4 boden, den 6. November 1926.
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„Evangelische Warte“
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serrn Pfarrer Weidner, in sehr gründlicher und nicht sißzuverstehender Weise behandelt worden ist. 55 ben nur übersehen, Herr Berichterstatter, in Ihrer
u f. 85 8 5 88 1 siederschrift hierauf etwas näher einzugehen, was ja, ei enn man den Zweck Ihrer Zeilen in Berücktsichtigung
geht, nur verständlich ist. Und noch etwas haben Sie
15 rgessen, nämlich nichts Geringeres, als die Behand— 10 ung der sozialen Frage, die Herr Pfarrer Weidner 0 temperamentvoll und warmherzig vertreten hat. 10 galten Sie, Herr Berichterstatter, auf die Dauer unsere 5 bangelische Kirche für lebensfähig, wenn sie dieser 1 stennenden Frage, wie es leider früher so oft geschehen 1 f ausweicht, oder wenn sie ihr gegenüber eine laue 1 ktellung einnimmt? Haben Sie nichts von dem Puls⸗ 0 hlag gefühlt, den die Ausführungen des Herrn Pfar⸗ us ers Weidner bei diesem Punkt in der Versammlung des üsgelöst haben? Oder sind Sie etwa der Meinung Olle i i i i 1
aß auch dieses Kapitel bei der Deutschnationalen uus folkspartei am besten aufgehoben sei? Ich glaube, die ich, fasse der Arbeitnehmer, vorwiegend aber der Ar⸗ gel iter, wird Ihnen hierauf eine andere Antwort er⸗ m. ilen. Die Aeußerung aus der Versammlung, daß
ztöcker und andere in der sozialen Frage Fiasko er⸗ stten haben, entbindet unsere evangelische Kirche fineswegs davon, sich der sozialen Frage mit ganzem an krnst anzunehmen. Ist es uns von Herzen darum zu en, I die Massen der Arbeiter für unsere evangelische
sirche zurückzugewinnen, dann ganze Arbeit geleistet! * 1105 es gelingt unserer Kirche, jetzt oder niemals
len ehr in dieser so brennenden Frage eine entscheidende einge endung zum Bessern herbeizuführen. Eine große mal inzahl von Arbeitnehmergruppen, Beamte, Angestellte
ind Arbeiter ist es müde, sich weiter vor den Partei⸗ agen der bisherigen Parteien spannen zu lassen, die hre Stimmen, besonders bei Wahlen natürlich, wohl
gebrauchen können, die aber, sobald diese abgeschlossen
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in d, es vorziehen, in sozialen Dingen nichts mehr von ful ich hören zu lassen. Angesichts solcher Tatsachen sollte b tz überflüssig sein, ein Neues zu pflügen und den Ruf seih um Sammeln aller Evangelischen, denen es mit der een durchsetzung evangelischer und sozialer Belange in der
effentlichkeit Ernst ist, ertönen zu lassen. Die Zeit ist tif dazu. Zersplitterung soll das sein, entsprechend inem Einwurf der Gegner in der Versammlung. Im begenteil! Wir danken es den Männern, daß sie alles
9 die. das, was die Vertretung unserer evangelischen und tank. zialen Interessen in der Oeffentlichkeit betrifft, nicht Ie ehr den Konzessions⸗Schulzen aller Parteischattierun⸗ zun en überlassen wollen, sondern daß sie es auf sich nehmen, Aber 0 schwere Arbeit der Gründung einer rein evangeli⸗ bang hen Partei zu leisten. Daß wir als Protestanten nicht ug därteibildend wären und daß wir daher in allen Nar⸗
* anze Fragenkomplex durch den Referenten 5 Abends,
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Volkszählung 1925 gibt es in Stockheim 53 Katholiken. Es ist anzunehmen, daß diese Zahl in der Hauptsache von den auswärtigen Arbeitern der Gutshöfe gestellt wird. Wahrscheinlich ist dann also diese Kirche für die polnischen Landarbeiter bestimmt. Die anderen katholischen Bewohner der Umgebung haben bereits in Büdingen und Nidda Kirchen und einen Beetsaal in Hirzenhain(Kantinengebäude). Oder soll gar dieser Neubau eine Konvertitenfabrik geben? Das dürfte etwas gewagt sein in der Gegend, wo der Gedanke zur Gründung der Evangelischen Volksgemeinschaft ent— standen ist!
Aus unserer Bewegung.
