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Christentum werden
Evangelische Warte
drgan der Evangelischen Bolksgemeinschaft
Erscheint zunächst wöchentlich am Samstag. Bezugspreis: 50 Pfg. monatlich frei ins Haus. Für Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert. Schriftleitung: Edwin Hamburger in Staden(Oberh.)
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2. Jahrgang.
Es liegt eine Tragik im Protestantismus: auf der einen Seite hat er die religiöse Duldsamkeit ge⸗ boren, auf der anderen Seite in jeder Weise Zersetzung begünstigt durch Begünstigung des religiösen Indivi— dualismus— also praktisch Duldsamkeit und Unduld— samkeit zugleich erzeugt. Traurig war im Grunde das Bild der Stockholmer Konferenz bei allem äußeren Ge— pränge und dem Schaustellen von gelehrten und doppelt gelehrten Herren!: so buntscheckig wie die Menschen und ihre Sprachen, so waren auch ihre Meinungen über Evangelium und praktisches Christentum— Gegensätze, Spannungen, Mißtrauen, Ueberheblichkeit. Wären die Deutschen doch nicht nur in die Tiefe gedrungen— wie ihnen die Berichterstatter nachrühmten— sondern mehr in die Höhe! Stockholm war noch sehr der„alte Mensch“ des individualistischen, zersetzungsgebärenden Protestantismus; möge in Stockholm dieser„alte Mensch“ sein Wesen erkannt haben und sich von Gott zu einem„neuen Menschen“ der Einheit und des Friedens hindurchsehnen! Dazu ist erforderlich, daß die deut⸗ schen Christen nicht mehr an dem Wahn festhalten, als müsse am deutschen Christentum„die Welt genesen“— wie in Stockholm. Und, um nur noch auf eines hin⸗ zuweisen— was soll man halten von den protestanti⸗ schen theologischen Lehrstühlen, wo fast jeder Lehrer sein eigener Papst ist mit eigenem Dogma, mit eigener Schule? ist nicht manche von ihnen auch eine„Sekte des— Ver⸗ derbens“?(Vergl. auch Otto Borchert, der Goldgrund des Lebensbildes Jesu, 1. Teil S. 77).
Ich verstehe es durchaus, wenn man sich auf evan⸗ gelischer Seite wappnet gegen die Angriffe Roms. Ob aber die Bekenntnisschule die richtige Waffe ist? Wo es gilt, den Protestantismus gegen Rom zu verteidigen, bin ich dabei— doch nicht auf Kosten der Simultan⸗ schule. Baut nur Mauern gegeneinander auf, ihr Chri⸗ sten, Schulen gegen Schulen, es freut sich ein Dritter, der Antichrist. Stellt ihn euch auch vor, wie ihr wollt— ihr stärkt mit eurer Feindschaft dieses Dritten gott⸗ feindliche Macht. Wir stehen, ob man es sehen will oder nicht, vor einem„Untergang des Abendlandes:— des alten, christlichen Abendlandes. Seine Zeit ist ab⸗ gelaufen. Die Stunde Roms schlägt über kurz oder lang. Das christliche Abendland muß untergehen, weil sich die abendländischen Christen als nicht treu erwiesen haben. Ich stehe da ganz auf eschatologischem Boden, und ich glaube, dieser Boden steht fester und ist frucht⸗ barer als der Boden so manches theologischen Lehrstuhls.
Christliehe Gemein
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(Schluß.)
Schreibt nur immer Bücher gegen den Untergang und streut dem tchristlichen Volk Sand in die Augen mit eurem scheinbar mutigen Zukunftsoptimismus! Ich glaube selber nicht an den Untergang, sondern an den Aufgang, an die nahe und herrlichen Offenbarung des Gottesreiches— das nicht durch Menschen kommt, son⸗ dern durch den wiederkommenden Christus.
