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Sonnabend, den 13. Februar 1926.

nisvollsten Irrlehren. Damit hat er recht. Die Maxime der Marxisten, daß Religion Privatsache ist, ist zum Unheil für unser Volk geworden. Darum aber sollte sich die Führung der römischen Kirche, wie sie ein deut scher Bischof darstellt, ganz unzweideutig von einer Partei, wie das Zentrum, abwenden, das doch unver⸗ kennbar gemeinsame Sache mit diesen Religionsveräch⸗ tern macht. Daß im übrigen eine christliche Presse eine Lebensnotwendigkeit für unser Volk ist, wie der Bischof überzeugend nachwies, ist eine unbestreitbare Tatsache. Umso bedauerlicher ist es, daß es dem evangelischen Volk an wirklich christlichen Tageszeitungen, die seine Sache kräftig wahrnehmen, mangelt. Die Katholiken haben es verstanden, sich solche festen Stützpunkte zu schaffen. In Sachsen z. B., das, wie ausgeführt wurde, sozusagen zur Diaspora zu zählen ist, besitzen die Evan⸗ gelischen keine ausgesprochen christlich-evangelische Zei tung. Das sollte zu denken geben, und in dieser Be⸗ ziehung sollte die sehr beachtenswerte Rede des Bautze⸗ ner Bischofs uns Evangelischen als Weckruf dienen.

Grundsteinlegung der Evangelischen Volksgemeinschaft in göthst a. M.

Zu einer eindrucksvollen Kundgebung gestaltete sich eine Werbeversammlung für die E. V. in Höchst a. M. am 28. Januar. Pfarrer Ide hatte die Mitglieder der kirchlichen Vereine in den Saal des evangelischen Vereinshauses eingeladen, um sie mit der E. V. bekannt zu machen, und der Besuch war für Höchster Verhältnisse sehr gut; ca. 300 Personen waren anwesend aus allen Schichten den Bevölkerung. Den beiden Vorträgen, die über die heutigeGegenreformation(Pfr. Ide) und über dieEvangelische Volksgemeinschaft(Pfr. Weid⸗ ner, Ober⸗Lais) gehalten wurden, folgten die Anwesen⸗ den in gefesselter Aufmerksamkeit und mit wiederholt stürmischem Beifall. Die Ausführungen von Pfarrer Ide über die Gegenreformation öffneten vielen zum ersten⸗ mal die Augen für die bedrohte Lage, in der das evangelische Deutschland heute infolge der zielbewußten Arbeit der römisch-katholischen Kirche, das ganze deutsche Volk, das zu zwei Drittel evangelische deutsche Volk, unter die Herrschaft des Papstes zu bringen, und an Stelle evangelischer Freiheit wieder die vorreforma⸗ torische Geistesknechtung zu setzen. Seine Ausführungen von teilweise erschütternder Wirkung, hatten dem Vor⸗ trag von Pfarrer Weidner den Boden bereitet. Mit unwiderleglicher Klarheit führte er aus, wie der Schutz der evangelischen Interessen in Deutschland bisher von keiner der bestehenden politischen Parteien übernommen sei. Von der Sozialdemokratie, deren Reichstagsabge⸗ ordnete zu 75 Prozent Juden und Religionslose oder Freidenker sind, ist es nicht zu erwarten. Und die bür⸗ gerlichen Parteien haben trotz aller Versprechungen vor den Wahlen hinterher die evangelischen Belange garnicht oder ganz ungenügend vertreten; auch lassen diese Parteien den ernsten Willen vermissen, an Stelle der Macht des Geldes die Macht christlichen Geistes zu setzen, sodaß gar keine Aussicht besteht, daß durch sie etwa die christliche Moral zur Richtschnur in unserem wirtschaftlichen, öffentlichen und politischen Leben wer den kann. Mit zahlreichen Beispielen aus dem politi⸗ schen Leben belegte der in der Politik bewanderte Red⸗ ner seine Ausführungen. Die Hörer, welche zunächst aus dem Staunen über die nie gehörten Tatsachen nicht herauskamen, zollten dem Redner zum Schluß stürmi⸗ schen Beifall. Die lebhafte Aussprache, welche zwei

lichen Charakters in der Wetterau ist zudem der Eigensinn. Er zeigt sich in einer solchen Allgemeinheit und Stärke, daß man kaum weiß, wie es möglich ist, wenn so Mancher, der unter ihm seufzt, nicht lieber alle Bande mit Gewalt zerreißen als ihn er⸗ tragen mag. Durch Beispiele seine Allgemeinheit beweisen zu wollen, würde ein unausführbares Unternehmen sein.

