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nal fühlenden deutschen Männer und Frauen sich zusammen⸗

Sonnabend, den 6. Februar 1926. sr

Evangelische Warte

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als sei das Judasland von 1914 und das Faschistenland von 1925 noch immer der Bundesgenosse von 1913. DieTägliche Rund schau, Stresemanns Organ, gab ja kürzlich erst bekannt, daß 1925 nicht weniger als 186 000 Deutsche vergnügungs- und er⸗ holungshalber nach Italien gereist seien und volle 646 Millionen Lire aus unserem ausgepowerten Vaterlande verschleppt und den Katzelmachern in den Rachen geworfen hätten! Muß das wirklich sein? Muß es auch sein, daß, wie der Abg. Hölscher auf Grund eignen Erlebens mitteilte, deutsche Raffkes und Neureichs in Meran und Bozen und sonstwo in Deutsch-Tirol die Einge borenen auf italienisch anreden,da sie ja doch nun in Italien seien? Ist es auch nötig, daß in einer Zeit, da die deutsche Sprache in Tirol für vogelfrei erklärt, aus den Kirchen, Schulen und Gerichten verbannt wird, und mancher Deutsche, nur weil er deutsch sprach, ins Gefängnis gesteckt wird, unter Führung Berlins eine wahre Seuche in bezug auf Pflege italie nischer Stücke, italienischer Musik usw. ausgebrochen ist? Wäh⸗ rend auf den Theatern in Südtirol kein deutsches Wort mehr erklingen darf, alle deutschen Zeitungen totgemacht werden, das Singen vieler deutscher Volkslieder unter schwere Strafe gestellt ist, erzielen in Deutschland die ziemlich kümmerlichen Geistes⸗ produkte eines Pirandello Aufführungsrekorde, vielfach sogar mit italienischen Künstlern und in italienischer Sprache, die Opern eines Puccini, Malipiero usw. beherrschen den Spielplan und die Konzertprogramms, italienische Sportleute werden ein⸗ geladen und gefeiert usw. Welche geradezu klägliche Würde⸗ losigkeit liegt darin!

Es scheint höchste, allerhöchste Zeit zu sein, daß alle natio⸗

schließen und alles, aber auch alles Italienische rücksichtslos⸗ und ausnahmslos boykottieren, solange die Kulturschande in Süd⸗ tirol nicht endgültig der Vergangenheit angehört. Wir können unseren gelnechteten Brüdern in Südtirol helfen, und jeder Deutsche sollte sich eine Ehre daraus machen, das seinige dazu zu tun! Im Jahre 1926 darf ohne triftigste Gründe kein anständiger Deutscher über Südtirol hinaus nach Italien reisen: wenn die Zahl der deutschen Touristen binnen Jahresfrist von 186 000 auf 10 000 oder noch weniger zusammenschrumpft, so wird man ja wohl hellhörig werden und andere Saiten aufziehen. Und wenn jedem Deutschen, der renommierend erzählt, er sei in Italien gewesen, zu verstehen gegeben wird, daß dies unter den obwaltenden Umständen anrüchig sei und daß er sich in anstän⸗ diger nationaler Gesellschaft eigentlich nicht sehen lassen dürfte, so wird gleichfalls die rasche erzieherische Wirkung nicht aus⸗ bleiben. Darüber hinaus sollten sich in allen größeren deutschen Städten eigene Organisationen bilden, die kräftig für den Boy⸗ kott gegen alles Italienische werben: für Meidung italienischer Geschäfte, Bezug spanischer statt italienischer Apfelsinen, Ent⸗ lassung italienischer Arbeiter und Angestellter, Meidung jedes gesellschaftlichen Verkehrs mit Italienern, grundsätzlichen Ver⸗ zicht auf alle tantiemepflichtigen italienischen Theaterstücke, Opern, Filme, Künstler und Sportleute und Boykottierung aller Theater, Kinos, Sportveranstaltungen, die gegen diesen Grund satz verstoßen!

Ehe wir die Italiener nicht am Geldbeutel packen, werden sie in ihrer Behandlung der deutschen Minderheiten e andere Saiten aufziehen. Aber das ist die Stelle, wo sie sterblich

sind. Wenn der Wirtschaftsboykott in Indien, China, Samoa und anderswo ganz erstaunliche Erfolge gegen politische Ver⸗ gewaltigung erzielt hat, wird dasselbe um so leichter gegenüber Italienern möglich sein, die 1914 hinreichend bewiesen haben, daß Gewissen, Ehre und Portemonnaie für sie Begriffe sind, die mehr oder weniger identisch sind. Hier hake ein jeder ein dann können und werden wir demdeutschen Finnland Er⸗ lösung von seinen Leiden bringen! Also werbe ein jeder in Zeitungen, Versammlungen, Vorträgen für den Boykott alles Italienischen, dafür, daß alle Italiener in Deutschland wirt schaftlich und gesellschaftlich vor die Tür gesetzt werden und ihnen dabei zu verstehen gegeben wird: Das ist die Antwort für Deutsch⸗Südtirol!!, das nur deswegen Italien zugesprochen worden ist, weil Wilson, wie er in seinen Lebenserinnerungen später selbst mit dem Ausdruck tiefsten Bedauerns zugegeben hat, den Brenner als Grenze Italien zugesagt hat,bevor der Präsident die Tiroler Frage studiert hatte!

