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gierung der Henkersknechte“ Kreisen nicht vorkommen. 5
Im Untersuchungsausschuß des Reichstags wurde die Dittmannbroschüre weiter verhandelt. Nach erreg⸗ ten Debatten wurde schließlich der Antrag Joos(Ztr.) angenommen: i
„1. Die Veröffentlichung der Rede des Abg. Dittmann
als Broschüre unter dem Titel„Die Marinejustiz⸗ morde und die Admiralsrebellion 1918, dargestellt nach den amtlichen Geheimakten im Auftrage des parlamentarischen Untersuchungsausschusses(4. Unter⸗ ausschuß), ist ohne Vorwissen des 20.(Anter⸗ suchungs⸗) Ausschusses und des 4. Unterausschusses er— olgt.
2 Der Ausschuß spricht zum Schutze seiner Autori⸗ tät und des Wertes seiner der Deutschen Verlagsge⸗ sellschaft für Politik und Geschichte in Verlag gegebe⸗ nen Veröffentlichungen die bestimmte Erwartung aus, daß in Zukunft Son derveröffentlichungen ohne Beschluß des Ausschusses unterbleiben.“
Ziffer 2 dieses Beschlusses wurde mit 18 gegen 10 Stimmen angenommen. Die Vertreter der sozialdemo— kratischen und kommunistischen Partei gaben sofort die Erklärung ab, daß sie sich trotz dieses Beschlusses alle Rechte, die ihnen nach dem Urheberrecht für Ver— öffentlichungen zustehen, vorbehalten.
Abg. Brüninghaus(D. Vp.) und Gen. hatten zu dem Antrag Joos den Zusatz beantragt:„Die Art und Weise, wie der Abg. Dittmann sein Referat in Form einer Broschüre in die Oeffentlichkeit gebracht hat, miß⸗ billigt der Ausschuß.“ Dieser Zusatz wurde mit 16 gegen 12 Stimmen abgelehnt. Einer Erklärung des Abg. Brüninghaus, daß er dem Antrage Joos deshalb bei⸗ gestimmt habe, weil daraus die Mißbilligung des Vor⸗ gehens des Abg. Dittmann hervorgehe, auch ohne daß dies ausdrücklich erwähnt sei, wurde von den Vertretern der Demokraten auf das bestimmteste widersprochen.
Eine große Freude hat die sogenannte 1. Be⸗ satzungszone erfahren. In der Nacht vom Sonntag, den 31. Januar, auf Montag, den 1. Februar, fand auf dem Domplatz in Köln eine große öffentliche Befreiungs⸗ feier statt. Um 12 Uhr mitternachts hörte die Besetzung auf. Die Deutsche Glocke am Rhein, die Petrus-Glocke des Domes, begann zu läuten, die übrigen Kirchen⸗ glocken in der ganzen Stadt folgten nach. Dann hielt Oberbürgermeister Dr. Adenauer eine Ansprache an die Bevölkerung. Mit einem Hoch auf das deutsche Vater— land und dem Deutschlandlied schloß die eindrucksvolle Feier. Interessant ist daran, daß sich die Engländer zu Hause diese Feier auch anhören konnten. Durch den deutschen Rundfunksender in Königswusterhausen wurde die Feier aufgenommen und weitergeleitet. Ja, auch
der Dampfer„Köln“ auf hoher See konnte seine Mit⸗
reisenden an der Feier durch den Rundfunk teilnehmen lassen.
