Zonnabend, den 11. Dezember 1926.
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ente benützt, um ihn jahrelang im Gefängnis zu hal⸗
Woihnachten im Gefüngnt
1800 eihnachten im Gefängnis. 5 5 ö iges 0 Der große norwegische Bauernsohn Hans
lung Nielse n Hauge, der Erwecker seines Landes 10 ele aus geistiger Erstarrung zu neuem religiösen Le- dach ben, mußte viel leiden. Unter anderem wurde lletung 10 eine veraltete Verordnung von seinen Gegnern and go u ten. Doch blieb er seiner Sache und seinem Glau- dena 0 ben bis zu seinem Tode im Jahre 1824 treu. Wi ul Das ergreifende Bild seines Wesens und Le un bens wurde von Jakob B. Bull! in einer fesseln— ude, wi den Erzählung dargestellt und jetzt von Pauline zöselbe Klaiber⸗Gottschau ins Deutsche übersetzt.(Siehe Jigs regen, Bücherecke.) ten Puh, Es ist am Weihnachtsabend 1805. ö
des Slang. Assessor Collett und Polizeipräsident Wulfsberg hatten das ur Sprae Ferhörzimmer verlassen. Unter dem Tor sahen sie zwei Män— e entgegn ger warten.
chland nh Der Polizeipräsident blieb u Reichs spagte:„Was wollt ihr hier?“ langen Un Der eine von den beiden, ein buckeliger Mann mit großen Noch in zeblauen Augen und einem mageren Gesicht, nahm den Hut ab assus, dung und grüßte.
mitzuree.„Wäre es nicht möglich, daß wir mit Hans Nielsen Haug r mit eie brechen könnten?“ fragte er in schüchternem Tone.
im Vorbeigehen stehen und
cht notun. Der Polizeipräsident sah ihn scharf an.„Nein,“ sagte er, teß, clan das geht nicht.“ f 5
engepfech ging ein trauriger Schatten über das Gesicht des meiwohmmn dütkligen, Mannes. 1
er nie sche„Nur ein paar Worte!“ bat er. Er stand, mit dem Hut u das b der Hand, da und sah den Polizeipräsidenten gerade an. alitionspap,„Nein, nein,“ wehrte dieser ab.„Woher kommt Ihr denn?“
l Landtage fragte er dann, indem er beide musterte.
joch ein l„Von Bergen,“ antwortete der Bucklige.
mung gh„Auf dem Seeweg 250 g
e ungehenn„Nein, zu Fuß,“ lautete die Antwort.. f
der euch„Zu welchem Zwecke?“ fragte der Polizeipräsident im Ver—
Ehsten hörton. 5 d g 1 10„um Hans Nielsen Hauge zu befuchen,“ antwortete wieder inert iu der Bucklige.
„Im!“ Das Gesicht des Polizeipräsidenten bekam einen
merkwürdig weichen Ausdruck, der aber sofort wieder verschwand. ascacr Je„Nein,“ sagte er.„Es ist gegen das Gesetz. Ich kann es 0 0 icht erlauben.“ Damit wendete er sich ab.
A bah, Der Bucklige zögerte einen Augenblick, setzte dann seinen seren 5 langsam wieder auf und sah seinen Weggenossen an— kennen, e mit hosfnungslosem Blick. Darauf entfernten sich die beiden abhuheleg änner.
10 werde Der Polizeipräsident Wulfsberg aber zog, als er durch's sagte er un tor hinausging, seinen Halskragen zurecht.„Das ist rührend,“ fe waar er zu Assessor Collett.
ler Werl. Und die beiden Beamten grüßten nach allen Seiten, als sie essschen ho purch die von lebhaftester Weihnachtsgeschäftstätigkeit erfüllte 0 fündig) Rathaus⸗ und Kirchstraße heimwärts wanderten.
schland 19„Fröhliche Weihnachten, Herr Präsident!“ o ir h,„Fröhliche Weihnachten, Herr Assessor!“ hängen, e Sie trennten sich an der Ecke der Oststraße.
den Wahlen men auf ul viel bekang ges in Nod
Hans Nielsen Haug saß auf der harten Pritsche in seiner
kinsamen Zelle, das Gesicht in den Händen vergraben. Das Essen war unberührt. Das Talglicht brannte
langem, qualmenden Dochte.
it unser 0 Hauge war tief gebeugt, und in seiner Seele stand ein har⸗
lig, ue ier Kampf.
fühlen Mü An diesem heiligen Abend, dem großen Fest der Barm—
mit
nis auf.
ausgeschlossen.
