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Erscheint zunächst wöchentlich am Samstag. Bezugspreis: 50 Pfg. monatlich frei ins Haus. Für Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert. Schriftleitung: Edwin Hamburger in Staden(Oberh.)

Jahrgang.

2.

Auf unserer 1. Reichstagung in Gießen am 2. Juni v. Is. war beschlossen worden, daß die 2.

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Sonnabend, den 7. Auguft 102

ksgemeinschaft

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Nummer 32.

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An unfere Milglieder und Freunde!

Reichstagung im Herbst 1926 in Gelsenkirchen

stattfinden solle. Mit Rücksicht darauf, daß voraus sichtlich im Volksstaat Hessen im Herbst Landtagswahlen sind, daß wir im letzten Jahr nicht nur in

Hessen und Hessen⸗Naussau, sondern auch in fast allen Gegenden des änderung des obigen Beschlusses für 2

Sonntag, den 3. und Montag, d

Auf dieser Tagung spricht auch

Reichstagsabgeordneter Dr. Vest über das Velksbegehren

Wir bitten heute schon unsere Mitglieder und Freunde, sich für diesen Tag bereit zu halten und nach Möglichkeit für diese

für

Der 3. Oktober muß ein gewaltiges Bekenntnis zu unserer guten Sache werden. Näheres später.

Mit evangelischem Gruß

Reiches viele neue Mitglieder und Anhänger gewonnen haben, berufen wir in Ab⸗

en 4. Oktober 1926 die 2. Noitchstagung nath Frankfurt a. M.

eine gerechte Aufwertung.

2. Reichstagung zu werben.

Der engere Vorstand der Evangelischen Volksgemeinschaft:

Professor Niemann Gelsenkirchen,

Bürgermeister Völker Lich,

Pfarrer Weidner⸗Ober-Lais.

Die Arbeitslosigkeit steigt erneut an. Kurze Zeit schien es, als zeige die Kurve fallende Tendenz und schon wieder wendet sie sich nach oben. Wie lange und weit? Wer mag es vorauszusagen, wer vermag all das Elend auszudenken, das in der Millionenzahl der Arbeitslosen beschlossen liegt? Es wird immer deutlicher, daß wir einer Katastrophe gegenüberstehen, gegen die alle unsere Mittel kläglich zu versagen scheinen. Ist es eine Ge⸗ fundungskrise oder führt sie zum Tode? Auf jeden Fall ist es die Krise eines Systems, das als treibende Kraft den menschlichen Egoismus einsetzte und kultivierte, eines Systems, dessen letzte Konsequenz immer und überall die Katastrophe und Chaos ist. Dieser düstere Hintergrund der Weltwirtschaftskrise wirft seine Schat⸗ den auf alle politischen Ereignisse in Deutschland sowohl

als in England und noch mehr in Frankreich.

Erst von diesem Hintergrund aus kann auch das Ergebnis des Volksentscheids verstanden und gewürdigt werden. Die 14½ Millionen Ja⸗Stimmen reden eine harte Sprache. Wird diese Sprache verstanden? Wir fürchten, daß sie gerade in christlichen Kreisen nicht ver⸗ standen wird. Man konnte sehr harte Worte in aus⸗ gesprochen christlichen Blättern über die Ja⸗sager finden. Harte Worte über die niedrige Gesinnung, über den Sumpf des moralischen Niedergangs, der sich in der Ab⸗ stimmung offenbare. Ein sehr christliches Blatt hat nach dem strafenden Arm gerufen, der die zügellos gewordene Meute in ihre Schranken weise! Wir haben von An⸗ sang an eine klare, ablehnende Stellung l

Vorwürfe. Matthäus 23, 29.30.Weh euch Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr der Propheten Gräber bauet, und schmücket der Gerechten Gräber, und sprecht: Wären wir zu unserer Väter Zeiten ge⸗ wesen, so wollten wir nicht teilhaft sein mit ihnen

. an der Propheten Blut.

Die wuchtigste Rede, welche wir von unserem Herrn Jesus haben, ist seine Streitrede gegen die Pharisäer. Mit gewaltigen Worten zeichnet Jesus die Widersprüche und Fehler dieser selbst⸗ gerechten Musterfrommen. Hier ist Jesus nicht der weichliche, zarte Mann, sondern der gewltige Kämpfer für Reinheit und Wahrheit, der Sünde, Sünde nennt. Die Welt ist voller Heuchelei und Lüge. Wehe dem, der wie unser Herr Jesus die Wahrheit sagt. Den will man nicht. Ein solcher ist unbequem. Von dem sagen die Leute:Warum muß er sich auch um solche Dinge kümmern! Welch eine Feigheit liegt darin, wenn man die Wahrheit nicht vertragen kann. Aber nur durch die furcht⸗ lose Aufdeckung der Wahrheit können wir bessernd und fördernd unter den Menschen wirken.