Aus solcher Erkenntnis heraus konnte es nicht meine Aufgabe sein, ein Loblied der Konfessionen zu singen, sondern deren Gefahren zu zeigen. Es war meine Aufgabe, daran zu erinnern, daß, wenn wir Chri⸗ sten sein wollen, wir nicht dem Parteigeist zum Opfer fallen dürfen, auch nicht dem religiösen und kirchlichen. Nie dürfen wir vergessen, daß wir den Geist der Einheit empfangen haben, wenn anders Heiliger Geist in uns wohnt. Nie dürfen wir vergessen, daß nichts so sehr die Verdichtung und Lästerung Ungläubiger reizt als die Zerklüftung der Christenheit und die in ihr nicht nur erlittene, sondern vielfach geradezu gepflegte Feind— schaft.„Um euretwillen wird der Name Gottes ge— lästert unter den Menschen!“— ein Wort, das als ein Menetekel die vielen Konfessionen richten wird.
Ich rede nicht der katholischen, als der römischen Kirche das Wort. Nur einer, der nicht gut will, kann das unterschieben. Einer anderen, höheren katholischen Kirche rede ich allerdings das Wort, jener alle Getauf⸗ ten umfassenden, organischen, leider hundertfältig zer⸗ spaltenen und darum kraftlos gewordenen Einheit aller Christenmenschen— wie sie Christus sieht und— gegen unsere irdischen parteijschen Willen zur Gestaltung bringen wird.
Ich mußte die Notwendigkeit zeigen, zusammen zu streben, einander ergänzen zu müssen.
Daher komme ich zu meinen Folgerungen: Mag auch die„alleinseligmachende“ katholische Kirche von ihrem Standpunkt aus die Bekenntnisschule erstreben müssen— die evangelischen Christen sollten einen wei⸗ teren Blick haben, sie sollen sich für die gemeinsame Sache einsetzen, für die christliche Schule, in der ja im Religionsunterricht das Konfessions-Recht zur Gel⸗ tung kommt.
Glaube niemand, durch Konfessionsschulen dem Reiche Gottes näher zu kommen. Glaube niemand durch Konfessionsschulen die Einheit seines deutschen Volkes zu fördern. Glaube niemand, in der Konfessionsschule tüchtigere Christen zu erhalten als in der christlichen
sehaftssehule.
Gemeinschaftsschule. Ich fürchte, die sind auf dem Irrweg, welche die Bekenntnisschule freiwillig fordern und nicht, wenn's sein muß, aufgezwungen erdulden.
Woher nehmt ihr für eure Bekenntnisschulen die Tausende aufrichtiger, christlich-evangelischer Lehrer? Werden nicht auch dort die meisten, leider Gottes, Taufscheinprotestanten sein?
Elternwille? Es ist meine Ueberzeugung, daß wahrhaft entschiedene Christeneltern, die ihre Kinder auf Händen des Gebets tragen und auf Wegen der Zucht und des eigenen leuchtenden Vorbildes begleiten, ihre Kinder in der christlichen Simultanschule, auch bei einem ungläubigen Lehrer, nicht verlieren. Nicht die evan⸗ gelische Bekenntnisschule bringt uns die wetterfesten Christenmenschen der Tat und der Liebe, welche die Welt so dringend braucht, sondern das evangelische be⸗ kenntnis- und glaubenstreue Elternhaus.
Der Protestantismus wird nichts von der Bekennt⸗ nisschule gewinnen. Gewinnen kann er nur, soweit überhaupt die Schule in Frage kommt, durch die Ge⸗ meinschaftsschule. Anders der Katholizismus— weil sein Wesen ein anderes ist. Auf dem letztjährigen Deut⸗ schen Katholikentag hat ein katholischer, hessischer Theo⸗ loge geglaubt, feststellen zu können, daß kein anderes deutsches Land so viel Mischehen aufweise als Hessen mit seiner— Simultanschule. Jedenfalls weiß die katholische Kirche, warum sie die Bekenntnisschule will.
Reißt nur all die evangelischen und katholischen Kinder, die jetzt noch in Baden nebeneinander auf der Schulbank sitzen. im Hof sich munter tummeln, gemein⸗ same Weihnachtsfeiern halten und Weihnachtslieder singen— reißt sie auseinander. Ihr habt keinen Segen davon.
