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Nr. 6.

Mitteldeutsche Sonutags⸗Zeitung.

Seite 8.

Wahl braucht Herr Sommerlad als Bürger⸗ 9 0 09 weder bei Tag noch bei Nacht zu arbeiten.

Bürgermeister als Wahlmänner.

* Ein Bürgermeister im Kreis Gießen⸗ Land, der von den Antisemiten als Wahlmann aufgestellt werden sollte, hat diese Zumutung mit der Erklärung abgewiesen, daß er fast ein⸗ stimmig zum Bürgermeister gewählt sei und nun nicht die große Anzahl der sozialdemo⸗ kratischen Gemeindeangehörigen verletzen wolle, indem er für einen Antisemiten stimme. Dies Verhalten verdient volle Anerkennung. Es ist ein beliebter Kniff der Antisemiten, in zweifel⸗ haften Orten schlankweg die Bürgermeister als Wahlmänner aufzustellen. Sie gehen dabei von der Voraussetzung aus, daß ein Bürger⸗ meister unter keinen Umständen den Soꝛial⸗ demokraten wählen, sondern notgedrungen für den Antisemiten stimmen würde, auch wenn er von diesem nicht viel halte. Jedenfalls sollten sich unsere Genossen in Zukunft ein wenig mehr um die Bürgermeisterwahlen kümmern. Wenn das Verhalten irgend eines Dorfoberhauptes bei den jetzigen Wahlen Anlaß zu berechtigten Beschwerden giebt, dann bei den nächsten Bürgermeisterwahlen fort mit ihm!

Abrechnung im Landtag. * Aus dem Kreis Gießen wird unserem Mainzer Bruderblatt geschrieben: Schwere Klagen sind gegen eine Reihe von Ortsbürgermeistern wegen un⸗ günstiger Festsetzung der Wahlstunden zu erheben. Diese Angelegenheit wird von unseren Abgeordneten sofort nach Zu⸗ sammentritt der Kammer zur Sprache gebracht werden. Wir werden dann sehen, ob auf diese Art so hinten herum dem arbei⸗ tenden Volke sein bischen Wahlrecht noch verkümmert werden darf. Wir werden dafür sorgen, daß auch das Vorgehen des Wiesecker Bürgermeisters im Landtag die gebührende Erwähnung findet.

Kleine Mitteilungen.

en Die Liebe zum Militärdienst. In derDarmstädter Ztg. werden nicht weniger als 76 Gestellungspflichtige, die ausgewandert sind, um nicht Soldat werden zu müsseu, aufgefordert, sich am 14. Dezember zur Gerichtsverhandlung zu stellen. Was werden sich die beeilen, nach Darm stadt zu kommen.

** Heimarbeit in der Cigarren⸗In⸗ DemHam. Korr. zufolge hat die Kommision des Reichsamts des Inneren, die die Hauptbezirke der Cigarren-Hausindustrie in Baden und Westfalen(Minden-Herford) besucht hat, von dem Notstande der Heimarbeiter einen derar tigen Eindruck gewonnen, daß ihr die gesetzliche Regelung der Cigarren-Hausindustrie geboten er scheint.

* Endlichentdeckt. Der frühere antisemitische Redaktör Alexander Wald, seiner ZeitSchriftleiter desHamburger Antise mitenblattesDie Abwehr, zuletzt vier Jahre der antisemitischen Dresdener Rundschau beschäftigt, ist plötzlich verhaftet worden. Er wurde seit vier Jabren von Hamburg aus wegen Urkundenfälschung und Betruges steckbrieflich verfolgt, wohnte aber unan gefochten in Dresden, ohne von der koͤniglich sächsischen Polizei, die ganz von dem Kampf gegen dieUmstürzler in Auspruch genommen wird, belästigt zu werden. Erst jetzt hat man ihnent deckt.

e Genialer Staatsmann. Die Kunst ein genialer Staatsmann zu sein, lehrt die neueste Nummer desSimplicissimus in einem Satz: Man muß in der auswärtigen Politik Dumm heiten machen, um die Aufmerksamkeit von der inneren abzulenken, und dann muß man in der inneren Politik Dummheiten machen, um die Auf merksamkeit von der auswärtigen abzulenken. Das ist das ganze Geheimnis der Regierungs- kunst.

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Ein probates Heilmittel.

