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5 schaft dem Einfluß der Sozialdemokraten zu entziehen.
onnabend, den 11. September 1926.
„Evangelische Warte“
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Nr. 37.
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Die preußische Regierung hat sich aufgeschwungen, endlich scharfe Maßnahmen anzuordnen gegen die Ueberfälle einzelner radikaler Gruppen auf politisch Andersdenkende. Alle ruhig denkende Staatsbürger, welche von diesen Gewalttaten nichts wissen wollen und gegen diese politische Verrohung sind, werden ein entschlossenes Durchgreifen der Polizei freudig be— grüßen.
Aus Politik und Parlament.
Das Schulgesetz.
Nach Mitteilungen der Presse will der Reichs⸗ innenminister die Parteiführer und die Schulspezialisten der einzelnen Fraktionen Anfang September mit dem Inhalt des von ihm ausgearbeiteten Reichsschulgesetz⸗ entwurfs bekannt machen. Dieser würde dann, sofern die Fraktionen keine entscheidenden Einwendungen er— heben, frühestens Ende September dem Kabinett zu⸗ geleitet werden könen.
Ein politisches Dekret.
Die österreichischen Bischöfe haben eine Instruktion
des österreichischen Gesamt⸗Episkopats an den Klerus
herausgegeben, in der die Beteiligung an der Wahl von
sozialdemokratischen Vertretern, sei es für die Gemein⸗ den, für das Land oder für den Bund, verurteilt wird, weil das sozialdemokratische Programm im Gegensatz zum Christentum stehe.„Schwer verfehlen sich“, so heißt es weiter, jene Eltern, die ihre Kinder den sozial⸗ demokratischen Kinderfreunden zuführen, wie auch alle, welche die sozialdemokratische Hetze gegen den Reli⸗ gionsunterricht in den Schulen mitmachen. Es soll
ernstlich danach getrachtet werden, die gesamte Lehrer⸗
An sozialdemokratischen Gewerkschaften sich zu beteiligen, ift wegen der damit verbundenen Gefahren uner⸗ laubt. Es muß mit allen Mitteln daran gearbeitet werden, den Terrorismus auf diesem Gebiete zu brechen.“ Schließlich wird dem Klerus aufgetragen, über die Irrtümer des Sozialismus und ihre Verwerf⸗ lichkeit immerfort Aufklärung zu geben, evtl. durch die Predigt. 1 Der unsoziale Magistrat.
Der Magistrat der Stadt Berlin hat durch Ver⸗ mittlung des Oberpräsidenten für Berlin und die Pro⸗ vinz Brandenburg ein Schreiben an den Reichswirt⸗ schaftsrat gerichtet, in dem erneut für die Reichshaupt⸗
stadt Verlängerung der Polizeistunde verlangt wird. Für die Vier⸗Millionen⸗Stadt sei es notwendig, daß Einschränkungen des für unsere Handelsbilanz so über⸗ aus wichtigen ausländischen Fremdenverkehrs endlich wegfallen. Die angeblichen Interessen der Arbeitneh⸗ merschaft, die eine Verlängerung der Sperrstunde aus beruflichen Gründen bekämpfen zu müssen glaube, müß⸗ ten demgegenüber zurücktreten.
Ver„Vorwärts“, dem man in diesem Falle nur zu⸗ stimmen kann, wendet sich entschieden gegen diesen An⸗ trag und weist auf die gesetzlichen Bestimmungen in
Stockholm und Kopenhagen hin, wo die Polizeistunde auf 12 Uhr festgesetzt ist. London habe keine einheit⸗ liche Regelung, doch werden die Lokale jetzt schon in der Hauptsache um 12 Uhr geschlossen, und man trage sich mit dem Gedanken, sie schon um 11 Uhr zu schließen. Die Not des Volkes, die herrschende Wirtschaftskrise und das Interesse der im Schankgewerbe beschäftigten Arbeiter und Angestellten verböten einfach die Verlängerung der Polizeistunde. N
0„Aufgehobene Sichtvermerke. Die Reichsregierung hat im Wege der Verhandlungen erreicht, daß der gegenseitige Sichtvermerkszwang mit folgenden Staaten abgeschafft worden ist: mit Oesterreich am 12. August 1925, mit der Schweiz am 20. Jauuar 1926, mit Liechtenstein am 20. Januar 1926, mit den Niederlanden am 1. Februar 1926, mit Japan am 20. März 1926, mit Dänemark am 20. Mai 1926. Der Fortfall des Sicht⸗ vermerlszwang wird in Kraft treten: mit Luxemburg am 1. September 1926, mit Portugal am 1. September 1926, mit Schweden am 1. Oktober 1926. Da in der freien Staat Danzig,
Island der Sichtvermerkszwang für deutsche Reichsangehörige unmittelbar aufgehoben worden ist, hat die Reichsregierung ihrerseits Angehörige dieser Länder vom Sichtvermerkszwang
befreit. Kleine Nachrichten.
