ul
lessen
1 f
esucht
* Atenes Unrecht gebrauchen oder gemeinsam mit uns für den
Evangelische Warte
Organ der Evangelischen Volksgemeinschaft
Erscheint zunächst wöchentlich am Samstag. Bezugspreis: 50 Pfg. monatlich frei ins Haus. Für Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert. Schriftleitung: Pfarrer Hamburger in Staden(Oberh.)
Abonnements⸗ u. Anzeigen⸗Annahmestelle, Druck und Verlag: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher 1362. Postscheckkonto 8437 Frankfurt⸗M.
Verlag: Evangelische Volksgemeinschaft.
Anzeigenpreise: die 30mm breite Kleinzeile auswärts 24 Pfg.,
am Ort 12 Pfg., die 90mm breite Kleinzeile im Text 120 Pfg.,
Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholungen Vergünstigung.
2. Jahrgang.
Sonnabend, den 9. Januar 1926.
Nummer 2.
Die Evangelische Volksgemeinschaft und die deutsche Arbeiterschaft.
Deutschland befindet sich zur Zeit in der größten Krisis, die es seit Jahrhunderten durchgemacht hat. Man muß schon in der Geschichte zurückgehen bis zu den zeiten des dreißigjährigen Krieges, um ähnliches zu inden. Aber obwohl dieser Krieg seine fürchterlichen Verwüstungen und Schrecknisse mitten im deutschen Lande austoben ließ, war damals ein wirtschaftlicher und geistiger Aufschwung leichter möglich als heute. Da⸗ mals war Deutschland ein Bauernland, heute ein In⸗ dustrieland. Darum gilt der bekannte Satz: Alles schon dagewesen, nur bedingt. Als die durch Pest und Hunger gewaltig verminderte Bevölkerung im Jahre 1648 die Friedensglocken läuten hörte, war für sie tatsächlich das Ende der Leidenszeit gekommen. Die Flugschar war schnell wieder beschafft und die nächste Ernte brachte den meisten schon wieder Nahrung. Zudem war durch die Entvölkerung Land in Menge frei. Der Großgrund⸗ besitz manchen Adelsgeschlechts stammt aus jener Zeit. Wie tief der Fall unseres Vaterlandes damals war, er⸗ hellt daraus, daß viel Wohlstand, der Stadt und Land bor dem Kriege, also vor 1618, erfreute, bis 1914 nicht wieder erworben wurde.
Wie schwierig ist aber unsere Zeit! Mit der In⸗ zustrie kam die Großstadt, mit der Großstadt verlor aber die Masse des Volkes den Zusammenhang mit der Mut⸗ ser⸗Erde und damit ihre eigentliche Unabhängigkeit. Als im Jahre 1918 der Krieg zu Ende war, kehrte die Mehr⸗ zahl der Krieger in die Stadt zurück. Ihnen brachte die nächste Ernte keine Nahrung. Ihr Fleiß wurde licht belohnt, außer mit Enttäuschung und Hunger. Aber auch unter den Glücklichen, die auf dem Lande be⸗ heimatet waren, herrschte auf die Dauer nicht eitel Freude und Wonne. Denn das Vaterland ist trotz der hielen Volksgenossen, die in fremder Erde ruhen, und ber vielen, die infolge von Unterernährung in der Hei⸗ mat gestorben sind, für uns Deutsche zu eng. Obwohl zöden und Keller— ohne Rücksicht, ob dies gesundheit⸗ lich ist oder nicht— dicht bewohnt sind, warten viele Tausende auf Unterkunft, Tausende junger Brautpaare auf den Tag, da ihnen eine Wohnung zugesprochen wird und so die Eheschließung ermöglicht wird. Kein Wun⸗ her, daß die Unsittlichkeit und der Alkohol furchtbare Opfer fordert und im Bunde mit Volkskrankheiten un⸗ agbares Menschenglück zerstört.
Nach dem dreißigjährigen Kriege war Land frei, und viele, die über die nötigen Mittel verfügten, nah⸗ gen mehr Land, als ihnen zustand. Die Stelle des
Landes vertritt in dem Industrieland das Geld und die Produktionsmittel. Hier hat sich in unseren Tagen der⸗ selbe Vorgang nach dem Kriege abgespielt. Der Börsen⸗ und Industrieadel hat fast alles an sich gerissen und schaltet und waltet damit, ohne Rücksicht auf die Not der breiten Schichten des Volkes. Dazu hat er es ver⸗ standen, sich von den Steuern möglichst zu befreien, so⸗ daß die notleidenden Volkskreise noch obendrein die Hauptlasten der Staatsausgaben aufzubringen haben.
