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Hauptschriftleiter: Edwin Hamburger in Staden(Oberhessen). Verantwortlich für Politik und Wirtschaft: Edwin Hamburger, für den Unterhaltungsteil: W. Greb in Weisenau bei Mainz. Für Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht g
arantiert.
2 Jahrgang.
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Die Homberger Synode von 1526.
Bezugspreis 50 Pfennig monatlich. Abonnements⸗ und Anzeigen⸗Annahmestelle, Druck und Verlag: Gießen, Südanlage 21. Postscheckkonto 8437 Frankfurt
Sonnabend, den
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1920.
Eine geschichtliche Betrachtung zum diesjährigen Neformationsfest. Von Studienrat F. Schönewolf. (Schluß.)
II. Lamberts Thesen und die„Homberger Kirchenordnung“.
Unsere Leser werden fragen: was enthalten denn nun jene mehrfach genannten Thesen Lamberts für neue, reformatorische Gedanken? Die wichtigsten der 158 Sätze, die der Geist Luthers und Zwinglis durch weht, sind folgende:
1. Alle Mißbräuche der Kirche sind zu reformieren, und zwar allein nach Gottes Wort.
2. Diese Reformation muß ausgehen von den Dienern des Wortes und von den Fürsten.
3. Die Entscheidung in Glaubenssachen steht allein der wahren Kirche, der Versammlung der Gläubigen,
zu.
4. Die Kirche ist die Versammlung derer, welche ein Geist, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott, ein Für⸗ sprecher und ein Wort vereinigt.
5. Alle wahrhaft gläubigen Menschen sind des Prie⸗ stertums und der Salbung Christi teilhaftig und bedürfen also keines anderen vermittelnden Prie⸗ stertums.
Die folgenden Abschnitte handeln vom Abendmahl, von der Messe, von der Bilderverehrung, von den Die⸗ nern der Kirche, vom„gottlosen Cölibat und vom heili⸗ gen Ehestande“, vom Fegfeuer, von der Taufe usw.
Dann heißt es weiter:
6. Gott ist nur nach seinem Wort durch Glauben, bet und Bekenntnis zu verehren.
7. Gott ist nur durch den einen Fürsprecher und Mitt⸗ ler Jesus Christus anzurufen; daher sind nicht Hei⸗ lige und Tote um ihre Fürbitte anzugehen.
8. Der Glaube ist nicht ein geschichtliches Fürwahr⸗ halten, sondern ein lebendiges Vertrauen auf Gott, durch welches wir gerecht werden, nicht durch Werke; der Glaube bringt die guten Werke von selbst her⸗ vor, macht aber von der Pflicht des Gehorsams gegen die Obrigkeit nicht frei, sondern treibt erst recht zur Erfüllung dieser Pflicht.
9. Da das Mönchswesen gegen die christliche Freiheit und das Sittengebot verstößt, soll die göttliche Ob⸗ rigkeit alle Klöster schließen und aus ihnen christ⸗ liche Schulen schaffen.
Die Synode nahm, abgesehen von den erwähnten Opponenten, die Sätze Lamberts stillschweigend an.
Die Homberger Reformationsordnung, in ihren Grundzügen ein Werk Lamberts, geht von dem Gedan⸗ ken aus, daß eine völlige Neubildung der Kirche, ohne
Vescheidenheit.
Galater 6,3. So sich jemand läßt dünken, er sei et⸗ was, so er doch nichts ist, der betrügt sich selbst.
Es ist eine wohl allgemein beobachtete Tatsache, daß nicht jeder Mensch uns in der Gesellschaft gefällt Die originelle Ver⸗ anlagung ist es nicht, welche abstößt. Gerade die Originale fal—⸗ len ja auf und werden meist umschwärmt. Manchmal ist es auch das interessante Aeußere, das einen Mann oder eine Frau so angenehm in Erscheinung treten läßt. Aber cbenso kann dies Aeußere dazu beitragen, daß man jemand nicht leiden kann. Was nun von dem äußeren Menschen gilt, das gilt noch vielmehr vom inneren. Für die Gestalt kann ja der Einzelne nichts. Aber für seine Tugenden oder Untugenden pflegt man jeden ver⸗ antwortlich zu machen.
