenkt der großen sozialen Einrichtungen echt christlicher Liebestätigkeit Philipps des Großmütigen, spricht der Rektor der von Landgraf Philipp gegründeten Mar⸗ burger Universität, Professor Busch, prachtvolle Worte. Die Landesuniversität tritt bekanntlich auch in ihr 400. Lebensjahr ein. Sie ist die erste Hochschule, die von Anfang an evangelisch ist. Das war der Wunsch des Gründers unserer Landesuniversität, daß die große Vergangenheit lebendig in unser heutiges Leben tritt. Er feiert die unvergeßliche Gestalt des größten deutschen Fürsten aus der Zeit der Reforma⸗ tion, dessen klares Auge eine deutsche Politik vor sich sah, ein Mann des Glaubens, des Geistes und der Tat.

Glänzend spricht auch der Vertreter des Rektors der jüngeren Schwester der Philipps⸗Aniversität, die Gießener Ludwigs⸗Universität, der gleiche Geist be⸗ seelte beide hohe Schulen.

Und nun kommt, was selten vorkommt: Ehren⸗ doktor⸗Promotion im Freien. Professor Born⸗ häuser, der Dekan der theologischen Fakultät Mar⸗ burg promoviert zwei verdiente Kirchenmänner aus Cassel zu Ehrendoktoren der Theologie und Professor Krüger⸗Gießen promoviert zwei Männer(Dr. Bernbeck zu Darmstadt und den ehemaligen Direktor der Stadtbibliothek zu Frankfurt, Geheimrat Ebrard) und eine Frau, Frl. Oberstudienrat Jahnow zu Mar⸗ burg.

Nach einem packenden Schlußwort singt die große Gemeinde entblößten Hauptes: Nun danket alle Gott. Der Posaunenchor spielt dazu und alle Glocken läuten. Ehrfürchtig stehen alle da und alle bekennen: Das ist ein Ereignis, das man hier erlebt. Fink. E

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munen beet

nicht der Mensch, auch der begeisterte Führer nicht darüber entscheidet Gott. Ist eine Bewegung aus Gottes Plan geboren, so hält sie niemand auf; steht sie wider Gottes Absicht, so kann alles Sich-ab⸗mühen sie nicht zur Blüte bringen. Aber das Vertrauen des rechten Bauern, das Vertrauen Jesu dürfen wit haben: wo im rechten Geist und in rechter Treue gesät wird, da läßt Gott auch etwas wachsen. Wer ohne solches Vertrauen etwas erreichen will, der müht sich vergeblich und reibt sich auf.

Alles Wachstum geht in gesetzmäßiger Ordnung vor sich!

Zuerst das Gras, dann der Halm, dann die Aehre, dann die Körner in den Aehren. Da gibt es kein Ueberspringen. Eins wächst aus dem andern. Auch das Reich Gottes muß organisch wachsen, im einzelnen Menschen es ist nichts mit frühreifen Menschen, auch mit frühreifen Christen! in einem Volke, in der ganzen Menschheit. Nie dürfen wir vergessen, wie langsam und folgerichtig das Reich Gottes gewachsen ist und wächst. Auch unsere Bewegung muß langsam und folge⸗ richtig wachsen. Was nicht organisch gewachsen ist, hat nicht Wert und Bestand. Früchte vor der Zeit sind dem Verderben verfallen. Sei nicht ungeduldig, wenn das Reich Gottes gar zu langsam in Kindern, jungen Leuten, in deiner eigenen Seele, in deiner Gemeinde zu wachsen scheint. Säe treu und hab Ver⸗ trauen und wisse, daß alles Wachsen Zeit braucht, manchmal recht viel Zeit! Sei nicht unmutig, wenn es in unserer Be⸗ wegung nicht mit den Riesenschritten nach innen und außen vorwärts geht, wie du es vielleicht wünschtest; freu dich, wenn es langsam und stetig vorwärts und aufwärts geht; denn dann darsst du die Gewißheit haben: es wächst, es reift, es gibt Ernte!

Nur nie die Voraussetzung vergessen: das Säen ist unsere Sache. Wo treu und unermüdlich zur rechten Zeit guter Same ausgestreut wird, da dürfen wir auf Wachstum und Ernte hof⸗ fen. Wir warten ja nicht auf irgendwen, der uns doch schließlich im Stiche ließe: wir warten ja auf Gott!

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