Einzelbild herunterladen

Sonnabend, den 6. Februar 1926.

der Bedingung das Land wieder in Pacht erhalten, daß sie ihre Kinder in die Klosterschule schicken. Auf diese Weise hofft man langsam und sicher die evangelische Be völkerung katholisch zu machen. 6802 Ordensnieder⸗ lassungen gibt es in Deutschland. In den letzten vier Jahren sind allein 711 neue Klöster gegründet worden. Demnach würde durchschnittlich jeden zweiten Tag ein neues Kloster geschaffen. Während das deutsche Geld seinen Wert verlor, konnte mit vollgültigem Auslands⸗ geld, das Rom aus der ganzen Welt zur Verfügung steht, dies alles geschaffen werden.

Der Jesuitenorden ist der gefährlichste aller Orden. Dieser wurde zu dem Zwecke gegründet, die Evangeli⸗ schen katholisch zu machen. 1 300 Jesuiten sind zur Zeit in Deutschland tätig, um die Reformation zu ver⸗ drängen. Sie gründeten den Jugendbund Neudeutsch⸗ land, dessen vornehmster Punkt ihrer Satzung lautet: Erst bist du katholisch, dann erst etwas anderes! (ein Deutscher!) Das Organ der Jesuiten trägt den Namen:Stimmen der Zeit.

Ferner werden neue Bistümer geschaffen, an Hoch⸗ schulen werden Weltanschauungsprofessoren angestellt, die von dem Staate besoldet werden! In Halberstadt versucht man, den evangelischen Dom in katholische Hände zu bekommen! Die katholischen Propaganda⸗ prozessionen am Frohnleichnahmstag sucht man überall zu beleben. Sie sollen beweisen den Triumph des Katholizismus über den Protestantismus! Das ist eine Herausforderung und Beschimpfung der Evangeli schen. Niemand rührt sich dagegen in den Stadtparla⸗ menten! Das muß anders werden!

DerWinfriedbund will ebenfalls bewußt arbei⸗ ten, an der Bekehrung der Evangelischen zur katholischen Kirche. Als ein Verein geschaffen worden war, um Katholiken zur evangelischen Kirche zu gewinnen, hat Marx dagegen gesprochen mit dem Hinweis, das würde Zwist bringen. Derselbe Marx sagte aber auf dem Delegiertentag der Zentrumspartei im April 1922: Der Individualismus, der Nationalismus und die Verflachung, womit wir jetzt kämpfen, sind eine Folge der Reformation. Solche Ausführungen sehen nicht darnach aus, als käme es Herrn Marx auf den Frieden an. Heute gilt der Burgfriede, den einmal Marx ver⸗ treten hat, als eine veraltete Anschauung. Denn der Papst unterstützt sowohl die Arbeit der Jesuiten, wie die des Winfriedbundes.

Dazu kommt das Bestreben des Katholizismus, in Deutschland eine politische Macht zu sein. Als Marx Reichskanzler war, schrieb dieGermania, daß er da⸗ für sorgen solle, daß die richtigen(lies katholischen) Männer am richtigen Platze stehen. Ein beliebtes Mittel der Katholiken ist das stete Geschrei, sie seien die Unterdrückten. Dabei haben sie in den letzten vier Jah⸗ ren drei Oberpräsidenten-, 8 Regierungspräsidenten⸗ und 69 Landratsstellen neu besetzt. Als Ludendorff in München sagte, der Altramontanismus sei neben dem Marxismus und dem Zionismus schuld am deutschen Elend, da hielt Marx und Minister Brauns in Berlin eine große Versammlung, in der sie gegen die Beleidi⸗ gung des Papstes protestierten. Der preußische Innen⸗ minister erklärte darauf dem Nuntius in Berlin die Ergebenheit der preußischen Regierung gegenüber dem Papste! Wie oft hat demgegenüber der Papst schon die Evangelischen in Deutschland schwer beleidigt! Da ist von keiner preußischen Regierung irgend etwas erfolgt. Als der Zentrumsabg. Wildermann im vergangenen Jahre im Landtag jene schwere Beleidigung gegen die Evangelischen aussprach:Der Papst und die katholische Kirche haben wiederholt den Sozialismus wie den Pro⸗ testantismus als Irrlehre bezeichnet. Von uns zweifelt kein Mensch daran, da hat kein preußischer Minister

und könnte in dieser Eigenschaft gewiß manchen höheren Stand beschämen. Auch weiß er sich in den dadurch erlittenen Verlust zu schicken und sparte vielleich schon ein halbes Jahr, um einen Koup machen zu konnen.