Auf die unheilvollen Folgen für Stetigkeit und fortschreitende Entwicklung der Unterrichtsziele bei Durchführung des Reichsschulgesetzentwurfs in konfessio⸗ nell gleich oder ungleich gemischten kleineren Gemein⸗ den sei nur hingewiesen. Für 40 Schüler der andern Konfession einen einzigen eigenen Lehrer jener andern Konfession? Der dann alle Schuljahre zu unterrichten hat, verschiedene Schuljahre gleichzeitig? Während bei simultaner Schule jedes Schuljahr für sich oder höch⸗ stens zwei zusammen unterrichtet werden könnten!
Dabei ist nicht außer acht zu lassen, daß in kleineren Gemeinden schon an sich die Konfessionsschule besteht, weil da oft alle oder fast alle Schüler derselben Kon⸗ fession zugehören.
Gehaßt von der Welt.
Lucas 21, 16⸗17. Ihr werdet überantwortet werden von den Eltern, Brüdern, Gefreundten und Freunden; und sie werden euer etliche töten. Und ihr werdet gehasset sein von jedermann um meines Namens willen.
Wir stehen mitten in der Passionszeit. Es ist die stille Zeit in den christlichen Orten, die noch auf christlichen Geist halten. Denn in dieser Zeit redet man in den Kirchen über das Leiden unseres Heilandes. Da will man keine Tanzereien haben, keine Konzerte oder Abendunterhaltungen. Nein, in dieser Zeit will sich jeder Christ still versenken in den schweren Leidensweg unse— tes Herrn. Liebe Leser, wollen wir nicht alle daraufhinwirken, daß es so wieder bei uns gehalten wird? Es wird in manchen Orten nicht leicht sein. Ihr werdet auch verschieden von der Be— hörde unterstützt werden. Denn wenn die eine Kreisverwaltung Handhabe hat, für Ruhe in der Passionszeit zu sorgen, so kann es dir gehen wie mir, d. h. du kannst von der Kreisverwaltung die Mitteilung bekommen, sie habe keine Handhabe, um für würdige Stille in der Passionszeit zu sorgen. Dieses Erlebnis jällt mir immer in der Passionszeit wieder ein. Da merke ich so recht, daß der Staat kein Christ, sondern ein Heide ist. Da jühle ich mich auch so ganz hinein in das, was Jesus hier seine Jünger lehrt.
Der Herr ist mit seinen Zwölfen auf dem Wege nach Je— tusalem. Sie hoffen dort in Jerusalem die Aufrichtung der Rönigsherrschaft zu erleben. Sie streiten sich schon um die ersten Posten im neuen jüdischen Reiche. Aber Jesus gießt Wermuth n ihre Gedanken hinein. Ihr Meister malt ihnen kein Bild der Herrlichkeit vor die Augen. Die Welt will von ihm, von seinem Evangelium, von seinem Christentum nichts wissen. Durch das sogar Familien Verwandtschaften und Freundschaften zerstört werden.„Ihr werdet gehaßt werden von jedermann.“ Statt Freude malt ihnen Jesus das Leiden um eines Glaubens willen vor. Wie unverständlich mögen das die Jünger angehört haben! Wie entgegengesetzt waren doch
den Tod voraus:„Sie werden von euch etliche töten.“ Das alles soll geschehen„um seines Namens willen“. Welch eine harte Probe der Treue stellt ihnen Jesus hier vor die Augen! Wir wissen, wie es den Jüngern später ergangen ist. Wir ken⸗ nen die Leiden und Verfolgungen eines Paulus. Wir haben alle schon gehört von den furchtbaren Qualen der ersten Chri— sten, von den grausamen Verfolgungen der Urgemeinden durch die römischen Cäsaren. Was der Herr damals seinen Jüngern zu bedenken gab, das ist wirklich eingetreten. Es hat sich heraus⸗ gestellt, wie wahr es ist, was Jesus seine Jünger lehrte:„Der Jünger ist nicht über seinem Meister.“ Hat der Meister den Tod am Kreuze finden müssen, warum sollten die Jünger nicht auch überantwortet und getötet werden?
