Einzelbild herunterladen

e

Sonnabend, den 7. August

werden. An den Straßennamen erkennt dann der Fremde schon die regierenden Herren. Freude aber wer den am meisten die Schilderfabrikanten haben.

Reichspräsident von Hindenburg sah sich genötigt, gegen die kommunistischen BlätterRote Fahne und Knüppel Strafantrag wegen Beleidigung zu stellen Es handelt sich um ein Schmähgedicht mit der Ueber schriftAchtung, Hunde!. Man sollte doch meinen, daß der Staatsanwalt dazu da wäre, den höchsten Staats⸗ beamten vor Beleidigungen zu schützen. Wir müssen heute eigentümliche Rechtsverhältnisse in Deutschland haben.

Im besetzten Gebiete beginnt wieder ein schärferer Wind zu wehen. So hat die Rheinlandlommission ein Verbot erlassen, bei Aufzügen Trommler- und Pfeifer⸗ korps und Musikkapellen zu verwenden. Auch das Spielen von Militärmärschen ist verboten. Ob dies wohl schon eine Wirkung des deutsch-feindlichen Mini sterpräsidenten Poincaré ist?

Was jeder Evangelische wijsen muß.

Kulturfragen.

Unter diesem harmlosen Titel wird zurzeit eine Schrift verbreitet, die von nichts anderem handelt als von den Ernsten Bibelforschern! Als wären sie, die die Grundlage aller Kultur, die Gemeinschaft helfen auflösen, die einzigen Kulturträger! Aber man will eben wieder einmal unter einer anderen Flagge sich in die Häuser drängen. Man sollte meinen, daß wir über dieseKulturfrage allmählich im klaren sind. Be⸗ zeichnend für die unglaubliche Einbildung ist die Be hauptung, die, die den rechten Glauben durch Unter- tauchen unter Wasser bekundet hätten, werden vonder Versammlung der Bibelforscher als Glieder der wahren Kirche anerkannt. Sie sind also die Herzenskündiger, die richten und auswählen. Ihre falschen Berechnungen werden natürlich wohlweislich verschwiegen. Wir meinen, es gibt so viele wirkliche und ernste Kultur- fragen, die unsere ganze Kraft in Anspruch nehmen, daß wir für diese Sache wirklich nichts mehr übrig haben, weder Zeit noch Geld.

Ein Gelehrter über die Seele.

In einem ArtikelWas nun? in der bekannten illustrierten WochenschriftReclams Universum(vom 3. Juni 1926) schildert der Philosoph, Professor Dr. Hans Driesch, die großen Aufgaben, welche noch die Psychologie zu lösen hat, und sagt darin:Schon die Lehre vom sogenanntennormalen Seelenleben hat eine ungeheure Vertiefung erfahren: man weiß heute, daß die alte mechanistische Lehre von der Assoziation der Vorstellungen das bewußte Erleben nicht erklären kann, daß es richtende aufSinn und Sinnbereicherung ge richtete Kräfte im Seelenleben gibt, und, was noch wichtiger ist, man weiß, daß jene früher so beliebte Lehre falsch ist, welche das Bewußtsein zu einem bloßen Nebenprodukt des Gehirnmechanismus gemacht hatte. Ja, wir können geradezu sagen, die Seele als Seele, das heißt als besonderes unmaterielles Wesen, sei wieder entdeckt worden und mit jenem seltsamen Gebilde, das manPsychologie ohne Seele genannt hatte und auf

rührt sic die Seelenkunde eng mit der Wissenschaft vom

Evangelische Warte

organischen Leben, auf deren Boden es auch mit allen Formen des reinen Materialismus vorbei ist. In freidenkerischen Kreisen, besonders auch unter den Mo nisten, begegnet man noch immer vielen, welche den strengen Materialismus früherer Jahrzehnte als die Wissenschaft schlechthin vertreten und jeden anderen Standpunkt als An aftlich ablehnen. Die Aeuße⸗ rungen des Philosophen Dr. Driesch zeigen, daß sie nicht mit der Entwicklung der? wien aft mitgegangen sind.

Wenn man aus der Kirche austritt.

