Ausgabe 
12.11.1899
 
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Seite. A.

Mitteldeutsche Sonntags ⸗Zeitung.

Nr. 46.

können sowohl Braunkohlen als auch Stein⸗ und An⸗ thrazitkohlen gebrannt werden. Ich werde dann jedes⸗ mal den Preis des Ofens mitteilen. Die Bestellung muß durch meine Hand erfolgen, um den Gemeinden den mir bewilligten Scont zu Gute kommen zu lassen.

Auf Wunsch bin ich auch bereit, derartige zweck⸗ mäßige Oefen auch solche mit Kocheinrichtung Privatpersonen nachzuweisen.

Der Landrat: Büchting.

In Marienberg, Hachenburg u. s. w. sind Dutzende steuerzahlender Eisenhändler; es ist unbegreiflich, wie ein Vertreter der Regierung, auch noch in seiner Eigenschaft als Beamter, als Vermittler für ein Eisenwerk auftritt und den ohnehin nicht auf Rosen gebetteten Kleingewerbetreibenden im Oberwesterwaldkreis dadurch wenn auch unbewußt Konkurrenz macht.

Endlich ein städtisches Arbeitsamt.

Bekanntlich haben die Gießener Arbeiter schon vor Jahren die Errichtung eines städt. Arbeitsamtes verlangt. Es blieb jedoch bei der Errichtung eines Arbeitsnachweises, allerdings mit der Zusicherung, daß jedem, der es wünscht, auf der Bürgermeisterei Aus⸗ kunft in sozialpolitischen Angelegenheiten erteilt werden soll. Nun kommt die erfreuliche Nach⸗ richt, daß doch noch ein städtisches Arbeitsamt errichtet werden soll. Dasselbe soll auch Aus⸗ kunft in Rechtsfragen erteilen und an seine Spitze soll nach einer Aeußerung des Ober⸗ bürger meisters in der Stadtverordneten⸗ sitzung ein Mann gestellt werden, der das Ver⸗ trauen der Arbeiter besitzt. Die Aufsicht soll dem Gewerbegericht übertragen werden allerdings dem Hanauer Gewerbcgericht. Denn in Hanau soll das Arbeitsamt errichtet werden, nicht etwa in Gießen.

Billiges Brot.

* Unsere Genossen in Mühlheim a. M. besitzen eine vorzügliche Organisation. Dieselbe besorgt auch den gemeinsamen Warenbezug und bietet dadurch ihren Mitgliedern große Vorteile. Bemerkenswert ist ein in der letzten Versamm⸗ lung einstimmig angenommener Antrag folgen⸗ den Wortlauts:Unterzeichnete beantragen, daß, wenn der seitherige Brotpreis von den Bäckern nicht ermäßigt wird, im Laden des Konsumhauses Frankfurter Genossen⸗ schafts-Brot einzuführen ih Dieser Antrag wurde dem Vorstand für den Bedarfs⸗ fall zur sofortigen Ausführung überwiesen. Es könnte gar nichts schaden, wenn auch anders: wo den Herren Bäckermeistern ein wenig auf die Finger geklopft würde.

Mürbe Bäckermeister.

* Recht nützliche Wirkungen scheint die kürzlich erfolgte Gründung eines Konsum⸗ vereins in Mainz haben zu sollen. Die Bäckerinnung warnt nämlich ihre Mitglieder, Lieferungen für den Verein zu übernehmen. Sie fügt dem folgendes hinzu:

Sollten sich jedoch Bäckermeister finden, welche besagter Genossenschaft liefern, so sei denselben zur Warnung mitgeteilt, daß ein großer Teil der hiesigen Kollegen ent⸗ schlossen ist, sofort den Brotpreis um 5 Pfennige herabzusetzen. Ferner er⸗ suchen wir die Kollegen, in sanitärer Hinsicht Sorge tragen zu wollen auf Rein⸗ lichkeit in den Gesellen- und Backstuben(11), jedem Gehilfen ein Bett zu gewähren(11)

u. s. w. Ein wenig(111) Eutgegenkommen kann uns vielleicht vor großem Schaden bewahren.

Die Bäckerinnung giebt damit zu, daß ein Teil ihrer Mitglieder das Brot jetzt zu teuer verkauft, daß in den Backstuben Unrein⸗ lichkeit herrscht, und daß nicht einmal jeder Geselle sein Bett bekommt. Wenn die Grün⸗ dung des Mainzer Konsumvereins jetzt zur Be⸗ seitigung dieser Mißstände führt, so kann das 5 wie die Bäckergesellen wohl zufrieden ein.

Wunderbare Rettung eines Kindes.

