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Sonnabend, den 4. Dezember 1926.

Christo Jesu gilt nur der Glaube, der durch die Liebe sich betätigt; der Glaube ohne Werke ist tot. Wenn die Evangelische Gewerkschaft den Arbeitern geistliche Hilfe bietet, dann kann sie nicht an der äußeren Not und dem äußeren Elend derselben vorübergehen, ohne auch da zu helfen, soweit sie es vermag. Bei aller leiblichen Hilfe aber gilt das Bibelwort zu beachten:Was hülfe es den Menschen, so er die ganze Welt gewinne und nehme doch Schaden an seiner Seele?

Eine Gewerkschaft wie die anderen, die nur eine materielle Zwecksatzung haben, will die Evangelische Gewerkschaft niemals werden. Sie will den Arbeitern durch das Evangelium helfen. Das schließt den Kon⸗ kurrenzkampf zu den anderen Gewerkschaften aus; aber nicht den Kampf um die Gewinnung der Arbeiter für das Evangelium. Bei allen wirtschaftlichen Fragen, die das Wohl der Arbeiter betreffen, insbesondere bei Bewegungen um Erreichung gerechter Löhne, wird die Evangelische Gewerkschaft mit den anderen Gewerkschaf ten zusammenstehen, soweit das christliche Gewissen es erlauben wird; selbst gegebenenfalls im Streik, wenn die von Christen zu begehenden Wege der Verständigung nicht zur Beseitigung von Zuständen führen, gegen die sich das Gewissen auflehnen muß. Ein Streik unter die sen Umständen ist kein Klassenkampf. Zur Empfehlung des Wirtschaftsfriedens fehlt leider auf Seite der Ar⸗ beitgeber noch jegliche Voraussetzung. Was nützt es, wenn die Arbeitnehmer aus ideellen Gründen den Streik ablehnen, oder sich dagegen stellen und die Ar beitgeber mißbrauchen die Idee des Wirtschoftsfriedens zur Senkung des Lohnes und zur Verschlechterung der Betriebsverhältnisse? Erst dann, wenn die Arbeitgeber das Recht der Arbeiter auf gerechte Entlohnung beach ten und darnach handeln, kann ein Wirtschaftsfriede möglich sein. In einer von allen sittlichen Prinzipien losgelösten Wirtschaftsordnung, wie der Gegenwär tigen, die nur den Erwerb kennt, wird das aber nicht der Fall sein. Doch, wenn die Arbeitgeber das Evan gelium glauben, werden sie sich auch sozial einstellen.

Auf keinem anderen Weg ist ein missionierendes Eindringen ins praktische Wirtschaftsleben so möglich, als durch die gewerkschaftliche Organisation, die es er⸗ möglicht, unmittelbar auf Arbeitgeber und Arbeitneh mer einzuwirken. Zur Mission des Evangeliums bei Arbeitgebern und bei Arbeitnehmern ist darum die Evangelische Gewerkschaft eine Notwendigkeit. Gleich⸗ zeitig erschließt dieselbe damit im Rahmen der evange lisch⸗sozialen Bewegung einen neuen Kanal innerer Missionstätigkeit.

Zur Evangelischen Gewerkschaft werden alle die Arbeiter den Weg finden, die das evangelische Christen⸗ tum nicht nur selbst ausleben, sondern dasselbe auch den andersdenkenden Arbeitgebern und Arbeitnehmern an bieten wollen, im Bewußtsein, daß das Evangelium und sein Heil die beste Hilfe für alle Arbeiter ist. Solche Arbeiter gibt es nun an allen Orten. Als Ein⸗ zelne haben sie nur geringen Einfluß. Zusammenge⸗ schlossen sind sie mächtig und stark. Ihre zahlenmäßige Stärke ist nicht entscheidend; umsomehr aber die Kraft Gottes, die mit ihnen ist. Andererseits werden diese Arbeiter viel freudigere Zeugen des Evangeliums sein, wenn sie sich verbunden wissen in geistlicher Cesinnung und zum gemeinsamen Tragen der Lasten, die das Wirt⸗ schaftsleben den Einzelnen auferlegt. Gott segnet ihr Wirken, weil es bei aller äußeren Macht der evange⸗ liumsfeindlichen Weltanschauungen doch noch Arbeiter gibt, die sich willig Gott hingeben, wenn ihnen die Gnade desselben angeboten wird.

