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Erscheint zunächst wöchentlich am Samstag. Bezugspreis: 50 Pfg. monatlich frei ins Haus.

ür Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert. Schriftleitung: Edwin Hamburger in Staden(Oberh.)

Lahrgang.

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Peosen und ziele der evangelifchen Volksgemeinschaft.

Von Christian Deutschmann. (J. Fortsetzung.)

Vaterland!

Die Registriersüchtigen, von denen wir sprachen, treten

loch mit einer andern Frage an uns heran; seid ihr eine Rechts wer Linls⸗ oder Mittelpartei, seid ihr national, international der was soust? Darauf erwidern wir: wir wünschen weder gechts noch links noch in der Mitte eingereiht, sondern einzig ls christliche Partei angesprochen zu werden. Gegenüber jenen, welche aus dem Staat einen Götzen und zus der Rasse ein Idol machen, glauben wir dem Supremat der jöttlichen über alle weltlichen staatlichen Gesetze und Ord ungen, dem Primat des Christlichen vor dem Völkischen betonen Und wo die weltliche Obrigkeit etwas von uns for rn wollte, was gegen Gottes klaren Willen und unser christ ches Gewissen wäre, da wären wir nicht im Zweifel, daß man sott mehr gehorchen muß als Menschen(Apg. 5, 29).

Wir haben aber erst recht keine Gemeinschaft mit jenen an ern, die uns ansinnen möchten, um der überweltlichen Art und

ationalen Vorurteilen und Befangenheiten, wie Volk und zaterland, frei zu machen. Das WortVaterland! steht auf siserm Panier, um zu bekunden, daß wir die Vaterlandsliebe legen wollen und die gewollte Vaterlandslosigkeit verachten!

Für die E. V. sind Volk und Vaterland nicht nur höchste dische, sondern höchste sittliche Güter und Werte. Das deutsche holt ist uns die größere Familie, in die wir nach Gottes Willen ineingehoren sind und mit deren Gliedern Er uns durch die larken Bande desselben Volkstums, derselben Sprache und Sitte ind Art verbunden hat. Das schöne Bild, das der Apostel gaulus(1. Kor. 12) gezeichnet hat, ist uns ein Bild auch der uͤganischen Volksgemeinschaft, wie sie uns vorschwebt:Viele lieder, aber alle sind Glieder eines Leibes. Wenn ein Glied südet, so leiden alle Glieder mit, und wenn ein Glied Ehre Inpfängt, so freuen sich alle Glieder mit. Auch soll es in dem eib keine Spaltung geben, sondern die Glieder einträchtig für⸗ nander sorgen. So soll es sein, und daß es so auch in un erm Vaterlande werde, dafür will die E. V. mit allen Gleich⸗ esinnten die Hände rühren.Einigkeit und Recht und Freiheit ür das deutsche Vaterland danach laßt uns alle streben hrüderlich mit Herz und Hand! Gerade als christliche Deutsche önnen wir nicht anders als unser Volk und Vaterland von herzen lieb haben, denn:wer die irdische Heimat nicht liebt, je er sieht, wie kann er die ewige Heimat lieben, die er nicht eht?(Bezzel.)

Die E. V. steht auf dem Boden der Reichsverfassung. Das deutet, daß sie sich ihre gewissenhafte Beobachtung angelegen ein lassen und nichts unternehmen oder gutheißen wird, was gegen dieselbe verstößt. Es bedeutet allerdings nicht ohne wei⸗

teres, daß die E. V. damit der republikanischen Staatsform den Vorzug vor der monarchischen zuerkennt. Die E. V. ist in die Republik hineingeboren, hat aber nicht, wie die alten Parteien, für oder gegen dieselbe ihr Votum abgegeben und beabsichtigt es als Partei auch in Zukunft nicht zu tun. Denn das Christen tum läßt die Frage:Republik oder Monarchie? unentschieden. Dementsprechend heißt es hier für die E. V.: in dubiis libertas (in zweifelhaften Fragen gewähre man Freiheit). Nur das muß sie von jeder Verfassung der Staatsform fordern, daß sie christ lichem Geist und christlicher Art vollen Raum gebe, sich zu ent falten!

