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Organ

der Evang

Evangelische Warte

elischen Volksgemtinschaft

Erscheint zunächst wöchentlich am Samstag. Bezugspreis: 50 Pfg. monatlich frei ins Haus. Für Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert. Schriftleitung: Edwin Hamburger in Staden(Oberh.)

2. Jahrgang.

Warum

In Hindenburg will uns Gott seit Tannenberg und dem Rückzug der Truppen in die Heimat zum dritten Male einen Helfer aus tiefer Not senden in Gestalt eines Reichspräsidenten von Bismarcks Schlage:Wir Deutsche fürchten Gott. Mit Gott über den Parteien wollen wir Taten tun!: Zwar wäre Hindenburg schon mit Gott allein in starker Majorität. Gleichwohl muß ihm in der Evangelischen Volksgemeinschaft noch ein Heer zur Seite gestellt werden, um unser deutsches Vaterland und seine evangelische Kirche von den vielen Feinden zu erretten und auf einem ehrenvollen Vor⸗ marsch zu ehemaliger Größe zu führen. Evangelische Kräfte und Mächte haben ehemals das Deutsche Reich egründet: Wilhem J., Bismarck, Moltke, Roon u. a. Rur evangelische Kräfte und Mächte dürften allein im Stande sein, ein neues und besseres Reich aus den Trümmern wieder erstehen zu lassen. Das kostet frei⸗ lich einen neuen Kampf mit dem Schwert des Geistes, mit dem Worte Gottes. Gegen den Hauptirrtum:Re⸗ ligion hat nichts mit der Politik zu tun, muß jetzt vor allem gekämpft werden, gegen einen Irrtum, der schon in die Vorkriegszeit zurückreicht bis auf jenes verhäng⸗ nisvolle geflügelte Wort Wilhelms II.:Sintemalen sie das war die Kirche, die Pastoren das nichts angeht. Kirche und Pastoren, Oberkirchenräte und Konsistorialräte haben sich untertänigst danach gerichtet, Zentrum und Sozialdemokratie aber die Situation weidlich ausgeschlachtet.

Ist denn der evangelische Pfarrer und Kirchenrat und Christ ein halber Ehrist, ein Christ in der Kirche, im Staat ein Heide, auf der Kanzel ein Bekenner, auf dem Ratsstuhl ein Verleugner? Nein, der Christ ist ein ganzer Mann, innen und außen, im Kämmerlein und der Oeffentlichkeit, in der Kirche und im Staat. Daher gehören Religion und Politik innigst zusammen. Der Christ gibt dem Kaiser was des Kaisers ist, weil er Gott gibt, was Gottes ist. Auch auf wirtschaftlichem Gebiet beruht die Politik auf der Religion. Weil Gott 3. B. im 7. Gebot zu stehlen verbietet, will er, daß jeder sein Eigentum haben soll(Calvin). Das persönliche Eigentum macht die Würde, die Freude, das Streben, das Leben, das Glück, das Wohlergehen des Menschen auf Erden aus.Du sollst nicht begehren, das 9. und 10. Gebot sichert den Besitzstand, Ruhe und Frieden im eigenen Land und Volk gegenüber dem anderen in der sog. Außenpolitik.Ein Arbeiter ist seiner Speise und seines Lohnes wert, ist eine göttliche Weisheit in der Lohnfrage.Gehet ihr auch hinein in den Weinberg; ich will euch geben, was recht ist, gibt auch dem Lohn⸗ arbeiter Brot und Stellung, Achtung und Befriedigung. Selbst die Ideale des Kommunismus werden am besten

Abonnements⸗ u. Anzeigen⸗Annahmestelle, Druck und Verlag: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher 1362. Postscheckkonto 8437 Frankfurt⸗M.

Sonnabend, den 8. Mal 1026.

mußte die Cbangelssche Volksgemeinscha

Von Pfarrer Löwentraut-⸗Eulo.

verwirklicht in der freiwilligen Hilfe und Gabe dem Dürftigen. Diese wenigen Andeutungen genügen schon, die Wahrheit und Notwendigkeit darzutun, daß Reli⸗ gion und Politik, Gottesfurcht und Bürgertugenden zusammengehören. Auf Grund dieser beiden Funda⸗ mente der Zusammengehörigkeit von Religion und Po litik noch ein Wort über Staat und Kirche.