Wenn ein Notleidender Hilfe sucht, stehen ihm ver⸗ schiedene Mittel zur Verfügung. Das eine Mittel ist, die Besitzenden darum zu bitten. Aber dieses Mittel ist nicht nur aussichtslos, sondern auch unwürdig. Denn das Recht, sorgenfrei zu leben von seiner Hände Arbeit und dem Fleiße des Tages, hat uns Gott gegeben. Da⸗ rum hat man nicht erst zu bitten und zu— betteln.
Ein anderes Mittel ist das, darum zu kämpfen. Seitdem es Menschen gibt auf Erden, ist zwischen Be⸗ sitzlosen und Besitzenden gekämpft worden. So ist es bis heute geblieben. Auch wir von der E. V. wollen und müssen als Christen darum kämpfen, da wir das Recht auf Arbeit und Verdienft, auf Glück und Wohl⸗ stand als von Gott allen Menschen gegeben ansehen. Zu jedem Kampfe muß man aber zweierlei vorher beden⸗ ken: Wo steht der Feind? und welche Bundesgenossen habe ich?
Die größte und älteste Arbeiterpartei Deutschlands, die Sozialdemokratie, ist sehr schnell mit der Antwort bei der Hand. Sie sagt: Der Feind ist die„Bour⸗ geoisie“ als die Klasse der Besitzenden. Demnach sind wir Arbeiter als die Klasse der Besitzlosen auf uns selbst angewiesen. Wir von der E. V. erkennen gewiß die Verdienste der Sozialdemokratie an. Sie hat auf viele Schäden des gesellschaftlichen und staatlichen Lebens auf⸗ merksam gemacht. Sie hat in vielem das Gewissen ge⸗
schärft und ist für die Beseitigung von Anrecht einge-
treten. Sie hat der werktätigen Bevölkerung geholfen, sich aufzuschwingen. Soweit erkennen wir ihre unstreit⸗ baren Verdienste an. Aber diese Mission ist erfüllt und auf neue Gedanken ist sie nicht gekommen. Das kann sie auch nicht, da sie in bestimmten, unglückseligen Ge⸗ dankengängen festgefahren ist. Das sieht man ja auch daran, daß es nicht nur eine, sondern drei Arbeiter⸗ parteien gibt, die sich untereinander bekämpfen und 5 die gesunde Kraft des Proletariats lähmen. Hat si
es so nicht einmal verstanden, die eigenen nene sen zum gemeinsamen Kampf zu einen, so ist nicht daran
zu denken, daß sie die für ihre Gedankengänge dauernd gewonnen hat, die sich in dieser Zeit der allgemeinen Unzufriedenheit ihr vorübergehend angeschlossen haben, ohne sich damit zur Klasse der Arbeiter zu rechnen. Es ist ganz ohne Zweifel, daß bei Eintritt ruhigerer Zeiten alle diese Beamten, Handwerker, Angestellte, Gewerbe⸗ treibende und Landwirte die Partei wieder verlassen werden. Diese Abwanderung hat heute schon in großem Maße eingesetzt. Schuld daran ist nicht Wankelmüdig⸗ keit oder Charakterlosigkeit, sondern das Schlagwort, das den freien Mann entwürdigt: Der Klassenkampf. Gibt es denn wirklich einen Klassenkampf? Nein! Es gibt einen Kampf zwischen Besitzlosen und Besitzen⸗ den. Es ist ja ein ganz törichter Gedanke, daß eine Klasse über die anderen auf die Dauer herrschen kann. Das könnte nur Gewalt, und Gewalt ist nie von Dauer. Da⸗ ran ist der alte Staat zu Grunde gegangen, daran wird auch der neue zu Grunde gehen und vor allem der er⸗ träumte Zukunftsstaat. Die Argumentation der Sozial⸗ demokratie beim Predigen des Klassenkampfes ist fol⸗ gende: Sie will gegen den Kapitalismus kämpfen. Nun setzt sie Kapitalismus gleich Bürgertum— also kämpft sie dagegen. Vor einem halben Jahrhundert hätte sie mit diesem Kampfe noch allenfalls recht gehabt. Es gibt ein Bürgertum, dem die Ruhe über alles geht, das lieber selbst verelendet, als den Finger gegen seine Feinde zu rühren. Diese Trägheit und dieses unsoziale Verhalten haben die Feinde stets ausgenützt mit dem Erfolg, den