Arbeitslos.

Der Winter ist vor der Tür! Abertausende von Familien, deren Ernährer seit Wochen und Monaten arbeitslos ist, haben weder Kohlen noch Holz, keine Kartoffeln noch sonst einen Wintervorrat. Kleider und Schuhe sind abgetragen und fadenscheinig. Bit⸗ tere Not steht vor der Türe, bei vielen Haushaltungen hat sie schon längst die Schwelle überschritten. Mit traurigen, trüben Augen blicken Vater und Mutter auf die Kinder, deren Kleider und Unterwäsche, die die kommende Kälte des herannahenden Winters nicht mehr abhalten werden. Mit klappernden Zähnen und hungrigen Mägen müssen die Kinder zur Schule. Weil

Evangelische Warte

heiten und Empfänglichkeit für Tuberkulose. Schon mancher evangelische Arbeiter, der in dieser Lage war und ist, muß empfinden, daß es so wenig wahres Chri⸗ stentum gibt. Was für schwere Verantwortung laden diejenigen christlichen Kreise auf sich, welche die Mittel und Wege hätten, zu helfen, dieses aber aus selbstsüch⸗ tigen Gründen nicht tun. Wer sich in einer Arbeiter⸗ familie, deren Ernährer 612 Monate arbeitslos ist, umsieht, der lernt die Not kennen, bittere Not. Denken wir an die vielen schön verlaufenen sozialen Kongresse, die in den letzten 5 Jahren abgehalten wurden, an die schönen, salbungsvollen, schwunghaften Reden und dann an die Taten, so könnte man weinen, wenn man heute das krasse Elend und die bittere Not mit ansieht. Wenn der Kommunismus und die Anarchie täglich an Boden gewinnen, so haben gerade diejenigen christlichen Kreise, die Christen sind bis an den Geldbeutel, die Hauptschuld und wir dürfen uns nicht täuschen lassen, auch diese Schuld rächt sich, denn ein armer, arbeitsloser Familien⸗ vater, eine arbeitslose Arbeiterin, denen Tag für Tag die Kleider am Leibe zu groß werden, sind, wenn sie nicht einen tiefen, festen Halt an Jesus Christus haben, bald dem Kommunismus ausgeliefert. Derjenige, der monatelang unter den Arbeitslosen ist und mit ihnen zusammenkommt, der weiß, was für Gefahren und An fechtungen ein Arbeitsloser ausgesetzt ist. Wer hilft den Armen, daß ihnen nicht des Gottesvertrauens Fa den bricht. Auf, ihr Christen, den Geldbeutel auf, helft wo es not tut und schafft Arbeit!

Paul Steinmüller und die geistige Erneuernng.

Von Gustav Hildebrant.

Paul Steinmüller, einer der stärksten Vorkämpfer der geistig⸗seelischen Erneuerung unseres Volkes, hat bereits eine große Gemeinde hinter sich. Am meisten bekannt geworden ist er durch seine Rhapsodien-Bücher (Rhapsodien der Freude, Rhapsodien des Lebens.) Aber man hört vielfach den Einwand, es seien doch nur ganz bestimmte, überwiegendchristliche Kreise, die ihn lesen; die Mehrheit des Volkes wisse nichts von ihm, an sie komme er nicht heran.

Wenn dem so sein sollte, dann wäre es freilich un endlich zu bedauern, denn was dieser Mann uns zu sagen hat, geht nicht nur die eigentlichen christlichen Kreise an, sondern in noch weit höherem Maße alle jene, die heute nicht mehr als christlich angesprochen sein wollen. Was Steinmüller unserer Zeit zu sagen hat, geht das gesamte deutsche Volk an, einerlei, ob es christ⸗ lich oder nicht christlich im landläufigen Sinne, ob es national oder international ist, bezw. sein will. Man lese in diesem Hinblick vornehmlich seineSendschrei⸗ ben an das deutsche Volk und seineFeuerrufe in Deutschlands Nacht. Und wenn man sie auf sich hat wirken lassen und in ihrer außerordentlichen Bedeutung für die geistig⸗seelische Erneuerung unseres Volkes er⸗ kannt hat, dann greife man zu seinem Jesus⸗Buch, und man wird eine geistige Neugeburt in sich erleben.

