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Evangelische
Organ der Evangelischen Volksgemeinschaft
Hauptschriftleiter: Edwin Hamburger in Staden(Oberhessen). Verantwortlich für Politik und Wirtschaft: Edwin Hamburger, für den Anterhaltungsteil: W. Greb in Weisenau bei Mainz.
Für Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert.
Landtages?
Voltsabstimmung über
Erscheint Samstags.— Bezugspreis 50 Pfennig monatlich. Abonnements⸗ und Anzeigen ⸗Annahmestelle,
Druck und Verlag: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher 1362 und 1145.
Sonnabend, den 4. Dezember 1926
Die Evangelische Volksgemeinschaft stimmt mit„Ja“ für die Auflösung!
Warum?
Postscheckkonto 8437 Frankfurt a. M.
Auflösung des Landtages in Hessen!
Stimmen die Mitglieder der Evangelischen Volksgemeinschaft am 5. Dezember 1926 in Hessen für
Anzeigenpreise: die 30mm breite Kleinzeile auswärts 24 Pfg., am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg., Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholungen Vergünstigung.
21 40.
oder gegen die Auflösung des
Nicht aus den Gründen, aus denen der Wirtschafts- und Ordnungsblock eine Auflösung wünscht, sondern aus Gründen der
Kulturpolitik.
Hilfe den Arbeitern.
Von Julius Zirkelbach, Lederzuschneider⸗ Nürnberg, Obmann der E. V. im Reichswahlkreis Franken.
Seit der Entstehung der neueren sozialen Frage im vorigen Jahrhundert, durch das Emporkommen der maschinellen Arbeitsweise und der damit verbundenen Entwicklung der eigengesetzlichen Produktion, sind von verschiedener Seite aus Schritte unternommen worden, einen Ausgleich zwischen Kapital und Arbeit herbeizu⸗ führen. Auf der materialistischen Seite waren es be⸗ sonders Marx und Engels, die durch ihr kommunistisches Manifest vom Jahre 1848 an das Problem der sozialen Frage herangingen und zu deren Lösung den Sozialis⸗ mus, die Vergesellschaftung der Produktionsmittel auf revolutionären Wege, vertreten. Auf evangelischer Seite war es Wichern, der in seiner großen sozialen Rede am 22. September 1848 in Wittenberg darauf hinwies, daß Not und Elend nur dadurch beseitigt wer⸗ den, wenn die Gesinnung Christi die Herzen der Men⸗ schen regiert und zur Tat wird. So waren in einem Jahre zwei verschiedene Richtungen an die Oeffentlich⸗ keit getreten, die sich mit der Lösung der sozialen Frage befaßten. Während durch das Wirken von Marx und Engels die sozialistische Bewegung entstand, war Wi⸗ chern der Begründer der evangelisch⸗sozialen Bewegung. Fast 43 Jahre später, nämlich am 15. Mai 1891, trat das Papsttum durch eine Enzyklika des Papstes Leo XIII. an die soziale Frage heran und empfahl die Bildung von katholischen Arbeitervereinen und Gewerkschaften.
Der große Einfluß, den der Sozialismus auf die Arbeiterschaft gewann und noch heute besitzt, hat eine allgemeine Ursache; diese besteht in der natürlichen Neigung der Menschen zu jeder Unternehmung, bei der Gott ausgeschaltet ist. Eine besondere Ursache über der Stärke des Sozialismus ist sein Versprechen den Arbei⸗ tern gegenüber, die sozialen und wirtschaftlichen Ver⸗ hältnisse zur höchsten Wohlfahrt und allseitiger Ver⸗ vollkommnung umzugestalten. Auf materialistischer Grundlage beruhend, sind die Ziele des Sozialismus ausschließlich materieller Art und können darum auch
Adventssehnfucht.
Offenbarung Johannes 22, 20. Es spricht, der solches zeuget: Ja, ich komme bald! Amen. Ja, komm, Herr Jesu.
Die schönen Adventslieder erklingen jetzt wieder. Die Kinder lernen sie in der Schule. Sie gefallen ihnen so gut, daß sie sie auch auf der Straße singen. Wie schön sind diese alten Lieder! Wie stehen sie unseren Kindern doch viel besser, als wenn sie moderne Schlager, welche sie der älteren Jugend abgehorcht haben, nachgröhlen. Diese Adventslieder stimmen schon so weih⸗ nachtlich. Die Kinder freuen sich schon auf das kommende Fest. Sie zählen die Tage bis es da ist. Uns Erwachsene erinnert Advent an das Kommen des Herren. Schon die alten Propheten sprechen von diesem Kommen. Der Prophet Jesaja schreibt:„Das Volk, das im Finstern wandelt, siehet ein großes Licht, und über die, die da wohnen im finsteren Lande, scheinet es helle.“ Der Prophet Micha nennt den Geburtsort:„And du Bethlehem im jüdischen Lande bist mit nichten die kleinste unter den Fursten Judas, denn aus dir soll mir kommen der Herzog, der über mein Volt Israel ein Herr sei.“ Jesus wurde erwartet als Licht in der Finsternis, als Herzog des Volles Israel.