Rückgang der Erwerbslosigkeit.
Berlin, 27. August. Der Rückgang in der Zahl der Haupt⸗ unterstützungsempfänger hat auch in der ersten Augusthälfte an⸗ gehalten. Die Zahl der männlichen Hauptunterstützungsempfän⸗ ger ist von 1328 000 am 1. August auf 1287 000 am 15. August zurückgegangen, die Zahl der weiblichen Hauptunterstützungs⸗ empfänger von 324000 auf 317 000. Der Gesamtrückgang be— trägt 2,9 Prozent.
Dr. Julius Kaftan f.
Der ehemalige Vizepräsident des evangelischen Oberkirchenrates und Professor der Theologie an der Universität Berlin, D. Dr. Julius Kaftan, ist am 29. August im 77. Lebensjahre gestorben. Die deutsche theologische Wissenschaft und die evangelische Kirche verlieren mit seinem Heimgang einen hochverdienten Gelehrten und Kirchenführer.
St. Ansgarfeier in Schleswig.
Zu einer großen Veranstaltung wurde am 29. August in Schleswig von katholischer Seite die elfhun⸗ dertjährige Wiederkehr des Tages benutzt, an dem Bi— schof Ansgar seine Mission in nordischen Ländern be— gann. Es war für eine große Beteiligung gesorgt. Würdenträger der katholischen Kirche gaben der Feier ein besonderes Ansehen. Die von Ansgar missionier⸗ ten Länder sind heute fast rein evangelisch. Es hätte also näher gelegen, die Bedeutung dieses Gedenktages für die Verbreitung des Christentums überhaupt zu feiern. Man gab ihm aber von katholischer Seite ein streng konfessionelles Gepräge. Ein Beweis für die Rührigkeit der katholischen Propaganda, die in unserer Zeit den kleinsten Anlaß für ihre Zwecke zu benutzen weiß.
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Allerlei.
Die Aerzte in Deutschland.
8 Der zum ersten Male seit dem Kriege wieder er⸗ schienene Reichsmedizinalkalender gibt folgende An⸗ gaben über die Aerzte in Deutschland. Anfang 1926 betrug ihre Zahl, mit Einschluß des Saargebietes, 44 715; bei einer Einwohnerzahl von 63 Millionen kommen also 7,10 Aerzte auf je 10 000 Einwohner, da⸗ bei sind(die rund 3000) Assistenz- und Volontärärzte mitgezählt. Ein starker Rückgang macht sich im Me⸗ dizinstudium geltend, besonders bei den weiblichen Studierenden, doch ist für Nachwuchs immer noch reich⸗ lich gesorgt. Die Zahl der weiblichen Aerzte hat sich seit 1913 von 195 auf 1627 gesteigert. Von ihnen sind 116 Kinder- und nur 43 Frauenspezialistinnen, die anderen üben allgemeine Praxis aus.
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Friedrich Lienhard über das Reichsehrenmal.