Weisenau b. Mainz. Am Dienstag, den 19. Oktober, fand hier, abends 8 Uhr, im„Schwarzen Bären“ eine gut be⸗ suchte Mitgliederversammlung der Ortsgruppe Weisenau der Evangelischen Volksgemeinschaft statt. Nach kurzen Begrüßungs⸗ worten, die sich besonders an die Laubenheimer Freunde unse⸗ rer Sache, welche anwesend waren, richteten, berichteten verschie⸗ dene Herren des Vorstandes über die Vorträge der Frank⸗ furter Reichstagung. Die Versammlung verfolgte die Aus⸗ führungen mit großem Interesse. Der geschäftliche Teil, der sich u. a. mit der Beitragsfrage beschäftigte, führte ebenfalls zu wertvollen Anregungen. Als äußerer Erfolg des Abends kann gebucht werden, daß wieder Eintritte in die Ortsgruppe erfolgten, und daß sich die Untergruppe Laubenheim uns an⸗ geschlossen hat. Die Weisenauer Ortsgruppe zählt nun 85 Mit⸗ glieder, die Laubenheimer Gruppe 29, sodaß der erfreuliche Gesamtbestand von 114 Mitgliedern zu verzeichnen ist. In den nächsten Tagen ist mit weiteren Beitritten zu rechnen. Der Vorsitzende der Ortsgruppe, Herr Lehrer W. Greb, schloß mit Dankesworten um 11½ Uhr die angeregt verlaufene Versamm⸗ lung.
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Gedern. Am 22. Oktober fand hier die erste Versammlung der hiesigen Ortsgruppe der Evangelischen Volksgemeinschaft statt. Nach dem Bericht über die Reichstagung in Frankfurt a. M. fand die Wahl des Vorstandes statt. Als 1. Vorsitzender der Ortsgruppe wurde Apotheker Veesen meyer, 2. Vor⸗ sitzender und Geschäftsführer Lokomotivführer Ruste berg und als Beisitzer Schneidermeister Weitz gewählt. Von einer Erweiterung des Vorstandes sah man ab, da die Ortsgruppe sich erst in der Entwicklung befindet.
3——— r———57r Berichtigung.
Sehr gerne tun wir Herrn Dr. jur. Moegenburg den Gefallen und weisen auf seinen Wunsch noch besonders darauf hin, daß unser Bericht in Nr. 43 über seinen Vortrag:„Die Ziele der evangelischen Volksgemeinschaft“ nicht eine wörtliche Wiedergabe sein sollte. Vielmehr waren nur die Hauptge⸗ danken im Zusammenhang dargestellt. Leider sind dabei zwei
Ungenauigkeiten unterlaufen, welche wir hiermit richtig stellen: In Absatz 3 muß es heißen:„Ultramontanismus
ist ein System, das unter Verquickung von Politik und Reli⸗ gion politische Ziele mit religiösen Mitteln erstrebt, ein Sy⸗ stem, das mit Religion nichts zu tun hat, aber politisch, sozial und kulturell durchaus schädlich ist.“ Dieser Satz stimmt mit unserer Wiedergabe im Großen und Ganzen fast wörtlich über⸗ ein; zu streichen sind nur folgende Worte:„ein religiöses Ziel mit politischen Mitteln.“ Im letzten Absatz muß der zweit⸗ letzte Satz also lauten:„Wir haben die Pflicht, dafür zu sorgen, daß die Einmischung des Papstes in die Führung der Staats⸗ gewalt aufhört.“ Die Schriftleitung.