Der Fremde, welcher sich in einem Wetterauer Dorfe an siedelt, wird, selbst wenn er eine Eingeborene heiratet, immer geneckt. Die Ursache der Fehler desselben glaubt man hinläng⸗ lich angegeben zu haben, wenn man nur seinen nicht Wetteraui⸗ schen Geburtsort nennt, was etwa soviel sagen soll als:Was kann aus Nazareth Gutes kommen!

Weit mehr als den Edelleuten gehörte bisher von Frei gütern den jetzt säkularisierten Klöstern Arnsburg, Ilbenstadt, Altenberg und Rockenberg. Auch der Deutsche und Malteserorden hat hier dergleichen ansehnliche Besitzungen. Indessen standen jene Güter und stehen zum Teil noch seit undenklichen Jahren in in einem äußerst geringen Pacht. Von 30 Morgen entrichtete man in der Regel nicht mehr als den Wert der doppelten Saat⸗ frucht nach der Bestellung der Dreifelderwirtschaft. Man hatte demnach für die Arbeit alles, was man über das dritte Korn erntete, und die freie Nutzung der Brache. Man begreift, daß unter diesen Umständen die Ordensgeistlichen sich in der Wetterau einer Ererbietung zu erfreuen hatten, die sie in man chem katholischen Lande vielleicht kaum genossen. Terminierende Mönche versicherten mich oft, daß ein Dorf dieser Gegend ihnen nicht selten ein halbes Dutzend anderer aufwiege.

Der Mann, gegen welchen die Wetterauer einmal aufge bracht sind, tut wohl, sich je eher je lieber aus ihrer Mitte zu ent fernen, von wo er dann beinahe für jeden seiner Fehler, wenig stens für seinen herrschenden, einen Ekel- und Spitznamen mit⸗ nehmen wird. Ich wunderte mich oft über die sinnreichen Erfin dungen in diesem Fach und fand, daß erstlich das Volk hier überhaupt mehr Witz als Scharfsinn hat, zweitens, daß die ausgebreiteten Familiennamen, denen gewöhnlich der eine Taufzeuge nur einen Namen beisetzt, es hier oft notwendig machen, Annamen zu erfinden. Die letzteren werden dann bald leicht in dem Grad üblich, daß die andern fast bloß in das Ge

Die Spielschuld bezahlt der Wetterauer vor allen Dingen ben fast unbekannt werden. Unter 14 Knaben, die ich in einem

biet des schriftlichen Ausdrucks verwiesen und im gemeinen Le

Evangelische Warte

ein schützendes Wort für die Evangelischen übrig ge⸗ habt. Und die Entgegnung der sogenannten christlichen Parteien, auch die des Abgeordneten von Richter, war schwach oder man vermißte sie ganz. So sind unsere evangelischen Belange im neuen Deutschland geschützt!

Weiter zeigte der Redner, wie staatliche Domänen den Pächtern abgenommen werden und Mönchsorden gegeben werden. Aus allem sieht man, wie die katho⸗ lische Kirche ihre Macht gegenüber der evangelischen un geheuer ausnutzt. Eine Schuld daran tragen die Evan gelischen selbst. Sie haben sich seither keine Macht ge⸗ schaffen, welche politische Gewalt hat und im Parlament die evangelische Sache vertritt. Wir müssen heute not⸗ gedrungen eine Partei von Männern und Frauen haben, denen der evangelische Glaube über alles geht.

Wothensthau.