Wer Steinmüller kennt, der weiß, daß jedes seiner Werke mit Herzblut geschrieben ist, am meisten und tiefsten jene, die vom Leid und der Not unserer Zeit und dem Weg zur Erlösung künden. Wer Steinmüller persönlich kennen lernte in seinem schweren körperlichen Leiden und damit die gleichzeitige, ungeheure, geistige Schaffenskraft vergleicht, der weiß auch, daß sich in die⸗ sem Manne ein hehres Wunder vollzieht, der weiß, daß dieser Mann dem siechen Deutschland unserer Tage ein leuchtendes Beispiel gibt, wie der Geist die Materie überwindet.

Von ganz eigenem Reiz und Wert ist auch sein neues Büchlein von der EheDer goldene Ring. In diesem Buche findet sich das Feinste und Köstlichste, was ein Dichter und Denker unserer Zeit über die Ehe schrei⸗ ben konnte. Dieses köstliche Buch konnte nur ein Ethiker schreiben, der zugleich ein Dichter vom Schlage Stein müllers ist, der das Unsagbare zu sagen weiß. Nur ein Dichter wie Steinmüller konnte über die Ehe schreiben, daß es für alle Aufstrebenden nutzbringend ist und geistig⸗seelischen Gewinn birgt. Das Büchlein enthält Geistesperlen von bestrickendem Zauber, wie sie nur ein

Dornenwege. Roman von Clara Meller.

Nur flüchtig vermochte dies Treiben sie zu fesseln, weiter hüpfte sie dem Hause zu. Mit einem Blick übersah sie, daß Mutter über ihr langes Ausbleiben zürnte, doch bevor nur ein verweisendes Wort derem Munde entflohen war, drückte sie die schwellenden Lippen darauf, schmeichelte und liebkoste und wirklich bekam sie von der Schwester ihren Kaffee nachserviert. Dabei erzählte sie so drollig, lachte so herzhaft, daß niemand ihr böse sein konnte.

Ein flüchtiger Einblick in diese kleine Familie mußte den Schein erwecken, als verbreitete behagliche Sorglosigkeit den wohltuenden Zauber liebenswürdiger Feinheit über dieses innige Zusammenleben und doch mühte die kleine, zierliche Frau sich täglich Unterricht zu erteilen, da das harte Schicksal ihr Vermögen fast dahinschmelzen ließ. Ob sie es noch schmerzlich empfand, die den Wert des Geldes als Tochter des wohl⸗ habenden, hochangesehenen Brauereibesitzers, nie so recht kennen lernte? Wohl kaum, der Frohsinn der wohlerzogenen Kinder, stumpfte die Schneide der Sorge.

Wenn im Kleinstadtleben der Gang des täglichen Einerlei unterbrochen wird, dann nehmen alle Bewohner Teil und namentlich trugen die Jahrmärkte früherer Jahre ein viel leb⸗ hafteres Gepräge, was heute durch das veränderte Handels- und Verkehrswesen ausgeschlossen ist.

die Mittel zur nötigen Nahrung fehlen, bleiben die

Kinder im Wachstum und in der Entwicklung zurück. Die Folgen der Unterernährung sind schleichende Krank

Nr. 49 Dichter formen kann. Ich will nur einige Stellen an⸗ führen:

Kinder sind nicht unser Eigentum, sondern kleine Fremdlinge, die bei uns einkehren, um nach dem Wege zu fragen. War die Seele, die unsere Erde betritt, schon einmal hier und kehrt nur wieder? Oder war sie Bürger anderer Welten und in ihrer Reife uns vor⸗ aus? Helfen wir ihr oder gar sie uns?