In Ottersberg(Altmark) lebte vor einigen Jahren der Dr. Z., der so manches heitere Stücklein aus seiner Praxis erzählen konnte. Eines Abends gab er folgendes Erlebnis zum besten:Eines Tages kam zu mir ein schon etwas bejahrter Landmann aus dem Dorfe Stapel; er klagte über Schmerzen in seiner linken Schulter und bat mich, ihn davon zu befreien. Der Fall war nach meiner Ansicht ganz unbedenklich, die geringen Schmerzen hören in der Regel nach einigen Tagen von selbst auf und deshalb beruhigte ich den Mann in folgender scherzhafter Weise: Mi jeih't just so. (Mir geht's gerade so.) Miene Schuller deiht mi towielen(zuweilen) ok weh, aber ik hol mi da nicht lange mit upp. Ik weet'n godet(weiß ein gutes) Mittel dagegen. Wenn ik abends to Bette gah, denn legg ik miene kranke Schuller an min Fru ehre gesunde Schuller, un denn war et gliek bäter(wird es gleich besser). Der Patient hatte genau zu⸗ gehört, seine Gesichtszüge klärten sich merklich auf und sagte:Dat wör' jo'n eenfachet Middel; seggen Se mal, Herr Doktor, wann paßt Ehr Fru dat woll mal?

Sklavenfang.

Einer der größten Schandflecke der ameri⸗ kanischen Zivilisation und Rechtspflege ist so lesen wir in derWeser Ztg. der Betrieb der Austernfischerei mit Hilfe von Unglücklichen, die sich aus Not, dazu ver⸗ dingen, oder gar dazu regelrecht eingefangen werden. Die Austernfischerei wird namentlich von Baltimore aus betrieben und es sind be sonders arbeitslose Deutsche, welche dem Ge⸗ werbe, das wegen der Art seiner Ausübung ein schmähliches genannt werden muß, zum Opfer fallen. Seit vielen Jahren kämpft die deutsche Gesellschaft in Baltimore gegen das Treiben der Austernbootkapitäne, doch die da mit erreichte Schutzgesetzgebung steht nur auf dem Papier. Wie viele der Unglücklichen, welche den furchtbaren Strapazen unterliegend, zufällig über Bord fallen oder, wenn sie mangels Pflege und Nahrung au Bord gestorben sind, irgendwo am Ufer im Sand verscharrt werden, davon erfahren die Behörden nichts. Mit dem Beginn der diesjährigen Austernfischerei wird aus Baltimore berichtet, daß daselbst der Sklavenfang frecher als je betrieben wird. Kürzlich wurde ein deutscher Farmer, Namens August Meyer auf offener Straße ergriffen und in einen bereitstehenden Wagen geworfen. Das Hilfegeschrei des Gefangenen brachte die Polizei auf die Beine, doch die Menschenräuber hatten inzwischen ihre Beute in Sicherheit gebracht. Die Polizei veranstaltete indessen eine Suche und ermittelte dabei, daß am Hafen entlang über hundert Menschen eingesperrt waren, die gegen ihren Willen auf die Ansternboote ge⸗ bracht werden sollten. In einem Hause fand man in einem verschlossenen Zimmer mit vier⸗ zehn anderenungeworbenen auch den Far⸗ mer Meyer. Die Polizei verhaftete einen der Kerle, den Meyer als einen seiner Angreifer bezeichnete. Während es in diesem Falle mög⸗ lich ist, die Verbrecher zur Verantwortung zu ziehen, ist an ein Einschreiten gegen den Sklaven⸗ fang in der betriebenen Form gar nicht zu denken. Die Leute, die im Dienste der Austern⸗ bootkapitäune stehen, sind vor dem Gesetz Heuerbasse, die allemal den Nachweis zu führen verstehen, daß sich ihre Opfer auf ge⸗ setzlich erlaubte Weise anwerben ließen. Auch wird der Polizei selten Gelegenheit gegeben, zeitig genug einzuschreiten. Die eingefangenen oder durch Versprechungen und Schnapsge heuerten Leute werden in der Regel gleich nachts auf die Austerböte geschafft und befinden sich von diesem Augenblick an außerhalb des Bereiches der Polizei. Die amerikanische Be⸗ völkerung hat für die Klagen über diese bar⸗ barischen Zustände nur wenig Interesse. Die Größe des Austernverbrauchs gilt ihr als einer der vielen Beweise für die Höhe der ameri⸗ kanischen Zivilisation.

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Partei⸗ Nachrichten.

Versammlungs⸗Kalender.

Samstag, 11. November: Marburg. Partei⸗Vers. bei Jesberg.

