Lpangelische
organ der Evangelischen Volksgemeinschaft
geist Erscheint zunächst wöchentlich am Samstag. 1 zu Bezugspreis: 50 Pfg. monatlich frei ins Haus.
für Rücsendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert. 0 Schriftleitung: Edwin Hamburger in Staden(Oberh.) „—
5 U frei indes, ch he eres und visser Träger ar i und gung) agen
stischen einer „Aus Mund nquisi lange
Daz t und d nich n treu freien rippeß, talten Sinne ls Gel. e Weg t welt chsetze
res del len dil
lagende
agte hie, be eine
sion, un nslehte⸗
von de, zur Ki gesch
it. Si chüler 9e
„
N gart
ng spe- ten dle J für
stenlos slenberg
schaft
—
2. Jahrg
= 8 Christli
*
Vorbemerkung: Um jedes unnötige Mißverständnis, das so leicht bei komplizierten Fragen entsteht, und jede unnötige Entgegnung, die aus Mißverständnissen erwachsen könnte, auszuschalten, halte ich es für geboten, den fol—⸗ genden Ausführungen meiner Grundeinstellung und Grundabsicht vorauszuschicken:
1. Als evangelischer Christ freue ich mich, in der Frei⸗ heit evangelischen Christentums aufgewachsen und gereift zu sein.
2. Als evangelischer Christ leide ich unter der Ver⸗ feindung und Zerspaltung der Christenheit und bin ge⸗ halten, wo irgend ich die Möglichkeit habe, für die Ein⸗ heit und Einigkeit aller Christgläubigen einzutreten.
3. Mein Aufsatz hat den Zweck, für die bestehende badische Simultanschule zu kämpfen, deren Bestand nicht ohne Grund gefährdet erscheint, und gleichzeitig nord⸗ deutschen Glaubensgenossen Veranlassung zu geben, die Schulfragen auch von anderer Seite zu betrachten, umso mehr, als ich glaube, gerade vom religiösen, evangelium⸗ bedingten Standpunkt aus, unsere badische Simultanschule verteidigen zu müssen.
J. Als preußischer Lehrer würde ich, bei gleicher Grundeinstellung, mich zur evangelischen Schule halten, dabei aber mir bewußt sein und anderen bewußt machen, daß der Geist Christi zur Einheit strebt.
Es hat mich von früh auf— seit ich anfing zu per⸗ nlichkeitsbewußtem, denkendem Leben zu erwachen— immer tief bewegt, wenn ich sah, wie ernsthafte Christen⸗
nenschen in ihren Meinungen über die praktischen Fol⸗ gerungen aus Christi Geistesgesetz gar weit auseinander- ingen, ja oft einander giftig bekämpften. Dieses inner⸗ liche Bewegtwerden ging oft einem schmerzhaften Er⸗ schüttertwerden voraus. Ich meinte, alle, die Christus solgen, müßten unbedingt auch zu den gleichen prak⸗ ischen Folgerungen kommen. Diese Meinung ent⸗ pricht natürlich nicht den menschlichen Möglichkeiten, o wie sie jetzt gegeben erscheinen, und dennoch— dünkt mich— komme sie ein wenig dem Willen und der Ver⸗ eißung unseres himmlischen Königs nahe, der von der einen Herde unter einem Hirten“! sprach. Jedenfalls habe ich erkennen müssen, daß eine Einigung aller Ehristgläubigen auf bestimmte Formulierungen prak⸗ ischen Christentums heute mehr denn je schwierig er⸗ cheint. Umso mehr erwarte ich voll Verlangen die
in welcher sicher ganz klar und eindeutig die gesamten Lebenserscheinungen dem göttlichen Willen entsprechen werden. Bis dahin aber mache ich es mir und anderen zur Pflicht, der„eigenen Meinung gewiß“ zu sein und
Das neue Gebol.
Johannes 13, 31—35.