Weder Romanismus noch Atheismus, noch beide im Bunde, dürfen im Staat herrschen. Dagegen soll unser evangelischer Glaube der Sie werden, der die Welt überwindet. Nach römischer Lehre steht die Kirche über dem Staat und über allen Staaten in der Welt. Das führte zurTyrannei des Papsttums(Luther). Infolge des Notbehelfes eines landesfürstlichen Ober⸗ bistums der evangelischenLandeskirchen kam der Staat zur Herrschaft über die Kirche, und so heute die Kirche im religionslosen oder-feindlichen Staat unter die Räder. Jenem Mißbrauch der kirchlichen Gewalt und diesem Notstand gegenüber kann nur noch das letzte Verhältnis möglich sein: Staat und Kirche kommen neben, mit und für einander zu stehen. Staat und Kirche sind öffentlich gleichwertig zu vertreten in allen Parlamenten, dem Volk muß vor allem die Religion er⸗ halten werden.

Um alles auf einen letzten und höchsten einheit⸗ lichen Grundsatz zu bringen, müssen wir heute auf unsere neue evangelische Volksgemeinschaftsfahne schreiben: Politik des Königreiches Gottes! Wir müssen Politik nach evangelischen Grundsätzen treiben. Tun wir das nicht, so sind eben andere klüger und besser daran, und ihre Kirche hat davon den größten Nutzen, unser deut⸗ sches Volk aber den größten Schaden. Es bleibt daher nichts weiter übrig, als die evangelische Sache in jedem Betracht zu stärken und zu festigen durch die Evange⸗ lische Volksgemeinschaft, unter deren Fahne sich alle bis herigen Parteien sammeln und einen können, um zu allen ihren Zielen zu gelangen. Alle politischen Wahr⸗ heiten, bisher einseitig von verschiedenen und getrenn⸗ ten Parteien vertreten, können in der Evangelischen Volksgemeinschaft einander ergänzend und ausgleichend zusammen kommen: Das Monarchistische, das Demokra⸗ lische, das Nationale, das Soziale, das Kommunale, das Religiöse, das Christliche, das Sittliche. Auch das inter⸗ nationale Problem kann am besten durch die Evange⸗ lische Volksgemeinschaft gelöst werden. Sie wäre der Weg zur wahren Völkerwürde und zum wahren Völker⸗ frieden, kurz desFriedens auf Erden. Die Macht des Bösen, des Fürsten dieser Welt, wäre dann ge⸗ brochen.

Im Anschluß an obige vortreffliche Ausführungen

it gegründet werden?

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am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg.,

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möchten wir über Religion und Politik noch folgendes sagen: Politik hat mit der Religion nichts zu tun, so hört man oft. Diese Auffassung ist oberflächlich, ja falsch.(Von Spurgeon stammt das Wort: Der Satz Religion und Politik haben nichts miteinander zu tun ist die schlaueste Erfindung des Satans). Das wäre gerade so, als wollte man sagen, Religion hat nichts mit dem Leben zu tun. Denn Politik ist ein wichtiges Stück im Leben. Durch die Politik wird das Leben der Bürger in Gemeinde und Staat und das der Staaten und Völker untereinander bestimmt und ge⸗ regelt. Und wie die christliche Religion Richtlinien und Grundsätze für das Privatleben der Menschen gibt, so auch für das politische Leben. Es ist hocherfreulich, daß in der großen Botschaft der Weltkonferenz für prak⸗ tisches Ehristentum in Stockholm sich folgender Satz fin⸗ det:Die Konferenz hat die Pflicht anerkannt, das Evangelium auf allen Gebieten des menschlichen Lebens zu der entscheidenden Macht zu machen im industriellen, sozialen, politischen und internationalen Leben. Ohne die obersten Grundsätze des Christentums, der Gerechtig⸗ keit und der Liebe, können wir die moralischen und sozialen Fragen, die Fragen des wirtschaftlichen Lebens, nicht lösen. Ohne die Grundsätze und Lebenskräfte des Evangeliums lösen wir die großen innen⸗ und außen⸗ politischen Aufgaben in unserem deutschen Vaterland nicht! Wer ein wirklicher Christ sein will, ein Christ, dem der Glaube die Nachfolge Jesu ist, der wird die Politit nicht von der Religion trennen, dem wird das Evangelium Norm und Richtschnur für das ganze Leben sein, auch für das politische Leben.