Im Aeußeren der Wetterauerin fehlt es zwar nicht gerade an erträglichen, auch wohl schönen Formen und nicht an regel mäßigen Gesichtern, wohl aber an allen, was Grazie heißt. Der liebenswürdigen Häßlichen habe ich wenigstens hier auch noch nicht eine entdecken können.

An einer großen Menge häuslichen Zwistes ist der leidige Kaffee schuld, dem namentlich die Weiber in der Wetterau auf eine Art ergeben sind, die nirgends weiter getrieben werden kann. Man kennt die Allgemeinheit der Klage über ihn. Mögen unsere Urenkel es nicht in schnöder Sklaverei zu beweinen haben, daß ihre Väter der Klage so wenig achteten.

Nun auch des Guten, welches ich von denen weiß, unter denen ich lebe. Scheitert er nicht an einer der obgedachten Klippen, so wird der Wetterauer gewöhnlich ein Muster der Regelmäßigkeit, dessen gleichen man viel Mühe haben wird, sonst irgendwo im Bauernstande zu finden. Aus seinem Munde geht kein unanständiges Wort, geschweige daß er sich eine solche Handlung erlauben sollte. Er hält sein Versprechen mit größter Strenge, greift, um Kredit zu halten, auch den Sparpfennig an, der sonst vergraben liegt und zu dessen Vergeudung ihn, diesen Fall ausgenommen, fast nichts bewegen kann. Er ist ein glück⸗ licher Arbeiter, denn er geht mit Zuversicht ans Werk, welche eine natürliche Folge der vorhergegangenen Ueberlegung ist. Er setzt das Werk ausdauernd fort, weil vorzügliche Stärke ihm auch das Schwere leicht macht, um so mehr, da er überall sich zu schonen weiß, ehe es der Entscheidung gilt. Auf diese Art wird nichts von seinen Kräften unnütz verschwendet. Wer einmal sein Vertrauen hat, verliert es nur durch eigne Schuld; denn er glaubt nicht jedem Geschwätz und verzeiht dem Freunde mehrmals ebenso aufrichtig, als er den Feind von ganzer Seele haßt. Sein reifes Urteil fordert nirgends übermenschliche Tugend, und er entschuldigt und übersieht den Fehler, wenn er nur von überwiegendem Guten begleitet ist. Dem geachteten und beliebten Prediger folgt er nicht selten weit eher wie dem Amtmann, der ihn strafen kann, und gibt dadurch einen schönen