Daß ein Mann wie der Prophet Micha nicht weiter sah, ist mit einer dem Judenvolke angeborenen Eigenschaft zu erklären. Der Jude war sehr patriotisch und liebte glühend heiß sein Vater⸗ land. Wie oft schließen die Dichter der Psalmen mit einem herzlichen Wunsch für ihr Volk Israel. So haben sie sich auch durch die Gefangenschaft in Babylon als Volk erhalten. So sind sie heute noch mit ihren über vierzehn Millionen ein zwar zerstreutes, aber immer noch fest zusammenhaltendes Volk für sich und gehen nicht auf in ihren Wirtsvölkern. Deshalb konnte ein treuer Jude in der Zeit der Unterdrückung den Heiland nicht ander sehen als einen Herzog, der auf dem Stuhle Davids sitzen wird und mit den Heeren der Juden alle Völker unterwerfen wird.
nur den Arbeiter befriedigen, dessen Denkweise mate⸗ riell eingestellt ist. Die materielle Gesinnung war von jeher stärker in der Menschheit, als die Gesinnung Christi.
Was darum einerseits ein Vorteil für den Sozia⸗ lismus ist in Bezug auf seine zahlenmäßige Stärke, muß bei der evangelisch⸗sozialen Bewegung hemmend wir⸗ ken, weil sie christliche Gesinnung von den Menschen ver⸗ langt. Aber gerade deswegen besitzt sie die umgestal⸗ tende Kraft im Volke, auf die es allein ankommt. Gott führte seine Pläne durch eine Minderheit aus, die ihm ganz hingegeben ist. Wer nur mit Gott rechnet und dem göttlichen Willen gemäß arbeitet, wird dem Menschen am besten nützen.
Der Weltkrieg und die nachfolgenden Ereignisse haben das Interesse an der sozialen Frage überall ge⸗ mehrt. Auf christlicher Seite treten einfache Arbeiter auf, unterstützt von sozial denkenden Geistlichen, die ihren Standesgenossen in Wort und Schrift das Heil in Christo predigten. Auf sozialistischer Seite entstand eine Bewegung, welche die Verbindung mit dem Chri⸗ stentum erstrebte, nachdem sich verschiedene Sozialisten zu der Erkenntnis hindurchgerungen hatten, daß ohne die umgestaltenden Kräfte des Christentums keine Neu⸗ gestaltung der Verhältnisse möglich ist. Was christliche Arbeiter da und dort erstrebten, bekam praktische Ge⸗ stalt in der Evangelischen Gewerkschaft. Die christliche Bewegung im Sozialismus führte zur Bildung des Bundes religöser Sozialisten, der nicht wehr ohne den Glauben an Gott auskommen will. Einst sprach Bebel, daß Christentum und Sozialismus zu⸗ einanderstehen, wie Feuer und Wasser. Heute müssen die Führer im Sozialismus der immer mehr erstarken⸗ den religiös⸗sozialistischen Bewegung entgegenkommen und ihr Macht abtreten. Freilich ist der Bund religiö⸗ ser Sozialisten noch weit entfernt vom biblischen Chri⸗ stentum und trotz aller Reformierung wird die Grund⸗
lage des Sozialismus materialistisch bleiben. Wa⸗ aber der religiöse Sozialismus klar erkennen läßt, ist das Anwachsen der Gottsucher in der Arbeiterschaft. Es muß darum evangelischerseits diesen Arbeitern, die nach Gott verlangen, der rechte Weg des Glaubens gezeigt werden. Hier setzt nun die Aufgabe der Evangelischen Gewerkschaft ein. Ihr Kampf gilt dem Materialismus auf seiten der Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Nicht in den irdischen Gütern liegt das bleibende Glück der Men⸗ schen, sondern in der Gemeinschaft mit Gott und der Auslebung des Wortes Gottes. Das ist die Gesinnung Christi, die Gott gehorsam ist und den Menschen dient. Das Leben auf Erden ist durch den Tod begrenzt. Wie viel Mühe und Arbeit machen sich die Menschen, um dieses kurze Erdenleben zu beseligen. Was nützt aber alle menschliche Seligkeit, wenn der Tod an das Herz greift? Was nützt der Sozialismus, wenn der Leib im Grabe modern muß? Eine wahre Seligkeit hat das ewige Leben zur Voraussetzung. Gott bietet den Men⸗ schen ewige Seligkeit nach dem Tode, wenn wir ihm unser Erdenleben bieten. Zweierlei ist zu beachten bei der Stellung Gottes zu den Menschen: Erstens hat Gott nicht die Absicht, die irdischen Verhältnisse zum Para⸗ dies für die Menschen zu machen, weil Gott kein Para⸗ dies vor dem Tode will und zweitens will Gott von den Menschen, daß sie ihm ihr irdisches Leben hingeben, wenn sie in das Paradies jenseits des Todes kommen wollen. Diese Wahrheiten bestimmen die Arbeit der Evangelischen Gewerkschaft, die in erster Linie in der Mission des Evangeliums bei Arbeitgebern und bei Arbeitnehmern besteht. Zweck jeder biblischen Mission ist die Bekehrung der Menschen zu Gott und Zweck jedes ernsten Glaubenslebens ist die Heiligung oder der Ge⸗ horsam zu Gott, woraus auch der rechte Dienst am Nächsten kommt. Und doch besteht nicht etwa im Pre⸗ digen allein die ätigkeit der wahrhaft Gläubigen. Die Gesinnung Christi betätigt sich in Wort und Werk. In
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Dieser Traum der Juden ist nicht eingetreten. Zwar ist der Heiland in ihrem Volke erschienen, aber dies Volk wußte nicht, was zu seinem Frieden diente. Jesus kam als ein viel Größerer, als die jüdischen Propheten es geweissagt hatten. Nicht für die Enge des jüdischen Volkes war er da, nein, für die weite Welt.
