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Fange. len in der sächsischen Landessynode die Richtungsunter⸗
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Evangelische Warte
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Hauptschriftleiter: Edwin Hamburger in Staden(Oberhessen). Verantwortlich für Politik und Wirtschaft: Edwin Hamburger, für den Unterhaltungsteil: W. Greb in Weisenau bei Mainz. Für Rücksendung ungewünschter Manuskri
Brief aus Sachjen.
Von Pfarrer Kirchner-Coswig. Unser Land steht noch immer im Zeichen der Wah⸗ Das Ergebnis der Landtagswahl vom 31. Oktober ist in diesem Blatt schon mehrfach besprochen worden. Es ist leider nicht so ausgefallen, daß man für die näch— sten Jahre eine Besserung in den innerpolitischen Ver⸗ hältnissen Sachsens erhoffen kann. Das gleiche gilt von den Gemeinderatswahlen, die in sämtlichen politischen Gemeinden Sachsens am 14. November stattgefunden
pte wird nicht garantiert,
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haben. Nun steht uns noch eine Wahl bevor: die zur Landessynode. Da unsere Landeskirche am 1. Oktober eine neue Verfassung bekommen hat, ist eine völlige
Neuwahl der Synode notwendig. Sie gewinnt dadurch besondere Bedeutung, daß die Zahl der Abgeordneten gegen früher nicht unwesentlich verringert worden ist. Von den 60 zu wählenden Mitgliedern sind nur 20 geistlichen Standes. Ihnen stehen 40 zu wählende welt— liche Mitglieder gegenüber. Ein Mitglied stellt die heologische Fakultät der Landesuniversität und 13 Mitglieder sind vom Landeskirchenausschuß zu berufen. Unter diesen insgesamt 74 Mitgliedern der Landes— node wird also das weltliche Element gegenüber dem geistlichen bedeutend überwiegen. Es kommt demnach gerade bei der Wahl der geistlichen Mitglieder sehr darauf an, die richtigen Männer zu finden, denn wenn guch bei der Abstimmung die weltlichen Mitglieder den Ausschlag geben, so haben doch bei den Beratungen selbst die Geistlichen infolge ihrer Sachkenntnis meistens die Führung. Die Wahlvorbereitungen sind lebhaft im Im Gegensatz zu anderen Landeslirchen spiel—
schiede bisher eine geringe Rolle. Die mittlere und die rechte Gruppe in der Synode stehen auf dem Boden Aber auch bei der sogenannten synodalen Linken kann man nicht sagen, daß sie ausge⸗ sprochenermaßen der Sammelboden des kirchlichen Libe⸗ kalismus sei. Auch in ihren Reihen stehen Männer von durchaus bekenntnistreuer Haltung. Immerhin sind in der Kirche selbst die beiden Richtungen da, und von beiden Seiten werden lebhafte Anstrengungen gemacht, die Männer der eigenen Richtung in die Synode zu bringen. Der Wahlkampf wird sich also nicht ganz ver— meiden lassen, aber man kann nur wünschen und hof⸗ fen, daß er sich in Bahnen bewegt, die weitab liegen von denen des politischen Wahlkampfes. 5 Kürzlich sind von unserer obersten Kirchenbehörde eine Reihe Zahlen aus der Kirchenstatistik von 1925 veröffentlicht worden, die sehr bezeichnend sind. Für das Verhältnis der Taufen zu den Geburten ergibt sich für 25 gegenüber dem Vorjahre eine Steigerung von 8,4 auf 80,6 Prozent, von Trauungen zu Eheschließun⸗ gen von 81 auf 84,4 Prozent und bei kirchlichen Bestat⸗ fungen zu Todesfällen von 95,2 auf 95,8 Prozent. Auch die Zahl der Abendmahlsbesucher weist eine kleine Stei⸗ gerung auf. Die Austrittsbewegung hat allerdings an⸗ gehalten. Die Landeskirche hat 32 410 Mitglieder vor⸗
1 Rüstel das Fest! 1 Matthäus 11, 10. Dieser ist's, von dem geschrie⸗
ben steht: Siehe, ich sende meinen Engel vor dir g her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.