Diese Befreiung bedeutet aber keine Rückwirkung des Locarnovertrages, sondern nur eine endliche Wieder⸗ gutmachung eines uns im vorigen Jahre zugefügten Unrechts. Im Rheinland herrscht eine tiefe Ent⸗ läuschung über Locarno. Der rheinische Provinzial⸗ landtag in Düsseldorf hat anläßlich der Räumung der 1. Zone in einer Entschließung seine Enttäuschung zum Ausdruck gebracht. In dieser heißt es u. a.:
„Als ein umso größeres Unrecht muß es der Pro⸗ vinziallandtag bezeichnen, daß für die zweite und dritte Zone nicht nur die nach den Verhandlungen von Locarno und der Note vom 14. November 1925
mit Recht erwarteten Erleichterungen der Besatzung rr.—
„Evangelische Warte“
nicht eingetreten sind, daß vielmehr viele Orte eine erhebliche Erschwerung zu beklagen haben. Der Pro⸗ vinziallandtag erwartet, daß die Rückwirkungen von Locarno in viel höherem Maße als bisher auch bei den Besatzungstruppen einschließlich der Gendarmerie sichtbar werden. Insbesondere wird das Gefühl der Enttäuschung und Unsicherheit durch die Tatsache ver— stärkt, daß eine befriedigende Festsetzung über die Ver⸗ kürzung der Räumungsfristen für die zweite und dritte Zone sowie über die alsbaldige Regelung des Verhältnisses des Saargebietes noch nicht erfolgt ist. Es widerspricht ferner völlig den von der rheinischen Bevölkerung an die Verhandlungen von Locarno ge— knüpften Erwartungen, daß die Besatzungstruppen von neuem Gelände in erheblichem Umfange für Uebungs⸗, Schieß⸗ und Flugplätze in Anspruch neh— men, und daß von neuem Mobilmachungsvorberei⸗ tungen vorgenommen werden.“
Nun sollte man meinen, solches könne nur daran liegen, daß vielleicht von deutscher Seite aus immer noch nicht genug der gute Wille gezeigt werde. Wie darüber von unseren früheren Feinden gedacht wird, zeigt folgende Meldung:
Während des Empfanges englischer Pressevertreter in Paris durch Chamberlain wurde an den Staatssekre— tär u. a. die Frage gerichtet, ob Deutschland alles tue, was möglich sei, um seine Abrüstungsverpflichtungen 5 8 Darauf erwiderte Chamberlain:„Ja, alles.“
Es ist ja schön, daß Herr Chamberlain so mit uns zufrieden ist. Aber wir, und besonders die Rhein- und Saarländer, wollen Taten sehen.
Inzwischen müssen unsere Stammesbrüder in Süd⸗ tirol weiter leiden. Wie die„Neue Freie Presse“ aus Innsbruck berichtet, wird die„Meraner Zeitung“ am 14. Februar nach 58jährigem Bestehen ihr Erscheinen ein— stellen. An ihre Stelle tritt das in deutscher Sprache gedruckte faschistische Blatt„Alpenzeitung“, das die Räume und die Druckerei der„Meraner Zeitung“ über⸗ nimmt. Der Besitzer der Druckerei, Ellmenreich, wurde zur Ueberlassung seines Betriebes gezwungen. Im Interesse seiner 50 Angestellten übernahm er den Druck der„Alpenzeitung“ vorläufig auf ein Jahr. Der leitende Direktor der„Alpenzeitung“, die von der Re— gierung subventioniert wird, ist Neri Lionardi.
Es kann jeden Deutschen nur freuen, wenn die bei— den Universitätsprofessoren Eucken und Kerschensteiner durch die Zeitungen mitteilen, daß sie in Anbetracht der Vorgänge in Südtirol den Internationalen Kongreß für moralische Erziehung, der im April in Rom statt— finden soll, nicht besuchen werden. Den Italienern ist es natürlich peinlich, daß diese beiden weltberühmten Volkserzieher ablehnen, und sie beklagen sich darüber. Scheinbar ist es im Ausland etwas ganz ungewöhnliches, daß ein Deutscher auch Ehre hat. Hat nicht ein Deut⸗ scher sich alles gefallen zu lassen? Soweit ist die Ach⸗ tung vor uns bereits gesunken. Es ist Zeit, daß von uns ein anderer Kurs gefahren wird. Deshalb sind auch die in Oesterreich und Deutschland geplanten Gegen— maßnahmen, die das Reisen nach Italien verhindern wollen, nur zu begrüßen. Aber das darf doch der Deutsche nicht! Da machen in Rom italienische Studen⸗ ten vor der deutschen Botschaft Lärm, da wird in Mai⸗ land und Neapel vor den deutschen Konsulaten demon⸗ striert. Daß zwei Herren des Außenministeriums auf der deutschen Botschaft in Rom erschienen und ihr Bedauern über die jugendlichen Flegeleien aussprachen, wollen wir als eine selbstverständliche Anstandsform buchen.
