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Sonnabend, den 11. Dezember 1926.
die große Verlegenheit, in die diese Partei durch die ge⸗ schickte Rede des Zentrumsabgeordneten Prof. 422575 Schreiber geraten war, der mit so großer Wärme und innerer Wahrhaftigkeit die Angriffe der Rechten auf das Zentrum zurückgewiesen und das alte und doch ewig neue Kulturprogramm des Zentrums gegenüber deren Verdächtigungen verteidigt hatte. Dr. Schreiber konnte schon darauf hinweisen, daß zu einem großen Teile die heutigen Deutschnationalen nicht als Nach⸗ folger der ehemals christlich gesinnten Altkonservativen angesprochen werden können. Dafür hat sich die Deutsch— nationale Volkspartei zu sehr mit liberalen Elementen durchsetzt. Ja, man darf ruhig behaupten, und der Beweis ist sehr schnell und leicht erbracht, daß die Deutschnationalen zu ihrem größten Teile überhaupt in keinem inneren Verhältnis mehr zur christlichen Kul— tur stehen, geschweige denn, daß sie, wie es in den letzten Jagen und Wochen in Parlament und Rechtspresse ge⸗ schah und wie es auch von Dr. Martin Spahn versucht wurde, sich als bessere Vertreter und Verteidiger einer christlichen Kulturpolitik aufwerfen können als das Zentrum. 5
Schon der Abg. Dr. Schreiber konnte die Ausfüh⸗ rungen Martin Spahns als unrichtig und seine Angriffe gegen das Zentrum als verfehlt sofort zurückweisen, und das besonders in Fragen des Reichsschulgesetzes. Er lonnte nachweisen, daß gerade die Deutschnationalen im Reiche wie in Preußen gegen die christliche Weltanschau— ung in Schulfragen gestimmt hatten. Und wenn der Abg. Spahn als besonderen Trumpf die badischen Ver— hältnisse heranziehen zu können glaubte, so hat er auch da fehlgeschossen, was ihm Dr. Schreiber in seiner Er⸗ widerung nachweisen konnte, was aber auch der Abg. Stegerwald einige Tage später auf einer großen Zen— trumsversammlung in Osterfeld nochmals unterstrich. Gerade Stegerwald hat hier treffend ausgeführt, daß die Kulturpolitik der Köder sein soll, mit dem das Zen— trum für eine Koalition mit den Deutschnationalen ein— gefangen werden soll.„Die Quintessenz des Spahn— schen Verhaltens“, so führte Stegerwald aus,„läuft darauf hinaus, daß die Zentrumspartei, um sie für eine Rechtskoalition mürbe machen zu können, die Schul- frage zum Eckstein ihrer ganzen Politik machen solle. Das ist für eine große Partei mit Veranwortung im Zeitalter größter außenpolitischer Wirren und inner— politischer Gährungen eine Unmöglichkeit. Wenn heute in Deutschland eine christlich⸗konservative Partei be⸗ stände mit volkstümlicher Gesellschafts⸗ und staatspoliti⸗ scher Praxis— auch wenn sie nur 30 bis 40 Abgeord⸗ nete zühlte— dann würde damit der christl. eingestellte evangelische Volksteil einen viel größeren Einfluß auf die gesamte deutsche Politik gewinnen, wie heute mit der starken Deutschnationalen Volkspartei, und würde sich weiterhin die Zentrumspartei einmütig für eine Koalition mit einer solchen Partei einsetzen.“(Durch uns hervorgehoben. D. Schriftltg.)
Im übrigen nagelte gerade Stegerwald, der aus seiner früheren engen Zusammenarbeit Martin Spahn und dessen Entwicklung genau kennt, diesen auf die vielen Widersprüche fest, in die er sich verwickelt, wenn er dem Zentrum zum Vorwurf macht, was er bei seinen jetzigen Parteifreunden nicht zu tadeln findet.
Konfessionelles Taktgefühl.
Uns wird von einem Freunde aus Gedern eine Zahlkarte übersandt. Sie trägt das Postscheckkonto Frankfurt a. M. 23 340 des Herrn Kaplan Brandstetter in Cassel. Auf anhängender Fahne wird mit der An⸗ rede:„Mein lieber Christ, ich bitte Dich, hilf uns!“ um Sendung von einer Mark für den Kapellenbau der Diasporagemeinde Niederzwehren bei Cassel gebeten.