Bericht. Referent: Scheidemann.

Sonntag, 12. No vember:

Daubringen. Arb.⸗Bild.⸗Verein abends 9 Uhr bei Wirt Lepper.

Schlitz. Arb.⸗Ver. Nachm. 5 Uhr bei Heinrich Trier. Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder ist dringend erwünscht.

Mittwoch, 15. November: Kartellsitzung abends 9 Uhr bei Orbig. Heuchelheim. Tabakarbeiter⸗Verband bei L. Kröck.

Nichtmitglieder srdl. eingeladen.

Sonntag, 19. No vember:

Wieseck. Tabakarbeiterversammlung nachm. 3 Uhr bei Wacker.

Briefkasten der Redaktion.

A. W. Ich halte den einen für so rückständig und unzuverlässig wie den andern. Ich werde empfehlen: zunächst sozialdem. Zettel, daun weiße. Mögen die beiden Herren dann das weitere unter sich ausmachen. Für uns giebt's in diesem Fall kein kleineres Uebel, beide sind gleich groß.

L. M. Protest gegen die Wahl in Heuchelheim ist schon eingereicht. Gegen die Klein⸗Lindener Wahl geht der Protest heute oder morgen ab.

Quittung. Für die Landtagswahl von Alten⸗ Buseck für ein nicht bestelltes Telegramm 50 Pfg.

Parteitags⸗

Briefkasten der Expediion.

Quittungen. Str. G. Zlg. 4.20. Krgr. Rst⸗ 11.80. Oestr. Hbg. 1.. Schb. Hsn. 10.20. Dgs. Blchbch. 6.10. Rch. Kltöhm. 15.. Sgfrd. Altb. 10.. Wzl. gdf. 1.80. Fth. Wtzlr. 25.. Mtths. Gbch. 10.. Schwzr. Ñdm. 3.. Wtr. Obch. 7.60. Wtzl. Wtzh. 15.. Gge. Hoͤbgn. 8.60. Schmdt. Wbg. 1.. Rch. Obbl. 1.50. L. Tr. 2.40. Schr. Wdkpl. 1.50. Hzl. Obhfr..70. Schw. Grgn. 2.20. Dthfr. Lgstr. 4.20. V. Hchhm. 25.60. F. Dbgn. 10.49. R. G. 1.20. Z. Noͤhfn. 5.. Frch. Gbg. 3.60. Krgr. Mbg. 34.40. B. Hbsbch. 4.80. Scheld. Tfm. .66. Moritz Dbsch. 5..

Marktbericht.

Gießen, 4. Nov.(Marktbericht.) Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butterp. Pfd. 0.80. bis 1.00 Mk., Hühnereier p. St. 79, 2 St. 0000 Pfg., Enteneier 1 St. 00 Pfg., Gänseeier p. St. 00 bis 00 Pfg., Käse 2 St. 58 Pfg., Käsematte 2 St 5 6 Pfg., Erbsen p. Ltr. 18 Pfg., Linsen p. Ltr. 29 Pfg., Tauben per Paar Mk. 0.70 0.80, Hühner per Stück Mk. 1.00 1.10, Hahnen per Stück Mk. 0.60 1.00, Enten per Stück Mk. 1.80 2.00, Gänse per Pfund Mk. 0.480.55, Ochsenfleisch per Pfund 6874 Pfg., Kuh⸗ und Rindfleisch per Pfd. 6264 Pfg., Schweine⸗ fleisch per Pfd. 6674 Pfg., Schweinefleisch, ge⸗ salzen, per Pfd. 78 Pfg., Kalbfleisch per Pfd. 64 bis 66 Pfg., Hammelfleisch per Pfd. 5060 Pfg., Kartoffeln per 100 Kilo Mk. 4.00 0.00, Weißkraut per St. 0000, Zwiebeln per Ctr. Mk. 5.00 6.00, Milch p. Liter 16 Pfg., Zwetschen per Ctr. 10 11.00 Mk. 222»]]N]]]]]]]D]nmnmnmm x

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Sonntag, den 12. Nov., nachm. 4 Uhr: Zum dritten Male: Als ich viederkam. Abends 8 Uhr: Einer von unsere Leut'. Dienstag, den 14. Nov.:

Ein Ssommernachtstraum. Mittwoch, den 15. Nov.: Fünfte Volks vorstellung: Doktor Klaus. Donnerstag, den 16. November:

Nora. Freitag, den 17. Nov.: Der Compagnon.

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