Noch zu einer anderen Zeit wurde Jesus erwartet. Es war damals, als unter dem römischen Kaiser Diokletian die Christen verfolgt und wegen ihres Glaubens unter Martern getötet wurden. Wie haben die treuen Bekenner ihres Heilands da— mals leiden müssen! Aber ihr ganzes Sehnen war allein auf ihren Herrn gerichtet.„Ja, komm, Herr Jesu“, so flehten sie. „Ja, ich komme bald. Amen“, so erhielten sie die tröstende Ant⸗ wort. Er kam auch zu ihnen. Zwar nicht mehr im Leibe, aber mit seines Geistes Stärke, in die Gefängnisse, in denen sie schmachteten. Er stärkte sie im treuen Bekennen, wie er einst im Garten Gethsemane von einem Engel in schwerer Stunde und heißem Gebetsringen gestärkt wurde.
Am Anfang eines jeden Kirchenjahres erwarten auch wir das Kommen des Herrn. Wir haben es ja auch so nötig. Wie viele müssen gerade in unserer Zeit gestärkt werden, ein treues Bekenntnis abzulegen für ihren Heiland. Du Bauersmann, den man gerne auch in die Flut des alleinherrschenden Materialis⸗ mus hineinreißen will, du mußt der alten Bauerntradition treu bleiben. Draußen auf deinem Acker siehst du ja deutlich deinen Gott wirken. Du empfängst von ihm die reichen Segensgaben. Werde stark und bekenne deinen Herrn. Es gibt hier einen Ort in der Wetterau, da faltet jeder alt und jung, groß und klein, Mann und Frau beim Läuten der Glocken die Hände und sendet ein Dankgebet zu dem Geber aller Gaben. Siehst du, lieber Bauersmann, das ist noch Bauerntradition. Du Arbeiter, dessen Arbeitsfreunde Opfer eines wohlberechneten religiösen Nihilis⸗ mus geworden sind, welcher Kraft bedarfst du, um dich nicht in die gemeine Flut des Spottes mitreißen zu lassen. Als evan⸗
gelischer Arbeiter siehst du auch in der Fabrik, bei den gewaltigen
Maschinen die Wunder der göttlichen Schöpfung. Da erfaßt man wirklich die Wahrheit des alten Psalmwortes:„Was ist der Mensch, daß du sein gedenkst und des Menschen Kind, daß du dich seiner annimmst?“ Bleibe treu deinem Heiland und gehe den Spöttern aus dem Wege. Sage ihnen, daß du noch nicht auf die Stufe der Wesen gekommen bist, die keinen Glau⸗ ben und keine Moral haben.
Unser Volk wartet auf das Kommen des Heilandes. Wo alle Bande frommer Scheu gelöst sind, da kann nur der Heiland helfen. Wo die Jugend in einer Verfassung ist, die an wilde Völkerherrschaften in mancher Hinsicht erinnert, da kann nur der Heiland helfen. Was wird das einmal für ein„Volk“ geben, wenn diese autoritätslosen Jungens und Mädchen einmal groß sind! Sehen wir ferner auf den Egoismus, wie einer ein Auge darum gibt, daß der andere keines hat, dann fühlen wir die trostlose Lage, in der wir uns befinden. Hören wir schließ⸗ lich von den täglichen Einbrüchen, Morden und Selbstmorden, dann möchte man die Hände ringen:„Komm, Herr Jesu!“
Aber auch die Welt bedarf den Heiland. Wie schwer hält es doch nach dem furchtbaren Blutbad des Weltkrieges, zu einem wirklichen Frieden zu kommen! Wieviel Mißtrauen herrscht un⸗ ter den Völkern! Wie gerne mag ein Volk das andere unter- drücken und ausnützen! Wie im engen Kreise fehlt auch in der Welt die Liebe. Diese kann allein der Heiland in die Welt bringen. In diesen Adventstagen hören wir sein tröstend Wort wieder:„Ja, ich komme bald. Amen“. Und wir wollen ihn herzlich bitten:„Ja, komm Herr Jesu!“
Das schreib dir in dein Herze, du hochbetrübtes Heer,
bei welchem Gram und Schmerze sich häufet mehr und mehr.
Seid unverzagt, ihr habet
die Hilfe vor der Tür;
der eure Herzen labet
und tröstet, steht allhier. Amen.