Zeröffenb“
Unser Evangelium erzählt uns eine überaus ernste und agreifende Stunde aus den letzten Lebenstagen des Heilandes. Sie gleicht der Stunde des Abschiednehmens eines Schwer⸗ ktanken, der eben auf sein Drängen von dem Arzt erfahren hat, wie es mit ihm steht, und der dann über das, was ihm das Nötigste dünkt mit den Seinen ernst und ruhig spricht. Jesus ist mit seinen Jüngern beim letzten Abendmahl. Er weiß, was kommt. Er denkt nicht daran, seine Schicksalsstunde hinaus⸗ zuschieben, nachdem er zu der Ueberzeugung gekommen ist, daß sein Lebenszweck, der Menschheit zu dienen, nur durch seinen steiwilligen Opfertod erfüllt werden kann, und spricht darum git innerer Ruhe zu Judas:„Was du tust, das tue bald.“ Als dieser hinausgegangen ist, redet Jesus mit seinen Jüngern n seinem bevorstehenden Tod, von dem Großen und Neuen, s durch seinen Opfertod in die Welt kommt, von dem Ver⸗ 1 ächtnis, das er beim Scheiden den Seinen hinterläßt. Und icht nur in unserem heutigen Evangelium, auch in den folgen⸗ den drei Kapiteln des Johannes preist er das größte dieses ines Vermächtnisses: Die neue durch ihn geoffenbarte Liebe als das Band der innigsten Gemeinschaft mit ihm auch nach kinem Tod. Durch Jesus Christus ist eine Liebe in die Welt 1 2 2 7 5 5 gekommen, die sich völlig für andere hingibt, die alles vergibt, die in wahrer Brüderlichkeit alle Menschen liebt. Diese Art on Liebe kannte man vor Jesus nicht. Darum darf Christus on dem neuen Gebot reden:„Ein neu Gebot gebe ich euch, aß ihr euch untereinander liebet, wie euch geliebet habe, auf saß auch ihr einander lieb habet. Dabei wird jedermann er⸗ knnen, daß ihr meine Jünger seid, so ihr Liebe untereinander abt.“— Liebe war auch schon vor Christus in der Welt. Ob⸗ vohl das Gesetz des Moses viel Strafen und Drohungen in sich shließt, so fehlt ihm doch das Gebot nicht: Du sollst deinen ächsten lieben wie dich selbst. Die Forderung der Liebe galt uch bei den Juden. Aber die Liebe, welche uns im Alten Testa⸗ ent entgegentritt, hat doch ein anderes Wesen wie die durch Fesus offenbarte. Der christliche Gedanke, daß wir in allen
geit der unumschränkten Königsherrschaft Jesu Christi,
Abonnements⸗ u. Anzeigen⸗Annahmestelle,
Druck und Verlag: Gießen, Südanlage 21.
Fernsprecher 1362.
.
Sonnabei
dd. den b.
r
Mü
2
andere Meinungen ernstlich und aus Liebe— nicht aus
Herablassung— zu prüfen. Unsere Erkenntnis ist doch Stückwerk. Nun wohl, so sei dir dessen bewußt, traue aber auch dem andern ein Stück⸗Werk zu.
Sind das Schulfragen? Schulfragen sind Gewis⸗ sensfragen. Und vor unserem Gewissen sollen sich alle Fragen entscheiden. Vor meinem Gewissen hat sich mir die Frage entschieden: Christliche Simultanschule oder evangelisch⸗katholische Konfessionsschule. Ich frage nichts danach, wieviele Leser meine Erkenntnisse für richtig erkennen. Nicht, ob die Wahrheit gehört wird, sondern daß sie gesagt wird— das ist der Anfang. Spreche ich die Wahrheit zu dieser wichtigen Frage? Immerhin erkenne ich, was ich hier schreibe, als wahr: nämlich die Tatsachen, die Erkenntnisse, die Folgerungen:—
Tatsachen. Tatsache ist, daß in Baden nach der Auffassung vieler die 50jährige Simultanschule sich be⸗ währt hat. Tatsache ist, daß die badische Simultan⸗ schule zur Zeit heftig bestürmt wird; man will sie zu Fall bringen. Tatsache ist, daß die katholische Kirche in Bekenntnisschulen besser ihr Ziel erreicht als in simul⸗ tanen— ihr Ziel. Tatsache ist, daß weite evangelische Kreise zu neuem Selbstbewußtsein ihrer religiösen Be⸗ kenntnisform gelangt sind und nun streng evangelische Schulen fordern. Tatsache ist, daß eine starke Strömung in unserm Volk zur weltlichen Schule drängt.
Auch das sind Tatsachen, daß die große Menge der Menschen der Führung bedarf, daß sie selber klarer Ur⸗ teile oft nicht fähig ist, daß sie heute„Hosianna“ und morgen„Kreuzigt ihn!“ schreit. Tatsache ist, daß Volksmeinungen gemacht werden. Wie heißt es von jenem Volksentscheid, der Jesus zum Tode brachte, im Markusevangelium?„Aber die Hohenpriester wiegelten das Volk auf“ und bei Matthäus?:„Die Aeltesten, d. h. die Gescheiten, die Führer des Volks, überredeten die Menge, daß sie den Barabbas begehrten.“ So war's vorher, so ist's seither gewesen, so ist's noch jetzt. Volks⸗ entscheide, auch Entschließungen von Elternverbänden, sind Demagogenerzeugnisse—im guten wie im schlechten Sinn. Das ist nun einmal die Ordnung der menschlichen Gesellschaft: Führer führen Geführte.