Trübe Gewitterwolken drohen über unserem Volke, während der Wochenschauschreiber die erste Wochenschau für unsere schon von so vielen liebgewonneneEvange lische Warte schreibt. Das Gespenst der Arbeitslosig⸗ keit nimmt immer größere Formen an. Wenn aber der Mensch nicht seine geregelte Arbeit hat, dann macht es der Erwachsene ganz ähnlich, wie die unter der Lang⸗ weile leidenden Kinder, welche dann ungezogen werden. Aber woher kommt dieser Zustand in unserem Volk? Es liegt daran, daß unsere Einfuhr die Ausfuhr weit überragt. Dadurch kommt immer mehr Geld in das Ausland, als wir hereinbekommen. Sind die Ausgaben größer wie die Einnahmen, dann tritt Verarmung ein. Vor solcher Verarmung stehen wir. Ansere Industrie kann nichts mehr absetzen. Da kommt kein Geld herein. Dann stehen die Betriebe vor der Frage: entweder den Betrieb schließen oder weiterarbeiten bis zum Banke⸗ rott. Beides aber bedeutet für unsere Arbeiterschaft nicht anderes als bitterster Hunger. Es ist ein wenig nützender Trost wenn wir sagen, den anderen europäi⸗ schen Staaten geht es auch so. Das hilft uns gar nichts. Weil es aber so bei uns aussieht, war die Regierungs⸗ bildung so schwierig. Niemand will gerne die verant⸗ wortlichen Geschäfte führen in Zeiten der Not. Da muß man eben Maßnahmen ergreifen, die jeder in solchen Zeiten ergreift, um das Ganze zu retten. Solche not⸗ wendigen Maßnahmen passen aber nicht in jedes Par⸗ teiprogramm. Deshalb läßt man die Finger davon. Dann kann man bequem Opposition machen und sagen: Wir hätten es besser gemacht! Aus diesem Grunde ist die von unserem Reichspräsidenten Hindenburg ge wünschte große Koalition nicht zustande gekommen. Ansere Regierung ist eine Minderheitsregierung. Diese hat sich dem Reichstag vorgestellt, und Reichskanzler Dr. Luther hat das Regierungsprogramm dargelegt. Welche Aufnahme dieses bei den Parteien findet, wird die zur Zeit noch nicht erfolgte Aussprache und die Ab⸗ stimmung über die eingebrachten Mißtrauensanträge ergeben. Sogleich nach der Rede Dr. Luthers erlebte das Reichskabinett eine Enttäuschung. Die Deutsch⸗ nationalen haben einen Antrag eingebracht, daß erst verschiedene, sehr berechtigte Bedingungen von den früheren Feinden erfüllt werden sollen, ehe Deutsch⸗ land Antrag auf Eintritt in den Völkerbund stellt. Die⸗ ser Antrag ist recht gut politisch gedacht. Denn durch den Vertrag von Locarno hat Deutschland seinen guten Willen gezeigt. Jetzt müssen ihn erst die anderen auch einmal zeigen. Weiter wurde beantragt, diesen Antrag über den Völkerbund mit der Aussprache über die Kanz⸗ lerrede zu verbinden. Dagegen stimmten aber nur die in der Minderheit stehenden Regierungspaxteien. Hof⸗ fentlich wird daraus nicht wieder eine neue Regierungs- krise werden. Wir hätten einen steten Kurs sehr nötig.

so daß die Lehrkörper, ihrer Konfession nach, vielfach im

Ob ihn je diese Regierung uns schenken wird, ist uns sehr zweifelhaft.

In dem Untersuchungsausschuß für die Fragen des Weltkriegs kam am 25. Januar eine Broschüre des Ab⸗ geordneten Dittmann zur Verhandlung:Die Marine⸗ Justiz⸗Morde von 1917 und die Admirals⸗Rebellion don 1918. Dargestellt nach den amtlichen Geheimakten im Auftrage des Parlamentarischen Untersuchungsaus⸗ schusses über den Weltkrieg(4. Anterausschuß). Nach den von der Marineleitung entsandten Auskunfts⸗ personen gemachten Darlegungen kann diese Broschüre nicht den Anspruch machen, als amtliche Veröffentlichung gewertet zu werden. Auch hat es sich herausgestellt, daß, wenn der von der Marineleitung im Herbst 1918 sorg⸗ fältigst vorbereitete Flottenvorstoß gegen die Küste Flanderns erfolgt und nicht durch die unselige Marine⸗ revolution vereitelt worden wäre, der Ausgang des Krieges für uns besser ausgefallen wäre. Das alles kann uns allerdings heute nichts mehr helfen.