Am Montag Abend wollte ein Fabrikarbeiter an einem Wegübergang der Schwarzwaldbahn oberhalb der Station Hausach das Geleise über schreiten, obwohl die Barriere geschlossen

war. Er schob ein Wägelchen, in dem sein zweijähriges Kind lag, und schlüpfte, als der fällige e die Stelle passiert hatte, unter der Barriere durch. In dem Moment, wo wo beide sich mitten auf dem Doppelgeleise be⸗ fanden, brauste von der anderen Richtung der Triberger Schnellzug daher. Der Vater konnte sich im letzten Augenblick durch einen Seiten⸗ sprung noch retten, sein Kind dem unvermeid⸗ lichen Tod überlassend. Der Schnellzug raste über Wägelchen und Kind dahin, jenes vollständig zertümmernd, während man das Kind, als der Zug etwa 100 Meter unter der Unfallstelle zum Stehen gebracht war, in⸗ mitten des Schienenstranges liegend fast gänz⸗ lich unverletzt vorfand. Außer einer unbe⸗ deutenden Verletzung am Arm hatte es nicht den geringsten Schaden davongetragen.

Die Arwahlen in Hessen.

* Der Wahlkreis Langen⸗Isenburg ist am Mittwoch von uns behauptet worden. Ge⸗ nosse Kramer, der vor sechs Jahren diesen Kreis bei vorhandener Stimmengleichheit durch das Los gewann, wird also wieder in den Landtag eintreten.

Neugewonnen wurde Groß-Gerau, das von jetzt ab an Stelle des Nationalliberalen Osann unseren Geuossen Berthold in den Landtag schicken wird.

Der Wahlkreis Vilbel⸗Büdes heim, in dem Genosse Krumm gegen den National⸗ liberalen Graf Oriola kandidierte, wurde von letzterem behauptet. Kein Wunder für den, der den Einfluß des Grafen im Kreise kennt.

Im allgemeinen wird die Zusammensetzung des Landtags von der seitherigen nicht viel abweichen. Die Nationalliberalen werden ge⸗ schwächt einziehen, mit ihrer dominierenden Stellung ist es vorbei. Das Zentrum wird es auf 8, die Antisemiten und Bauernbündler werden es auf 11 Sitze bringen, während die Freisinnigen ihre alten 3 Sitze behalten werden. Unsere Partei zählt statt seither 5, von nun ab 6 Mitglieder.

Den Antisemiten fallen die Mandate fast mühelos in den Schoß. Die Liberalen sind zu schwach, um ihnen ernstlich entgegentreten zu können, für unsere Partei ist es geradezu unmöglich, in den ländlichen Bezirken Wahl⸗ männer zu bekommen.

*

Die Wahl in Gießen⸗Land. «Zum Kreis gehören 20 Wahlbezirke, die zusammen 37 Wahlmänner zu wählen hatten. Gewählt wurden für:

Scheidemann 16 Wahlmänner Hirschel(Antis.)) 21 Leun(unpart.))* 7

Wir hätten die absolute Mehrheit(19) erlangt, wenn nicht das als festeste Burg unserer Partei geltende Heuchelheim unterlegen wäre. Gegen die Wahl in Heuchelheim erheben die dortigen Genossen Protest. Der Sohn des erkrankten Kirchendieners hat nämlich während der Wahlstunden die öffentliche Uhr um zehn Minuten vorgerückt. Infolgedessen wurde der Wahlakt vom Bürgermeister zehn Minuten zu früh geschlossen und dadurch zahlreiche Wähler, die erst kurz vor 7 Uhr kamen, von der Ausübung ihres Wahlrechts ausgeschlossen. Für uns wurden in Heuchelheim 144, für die Gegner 178 Stimmen abgegeben. Die Wahl muß für ungültig erklärt werden und dann werden hoffentlich wir siegen.

Gleichfalls Protest wird eingelegt in Klein⸗Linden, wo für die antisemitischen 63, für unsere Wahlmänner 43 Stimmen ge⸗ zählt wurden. Aber mehr als 30 unserer Ge⸗ nossen wurden von der Wahl zurückge⸗ wiesen, obwohl ihr Namen in die Wählerliste eingetragen waren. Andererseits behaupten

unsere Genossen in Klein-Linden bestimmt, daß mehrere Nichthessen und auch ein Hesse, der keinerlei Steuern zahlt, gewählt haben.

Es wäre schon deshalb zu wünschen, daß die Regierungsbehörde den Protesten stattgibt

und sofort Neuwahlen in Klein⸗Linden

und Heuchelheim vornehmen läßt, weil es dann dem Landtag erspart bliebe, die Wahl des Abgeordneten für ungültig erklären zu müssen.

