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Sonntagsgebanken.
Von stillen Sonntagsstunden will ich heute schreiben, so wie wir sie einst erlebten, wo Alltagshast den Sonntag noch verschonte und Freuen über die Seele kam und ein schönes Feierlichsein. Heute wird es vielen schwer, Feierstunden zu halten. Sorgen und Nöte der Woche drängen sich in den Sonntag hinein und doch ruft es bei vielen da innen nach einer Feierstunde, nach einem stillen Besinnen.
Und doch könnten wir trotz aller Mühsal und aller Not fröh⸗ lich sein. Wer kann es sein?— Der fröhlich arbeitete, der seine Wochenarbeit durchsonnen ließ. Der von seiner Arbeit nicht gering denkt, der Wertarbeit leistet, an welchem Platze er auch stehen mag, der in erster Linie nicht um des allzu hohen Verdienstes schafft, sondern um der Arbeit selbst und um des Ganzen willen, der seine Arbeit auffaßt als einen Teil der der Volksarbeit.
Wer so sein Tun auffaßt, der baut mit an seinem neuen Vaterland und löst die schweren Ketten seines Volkes. Und wenn Millionen Hände sich so rühren und Werte schaffen, wenn Freude und Zuversicht die Arbeit durchsonnt, wenn einer wieder an den anderen denkt, dann finden wir wieder allmählich das Glück und können fröhlich sein. Mit dem Werte unserer Arbeit wächst unsere Freude.
Die Arbeit ist die große Bildnerin zum Menschentume, sie spendet Segen dem Einzelnen und einem ganzen Volke. Füt uns muß sie die Erlöserin sein aus den Ketten der Knechtschaft, für uns der Führer bergauf, um wieder auf Bergeshöhen zu kommen.
Wir wollen krumm hinterm Pfluge gehen, Und unser Schweiß sei der Scholle Wein. Und sollten wir nie ein Fruchtfeld sehen, Wir wollen nicht müde werden, Säer zu sein! Wir wollen nicht müde werden zu glauben, Daß Kräfte ringen im kleinsten Keim!
So läßt sich kein deutsches Herz berauben: Der Glaube an uns bringt die Ernte heim.
Waldfried. Wothensthau.
In ganz Europa richtet man einheitlich die Augen nach Genf. Die gemeinsame Frage ist:„Was wird dort geschehen?“ Der wackelige Völkerbund soll durch den Eintritt Deutschlands gestützt werden. Aber noch weiß man nicht, ob diese Stützung überhaupt möglich ist. Ja, wenn Treu und Glauben die Grundlagen der europäi⸗ schen Politik wären, dann ging alles glatt. So aber ist die Politik der führenden Staaten ein fortgesetztes Ränkespiel. Der englische Außenminister Chamberlain hat Briand im Geheimen versprochen, in Genf dafür einzutreten, daß, wenn Deutschland einen Ratssitz er⸗ hält, ein solcher auch Polen eingeräumt werden solle. Darüber ist nun im englischen Kabinett eine große Un⸗ stimmigkeit entstanden. Die meisten Minister sind gegen Chamberlain, wünschen, daß er seine Stellungnahme in Genf vom Ministerium vorgeschrieben bekommt, und sol⸗ len auch Demissionsschreiben eingereicht haben. So ist also auch das englische Kabinett wackelig geworden. In der öffentlichen Meinung in England, soweit man diese aus den Presseäußerungen feststellen kann, ist über die Haltung Chamberlains Unruhe, ja Bestürzung ein⸗ getreten. In schärfster Form greift„Manchester Guar⸗ dian“ die Politik Chamberlains an. Das Blatt schreibt 5 95
„Chamberlains Birmingham⸗Rede kann sich als die schädlichste in ihren Wirkungen auf den Völkerbund und als die gefährlichste in ihren Wirkungen auf die euro⸗ päischen Beziehungen erweisen, die bisher irgendein englischer Politiker seit Schaffung des Völkerbundes ge⸗ halten hat. Chamberlain steht in England fast allein mit seiner Bereitschaft die Türen des Völkerbundes der französischen Intrige zu öffnen. Wenn einmal ein Land mit sowenig Anspruch auf Rücksicht von seiten des Völ⸗ kerbundes wie Polen für die besondere Würde einer Ratsmacht ausersehen wird, so können daraus Folgen entstehen, die weder Großbritannien noch irgendein anderer Staat in der Lage sein wird, aufzuhalten. Der
muß. So paßte er in diese Welt der Unterdrückung des Einzel—⸗ nen, hat diesen Grundzug des japanischen Lebens also sogar noch religiös unterbaut und verstärkt, ihn aber nicht überwinden helfen.
