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Sonnabend, den 6. Februar 1926.

Gegensatz stehen zu der konfessionellen Zusammensetzung der Schüler. Zu einem geradezu standalösen Zustand des hat das z. B. im Rheinland geführt. Eine Schrift von b Prof. Dr. Goerbig in Neuwied beweist das auf Grund ine. genauester statistischer Nachweise, die für jede einzelne lion Schule durchgeführt sind.(Verlag: Glaube und Heimat, kten Birkenfeld⸗Nahe.) Und nicht genug mit der Begün⸗ aus. tigung der katholischen Anwärter, die man als Ver 5) walter der unbesetzten Studienratsstellen mit allen ils. Rechten der Studienräte verwendet. In der Aufstel⸗ hüte lung der Anwärterliste(numerus clausus), d. i. die Liste hung der Assessoren, die in spätestens 5 Jahren angestellt wer daß, den müssen, ist man überaus unparitätisch verfahren. log. Das Provinzialschulkollegium in Koblenz hat sich hier ziste um Lräger des Ansturms des Katholizismus auf die tine. söheren Schulen gemacht, indem es nur 23 Prozent des evangelische gegenüber 77 Prozent katholischen Assesso alles len und Assessorinnen auf die Liste gesetzt hat, bei einer

Schülerzahl von nahezu 11 evangelischen und katho heit sischen Schülern. Es muß mit allem Ernst auf diese einern Vorgänge hingewiesen werden.

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un

a Freidenker unter sith.

den Recht erbauliche Vorgänge haben sich nach der ber. Geistesfreiheit 1925 Nr. 10 in der Reichsarbeitsge⸗ ssbe. meinschaft freigeistiger Verbände bei der Delegierten bon stzung am 6. September 1925 in Coburg abgespielt. hid Bekanntlich war es in der Gemeinschaft der proletari⸗ Stel, chen Freidenker zu einer Spaltung und zu einem Bru⸗ was zerkrieg gekommen. Bei der Tagung der Reichsarbeits⸗

gemeinschaft beantragte nun die alte Richtung, die Ver agen. kreter der neuen Richtung, die auch anwesend waren, Vel. licht anzuerkennen. Ferner wünschte der Verein der hein. Freidenker für Feuerbestattung Berlin den Ausschluß der der Neuen Feuerbestattungskasse proletarischer Frei⸗ mer denker Leipzig, weil sich diese im Konkurrenzkampfe die

Urbeitsgemeinschaft schädigender Mittel bedient habe. noch Als bei der Abstimmung die Mehrheit für das Verblei⸗ un zu ben beider Richtungen entschied, verließen die Vertreter ulsc. der alten Richtung und die Vertreter der Leipziger mch Feuerbestattungskasse das Lokal. Neuerdings haben ode ich die beiden Richtungen in der Gemeinschaft der pro⸗ den letarischen Freidenker wieder geeinigt. Anfang Novem⸗ e wie ber sind die Verhandlungen in Leipzig zum Abschluß ge⸗ eiden kommen.(Atheist 1925, Nr. 12). Der alte Vorstand daß tritt wieder in seine Rechte, wird aber durch Vertreter htun, beider Richtungen ergänzt. Die gegenseitigen Prozesse werden zurückgenommen. Aber den bisherigen Sekretär Arthur Wolf hat man fallen lassen. Eine außerordent⸗ liche Hauptversammlung Ende Januar soll das Weitere iegeln.

Auf der Tagung der Reichsarbeitsgemeinschaft frei⸗ geistiger Verbände in Coburg ereignete sich noch ein wulf interessanter Vorfall. Der Vorsitzende verlangte von 1 An den Vertretern der proletarischen Freidenker, die der

Internationale proletarischer Freidenker angehören und

uf

man

erden darum satzungsgemäß nur mit solchen Organisationen onden zusammenarbeiten dürfen, die auf dem Boden des Klas⸗ abge. enkampfes stehen, ob sie denn auch in der Reichsarbeits⸗

ndert gemeinschaft mitarbeiten könnten. Die Antwort lautete,

ättenn man könnte es, weil doch der Volksbund für Geistesfrei heut heit und der Monistenbund keine bürgerlichen Organi⸗ mats ationen darstellen, sondern auf dem Boden der sozialisti⸗ 0 7 schen Weltanschauung stünden. Außerdem sei eine Re⸗ 10 bision jener Richtlinien zu erwarten. Es ist interessant,

daß also die ganze freidenkerische Bewegung als sozia⸗ litisch angesehen wird. Man sieht wieder die Ver⸗ quickung von Politik und Weltanschauung bezw. Reli⸗ gion, die man immer mit Unrecht der Kirche vorwirft.

gt und t über hören,

Evangelische Warte

Die Feuerbestattung in Deutsthlund.

