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Seite 6.
Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
Nr. 46.
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2 Tragische Geschichte. 's war Einer, dem's zu Herzen ging, Daß ihm der Sopf so hinten hing, Er wollt' es anders haben. So denkt er denn: wie fang' ich's and Ich dreh mich um, so ist's gethan— Der Sopf, der hängt ihm hinten. Da hat er flink sich umgedreht, Und wie er stund, er annoch steht— Der Sopf, der hängt ihm hinten. Da dreht er schnell sich anders rum, 's wird aber noch nicht besser drum— Der Sopf, der hängt ihm hinten. Er dreht sich links, er dreht sich rechts, Er thut nichts Gut's, er thut nichts Schlecht's Der Sopf, der hängt ihm hinten. Er dreht sich wie ein Kreisel fort, Es hilft zu nichts, in einem Wort— Der Sopf, der hängt ihm hinten. Und seht, er dreht sich immer noch, Und denkt, er hofft am Ende doch— Der Sopf, der hängt ihm hinten. Chamisso.
Ein freidensterischer Philosoph.
el. Die Reaktion auf politischem und reli⸗
giösem Gebiet ist nicht ohne Einfluß auf die Wissenschaft, besonders auf deren Vertreter an den Hochschulen, geblieben. Allen heiklen Er⸗ örterungen, die auf die beiden Gebiete hinüber⸗ spielen, suchen die Universttätsprofessoren aus dem Wege zu gehen, aus Furcht, ihre ab⸗ weichenden Ansichten möchten Anstoß oder gar Aergernis erregen. Die Angriffe des Herrn von Stumm auf Universitätsprofessoren schrecken ängst⸗ liche oder zaghafte Gemüter vor mannhaftem Ein⸗ treten für das als wahr Erkannte ab. Daneben ist es ja auch für die Mittelmäßigkeit— und ihrer ist die Mehrzahl unter den akademischen Lehrern, — nur zu bequem, im breiten Fahrwasser all⸗ täglicher Gemeinplätzlichkeit zu schwimmen und sich davor zu hüten, neue Ideen zu verfechten. So sehen wir denn— wie z. B. kürzlich auf dem Protestantentage in Hamburg— Philo⸗ sophen und Naturwissenschaftler in dem Streben vereint, Religion und Wissenschaft auf Kosten der letzteren zu„versöhnen“. Die Naturwissen⸗ schaften sollen die Ergebnisse ihrer Forsch⸗ ungen mit den biblischen Erzählungen in Einklang bringen. Wenn früher auf den Lehr⸗ stühlen Männer saßen, die ihre Meinungen frei und unerschrocken vortrugen, so werden solche Fälle immer seltener. Alle jüngeren Kräfte, die im Verdachte unabhängigen Denkens, mo⸗ derner Anschauungen stehen, hält man fürsorg⸗ lich dem Lehrkörper fern. Wer selbstbewußt und unbeugsam seine Ansichten verficht, ohne Rücksicht darauf, ob er nach„oben“ anstößt, wird von seinem Posten entfernt. Der Fall Schiller ist ein beredtes Beispiel dafür. Unter solchen Verhältnissen finden nur Wenige den Mut, den Kampf mit dem stärkeren Feinde aufzunehmen.