Wir suchen im Gesicht des Kindes nach Aehnlichem! Mein Fleisch, mein Blut! Ja, doch nicht deine Seele! Denn erst nach zwei Jahrzehnten oder später kommt die Stunde, die uns kundtut, daß unser Kind ein besonde⸗ res Wesen mit eigener Richtung ist. Eine Fremde, ein Nichtverstehen, das nur Dankbarkeit überbrückt, liegt zwischen uns und ihm. Wir überlassen scheidend seinen Händen tote Dinge, von unserer Erkenntnis bleibt ihm Nennenswertes kaum. Ansere Liebe schickt ihre Rufe in die dämmernde Ewigkeit. Welche Seele ihnen folgt wer mag das wissen? And weiterhin:Mutter werden heißt Tor in die Unendlichkeit sein. Nie wie⸗ der fühlt sich die Frau so von den Wellen des Ewigen überströmt, als wenn ihr Schoß das werdende Kind trägt. Woher kommt ihr dies Verschwistertsein mit dem Tode, das so oft ihr Auge mit Tränen verdunkelt? Und doch ist diese Bangigkeit süß, und sie fühlt sich in das Leben gehoben wie nie. Ihre Gedanken, die Säfte ihres sich verfüngenden Leibes und seine Wärme und behut⸗ same Regsamkeit dienen jetzt einem andern Geschöpfe, dem sie zum Dasein verhelfen soll. Sie ist die Wartende am Ufer eines großen Stromes, die weiß, es gleitet etwas auf sie zu, dem sie die Hände reichen, zu dem sie unter Not und Pein sich niederbeugen muß: Komm doch! Ich helfe dir an das Gestade! Und so geht es fort; dieser köstlichen Perlen ist das Büchlein voll, eine im⸗ mer funkelnder als die andere Gedanken von höch⸗ stem sittlichem Gehalt, in ein bezauberndes, dichterisches Gewand gekleidet!

Weil unser Volk in seinen Grundlagen und Keim⸗ zellen krankt, darum kann es nicht genesen. Was nützt uns eine mit großem Tamtam aufgezogeneReichs⸗ gesundheitswoche, wenn man sich am Wichtigsten, am Wesentlichen, der geistig-seelischen Gesundung, vorbei⸗ drückt! Wenn man mit keinem Schimmer erkennt oder wahrhaben will, daß die geistig⸗seelische Gesundung unseres Volkes die Voraussetzung der leiblichen Gesun⸗ dung ist! Die Seele unseres Volkes ist krank, der kör⸗ perliche, schlechte Gesundheitszustand ist nur eine Folge des seelischen Siechtums, der seelischen Verwahrlosung. Macht die Seele des Volkes gesunden, dann findet sich die körperliche Gesundung und Ertüchtigung von selbst. Das aber schafft man nicht mitReichsgesundheits⸗ wochen!

Zur Seele des Volkes gehört auch die Familie, die Ehe. Macht diese Keimzelle des Volkes gesunden, schafft die Grudlagen zu reinen, seelisch-gesunden Eheverhält⸗ nissen, lehrt das Volk wieder die Ehe als das Heiligste achten und pflegen, und ihr werdet staunen, wie auch körperliche Gesundung und Ertüchtigung sich einstellt. Eheberatungsstellen haben wir schon, aber es müssen auch die rechtenBerater herangezogen werden und ihres Amtes walten können ein Amt, zu dem gerade die Weisesten des Volkes gut genug sind.

Weit wichtiger als eine Reichsgesundheitswoche, die nicht im Geistig⸗Seelischen verankert ist, würde mit eine Reichsbeseelungswoche im Sinne Paul Steinmül⸗ lers und Friedrich Lienhards erscheinen welch letz⸗ terer wohl recht eigentlich der Vater des Gedankens der Reichsbeseelung ist, wie er denn ja auch einen ganzen Band seinesMeister der Menschheit unter das Ban⸗ ner derReichsbeseelung gestellt hat.(Seele zu schaf⸗ fen dem Reiche der Deutschen, das werde die Losung.)