Warten.
herzigkeit auf der Welt, fühlte er den tiefen Schmerz des Ver⸗
„Evangelische Warte“
Im Familienkreis
lassenseins und das Grauen der Einsamkeit stärker als an irgend einem andern Tag dieses ganzen langen Jahres.
War es Gottes Wille, daß er hier, von Licht und Leben ausgeschlossen, den Rest seiner Tage verbringen sollte?
„Ich bin das Licht und das Leben,“ lautete die Antwort in seinem tiessten Innern.
„Ja, ja,“ flüsterte er.„Dein Wille geschehe!“
Aber wieder tauchten versuchende Gedanken aus der Finster Er sah die Gesichter seiner beiden Freunde vor sich. Sie waren den weiten Weg über die Berge gewandert, um mit ihm zu sprechen; aber die Gefängnistür blieb verschlossen. Alle die Tausende, die es so nötig hatten, mit ihm zu reden, waren So sollte er nun den Rest seiner Tage hier ver bringen müssen, im Dunkel und in der Einsamkeit, in untätigem Nie wieder die Sonne sehen, nie wieder die Gesichter der Lieben schauen!
Sein Kopf sank noch tiefer herab.
„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlaffen!“ flüsterte er in seinem Schmerz.
Nicht sein Werk vollbringen dürsen! Nicht im Tode das Haupt neigen dürfen und sagen:„Herr, es ist vollbracht!“
Die Tränen tropften zwischen seinen Händen herab; die Schultern unter dem grauen Kittel bewegten sich in schluchzendem Beten.
Dann war es lange ganz still in der dunklen Zelle.
Hans Nielsen Hauge betete. Er betete zu dem Gott, vor dem er sich schon als Kind gebeugt hatte. Betete um Licht im Dunkel, um Rettung von Sünde und Versuchung, um Trost in seiner großen Seelennot.
Da plötzlich zitterten ferne Klänge herein in seine müden Sinne. Ein glückseliger Ton, der an Stärke zunahm und schließ lich überall wie ein Jubel hervorbrach.
Die Weihnachtsglocken waren es, die über der großen Stadt das Fest einläuteten.
Hans Nielsen Hauge sank mit gefalteten Händen auf die Knie. Tränen stürzten ihm aus den Augen. Ein unsägliches Glücksgefühl durchbebte ihn, als hörte er in der Ferne die Glok len des Himmelreichs. Der Herr hatte ihm Antwort gegeben. Die erlösende Botschaft der Weihnacht war zu ihm in seine Einsamkeit gekommen.„O Gott, du mein Gott!“ murmelte er „Dir sei Lob und Dank in alle Ewigkeit!“
Und draußen stimmten die Glocken ein in festlichem Triumph, ein Tönegebraus wogte über die dunkle Stadt hin.
„Fröhliche Weihnachten!“ wurde in Tausenden festlich er— leuchteter Wohnstätten gerufen.„Fröhliche Weihnachten!“ flüsterte es tief drinnen in dem Herzen des einsamen Mannes.
Hans Nielsen Hauge erhob sich von den Knien und stand nun aufrecht in der dunklen Zelle, wo das ärmliche Talglicht mit trüber, rötlicher Flamme brannte.
Er faltete seine Hände, und kurz nachher drang das Lied
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„Jesus meine Zuversicht“ mit vollen Tönen aus der engen Zelle des Rathausgefängnisses. Die Gefangenen in den ande— ren Zellen hoben den Kopf und horchten verwundert auf. Der Wärter hielt überrascht auf dem Gange an.
Aber draußen in der Winterkälte und Dunkelheit standen zwei schweigende Männer; sie schauten durch das Dunkel zu Hans Nielsen Hauges Zelle empor. Und sie hörten diese Stimme, die sie unter Tausenden erkannt hätten, diese Stimme, die ihnen Augen und Sinn für das Beste und Höchste geöffnet hatte.