Nachdem sich unlängst die preußische Generalsynode mit der Frage der kirchlichen Stellung zur Feuerbestat tung befaßt hat, dürfte ein Ueberblick nicht unwillkom men sein, der zeigt, in welchem Umfange die Feuerbe stattung in Deutschland üblich war und ist. Der Ueber⸗ blick ist aus Antworten hergestellt, die der Deutsche Städtetag auf ein Rundschreiben erhalten hat, und der Mitteldeutschen Heimat-Korrespondenz vom 21. De⸗ zember 1925 entnommen. Danach haben 54 deutsche Städte Feuerbestattungsanlagen. Vom 1. April 1924 bis 31. März 1925 fanden in 8 Städten 1050 Ver⸗ brennungen statt, in 7 Städten 51100, in 17 Städten 101-250, in 13 Städten 251500, in Stuttgart und Halle 501-1000, in Hamburg, Dresden und Leipzig bis zu 3000, in Berlin, das 3 Krematorien besitzt, rund 12 000. Den höchsten Prozentsatz von Feuerbestattungen hat Suhl, nämlich 88 Prozent. Es folgen Ilmenau, Jena, Eisenach, Meiningen, Hirschberg, Gera, Zwickau und Dessau. Die geringste Ziffer hat Augsburg mit 2,8 Prozent. Der Gesamtdurchschnitt für Deutschland stellt sich auf 20,8 Prozent. Von den deutschen Ländern steht Thüringen an erster, Anhalt an zweiter Stelle. Preußen weist 20,3 Prozent Feuerbestattungen auf.

Ein sozialdemokralischer Regierungspräfident

im Gemeinde ⸗Kirthenrat.

DieMitteldeutsche Heimatkorrespondenz Nr. 48 vom 9. 12. 1925 bringt die Nachricht, daß Regierungs⸗ präsident Grützner in den Gemeinde⸗Kirchenrat der Merseburger Domgemeinde eingetreten ist. Es ist be⸗ achtlich, erfreulich und nachahmenswert, daß ein führen⸗ der Sozialdemokrat sich bereit erklärt, seine Kraft zum Besten der Kirche einzusetzen. Wenn auch die offizielle Stellungnahme der Sozialdemokratie zum Christentum nie direkt ablehnend war, sondern der Grundsatz:Re⸗ ligion ist Privatsache proklamiert wurde, so war doch leider die Praxis so, daß sozialdemokratisch und kir chenfeindlich ungefähr gleichbedeutend war. Bezeich⸗ nend ist ja auch, daß von den sozialdemokratischen Reichs⸗ tagsabgeordneten ein sehr großer Prozentsatz religions⸗ los ist. Von den 131 Mitgliedern der sozialdemokrati⸗ schen Fraktion sind nur 14 evangelisch. Umso erfreu⸗ licher ist es, daß sich Regierungspräsident Grützner offen zur Kirche bekennt.

Dem Untergang entgegen.

Vom 1. bis 15. Januar 1926 ist die Zahl der Haupt⸗ unterstützungsempfänger in der Erwerbslosenfürso ge von 1 497 516 auf 1762 105 gestiegen. Die Steigerung beträgt 17,7 v. H. Die Zahl der männlichen Haupt⸗ unterstützungsempfänger hat sich von 1 335 943 auf 1 550 706, die der weiblichen Hauptunterstützungsemp⸗ fänger von 161573 auf 211599 erhöht. Die Zahl der Zuschlagsempfänger l(unterstützungsberechtigte Angehö rige) ist von 1821 590 auf 2 092 958 gestiegen.

Dle Weltkrise.

Unser Vaterland befindet sich seit vielen Mo⸗ naten in einer schweren Wirtschaftskrise, die über die bloßen Nachwirkungen der Deflation längst hinausge⸗ gangen ist und an der Substanz zehrt. Frankreich be⸗ müht sich vergebens, aus dem Wirrwarr der Währungs⸗ katastrophe herauszukommen. In England bleibt die Erwerbslosenziffer mit fast Millionen konstant. Die Produktion stagniert, weil der Absatz stockt. Ein⸗ zelne Industriezweige, wie der Kohlenbergbau, werden zur Zeit nur noch durch erhebliche Millionenzuschüsse des Staates aufrechterhalten. Polen ist geradezu in

Nr. 8.