jeder in seiner Arbeitslosigkeit, in seinem Hunger, in seiner Armut fühlt. Denn wo sich zwei mit⸗ einander streiten, freut sich der Dritte. Das selbstbe⸗ wußte Proletariat ist aufgewacht und hat die Macht an sich gerissen. Oder nein, es hatte sie an sich gerissen. Aber in blindwütiger Kurzsichtigkeit kämpfte man gegen den inneren Feind, das Bürgertum, das aus dem Felde als ein anderes zurückgekehrt war. So überhörte man die warnende Stimme, man ließ sich das Diktat von Versailles über die Ohren ziehen, man schlug nicht in die Hand ein, die von bürgerlicher Seite in Freundschaft angeboten wurde. Darum hat heute weder das Bürger⸗ tum, noch das Proletariat die Macht, sondern der Ultra⸗ kapitalismus, der niedergekämpft werden sollte. Er herrscht heute in diktatorischster Weise. Jeder Fortschritt, der errungen war, wird rückgängig gemacht. Nachdem neue Reichtümer zur Zeit des schlechten Geldes angesam⸗ melt worden waren, schritt man zur Markstabilisierung, das heißt: man legte die Armut der Besitzlosen für alle
Mijsionssonntag 1926.
Jesaja 54,3:„Du wirst ausbrechen zur Rechten und zur Linken“.
Wohl noch nie haben wir es so verspürt und erfahren, ja it Händen greifen können wie heute, daß Gott unsere Mit⸗ ubeit in der Mission will. Die Türen zu den alten Missions⸗ seldern haben sich wieder aufgetan. Wir erleben das Propheten⸗ wort:„Du wirst ausbrechen zur Rechten und zur Linken.“ Denn bereits stehen die Missionare wieder in Kamerun und Indien, id in diesen Tagen werden die ersten auf der Goldküste ein⸗ seffen. In China und Borneo aber ist die Missionsarbeit in züllem Gang. Das bedeutet in dieser Zeit, da in der Heimat küncherlei Not hart drückt, eine ernste Glaubensprobe für uns. nn diese offenen Türen stellen uns vor große, schwere Auf⸗ saben und vor eine ernste und unabweisbare Verantwortung. Dennoch freuen wir uns von Herzen darüber; denn wir sehen darin gleichsam einen Beweis des Vertrauens, das Gott zu uns it, das es nun aber auch zu rechtfertigen gilt.
Wir können diesmal freilich nicht nur von friedlicher Säe⸗ Hännsarbeit, die auf den Missionsfeldern getan wird, berichten. stsere Missionare sehen sich heute einer ganz neuen, völlig ver⸗ derten Welt⸗ und Missionslage gegenübergestellt. Heftige Sürme durchtoben die Völker. In China, Indien und Afrika aht plötzlich die Rassenfrage im Vordergrund. Die farbigen Hölter sind sich ihres Eigenwertes und ihrer Kraft bewußt ge⸗ worden. Sie fordern ungestüm die Freiheit und Gleichberech- hung mit den weißen. Auf der christlichen Weltkonferenz in slockholm sagte ein Negerpfarrer in seinem Vortrag: Die Awarze Rasse sei sich heute ihrer Gaben und ihrer Macht be⸗ bißt und die Frage sei nur, ob sie dieselben zur Rache für er⸗
bau einer neuen Menschheit verwenden würde. Aufgepeitscht Arden diese Völker durch die kommunistischen und bolschewi⸗
stischen Gedanken, die wie eine unheimliche Sturmflut heute die ganze Völkerwelt durchbrausen. Dazu macht sich das alte Hei⸗ dentum auf und rüstet sich zum Entscheidungskampf mit dem Christentum. Als weiterer Gegner tritt der Islam gegen das Christentum auf den Plan und entfaltet seine zielbewußte, ge⸗ hässige Propaganda. Und beide, Heidentum und Islam, finden in dem modernen Unglauben, der vom Abendland bis zu den fernsten Völkern und Volkssplittern gedrungen ist, einen starken Bundesgenossen. Da wird man lebhaft erinnert an die Worte des zweiten Psalms vom Toben der Völker und vom Ratschla⸗ gen wider den Herrn und seinen Gesalbten.