Atemlos lauschten sie auf den Gesang,; sie hielten einander an der Hand, wie zwei Kinder auf der Wanderschaft im frem— den Lande. So standen sie wortlos da, bis der letzte Ton ver— hallt war.
Als aber Hauge sich getröstet und gestärkt wieder nieder— setzte, richtete er sich plötzlich verwundert wieder auf—
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Draußen unter seiner Zelle ertönte Liedergesang. Die bei— den Männer waren es, die das Lied für die Notleidenden, den Angstruf der Verlassenen um Errettung sangen.
Zart und fein drangen die Töne aus dem Abenddunkel und durch die Winterlälte in die Zelle herein.
Hans Nielsen Haug wurde von tiefer Wehmut ergriffen.
Diese beiden, deren Gesichter er im Rathausflur zu erkennen gemeint hatte, waren seine Freunde; diese beiden, die den weiten Weg von Bergen hergewandert waren, um mit ihm reden zu lönnen. Er hatte das Gefühl, als müsse er inwendig verbluten. Hier saß er, ohne ihnen helfen zu können;, er konnte sie nicht erreichen, konnte den vielen Tausenden, die auf ihn warteten, lein Wort des Trostes senden!
Jetzt verstummte der Gesang draußen; die beiden Männer starrten traurig und niedergeschlagen hinauf zu dem halbdunkeln, vergitterten Fenster hoch droben in der grauen Mauer.
Plötzlich sahen sie einen hellen Schein da droben.
„Sieh!“ rief der eine der beiden Männer und ergriff den anderen am Arm.
Die Helle nahm zu; ein einsames Lichtlein mit einem traurig qualmenden Docht wurde hoch emporgehoben und warf seinen warmen, blutigroten Schein in die Dunkelheit hinaus.
„Siehe!“ rief der andere und brach in Tränen aus.
Hans Nielsen Hauge war's, der den Sieg des Lichts aus der Dunkelheit, aus der Einsamkeit des Gefängnisses heraus verkündigte.
„Gott sei Lob und Dank!“ murmelte Samson Trage, der gefalteten Händen hinausstarrte—
Das Licht droben im Fenster sank herab und verschwand; Abenddunkel ward tiefer als vorher; aber die beiden Män— ner starrten noch immer glücklich und dankbar zu dem Fenster hinauf. Sie hatten von ihm da drinnen eine Botschaft erhal— ten, die Aufforderung, unerschütterlich Gott zu vertrauen, die Versicherung, daß das Licht siegen werde. Und diese Botschaft wollten sie weitertragen durch das ganze Land, von Dorf zu Dorf, überallhin, wo immer sich Brüder befanden.
Während sie noch schweigend draußen standen, erschien aber⸗ mals die kleine Helle droben am vergitterten Fenster. Und gleich darauf brannte das Licht wie vorher. Dann erschien ein Arm mit der Lichtschere; das Licht wurde geputzt, und die kleine Flamme streckte sich plötzlich klar und hell empor.
Ein Schluchzen erschütterte die beiden Männer; sie harten verstanden. Es galt, die Gemeinde des Herrn auf Erden zu reinigen, das Licht Gottes rein zu erhalten, damit es den Men⸗ schen klar leuchten könne.
„Hast du ihn verstanden?“ flüsterte Samson Trage dem andern zu.
„Ja, ja,“ antwortete der Bucklige, der lämpfte.
Jetzt ertönte Gesaug aus der Zelle.
„Ein' seste Burg ist unser Gott!“ Und das kleine Licht droben, von einer bebenden Hand gehalten, leuchtete während des Gesanges, bis die letzte Strophe verklungen war.
Dann sank es langsam hinab und verschwand.
Die beiden Männer standen noch lange Hand in Hand. Dann murmelte der Bucklige:„Fröhliche Weihnachten, Hans Hauge! Gott schenke dir da drinnen eine gesegnete Weihnacht!“
Langsam gingen die beiden Männer fort, Samson Trage voran und Ole Rörsveen, der bucklige Mann, hintendrein. Es war der Mann, der von Bergen nach Trondhjem gewandert war, um Hans Nielsen Hauge zu treffen, der Mann, dessen Rllk— ken krumm geworden war, weil er Hans Nielsen Hauges Bücher Hunderte von Meilen über die Berge und durch die Täler im ganzen Lande herumgetragen hatte.