Als ich in der ersten Adventswoche in den Schulsaal unserer llesigen Volksschule trat, waren die Wände so weihnachtlich mit „Jannengrün geschmückt. An der einen Wand hing ein großer bventskranz aus Tannenzweigen. Die Kinder hatten unter Anleitung ihres Lehrers das Schulzimmer festlich geschmückt. So tistet man auch in vielen Familien in der Adventszeit zum kom⸗ menden Feste. Es muß schon etwas nach Weihnachten aussehen, ehe dies Freudenfest da ist. Adventszeit ist Wartezeit, Rüstzeit. Auch damals, ehe Jesus kam, war eine Rüstzeit. Schon der frophet Maleachi hat diese Zeit vorausgesagt, hat auf den Weg⸗
lereiter Johannes hingewiesen mit den Worten:„Siehe, ich will
meinen Engel senden, der vor mir her den Weg bereiten soll. Lort redet durch den Propheten Gott der Vater. Hier bezieht der Sohn Gottes das Wort des Vaters auf sich. Johannes wird
ber als der Engel, als der Bote bezeichnet. Alle Propheten
baren ja Boten Gottes, die göttliche Aufträge den Menschen aus⸗ urichten hatten. Johannes hatte den Weg für das Kommen sesu zu bereiten. Was war es doch, was Johannes der Weg⸗ bereiter tat? Er ging an den Jordan, taufte und predigte Buße lurt und ernst. Es muß eine gewaltige Gestalt gewesen sein. furchtlos und wuchtig schleuderte er jedem seine Sünden und ehler in das Gesicht. Buße sollte jeder tun! Vom Bösen sollte der seinen Sinn und sein Streben auf das Gute richten. Seine use war eine sinnbildliche Handlung dafür. Das Taufen latte bei ihm wirklich den Sinn, mit welchem alte Mütterchen hen kleinen Enkelchen die Taufe hier zu Lande erklären, wenn se sagen;„Der Herr Pfarrer hat das Schwesterchen gewaschen.“
wiegend an das Dissidententum verloren.
Erscheint Samstags.— Bezugspreis 50 Pfennig monatlich, Abonnements⸗ und Anzeigen ⸗Annahmestelle, Druck und Verlag: Gießen, Südanlage 21.
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Sonnabend, den II. Dezember 1926.
sionsaustausch mit den Katholiken steht die evangelische Kirche günstig da. Dem Austritt aus ihr stehen 667 Uebertritte zu ihr von der katholischen Kirche gegenüber. Erfreulich ist auch, daß im Vogtland und Erzgebirge in dem einen Monat Oktober ds. Is. drei neue Kirchen ge— weiht werden konnten, nämlich in Ellefeld i. V. und in Oelsnitz i. Erzgeb., wo zwei neue Kirchen geweiht wer— den konnten. Die Kirche in Neuölsnitz ist durch den Umbau eines Kinos würdig hergestellt.
Eine neue kirchliche Einrichtung, mit der bis jetzt die besten Erfahrungen gemacht werden, sind die immer mehr aufkommenden Rüstzeiten für Kirchengemeinde⸗ vertreter. Den Anfang damit hat der Bund für eine lebendige Volkskirche gemacht, der seinen Sitz in Dres— den hat. Er besitzt allerdings in seinem schön gelegenen und gut eingerichteten Bundeshaus in Krummenhen— nersdorf b. Freiberg eine geradezu ideale Stätte für derartige Veranstaltungen. Erst kürzlich, Anfang No⸗ vember, fand wieder eine solche Rüstzeit dort statt unter der Leitung des Dresdener Oberkirchenrates Reimer. Die Absicht bei diesen Kirchengemeindevertreter-Rüst⸗ zeiten geht nicht nur daraufhin, die Besucher für ihr wichtiges Amt in der Kirche durch Einführung in kirch— liche Verfassungsfragen und ähnliches, sondern vor allem durch biblische und religiöse Vertiefung zu rüsten, getreu dem Grundsatz dieses Bundes:„Von innen nach außen.“ Der Gedanke der Rüstzeiten, der auch in an⸗ deren Gegenden Deutschlands rüstig vorwärts schreitet, hat in unserem Lande einen ganz besonders günstigen Nährboden gefunden, wohl hauptsächlich auch bedingt durch die Hast und Unruhe des industriellen Lebens, die in manchen Seelen den Wunsch weckt, sich fern von der Stadt in ländlicher Stille einmal ganz und gar den religiösen und kirchlichen Fragen einige Tage lang zu widmen. Aus den Kreisen der Kirchenbeamten ist jetzt auch der Wunsch nach besonderen Rüstzeiten für sie gekommen, und diesem Wunsche wird im neuen Jahre Rechnung getragen werden. Aber auch die weibliche und männliche Jugend, die Berufsarbeiter der verschie— densten Zweige der Missionsarbeit, die kirchlichen Frauenbünde und viele andere haben den großen Segen solcher Rüstzeiten erkannt und zahlreiche derartige Ver— anstaltungen bereits abgehalten. Für das neue Jahr ist eine große Fülle solcher Rüstzeiten geplant.