Sonntagsgeoͤanken.
Wieder ist die tolle Zeit im Jahre. Schreiende Plakate rufen zu Spiel und Tanz, Masken huschen im Lampenschein über die Straße, getrieben von Vergnügungslust, und kümmern sich wenig um die, die ihre Sorgenlast am Feierabend nach Hause schleppen. Und von der Straße aus schaut mancher mit ge— ballter Faust in der Tasche nach den hell erleuchteten Fenster der Ballsäle und ein anderer wieder blickt sehnsüchtig hinauf, der sich auch mitfreuen wollte, aber den die bittere Not auf die Straße zum Betteln zwingt.
Mögen die Geigen und Trompeten noch so laute Musik machen— der Notschrei von Millionen übertönt sie und sollte die tanzenden Paare auch mitten in Freude und Lust an jene Mitmenschen erinnern, die an leeren Tischen sitzen müssen, die keine Freude kennen, weil sie der Hunger plagt. Hört den Not⸗ schrei, die ihr noch an vollen Tischen sitzet, ihr Fröhlichen bei Spiel und Tanz! Eure Lust soll nicht genommen sein, tanzt weiter und singet,— aber hört zwischen euren Liedern auch das Klagelied eurer Mitmenschen!
Dort oben im festlichen Ballsaale tanzt mancher mit und läßt die Flaschen knallen, der aus der Not und dem Elend seiner Nächsten reich geworden ist. Manche dort oben waren auch einst arm und haben aber vergessen, was Not heißt und Sorge. Sie hören nicht mehr, wie der Hungernde an ihre Türe klopft, sie sehen nicht das alte Mütterlein und den gebeugten Greis, die am Feierabend ihres Lebens darben müssen, und sie fühlen nicht mehr, wie weh es tut, ohne Schuld arm zu sein.
Ihnen wollen wir heute nach durchschwelgter Nacht zum Sonntag die bittende leere Hand hinstrecken, daß sie noch etwas übrig haben für ihre Mitmenschen, die in bitterer Not und Ar⸗ mut leben müssen. Ladet die Hungernden am Sonntag zu euch zu Gast und dann erst könnt ihr euch ehrlich freuen und niemand wird euch dann mißgönnen— euer Singen, eure Lust und euren Tanz!
Waldfried.
ehristenlum und Strafrecht.
Aus dem Vortrag des Reichsgerichtspräsidenten
Dr. Simons auf der Stockholmer Weltkirchenkonferenz.
Da es Aufgabe der christlichen Kirche ist, alle Ver⸗ hältnisse des öffentlichen Lebens mit dem Geiste Christi zu durchdringen, so darf sie auch die Probleme des Ver⸗ brechens und der Strafe nicht außer acht lassen. Den wirksamsten Einfluß wird sie zweifellos dadurch aus⸗ üben, daß sie Verbrechen und damit auch deren Bestra⸗ fung zu verhüten sucht. Zur Vermeidung von Ver⸗ brechen an Mitmenschen und der damit verbundenen Strafe der Wiedervergeltung von seiten des Staates bringt sie am besten das Gebot Jesu zur Geltung:„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“ Den Kampf gegen Rechtsverletzung durch Ungehorsam führt sie am wirk⸗ samsten durch Einprägung der Worte:„Gebt dem Kai⸗ ser, was des Kaisers ist!“ und„Ein jedermann sei unter⸗ tan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat!“ Daneben hat die Kirche aber auch die Pflicht, sich für eine bessere und gerechtere Verteilung der irdischen Güter einzusetzen und den Geist der Bruderschaft auch in der Gesetzgebung in beherrschender Weise zum Ausdruck zu bringen. Andererseits sollte sie es nicht versäumen, den Staat zu warnen vor rücksichtsloser Ausnutzung seiner Macht, da dieser Mißbrauch der Gewalt notwendig zu Gesetzlosig— keit und Anarchie führen würde. Es ist ein Irrtum, wenn christliche Kreise sich für verpflichtet halten, für milde Bestrafung und weitgehenden Straferlaß einzu— treten. Der Christ bedarf eines gnädigen Gottes, aber auch eines gerechten Staates. Handelt es sich
Kein Wort hatte Er gesagt und doch war ein Wunder geschehen. Im selben Augenblick hatte sich das laute Klappern des Wagens zu einem fernen Rauschen gedämpft. Die Melonen waren zu sunften Kissen geworden. Die Blendung, die unerträgliche Hitze waren verschwunden. Ein unsagbares unbekanntes Wohlbe⸗ hagen hatten seinen Körper durchdrungen, und sein Herz hatte angefangen zu läuten wie eine ferne himmlische Glocke.