Aber Polizeipräsident Wulfsberg und Assessor Collett hör—
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mit.
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mit den Tränen
—— 2 „Sie können nach dem Paukboden gehen, ihre Rappiere liegen
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ormen, in meinem Zimmer, und wenn der Direktor Berg kommt, so fer⸗ bt, ligt ihn draußen ab, was auf meinem Grund und Boden geschieht en geht niemand etwas an, hörst Du?“
perle Pot bedecten gerlt spanpe
„Gewiß Herr, dschüs ok!“
igur war zu üppig, das Gesicht zu männlich. Unter einer schma⸗ ens von 90 en Stirn trat eine gebogene, große Nase hervor, die hellblauen ht. die n 0 ugen waren zu klein und der Mund zu schmallippig, aber das e a Jace Kolorit verwischte die Fehler, nicht jede Geschmacksrich— ie wecken U 1 damit und nahm es als selbstverständlichen Tribut ihrer Persönlichkeit i streiten,? auf.
hren ene Pferde an, von hier aus konnten sie die ganzen üppigen Felder gentages! übersehen, fürwahr ein stolzer Besitz!
eslommt 1 Das Herbe, Unnahbare in Xaver Wendtlands Gesicht ver⸗ enen Fress„
borf kommen und ritt ihm in gestrecktem Lauf entgegen. 1d nude Die Augen seiner Frau leuchteten auf, sie folgte dem ge⸗ land belle wiegten Reiter mit den Blicken,— was für ein lustiger Waid⸗
en Torbohe annstag würde es werden, sie mußte heute ihren ersten Reh⸗ gelette Hün bock zur Strecke bringen, oder sie verlor die Wette um eine ir an, die“ Ehampagnerbowle.—— f g n Dia man Plötzlich hörte sie ein Geräusch neben sich:„Gegrüßt sei ter deß 2 Maria die Gebenedeite,“ sprach ein tiefe, klare Stimme, ein le. Mönch verneigte sich und schlug das Kreuz. i fief iht No Sie reichte ihm die Hand herunter:„Bruder Innozenz, Sie
kommen zur unxrechten Zeit, haben Sie länger in Rheindorf zu un?“ „Ich komme soeben vom Kloster herüber, die Gnadengaben inserer Gläubiger einzuholen!“ i „Schön, dann auf Wiedersehen, morgen Mittag essen Sie bei uns!“ Sie grüßte kurz, er verneigte sich unterwürfig und
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gel und 5 Aar le
besele) fort stürmte der geduldige Rappe. 155
haft Ein finsterer Blick aus den eben noch demütig gesentten gelt y Augen folgte ihr und ein noch düsterer, schmerzlicher, fiel auf 15 in ch, das imposante Klostergut:„Alles, alles 12 weltliche Hände,
tlückwärts gedrängt um einen großen Schritt
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Auf einer kleinen Anhöhe hielten beide jetzt erfreut ihre
Schön war die Herrin von Königsborn nicht zu nennen, die
Nein, sie konnten es noch immer nicht verwinden, daß der Krieg ihnen ihr schönes Besitztum aus der Hand gezwungen.
Stundenweit dehnte sich der Wald hinter dem großen Häuserkomplex, welcher in seiner dunklen Vornehmheit, einem Bistum gleichend, mit den Zinnen und Türmen, weithin bis zu dem schwerfällig dahin gurgelnden Rhein sah. Tief versteckt in hohem Buschwerk, das den Eichenwald fast unheimlich dichtete, lagen in kurzen Zwischenräumen drei fischreiche Teiche und im
Tal, wo der Vergbach steil abstürzte, klapperte einst ihr Mühlrad
jung wählt ja das Aristokratische, Feine— sie wurde bewundert
in gleichmäßigem Schaffenston, denn ihre Felder lohnten den Fleiß hundertfältig.