Unter diesem Vorbehalt wird die E. V. jede verfassungs⸗ mäßige Regierung beim Wiederaufbau und Ausbau des Staats⸗ wesens, wie auch in der entschlossenen Abwehr aller Umsturz versuche, die an die Stelle ruhiger Evolution aufs neue die Revolution setzen wollen, bereitwilligst unterstützen.

Unaufgebbar ist der E. V. die Einheit des Deutschen Reiches. Aber gerade deswegen warnt sie vor einer Ueberspannung des unitaristischen und zentralistischen und vor ungenügender Bexück sichtigung des föderalistischen Prinzips. Der Verfasser dieses ist Preuße und stolz darauf, es zu sein. Aber ebenso wenig, wie er das eigenstgatliche Leben Preußens der Verkümmerung preis⸗ geben möchte, hält er es für geraten, solche Verkümmerung an⸗ dern deutschen Ländern, in denen Geschichte und Eigenart es sich verständnisvoll einzufühlen gilt, zuzumuten oder gar aufzuzwin⸗ gen. Das Eine muß freilich von allen Teilen unverrückt im Auge behalten werden, daß das Zusammenhaltende, Einigende stärker und fester sei(und bleibe) als das Trennende!

In dem Versailler Vertrag erblickt die E. V. die Haupt⸗ ursache unseres Niedergangs und das Haupthemmnis unsres Wiederaufstiegs. Gegen ihn und damit gegen die Lüge von der Alleinschuld(oder auch nur Hauptschuld) Deutschlands am Welt- krieg wird sie nicht aufhören zu kämpfen, bis wieder Wahrheit und Gerechtigkeit triumphieren und dem deutschen Volk in allen seinen Gliedern(auch denen, die zurzeit noch unter fremdes Joch gezwungen sind) der Tag der Freiheit strahlt!

Die E. V. will den Frieden. Sie steht deshalb allen frie⸗ densfreundlichen Bestrebungen und Einrichtungen voll aufrich⸗ tiger Sympathie gegenüber, welche das Recht gegen die Gewalt verteidigen und schützen. Vom sogen. Pazifismus indes trennt sie ihre christliche Erkenntnis, insofern jener nicht mit der un widerleglichen Realität der Sünde rechnet(auch seine Friedens⸗ ziele mit parteipolitischen Tendenzen verquickt), und die Ueber⸗ zeugung, daß vom christlichen Standpunkt aus unter Umständen, und wenn alle Mittel friedlicher Verständigung erschöpft sind, auch ein Krieg gerechtfertigt, wo nicht gar geboten sein kann. Darum darf, neben der körperlichen Ertüchtigung überhaupt,

vangelische Warte

Evangelischen Volksgemeinschaft

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Nummer 23.

auch die Erziehung zur Wehrhaftigkeit, die auf verschiedenen Wehen denkbar ist, nicht fehlen.

Heiße Liebe zu Volk und Vaterland, treuer Dienst an Staat und Volksgemeinschaft, selbstlose Hingabe an und für das Ganze das liegt für uns in dem teuren Wort: Vaterland.

(Fortsetzung folgt.)

Evangelijch.

Darüber lesen wir imEv. Volksboten:

Der Marxismus erklärt alles aus seiner materia listischen Weltanschauung heraus. Die uns so auf der Seele brennende Arbeiterfrage wird hier sehr einfach ge⸗ löst;: Führt man den Sozialismus ein(Ueberführung der Produktionsmittel in den Besitz der Allgemeinheit), dann wird durch die Besserung der materiellen Verhält- nisse, in denen die Menschen leben müssen und werden, alles besser. Gegen diesen Materialismus sind schon die Arbeiterbildungsvereine, Kulturbildungsbestrebun⸗ gen der Sozialisten usw. ein Protest. Die Arbeiter- frage ist 1. eine wirtschaftliche und 2. eine seelische. Es ist der Fehler der Sozialdemokratie, daß sie die wirt schaftliche Frage als die erste ansieht. Für uns ist die wichtere Frage die seelische. Die jetzt zu beobach⸗ tendeReaktion ist eine Folge der oftmaligen Ueber⸗ spannung der wirtschaftlichen Belange und Macht durch die Arbeitnehmer in der Revolutions- und Nachrevolu tionszeit. Das organisierte Unternehmertum will die Organisationen der Arbeitnehmer zertrümmern. Damit ist unserem Volke keineswegs gedient.