Daher wirft man das eigene Leben viel leichter von sich als bei uns. Daß Marschall Nogi mit seiner Gattin im Jahre 1912 seinem verstorbenen Kaiser freiwillig in den Tod folgte, diese Tat steht auch im heutigen Japan keineswegs vereinzelt da. Im Osakabezirk haben im Jahre 1922 nachweislich 22 Perso⸗ nen Selbstmord begangen, weil sie lieben verstorbenen Ange⸗
hörigen nachfolgen wollten. Im Juni 1924 begingen in Tokyo
sieben Personen Selbstmord aus Demonstration gegen die Kränkung Japans durch Amerika, weil die Japaner aus Ame⸗
so natürlich erst recht das Leben anderer. Daher erklärt sich die Grausamkeit dieser asiatischen Länder, die freilich von diesen Völkern selbst nicht so tief empfunden wird wie von uns. Aber
rika ausgeschlossen wurden. Noch heute bewundern die Japaner die Tat einiger zwanzig Samurai(Ritter), die sich den Leib aufschlitzten, weil ihre Partei in einem Kampf, in dem sie selbst tapfer mitgefochten hatten, der Uebermacht unterlag. Uns scheint es natürlicher, sein Leben in solchem Falle zu erhalten, um im nächsten Kampf durch erhöhtes Einsetzen des Lebens die Niederlage wieder gutzumachen. Noch im russisch⸗japanischen Kriege nahmen sich zahlreiche Krieger das Leben, weil sie nicht gleich Gelegenheit hatten, in den ersten Kämpfen ihr Dasein für den Kaiser vor dem Feinde zu opfern. So erklärt es sich auch, daß die japanischen Mädchen so willenlos bereit sind, sich, da⸗ mit die Eltern Geld bekommen, auf Tod und Verderben in ein Bordell verkaufen zu lassen und damit in den furchtbaren, frühen Tod zu gehen.
Wenn man nun schon das eigene Leben so niedrig einschätzt,
die Tatsache bleibt natürlich gleich schlimm. Diese Grausamkeit
„Evangelische Warte“
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Rat des Völkerbundes würde dann den Geist von Ver⸗ sailles und nicht den des Völkerbundes verkörpern. Der Völkerbund wird zugrunde gehen, wenn klar erwiesen ist, daß seine Beschlüsse käuflich sind. Amerika wird darüber spotten, und ein neuer Keil wird zwischen Groß⸗ britannien und die Dominios getrieben werden, die in dieser Frage nicht die sentimentale Schwäche Chamber— lains für Frankreich teilen würden.
Auch die„Times“ bezeichnet die Haltung Chamber⸗ lains als besorgniserregend. Das Blatt veröffentlicht einen von sechs konservativen Parlamentsmitgliedern unterzeichneten Brief, worin es heißt:
Die Einberufung einer Sondersitzung im März mit dem ausgesprochenen Zweck der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund bietet keine Rechtfertigung dafür, über diese andere vitale Streitfrage eine hastige Ent⸗ scheidung zu erzwingen. Die Unterzeichner richten daher an die Regierung das Ersuchen, eine unzweideutige Er⸗ klärung abzugeben, dahingehend, daß sie unbeschadet der Haltung, die sie gegebenenfalls im September einneh—⸗ men wird, jedem Vorschlag auf Abänderung der Zu— sammensetzung des Völkerbundsrats im März wider⸗ sprechen wird, abgesehen natürlich von der Wahl Deutschlands zum ständigen Mitglied.