Wie heiß gerade in unserem Lande der Boden ist, zeigt die Tatsache, daß bei uns nicht nur der Ausgangs- punkt und Mittelpunkt des Freidenkertums ist, sondern daß neuerdings Sachsen auch der stärkste Sektenboden geworden ist. Die bekanntlich am rührigsten arbeitende Sekte der Ernsten Bibelforscher hat in keiner Stadt Deutschlands eine so große Gemeinde aufzuweisen, wie in Dresden, und es gibt in unserem Lande auch wohl kaum einen Ort mehr, der nicht von der Agitation die— ser Sekte behelligt worden wäre. Sie lassen sich auch durch keine Mißerfolge zurückschrecken. Immer wieder
kommt es vor, daß ihre mit großem Aufwand an Geld vorbereiteten Versammlungen geradezu Aber sie lassen nicht locker,
und Kraft kläglich besucht werden.
Ja, bei Johannes war an nichts anderes gedacht. Wie das Wasser beim Untertauchen in das Wasser den Schmutz vom Kör⸗ per wäscht, so soll die Seele reingewaschen werden von der Sünde. Wenn Jesus kommt, da ist äußerlich festliches Kleiden eine recht schöne Aufmerksamkeit. Kommt doch ein hoher Gast zu uns. Aber der Herr begnügt sich nicht mit der äußeren Erscheinung. Er sieht auf die Seele.
Das wollen wir uns merken für die Vorbereitung auf unser diesjähriges Weihnachtsfest. Jetzt beginnt die Zeit, da in den Häusern das Fest vorbereitet wird. Besonders für die Frauen beginnt eine wahre Plage. Da wird geputzt, gewaschen, gebacken, eingekauft und was alles noch. Wenn dann die Ad—⸗ ventszeit vorüber ist, das schöne Weihnachtsfest gekommen, dann sind sie außer Atem von der vielen Arbeit. Dann fehlt ganz die festliche Stimmung. Darum liebe Frauen. Bei aller Schätzung eures Fleißes, eurer Reinlichkeit und Ordnungsliebe übertreibt nicht die äußerliche Zurüstung des Festes. Denkt daran, daß schon vor Weihnachten es festlich in eurem Hause sein muß. Du tust viel wertvolleres, wenn du deine Kinder um dich sammelst, ihnen vom lieben Christkind erzählst, mit ihnen Advents- und Weih⸗ nachtslieder singst. Wie wenig Mütter tun das heute noch! Aber es ist doch ein große Liebestat, die ihr euren Kindern zukommen laßt. Es ist ein Stück Erziehung. Wie gerne werden einmal später eure Kinder an diese feierlichen Adventsstunden zurück⸗ denken und Sehnsucht haben, der Mutter solche Feierstunden der Kinderjahre zu danken. Wundert euch doch nicht, daß die Kinder heute kein Dankgefühl mehr für die Eltern haben. Was tun denn die Eltern, um überhaupt das Gemüt der Kinder zu wecken?
Da mußt du allerdings dich auch selbst richtig für das Fest vorbereiten. Johannes hatte recht, wenn er die Buße als die Vorbereitung für das Kommen des Herrn ansah. Auch wir wol⸗
Im Konfes⸗
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Rummer 50.
sondern arbeiten solange, bis ihnen doch auf irgend— welche Weise eine gutbesuchte Versammlung ermöglicht ist. Ihre Hauptwerbearbeit entfalten sie freilich durch Flugblätter und durch persönliche Bearbeitung der Ein— zelnen, wobei sie bisweilen eine Zudringlichkeit bewei⸗ sen, der gegenüber das Verhalten gewisser Geschäfts⸗ reisender als sehr gelinde bezeichnet werden muß. In ihren Prophezeiungen sind sie freilich vorsichtiger ge— worden. Sie geben keinen zahlenmäßigen Termin mehr für den von ihnen behaupteten baldigen Anbruch des tausendjährigen Reiches an. Aber an Kirchenfeind— schaft und besonders an Haß gegen die Pfarrer unserer Kirche lassen sie es ebensowenig fehlen wie früher. Sachsen hat aber auch noch seine Spezialsekten, so na— mentlich die sogenannten Lorenzianer im Erzgebirge, die Sekte„Hirt und Herde“ in der Gegend von Meerane und die neuerdings besonders rührige Sekte:„Bund der Kämpfer für Glaube und Wahrheit“. In einem der nächsten Briefe hoffen wir, über diese nicht ganz un⸗ interessanten Sektenbewegungen Bericht geben zu können.