eien, eien vertreten sein müßten, ist eine alte Melodei. Wie denn ir bisher bei dieser Weise gefahren sind, haben wir N00 e Genüge erlebt, und die auf diesem Gebiet gesam⸗ eue zelten Erfahrungen genügen uns auch voll und ganz. e den Ist die im Werden begriffene neue Partei das, was sich übe beite Kreise unserer evangelischen Bevölkerung von wün Ir versprechen, dann ist sie für unsere evang. Sache ichn ine Lebensnotwendigkeit. Und sollten auch in unse⸗ din em Vaterland 100 Parteien existieren, dann fehlt eben u imer noch die Eine, die auf ihre Fahne geschrieben hat: u IUnentwegt evangelisch, treu deutsch und bewußt sozial! mel Und darum allen Gewalten zum Trotz: ichen„Es soll uns doch gelingen!“ Seyfried. am 5—— d dom Kampf um die Weltanschauung. 19 1 Katholische Kanzel und Protestantismus. Die Oktobernummer des Weisenauer Evang.„Ge⸗ ien eindeblattes“ berichtet: Mit schmerzlichem Bedauern gal- asen wir im„Katholischen Pfarrblatt für die Pfarrei hien Leisenau“ in einem Artikel über die in der katholischen ft firche abgehaltene„religiöse Woche“ den Satz, den er Redner dieser Woche ausgesprochen hat:„Nicht u„ iteimauerei, nicht Völkerbund, nicht Sozialismus, nicht fommunismus, nicht Protestantismus mit seinem ful Fubjektivismus(v. d. Schriftl. hervorgehoben) kann ba Füropa, kann uns erlösen, nur Christus allein und nur 1 urch seinen Tod am Kreuz.“ Das heißt: die evange⸗ del ische Kirche kennt Christus nicht und hat ihn nicht, vor 50, lem nicht den Gekreuzigten! Wir brauchen diesen 89% uchtbaren Vorwurf nicht weiter zurückzuweisen— er 1 l ufft uns ja nicht. Aber wir bedauern es sehr, daß eine ee glistliche Konfession auf diese Weise dem konfessio⸗ bh ellen Frieden unseres Ortes einen ganz empfindlichen 0 Floß versetzt hat. Laßt uns treu stehen zu unserem 5 kangelischen Glauben, laßt uns unsere Kirche lieb gaben, in der Gottes Gnadenströme geflossen sind und
mer fließen werden. Sehet zu, daß ihr Gottes Made nicht vergeblich empfanget, damit der große lig Gottes uns allen und unserer Gemeinde zu einem Icge des Heils werde!
(Hier fand wieder einmal ein Pfarrer, welcher
5 er Leiter des Gemeindeblattes ist, den Mut, einem , dnßlosen Anwurf von der katholischen Kanzel herunter, 1 gen man sich nicht scheute zu drucken, gegenüberzutreten. ac zt enger Jusammenschluß für uns Evangelische keine
f* 2 3 sotwendigkeit? Antwort und jedes weitere Kommen⸗
an, ee überflüssig!
1 flüssig!) 5
ö. 22. N—
190 Aus der„Hessischen Landeszeitung“. f uch Stockheim, 21. Okt. Um einen dringenden Wunsch
der hiesigen Katholiken zu erfüllen, wird zur Zeit hier eine
aldel 0 0 0 1 6 katholische Kirche erbaut. 16 000 Mark sind als 1 erste Bausumme vorgesehen und hat sich für die Auf⸗ 10 bringung dieser Summe vor allem die katholische Kirche Boh der Nachbarstadt Büdingen verdient gemacht. 3 66. Beim Durchlesen dieses Berichtes kann der Leser die⸗
6 Zeilen ein ganz falsches Bild bekommen. Nach der
Blitherbesprechung.
Weihnachten macht sich schon wieder bemerkbar. Die Ge⸗ schäfte rüsten sich bereits für den Weihnachsverkauf. Die El⸗ tern überlegen sich, wie sie die Kinder am Feste erfreuen kön⸗ nen. Ein schönes Buch, das die Kinder zur Beschäftigung an⸗ leitet, ist immer ein wertvolles Geschenk. Da möchte ich die Aufmerksamkeit der Eltern heute auf zwei im Quell-Ver⸗ lag der Ev. Gesellschaft in Stuttgart erschienenen Büchlein richten.
Krieg, Antonie, 30 Zeichenspiele. Neue Auflage. 21.—24. Tausend, geb. mit Leinwandrücken 1,20. Ferner: Krieg, Wenn Weihnachten ist. Sechs Weihnachtsaufführungen für große und kleine Leute in starkem Amschlag. Preis 0,70, bei 5 Stück 0,60„.(Aufführungsrecht bei Abnahme von 5 Stück.)
Im ersten Buche lernen die Kinder spielend unter der An⸗ leitung beigedruckter Verse die schwere Kunst des Zeichnens. Es muß für Kinder eine Freude sein, nach diesen gereimten Anweisungen Haus und Garten, Tisch und Stuhl, Gabel und Messer, ja sogar Vögel, Segelschiffe und Fische entstehen zu sehen.
Ueber das zweite Buch schreibt Therese Köstlin:„Diese bunt aneinander gereihten Weihnachtsbilder verraten ihre(der Verfasserin) künstlerische Gestaltungskraft, ihren gutgeschulten Formen- und Farbensinn.