Von einer geheimen Verpflichtung Chamberlains gegenüber Briand spricht der diplomatische Korrespon⸗ dent des„Daily Chronicle“, des Lloyd-George-Blattes. Er schreibt:
„Bestürzung ist das einzig passende Wort, um die Empfindungen der Mitglieder aller Partelen über die diplomatischen Manöver in der Frage des Völkerbunds⸗ rats, an denen Chamberlain sich beteiligt hat, auszu⸗ drücken. Chamberlain habe, wie erzählt wird, am Mitt⸗ woch das Kabinett durch Mitteilung von einer geheimen Verpflichtung gegenüber Briand überrascht, und diese Verpflichtung habe sich auf die Gewährung eines ständi⸗ gen Sitzes an Spanien und eines nichtständigen Sitzes an Polen bezogen. Der Berichterstatter fragt, ob Polen als Lohn für die viermalige Verhöhnung des Völker⸗ bundsrats einen Ratssitz erhalten solle.:
Was werden nun unsere Reichsminister den Briand⸗ Chamberlainischen Ränken gegenüber tun? Darüber belehrt uns die Rede unseres Reichskanzlers Dr. Luther, welche er am 2. März im Hamburger Rathause gelegent⸗ lich seines Besuches in Hamburg gehalten hat. Nachdem er die außenpolitische Entwicklung des Reiches darge⸗ stellt und versichert hatte, daß trotz der innerpolitischen Schwierigkeiten die außenpolitische Linie der Regierung klar und gradlinig geblieben sei, kam er auf den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund zu sprechen. Darüber führte er aus:
„Worauf es für die praktische Politik ankommt, ist allein dieses: Jeder Schritt, den wir tun, muß uns wei⸗ ter nach oben führen. Heute will ich versuchen, meinen Zuhörern nahezubringen, daß auch Locarno nur ein Schritt auf dem Wege der allgemeinen Politik eines wirklichen Friedens ist, allerdings ein Schritt von ganz besonderer Bedeutung.
Nun wissen Sie, meine Herren, daß der Locarno⸗ pakt erst wirksam wird durch den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund. Die Reichsregierung hat deshalb den Aufnahmeantrag gestellt, nachdem der deutsche An⸗ spruch auf Räumung der ersten Rheinlandzone endlich erfüllt war. Zunächst muß ich leider einen Umstand erwähnen, der alsbald nach der Absendung unseres Ein⸗ trittsgesuches hervorgetreten ist, und der das ganze Werk von Locarno zu zerstören droht. Sie alle wissen, worum es sich handelt, da die deutsche Oeffentlichkeit auf das tiefste von der Frage erregt worden ist. Bei allen Er⸗ örterungen über den Eintritt Deutschlands in den Völ⸗ kerbund war es für uns ganz selbstverständlich, daß vor unserem Eintritt irgendwelche bedeutungsvollen Aende⸗ rungen innerhalb des Völkerbundes nicht mehr vorge⸗ nommen werden konnten. Auch als die Vertragspart⸗ ner die Verbindung zwischen Sicherheitspakt und unse⸗ rem Eintritt in den Völkerbund anregten, ist keinerlei Anregung erfolgt, aus der etwas anderes entnommen werden konnte.