Nun wollen wir heute nicht ganz allgemein von allen An⸗ tugenden sprechen. Ihre Zahl ist ja Legion. Die übelste der vielen Untugenden wollen wir ein wenig näher unter die Lupe nehmen, ich meine die Unbescheidenheit. Da kenne ich einen Mann, der hat bei Vereinen und Veranstaltungen nicht mit⸗ getan. Nur bei ganz vereinzelten Gelegenheiten war er dabei. Dann stand er allerdings an der Spitze. in vertrauter Stunde einmal die Not mit diesem Manne er— zählte, sagte mir dieser:„Weißt Du nicht, daß der nur mitmacht, wenn er die Anregung gab und an der Spitze steht?“ Nun war ich aufgeklärt. Eine kurze Ueberlegung ließ mich erlennen: Leider ist es so. Steht dieser unbescheidene Mann wohl allein da oder kennst Du, lieber Leser, auch einen oder den anderen 2
Es gibt Leute, die können jeden ihrer Mitmenschen ganz gründlich durch den Kakao ziehen. wenn man auch sie so ein wenig an ihre Fehler erinnert. Dann ist der Teufel sogleich los, dann fallen sie wiltend über den her, der es gewagt hat, diese heilige Person zu„verspotten“. Ist
Ge⸗
Anknüpfung an die geschichtliche Entwicklung, erforder⸗ lich sei: Zuerst soll überall im Lande das Evangelium eine Zeit lang verkündigt werden; danach werden in den einzelnen Gemeinden konstituierende Versammlungen abgehalten. Diejenigen, welche zur Kirche, zur Gemein— schaft der Heiligen, gerechnet werden wollen, müssen eine öffentliche Erklärung abgeben, ferner ihre Unter werfung unter die heilige Schrift und die Kirchenzucht versprechen. Unwürdige und Lasterhafte sollen von der Gemeinschaft ausgeschlossen werden. In den Ge⸗ meindeversammlungen, an denen auch Frauen, jedoch ohne zu reden, teilnehmen können, werden die Geist⸗ lichen,„Bischöfe“ genannt, sowie die Diakonen und Aeltesten gewählt. Die Aufgabe der„Bischöfe“ ist: Verwaltung von Wort und Sakrament, Seelsorge und Vorsitz in den Versammlungen. Zu Bischöfen können gewählt werden unbescholtene, gebildete Bürger ohne Unterschied des Berufes. Den Gemeinde-Diakonen liegt die Armenpflege ob; unterstützt werden nur ar⸗ beilswillige Arme und um des Glaubens willen Ver⸗ triebene. Die Aeltesten sind Vertrauensmänner der Gemeinde. Streng wird die Kirchenzucht gehandhabt: bei gewissen Vergehen spricht der„Bischof“ im Namen der Gemeinde die Exkommunikation aus.
Ueber der Gemeinde steht die alljährlich einzube— rufende Synode, die sich zusammensetzt aus den„Bi⸗ schöfen“, d. h. Pfarrern, einem Vertreter jeder Ge— meinde, den Fürsten, Grafen und Herren des Landes. Die Synode, die am 3. Sonntag nach Ostern in Mar⸗ burg zusammentritt, hat die Aufgabe, alle kirchlichen Angelegenheiten nach dem Worte Gottes zu entscheiden: dieses gilt als einziges Gesetz. Die Synode wählt einen Ausschuß von 13 Mitgliedern, die in der Zwischenzeit von einer Synode zur anderen die Geschäfte führen und vorläufige Verfügungen treffen, die nachher von der Synode genehmigt werden müssen. Ferner bestimmt die Synode aus ihrer Mitte 3 Visitatoren, die einmal jährlich alle hessischen Gemeinden besuchen, die ge⸗ wählten Geistlichen prüfen, würdige bestätigen, un⸗ würdige absetzen, auf die Beachtung des Wortes Got⸗ tes und die Ausführung der Synodalbeschlüsse hin⸗ wirken sollen.