So war es immer gewesen, wenn er dem Wundermanne später begegnete. Sobald er Seiner ansichtig wurde, war die Na⸗ tur wie verzaubert. Die Nosen dufteten Ihm zu, die Bäume streckten nach Ihm die Zweige aus, um Ihm Schatten zu spen⸗ den, der Bach rauschte Ihm entgegen und die Sonne malte nur noch Ihm zuliebe die Zitronen goldig, das Laub der Olive sil⸗ bern, das Gras sattgrün und die Lilien in Weiß und Purpur. Auch die Menschen waren so ganz anders geworden, ein stiller Glanz lag auf ihnen, der aus ihren Herzen zu kommen schien, die Augen leuchteten, und die Lippen lachten vor Wonne.
Was Er gesagt hatte? Vieles und Schönes. Aber an eines mußte er immer wieder denken:„Das Himmelreich ist in euch!“
Daß das Himmelreich in Ihm war— ja das sah man— wurde doch der steinige Acker zum herrlichsten Teppich, wenn
Sein Fuß ihn betrat. Aber sollte das Himmelreich auch in
jedem anderen Menschen sein können? Gar zu gerne hätte er das Paradies geschaut, das auch er in seinem Herzen trug, nach den Worten des Wundermannes— nur eine einzige Blume aus dem Garten Gottes so lieblich vor sich zu sehen, wie die Land⸗ schaft, die vor ihm lag.———
Die Sonne senkte sich, die Farben wandelten sich langsam in Blau und Purpur.— die Berge erhoben sich, schoben sich näher zusammen und umgaben das Tal wie mächtige Blätter den Kelch 0 einer Lilie. Der Glanz der Häuser in der Tiefe erhob sich zu 0 lichten Staubfäden, und der See lag zitternd, einschimmernder Tautropfen, im Kelche der alles umfassenden Gottesblume.
Mit atemloser Spannung schaute der Hirt in dies Wunder hinab, das sich langsam vor ihm entfaltete. Da lag sie vor ihm, die Blume des Paradieses, die lang ersehnte.— Wie ein Gruß des fernen Freundes wehte der himmlische Duft der Blume an
pm vorüber.
Die Sonne versank, die Farben der Lilie vertieften sich und mählich versank die Tiefe des Kelches in ein geheimnisvolles
Da schreckte den Schäfer eine plötzlich auftauchende Be— sorgnis auf. Auf einer steil aufragenden Klippe stand der schönste Bock seiner Herde und begann sich langsam im Kreise zu drehen. Der Bock hatte dem Hirten schon häufig Sorgen be⸗ reitet, denn es mehrten sich seit einiger Zeit die Anzeichen einer schweren Gehirn-Erkrankung. Nun drehte er sich dicht am Ab— grund in immer schnelleren und schnelleren Kreisen um sich selbst— und da stürzte das sinnlos gewordene Tier kopfüber in den Abgrund.
Schnell machte der Schäfer sich auf und kletterte vorsichtig im unsicheren Dämmerlicht über Felszacken und Geröll hin— ab, um nach dem Verunglückten zu suchen.
Als er zur Stelle kam, wo der Bock liegen mußte, sah er neben dem verendeten Tier einen langen hageren Mann in dunklem Talare, wie ihn die Aerzte zu tragen pflegten. Er hatte sich über das Tier gebeugt, das mit zerschmettertem Schädel dalag, und hob aus der Hirnmasse eine schimmernde Blase hoch in die Luft. Triumphierend rief er:„Sei gegrüßt Bruder, Du hast Deine Sache gut gemacht. Bist Du auch nur ein Anfänger in unserer Bruderschaft— Du bist doch Sieger geblieben im Kampf gegen unser aller Feind. Das sei mir ein Wahrzeichen für meinen Erfolg.“
„Wer seid Ihr? und was treibt Ihr?“ fragte der Hirt, den beim Anblick des Fremden ein seltsames Grausen beschlich.