Wenn heute in Deutschlandkatholisch Trumpf ist, wenn man sich heute auf Schritt und Tritt gegen die wachsende Macht der katholischen Kirche wehren muß, so kommt das doch allein daher, daß die katholische Kirche durch das Zentrum an der Gestaltung des kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Lebens in Staat und Ge⸗ meinde schon seit Jahren insbesondere nach dem Krieg aktiv mitarbeitet. Und wenn heute im evan⸗ gelischen Deutschland, im Lande Dr. Martin Luthers, die evangelischen Interessen fast täglich mit Füßen ge⸗ treten werden, wenn große Teile des evangelischen Volkes der evangelischen Kirche entfremdet sind, wenn wir politisch heimatlos sind und keine evangelische Män⸗ ner und Frauen zur Genüge in den Parlamenten haben, so kommt das zu einem guten Teil daher, daß im evange⸗ lischen Lager bislang die durchaus falsche Meinung herrschtePolitik hat mit Religion nichts zu tun. Diese irrige Meinung hat uns Evangelische zu der jetzt offenkundigen politischen Machtlosigkeit geführt. Ist es da nicht zu begrüßen, daß die Evangelische Volks⸗

Belet!

Ephesser 6,18. Betet stets in allem Anliegen mit Bitten und Flehen im Geist.

Die Jünger kamen einmal zu dem Herrn Jusus und sprachen: Herr lehre uns beten! Sie konnten nicht so beten, wie sie es bei ihrem Meister gehötr hatten. So häufig hatten sie ja keine Gelegenheit, Jesus beten zu hören. Denn Jesus pflegte meistens in die Einsamkeit zu gehen, wenn er betete. Er wollte in sol⸗ chen Stunden ganz mit seinem Vater allein sein. Niemand hatte darein zu hören oder zu reden, wenn er sich Trost und Kraft holte im Gespräch mit seinem himmlischen Vater. Da stand er dem gegenüber, der Sonne und Mond, die Sterne und die Erde ge schaffen hatte. Er fühlte die Nähe dessen, ohne den das Meer sich nicht hebt und senkt, ohne den der Mensch, die Tiere und die Pflanzen leblos wären, der die Schönheit in der Natur gebildet hat, der dem Menschen den Verstand gab, diese Natur zu be herrschen. Er sah die Größe dessen, der das Große und Gewaltige in der Welt sowohl wie das Kleine und Allerkleinste gemacht hat. Er erwog die Güte dessen, der alles Lebendige speist und erhält, der auch dem Menschen geistige und körperliche Nahrung gibt. Diesem Vater warf sich Jesus vertrauensvoll entgegen. Von ihm holte er sich seine Aufgaben, von ihm nahm er die Kraft, sie zu vollbringen. Die Jünger, die dies sahen, wollten gerne

Kuch beten lernen.

Lieber Leser, mußt Du auch wie die Jünger das Beten erst lernen? Hast Du es nicht einmal gelernt in Deiner Jugend? Haben Dir nicht einmal liebe Mutterhände die kleinen Händ⸗ chen zusammengelegt und Dir die ersten schlichten Gebetlein vor⸗ gesprochen? Denkst Du noch daran, lieber Leser? Kannst Du noch deten oder hast Du es schon lange nicht mehr getan? Wer nicht betet, der hat keine Achtung vor sich selbst. Denn er denkt:Ich

din viel zu wenig gegenüber der Größe der Welt, gegenüber

der Masse der Menschheit. Wie sollte Gott noch Zeit für mich haben.] treten.Was mein Gott will, gescheh allzeit, sein Wille ist

Es ist aber gerade das, was uns Jesus in der Bergrede lehrt, die feste Gewißheit, daß der Gott, der sich um Vögel und Blumen kümmert, erst recht für den Menschen sorgt. Obgleich wir uns hineingestellt sehen in die unermeßliche Welt mit ihrem Vieler⸗ lei, so dürfen wir doch das göttliche Auge sorgsam auf uns ge⸗ richtet fühlen. Ja wir dürfen furchtlos zu dem gewaltigen Gott du sagen.