Eine wesentliche Frage, die eben die Oeffentlichkeit beschäftigt, welche deshalb Dr. Luther auch in seiner Programmrede anschnitt, ist die Frage der Vermögens⸗ auseinandersetzung zwischen den nicht mehr regierenden deutschen Fürsten und ihren Ländern. Es ist klar, daß diese in einer Zeit der Not ebenfalls Opfer werden bringen müssen. Andererseits ist jedes Land auch ver pflichtet, seinen Fürsten für auskömmliche Lebensbe⸗ dingungen zu sorgen. Eine Enteignung, wie es von der Linken gewünscht und sogar durch Volksentscheid festgestellt werden soll, wäre gleichbedeutend mit Stel⸗ lung der Fürsten unter ein Ausnahmegesetz. So etwas ist aber dochundemokratisch!

Die Besatzungstruppen sind aus Köln abgezogen. Aber die Leute dort sind immer noch nicht frei. Viel⸗ mehr gelten vorläufig noch die Ordonanzen der Rhein⸗ landkommission. Somit ist das Unrecht, das in der längeren Besetzung der sogenannten 1. Zone liegt, immer noch nicht wieder gut gemacht.

Wer ein Deutscher ist, dem geht es heute noch schlecht auf der Welt. Man glaubt ihm alles antun zu können. So gehen auch die Verfolgungen des Deutsch⸗ tums in Südtirol weiter. Die Kinder werden heimlich in ihrer Muttersprache unterrichtet. Wenn Lehrer oder Lehrerinnen beim Unterricht im Deutschen von den italienischen Häschern ertappt werden, so werden sie wie Verbrecher eingesperrt. Hoffen wir, daß diese Leiden unserem ganzen deutschen Volk ein Segen werden, daß es wieder stolz auf sein so angefeindetes Deutschtum, einig und stark wird.

Was jeder Evangelische wissen muß.

Die Imparität im höheren Sthulwesen.

ImEvangelischen Deutschland lesen wir: Jahrelang ist von katholischer Seite der Vorwurf erhoben worden, daß der preußische Staat bei der An⸗ stellung der Beamten unparitätisch verfahre und man hat vielfach verstanden, durch diese Paritätsbeschwerden den wahren Sachverhalt zu verbergen. Insbesondere auf die Lehrerschaft der höheren Schulen war es abge⸗ sehen, in die man schon seit Beginn des Jahrhunderts immer größere Scharen von katholischen Anwärtern hineinzubringen sich bemühte. Das Ergebnis ist heute eine Ueberfüllung der Anwärterschaft auf Studienrats⸗ stellen mit katholischen Assessoren, die nunmehr zu Zu⸗ ständen geführt hat, welche die Aufmerksamkeit der evangelischen Eltern immer mehr hervorrufen. Ueber 2000 Studienratsstellen sind gegenwärtig unbesetzt und viele werden von Assessoren verwaltet, die weit über das Bedürfnis der katholischen Konfession angehören,

Jahre taufte, hatte ich elf mit dem Namen Johannes. Sie ge hörten nur drei Familien an, und es folgt also notwendig, daß ihnen der Witz einen Dienst leisten muß, den andere von der Taufe erwarten.

Eine wirkliche Beleidigung, die einigen Dorfbewohnern zu gefügt wurde, erzeugt leicht eine allgemeine Verfolgung; denn alles, was man dem Bruder, dem Schwager, dem Gevatter tut, das hat man zugleich allen seinen Angehörigen getan, vorausge⸗ setzt, daß von Beleidigungen und nicht von Wohltaten die Rede ist, welche letzteren auf den Wetterauer weder einen schnellen noch einen tiefen Eindruck zu machen pflegen. Oft, wenn ich doch einmal glaubte, einen Dankbaren gefunden zu haben, nahm ich nach Verlauf einer kurzen Zeit wahr, daß dieser Schein nur Pränumeration(gleich Vorauszahlung) auf eine neue geplante Dienstforderung war. Dem Wetterauer Dank fehlen nie Worte, aber Taten fehlen ihm bis zu einem solchen Grade, daß ich keine Beispiele geben mag.