Die Leute, die meistens aufgehetzt, sehr übereilt den Entschluß zum Kirchenaustritt fassen, sind sich über die Folgen ihres Unternehmens meist nicht klar und recht erstaunt, wenn solche unangenehm in die Erschei⸗ nung treten. Uebernahme einer Patenschaft ist selbst⸗ verständlich dann unmöglich, da ja der Ausgetretene eine christliche Kindererziehung in keiner Weise gewähr leisten kann. Nach Bestimmungen, die in Magdeburg gelten, muß einem Kinde die Konfirmation versagt werden, dessen Eltern nicht mehr zur Kirche gehören. Das Recht auf kirchliche e und namentlich auch auf kirchliches Begräbnis er lischt automatisch, denn alles kirchlichen Rechte hat man sich ja begeben. Namentlich der Ausfall der kirchlichen Beerdigung wird meist sehr peinlich um der Angehörigen willen empfunden. Eine besondere Schwierigkeit ergibt sich aus dem Verhältnis von weltlicher Schule und Konfirmandenunterricht. Die Kirche verlangt mit Recht, daß alle Konfirmanden an einem ordentlichen Religionsunterricht teilgenom men haben. Wenn also ein Kind die weltliche Schule besucht und dann konfirmiert sein will, so muß es nach weisen, daß es anderwärts geregelten Religionsunter richt erhalten hat. Auch den Wiedereintritt in die Kirche erschwert man verständigerweise.

Martin Luther ist an allem schuld. Mit nachstehenden Verunglimpfungen Luthers be

treibt dasKatholische Sonntagsblatt der Dibzese Breslau Nr. 22 in einemAufwertung überschriebe

nen Artikel den Totschlag des konfessionellen Friedens: Das Parlament hat kürzlich für eine Aufwertung, Stärkung der unchristlichen Anschauungen über die Ehe gesorgt. Es hat den§ 218 des Strafgesetzbuches be deutend gemildert. Nicht bloß auf Betreiben der sozia listischen und kommunistischen Abgeordneten, sondern auch mit Hilfe der Demokraten und Volksparteiler. Als ob die Parlamente Appellationsgerichte wären, an die man Berufung einlegen könnte gegen ganz bestimmte Gebote Gottes! Was hat doch der Mann angerichtet, der einst gesagt hat:Ich unterwerfe mich nicht dem Papst, ich lege Berufung ein an die Allgemeine Kirchen versammlung Und als ihm sein Unrecht unwider⸗ leglich klar gemacht wurde, soll er gesagt haben: Hier steh' ich, ich kann nicht ander. Da dachte er schon nicht mehr an die Kirchenversammlung. Sein eigenes Ur⸗ teil stand ihm höher. Er appellierte an sein eigenes Gewissen. Heute ist auch das schon überholt. Man appelliert an den Geldbeutel. Wohin aber würden wir kommen, wenn jeder so handeln wollte, alle Autorität ablehnen, bloß die Autorität seiner eigenen beschränkten Einsicht anerkennen wollte? Zur Anarchie, zum Bol

Nr. 32.

Kleine Nothri chten.

Leute, die Geld haben.

Man schreibt uns aus Mainz:Hier ist das hol ländische Hotel(Hotel hollandais) vom Freiburger Caritas-Verband angekauft worden. Vorläufig wird es als Hotel weitergeführt.

Die Papfstfahne.

Als die Teilnehmer am diesjährigen eucharistischen Kongreß nach Chikago fuhren, gab es am päpstlichen Hofe ein großes Kopfzerbrechen, unter welcher Fahne der Dampfer fahren sollte, der den päpstlichen Nuntius an Bord hatte. Der Papst hatte die Auswahl unter drei Flaggen. Die erste Möglichkeit ist die weiße Fahne mit den Bildern der Apostel Petrus und Paulus, einst die Flagge der römischen Flotte. Die zweite Möglich⸗ keit ist die weiß⸗-gelbe Fahne, die vom Jahre 1800 bis 1870 die Fahne der päpstlichen Armee war. Die dritte Möglichkeit schließlich ist die gelb-rote Flagge des Kir⸗ chenstaates, die bis 1870 als Abzeigen der weltlichen Macht des Vatikans galt.

Neichsschulgesetz im Herbst?

Aus guter Quelle will derSchwäbische Merkur vom 8. Juli 1926 erfahren haben, daß das Reichsmini⸗ sterium des Innern dem Reichstag sofort nach seinem Wiederzusammentritt im Herbst den Reichsschulgesetz⸗ entwurf vorlegen werde. Nachdem dieses heiße Eisen immer und immer wieder auf die lange Bank geschoben worden ist, glaubt man nicht eher an die Richtigkeit der Sache, bis man das berühmte Gesetz schwarz auf weiß vor sich liegen sieht.

Wieder eine deutsche evangelische Kirche in Paris.