Schöne alte und neue Weihnachtsweisen, wechselnd mit, ten und heiteren Versen, wie sie aus dem Verkehr mit Kin⸗
ud aus treuer, liebevoller Arbeit an ihnen und mit ihnen
stalten das Ganze zu einem lebenden Bilde, dem
zur Aufführung kommen und überall Weihnachtsfreude wecken wird.“ Wir können sowohl Schulen wie Elternhäusern diese Weihnachtsspiele empfehlen. Hr. Der Heimwanderer. Erzählung von Erwin Groß. 272Seiten. Brosch. 4,— 1, in Ganzleinen geb. 5,50„(Quell⸗ g Stuttgart). Ein zeitgeschichtlicher Roman großen Stils, n Mittelpunkt ein junger Offizier steht. Ein kerndeutsches Buch, das durch seine kraftvolle, fesselnde Sprache voll dichterischer Schönheit und gesundem Humor nicht nur eine Quelle des Ge⸗ nuf stellung aufs neue Liebe zu Volk und Vaterland gewinnen und Mut und Gottvertrauen finden läßt. Darum kann das Buch
auch warm empfohlen werden.
jetet, sondern auch durch seine nationale u. christliche Ein⸗
Auf der Parte.
Dauernd berichtet die Presse von den Verhandlungen zwischen Deutschland, die von dem deutschen Gesandten in Paris, von Hoesch, geführt werden, und Frankreich, das durch den Minister Briand vertreten wird. Der französische Minister darf auch den besten Willen haben, die Presse Poincarés sucht immer wieder die Verständi⸗ gung zwischen den beiden Ländern zu hintertreiben, in— dem sie einmal Amerika, das anderemal England gegen uns auszuspielen versucht. Der Geist friedlicher Ver⸗ ständigung scheint in unserem Nachbarlande noch nicht eingezogen zu sein.— Der Glaube an den guten Wil⸗ len wird bei uns noch mehr erschüttert, wenn wir dauernd von den Aeberfällen der Besatzungstruppen auf wehrlose Frauen lesen. Kaiserslautern und Ger⸗ mersheim sind von neuem die Mahnzeichen, unbedingt den Abzug der Besatzungstruppen zu fordern!— In Hessen ist als Abstimmungstag für den Volksentscheid über die Auflösung des Landtags der 5. Dezember fest⸗ gesetzt worden. Man hätte den Tag schon früher ge⸗ wählt, aber nach amtlicher Mitteilung hat man auf den Totensonntag(21. November) und den 1. Advent (28. November) Rücksicht genommen. Dies ist für uns Evangelische einmal eine erfreuliche Tatsache. Hoffent⸗ lich versteht sich die Regierung auch mit der Zeit dazu, die zahlreichen sonstigen Veranstaltungen an den Sonn⸗ tag⸗Vormittagen während des Gottesdienstes zu ver⸗ bieten.— Auf der Versammlung der Zentrumspartei in Friedberg ist die Aeußerung gefallen, das Landes⸗ amt für das Bildungswesen sei eine Gefahr für die Koalition. Was soll das bedeuten? Bekanntlich will die gegenwärtige Koalition(Zentrum, Demokraten und Sozialdemokraten) keine Auflösung des Landtages. Droht nun das Zentrum, auch für die Auflösung zu stimmen, womit diese gesichert wäre? Es könnte dann nur den Zweck haben, die beiden anderen Parteien zu ködern, ihm Zugeständnisse zu machen in bezug auf das Landesamt für das Bildungswesen, das für die Simul⸗ tanschule eintritt. Glaubt man jetzt den Zeitpunkt schon für gekommen? Hoffentlich geben die beiden an⸗ deren Parteien in dieser für uns Evangelische so wich⸗ tigen Frage nicht nach. ddectenddddadadddddcdendwendadidconddddancccded
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Im Familienkreis
F edbpbddoddanandddananddaanddddnanddansandcdadnddcdandddadcaddcdanddd Für Väter und Mütter.
