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Evangelische
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Schriftleitung: Pfarrer Hamburger in Staden(Oberh.)
2. Jahtanna.
Erster Redner
Die Morgenversammlung am zweiten Tag war in⸗ ternen Verhandlungen und Organisationsfragen vor—⸗ behalten. Von den Ergebnissen dieser Verhandlungen ist nur die Wahl des Provinzialvorstandes von allge— meinem Interesse. Zum Vorsitzenden wurde gewählt: Bürgermeister Völker⸗Lich, zu stellvertretenden Vor⸗ sitzenden: Gemeinderat und Waldarbeiter Fischer⸗ Ober⸗Lais und Landwirt Köhler-Wingershausen. Zu Mitgliedern wurden gewählt: Gemeinderechner van Bashuisen⸗Schwalheim, Lehrer Häuser⸗Ber⸗ mutshain, Bürgermeister Hensel⸗ Hirzenhain, Land⸗ wirt Kneipp⸗Burkhards, Bürgermeister Knodt⸗ Eichelsdorf, Bürgermeister Stock- Blitzenrod, Apothe— ker Veesenmeyer-Gedern.——11
Die Nachmittagsversammlung fand im großen Saale der Gastwirtschaft Theis statt und war als eine allgemeine Bauernversammlung auf 2 Uhr eingeladen. Die auch aus der ganzen Um⸗ gebung gut besuchte Versammlung wurde von Pfarrer Weidner eröffnet. Er dankte für das zahlreiche Er⸗ scheinen und teilte mit, daß der u. a. angekündigte Red⸗ ner Bürgermeister Stock-Blitzenrod infolge Krank⸗ heit nicht kommen konnte. Als erster Redner sprach Bürgermeisterbensel- Hirzenhain. Er legte die Gründe dar, die ihn veranlaßt haben, sich der E. V. anzuschließen, und versicherte, im Kreistag, in den er durch das Eintreten auch vieler Bauern für die Liste der E. V. gewählt worden sei, für den bedrängten Bauernstand, aus dem er auch stamme, mit aller Kraft einzutreten. Vor allem wolle er dafür sorgen, daß die durch die Kreise in Aussicht stehenden Kredite aus Ame⸗ rika in erster Linie den Bauern zugute kämen. Reicher Beifall folgte seinen Ausführungen.— Sodann sprach Pfarrer Ide⸗Höchst a. M. In packender Rede gab er erschütternde Bilder von der Herrschaft Roms im heutigen Deutschland und der Herrschsucht der römischen Kirche. In überzeugender Weise legte er dar, daß es höchste Zeit ist, daß sich die Evangelischen in der E. V. zusammenschließen. Der starke Beifall, der den von echt evangelischem Geiste getragenen Ausführungen folgte, bewies, daß die Versammlung den nötig gewor⸗ denen Kampf der E. V. gegen das mächtige Zentrum begrüßt, das im neuzeitlichen Staat weit mehr als früher in der Macht sitzend, das Evangelium und das deutsche Volkstum bedroht. Der nächste Redner, Pfarrer Hamburger ⸗Staden, der Schriftleiter der„Evan⸗ gelischen Warte“, des Organs der E. V., zeigte aus der
Geschichte, daß das Luthertum oft zum politischen Han⸗
Kommet her zu mir!
Matthäus 11,2830. Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch er⸗ quicken. Nehmet auf euch mein Joch und lernet vor mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure See⸗ len. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.