Die während des Weltkrieges von den Franzosen beschlagnahmte deutsche evangelische Kirche in der Rue blanche in Paris ist jetzt nach langen Verhandlungen wieder zurückgegeben worden. Man benutzte sie wäh⸗ rend der Wegnahme zu Bürozwecken. Am 14. Juni hat die deutsche Botschaft die Kirche als Treuhänder zurück bekommen. Vom Inventar ist nichts mehr übrig. Un⸗ sicher ist noch die Besitzfrage. Der Verein, der früher Eigentümer war, besteht nicht mehr. Wahrscheinlich übernimmt der deutsche evangelische Kirchenausschuß die Pflege der nur kleinen Kirche.

*

Das erste Gymnasium mit sozialistischer Mehrheit.

DieRote Fahne vom 9. 6. 26 stellt mit Befrie⸗ digung fest:Bei der Wahl der Elternbeiräte am Kaiser⸗Friedrich-Real-OHymnasium in Berlin-Neukölln erhielt die bürgerliche Liste 8, die ListeKind in Not 2, die ListeSchulaufbau(SPD.) 9 Mandate. Die Mehrzahl der Bürgerlichen im Elternbeirat auf diesem Gymnasium ist damit gebrochen. Vor über zwei Mo⸗ naten bereits hat das Bezirksamt gemäß einem Beschluß der Bezirksverordneten die Ambenennung des Eymna⸗ siums als Karl⸗-Marx⸗Gymnasium beantragt. Es ist nunmehr die Aufgabe der Arbeitermehrheit des Eltern⸗ beirats, die schnellste dieses Beschlusses

das man so stolz war, sei es endgültig vorbei. Hier be⸗schewismus. zu verlangen. N W* a 2 eee U r Hans war in der Stadt eine vielbesprochene Persönlichkeit. Der lächelt ste unter einem e n 5 an; See⸗Was sind denn 905 5 wenn man agen darf?

geheimnisvolle Zauber des Abenteuerlichen, des dem Alltäglichen Entgegengesetzten, war um ihn. Er hatte den Entehrer seiner Schwester bestraft, er war der Rache der Zigeuner zum Opfer ge fallen, er hatte konvertiert werden sollen, hatte seine Herz⸗ allerliebste aufgegeben, um seinem Glauben treu zu bleiben, dazu war er ein Schützling des Landgrafen, Gründe genug, daß man sich um ihn kümmerte und seine Bekanntschaft suchte.

So war nun Hans alles wohlgeraten, und er saß in einem warmen, wohlbereiteten Nest, aber er saß allein.

Noch einmal, ehe er von Holzhausen wegging, hatte er sich zum Schultheißen begeben, um seine Bewerbung zu erneuern. Doch er hatte kaum etliche Worte gesprochen, da fuhr Peter Michel wie ein toller Hund auf ihn los und wies ihm,wo der Zimmermann ein Loch gelassen hätte.

Als Hans dies Abraham Privat erzählte, lachte dieser nur: Qui vivra, verra!

(Fortsetzung folgt.)

Alle eure Sorge...

Von W. Müller⸗Gordon.

Prokurist Seebach sitzt mit seiner Frau auf einer bequemen Bank in den Kuranlagen. Frau Seebach hat eine Handarbeit zwischen den Fingern, die sie plötzlich sinken läßt, um die Frage an ihren Mann zu richten:

Du, Alex, hattest du nicht vorhin Post?

Gewiß, wieder einen Brief von der Spinnerei. Aber denkst du, ich will mir wieder den Tag versauen? Ich hab' ihn noch nicht aufgemacht. Was drin steht, weiß ich ja sowieso. Sie wer den nicht fertig. Warum? Weil man sich auf keinen richtig verlassen kann.

Na, habe ich dir nicht gesagt, Alex, wir wollen noch acht Tage warten? Da hättest du doch verschiedene Sachen von selber erledigen können, womit sie dir jetzt den Kopf heiß machen.

Da hätten wir bis auf Weihnachten warten können, schreit Herr Seebach.Irgend einen Stein legt mir der Deiwel immer in den Weg, das bin ich nich anders gewöhnt.

Na, nun rege dich doch nicht auf, Alexchen; vielleicht telefonierst du heute Abend wieder mit Kleemann, dann wird schon alles richtig werden.

0Guten Morgen, die Herrschaften, sagte eine Stimme. Vielleicht wieder Obst gefällig? Ein altes Frauchen mit bepacktem,

freundliche

flachen Handkorb

haupt nicht das richtige Wort für.

bach blickte auf, stutzt einen Augenblick und brummt dann:

Hm. Nun sagen Sie mal, Sie altes Mutterchen, wie bringen Sie'n das eigentlich zu Wege, daß Sie egal vergnügt sind?

Na, das gehört sich doch so, kommt die Antwort ein wenig schalkhaft.