Sonntagsgeoͤanken.

Der Schöpfer der Welten hat den Menschen ein Buch ge geben, darin sie lesen sollen von seiner Allmacht und Größe. Es ist das Gesetzbuch der Natur, wo das Göttliche am deutlich sten sich offenbart. Darin sollen wir immer und immer wie der lesen, denn es ist ein lebendiges Buch und redet die deut lichste Sprache. Heute zum Sonntag wollen wir einmal nach blättern, ob der Schöpfer auch der Natur einen Sonntag und Ruhetag gegeben hat. Und da lesen wir, daß der Herbst der Feierabend der Natur ist. Da ist es, als hielte sie Rückblick auf ihre getane Arbeit und Ausblick auf das künftig Werdende. Und dann kommt der Winter der lange Ruhetag. Da sam melt die Natur sich Kräfte, um dann plötzlich in jubelnder Ueber schwänglichkeit mit ihren gestauten Trieben hervorzubrechen. Vom Herbst bis zum Frühling währt die Ruhe.

Aber dann, wenn zu Beginn des Frühlings und im Som mer die Sonne gleich einer Himmelsuhr die Tage der Arbeit anzeigt, dann beginnt ein unaufhaltsames Arbeiten in Feld und Wald, Tag und Nacht, ohne Aufhören, und doch voll Ruhe und Feierlichkeit, groß, reich und sonntäglich.

Hier auf dieser Seite des Gottesbuches wollen wir heute zum Sonntag lesen. Und lernen wollen wir von den Werken Gottes, damit wir nicht fortjagen im ewig gleichen Alltag, fortjagen um Mammon und Gold und mit unserer Unrast all die Stim⸗ mungen erschlagen, aus denen heraus allein das Bedeutende erwächst und das Wertvolle gelingt. Nicht Menschen sollen wir sein ohne Sonntagsstimmung, nicht in den Geschäften eines ewigen Alltags langsam unsere Seele ertrinken lassen. Wie die Natur in ihrer Ruhezeit sich Kräfte sammelt und mit ihnen dann Großes zeugt, so müssen wir uns am Sonntag losxreißen von der Kette der Gewohnheit. Der Sonntag gehört der Ar beit der Seele. Knechtearbeit ist Raub am Tage des Herrn.

Waldfried.

ein wirtschaftliches Chaos geraten. In Oesterreich sieht es nicht viel besser aus. Rußland ist, schwefelgualmend wie ein Vulkan, voller Unruhe, die sich exzentrisch weiter und weiter auf Asien ausdehnt. Und drüben, über den Ozean, wächst Amerika ökonomisch wie ein riesiger Wol⸗ kenkratzer in die höhe. Auf dem Weltmarkt verdrängt seine Konkurrenz die zersplitterte und zerrütte e euro päische Wirtschaft mehr und mehr. Eine Weltwirkschafts⸗ konferenz, die 1926 stattfinden soll und auch bereits den Völkerbund beschäftigte, soll nun das Gleichgewicht des Weltmarktes wiederherstellen. Als erstes hätte sie zu⸗ nächst den europäischen Gemeinschaftsgeist zu bekennen. Aus diesem Geist heraus sollen dann die einzelnen Pro⸗ bleme behandelt und geklärt werden: die internationale Schuldenverstrickung, die Stabilisierung der kranken Währungen, den Abbau der Zölle, die Herstellung einer Verkehrsgemeinschaft, die Internationalisierung der großen Produktionszweige, die Typisierung der Waren⸗ produktion, soweit das möglich ist, und die Verteilung der Absatzmärkte. Die Hauptsache ist die Empfindung, die bis zum letzten Produzenten u. Konsumenten dringen muß, daß Europa, wenn es sich überhaupt der neuen Welt gegenüber behaupten will, einen einheitlichen Wirtschaftskörper darstellt, dessen Organismus und Funktionen rationell geregelt werden müssen.

Keine Reisen nach Italien! Helft unsern deutschen Brüdern in Südtirol!

Zu diesem Thema macht derDeutschenspiegel(Berlin W. 35), in Heft 4 des lfd. Jahrg. folgende beachtliche Ausfüh⸗ rungen.