Jesus hält in obiger Stelle den Pharisäeren eine Wahrheit vor, welche auch wir uns sagen lassen dürfen. Er erinnert daran, wie die Pharisäer den Phropheten schöne Grabdenkmäler setzen.

Aber die Propheten waren von den Juden ermordet worden, weil sie ihnen auch einmal die Wahrheit gesagt hatten. Jetzt stellen sich die Nachkommen himmelhoch über die Vorfahren und spre⸗ chen:Hätten wir damals gelebt, dann wären diese Morde an den Propheten nicht vorgekommen. Unsere Vorfahren waren gottlos, wir aber sind fromm. Jesus verurteilt mit harten Worten solche Rede. Gewaltig klingt gerade an dieser Stelle

sein Wort:Ihr Heuchler. Sie sind doch Kinder von denen, die die Propheten töteten. Er will sagen, sie hätten es gerade so

Ganz gewiß: Es war eine Anterströmung in dieser Be⸗

Augen zu sehen, erkennt darin ernste Sturmzeichen.

Volksentscheid eingenommen. And doch sind wir ent⸗ setzt über die harten Urteile bekannter christlicher Kreise.

Volksentscheids, die wohl untermenschlich

wegung des Wer Ohren hat zu hören und

genannt werden muß.

Aber das ist nicht alles und nicht das Schwerwiegendste. Wir hören aus diesen 14½ Millionen Stimmen noch viel mehr den gequälten Schrei der Enterbten, der in Not und Elend Versinkenden nach ausgleichender Ge⸗

tigkeit. Dieser Schrei darf nicht überhört werden. Er ist ein Menetekel, das weit über die Entschädigungs⸗ frage hinaus Bedeutung hat.

Wir hätten über die Stellungnahme führender christlicher Kreise am liebsten geschwiegen, wenn wir nicht sehr große Gefahren darin erkennen würden. Zum erstenmale haben die Kirchen und die Gemeinschafts⸗ kreise mit dem vollen Gewicht ihrer Autorität zu einer politischen Frage und zwar für eine bestimmte Ent⸗ scheidung Stellung genommen. Wir haben immer betont, daß es nötig sei, vom Standpunkt des christlichen Gewissens aus Stellung zu den brennenden Fragen des öffentlichen Lebens zu nehmen. Und wir hielten es auch in diesem Fall für eine dringende Pflicht führen⸗ der evangelischen Kreise, eine klare Stellung einzuneh⸗ men. Die Kirchenleitungen und die Führer der Ge⸗ meinschaften werden immer wieder vor die Notwendig⸗ keit gestellt werden, nicht nur in grundsätzlichen Er⸗ wägungen, sondern auch in praktischen Entscheidungen

sie nicht später den Heiland und Gottessohn an das Kreuz ge bracht? Sie haben damit das Maß ihrer Väter erfüllt.

Machen wir es aber nicht oft auch so, wie diese Pharisäer? Entrüsten wir uns nicht über die, die Johann Huß als einen Ketzer verbrannt haben? Erfüllt uns nicht dieser wahnsinnig grausame Unfug, alte Weiber als Hexen zu verbrennen, die armen Neger als Sklaven zu behandeln, einen Stephanus mit Steinen tot zu werfen, den unschuldigen Heiland an das Kreuz zu hängen, mit Abscheu und Ekel? Sind wir nicht bereit, auch in all diesen Fällen zu sagen:Wir hätten das nicht getan. Wir glauben, soweit fortgeschritten zu sein, daß wir nur das Rechte tun. Glaubten dies aber jene in der Vergangenheit nicht auch? Bildeten sich nicht auch die Hexenrichter, Inquisitoren und andere Bösewichter ein, sie wären Knechte Gottes? Sie wollten wirk lich nur das Rechte tun. Deshalb handelten sie so. Was werden nicht alles für Schandtaten getan aus keinem anderen Grunde als den, Gutes tun zu wollen. Kommende Geschlechter sehen erst das Schändliche solcher Handlungen. Das lebende Geschlecht tut es aus Begeisterung für das Gute.

Jesus wirft den Pharisäern ihre Vorwürfe gegen die Vor⸗ fahren vor. Diese sind unberechtigt. Diese Musterfrosamen in Juda sind genau dieselben, wie jene, die die lästigen Propheten töteten. Vorwürfe machen einem vergangenen Geschlecht ist bei Jesus nichts anderes als Heuchelei. Erst muß man beweisen, daß man wirklich anders ist. Jene Zeitgenossen Jesu sind schmäh⸗ lich mit ihren Vorwürfen hereingefallen. Die Kreuzigung Jesu zeigte deutlich, daß sie nicht besser waren, wie die Propheten⸗ töter.