trifft oft auch die Männer, tritt bei Volkserregungen häufig direkt tierisch heraus. So wurden beim Erdbeben von Tokyo ganz sinnlos Tausende von Koreanern und auch 3000 Chinesen vom Volle erschlagen, weil sie angeblich geplündert hatten. Aber besonders und dauernd trifft diese Grausamkeit die Frauenwelt. Daß die Eltern ihre Kinder in die Ausnutzung durch die Fabri⸗ ken und in die Bordelle verkaufen oder an Geschabesitzer, ist nur so verständlich. Wieder hat hier der Buddhismus durch seine niedrigere Einschätzung der Frau, als der Exregerin der Lebenslust und der Gebärerin neuer Einzelexistenzen, diese Schwäche des japanischen Wesens noch verstärkt und sanktio⸗ niert, so daß besonders die gesamte Frauenwelt in Japan in unerhörtem Maße brutalisiert wird. Karl Haushofer schreibt mit Recht:„Japan ist einer der ausgesprochensten Männer⸗ staaten der Erde, so ausgesprochen, wie es vielleicht nur die alten griechischen Stadtrepubliken gewesen sind. Die Frau ist im 19. Jahrhundert in ihrer Eigenart und Persönlichkeit vollständig dem Staatszweck geopfert worden. Ihr blieb nur die Wahl zwischen der Rolle der Okusama, des„verehrten Innern(des Hauses)“, d. h. der völlig auf dieses Haus beschränkten Haus⸗ hälterin und Mutter, und der Gescha oder Hetäre“(S. 45). Auch im modernen bürgerlichen Gesetzbuche Japans wird nur der Ehebruch der Frau bestraft, für den Mann gibt es nicht einmal den Begriff des Ehebruchs, er kann auch als Ehemann tun, was ihm beliebt. So ist auch sonst die Frau in Japan heute noch fast rechtlos. Und im Verkehr ist sie Dienerin, sonst nichts. Der Sohn muß in der Elektrischen sitzen, während die Mutter steht. In der Straßenbahn in Kyoto erlebte ich im Mai 1924 folgendes: Ein junges, feines Ehepaar fuhr mit uns. der Wagen war sehr besetzt. Der Mann saß, die Frau stand vor ihm. Ich stand neben der Frau im Gang. Als neben dem Mann ein Platz frei wurde, wollte die Frau sich setzen. Da
Ebenso selbstverständlich war von vornherein, daß der Eintritt Deutschlands nur dann erfolgen kann, wenn wir einen ständigen Sitz im Völkerbundsrat er⸗ halten. Dies ist von allen beteiligten Regierungen auch anerkannt worden. Mit diesem Stand der Dinge ist es unvereinbar, wenn die Einräumung des ständigen Rats⸗ sitzes an Deutschland mit einer weiteren Aenderung in der Zusammensetzung des Rats verbunden würde. Wer auf Grund bestimmter Abreden seine Aufnahme in eine Organisation beantragt, darf erwarten, diese Organi⸗ sation bei seinem Eintritt in unveränderter Gestalt vor⸗ zufinden. Es ist neuerdings gesagt worden, daß die Er⸗ weiterung des Rates ein längst in Aussicht genommener Plan sei, zu dessen Verwirklichung der deutsche Antrag jetzt die passende Gelegenheit biete. Wäre dem so, dann wäre doch wohl das Gegebene gewesen, die deutsche Re⸗ gierung bei den Verhandlungen des letzten Jahres hier⸗ von zu verständigen. Mir ist auch nicht bekannt, daß die jetzt erörterten Veränderungen jemals auf der Tagesordnung der Bundesversammlung oder des Rates, zum Beispiel im September oder Dezember 1925, gestan⸗ den hätten. Wir haben von derartigen Absichten erst Kenntnis erhalten durch die Presseerörterungen, die un⸗ mittelbar nach Absendung unseres Völkerbundantrages einsetzten.
Von gleichem Schwergewicht aber ist für uns fol⸗ gende Erwägung: Jede Meinungsäußerung über et⸗ waige Veränderungen in der Zusammensetzung des Rates oder in der Organisation des Völkerbundes würde Deutschland in eine völlig unmögliche Lage bringen.“
Nach diesen Ausführungen dürfen wir wohl von unserem Reichskanzler erwarten, daß die deutsche Ab⸗ ordnung sofort Genf verlassen wird, wenn man dort Ränke spinnen will. Aber die Frage der Ratssitze ist es nicht allein, was Deutschland beunruhigen kann. Es ist vielmehr noch eine Ueberraschung für die deutsche Abordnung in der Tagesordnung vorgesehen. Der erste Punkt der Tagesordnung in Genf beschäftigt sich mit der Ernennung des Vorsitzenden und der Mitglieder der Saarregierungskommission und mit Angelegenheiten, die sich auf die örtliche Gendarmerie, die französischen Truppen und die Volksabstimmung im Saargebiet be⸗ ziehen. Da Deutschland schwerlich seinen Ratssitz vor dem 2. oder 3. Verhandlungstag einnehmen werde, fragt man sich, ob, falls die Reihenfolge der Tagesordnung innegehalten werden, Deutschland dadurch nicht von der Erörterung eines Problems ausgeschlossen werden solle, das in ganz Deutschland als von vitaler Bedeu⸗ tung angesehen wird.