Ist es nicht eine Schande und eine Schmach, daß Süd⸗ tirols brennende Not und Schmach bisher so wenig moralische Unterstützung im Reichsdeutschland der Gegenwart findet?

Während in Südtirol deutschen Brüdern von Italienern das Aergste angetan wird, tragen ungezählte Zehntausende ihr gutes Geld aus Deutschland nach Italien, als sei gar nichts geschehen,

ach in. um in der Gegend mitten im Dorf oder doch gleich vor demselben an dagegen der belebtesten Straße liegen. Desto empfänglicher ist der emeinen Wetterauer für die mehrgenannte zweite Art des Aberglaubens. ie Zahl Das kann ihm in seiner Schwerfälligkeit angenehmer sein als blen, t. en Mittel, das ohne Anstrengung zu einem erwünschten Zweck an den, führt? And wenn man ihm bei einer auffallenden Tatsache zu Lon. eine Auskunft zu geben weiß, durch welche er sich von der Mühe ar schti⸗ befreit sieht, über dasjenige nachzudencken, was diese Tatsache ls zue bervorbrachte, so ist ihm dies vor jeder anderen Erklärung will⸗ scheinul lommen. Symphathie und Hexerei sind demnach ganz bei dem mt, und Wetterauer an der Tagesordnung. Alles wollen diese Leute mit r Mensch Symphatie kurieren, allem Uebel wollen sie mittelst ihr vorbeu⸗ ür feine zen, und weil sie fast nie nach vernünftigem Rat gehen, bis pelo. ö niese Mittel alle fehlgeschlagen sind, so verstreicht darüber, le, d namentlich bei Krankheiten der Menschen und Tiere, gewöhnlich be 5 9 ger beste Zeitpunkt der frühen Hilfe. Mittelst ihrer unternimmt N 00 nan es, die Sperlinge und den Brand von der Waizensaat abzu⸗ i 10 holten, dem kalten Brand vorzubeugen, Blut zu stillen, Wunden nah 805 zu heilen, das Fieber zu vertreiben, das Darmgicht unschädlich le be, u machen, und wer weiß was alles noch mehr. Es würde ein ter d. 1 UH e⸗ Verdienst um die Volkskultur und vielleicht eins der J* aten Mittel sein, sie zu heben, wenn Männer, die dem Volke clan dhe leben, Sammlungen der oben erwähnten Art veran⸗ auc 5 talteten, und wenn sich ferner darauf ein Buch gründete, welches t einm nöglichst populär und fern von allem Spott bald widerlegte, c bald die dem Volk unbekannten Mittelursachen aufdeckte. Man lle, e könnte es schon als einen großen Gewinn ansehen, wenn nur gen 1 Prediger und Schullehrer sich eines solchen zu erfreuen hätten. d 1 Könnte man hin und wieder in der Widerlegung Autoritäten sheinse? der Bibel zu Hilfe nehmen. so würde man seinen Zweck desto dem ma cher und sicherer erreichen. Der Wetterauer bedarf einer solchen

beit 1 Mingender wie vielleicht irgendeine Gegend unseres Landes. 17(Schluß folgt.)

is

Juen Un 2 5

inen 1 Konfession und Kinderzahl.

lug t 1 In derFamilie, der Zeitschrift des Landesverbandes der hald, 0 And der Kinderreichen in Sachsen, veröffentlicht Dr. med. Fet⸗

worin er

ben her einen Aufsatz über Konfession und Kinderzahl,

senhüfe!

auch die bedenklichen Folgen des Geburtenrückganges für den Protestantismus in Deutschland hinweist. In Preußen kamen von 1891 bis 1895 auf eine Eheschließung in rein evangelischen Ehen 4,2 Geburten, 1913 nur noch 2,9, in rein katholischen Ehen dagegen 5,2 bezws 4,7, in rein jüdischen Ehen 3,3, bezw. 2,2 Ge⸗ burten. In Bayern belief sich der Rückgang der ehelichen Ge⸗ burten in rein evang. Ehen von 3 i. J. 1913 auf 1,6 i. J. 1920, in rein katholischen Ehen von 4 auf 2, in rein jüdischen Ehen von 1,8 auf 1. Danach weisen die an sich schon kinderärmeren Protestanten durchschnittlich einen stärkeren Geburtsrückgang auf als die Katholiken.Es bedarf so schreibt Dr. Fetscher keiner großen Phantasie, sich bei solcher Lage der Dinge vorzu⸗ stellen, daß die fortschreitende Katholisierung unseres Volkes in den nächsten Jahrzehnten immer deutlicher in Erscheinung treten muß. Sollte es wirklich so weit kommen, daß Deutschland auf dem Wege des natürlichen Bevölkerungszuwachses ein über⸗ wiegend katholisches Land wird, so hat der evangelische Volks⸗ teil die Schuld durchaus sich selber zuzuschreiben. **

Die Freizeit der Jugend.