„Komm her und sieh: den Sieg der Unseren“, lachte der Fremde.„Doch ihr Menschen seid blind. Ich muß Dich erst sehend machen. Was ganz klein und was ganz groß ist, begreift ihr nicht ohne fremde Hilfe.
Du glaubst, das sei bloß ein verendetes Schaf, das nach dem Preise zu bemessen sei, den man auf dem Markt von Magdala zahlt. Ich sage Dir aber, das war ein Wunderwerk des„Leben⸗ digen“, das er aber vor uns nicht zu retten vermocht hat.
Erst mußt Du wissen, daß das Maß von groß und klein, an das ihr Menschen gebunden seid, im Reiche des Lebendigen nicht gilt. Hier in diesem Schädel, der zertrümmert vor Dir liegt, lebte eine große Stadt mit vielen Tausenden von Bewoh⸗ nern. Ein Wunderwerk, sage ich Dir.
Im Tale lag die Stadt der Arbeiter mit all ihren betrieb⸗ samen Werkstätten. Die Arbeiter lebten mit ihren Familien in schmucken Einzelhäusern, die alle von Gärten umfriedet, einen lieblichen Anblick darboten.
Friedlich und glücklich gingen die Arbeiter ihrer Arbeit nach. Jeder kannte, was ihm oblag. Zufrieden in seinem kleinen Kreise waltete ein jeder neidlos und fleißig.
Oben auf der Höhe lagen die Paläste der fürstlichen Be⸗ amten. Wie eine Sonne strahlte der Palast des Fürsten des Lichtes und der Farben. Neben ihm erhob sich in Springbrun⸗ nen⸗durchrauschtem Garten der Palast des Fürsten der Töne. In blumiger Wiese lag das Haus des Fürsten des Duftes und an einem tiefen See das Haus des Fürsten des Geschmackes. Die Diener all dieser Fürsten ein lichtes Elfengeschlecht, dienten als flinke Boten, die allezeit sichere Kundes brachten von dem, was außerhalb des Staates geschah.
Alle Paläste überragend lag das Schloß des Königs. In ihm versammelten sich täglich die höchsten Würdenträger, um Rat zu pflegen für das Wohl des Landes Der milde, liebevolle König entschied in stiller Weisheit und der Fürst des Willens zugleich Kanzler des Reiches, der in einer trotzigen Burg hauste, war der strenge aber gerechte Herr über all die aber tausend Arbeiter, die die Dienste des Staates versahen.
Zu hohen Festen versammelten sich alle Einwohner im säulenumkränzten Tempel, in dem der Hohepriester die Herzen und Hände segnete.
So stand alles in herrlicher Blüte, als einer der Unseren, verkappt als harmloser Fremdling, die Stadt betrat.
Vielleicht war es der Hauch seines Wesens, der sich alsogleich kundtat. Denn damals kam es zum ersten Streit zwischen dem König und dem Fürsten des Willens.
Im Schloß des Königs standen sie sich gegenüber, der jugendlich eifrige Herrscher und der ernste strenge Kanzler. „Nein, rief der junge König, ich will diese Mauern durchbrechen, die mich von meinem Volke trennen. Fort mit dem Gottesgnadentum, das mich eine Lästerung dünkt. Weg mit all dem unnützen Prunk und den weitläufigen, alber⸗ nen Zeremonien, die den Untertanen den Weg zum Herzen des Herrschers versperren. Ich fühle mich als der brüderliche Be— rater auch der Aermsten unter meinem Volke. Mensch zu Mensch sollen alle Bürger und Arbeiter mir gegenübertreten. Den Mühseligen u. Beladenen will ich ihre Last erleichtern. Vertrauen weckt Vertrauen. Vertraue ich meinem Volke, so wird mein Volk mir vertrauen. Und wo Vertrauen herrscht, ist die Liebe nicht fern.“
(Schluß folgt.)