Wenn wir diese herrlichen Heilandsworte lesen, dann denken wir daran, wie der Herr wirklich ein Heiland war für all das, was unser Leben so schwer macht. Gewiß weiß ich, daß es viele gibt, die einen Heiland gar nicht haben wollen. Ich denke beim Lesen obiger Worte nicht an die Satten in unserem Volke, die sich auch in der Not unseres Volkes in„Purpur und köstliche Leinwand“ kleiden können, und die alle Tage„herrlich und in Freuden“ leben; die im Taumel des Lebens das Ziel ihres Da— seins sehen. Nein vor meinen Augen tauchen auf alle die, denen das Leben eine Mühsal und eine Last ist. Unter den Mühseligen haben wir die unter der Arbeit Seufzenden zu verstehen. Wie⸗ viele gehören dazu! Wie verlangt gerade eine Zeit, wie sie eben unser Volk durchmacht, so viel Arbeit in allen Berufen. Nur die Arbeit kann uns ja retten. Unser Volk muß viel und reich⸗ lich arbeiten. Aber wie schwer hat es deshalb unser Volk. Was soll da uns die Arbeitslust erhalten? Was kann uns die Müh⸗ sal erträglich machen?
Und noch andere sehe ich vor mir, wenn ich obige Worte lese. Ich denke an die Gebrechen, die uns das Leben so schwer machen. Die Mühsal der Arbeit ist hart. Aber noch härter ist es, noch nicht einmal arbeiten zu können! Welch ein Elend gibt es doch auf Erden! Das sind die Beladenen. Auf ihnen liegt eine schwere Last, unter der sie ständig zusammenzubrechen drohen. Aber gerade davon sehen wir heute so wenig. Das
kurjus der Evangelischen Volksgemeinschaft am 19. und e e in Ober⸗Lals.
exquicken!“ Wie mögen bei diesen Worten so viele aufgehorcht haben. Auch wir horchen heute wieder auf diesen Heilandsruf. Der Herr will helfen!
drgan der Evangelischen Volksgemeinschaft
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Sonnabend, den 6. Februn 1926.
deln gezwungen war. Heute sei es nicht nur sittliche, sondern auch religiöse Pflicht des bewußt evangelischen Christen, Bewegungen wie die E. V. zu unterstützen, die mit den obersten Grundsätzen des Christentums: Gerechtigkeit und Liebe auch die sozialen Fragen des wirtschaftlichen Lebens lösen und so unserem Volke hel⸗ fen wolle. Auch dieser Redner erntete für seine klaren Darlegungen großen Beifall. Diese Tatsache, daß den drei Rednern, die keine wirtschaftlichen Fragen in erster Linie behandelten, in einer Bauernversammlung so starker Beifall gezollt wurde, ist ein Beweis dafür, daß unsere Bauern auch solche Vorträge wollen und Liebe zur evangelischen Sache haben. Damit hatte auch einer unserer bäuerlichen Freunde recht gehabt, als er vor dem Vortrag über die Nöte des Bauernstandes erst um diese Vorträge bat.
Nach kurzer Pause nahm dann Pfarrer Weidner das Wort zu der Frage: Wie kann der Not des Bauern gesteuert werden? Diese Frage wurde in mehr als zweistündigen, sehr interessanten und belehrenden Aus⸗ führungen beantwortet. U. a. führte der Redner aus: Die wirtschaftliche Notlage des Bauern erklärt sich aus dem niedrigen Preis der bäuerlichen Erzeugnisse und der hohen Preise der landwirtschaftlichen Bedarfs⸗ artikel. Dazu kommt ein Steuerdruck, wie ihn der Bauer noch nicht erlebt hat. Daß hier mancher Nachlaß zu erreichen sei, wenn der Staat den Verwaltungs- und Parlamentsapparat abbaue, sei klar. Der Steuerdruck im Bauernstand ist aber auch deswegen so groß, weil innerhalb der Landwirtschaft in steuerlicher Hinsicht eine große Ungerechtigkeit bestehe. Die meisten Groß⸗ grundbesitzer zahlen heute keine Einkommensteuer. Wo sei der Bauer, der von der Einkommensteuer befreit sei? (An einer Reihe von Beispielen konnte gezeigt werden, wie der Großgrundbesitz keine oder ganz geringe Ein— kommensteuer bezahlt.) Aehnlich liege es auch bei an⸗ deren Steuern. Die E. V., die heute schon in ihren Reihen eine ganze Anzahl bekannter, tüchtiger Bauern habe, werde sich mit aller Kraft für den um sein Dasein schwer ringenden Bauernstand einsetzen.