Wo man hinschaut, nichts als Ränke und Hinter⸗ gehungen Deutschlands. Das alles läßt uns bis jetzt noch keine Freude am Völkerbund gewinnen.
Aus Bernkastel an der Mosel wird von einem Win⸗ zeraufstand berichtet. Für Donnerstag, den 26. Februar, war von seiten der Zentrumspartei eine Winzerver⸗ sammlung angesetzt. Aber ungefähr 1000 junge Leute fanden es lustiger, unter Vorantragen einer schwarzen Fahne, sämtliche Fensterscheiben des Finanzamts ein⸗ zuwerfen, Akten zu verbrennen und dergl. Zeitvertreib sich zu suchen. Gleiches verübten sie bei der Finanzkasse und dem Zollamt. Früher wurde solches nur unter der roten Fahne vollbracht, heute also auch unter der schwarzen. Obwohl die Steuern jetzt billiger wer⸗ den, nachdem soviel zerstört wurde? Das werden sich die Winzer in Bernkastel wohl später gefragt haben.
Sonntag, den 28. Februar, wurde der deutsche Volkstrauertag begangen. Er war durchgängig ein Gedenktag an die Gefallenen des Weltkrieges. Ich schweige von denen, die den Tag zur Parteipropaganda mißbraucht haben. In Berlin fand im Reichstag, nach⸗ mittags um 12 Uhr, eine vom Volksbund„Deutsche Kriegsgräberfürsorge veranstaltete Gedenkfeier statt, zu der Reichspräsident von Hindenburg, Reichskanzler Dr. Luther, Neichsaußenminister Dr. Stresemann und zahlreiche Vertreter der Reichs⸗, Staats⸗ und Stadtbe⸗ hörden erschienen waren. Die Gedenkrede hielt der Prä⸗ sident des Volksbundes, Pfarrer Siems. Vielleicht
rief der Mann ihr mit einem Blick auf mich zu:„Du darsst dich nicht setzen.“ Er war sehr erstaunt, als ich die Frau zum Sitzen nötigte. Mit tiefer Verbeugung vor mir nahm die Frau den Platz ein.
Nun könnte man natürlich leicht noch viele andere Schwä⸗ chen und auch Laster im japanischen Volksleben aufdecken. Ihre verschlossene, indirekte Art macht, oft gewiß zu Anrecht, den Ein⸗ druck der Falschheit. Auch schilt man sie undankbar, was ich persönlich für verkehrt halte. Für wirklich selbstlos Gutes, das man ihnen erwies, bezeugen sie vielmehr infolge ihrer Gefolg⸗ schaftstreue meist eine rührende Anhänglichkeit und bemühen sich, das Empfangene durch Gegendienste noch zu überbieten. Auch verdienen ihre Kaufleute längst nicht den Vorwurf der Unzuverlässigkeit, den man ihnen oft macht. Im übrigen haben wir Europäer nach all dem, was wir in den letzten zehn Jahren bei uns erlebt haben, Grund genug, die Kritik an andern auf⸗ zugeben und uns nicht so sittlich erhaben zu dünken. Bei uns in der Christenheit ist sicher mehr Licht als in Japan. Aber wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten. Der christliche Japaner Utschimurg urteilt:„Das Heidentum kann's auch mit den Greueln in der Christenheit nicht aufnehmen.“„Das hellste Licht wirft den dunkelsten Schatten.“„Dieselbe Sonne, die das Wachs schmelzt, härtet den Lehm.“ And doch sagt er:„Das Christentum ist uns willkommen, weil es uns hilft, unsere Ideale zu erreichen.“ Wir müssen uns das abgewöhnen, in sitt⸗ licher Entrüstung zu schwelgen bei der Aufzählung der Sünden der nichtchristlichen Völker, zumal es reine Gnade Gottes und ganz und gar nicht unser Verdienst ist, daß wir die Kraft des Christentums haben, die jene entbehren müssen. Nicht unserer edleren Natur, sondern nur dem Christentum verdanken wir das, was bei uns besser ist.
(Fortsetzung folgt.)