Die Grundgedanken dieses Lambertschen Verfas⸗ sungsentwurfes kehren später in der Organisation der reformierten Kirche in Frankreich, Schottland und Amerika wieder. Dadurch, daß das Dasein, die Ent⸗ wicklung von Nordamerika auf ihnen beruht“, haben sie eine„unermeßliche, welthistorische Wichtigkeit.“
das nicht Unbescheidenheit, wenn man sich gerade zu für un⸗ fehlbar hält? Lieber Leser, kennst Du auch solche Leute 2 Frage Dich aber auch, ob Du nicht selbst so bist.
Kennst Du, lieber Leser, nicht auch solche, denen einfach
Als ich einem Freunde
Aber furchtbar werden sie,
nichts recht zu machen ist, selbst das, was in guter Absicht ge⸗ schah? Mag über andere geredet werden, was will, aber über sie kann nie gut genug geredet werden. Läßt man ihnen Ge— rechtigkeit widerfahren, dann sind sie konsterniert, lobt man sie, dann beschweren sie sich darüber, daß man versäumt hat, ihre Verdienste genügend hervorzuheben.
Und jetzt will ich noch eine Sorte Menschen anführen, deren Untugend in der Gesellschaft abstoßend wirkt. Ich meine die⸗ jenigen, denen alles, was andere leisten, nicht gefällt. Sie re⸗ den stets davon, daß sie das alles viel, viel besser machen wür— den. Wenn man aber eine wirkliche Tat oder eine Mitarbeit bei einer Veranstaltung von ihnen verlangt, daß sie Gelegenheit haben, es besser zu machen, dann haben sie keine Zeit, dann ge— fällt ihnen ihre Rolle nicht, die man ihnen zugedacht, dann haben sie diese oder jene Ausrede.
Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr“, so lautet ein geflügeltes Wort. Es scheint mir jedoch nicht ganz zu stimmen. Bei oberflächlichen Menschen kann es schon vorkommen, daß der Unbescheidene wegen seines großsprecherischen Wesens ein wenig die Oberhand gewinnt. Wer gewohnt ist, tiefer in den Menschen hinein zu schauen, der merkt bald, was los ist. Dann wendet er sich geärgert ab.„So sich jemand läßt dünken, er sei etwas, so er doch nichts ist, der betrügt sich selbst“, sagt der Apostel Paulus. Das ist auch ganz klar. Denn ein unbescheidener Mensch hofft durch seine Art und mit seinem Auf— treten zu Achtung und Ehre bei den anderen zu gelangen. Jedoch
sellschaft leinen größeren Störenfried als ein unbescheidenes, auf⸗ geblasenes Wesen. Störenfriede pflegt man sich aber bald zu entledigen. Wer will denn durch einen großsprecherischen, un⸗
a. M.
chen Volksgemeinschaft
dabei täuscht er sich schwer. Es gibt ja in der menschlichen Ge- er sagt in aller Bescheidenheit:
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Eine andere Frage war es jedoch, ob es möglich war, diese auf demokratischer Grundlage beruhende Verfassung in dem Deutschland des 16. Jahrhunderts einzuführen. Landgraf Philipp hatte selbst Zweifel und schickte deshalb den Entwurf zur Begutachtung an Luther. Dem großen Reformator widerstrebte eine Gesetzgebung ohne geschichtliche Grundlage: er riet ab. Der Landgraf befolgte den Rat Luthers, und so unter⸗ blieb die Durchführung der Homberger Kirchenordnung. Man schloß sich vielmehr in Hessen, wie in manchen anderen deutschen Ländern, bei der Neuordnung der kirchlichen Verhältnisse vielfach dem Vorbild der kur⸗ sächsischen Landeskirche an. So vollzog sich in den fol⸗ genden Jahren die Auflösung der Klöster und Stifte, deren Güter für Kirchen- und Schulzwecke verwendet wurden, sowie die Einführung der Reformation in ganz Hessen.——
„Die Homberger Synode war in ihrem Verlauf eine so starke Kundgebung der evangelischen Bewegung in Hessen, daß sie für die Geschichte der Reformation dieses Landes grundlegende Bedeutung erhalten hat.“
Volk sgemeinsthaft.