Obwohl die vielen Vorträge große Anforderungen an die Anwesenden stellten, waren sie auch noch den letzten, sie allerdings besonders interessierenden Aus⸗ führungen mit größter Aufmerksamkeit gefolgt, was der starke Beifall am Ende des Vortrags zeigte. Bevor dann um 7 Uhr die Versammlung geschlossen wurde, ward einstimmig die bereits in voriger Nummer mit⸗ geteilte Entschließung angenommen.
Elend, der Kummer, das Sichtum, die Trauer scheuen die Oeffent⸗ lichkeit und flüchten in stille einsame Kammern. Aus dem Wege kann man aber all dem nicht gehen. Die Not klopft an die Türen in Stadt und Land und kommt herein, ob sie der Mensch mag oder nicht.
Aber in diese Mühsal und in diese Beladenheit hinein ruft Jesus so lockend und so mild:„Kommet her zu mir, ich will euch
Nicht so will er helfen, daß er uns die Arbeit und alles Leid abnimmt. Das wäre ja so, wie wenn ein törichter Vater selber alle Arbeit schaffen würde und seine Kin⸗ der zu gar keiner Arbeit herannimmt. Aus solchen Kindern werden bekanntlich Taugenichtse. Er nimmt uns darum auch nicht das Leid ab. Es kann ja auch im Leiden viel Segen liegen. Deshalb will Jesus unsere Last nur erträglich machen. Dazu dient sein sanftes Joch.
Wenn Zugtiere im Morgenland angeschirrt werden, dann legt man ihnen ein Joch auf den Nacken, woran die Zugriemen befestigt werden. Bei uns legt man den Pferden ein hölzernes Gestell um den Hals. Aber wie würde das Holz die armen Pferde an den Stellen verletzen, an denen es den Körper be⸗ rührt. Deshalb legt man ein sanftes Kissen darunter. Nun kann das Pferd schwere Lasten ziehen. So will auch Jesus uns ein sanftes Joch auflegen, damit auch wir unsere Lasten leich⸗ ter tragen können. Das Geheimnis dieses sanften Joches liegt in dem Vertrauen zu seinem Vater. Was lag darin für Jesus eine Quelle der Kraft! Was hat Jesus in diesem Vertrauen alles tragen können! Dadurch war er bei allem Tun sanftmütig, bei allem Leiden demütig. Bei seiner Arbeit fühlte er sich seinem Vater im Himmel verantwortlich. Bei seinem Leiden stellte er sich demütig unter seines Vaters Willen. Da wußte er, daß er keinem blinden Zufall preisgegeben war. Nein, sein Vater im Himmel hatte ihm den bitteren Kelch gesandt.
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Ist aus konfessionellen Gründen die Evangelische Vollsgemeinsthaft notwendig? Bericht über den Vortrag des Herrn Pfarrer Ide-Höchst a. M.,
gehalten auf dem ersten Rednerkursus der Evangelischen Volks⸗ gemeinschaft in Ober-Lais.