Aber nicht nur die ersten Christen mußten so leiden. Nach⸗ dem soviel Heidentum sich mit Resten des Christentums gemischt hatte, da stand wieder dem echten erneuerten Christentum heid— nische Verfolgung bevor. Wie grausam hat man nach der Re- formation von römischer Seite wieder das wahre Christentum verfolgt! Wir denken an die Niederlande, an die Salzburger, an die ganze heidnische Inquisition und Ketzerrichterei.„Der Jünger ist nicht über seinem Meister.“
Nun sollte man meinen, wir müßten in das Missionsland gehen, wenn wir heute ähnliche Zustände finden wollten. Ge⸗ wiß da draußen im fernen Missionsland wird der Mensch noch gehaßt wegen seines Christentums. Da kann es vorkommen, daß jemand überantwortet wird von„den Eltern, Brüdern, Ge— freundten und Freunden“. Wenn jemand Christ wird in China, in Indien oder in einer südrussischen Judengemeinde, dann ist er eine Fegopfer der Leute, ein Geächteter und Verworfener, der kaum vor der Steinigung geschützt ist. Und denken wir an das Gebiet von Borneo, in dem heute die Baseler Mission ar⸗ beitet, dann erinnern wir uns an jenes Kreuz, das Zeugnis ab⸗ legt von dem Märtyrertod der ersten Missionare in jenem Land, die dort unter den Pfeilen der Eingeborenen um ihres Glau- bens willen starben.
Aber in den sogenannten christlichen Ländern, meinst du, sei eine Verfolgung um seines Glaubens willen nicht zu fürchten? Schau hin, lieber Leser, nach dem Baltenland, wo Bekenner ihres
die Gedanken! Statt herrlichen Lebens sagt ihnen der Meister
Heilandes unter den Kugeln vertierter Bolschewiken grausam gemordet die Erde röteten. Dies geschah in unseren Tagen„um seines Namens willen.“ Der Haß der von den Juden geführten Bolschewiken mußte sich ja gegen alles, was christlich war, in Rußland richten.
Aber bei uns, glaubst du, sei eine Verfolgung des Christen⸗ tums unmöglich? Gibt es bei uns nicht die gleichen Kreise, wie jene in Rußland, die so wüteten und hausten? Wie sah es bei uns nach der Revolution aus? Fürchteten nicht viele damals einen schweren Kampf gegen das Christentum? Uebrig geblie⸗ ben ist aus dieser Zeit, daß wir heute nicht mehr in einem christ⸗ lichen Staate wohnen, sondern in einem Staate, in dem Kreis⸗ ämter keine„Handhaben“ haben, um christliches Empfinden zu schützen.
Uebrig geblieben ist auch der Haß der Welt gegen die kleinen Gruppen wahrhaft frommer Christen, die mit der Nachfolge Jesu Ernst machen wollen. Einzelne christliche Arbeiter in den Fabriken oder auf Baustellen, christliche Dienstmädchen in welt⸗ lich gesinnten Häusern, christliche Kaufleute in den Kontoren und viele andere vereinzelte ernste Christen erfahren es, daß es auch bei uns einen Haß der Welt gibt.„Haben sie den Haus⸗ vater Beelzebub geheißen, wie viel mehr werden sie seine Haus⸗ genossen also heißen“, sagt Jesus.
Je ernster und strenger jemand sein Christentum nimmt, umso größer ist der Haß der Welt. Da kann es öfter vorkommen, daß wirklich eigne Verwandte und Freunde jemand um seines christlichen Ernstes willen preisgeben. Da werden wir an die Jünger des Herrn denken müssen, die dem Tode furchtlos ins Auge sahen, weil sie Jesus lieber hatten als die Welt. Sie hatten mehr von dem Haß der Welt als von der Welt Freuden. Sie hatten die Verheißung ihres Herrn und Meisters:„Wer nun mich bekennet vor den Menschen, den will ich bekennen vor meinem himmlischen Vater. Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater.“ So laßt uns keine Jesusleugner, sondern Jesusbeken⸗ ner sein. Denn„wer bis ans Ende beharrt, der wird selig.“
Amen. Hr.
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