Das Proletariat(in diesem Zusammenhang soll dies unzutreffende Wort einmal gebraucht werden) ist als Stand jung. Es hat noch keine Geschichte und keine innere Verbindung mit seinem Volk, seiner Religion, Kirche und Arbeit. Es scheint schicksalsmäßig zum Elend verurteilt. Die Zukunft unseres Volkes liegt aber auch in der Hand des Proletariats. Darum unsere Arbeit am Proletariat.

Wenn wir in unserer Bewegung für die Arbeit⸗ nehmer und um die Arbeitnehmer kämpfen, so ist dieser Kampf nicht nur ein materieller. Es geht um den Ar⸗ beiter als Mensch mit einer lebendigen Seele, der mehr wert ist als alles andere. Und wenn wir das Verhältnis des Arbeiters zum Berufe ansehen, ist es erschütternd, zu beobachten, wie gering die innere Verbindung mit dem Berufe ist. Die Freude an der Arbeit fehlt aber heute unleugbar in allen Ständen und Schichten unseres Vol⸗ kes weithin. Warum? Es fehlt an der rechten Berufs⸗ auffassung. Katholische Auffassung ist: Arbeit ist zwar wertvoll, aber noch wertvoller ist die kultische Betäti⸗ gung.

Die Paulinische Auffassung: Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.

Reich und arm.

Lucas 16,1921. Es war ein reicher Mann, der kleidete sich mit Purpur und köstlicher Leinwand, und lebte alle Tage herrlich und in Freuden. Es war aber ein Armer, mit Namen Lazarus, der lag vor seiner Tür voller Schwären und begehrte, sich zu sättigen von den Brosamen, die von des Reichen Tische fielen; doch kamen die Hunde und leckten ihm seine Schwären.

So lange es Menschen gibt, besteht auch dieser Unterschied wischen Reichtum und Armut. Wir dürfen zu den Kulturvöl⸗ ern oder zu den wilden Stämmen Afrikas kommen, dann sehen ar eine Gleichheit nur darin, daß überall einer mehr hat wie r andere. Diese Ungleichheit des Besitzes verlockt den Armen ur Habsucht. Er möchte gerne das auch haben, was der andere (t. Meistens sehnen sich diejenigen, die gar nichts besitzen da ich, den Besitz der Wohlhabenden zu teilen. Sie wissen dann enz genau, daß sie nur zu empfangen haben. Sobald sich je⸗ and aus dem besitzlosen Zustand erhebt, dann will er auch nicht ellen.

Jesus will nun mit dieser Geschichte vom reichen Mann und inen Lazarus gar nicht über diesen Unterschied von mehr oder beniger besitzen, reden. Sondern Jesus denkt an die Leute, welche üchts arbeiten und doch ein herrliches Leben führen. Zwar mit Einwand und Purpurgewändern kleiden sich diese arbeitslosen leichen heute nicht mehr. Die männliche Kleidung ist heute da ir zu schlicht und farblos. Wo heute noch Putz entfal'et wer⸗ n kann, das sind die Kleider der Frauen. Dort wird mit Samt d Seide, mit goldenen und silbernen Arm- und Fingerringen en überschwänglicher Prunk entfaltet. In einer Zeit, von der an sagt, daß nur Arbeit und wieder Arbeit uns retten kann, I gibt es eine Schicht von Leuten, die weder säen noch ernten, leder spinnen noch feilen, weder schreiben noch verwalten und ch Frauen haben wie die Blumen und Söhne wie die Papageien.

as sind die arbeitslosen Reichen. Meist ist les nicht ihr Ver⸗

dienst, daß sie diesen Reichtum haben. Der Eine hat es ererbt, der Andere hat es am Fernsprecher sitzend spielend in der In⸗ flationszeit erworben, während andere alles verloren haben.

Wenn Volkszählung ist, dann wissen diese Leute keinen Be⸗ ruf anzugeben. Sie treffen dadurch mit den Erwerbslosen zu⸗ sammen, die durch die Not unseres Wirtschaftslebens ohne Beruf sind. Da gibt es Arbeitslose oben und Arbeitslose unten. Diese unterscheiden sich nur dadurch, daß die Einen gerne arbeiten möchten, wenn sie nur Arbeit fänden, die Anderen leicht Arbeit finden könnten, aber nicht arbeiten mögen. Wir treffen dem⸗ nach in unserem Volke auch diese beiden an, von denen uns Jesus erzählt: Den reichen Mann und den armen Lazarus. Wo das Luxusautomobil fährt, da sitzt auch der Bettler am Straßen rande. Der reiche Mann liegt auf dem Polster, der arme Laza⸗ rus auf dem harten Stein. Beide sind für die Mitmenschen ohne Nutzen.

