Sonnabend, den 9. Januar 1926.
„Evangelische Warte“
Aber nicht nur nach Westen, bis nach Amerika hin, treibt der Bolschewismus seine Propaganda. Nicht min⸗ der auch nach Osten. Dort hat sie eine doppelte Form, eine nationale und eine soziale. Rußland sucht die Völker Asiens um sich zu scharen gegenüber der Kolonial⸗ herrschaft Westeuropas, und sie kommen alle. Die Angora ⸗Türkei hat jetzt ihr festes Bündnis mit Ruß⸗ land. Der türkische Generalstab hat getagt, und Mu⸗ stapha Kemal geht in Person nach Moskau. In Per⸗ sien hat durch die Entthronung des Schahs und durch die Einsetzung Rizakahns die Sowjetunion auf der gan⸗ zen Linie gesiegt. Der Emir von Afghanistan ist nur noch die Puppe des sowjetrussischen Residenten in Ka⸗ bul. In China aber ist die Propaganda nicht nur nationalistisch: China den Chinesen, Beseitigung der Zölle und der Konsulargerichtsbarkeit, Herstellung der Einheit und der Souveränität Chinas, sondern sie ist auch stark sozial: China den Bauern, und zwar den Kleinbauern und Pächtern, China dem Arbeiter. Bolschewistische Ideen durchdringen von Kanton aus das Riesenreich und der sogenannte christliche General Feng scheint sich diesem Gedankenkreis geöffnet zu haben, auch den Norden, einschließlich der Hauptstadt, mit die sem Gedanken zu durchdringen. Noch kämpfen in der Mandschurei Tschangtsolin mit japanischer und in der Mitte im Jangtszetal Wupeifu mit englischer Unter⸗ stützung. Aber trotz vorübergehender Erfolge ist doch die Lage beider immer ungünstiger geworden. China als Ganzes steht immer entschlossener auf Sowjet⸗Ruß⸗ lands Seite. Währenddessen schreitet die Bolschewi⸗ sierung Japans fort, und die nationalistischen und bol⸗ schewistischen Ideen ergießen sich wie ein Strom über Vorder⸗, Hinter⸗ und Insel⸗Indien. Unsere Missionare sind entsetzt und hilflos gegen diesen neuen Geistesstrom.
In Amerika, wo man die Rassenfrage im eigenen Lande hat, ist man seit einem Vierteljahrhundert etwa außerordentlich hellhörig geworden für all solche Töne.
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Man hält die Herrschaft der weißen Rasse durch den Weltkrieg für gebrochen, man hat sich mit der völligen Selbständigkeit der gelben Rasse abgefunden und ist weithin geneigt, auch der braunen, hauptsächlich unter dem Banner des Iflam, die gleiche Selbständigkeit zu⸗ zugestehen, im Gegensatz zu England. Man legt Wert darauf, in den mittel- und südamerikanischen Ländern, wo der Spanier und Portugiese längst unterlegen ist, die Kreolen abgewirtschaftet haben, die Mestizen jetzt vielfach am Ruder sind und der Indianer sich regt, die weiße Herrschaft wenn möglich noch aufrecht zu erhalten. Man möchte auch noch den Vormund der schwarzen Rasse spielen, obgleich deren Verselbständigung nicht nur in Amerika, sondern jetzt vornehmlich auch in Südafrika reißende Fortschritte macht, auch in der Gesetzgebung, und man ist endlich willens, für die von der weißen Rasse besetzten und kultivierten Gebiete der Vereinigten Staaten, Kanada mit Neufundland, Australien mit Neuseeland und der ganzen Inselwelt, auch zu fechten. Aber man fühlt sich schon nicht mehr eigentlich als An⸗ greifer, sondern als Verteidiger. Man sieht mit voller Klarheit dort, was uns vielfach noch so dunkel ist, den wie eine Lawine heranbrausenden Rassenkampf.
Und die Christenheit? Wird sie daraus lernen, wird sie lernen, daß ihr Herr sie nicht zum Herrschen, sondern zum Dienen berufen hat und daß den Sanft⸗ mütigen die Erde gehört? In der weißen wie in der gelben, in der braunen wie in der roten und nicht min⸗ der in der schwarzen Welt. Wird die Christenheit im neuen Jahre dem Willen zur Macht entgegensetzen den Willen zum Dienst?! D. S. Jaeger im„Aufwärts“.
Aus unserer Bewegung.
Lauterbach, 2. Januar. Die E. V. hielt kurz vor Weihnachten im Gasthof Schmidt am Bahnhof die erste Kreisversammlung nach den Wahlen. Nach der Be⸗
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sodann über den
Weidmoos. Bei
Lehren, die sich daraus für die neue Bewegung ergeb An der an die beiden Vorträge sich anschließenden sprache beteiligten sich u. a. neben den Referen Pfarrer Becker⸗Herbstein und Landwirt Mülle der Wahl des Kreisvorstandes Schluß der Versammlung wurden gewählt: Leh Schwarz⸗Lauterbach⸗Rudlos(1. Vors.), Bürgermeis i Stock- Blitzenrod(2. Vors), Lehrer Horst⸗Herbsts (Schriftführer), Landwirt Rausch⸗Bermutshain uf. Landwirt Müller- Weidmoos(Beisitzer). Von Wahl eines Rechners wurde abgesehen, weil alle 8 0 träge auf das Konto der E. V. bei der Bezirkssparkas in Nidda einzusenden sind. Ober⸗Lais, 4. Januar. Wir machen auch an die Stelle noch einmal aufmerksam auf den Rednerkursi der am 19. und 20. Januar hier stattfindet. Um unse Freunde mit dem notwendigen Werbematerial für kommende Zeit auszurüsten, sollen an zwei Vormittag
grüßung der Erschienenen referierte Bürgermeif Stock- Blitzenrod, Mitglied des Kreistages, Zweck und Ziele der E. V. Pfarrer Weidner spr
Wahlerfolg am 15. November und
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belehrende Vorträge gehalten werden; diesen schließts an den Nachmittagen eine Ausgiebige Aussprache 9 Für die Abende sind Versammlungen in der nächsten u gebung vorgesehen. Ueber Zweck und Ziele der E. 0 sowie über unsere Stellung zu den Parteien werd 0 u. a. reden: Pfarrer Veller⸗Mainz⸗Bretzenhel⸗ 0 Verbandssekretär Laufer⸗Darmstadt, Landweg 90 Seum ⸗Fauerbach, Bürgermeister Stock⸗ Blitzen 0 Pfarrer Hamburger ⸗Staden, Bürgermeister Viöl g. ker⸗Lich und Pfarrer Weidner⸗Ober⸗Lais. Bei rechtzeitiger Anmeldung bis zum 15. ds. Mts.(0 f Pfarrer Weidner) werden die Teilnehmer an dem Ki et
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