Friedrich Lienhard hat ein Schreiben an den Reichspräsidenten v. Hindenburg gesandt, in dem es u. a. heißt:„Eine überwältigende Mehrheit der Frontkämpfer(wo bleibt da die Ansicht der Rhein⸗ landfrontkämpfer?), die in allererster Linie gehört werden müßten, hätte sich für den Hain im Herzen Deutschlands ausgesprochen. Prof. Lienhard bezeichnet das Gebiet bei Berka als den uralten Jagdgrund der Ottonen, der als Sammel- und Aufmarschpunkt wie geschaffen sei(2). Nicht wirtschaftliche Vorteile soll⸗ ten maßgebend sein, sondern rein geistige Gesichts⸗ punkte. Hindenburg möge für den Plan von Berka ein⸗ treten. Die Schinkelsche Wache in Berlin möge man zum Fahnenheiligtum weihen, zu Lorch aber erst dann ein Befreiungsdenkmal errichten, wenn der Rhein wirk— lich frei sein werde.
Förderung des Mineralstoffwechsels durch Klimakuren. A. D. B. Die wissenschaftliche Forschung hat die Kenntnis von der Bedeutung der Mineralsalze für den Aufbau des
in Cuba, Haiti, Panama, der dominikanischen Republik und in 1
eine Hand dich erfaßt hat, um dich nicht mehr luszulassen? Laß andere ihr Leben leben, laß du dich nur noch führen von dieser Hand! Gräme dich nicht, daß das Leben vir versagt hat, was die Menschen unter Liebe und Freude verstehen; du wirst eine andere Liebe kennen lernen, eine an⸗ der Freude, gegen die die irdische schal und nichtig ist.“ Elisabeth hatet ihre Augen groß und strahlend aufgerichtet; mit halbgeöffnetem Mund, um den das erste leise Lächeln 1
Angst nachläßt, wie
spielte, lauschte sie dem Fremden. War es ein Märchen, das er
ihr erzählte? Aber wie seltsam leicht ihr zumute war; alle Bangigkeit, alles Unbehagen war wie ausgelöscht.„Erzählen Sie weiter,“ bat sie flehentlich. Der Fremde lächelte.„Ich werde dir nicht mehr viel erzählen, kleine Elisabeth. Du wirst 1 dies bald mit eigenen Augen schauen und sehen. Dann wirst ö du spüren, daß alle meine Worte zu schwach waren, um dir die Herrlichkeit zu schildern, die auf dich wartet. Und jetzt schließe 0 deine Augen; der Augenblick ist da, wo dich Jesu Arme umfassen 1 und in das andere Reich hinübertragen. Laß ihn nicht los, bis dau in dem wunderbaren Land erwachst. Schlafe, kleine Elisabeth, du konntest ja schon so lange nicht mehr schlafen.“
Es war ganz stille in dem Raum geworden. Frau Werner erhob sich schwerfällig von ihrem Stuhl und trat an das Bett der Tochter. Der Fremde war verschwunden. Elisabeth lag ausgestreckt in den Kissen; ein glückseliger Ausdruck, wie ihn die Mutter nie an ihr gesehen, verklärte ihr schmales Gesicht und verwischte die Spuren der Krankheit. Die Hände hielt sie gefaltet, als müsse sie mit aller Kraft etwas umfassen. Die
Mutter griff darnach. Sie waren eiskalt. Sie strich über die Stirn, kein Lebensatem wehte ihr mehr entgegen.„Elisabeth! wollte Frau Werner schreien; aber sie brachte es nicht über die
menschlichen Körpers wesentlich gefördert. Das hat zu der irrigen
Lippen. Vor dem friedvollen Ausdruck ihres Kindes schwiegen alle Klagen. Wer war es gewesen, der die arme, gequälte Elisabeth durch das dunkle Tor hinweggetragen? Nie hatte sie den Fremden gesehen, nie seine Stimme gehört; aber es war ihr, als sei ein sanfter und guter Geist durch das Toten— zimmer gegangen.
Absonderlichkeiten.