Weitere Tatsachen sind: Von den etwa achttausend badischen Lehrern dürfte, milde gesprochen, nur der kleinere Teil im persönlichen, gewollten Abhängigkeits⸗ verhältnis zu dem lebendigen Gott stehen. Es kann nicht geleugnet werden, daß viele Lehrer Formchristen, Milieuchristen sind, also keine„neuen Kreaturen“ im
Menschen Gottes Kinder und darum Brüder sehen, war dem Volk Israel fremd. Man liebte die Familienangehörigen, die Stammesgenossen, die Volksgenossen. Das war wohl in allen Völkern vor Christus so, auch wohl im jüdischen Volk. Anders, ganz anders war die Liebe Jesu Christi: Seine Liebe fragt nicht nach Blutsverwandtschaft, nicht nach Geschlecht und Volk; er will allen Bruder sein, allen helfen, dienen. Seine Liebe will nichts für sich, sie will nur das Heil der anderen. Er hat nicht nur die Kinder um sich gesammelt, sie geherzt und gesegnet; nicht bloß die Armen und Kranken, Mühseligen und Beladenen haben die Macht seiner Liebe erfahren, er hat ein Herz gehabt für alles, was Schmerz und Leid, Not und Elend heißt. Der Bei⸗ spiele hierfür gibt es ja so unzählige in seinem Leben. Und gerade da, wo sich Jesus als Sünderfreund zeigt, wo der Heilige und Reine die verworfensten Sünder aufsucht, bewundern wir ihn am meisten in seiner großen Menschenliebe.— Beherrscht, liebe Freunde, diese Liebe Jesu Christi das private und öffent⸗ liche Leben der Christen? Beherrscht sie unser Leben? Ist diese Liebe maßgebend für den Verkehr der Christen untereinander? Lieben wir Christen uns einander so, wie Christus geliebt hat? Ja, wo ist die große Christusliebe, wo die Befolgung des Wor⸗ tes: Liebet euch untereinander, wie ich euch geliebt habe? Be⸗ schämt müssen wir bekennen: Die Christusliebe ist selten, sehr selten in der Welt der Gegenwart. In der alten Zeit wies man auf die Christen und sagte: Sehet, wie sie einander so lieb haben. In unseren Tagen könnte es heißen: Sehet, wie sich die christlichen Brüder zanken, wie sie untereinander zerspalten sind, wie sie sich zerfleischen. Die Welt ist darum so weit vom Christentum abgekommen, weil so wenig Christenliebe in den Christen waltet. Man nennt sich Christ, betätigt sich aber nicht als Ehrist. Man redet vom Christentum, aber man übt es nicht. Liebe Leser! Das ist doch das Kennzeichen der Gemeinschaft mit Christus, daß die Bruderliebe aus ihr fließt. So klar und offen⸗ kundig soll die Bruderliebe, das Liebesleben der Christen sein, daß jedermann die Jünger Christi daran erkennen kann:„Dabei wird jedermann erkennen, daß ihr meine Jünger seid, so ihr Liebe untereinander habt.“ Das Wort:„Liebet euch unter⸗
einander“, ist ein Gebot des Heilandes aus seinen letzten Lebens⸗
Postscheckkonto 8437 Frankfurt⸗M.
die Höhenluft, in welcher die arg schwindsüchtig gewor-
Anzeigenpreise: die 30mm breite Kleinzeile auswärts 24 Pfg., am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg., Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholungen Vergünstigung.
10.
N
paulinischen Sinn, die ihre heiligen, verantwort⸗ tungsreichen Berufsaufgaben auf Gebetshänden tragen und Tag für Tag dürfen nach der Fülle der Liebe Christi,— ohne die alle Erziehungsarbeit einläuft in ein totes Geleise.
Tatsache ist aber auch, daß die badische Simultan⸗ schule keineswegs eine weltliche Schule genannt werden darf, daß die badische Simultanschule bei weitem kein charakterloses Mischmasch konfessioneller Koalitions⸗ arbeit darstellt. Es ist Tatsache, daß die badischen Schulen Lesebücher besitzen, die mit gutem Gewissen als christliche Bücher zu bezeichnen sind, daß der Reli⸗ gionsunterricht mit drei Stunden in der Woche bei 16 Stunden in unteren Schuljahren gut bedacht ist.