Dornenwege. Roman von Clara Meller. Z. Fortsetzung.
„Was recitierten Sie für ein hübsches Gedicht bei meiner Ankunft“, fragte der kleine Referendar.
„Eigene Angelegenheiten“, entgegnete sie gelassen und steckte ihr Notizbuch in die Tasche.
Da trat Dore aus dem dichten Gehölz, sofort wandten sich die Herren, sie zu begrüßen. Diesen Moment benutzte Urle und sprang auf der verdeckten Seite, von ihrem hohen Sitz, direkt auf den elastischen Waldboden.
Der schwarzäugige Dr. phil. Theo Münster stieß einen Schreckensruf aus, er eilte zu ihr, sie aber legte mit stolzer Grazie die langen Zöpfe auf den Rücken zurück und ging zur Schwester.
„So leicht werden Sie uns heute nicht los, in dem Sturm kann man nicht einmal sagen: errötend folgt er ihren Spuren,— da heißt es: fauchend fliegt er ihre Wege!“ scherzte Referendar Stollberg und sah den Theologen Max Dachenhausen mit dem interessanten, schmalen Gesicht von der Seite an.
„Sie sind unverbesserlich,“ schalt Dore,„da müssen wir schon Gnade vor Recht ergehen lassen und uns Ihrem Schutze anver— trauen, unbeachtet, daß es eine vulkanartige Aufregung im Städtchen geben wird.“
„Dann läßt das alte Nettchen mit den Korkzieherlocken bei der Kränzchen-Einladung wieder bestellen: einen schönen Gruß von Fräulein Schmalbach und Sie möchten heute abend zu einem Täßchen Tee kommen und ob Sie schon wüßten, daß Herr Refe— rendar Stollberg mit der schönen Urle spazierxen gegangen sei!“ ahmte er selbst drollig nach. 8
„Die bringt alles fertig“, schaltete Dachenhausen ein.
Theo Münster schüttelte den Kopf:„Nein, Ihr irrt, dazu findet niemand Zeit, alles grübelt nur über die neuaufgetauchte Dichterin, die sich hinter dem Pseudonym so konsequent verbirgt!“
„Muß ein gescheites Frauenzimmer sein! Mein Alter kann die ganzen Gedichte auswendig.— Es hat auch schon im Willing— schen Kegelklub eine große Wette gezeitigt, die meisten behaup— ten, es müsse die kürzlich zugezogene Prinzessinnen-Erzieherin Wagner sein!“
„Evangelische Warte“
Bei der Sendung liegen Künstlerkarten als Gegen⸗ leistung. Niemand dürfte etwas gegen diese Fürsorge des Herrn Kaplan für den Bau seiner Diasporakirche einzuwenden haben, wenn er unter der römischen Be⸗ völkerung solche Gaben sammelt. Was sollen aber solche Sammlungen bei der Bewohnerschaft von Gedern be— deuten? Nach der Volkszählung 1925 hat Gedern 1812 evangelische und nur 24 römisch-katholische Einwohner. Wir dürfen demnach von einem evangelischen Orte sprechen. Warum bettelt man wieder bei den Prote⸗ stanten? Will man sie veranlassen, ihre Gaben für römische Zwecke auszugeben, damit für evangelische nichts mehr bleibt? Wir wissen es nicht. Unsere Glaubensgenossen aber bitten wir, zu bedenken, welche Mittel der römischen Kirche zur Verfügung stehen, und wie wir ganz auf die Liebestätigkeit im eignen erden Kreise angewiesen sind. Gerade unsere evangelische Sache bedarf heute mehr denn je der Unterstützung der Glaubensgenossen. Jedenfalls würde es nicht unserem Taktgefühl entsprechen, bei Andersgläubigen um Gaben für evangelische Diasporaarbeit anzuhalten.
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Aus unserer Bewegung.
5 neue Ortsgruppen in Rheinhessen.
Mainz, 4. Dezember. Reichsgeschäftsführer Weidner sprach kürzlich in Wöllstein, Sprendlingen und Horrweiler. Die erfreuliche Folge dieser Versammlungen war die Gründung von Ortsgruppen in Wöllstein, Neu-Bamberg, Sprendlingen, Horr⸗ weiler und Aspisheim.