Die deutschnationale„Frankfurter Post“ rechnet in ihrer Nummer 282 vom 13. Oktober 1926 mit dem Reichskanzler Dr. Marx ab. In einem F. B. gezeich⸗ neten Artikel„Volksgemeinschaft, Rechenaufgabe oder Gesinnungsprobe?“ kritisiert sie die von dem Zentrums⸗ kanzler in Essen am Sonntag, den 10. Oktober 1926 ge⸗ haltene große Rede über die„Wege zur Volksgemein— schaft“. Die„Frankfurter Post“ erklärt die„Volksge⸗ meinschaft“ für eine Spezialität des Reichskanzlers, sozusagen für sein politisches Programm. Die„Große Koalition“, das politische Kuhhandelsgeschäft, sollte die„Volksgemeinschaft“ anbahnen. Das evangelische Volk hat nun auf Grund seiner Erfahrungen am eige⸗ nen Leib das größte Mißtrauen gegen eine solche „Volksgemeinschaft“. Nach einem Grundsatz, der der christlichen sozialen Weltanschauung in das Gesicht schlägt, nämlich nach dem mammonistischen, materiali⸗ stischen Grundsatz: do, ut des(ich gebe Dir, wenn Du mir gibst) sollen Posten und Pöstchen verschachert wer⸗ den, ohne Berücksichtigung der ebensfragen des Vol⸗ kes, besonders des evangelischen Volkes. Wenn die Deutsche Volkspartei zur Anbahnung der„Volksge⸗ meinschaft“ in die Regierung hineingelassen wird und, wie es für Preußen zu erwarten ist und im Reich in Aussicht steht, einige Ministersessel erhandelt, so muß sie dem Zentrum und somit Rom politische Konzessio⸗ nen machen, muß Rom in der Konkordatsfrage, in der Auslieferung der Schulen zur Reorganisierung im römischen Geiste freie Hand lassen. Das fällt ihr, deren Führer, soweit sie eine Rolle im politischen Parteihader spielen, wirtschaftlich, materialistisch,
bequemen Gesellschafter das gemütliche und einige Zusammen⸗ sein stören lassen?
Dem gegenüber ist der bescheidene Mensch gern gesehen. Das lehrt uns ja auch der Herr Jesus, wenn er zur Bescheiden⸗ heit in der Gesellschaft mahnt:„Wenn du geladen wirst, so gehe hin, und setze dich untenan, auf daß, wenn da kommt, der dich geladen hat, er spreche zu dir: Freund, rücke hinauf! Dann wirst du Ehre haben vor denen, die mit dir zu Tische sitzen. Denn wer sich selbst erhöhet, der soll erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedriget, der soll erhöhet werden“. Wie wahr hat hier Jesus gesprochen. Schon im Verkehr der Menschen unter einander ist der Bescheidene auch der angenehme Gesellschafter. Wer aber angenehm ist, der wird geehrt von den anderen.
Demnach kommt der Bescheidene doch zuletzt weiter, wie der Unbescheidene. Gewiß wird es eine Zeit dauern bis er erkannt ist. Aber besser ein wenig warten müssen und hinten stehen als durch Hochmut in die Höhe gekommen und dann wieder rasch aus allen Himmeln herabgestürzt sein. Wie beschämend und niederschmetternd ist solch ein Fall. Dadurch kann jemand zum Gespött der anderen werden.
Darum soll der Mensch nie selbst etwas aus sich machen. Viel wertvoller ist es für ihn, wenn er durch das Vertrauen seiner Mitmenschen in Ehrenstellen berufen wird. Dann sehen alle an ihm hinauf. Dann wird er geehrt und hoch geachtet. Dann betrügt er sich nicht selbst.
Ein Mann, der viel gearbeitet hat, der gewaltige Lasten auf sich nahm, der durch seine Tätigkeit so sehr hat leiden müssen, hat in der Schule seines Heilandes die Bescheidenheit gelernt. Paulus konnte sagen:„Ich habe viel mehr gearbeitet, denn sie alle“. Doch er sagt nicht:„Das ist mein Verdienst, mein Fleiß, meine Tüchtigkeit! Was bin ich so ein großer Apostel!“ Nein, „Ich bin der geringste unter allen Aposteln. Von Gottes Gnade bin ich, das ich bin.“ Folgen wir diesem guten Beispiel nach! Amen. Hr.
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