Ein Mann ein Wort.

* Das größte Interesse dürfte der Ausgang der Urwahl im Kreiß Gießen⸗Land bean⸗ spruchen. Hier standen sich der Antisemit Hirschel und unser Genosse Scheidemann gegen⸗ über. Als vor wenigen Wochen die bestimmte Behauptung aufgestellt wurde, daß noch als dritter Kandidat derunparteiliche Bürger⸗ meister Leun in Großlinden aufgestellt würde, dementierte dieser auf das entschiedenste jene Behauptung. Herr Leun scdrieb der Kleinen Presse wörtlich:

Seehrte Redaktion! In Nr. 234 Ihres geschätzten Blattes bringen

Sie einen Artikel aus Gießen über die Landtagswahl,

der zwar aus zuverlässiger Quelle stammen soll,

jedoch sehr unzuverlässig ist. Die Landgemeinden, die hier in Betracht kommen, teilen sich bekanntlich

im Wesentlichsten in zwei große Parteien An⸗

tisemiten und Sozialdemokraten und diese haben

ihre Kandidaten aufgestelt. Von einer weiteren

Kandidatur kann deshalb unmöglich die Rede

sein. Bitte lassen Sie künftig bei der⸗

artigen undingen meinen Namen außer

Betracht. Hochachtend! Leun, Bürgermeister.

Wir glaubten damals an die Erklärung des Großenlindener Bürzermeisters. Dasselbe muß wohl der antisemitische Kandidat gethan haben, der in seiner Zeitung dem Herrn Leun für seinmennhaftes Verhalten dankte.

Trotz der bestimmten Erklärung Leuns ist dessen Kandidatur am Tage vor der Wahl noch proklamiert worden. Daß es sich um einen von langer Hand vorbereiteten Plan ge⸗ handelt hat, geht aus verschiedenen Anzeichen unzweifelhaft hervor. Jedenfalls wurde der Wahlausgang durch die Kandidatur Leun in einer Art und Weise beeinflußt, daß das end⸗ liche Ergebnis der Abgeordnetenwahl ganz und gar nicht vorauszusehen ist.

Die Wahlbeteiligung.

* Es ist ein Verdienst der Sozialdemo⸗ kraten, auch für die Vandtagswahlen das Inter⸗ esse der Bevölkerung erweckt zu haben. Früher fanden die Landtagswahlen sozusagen unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. In zahl⸗ reichen Dörfern wählte die Wahlkommission, d. h. der Bürgermeister und zwei Gemeinderats⸗ mitglieder den Wahlmann, selten daß noch irgend ein anderer von seinem Wahlrecht Ge⸗ brauch machte. Noch vor sechs Jahren wurden die Wahlmänner hier und da mit fünf oder sechs Stimmen gewählt. Diesmal war die Wahlbeteiligung eine ganz überraschend rege. In Klein⸗Linden, wo vor sechs Jahren sieben Mann gewählt hatten, machten diesmal mehr als 100 Mann von ihrem Wahlrecht Gebrauch und mehr als 30 wurden daran verhindert. In Rödgen und Trohe wurden 88 Stimmen abgegeben, davon waren 69 sozialdemokratische. In Heuchelheim haben die Leunianer in geradezu beispielloser Weise die Wähler herbeigeschleppt. Nie sind in Heuchelheim bei irgend einer Wahl die Wogen so hoch gegangen als am Mittwoch.

Und dann mußte der nichts ahnende Bube die

Uhr verstellen

Aus Wieseck.

* Nach dem Konflikt unserer Genossen mit dem hiesigen Bürgermeister haben es unsere Gegner vorgezogen, nicht selbständig vorzugehen. Die fünf sozialdemokratischen Wahlmänner wurden mit 163 Stimmen gewählt. Keine andere Stimme wurde abgegeben. Die 163 Wiesecker Wähler hatten zusammen rund 100 Mark Lohnausfall, da fast alle heimgehen und ihre Arbeitszeit versäumen mußten, we der Herr Bürgermeister Sommerladnicht bei Licht arbeiten wollte und deshalb die Wahl⸗ stunden entgegen dem Wunsche des Gemeinde⸗ rates so legte, daß alle außerhalb Wlesecks be⸗ schäftigten Arbetter 1 bis 2 Arbeits stunden einbüßten. Wenn die nächste Bürgermeister⸗ wahl in Wieseck ist, werden die Arbeiter von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen, auch wenn sie einen ganzen Tag versäumen müßten.

Nach dieser in zwei Jahren stattfindenden

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