Horrweiler. Am 24. November berief auch hier die Evange— lische Volksgemeinschaft eine Versammlung, die sehr gut besucht war. Herr Pfarrer Weidner sprach über das Thema:„Wa— rum brauchen wir im Hessischen Landtag eine evangelische Par⸗ tei?“ Seine eindrucksvollen Ausführungen fanden dankbare und aufmerksame Zuhörer, sodaß man den Eindruck gewann, hier handelt es sich um etwas, was unbedingt nötig ist und kommen muß. Das Ergebnis seines Vortrags war die Grün- dung einer Ortsgruppe Horrweiler, zu der sich schon gleich 32 Mitglieder durch schriftliche Eintragung zusammenfanden.
Auch die erschienenen Zuhörer aus Aspisheim bezeugten ihre Zuneigung zur Evangelischen Volksgemeinschaft dadurch, daß auch sie sich zur Gründung einer Ortsgruppe noch am glei— chen Abend bereit fanden.
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Vom Wachstum unserer Bewegung.
Allmählich ist unsere Bewegung in ganz Hessen bekannt ge— worden. Teilweise hat die Versammlungsarbeit dazu beige— tragen, teilweise auch unsere Evangelische Warte. Aber auch die Gegner haben es sich nicht nehmen lassen, ihre Leser auf uns aufmerksam zu machen. Als die sozialdemokratische„Mainzer Volkszeitung“ ihre Leser in einer Notiz mit uns bekannt machte, stellte sie folgenden Satz voraus:„Um einem tiefgefühlten Man— gel abzuhelfen.“ Das Blatt scheint uns damit das Richtige aus— gedrückt zu haben. Wenn wir auf die Entwicklung unserer Evan⸗ gelischen Volksgemeinschaft zurückblicken, dann war unsere Be— wegung wirklich eine Notwendigkeit, um„einem tiefgefühlten Mangel abzuhelfen.“ Die Wahlflauheit war bei den letzten Wahlen der einzig mögliche Protest der Wähler, ihre Unzu— friedenheit mit den bestehenden Parteien zum Ausdruck zu brin— gen. Was hätten sie anders tun sollen? Die Wahlen stellten ein Jagen nach guten Gewinn abwerfenden Pöstchen dar. Wie viele merkten, daß das Volk dabei ganz übersehen wurde. Das Volk hatte zu wählen! Vor der Wahl wurde ihm alles ver— sprochen, nach der Wahl war es Nebensache. Dann ging das Feilschen um die Pöstchen an.
Dies lann nur aufhören, wenn die Volksgemeinschaft da ist. Wie oft hat man dies Wort gehört, aber niemand konnte sie er⸗ reichen. Die materielle Wirtschaft schuf nur Gegensätze. Aber im Volk ist das religiöse Denken nicht abgestorben. Es schläft gewiß in vielen, ist aber bereit, jederzeit aufzuwachen, lebendig
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Aufgebot und so liebliche Gedichte schmieden. Seit wann flöten Krähen Nachtigallieder? Dann wäre allerdings mein Interesse bedeutend abgeschwächt, denn ich wähnte dahinter eine maien— zarte Gestalt, die eben erst die seelenvollen Dichteraugen auf— schlägt. Was meinen Sie Fräulein“, wandte er sich an die beiden schweigsamen Schwestern.
„Ich bin erstaunt, daß über Dilettantenergüsse so interessiert disputiert wird!“ warf Urle zögernd ein.
„Aber hören Sie mal, da steckt ein Talent, ein schönes Talent!“
„Die ersten Anemonen“, rief sie und verbarg ihr glühendes Gesicht abwendend beim Blumenpflücken.
Theo Münster eilte ihr nach, ebenfalls leichte Frühlings— sterne, Leberblümchen, Schneeglöckchen und wohl gar schon Him— melschlüsselchen zu suchen.