Leider finden diese Arbeitslosen von oben und unten nicht den Weg zu einander. Sie könnten sich doch zusammentun und einander helfen. Der Eine könnte Arbeitsmöglichkeit schaffen, allerdings dann muß er auch arbeiten, der Andere könnte dann Arbeit finden und ehrlich sein Brot verdienen. Aber beide fin⸗ den sich nicht. Man gewöhnt sich oben daran, daß es diese elen⸗ den Menschen gibt. Man redet zwar einmal vom armen Laza⸗ rus. Man jammert darüber, was die Polizei für eine Last mit diesenLumpen hat, in Zeitungen berichtet man von der Roh⸗ heit dieser Menschen. Großmütig gibt der reiche Mann auch einen ganzen Groschen diesem armen Lazarus. Was kann man denn machen, wenn man nicht unbarmherzig scheinen will. Aber weiter geht er nicht. Den armen Mann als vollgültigen Men⸗ schen achten und neben sich stellen, das weist er weit von sich. Er hält sich allein für den vollgültigen Menschen. Alles andere gehört zur großen Herde. Herden müssen geführt und ange⸗ trieben werden. Das ist die Masse, der Plebs. Und wonach sehnen sich doch unsere unteren Schichten? Ist es nicht der Wunsch, auch als vollgültiger Mensch geachtet zu werden? Daß sie zur Erlangung dieses Wunsches einen Weg zumeist gehen, der

sie wie in einem Irrgarten nie an das Ziel kommen läßt, das zeigt uns Jesus auch in seiner Geschichte.

Jesus führt uns in das Jenseits. Vor Gott gilt eine an⸗ dere Schätzung als bei den Menschen. Alle irdische Herrlichkeit ist abgefallen. Nackt steht die Seele vor Gott. Da werden diese Seelen nicht nach reich und arm unterschieden, es sind alles Menschenseelen. Würden unsere Proletarier daran denken, dann würden sie ihrem Ziele näher kommen. Alle frommen Menschen würden ihnen helfen, daß sie als gleichwertige Men⸗ schen geachtet werden. Alle, die das Leben unter dem Lichte der Ewigkeit zu betrachten gewohnt sind, würden helfen, daß schon auf Erden diese Menschenseelen etwas gelten. So aber trachten die meisten nur nach materieller Verbesserung ihrer Lage, lassen ihre Seele verhungern und verdürsten, spotten oft über Religion und Glauben. Das tut der reiche Arbeitslose auch. Da haben wir den Materialismus ob und unten. Der arme Mann trägt schwer daran im Leben, der reiche Mann aber muß die Folgen im Tode tragen. Da sehnt er sich nach einem löschenden Tropfen Gottesliebe. Niemand wird sein, der ihm diesen bringt.

Für Jesus war es damals selbstverständlich, daß der arme Lazarus, der auf Erden wirtschaftlich und körperlich nur Not er⸗ fahren hat, seine Gedanken auf den Himmel richtet. Leider haben wir uns daran gewöhnen müssen, dies nur als Ausnahme anzu⸗ treffen. Führer nicht deutschen Stammes haben dies verschuldet. Wir christlichen Leute aber sind bereit, unsere armen Mit⸗ menschen unter dem Scheine der Ewigkeit als Menschen mit unsterblichen Menschenseelen zu achten. Wir wollen sie locken und um sie werben, daß sie ihr Leben auch unter diesem Scheine der Ewigkeit betrachten. Dann wird vieles von der Verachtung, die jetzt auf ihnen ruht verschwinden. Dann werden sie die Er⸗ füllung ihrer Sehnsucht nach Gleichachtung und gleicher Gele- ag bald sehen. Wenn vielleicht auch die Besitzenden oben nicht ar ders von ihnen denken, so wird man im übrigen Volke gerne anders denken lernen. Ein Mensch, der Gott hat, gilt eber immer mehr als ein Mensch ohne Gott, auch wenn er alle Reich⸗ tümmer der Welt besäße. Amen. Hr.