An Häusern, die sich welfen- und ghibellinenartig schon ein halbes Jahrhundert gehaßt haben, ohne daß irgendeine erheb liche Ursache ihres Streites vorhanden war, fehlt es fast in keinem Dörfchen. Doch muß man daselbst genau bekannt sein, um diese Entdeckung zu machen, weil man hier nicht lärmende Ausbrüche des Jähzorns, sondern tief vergraben liegenden Groll zu beobachten hat, der nur auf wichtige Veranlassungen her⸗ vortritt und sich bisweilen selbst hinter kleine Gefälligkeiten verbirgt. Unter der Klasse der Wohlhabenden, die keine ge⸗ meinschaftliche Not sich wechselseitig näher bringt oder mitein ander aussöhnt, zeigt sich dieses Uebel am häufigsten. Es gibt hier Dorfschaften, wo es sprichwörtlich geworden und sogar in einem naheliegenden Reime gesagt ist:Dieses und jenes Blut tut zusammen nimmer gut.

Der Aberglauben, diese unsichere Welt der Tradition, des Mißverstands, der auf Abwege geratenen dunklen Gefühle, der enseitigen Wahrnehmungen und des frommen Betrugs, darf niemals von dem außer Auge gelassen werden, der das Volk kennen lernen, auf dasselbe wirken und die Unmündigen zur Mündigkeit emporheben will. Es gibt wenige unter den Volks⸗

führern, die ihre Pflegebefohlenen genau genug kennen, um in diesem Stück ihre Wohltäter werden zu können; viele dagegen, welche, angeblich hohe Vernunft predigend, von dem gemeinen Menschenverstande nicht begriffen werden und dadurch die Zahl der Abergläubischen oft vermehren, wo sie sicher glaubten, sie vermindert zu haben. Denn jedermann hält fester an dem, woran man ihn einigemal zupfte, ohne es ihm nehmen zu kön⸗ nen. Eine in praktischer Hinsicht mir besonders fruchtbar schei nende Einteilung des Aberglaubens ist die, welche als zwei Hauptarten desselben festsetzt: den Glauben an Geistererscheinun⸗ gen, den man meistens als Gespensterfurcht wahrnimmt, und den Glauben an unsichtbar wirkende Kräfte, über die der Mensch eine Herrschaft zu erlangen imstande sei, welche er für seine Zwecke in Tätigkeit setzen könne. Die erstere, meistens personi⸗ fizierende, ist die mehr poetische und also auch die frühere, die beliebtere bei dem rohen Volk. Die zweite setzt schon einen höheren Grad erlangten Selbstgefühls voraus und hat, bald mehr, bald weniger mit der ersteren zusammenhängend, nach ver⸗ schiedenen Graden der Kultur und der Lagen mancherlei Ab⸗ stufungen. Er zweifelt zwar eben nicht, daß es Gespenster gebe, aber um sie sehr zu fürchten, dazu hat er selbst eine zu starke Faust. Er hat kraft ihrer keinen Begriff von einem Schlage,

den er nicht auf jeden Fall erwidern werde, komme er auch von

obersten der Dämonen. Und dann hat er sich ja nicht einmal die Mühe gegeben, die Anschauung von einem Gespenst gehörig auszubilden. Eine ungeformte, gelenklose Feuersäule, ein

glühender Mann, das ist alles, was er von ihm zu sagen weiß. Verglichen mit einem Gespenst, wie man es hin und wieder

in Sachsen, Schwaben und noch mehr auf der linken Rheinseite findet, ist es so etwa das, was jener Klotz, unter welchem man

sich zuerst die Cybele dachte, die gegen Bildhauerarbeit einer

viel späteren Zeit gewesen sein mag. Meistens ist das Gespenst untätig an einem Fleck gebannt. dann einflößt, ist, daß man um seinetwillen einen kleinen Um⸗

weg machen müsse, in welchem Falle man es auch für klug genug Schon der Volkscharakter

hält, von Verfolgungen abzustehen.

begünstigt also in der Wetterau den Gespensterglauben nicht, und dieser leidet noch mehr dadurch, daß fast alle Totenhöfe in

Die höchste Besorgnis, die es