Ich habe noch nie gehört, daß Baden gottlosere Menschen beherbergt als andere Länder deutscher Zunge. Es ist Tatsache, daß ein Kind der Volksschule sich aller⸗ höchstens sechs Stunden am Tag in der Schule befindet; 18 bis 20 Stunden ist es allen möglichen, vielfach ent⸗ gegengesetzten Einflüssen ausgesetzt.
Und, ihr eifrigen Verteidiger der Bekenntnisschule, es ist Tatsache, daß Christus das Wort gesprochen hat: „Heil den Friedensstiftern!“
Erkenntnisse. Neben den beiden alle Völker um⸗ strickenden Weltmächten des Goldes und der Gesetz— losigkeit(Bolschewismus) erhebt sich in den Tagen, in denen zu leben, unser Schicksal ist, eine dritte— die römisch⸗katholische Weltmacht mit neuer rücksichtsloser Gewalt. Ich spreche hier nicht von der religiös⸗dogma⸗ tischen Seite des Katholizismus, sondern von dem poli⸗ tisch⸗weltlichen Herrschastswillen der römischen Kirche. Von der Wirklichkeit eines solchen Willens kann sich jeder, der mit offenen Augen und nicht verschlafenem Gehirn durch die Zeit geht, mannigfach überzeugen. Diese Wirklichkeit ist deswegen so furchtbar, so gefähr⸗ lich, weil sie verbunden worden ist mit den geheilig⸗ testen Gütern, die Christus aus Gottes Welt in die Menschen Welt gebracht hat. Die politische katholische Kirche ist es, die heute mit allen Mitteln Verfügungs⸗ recht an sich reißen will über die Schule. Ihr Ziel schreibt ihr diesen Weg vor. Zweifellos ist die katho⸗ lische Bekenntnisschule ein besserer, geraderer Weg zum katholischen Herrschaftsziel als die evangelisch— katholische Gemeinschaftsschule! Zweifellos! Aber— ist das auch Christi Weg und Christi Ziel?—
Doktor Martin Luthers Tat war gewissermaßen
tagen. Seine folgung und Erfüllung muß uns darum be⸗ sonders am Herzen liegen. Jesus fordert mit allem Ernst und Nachdruck, daß wir, seine Jünger, ihm, dem Meister, nachfolgen, ihn für unsere Lebensführung uns zum Vorbild nehmen. Er hat uns darum geliebt, auf daß wir uns ebenso lieben sollten. Ver⸗ gessen wir doch nicht, was sich daraus für die Menschheit er⸗ gibt. Wir Menschen sind nur dazu da, um uns zu lieben. Das gilt nicht nur für den engsten Kreis, auch nicht nur für die ver⸗ schiedenen Klassen im einzelnen Volk, das gilt auch und gerade für die einzelnen Völker untereinander, insbesondere für die christlichen Völker. Die Brüderlichkeit, die allumfassende Men⸗ schenliebe, gehört mit zu den allerersten Forderungen der christ⸗ lichen Kirche. Sie ist ein Kleinod edelster Art. Und darum ist es aller wahren Christen Pflicht und heiligste Aufgabe, treue Hüter der echten christlichen Brüderlichkeit zu sein, dahin zu wirken und dafür zu arbeiten, daß die Menschen— auch die einzelnen Völker— sich nicht hassen, sich nicht bekriegen, son⸗ dern sich lieben, sich friedlich vertragen. Soll der furchtbarste Krieg, den die Weltgeschichte kennt, spurlos am Gewissen der christlichen Völker vorbeigegangen sein? Sollten wirklich die christlichen Völker der Erde aus dem schrecklichen Krieg, der so⸗ viel Opfer an Gut und Blut gefordert, der der Missionsarbeit unter den nichtchristlichen Völkern die schwersten Wunden ge—⸗ schlagen hat, der klar gezeigt hat, daß Kriege Schlammbäder, keine Stahlbäder sind, nichts gelernt haben? Liebe Leser! Christen glauben und hoffen; wir wollen darum glauben und hoffen, daß nach dem hinter uns liegenden Krieg eine neue Entwicklung der Menschheit beginnt, daß der Tag der großen Christusliebe auch für die Völker kommt. Er wird kommen, wenn unter den christlichen Völkern genug Menschen da sind, die der Liebe Jesu Christi die Treue halten, die lieben, wie Jesus Christus geliebt hat. Allein auf dem Boden dieser Liebe ich wahre Brüderlichkeit in der Welt möglich. Allen Bruder sein! Allen helfen, dienen! Ist, seit er erschienen Ziel allein! Amen. *
W.