Evangelische Warte

volle Stunden dauerte, drehte sich vor allem um die

Frage: Sollen wir auf dem Wege einer neuen politischen Partei unser gewünschtes Ziel zu erreichen suchen? Da zeigte sich eine erfreuliche Einmütigkeit. Durch die Worte der Diskussionsredner klangen immer die glei⸗ chen Töne hindurch:Davon hatten wir keine Ahnung. Warum hat man uns nicht eher aufgeklärt?Jetzt wissen wir, was wir zu tun haben. Nur ein Redner der Deutschen Volkspartei, der die angeführten Tat⸗ sachen beider Vortragenden zwar vollständig aner⸗ kannte, glaubte der Gründung einer E. V. doch nicht das Wort reden zu können und befürwortete, es noch⸗ einmal mit den bürgerlichen Parteien zu versuchen. Je doch konnten seine Ausführungen nicht standhalten, gegenüber den bitteren Tatsachen, die Pfarrer Weidner dem entgegenstellte, und die Versammlung stimmte den Worten von Pfarrer Weidner lebhaft zu, daß es ein be⸗ wußt evangelischer Mensch nicht mehr mit seinem Ge⸗ wissen vereinbaren könne, den Schutz der evangelischen Belange noch weiter einer anderen Partei anzuver⸗ trauen. Der Evangelische Bund behält seine Aufgabe, das Gewissen der evangelischen Kreise wachzuhalten. Den öffentlichen und einzig wirksamen Schutz kann nur eine Partei im Parlament ausüben, und diese soll die E. V. sein. Zahlreiche Anwesende gaben den offenen Ausdruck, daß diese Versammlung für sie ein Erlebnis gewesen sei. Mancher machte sofort an dem Abend einen Strich unter seine bisherige Parteizugehörigkeit und trat der E. V. bei. Die Zahl der Freunde der E. V., die zugleich Abonnenten derEvangelischen Warte wurden, ist an diesem Abend an die 100 gestiegen, und sie wird weiter steigen. Mögen manche sich noch nicht so schnell von ihrer bisherigen Partei loslößen können, weil langjährige Zugehörigkeit, persönliche Beziehungen oder wirtschaftliche Abhängigkeit(Leider auch das. Im Demokratischen Zeitalter! Herrschaft des Kapitals über das Gewissen!) sie zunächst noch bindet, die Wahrheit aber ist stärker als alles; der Wahrheit kann keiner sich auf die Dauer widersetzen! Darauf kann die E. V. bauen. Auch in Höchst wird sich die Wahrheit weiter Bahn brechen. Die Freunde der E. V. in Höchst wer⸗ den in kürzester Zeit sich wieder versammeln, um das be⸗ gonnene Werk, zu dem am 28. Januar der Grundstein gelegt ist, weiter auszubauen.

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Der vorstehende Bericht zeigt uns deutlich, wie die neulich in Ober-Lais begonnene Werbearbeit erfolgreich sich fortsetzt. Zu der Tagung in Ober⸗Lais haben wir übrigens noch folgenden Nachtrag zu bringen:

Zu der Rede des Bürgermeisters Hensel in Ober Lais fügen wir noch folgendes zu, das wir, um einen kürzeren Bericht zu fassen, wegließen: Er führte aus, daß Deutschland aus einem Agrarstaat ein Industrie⸗ staat geworden, daß der größte Teil der Steuern seither von Arbeitern, Beamten und Industrie aufgebracht wurden. Nicht mehr gelte wie früher der alte Bauern spruch:Ich laß den lieben Gott nur walten, ich muß euch alle doch erhalten. Er erwähnte, welcher Segen die Industrie in Hirzenhain für die ganze Gegend sei. Des⸗ halb sollen wir: Arbeiter, Bürger, Beamte und Bauern uns zusammenschließen, treu zu einander halten, nicht im Parteihader zerfleischen, denn sei ein Glied des Vol kes krank, so leide alles darunter, und in einem Zusam⸗ menschluß Aller in der Evangelischen Volksgemeinschaft sei die Gewähr gegeben zum Wiederaufbau unseres lieben Vaterlandes.

Wink über die edlere Behandlungsart, deren er fähig ist. Bei vorkommendem gerichtlichen Streit weiß er, mehr als andere seines Standes, die strittige Sache von der unbestrittenen und von der Person zu unterscheiden. Man überrumpelt ihn nicht. Regierung und Religion haben hier weniger von dem gefähr lichen oder unbedachtsamen Neuerer zu fürchten. Der Lügner ist ihm verächtlich, der bald entdeckte Prahler lächerlich und un⸗ ter allen am wenigsten ihn zu täuschen fähig. Dem Ueber⸗ mütigen leistet er offenbar, nachdrücklichen Widerstand, und keine Art sonstiger Vorteile, welche ihm dieser zufließen lassen möchte, bringen ihn dahin, daß er die Kränkung seiner Ehre geduldig ertrage. Mit einem Wort: der Wetterauer ist ein fester und zu⸗ verlässiger Mann, wie es schon sein nerviger Körperbau erwar⸗ ten läßt. Nichts gewährt ein größeres Vergnügen, als seinen Anstand in den Verhältnissen zu sehen, wo er öffentlich auf⸗ tretend sich von einem Vorgesetzten beobachtet glaubt. Die hiesige Kirchenweihtänze beschämen in der Tat die Bälle der besseren Zirkel mancher Städte.