Leicht abfallend senkte sich der Wald in ein lichtes Tal, wo aus dichtgedrängten Blumenköpfchen der wundervolle Zauber morgenjunger Lenzluft strahlte. Nur vereinzelt hervortretende moosige Steine bildeten den sammetweichen, grünen Kontrast, und eine silberweiße Birke wehte mit ihrem feinrieselnden, grünen Schleier kosend über die zarten Sonnenkinder.„Poeten— steg“ war der oben entlang führende Weg von einem tiefempfin— denden Menschenkind genannt und es mußte wohl dieses blü— hende Tal eine geheimnisvolle Kraft auf alle Herzen üben, Urle hätte sich mögen hineinwerfen in die üppige Blumenpracht, so kinderglücklich, warm und hell zog es durch ihre Seele, war es Liebe oder wortlose Liedwellen, die im Innern brandend die Wände sprengen wollten? Es war ein süßes, jugendliches Chaos, das ungeklärt in ihr tobte, das sie selbst nicht verstand.
Theo Münster neigte sein tiefernstes Gesicht mit den Feuer— augen, und nur ihr verständlich kam es in innigem Tonfall von seinen Lippen:
„Du bist die Anmut in der Schönheit Kleid, Vom Himmelstau der Reinheit übergossen, Du bist die Seele aus dem Blick der Zeit, Vom Morgenrot der Jugend zart umflossen!
„Bist Du von Sinnen Stollberg? Eine aus dem! letzten
gel abzuhelfen.“
Am Montag begann in Genf die Dezember-Ratstagung de.
Völkerbundes.
Von deutscher Seite nehmen daran der Reicht
außenminister Stresemann, Staatssekretär von Schubert un
Ministerialdirektor Dr. Gauß als Führer der deutsthen Del gation teil. Das Programm der Tagung umfaßt 22 Punkt unwichtige und äußerst wichtige. Zu den letzteren gehöß z. B. Punkt 8, Schiedsgerichtbarkeit und Sicherheit, Punkt Herabsetzung der Rüstungen. Bei der Besprechung dieses Pun tes wird eine Denkschrift der vorbereitenden Abrüstungskos
mission vorliegen, die allein 400 Seiten umfaßt, ein Zeicheyß!
wie verwickelt dieses Kapitel ist. Schon die Erläuterung de Rüstungsbegriffes hat bei der Festlegung zu ganz gegenteilige Ansichten geführt, bei welcher leider die für Deutschland so u
heilvolle französische Ansicht siegte. Der Punkt 10, Herabsetzun
der Streitkräfte hängt unmittelbar damit zusammen. Währe
Deutschland bis in die äußersten Grenzen gezwungen wurde, wir
es den anderen Staaten kaum einfallen, tun. Ein weiterer Punkt soll die Finanzlage Danzigs regel
dasselbe
Punkt 16 beschäftigt sich mit der Weltwirtschafts konferenz. Punh 20 bringt die auf keiner Tagung fehlenden Fragen des Saarge bietes, des Schmerzenskindes des Völkerbundes, zur Sprache Man kann den Verhandlungen nur die besten Wünsche entgegen bringen, ohne sich darüber zu täuschen, daß für Deutschland nich viel Ersprießliches dabei herauskommen wird.— Vom Reichstaß
wurde das Gesetz gegen Schund und Schmutz nach langen Ven handlungen und vielen Kuhhändeln angenommen. Noch in de 3. Lesung beantragte die Sozialdemokratie den Passus, dun den die Kirchenvertreter in der Prüfungskommission mitzurede haben, zu streichen. Aber der Antrag fiel durch, sogar mit eine
ganz respektablen Mehrheit. Das Gesetz war sicher sehr notwen] dig, aber was nützt die Beseitigung der Schundschriften, solang
in den Städten Tausende und Abertausende zusammengepferch sind, wo Familien von 10—15 Köpfen in 2—3 Zimmerwohnun
gen hausen, in denen sich so viel abspielt, was Kinder nie sehes,
dürften. seine Erfolge haben.— In Hessen errangen die Koalitionspat teien bei der Abstimmung über die Auflösung des Landtage einen ganz knappen Sieg. Der Landtag wird also noch ein hal
Erst wenn hier Abhilfe geschaffen ist, kann das Geself 5
bes Jahr im Amte bleiben. Das Resultat der Abstimmung gil jedenfalls zu denken! Vor allen Dingen zeigt sich eine ungeheun
Müdigkeit des Volkes, zur Wahlurne zu gehen. Der Deutsch hat anscheinend das ihm gegebene parlamentarische System not nicht ganz verstanden. Hoffen wir, daß wenigstens der Evan gelische bei der nächsten Wahl sich seiner Pflicht erinnert u seine seither so gern geübte Lauheit ablegt.