Was muß ich von oͤer Tuberkulose wissen?

Wissen mußt du, lieber Leser, zunächst und für alle Zeiten, daß jeder, der sagt:Tuberkulose? Das geht mich doch nichts an sich das Zeugnis der Unwissenheit ausstellt. Denn die Tuberkulose ist die allerverbreiteste Volkskrankheit; es gibt in unseren Kulturvölkern keine Familie, in der sie nicht vor⸗ gekommen wäre. Es gibt, besonders in den Städten fast keinen Menschen, der beim Austritte aus dem Kindesalter nicht von ihr angesteckt wäre. Wenn du sagst:Davon weiß ich nichts, davon merkt man doch nichts so glaube ich Dir das. Denn die Tuberkulose istdie Krankheit der Unwissenheit. Ihre Ge fährlichkeit beruht gerade auf ihrer Heimlichtuerei. Sie ist an steckend, aber sie unterscheidet sich von den bekannten anstecken den Krankheiten, wie Scharlach, Diphterie, Typhus usw. dadurch, daß sie den Angesteckten nicht gleich krank macht, sondern erst nach Jahren. Sie unterscheidet sich von ihnen dadurch, daß die Ansteckung nicht irgendwann einmal stattfindet, sondern bei unzähligen Menschen täglich. Die Ansteckung geht aus von lungenkranken Menschen, die ohne jede Vorsichtsmaßregel hu sten und ausspucken, von eiternden Drüsen und Knochenfraß⸗ wunden, auch anderen tuberkulös erkrankten Körperteilen. Selbst von Tieren, die anPerlsucht erkrankt sind, kann sie auf den Menschen übergehen.

Du siehst schon, lieber Leser, daß sie an allen möglichen Körperteilen vorkommen kann und Du wirst wahrscheinlich ir⸗ gend jemanden, oder vielleicht viele gekannt haben oder kennen, von denen Du jetzt weißt, also das war oder ist Tuberkulose.

In unserem kleinen Hessenlande sind im Jahre 1921, 2064 Menschen an Tuberkulose gestorben, im Jahre 1922, 2017, im Jahre 1923, 1980, im Jahre 1924, 1626, das sind viel mehr, als an allen anderen ansteckenden Krankheiten zusammen gestor ben sind. Du siehst also, daß die Tuberkulose keine harmlose Krankheit ist, sondern den Menschen nach dem Leben trachtet, allen Menschen muß man's sagen, denn alle sind angesteckt und Unzählige werden jeden Tag von irgend einem ahnungs⸗ losen Kranken mit sorglos verstreuten Krankheitskeimen(Ba⸗ zillen) neu angesteckt. Daher kommt die große Sterblichkeit. Was hierbei sonders zu beklagen ist, das ist die Heimtücke der Tuberkulose, die dem Befallenen gar nicht das Gefühl des

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Krankseins macht, die den Betroffenen nicht in wenigen Tagen oder Wochen um's Leben bringt, sondern erst in 4 oder 5 Jahren.

Wer dieseGalgenfrist benutzt, um sich gegen die Krankheit mit aller Kraft, mit Wissen und Gewissenhaftigkeit zu wehren, der kann verhältnismäßig leicht dem frühen Tode entgehen. Einem frühen Tode sage ich mit Absicht. Denn das ist gerade das Furchtbare an der Tuberkulose, daß sie die Menschen in der Blüte des Lebens dahinrafft. Anendliches Leid bringt sie so über elternlos gewordene Kinder, über Eltern, die ihre Lieb linge im schönsten Lebensalter ins Grab betten müssen. Un⸗ endliche Summen Geldes kostet der jahrelange Kampf um Er⸗ haltung des bedrohten Leben, unendliche Summen muß Ge meinde und Staat für Armenlasten ausgeben.

Höre noch eine Lehre derStatistik, das ist die Zählung der Verstorbenen. Immer wieder ergibt sich daraus, daß das