Der Besenbinderchristian besuchte einen kranken Vetter im Nachbardorfe, den Reinerfranz. Der Reinerfranz war seines Zeichens Holzhauer und lag schwer krank darnieder an Lungen⸗ entzündung. Als der Christian ihn sah, erschrak er und rief aus: „Bist du es wirklich, Franz? Nicht zum Wiedererkennen! Du bist wohl sehr krank? Aber solch Gerede war dem Franz zu⸗ wider. So hatten schon die Vetter und Tanten gesprochen, die ihn besucht hatten, und von seiner Frau mußte er es Tag und Nacht hören. Der Franz bot also dem Vetter ein grobes Will⸗ kommen:„Red' du nicht auch wie ein greinend Weib! Ihr macht mich mit eurem Gewinsel erst krank. Bin gar nicht so krank. Will in acht Tagen wieder in den Forst“ Als der Christian vom Kranken wieder Abschied nahm, schüttelte er draußen den Kopf:„Ein absonderlicher Kerl, der Franz; er will gar nicht hören, daß er krank ist! Na, gebe Gott, daß es nicht so schlimm mit ihm ausgeht!“— Aber es ging gut aus. Sein Selbsterhaltungstrieb und sein Vertrauen auf seine baldige Ge— nesung halfen mit zum Gesundwerden.
Der Besenbinderchristian war durch diesen Krankenbesuch gewitzigt worden; er nahm sich vor, zu keinem Kranken mehr von
kannten Mineralsalze
Auffassung geführt, daß man den Mineralstoffwechsel dadurch fördert, daß man einfach die als nützlich und wertvoll er⸗ als Heilmittel einnehmen läßt. Diese Grundlage für mitunter etwas laut angepriesene moderne Nähr⸗ salze hat sich als recht schwankend erwiesen. So einfach sind die Stoffwechselvorgänge innerhalb des Körpers nicht. Die durch den Mund eingeführten Mineralsalze werden nicht immer den Geweben und Organen des Körpers zugeleitet, sondern sie ver⸗ lassen vielfach ungenutzt den Darm. Das wäre das kleinere Uebel. Aber vielfach kammen sie auch auf dem Wege der Nieren zur Ausscheidung, wobei sie schwere Erkrankungen dieses empfind⸗ lichen Organs verursachen können. Auf diese Tatsache wurde in dem Kolberger Lehrgang über Wohlfahrtspflege von Prof. Dr. Straub ⸗Greifswald hingewiesen, zugleich aber auch festge⸗ stellt, daß eine außerordentlich günstige Verschiebung der Mineralsalze innerhalb des Organismus im Sinne einer För⸗ derung des Mineralstoffwechsels durch sorgsam ausgewählte klimatische Kuren erzielt wird. So erklärt sich auch die günstige Einwirkung klimatischer Kuren, auf die englische Krankheit durch durch eine Förderung des Kalkstoffwechsels.
Keine Siedlungs möglichkeiten in Mexiko! Schon häufig sind deutsche Auswanderer der Hoffnung auf Ansiedlungsmöglichkeit in Mexiko zum Opfer gefallen. Fast das ganze Siedlungswesen in Mexiko ist in der Hand von pri— vaten Unternehmern, die sich an den Auswanderern bereichern wollen. Der Evangel. Hauptverein für deutsche Ansiedler in Witzenhausen warnt daher dringend, auf ein Angebot einzu⸗ gehen, ohne es vorher von einer Beratungsstelle prüfen zu las⸗ sen; unter einer großen Zahl deutscher Siedlungsunternehmen seien nur ganz wenige einwandfrei zu nennen. Ueberhaupt muß immer wieder vor einer nicht sorgfältig überlegten und vorbe— reiteten Auswanderung gewarnt werden. 72 000 Deutsche sind im letzten Jahre ausgewandert, über 30 000 zurückgekehrt, viel⸗ fach ganz verarmt und elend. Besonders Südamerika, Brasilien und Argentinien haben viele bitter enttäuscht. Fast überall in der Welt liegen die Verhältnisse viel ungünstiger, als die meisten Auswanderer meinen. Lohnende Arbeit und Anstellung ist sel⸗ ten zu finden. Für Landwirte, die wenigstens über 3000. Vermögen verfügen und als Kleinbauern hart arbeiten können und wollen, bietet Brasilien noch die günstigsten Niederlassungs⸗ möglichkeiten. Diese werden in dem kleinen Ratgeber P. De de— kinds„Auswanderer nach Brasilien u. Argentinien“(20.) Elberfeld, Augustastraße 151, nachgewiesen.
Aus Hessen und Hessen⸗Naffau.