zu werden. Wenn der Materialismus trennt, die christliche Ida,
der Gerechtigkeit und Liebe einigt. Daß wir durch diese eva gelische Idee es wagten, die Volksgemeinschaft unserem liebe deutschen Volke zu schaffen, war, wie wir heute erkennen, d richtige Weg. Um einem tiefgefühlten Mangel abzuhelfe mußte die Evangelische Volksgemeinschaft geschaffen werde Als ein Freund mir seine Mitgliedschaft erklärte, sagte er da Wort:„Ist Eure Sache von Gott, so wird sie bestehe⸗ bleiben!“ Auf über zwei Jahre sehen wir zurück. Unser Werk iß in dieser Zeit rasch vorwärts gegangen. In allen hessischen Pre vinzen bestehen Ortsgruppen. Ebenso vergrößert sich ständig di Anhängerschaft in Hessen-Nassau.
Im übrigen Deutschland wii
ken Vertrauensmänner für weitere Ausbreitung. Wo wir hin kommen, finden wir offene Ohren und willige Anhänger. Be
reits im Jahre 1925 stellten wir versuchsweise bei den Wahle
zu Kreis- und Provinztag in Oberhessen Kandidaten auf une
erreichten, ohne daß wir uns durch Agitation haben viel bekan machen können, fünf Mandate. Zwei Organe, eines in Nord deutschland und eines in Süddeutschland, tragen jetzt unsere Ge danken in die breite Oeffentlichkeit.
Ja, es ist richtig, wie dil,
„Mainzer Volkszeitung“ schreibt:„Um einem tiefgefühlten May
Du bist ein Lied, das in den Lüften schwebt, Das nicht der Laut der Sterblichen kann formen, Du bist die Göttin, die mein Schicksal webt, Die Fäden reichen Dir entzückt die Nornen!“ Da stand sie still und lauschte, selbst die verkörperte Poesit
die Lider mit den schwarzen, langen Wimpern bedeckten di 1 Augen, nur halb im wachen Traum und unbemerkt spanne
sich die Lichtfäden des geheimnisvollen Sichverstehens von Het zu Herzen. Die tiefe gewaltige Liebe war es nicht, die da i Innern vibrierte, aber der da stand, und den die Liebe über mannt hatte in ihrem herrlichen Ideal, er hätte sie wecken un
fesseln können, wäre nicht das egoistische Selbstgefühl dazwische 11 getreten, ihm raunend, niemand kann den Sieg Dir streiten, D 010
bist reich und schön, sie ist arm, nicht viele dürfen ihrem Herzen, zuge folgen, warte, warte, sie zu begehren.
Wie oft war später dieser Zauberglanz des Lenztages uit
ein leuchtender Meteor in der Erinnerung aufgeflammt und dann dachte er an jene stolze Frauenseele in der fernen Fremd *
Auf dem Klostergute Königsborn im Rheinland wurde zu, großen Jagdessen gerüstet, Herr und Frau Wendtland bestiege ihre Pferde, um zur Jagd zu reiten. Am weiten, großen Torboge der in einem Turm endend, wie zwei ineinander gekette Händ die mächtige Ringmauer schloß, hielt letztere ihr Pferd an, dreh ihre goldknäufige Reitpeitsche mit den blitzenden Diamante
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herum, kniete in den Sattel und pochte an das Fenster des Die
ners, der mit seiner Frau die Wohnung inne hatte.
„Aber Petronella, soll Dein Pferd scheuen“, rief ihr Mam f zurück, dem man auf den ersten Blick den reichen Großgrundse
besitzer ansah, dem das ständige Befehlen den Stempel herrische⸗ Kälte aufgedrückt hatte.
Die Angerufene saß schon wieder fest im Sattel und wei
ihr tiefgrünes Sammetkleid zurecht:„Sorge nicht, Allar kenns
meine Extravaganzen!“ Indem sah die junge Frau heraus:„Madame befelle?“ „Sage, daß Edmund den Hauslehrer wieder heimschickt, di Jungens brauchen sich heute nicht zu plagen! Se hett jo Je da komme de Kinner doch dörch!“ setzte sie, scherzend in rh nischem Dialekt hinzu.
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