Ueberall wo wir sind, dürfen wir zu unserem Gott sprechen. Er ist ja auf der ganzen Welt. Zu jeder Zeit können wir mit Beten und Flehen vor ihn treten, denn er ist ja jederzeit bei uns. Aber jede Zeit, in der wir die Hände falten und beten, ist für uns eine Stunde der inneren Stärkung, eine Befreiung von schwerem Druck, ein Trost in allem Schicksal. Wie leicht steht die schwere Tagesarbeit vor uns, wenn wir sie mit Gott be⸗ ginnen. Wie ruhig und gefaßt tragen wir eine schwere Krank⸗ heit, wenn wir alle Schmerzen vor unseren Gott bringen. Er hat sie uns ja gesandt, er wird sie uns auch wieder abnehmen. Wir spüren etwas von der Unendlichkeit, wenn wir voll Ver⸗ trauen sprechen:Vater unser, der du bist im Himmel. Dann sühlen auch wir die Nähe unseres Gottes. Alles, alles dürfen wir vor ihn bringen mit Bitten und Flehen im Geiste.

Die Jünger hatten wohl früher auch schon gebetet. Die Juden beteten im Tempel zu Jerusalem. An anderer Stelle konnte nicht gebetet werden. In welcher Art sie beteten, lehrt uns Jesus an dem Beispiel des Pharisäers im Tempel. Dieser rechnete Gott vor, was er alles an guten Werken getan hatte. Darüber stellte er gleichsam eine Rechnung auf, die ihm Gott im Leben bezahlen sollte. Wir können Gott, dem wir ja alles ver⸗ danken, nichts vorrechnen. Dieses Beten war anders, wie der Herr Jesus zu beten pflegte. Dieses demütige Hintreten vor Gott, wollten die Jünger lernen. Dieses Hingeben in Gottes guten und heiligen Willen, das haben sie gesucht. So aber sollen auch wir und nicht anders unserem Vater im Himmel gegenüber

stets der beste.

Wir müssen aber noch mehr lerner von unserem Herrn Jesus. Auch davon lernen wir etwas, daß er immer fort von den Men⸗ schen gegangen ist, sobald er beten wollte. Gibt es nicht viele, die beten können, die aber so beten, wie ein ungeniertes Kind auf Geheiß sein gelerntes Gedicht bei jedem Besuch oder im fremden Hause herunterläßt. Es gibt eine Keuschheit auch beim Beten. Das Höchste und Heiligste soll man nicht prostituieren. Es soll auch nicht eine Gewohnheit sein. Dann wird es ein Geplapper. Wenn du betest, so gehe in dein Kämmerlein, und schließ die Türe zu, und bete zu deinem Vater im Verborgenen. Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie würden erhört, wenn sie viele Worte machen.

Gerade das öffentliche Beten hat die große Gefahr mit dem Gebet zu posieren. Es gibt auch eine Sucht schön zu beten. Da⸗ bei ist kein Denken an Gott möglich. Denn Gott gegenüber ist ja alle menschliche Kunst Stückwerk, wie die Herrlichkeit Salo⸗ mons gering war gegenüber der Schönheit einer Blume, die Gott geschaffen hat. Beim Beten kommt es also nicht auf schönes, son⸗ dern auf herzliches Beten an. Wenn du in deinem Kämmerlein betest, dann kommst du ja auch nicht auf solche Abwege. Dann mag dein Beten noch so ein Versuchen und ein Stammeln sein. Unser Gott versteht auch unser Stammeln. Und wenn wir noch nicht einmal stammeln können, der Herr versteht auch unser seufzen. Denn der Herr weiß, was wir bedürfen, ehe wir ihn bitten!

Gott, deine Güte reicht so weit,

So weit die Wolken gehen,

Du krönst uns mit Barmherzigkeit

Und eilst uns beizustehen;

Herr, meine Burg, mein Fels, mein Hort, Vernimm mein Flehn, merk auf mein Wort;

Denn ich will vor dir beten. Amen. Hr.

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