Darmstadt. Der Mittelrheinische Verband evangelischer Arbeitervereine, der in diesem Jahre auf eine 35jährige Ge— schichte und Arbeit zurückblicken kann, hält seine diesjährige Tagung am Samstag, den 11. und Sonntag, den 12. September ds. Is. in Darmstadt ab. Namhafte Führer des Gesamtver— bandes evangelischer Arbeitervereine haben ihre Teilnahme be—⸗ reits zugesagt, so daß die Tagung, die sich mit sehr wichtigen Fragen beschäftigt, eine recht bedeutsame werden wird. Außer der Vertretertagung sind folgende Veranstaltungen vorgesehen: Samstag, den 11. September, abends 8½ Uhr, eine Begrüßungs⸗ feier im Vereinshaus„Feierabend“ Stiftstr. 51, Sonntag, den 12. September, vormittags 10 Uhr, Festgottesdienst in der Stadt⸗ kirche. Festprediger Herr Pfarrer Vogel-Darmstadt. Nach⸗ mittags 3 Uhr findet im großen Festsaal der Turngemeinde am Woogsplatz eine Nachfeier unter Mitwirkung der Gesangs⸗ abteilungen der Verbandsvereine statt. Alle Mitglieder und Freunde der evangelischen Arbeitervereinssache sind zur Teil⸗ nahme an allen diesen Veranstaltungen herzlichst eingeladen.
Was bringt die Herbsttagung
der Deutschen Landwirtschafts⸗Gesellschaft.
Die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft hat es trotz der schwierigen Verhältnisse der Gegenwart auch in diesem Jahre nicht verabsäumt, ihre Herbsttagung in großzügiger Weise durch⸗ zuführen. Die Tage vom 24. bis 29. September werden in der Stadthalle von Kassel eine ungewöhnliche Fülle zeitgemäßer Fragen zur Beratung bringen und den Beweis liefern, daß die D. L. G. in ihrer führenden Stellung auf landwirtschaftlich⸗tech⸗ nischem Gebiete nach wie vor unangetastet dasteht. Sie wendet sich mit ihrer Tagung in Mitteldeutschland besonders auch an den bäuerlichen Landwirt, der bei ihren nach Besitzgröße abge⸗ stuften Jahresbeiträgen in ihrer Mitgliederschaft keineswegs eine geringe Rolle spielt.
guten Aussehen usw. zu reden. Da traf sichs, daß des Christian Tante in der Stadt erkrankte, und der Christian besuchte sie eines Sonntags, als er zufällig in der Stadt zu tun hatte. Er hatte sich seine Begrüßung schon zurechtgelegt!„Aber, Tant⸗ chen, du bist ja gar nicht so krank. Du siehst so frisch aus—“ Aber da kam er schön an.„Was?“ rief sie— sie hatte tat⸗ sächlich nur eine kleine Erkältung.—„Was, ich bin nicht krank? Der Doktor hat gesagt, ich wäre sehr leidend, und die Karoline Mayer, die Anna Finke, die Ling Schulze und alle anderen sagen es auch. Aber ein so gefühlloser Mensch wie du, der fühlt das nicht.“— Abermals schüttelte der Christian den Kopf, als er wegging:„Sonderbar, die ist gar nicht so krank und will durchaus krank sein!“—
Ja, es gibt solche Kranken, die man beleidigt, wenn man sie als krank anspricht, und es gibt eingebildete Kranke, die man vor den Kopf stößt, wenn man von ihrem guten Aussehen zu ihnen redet. Die einen haben den gesunden natürlichen Trieb, recht bald wieder gesund zu werden— und dieser Trieb hilft oft mehr als ein Arzt. Die anderen haben zur Zeit Langeweile und fühlen sich aus Langeweile krank. Sie wollen interessant sein, wollen um sich Klagen hören und Medizinflaschen stehen sehen. Ich möchte sagen, sie fühlen sich nicht wohl, wenn sie nicht klagen und stöhnen können. Solche Hysterie und weibische Energielosigkeit kann tatsächlich krank machen. Auch hier heißt
dessen Krankheit zu sprechen, sondern zu ihm nur von seinem
es: Mut verloren— alles verloren, und der Geist macht lebendig. Nur sich nicht gehen lassen, und sich nicht unterkriegen lassen, sondern allewege Kopf hoch, Hoffnung— und Gottver⸗ trauen!— G. S.
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