Die wahrhaft ehrbare Wetterauerin hat auch ohne Reich⸗ tum eine solche Fülle und Reinlichkeit in ihrem Hauswesen, daß manche nicht sehr verlegen sein würde, wenn selbst ihr Landesfürst einmal in demselben bewirtet sein wollte. Es ist eine Freude, zu sehen, wie sauber ihre Kinder zur Schule kom men, und die Wäsche ihres Mannes ist von einer solchen Be schaffenheit, zeugt für eine solche Pflege, daß mancher wohl habende Bürger darinnen nachstehen muß.

In die Zahl der häuslichen Verdienste der Wetterauerin gehört auch dieses, daß sie eine bessere Köchin ist, als die meisten Bäuerinnen zu sein pflegen. Man braucht eben keinen zu gro⸗ ßen Wert auf die Kochkunst zu legen, um dennoch diese Seite an ihr zu schätzen, besonders wenn man sieht, wie der Mangel der⸗ selben an vielen Orten Ursache wird, daß so manches Genießbare ganz ungenutzt bleibt, daß die Gesundheit der Hausgenossen leidet und der Kranke keine Diät beobachten kann. Wird die Wetterauerin Witwe, so entehrt sie fast niemals diesen schweren Stand durch ein Betragen, welches der geliebte Tote mißbilligen würde. Selten schreitet sie zu einer zweiten Ehe, und geschieht es, so müssen Verhältnisse da sein, die mit dem Wohl ihrer ersten Kinder zusammenhängen. Sie weiß ferner in dieser Lage ihren Leuten zu gebieten, und deswegen hat auch der Sterbfall des Mannes hier oft bei weitem nicht die traurigen Folgen, die

man ihm auf den ersten Blick zuschreiben zu müssen glaubt. Die

8s im deulschen Reichslag evangelische Parteien?

Die Frage muß verneint werden. Man sehe sich die untenstehende Tabelle an. Von den 494 Reichs⸗ tagsabgeordneten sind 207 evangelisch, 119 katholisch, 4 jüdisch und 160 religionslos. Auf 100 Abgeordnete

kommen 42 evangelische, 24 katholische, 32 religionslose,

1 jüdischer und 1 andersgläubiger Abgeordneter. Dabei ist Peuischland zu zwei Dritteln evangelisch. Er⸗ schreckend ist die Zahl der religionslosen Abgeordneten. Wann wird endlich der deutsche evangelische Wähler zur Besinnung kommen? Warum haben wir nur 427% evangelische Abgeordnete im Reichstag und nicht 67%, wie es eigentlich sein müßte? Die Schuld daran tragen die ungezählten Wähler, die unbekümmert um die Fol⸗ gen ihre Stimmen für religionslose, religionsfeindliche und andersgläubige Kandidaten abgeben. Rein evan⸗ gelische Parteien sind bis jetzt im deutschen Reichstag überhaupt nicht vertreten. Selbst die Parteien, die von sich sagen, daß sie für evangelische Interessen ein⸗ treten wollen, haben 10 und mehr Prozent Katholiken oder Andersgläubige in ihren Reihen.

Parteien gibt die nachfolgende Tabelle:

Evan⸗] Ka- Alt⸗ Isra⸗ Religi- Son⸗

gelisch tholicc rathol. elitischs onslos] stige Nationalsozialisten 11 1 2 Deutschn. Volkspartei 100 10 1 Deutsche Volkspartei 42 6 2 1 Wirtschaftl. Vereinigung 11 9 1 Bayrische Volkspartei 1 18 1 Zentrum 1 68 Deutsch-Demokr. Partei 27 2 1 1 1 Sozialdemokr. Partei 14 5 1 3 108 Kommunisten. 45 Insgesamt: 207 119 2 4 160 2

Wothensthau.