Gehört sich so? Hm...: S'gehört sich so! und fertig! Na, da können Sie am Ende recht haben. alt sind Sie denn, Mudderchen?

Nun, im Mai waren's 83 Jahre.

Drei undachzig? Waas s schon recht. Na, Alte, was meinste, nicht?

Mußt bloß vernünftig leben.

Vernünftig! Was versteht'n ihr Weibsleute von der Vernunft!

Frau Seebach zeigt auf die alte Frau und erwidert:

Na, da siehst du's ja.

Herr Seebach blickt sie auch an und sagte:

Ja, Ihre Sorgen möchte ich haben, Mudderchen.

Auch ihren Henkelkorb? fragt Frau Seebach.

Na ja, das ist es ja, das verfluchte Geschäft, was einen nicht alt werden läßt. Ist es Ihnen im Leben immer gut ge⸗ gangen, Mudderchen?

Ach sagte die alte Frau,wenn man den Mann und sechs Kinder verloren hat

O, wie traurig. Und nun stehen Sie ganz allein?

Einen Enkel habe ich noch.

Na, und sorgt der für Sie?

Er studiert noch. Und ihre Augen leuchten.

Na, wo kriega er'n das Geld dazu her?

Ich verd'enc es ihn.

Mit dem Henkelkörbchen?

Sie nickt Lustig

Punkt um Wie

Ja, dann haben Sie so hoch bringen wirs

Aber Mudderchen, sagt er voll ehrlicher Bewunderung. Sie sind ja ein Staatsmensch, ein, na, da weiß man ja über⸗ Haste's gehört, Alte? Na, da muß man sich ja schämen vor so einem unverzagten Mut. Wo kriegen Sie denn bloß den her, Mudderchen?

Die alte Frau blickt ihm frei ins Gesicht und erwidert:

Wenn ich Ihnen das sage, lachen Sie nur.

Wer, ich lachen? Ueber Sie? Na, da sollte mich doch gleich der Deiwel holen, wenn ich das fertig brächte!

Ich bin Prokurist. Das versteht sie nicht. Nun, ich will Ihnen das erklären. Das ist ein lateinisches Wörtchen und kommt her von cura, die Sorge. Und pro heißt: für. Also ich habe für andere zu sorgen, daß ihre Geschäfte ordentlich gehen.

Und Sie selber haben keinen Prokuristen?

Nein, so was gibt es nicht.

Das Mütterchen lächelt wieder so eigenartig.

Ich habe aber einen.

Nicht möglich, wer soll denn das sein?

Sie ist ganz ernst geworden.

Ich rede nicht gern darüber. Aber Ihnen will ich's sagen. Von meinem Prokuristen gilt das alte Wort: Alle Eure Sorgen werfet auf ihn, er sorgt für Euch! Sehn Sie, das mach' ich noch mit 83.

Seebachs Augen haben sich geweitet. die Hand hin und sagt:

Mudderchen, ich glaube Sie haben recht und ich gäb' was drum, wenn ich Ihnen schönen Gluben hätte. Aber vom Dis⸗ kutieren haben Sie auch nichts. Hm. Also den Bengel läßt sie studieren und sie puckelt sich mit dem Obstkorb. Na, nun wollen wir Ihnen richtig was abkaufen, daß es sich lohnt und der Student sich auch mal ordentlich besaufen kann.

Aber Alex!

Na ja, was ist denn dabei? Das einmal so gemacht.

Die alte Frau sagt bescheiden:

Mein Enkel raucht und trinkt nicht.

So? und was treibt er denn jetzt in den Ferien?

Er arbeitet bei einem Bauern.

Das ist die neue Jugend. Respekt! Pastor werden?

Nein, er studiert Medizin.

Haha, so! Nun, so'n tüchtigen jungen Mann möcht ich eigentlich ein bißchen unter die Arme greifen. Was meinen Sie, Mudderchen, ob wir ihm mit diesem 50 Markschein eine kleine Ermunterung verschaffen können? Also nehmen Sie man. Ach, von Dank keine Rede. Ich tue es ja nur sozusagen als Pro⸗ kurist im Auftrage Ihres Prokuristen.

Als die alte Frau gegangen ist, sagt Seebach:

Weißt, Alterchen, ich glaube die Luftveränderung bekommt doch ganz gut. Ich fühle mich schon wieder besser.

Ach gewiß, Alexchen, erwidert Frau Seebach, und dann die neue Prokura, die hilft auch mit.

Endlich streckt er ihr

haben wir doch auch

Da will er wohl mal

1 4 1 1 14

9 0

0 1