Zwei Momente bestimmen die Bewegung der Evangelischen Volksgemeinschaft: 1. das soziale, die Hilfe für alle Notleidenden und Schwachen, einerlei welchen Standes, 2. das konfessionelle. Obgleich in Oberhessen mit Ausnahme der Wetterau, wo die Schaffung des Klosters Ilbenstadt friedestörend wirkt, keine konfessio⸗ nellen Gegensätze bestehen, müssen die Bewohner doch etwas davon hören. Redner schildert dann die päpst⸗ lichen Einwirkungen auf Staaten wie Lettland, Li⸗ tauen und Polen. Von 65 000 Evangelischen in Posen sind jetzt noch 8000 da. Alle anderen sind durch die Katholiken vertrieben worden. Im Süden Deutschlands liegen Pläne vor, aus Oesterreich, Tirol und Bayern einen neuen Donaustaat zu bilden. Auch dieser Plan komme von Rom und würde unser Vaterland zerreißen. Obgleich der Papst durch einen Nuntius in Berlin für Deutschland vertreten sei, so sendet er noch einen beson⸗ deren Nuntius nach München. Dadurch würde Deutsch— land zerteilt werden. Auch der Separatismus im Rhein⸗ land stellt Machenschaften dar, deren Fäden in Rom enden. In Höchst a. M. sind mehrere Hundert aus⸗ gewiesen worden. Aber bis auf ganz wenige waren es nur Evangelische. Katholisch war ein Freibrief, der vor der Ausweisung schützte. 200 evangelische Geist— liche standen im Rheinland auf der Ausweisungsliste. Im linksrheinischen Köln besteht ein evangelisches und zehn katholische Krankenhäuser. Von diesen wurde das einzige evangelische Krankenhaus von der Besatzung be— schlagnahmt! Daselbst gibt es vier evangelische und ungefähr 100 katholische Kirchen. Von den vier evan⸗ gelischen wurden drei Kirchen beschlagnahmt, aber keine einzige katholische Kirche!
Ferner hat man versucht, ganz Deutschland mit Propagandamitteln zu durchsetzen. Die Aufgabe der päpstlichen Gesandten in Berlin und München besteht nicht darin, die Interessen einer ausländischen Macht wahrzunehmen, sondern sie haben die Angelegenheiten von katholischen Deutschen im deutschen Lande selbst zu vertreten. Die Zahl der römischen Priester ist unge— heuer groß. Es leben in Deutschland 20 100 Leut⸗ priester und 3000 Ordenspriester(Mönche). Dagegen gibt es nur 17 000 evangelische Pfarrer. Dabei ist doch die evangelische Bevölkerung doppelt so groß wie die katholische. Außerdem wurden eine Menge neuer Klö⸗ ster gegründet. Diese kaufen das Land der in Schwie⸗ rigkeit gekommenen Bauern auf, welche dann nur unter
Und davon sagte der Herr:„Lernet von mir!“ Wollen wir es nicht lernen? Gewiß so wie einen Spruch, kann man das nicht lernen. Da müssen wir auf das Leben unseres Heilandes sehen, wie er es uns vorgemacht hat.
Deiner Sanftmut Schild, deiner Demut Bild mir anlege, in mich präge,
daß kein Zorn noch Stolz sich rege;
vor dir sonst nichts gilt als dein eigen Bild. Amen
Hr.
Wilhelm Buth, Blicke in die Hessen⸗Darmstädtischen Lande.
Aus den hessischen Volksbüchern. 3. Abschnitt.
der Wolterauer.
(2. Fortsetzung.)
Freilich haben alle diese Laster, wie wir sogleich weiter sehen werden, bei dem Wetterauer einen äußeren Anstrich von Ehrbarkeit, der einen längeren Umgang mit ihm voraussetzt, um wahrzunehmen, ich welch hohem Grade er von denselben be⸗ herrscht wird. Ein hoher Grad von Trägheit wird bei ihm noch immer dadurch besiegt, daß man doch mit den Leuten fertig werden, in keinem Stück der Letzte sein will. Hilft aber auch dieser Grund nicht mehr, so legt man dem Wetterauer alle an— deren vergeblich ans Herz.
Kommt der Wetterauer bei Arbeit und Ueberlegung dennoch in Rückstand, so sieht er sich als einen von dem Schicksal Miß⸗ handelten an, dem nichts mehr unerlaubt sei. Der Mann, wel⸗ cher vor drei Monaten noch viel Gutes hatte, ist dann durch einen plötzlichen Entschluß Bösewicht.
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