Es kann nun nicht meine Absicht sein, eine aus⸗ führliche Abhandlung über Steinmüller und seine Werke zu schreiben(so verlockend diese Aufgabe auch sein mag) ich möchte vielmehr vorerst zur Tat aufrufen und wende mich an alle Freunde und Leser Steinmül⸗ lers, indem ich sie auffordere: Seid mehr als bloße Le⸗ ser und Genießer dieser Schriften, denn sie erheischen mehr von euch, sie verpflichten! Seid wirkliche Helfer im Geiste des Meisters, seid Tatmenschen und helft diese wundervollen Wahrheiten und Erkenntnisse an unser unselig verhetztes und zersplittertes Volk herantragen! Schreitet vom Genuß zur Tat und somit wachset über euch selbst hinaus!

ren kleinen Veste, kamen die Bauernfrauen, in ihren engen kurzen Faltenröcken, dem malerischen Kopfputz, Schnallenschuhen und weißen Strümpfen, hereingewandert und eilten dem Markt⸗ platz zu.

Es brammt all zwölwe Herr, rief der alte Steffen und setzte den Pumpenschwengel des Brunnens, der das Wasser in Blechrinnen zur Brauerei beförderte, in schnellere Schwingungen.

Halt stopp, rief eine Stimme aus dem Innern der Braue⸗ rei. Aufatmend schlug er den Schwengel gegen das Rohr:Nu kann ick noch Fistern sein Pusten von de Turmgallerie hören, Mahlzeit ol Herr! und stapfend verließ er den Hof.

Der Brauereibesitzer Gravenhorst schob sein blaues Haus⸗ käppchen mit dem silbergrauen Rand auf dem vollen, weißen Lockenscheitel zurecht, ging durch den Flur des Hauses und stellte sich auf den hohen Haustritt. Von der Galerie des Kirchturms blies, zur Feier des Tages, die für dortige Verhältnisse hervor⸗ ragend gute StadtkapelleNun danket alle Gott über das fest⸗ lich bewegte Städtchen. Da kam jauchzend seine Enkelin Urle Beningsen die Straße herunter gesprungen auf den Großvater zu und ergriff schmeichelnd seine Hand. Des Alten Augen leuchteten auf:Nun Süßschnäbelchen, wie heißt Dein Sprüch⸗ lein?Ich bin der kleine König,

Gib mir nicht zu wenig, Laß mich nicht so lange steh'n, Ich möchte gern zum Jahrmarkt gehen!

Jahrmarkt in Staffelhausen! zu allen vier Toren der frühe⸗

recitierte sie lachend. Pflichtschuldigst zog er seine grünseidene Börse mit den silbernen Gehängen hervor und legte ein neues Viergroschenstück in ihre Hand!

Nun half aber kein Ausweichen, wie ein Kätzchen sprang sie an ihm in die Höhe, küßte das liebe Gesicht und flüsterte ihm zu:Du lieber Herzensgroßvater, nun laufe ich, kaufe für Mütterchen einen braunen Henkeltopf, für den zerbrochenen, für Dore Malzzucker von dem alten Braune, der mit seiner winzig kleinen Bude am Rathauskeller sitzt. Er tut mir immer so leid, weil die großen Buden mehr verkaufen, aber für Dich weiß ich etwas ganz Besonderes, daran denkst Du nicht, o nun bin ich so reich! Lebe wohl, bis nachher!

Als sie die Steinstufen hinunterhüpfen wollte, kam Herr Bürgermeister Bodenstedt herauf, sie grüßte freundlich, da griff er schnell in die Tasche und holte eine Düte heraus:Für Dich kleine Wunderblume, sagte er, dann streckte er dem Freunde die Hand hin und beide sahen der glücklichen Kleinen nach.

Die wird mal bildschön, sollst sehen, sie findet schon ihr Glück!

Gebe es Gott]! antwortete Gravenhorst bewegt,Glück, nur kein Scheinglück, es ist ein seltenes Kind voll großer Be⸗ gabung. Was sich Bahn brechen wird, ihre wundervolle Stimme, oder was, ich weiß es nicht. Ich bin zu alt, es zu erleben, aber wenn ich in die fragenden Kinderaugen sehe, sie hat ein zu weiches Gemüt, Hermann, was wird sie kämpfen müssen, bis sie hartgeschmiedet ist, tauglich für das egoistische Leben!

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