Daß es eine Frau gegeben hat, die den Apostel Paulus, nachdem wohl seine eigene Mutter, von der wir nichts wissen, längst die Augen geschlossen, mit mütterlicher Liebe umgab, das sagt uns das letzte Kapitel des Römerbriefes. Ob ihr Heim in Jerusalem lag, ob in Cäsarea, wo Paulus so lange gefangen war, ob in einer der Städte Kleinasiens, die der Apostel besuch⸗ te, das wissen wir nicht. In der Zeit, da der Römerbrief ge⸗ schrieben wurde, war sie mit den vielen handeltreibenden Isra⸗ eliten, die man damals in Südeuropa traf, mit ihrem Sohn Rufus nach Rom übergesiedelt; da sucht sie des Apostels dank⸗ barer Blick, und als er selbst, ein Gefangener, die Hauptstadt der Welt betrat, wird sie wohl unter den Christen gewesen sein, die ihm da entgegenkamen.„Mutter, wie schön ist es, dich wieder⸗ zufinden! Du hast mich einst beherbergt und erquickt, hast mir Mut zugesprochen in schwerer Zeit, hast mir lieb und ernst ins Auge geschaut mit so innig verstehendem Blick, hast mich allezeit mit deinen Gebeten umgeben, und wenn ich auch nicht dein eige⸗ ner Sohn, nur deines Sohnes Freund war, so ist doch ein be⸗ sonderes Band der Liebe zwischen uns, das unser großer Meister geknüpft hat!“— Sie hatte ja ihre besondere Geschichte, diese israelitische Frau in Rom, und pflegte sie jungen Christen, de⸗ nen sie ihr Haus öffnete, im Abenddämmer zu erzählen, wenn die Herzen sich fanden und der große unsichtbare Meister spürbar nahe war. Dann redete sie gern von dem Manne, der am Char⸗ freitag vom Felde kam und den sie gezwungen hatten, Jesu Sein Kreuz nachzutragen. Simon von Kyrene war ihr eigener Gatte gewesen. Unwillig hatte er sich erst der Last gebeugt, aber als man sie ihm droben auf dem Hügel abnahm und Ihn annagelte, dessen Bürde er getragen, da war er stehen geblieben, unwider⸗ stehlich angezogen von der Hoheit, Liebe und Kraft des Dorn⸗ gekrönten. Solch eine Lichtgestalt hatte er noch nie gesehen. Alles andere vergessend blieb er unter dem Kreuz, bis Jesus den Todesschrei ausgestoßen, und seine ganze Seele stimmte ein in den Ausspruch des Hauptmannes: Dieser ist ein frommer Mensch, ist Gottes Sohn gewesen! Dann trat er an Pfingsten in die Gemeinde ein, und was ihm einst Zwang gewesen, sah er nun als höchste Gnade, als besonderen Ruhm an. Was Wun⸗ der, wenn sein liebes Weib, wenn später seine beiden Söhne Rufus und Alexander in die Gefolgschaft Jesu traten!
Mütterliche Frauen braucht auch unsere Zeit in Familie und Gemeinde. Möchtest du eine sein, du Frau im grauen Haar, deren Söhne und Töchter schon mitten im Leben stehen? Möch⸗ test du Aufgaben geistiger Mütterlichkeit in deinem Alter haben, wenn schon die Körperkräfte nachlassen und du oft versucht bist zu denken, du seiest zu nichts mehr nütze? Dann kommt vielleicht gerade die Zeit deiner besten Fruchtbarkeit. Es ist schön, als junge Frau ein Kindlein ans Herz zu drücken und es zu nähren mit eigenem Lebenssaft, schön, wenn die Schar der Kleinen sich mehrt und die Mutter ihre junge Herde mit freundlicher Hand leitet; aber am schönsten ist es doch, wenn sie eigenen u. befreun⸗ deten jungen erwachsenen Menschen Führerin zum Leben, geist⸗ liche Mutter sein darf. Nicht immer hat ein mächtiger Apostel, ein geistvoller Prediger, ein tiefsinniges Buch, eine Jünglingsseele für Christus gewonnen, viele bezeugen es: Meine Mutter, oder die Mutter meines Freundes, meine liebe dienstbereite Schwieger⸗ mutter hat mir es mit ihrem Vorbild, ihrem treuen Gebet, ih⸗ rem schlichten Wort des Zeugnisses angetan, ich mußte ihr fol⸗ gen, ich wurde durch sie ein Anderer. Die Ewigkeit leuchtete für mich in die Zeit hinein, in der stillen Stube, wo ich ver⸗ traute Gespräche mit ihr halte. Ihr altes Sofa, ihre kleine Küche ist die Stätte meiner Wiedergeburt. Gesegnet sei ihr An⸗ denken!
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