Hinter den breiten Klostermauern aber, meinte man einen Zaubergarten des Abendlandes zu erblicken, seltene Blumen be⸗ lebten die Rabatten und Rundelle, dazwischen leuchtete das köst— lichste Obst, von der frühreifen Erdbeere, bis zu den farben—
ö schönen Sammetpfirsichen, großbeerigen Trauben und der ab—
teste sich noch, da sah er das Gespann des Landrats von Rhein⸗ sonderlichen Mispel, die sich nur Winters Frosthauch beugt. Was „ 5 5 5
hatten die Mönchlein in jahrhundertelangem Ameisenfleiß für Schätze in den weiten Räumen aufgestapelt, und bedurfte es damals angestrengten Fleißes und großer List, unbemerkt von habgierigen Augen alles fortzubringen. In dunkler Nacht waren die schwerbeladenen Wagen fortgefahren, strenggläubige Freunde halfen vieles verbergen, bis erhöhte Sicherheit gestattet, es in ihren schützenden Hafen zu holen. Die Bewohner von Rheindorf erzählten noch heute mit felsenfester Ueberzeugung, es läge eine große Menge Geldes in dem Klostergarten vergraben, da aber der Bruder, welcher damit betraut gewesen, plötzlich ohne Sterbe— sakramente starb, wußten sie den Ort nicht wieder zu finden. Nun kamen sie bei ihren Bettelreisen stets in einer Vollmond⸗ nacht und schlichen betend durch den Park, hoffend ein Wunder werde ihnen den Platz offenbaren, wenn sie die Seele des Armen sündenrein gebetet hatten.
Bruder Innozenz wendete sich jetzt ab und ging nach Rhein— dorf hinunter,— aus der Ferne hallten die ersten Schüsse der Jäger, er zuckte zusammen, als habe ein Fluch von ungläubigen Lippen ihn getroffen:„Es wird Zeit. daß die Mission ihr Werk
beginnt, wir müssen uns an die Fersen dieses üppigen, tollen Weibes heften, erst ziehe unser Geist ein, und dann— dann fasse
unser Fuß wieder Wurzel, dazu verhelfe uns die gebenedeite Mutter Gottes!“ *
„Den Tag vergesse ich in meinem Leben nicht, zu viel Wald— mannsheil, zu guter Wein, zu vortreffliches Mahl, dazu Witz wie drei löllsche Karnevals zusammen nicht zeitigen, komm, laß sie allein Fortung versuchen, wir kommen noch bis zur Bibliothek in unser Divaneckchen!“ Mit diesen Worten nahm Hauptmann Weinhold Xaver Wendtlands Arm und beide schwankten durch die reich beschlagene Eichentür.
Seine Frau sah ihnen lächelnd nach, vorteilhaft hob sich ihr blonder Kopf von den schweren, blauen Sammetvorhängen, die die hochbogigen, gemalten Fenster bis zum kunstvollen Fuß— bodenbelag deckten.
„Nella,“ rief ihr Schwager, ein Au de Cologne-Fabrikant aus Köln,„nimm Kavers Stelle ein, Du spielst ja besser wie er!“
Ohne Zaudern setzte sie sich und bald mischte sich der spröde Klang der Taler, mit den kurzen Ausrufen und Bemerkungen der Spieler, je nachdem es der innere Charakter diktierte.
Ein lautes Durcheinander erweckte die Schläfer in ihrem halbdunklen, lauschigen Zimmerchen. Sich der Gäste erinnernd. erhob sich der säumige Wirt gemächlich und stellte sich, die Hände auf dem Rücken gekreuzt in die Tür, wartend, ob sich die Wogen der Unterhaltung nicht sänftigen würden,
„Bon jour, Xaver, as-tu gepennt,“ rief der Landrat.„Dich ereilt das Glück im Schlaf! Natürlich wer so ein herrliches Weib sein eigen nennt!“
„Hörst Du Nella, Herr Landrat nennt Dich„herrlich“, well Du verstandest ihm sein Geld abzugewinnen!“
Sie lachte ihr hartes, seelenloses Lachen, ihre tadellosen Zähne blitzten, sie sprang auf, hob ihr blauschillerndes Seiden— kleid leicht geschürzt in die Höhe und zeigte ihm die klingenden Münzen im Schooß.
„Jet für mi Sparkassenboch“, rief sie scherzend.
„Hat es forsch gegangen“, fragte Hauptmann Weinhold.
„Ei behüte, immer daß die Kirche im Dorf bleibt,“ schaltete Rentier Baumann ein und rückte seinen Sessel seitwärts, um
dem Diener, der starken Kaffee servierte, den Durchgang zu er— möglichen.(Fortsetzung folgt.)
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