Gegen Martin Spahn. Verfehlte Versuche der Deutschnationalen.
Nachfolgenden Artikel entnehmen wir dem in Dieburg erscheinenden Zentrumsblatt„Star⸗ kenburger Provinzial- Zeitung“ Nr. 273 vom 25. November 1926. Da dieser Artikel nach mancher Hinsicht interessant ist, so wollen wir
ihn unseren Lesern nicht vorenthalten.(Die Schriftleitung.) Eine der traurigsten Erscheinungen der inneren
Zerrissenheit des nachkriegszeitlichen Deutschlands ist wohl die Spaltung des deutschen Katholizismus. Sie trat so deutlich zu Tage bei den jüngsten Reichstags⸗ debatten, in denen bei den Angriffen der Rechten gegen die Kulturpolitik des Zentrums von den Deutschnatio⸗ nalen u. a. auch der Abg. Dr. Martin Spahn vorge⸗ schickt wurde. Es mußte jeden Zentrumsanhänger be⸗ sonders schmerzlich treffen, daß gerade dieser von uns allen so hoch verehrte Name, dessen einstiger Träger noch lebendig als Vorkämpfer der katholischen Interessen und der Zentrumsideale in aller Gedächtnis lebt, in Zu⸗ sammenhang gebracht wurde im Kampfe gegen das Zentrum. Dr. Martin Spahn glaubte besonders wirk— sam gegen die Kulturpolitik des Zentrums auftreten zu können, wenn er seinen Vater gewissermaßen als Recht—⸗ fertigung für den eigenen Frontwechsel als Kronzeugen anrief. Damit erzielte er aber gerade die entgegenge— setzte Wirkung, die er hatte erzielen wollen. Auch Dr. Martin Spahn weiß ebenso gut wie wir, daß sein Vater Peter Spahn in keinem der kritischen Augenblicke, an denen die Nachkriegszeit doch so reich war, auch nur irgendwie von der politischen Linie, die die Zentrums⸗ fraktion des Reichstags einschlug und dann konsequent innehielt, nicht einverstanden gewesen wäre.
Daß Dr. Martin Spahn plötzlich noch als Wort⸗ führer der Deutschnationalen auftrat, zeigt am besten
a len vor dem Feste uns überlegen, wo wir anders werden müssen. Wie können wir dem lieben Heiland begegnen, wenn wir es noch so sehr an der Liebe fehlen lassen? Gewiß liebst du etwas. Aber was ist es denn? Liebst du deinen Heiland? Liebst du deinen himmlischen Vater? Liebst du deinen Nächsten? Wenn du auf die beiden ersten Fragen mit„Ja“ antwortest und auf die dritte„Nein“ sagen mußt, dann sind die ersten Fragen falsch beantwortet. Lies bitte einmal nach im 1. Johannesbrief 4, 20. Dort steht geschrieben:„So jemand spricht: ich liebe Gott, und hasset seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bru⸗ der nicht liebt, den er sieht, wie kann er Gott lieben, den er nicht sieht?“ Du siehst, lieber Leser, es gehört eine aufrichtige, furcht⸗ lose Selbsterkenntnis dazu, in rechter Weise diese Adventszeit zu durchleben. Heute kommt kein Johannes mehr, um dich auf deine Fehler aufmerksam zu machen. Du mußt es selbst tun. Du mußt ernst machen das ganze Jahr hindurch, aber besonders in dieser Wartezeit mit dem ersten Satz unter den fünfundneun⸗ zig Sätzen, die unser Dr. Martin Luther am 31. Oktober 1517 an die Schloßkirche zu Wittenberg schlug:„Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht: Tut Buße, das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!(Mth. 4, 17) hat er gewollt, daß alles Leben der Gläubigen Buße sein soll.“ Darum rüstet das Fest, aber vergeßt unter dem äußeren Zurüsten nicht die innere Be⸗ reitung!
Ach, mache du mich Armen
Zu dieser Gnadenzeit
Aus Güte und Erbarmen,
Herr Jesu, selbst bereit!
Zeuch in mein Herz hinein;
Mach es zu deiner Krippen,
So werden Herz und Lippen
Dir ewig dankbar sein. Amen. Hr.