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weibliche Geschlecht der Tuberkulose weniger Widerstand entge- fit gensätz kann, als das ännliche. Wenn man feststellt, wie viel Männer und wie viel Mädchen und Frauen im jugendlichen Al- 2

ter zu Grabe getragen werden, so sind es meistens etwas mehr 9 Männer als Frauen; wenn man aber feststellt, wie viele von 80 diesen an der Lungentuberkulose zu deutsch Schwindsucht gestorben sind, so findet man viel mehr weibliche dabei; ja in manchen Jahren sind es dopelt so viel weibliche Opfer als ein

männliche. Ueberdenke Dir das einmal. 10 Was kann da die Ursache sein? Ist das weibliche Ge 1 schlecht wirklich das schwächere? Ach nein. Die Sache liegt

so, daß jeder durch schädliche Gewohnheiten der Tuberkulose in die Hand arbeitet. Und die Frauen machen bei uns noch mehr Fehler in gesundheitlicher Hinsicht, als die Männer. Alles, was den Körper schwächt und seine natürliche Widerstandskraft herabsetzt, begünstigt den Ausbruch, beschleunigt den Verlauf und behindert die Heilung der Tuberkulose. Den Ausbruch könnte, fal man verhüten, wenn keiner mehr ohne Vorsichtsmaßregeln husten b oder ausspucken wollte. Das wäre doch kinderleicht. Aber auf ein geklärt und gewissenhaft sind in diesem Punkte die wenigsten hal Menschen. he Wer läßt seine Taschenuhr beim Grobschmied reparieren? N Gewiß keiner. Aber mit seinem einzigen wahren Gute, der Ge- Die sundheit, geht er zum Kurpfuscher, oder er sucht sich mit einem Kal Tee zu helfen, der im Kasseler Sonntagsblatt oder im Krieger bot kalender angezeigt ist. Die heutigen Aerzte verstehen die Krank I heit früh zu erkennen, sie verfügen auch über eine große Zahl au nützlicher Mittel; aber was dem einen nützt, ist darum noch nicht die gut für den anderen. Deshalb muß jede verdächtige Schwäche. Ni erscheinung jeden Vernünftigen zu einem wissenschaftlich gebil⸗ ein deten Arzte treiben. Und er muß dem Arzte folgen und nicht der auf den gemeinen Schwindel hereinfallen, der sich in unzähligen ihn Zeitungsbeilagen in frechster Weise den Menschen aufdrängt. Wahre Aufklärung über die Tuberkulose wird im Laufe gen der nächsten Wochen in mehreren Orten des Kreises Gießen durch ei Lichtbildervorträge geboten werden. Da darf keiner fehlen, der ag für sich und seine Familie die Kenntnisse gewinnen will, wie ei man die Tuberkulose vermeidet, wie man ihr aber auch vor- geh beugt, wie man ihr aber auch Vorschub leistet. Jedermann pt ist bedroht; die wahrhaft Aufgeklärten werden da sein und fiel bei scharfer Aufmerksamkeit einen wertvollen Schatz von Kennt- 0 nissen mit heim nehmen. ein Dr. Sell-Eleonorenheilstätte. z

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Das Publikum merkt rasch einen solchen Rückgang und schliesst daraus auf einen Rückgang der Firmal. Es ist auch sehr wichtig, dass die Reklamen und Anzeigen nicht immer in ein und derselben Zeitung veröffentlicht werden; allen Bevölkerungskreisen f die Anzeigen zu lesen geben, das gibt dem Geschäftsmann die Möglichkeit neue Kunden zu erwerben. 5 22 bim Sie können es glauben. ä

Die Zeitungs-Anzeige ist die beste und billigste Reklameart und als Werbemittel nicht zu übertreften. Inserieren Sie deshalb in der Man wende sich umgehend an deren Geschäftsstelle: Giesfen, Südanlage 21, Fernsprecher 1362.

Junges Mädchen ehrlich, faucß guter Familie, auch Waise als 9 Stütze nach Siegen in kl. Geschäftsh.(2 Kind. J f u. 3 J.) b. Famtlienanschl.gesucht. Gelegenh. 0 ll Jer lülld 3. Exl. aller Haus⸗ u. Büroarbeiten. Schr. Ang. erhalten

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An unsere Leser!

DieEvangelische Warte gewinnt täglich an Boden. Die Einzel abonnenten in Orten, wo das Austragen der Zeitung durch eine Privatperson nicht erfolgt, werden gebeten, dieEvangelische Warte ab 1. März bei der Post zu bestellen, damit die etwas umständlichere und auch kostspieligere direkte Zusendung vom Verlag aus unterbleiben kann. Wir werden die direkte Zusendung darum ab 1. März

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Dauerstellung Mainz unterlassen in der Annahme, daß der Weiterbezug durch die Post die Abonnenten geregelt haben und wenn bel hohem Verdienst finden tät. red dete 1 ittei g i i 0 eee 4 5 eine besondere Mitteilung uns bis zum 18. Februar a. c. nicht zugegangen ist. ebeneinkommene

seit 30 Jehren best. eingeführt. Futterkalke, Fette, Oele etc. an Landwirte und Kleintier⸗ halter. Nur zielbewußte Herren w. sich melden E. Graichen, Chemische Fabrik Leipzig⸗Eutritzsch.

durch schriftliche 5 Der Vorlag. im arbeiten 2 J 15 lain Ae ee Gießen, Südanlage 21. Vitalis-Verl., München I nfeeeegagaggagggganggagdggggggggcggggghggdgdddalggsgnlggsgagggaogggandagsngadunpngmnlnunͤnsmugnngununpgannanumagununnnnnnummunaaes