Angesichts dieser Weltlage steht klar und deutlich die Mis⸗ sionsaufgabe als heilige, unabweisbare Pflicht vor uns. Es ist uns, als hörten wir aus dem Gären und Ringen und den Um⸗ wälzungen in der heutigen Völkerwelt einen gewaltigen Ruf Gottes zur Mitarbeit am Kommen seines Reiches. Dieser Ruf gilt jedem Christen ohne Ausnahme, denn wir dürfen uns nicht verhehlen, in dem Geisteskampf, der heute in der Welt ent⸗ brannt ist, geht es ums Ganze. Er ist entscheidend für das Schicksal und die Zukunft der Völker, ja der Menschheit. Wer den endgültigen Sieg davontragen wird, ist uns gewiß: nicht die Reiche dieser Welt mit ihrer Macht und Gewalt, sondern das ewige Reich unseres Gottes und Heilandes.
Wir sehen auf allen Gebieten der Mission überall Wachs⸗ tum und Arbeit in Fülle. Wir dürfen daher von neuem allen Mitchristen zurufen: Helfet mit an dem uns von Gott anver⸗ trauten großen Werk! Was wir von euch erbitten, sind nicht nur eure Gaben, so notwendig sie für die wachsenden Bedürf⸗ nisse unseres Werkes sind. Wir bitten um mehr. Um Mission recht treiben zu können, braucht es vor allem Leute, in denen Christus Gestalt gewonnen hat, die von seiner Liebe erfüllt und getrieben sind und fürbittende Hände aufheben. Denn das glän⸗ bige Gebet ist die wahre treibende Missionskraft. Darum, liebe Mitchristen, bitten wir, daß ihr die große, schwere Missionsauf— gabe immer mehr zu der eurigen macht und sie täglich vor Gott bringt in dem ernsten Flehen:„Dein Reich komme.“ Amen.
Die wichtigsten heutigen Arbeitsfelder der deuljchen ovangelischen Mission.
Von Missionar Lauk in Frankfurt a. M. (Schluß.)
Damit verlassen wir Niederländisch⸗Indien, um zu den gro⸗ ßen Kulturvölkern des Ostens überzugehen. In ihnen treffen wir die Hälfte der ganzen Menschheit, Völker, die in Sitte und Denken wirtschaftlich und politisch eine hohe Entwicklung und eine bedeutende Geschichte aufzuweisen haben. Es sind Völker, die bisher ihre eigenen Wege gegangen sind, aber nun in den großen Welt- und Geisteskampf hineingezogen worden sind. Das starke Eindringen europäischer Kultur und die Folgen, die sich daraus ergeben zu schildern, geht über den Rahmen dieser Dar⸗ stellung hinaus. Es soll jedoch nicht unterlassen werden zu zeigen, wie die evangelische Mission daran ist, sich auf den Kampfplatz einzustellen und sich an der großen Auseinander⸗ setzung zu beteiligen. 15000 europäisch⸗amerikanische Missions⸗ arbeiter stehen mit 60 000 eingeborenen Mitarbeitern im Dienst an Gemeinden, Schulen, Krankenhäusern und Hochschulen. Es mag uns zum Nachdenken veranlassen, worauf es zurückzu⸗ führen ist, daß die deutsche Mission an dieser gewaltigen Mis— sionsaufgabe unter den Kulturvölkern so schwach beteiligt ist. Wollen wir weiterhin freiwillig beiseite stehen, der reichen Be— fruchtung, die unser eigenes Geistesleben dadurch erfahren könnte, verlustig gehen und auf unseren Anteil am Entschei⸗ dungskampf fürs Reich Gottes verzichten! Könnten nicht gerade wir Deutsche mit unseren Gaben einen besonderen Beitrag leisten! Das sind Fragen und Gedanken, die wohl unsere Beachtung verdienen.
Unter den 1253 Missionaren in Japan steht der allgem. protestant. Missionsverein mit 2 Missionaren als alleiniger Ver⸗ treter der deutschen evangelischen Mission in Japan. Von der schwierigen und hingebenden Arbeit, die dieser Verein in Japan leistet, legt das ostasiatische Jahrbuch bereits Zeugnis ab.
China steht nach wie vor im Vordergrund des missionarischen Interesses. Und das mit vollem Recht, nicht nur der Größe und Bedeutung dieses Missionsgebietes wegen, sondern vor allem,