Die Befürchtung, die in voriger Nummer ausge⸗ sprochen wurde, daß der neuen Regierung die nötige Stimmenzahl fehlen könnte, ist durch ein geschicktes Ma⸗

növer der Sozialdemokratie nicht eingetroffen. Reichs⸗ kanzler Dr. Luther forderte eine positive Vertrauens⸗ Darauf haben die Regierungsparteien folgendes Vertrauensvotum eingebracht:Die Reichs⸗ regierung besitzt das Vertrauen des Reichstags. Für diesen Antrag stimmten 160 Abgeordnete der Regie-

kundgebung.

rungsparteien, dagegen 150 Stimmen der Deutschnatfo⸗ nalen, Völkischen und Kommunisten. Dieses Stimmen⸗

verhältnis war nur dadurch möglich, daß die Sozial⸗ demokraten und die Wirtschaftliche Vereinigung sich mit

130 Stimmen enthielten. Somit hat die Sozialdemo⸗ kratie inderekt dieser Regierung in den Sattel geholfen. Allerdings ist auch so nur eine knappe Mehrheit von 10 Zufallsstimmen erreicht worden. Schade ist nur, daß im deutschen Reichsparlament so etwas wie die Aus⸗ sprache über die neue Regierung nicht im Rahmen des Anstandes vor sich gehen kann. Wenn im deutschen Volk viele anständige Menschen sich vom Parlamentaxis⸗ mus abgestoßen fühlen, so tragen die üblen Zwischen⸗ fälle in unserem Reichsparlament viel dazu bei. Daß auf Seiten der Kommunisten die Grenze anständigen Auftretens überschritten wird, wollen wir uns nicht, wundern. Sie haben es nicht gelernt. Daß aber ein völkischer Abgeordneter die neue Regierungeine Re⸗

Wahl, welche eines ihrer erwachsenen Kinder zu seiner Ver heiratung wider ihren Willen trifft, verzeiht sie zwar ungern

und selten, ohne daß Amtmann und Prediger sich ins Mittel

legen müssen. Hat sie aber einmal ihre Verzeihung angedeihen lassen, so sind auch alle weiteren Vorwürfe auf immer unter⸗ drückt.

Der der Ehe vorausgehende vieljährige Verspruch ist auch außergerichtlich beiden Geschlechtern heilig wie die Ehe selbst.

Der Wetterauer ist kein Freund von Spielereien und erlaubt sie sich am wenigsten mit einem Gefühl von dieser Art. Welcher Vernünftige wird wohl mit Feuer spielen mögen?

Der Sthüfer und der Böse.

Von Dr. J. von Uexküll, Professor an der Universität in Hamburg.

(Nachdruck verboten.)

Hellrosa im Licht und hellblau im Schatten lagen die ge⸗ zackten Bergrücken vor ihm, die den See Genezareth umgeben nach der Tiefe in sanftes Grün übergehend, in dem weiß leuchtend die Häuser von Tiberias lagen. Der See selbst strahlte im reinsten Blau.

Der junge Hirt schaute träumerisch hinab in die wunder volle Landschaft, während seine Schafe emsig den Graswuchs abweideten, der sich überall zwischen Klippen und Geröll hervor drängte. Immer wieder kehrten seine Gedanken zu dem Einen zurück, von dessen schrecklichem Tode auch er in seiner Einsamkeit Kunde erhalten. 0

Er gedachte seiner ersten Begegnung mit ihm, die so stark in ihm lebte, als sei sie heute gewesen. Damals war er noch ein Knabe und saß ermüdet auf dem Wagen, der mit grünen Was⸗ sermelonen vollbeladen war und sich nur langsam holpernd über das schlechte Pflaster fortbewegte, obgleich die Mutter nebenher

schreitend die grauen Büffel mit dem spitzen Stock zur Eile ne Da an der Ecke des kleinen Marktes, dessen weiße Häuser

antrieb.

ihm blendend in die Augen stachen, während die unreifen,

Melonen seinen müden Körper mit rohen Püffen bearbeiteten 585 da sah er Ihn. Es war nichts besonderes an ihm gewesen, ein hochgewachsener junger, Mann in weißem Gewande, wie

viele andere. Aber er hatte ihm, dem Knaben zugelächel!

Eine genaue Uebersicht über den Bekenntnisstand in den einzelnen

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