Es ist das Verdienst des überbündischen, 74 Jugendorgani⸗ sationen größten Ausmaßes, von rechts nach links, umfassenden Ausschusses der Deutschen Jugendverbände, auf seiner Kasseler Tagung im Anfang Oktober v. J. die Forderung nach aus⸗ reichender Freizeit für die arbeitende Jugend deutlich gestellt und die praktische Verwirklichung der Forderung diskutiert zu haben. Die sozialethische, sozialhygienische, sozialpädagogische Notwendigkeit einer ausreichenden Ferienzeit des jungen Arbei⸗ ters und Angestellten wird eigentlich von keiner Seite bestritten. Jeder Mensch sieht ein, daß die fast noch kindlichen Jugend lichen, die mit 14 Jahren, von der Schulbank fort, ins mechani⸗ sierte intensive Arbeitsleben unserer Zeit versetzt werden, Er holung, Ausspannung, Lösung ihrer sittlichen und gesundheit lichen Kräfte nötig haben, und daß dies am besten in reichlich be⸗ messenen Ferien möglich ist. Sehr viel schwieriger stellt sich die Frage der Verwirklichung dieser sozialpolitischen Forderung dar. Tatsächlich bedeutet ein bezahlter Urlaub von zwei bis vier

Wochen für die Industrie, vor allem aber für

den kleinen Handwerker, Kaufmann und Gewerbetreibenden unter den heutigen Verhältnissen allerhand. Auch ist nicht zu leugnen, daß die Organisationen der Jugendbewegung und der Jugendpflege kaum in der Lage wären, die zirka 4 Millionen Jugendlichen, die in Betracht kommen, während des Sommers angemessen unterzubringen, zu beschäftigen, zu erziehen. Es fehlt unleugbar an Menschen, Geld, Räumen, um eine derartige Hochflut von Feriengästen zu bewältigen. Hier ist also noch viel Vorarbeit zu leisten. Die Forderung der Jugendverbände, welche die Tagung in Kassel einberufen haben, ging darauf: möglichst rasch ein Gesetz über die Freizeit der Jugend zu schaf⸗ fen, um so jedem Jugendlichen einen Rechtsanspruch auf Freizeit zu geben. Die Männer der Praxs empfehlen ein mehr schritt⸗ weises Vorgehen: durch Tarifvertrag etwa oder im Benehmen mit sozialreformisch eingestellten Kommunen und Werksleitun⸗ gen den Boden vorzubereiten und so allmählich für die ganze Jugend die Freiheit der Ferienzeit zu erkämpfen. * 2

Eine Neuerung in der Rechtspflege.

Unter den Veränderungen, die sich im Gebiet der Straf⸗ rechtspflege in jüngster Zeit vollzogen haben, befindet sich eine Neuerung die auch vom allgemein humanen und straferzieh⸗ lichen Gesichtspunkt dankbare Würdigung verdient. Es ist die (im sog. Geldstrafengesetz) den Gerichten zugesprochene Befugnis, in den Fällen, in denen bisher Freiheitsstrafe zwingend vorge⸗ schrieben war, z. B. beim Diebstahl, künftig statt der Freiheits⸗ strafe auf Geldstrafe zu erkennen, wenn die an sich verwirkte Freiheitsstrafe weniger als drei Monate beträgt und zu erwar⸗ ten ist, daß der Strafzweck durch eine Geldstrafe erreicht werden kann. Die preußischen Gerichte haben demzufolge in den drei ersten Vierteljahren des Jahres 1923 in fast fünf Siebentel aller möglichen Fälle anstelle der an sich verwirkten Freiheits⸗ strafe auf Geldstrafe erkannt. Auf diese Weise sind nicht nur zahllose erstmals Gestrauchelte von der früher unvermeidlichen Verurteilung zu einer Gefängnisstrafe und von der Berührung mit dem Gefängnis verschont geblieben, sondern auch dem Staate erhebliche Kosten, die er sonst für die Vollstreckung von Frei⸗ heitsstrafen hätte aufwenden müssen, erspart geblieben.