Das wollen auch wir uns gesagt sein lassen. Jene Menschen, die Jesum in den Tod brachten, waren keine Uebeltäter und Halunken. Es waren vielmehr sehr geachtete Führer des Volkes, prominente Persönlichkeiten in Jerusalem. Es wacen Menschen, wie sie zu allen Zeiten leben. Aus heiligem Eifer für ihr reines

gemacht. Ja haben sie nicht noch viel schlimmeres getan? Haben

Judentum töteten sie Jesus, wie die Inquisitoren für die Rein⸗ * I

Stellung zu nehmen.

Sturmzeichen.

Werden sie dann mit dem ganzen Gewicht ihrer Autorität sich gegen die Alkoholnot, gegen die Ausnützung der wirtschafklich Schwachen und die Verelendung von Millionen von Volksgenossen ein⸗ setzen? Noch wagen wir zu hoffen. Aber es ist höchste Zeit, daß sich die verantwortlichen christlichen Kreise von allen soziologischen und parteipolitischen Bin⸗ dungen völlig frei machen! Bald könnte es zu spät sein! Auf der württembergischen Landeskirchenversammlung ist manches gute Wort besonders von dem Abgeord⸗ neten Reiff zur Fürstenenteignung gesprochen wor⸗ den. Gerade Reiff hat mit besonderer Betonung er⸗ klärt, daß es höchste Zeit sei für die verantwortlichen Stellen, eine auf Recht und Billigkeit ruhende Lösung zu suchen.

Leider ist nun diese Lösung bis heute noch nicht ge glückt. Der Reichstag hat kläglich versagt und nicht zum wenigsten die Sozialdemokratie. Dabei darf allerdings nicht verschwiegen werden, daß man die Sozialdemo⸗ kratie schon vorher durch ein Zollkompromiß der bürger⸗ lichen Parteien sehr verstimmt hatte. Die Sozial⸗ demokratie hoffte nun offenbar auf Auflösung des Reichstages und wünschte, mit einerzugkräftigen Parole in den Wahlkampf ziehen zu können. Wieder einmal haben parteitaktische Erwägungen über drin⸗ gende Staatsnotwendigkeiten gesiegt.

Wir wollen nicht verkennen, daß die Lage der Re⸗ gierung nach Ablehnung durch die Flügelparteien sehr schwierig geworden war. Wie soll nun überhaupt die Fürstenfrage gelöst werden? Es wäre dringend zu wünschen, daß noch in letzter Stunde ein annehmbarer Vergleich zwischen den Ländern und den Fürsten zu⸗ stande käme

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heit des römischen Christentums die Evangelischen verfolgten, marterten und in den Tod brachten. Es gibt zu allen Zeiten in der Menschheit Engherzigkeit, Unduldsamkeit, Selbstsucht und Lieblosigkeit. Die Sünde der Menschen ist immer dieselbe. So ist ja auch Jesus für die Sünde der Welt gestorben.

Das ist nun auch für uns eine herbe Wahrheit. Aber es ist eine Wahrheit. Wenn wir in vergangenen Zeiten gelebt hätten, dann hätten wir wie jene auch gedacht, hättenkreuzige ihn ge⸗ rufen, hätten unschuldige Frauen als Hexen verbrannt, wären mit schuldig geworden am Tode vieler Gerechter. Das ist nun einmal so. Da dürfen auch wir keine Heuchler sein und unseren Vorfahren Vorwürfe machen. Wir wären in ihren Zeiten auch nicht besser gewesen, als sie.

Daß dies wahr ist, das haben schon die Sänger unserer Passionslieder erkannt. Paul Gerhardt fragt:Wer hat dich so geschlagen, mein Heil, und dich mit Plagen so übel zugericht? Dann antworte er darauf im nächsten Verse:Ich, ich und meine Sünden die sich wie Körnlein finden des Sandes an dem Meer, die haben dir erreget das Elend, das sich schläget und deiner Martern ganzes Heer. Gewiß waren wir damals nicht dabei, als unser Herr Jesus verraten, verurteilt und an das Kreuz

geschlagen wurde. So haben wir uns nicht die Mitschuld aufge

laden. Aber eine andere Frage ist es, ob wir anders handeln würden, wenn wir Gelegenheit hätten. Denken wir nur daran, daß gerade sromms Kreise oft am schärfsten und schonungslosesten im Verurteilen ihrer Mitmenschen sind. Sie gleichen dadurch haarscharf den Pharisäern, von denen unser Herr in oben ange⸗ führter Stelle spricht.

Darum wollen wir die Vorwürfe gegen frühere Zeiten unter⸗ lassen. Seien wir ganz ehrlich und wahr gegen uns. Beurteilen wir mit Liebe und Nachsicht frühere und gegenwärtige Fehler. Es ist überaus traurig, was Menschen in ihrem Unverstand schon angerichtet haben und noch anrichten. Aber deute niemals auf die anderen, denn du bist nicht besser wie sie. Amen. Hr.

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