Ein solcher Mann, unbeugsam in seiner Gesinnung trotz aller Kämpfe, Sorgen und Anfeindungen, war Ludwig Noack. Er ward als ältester Sohn des Oberkonsistorialregistra⸗ tors Noack am 4. Oktober 1819 in Bessungen bei Darmstadt geboren. Nachdem er das Gym⸗ nastum zu Darmstadt im April 1837 mit dem Zeugnis der Reife verlassen hatte, bezog er die Universität Gießen, um Philosophie und Theo⸗ logie zu studieren. Mit großem Fleiß lag er seinen Studien ob; Beweis dafür ist das glän⸗ zende Zeugnis, welches er bei seinem Abgange von der Universität 1840 erhielt. Kaum war der junge Gelehrte ins Leben getreten, da sollten auch die Kämpfe beginnen. In Hessen⸗ Darmstadt führten damals der Staatsrat v. Linde und der nachmalige Minister v. Dal⸗ wigk das Regiment. Sie gestalteten das Dasein
des freimütigen Mannes zu einem Märthyrer⸗
leben. Linde, damals Kanzler der Universität Gießen, benutzte ein angebliches Gesuch Noacks um Anstellung in der philosophischen Fakultat zu der Frage, ob er(Noack) der Verfasser von „Schmähartikeln“ sei, welche in zwei Zeitungen erschienen waren. Trotzdem Noack eine Ant⸗ wort mit dem Bemerken ablehnte, daß eine Bewerbung seinerseits nicht beabsichtigt sei, wurde er doch seiner Stellung als Pfarrgehilfe und Religionslehrer in Worms entbunden, ja, er sollte sich sogar einen Heimatschein und einen Erlaubnisschein von der Polizei für seinen Aufenthalt in Worms verschaffen.
Bei all' diesen Aufregungen fand er Ruhe und Muße zur Ausarbeitung seiner Doktor⸗ dissertation. Im Jahre 1847 kam er um die Erlaubnis ein, sich an der Universität Gießen als Privatdozent niederlassen zu dürfen. Er erhielt abschlägigen Bescheid. Er nahm da⸗ her eine provisorische Lehrerstelle an einer höheren Bürgerschule an. Endlich, im Jahre 1849, erhielt er die Stelle eines Repetenten der Philosophie an der Landesuniversität mit — 400 Gulden.“ Nach sechs weiteren Jahren erfolgte seine Ernennung zum außerordentlichen Professor; sein Gehalt erfuhr keine Erhöhung. Bei diesem schmalen Einkommen mußte er na⸗ türlich rastlos litterarisch thätig sein, um für sich und die Seinen die notwendigsten Mittel für den Unterhalt zu beschaffen. Als er dann im Jahre 1859 um eine Gehaltserhöhung ein⸗ kam, erhielt er eine ablehnende Antwort. Der Verfasser so vieler freimütiger Werke auf dem Gebiete der Bibelkritik und der Philosophie wurde mit mißtrauischen Augen angesehen. War doch eine seiner Schriften von allgemeinem Interesse:„Die Freidenker in der Religion oder die Repräsentanten in der religiösen Auf⸗ klärung in Frankreich, England und Deutsch⸗ land wenige Jahre vorher erschienen. Im Jahre 1862 begannen die Verfolgungen und Maßregelungen von neuem. Noack hatte eine Arbeit über„Die Auferstehung des Gekreuzig⸗ ten im Lichte der Wissenschaft“ veröffentlicht. An diesem Artikel nahm das Oberkonsistorium Anstoß und bewirkte die Einleitung des Dis⸗ ziplinarverfahrens gegen ihn. Der akademische Senat wahrte zwar in seinem Gutachten an
das Ministerium der Wissenschaft das Recht
der Bibelkritik, rügte aber des Verfassers „frivole und spöttische Sprache“, die unverträg⸗ lich mit der„Würde“ der Wissenschaft sei. Die Folge war eine ernste Verwarnung. Im Früh⸗ jahr 1870 wurde seine Ernennung zum ordent⸗ lichen Professor abgeschlagen. Bei dieser Ge⸗ legenheit erklärte Dalwigk, so lange er am Ruder sei, werde Noack keine Berufung als ordentlicher Professor erhalten. Aus„Gnade“ ernannte man den 53 jährigen Gelehrten zum Gehilfen an der Bibliothek mit 400 Gulden Gehalt, das 1872 auf 550 Gulden erhöht ward. Endlich— 1873— erging seine Er⸗ nennung zum ersten Bibliothekar und Honorar⸗ professor und 1882 erfuhr sein Gehalt eine Erhöhung auf 4000 Mark.
Aber lange sollte er sich dieser besser do⸗ tierten Stelle nicht mehr erfreuen. Unten einem Leben voller Sorgen und Arbeit hatte der Körper schwer gelitten: Schwerhörigkeit stellte sich ein, und das Augenlicht begann zu erlöschen. Anfang 1885 trat er in den Ruhestand mit dem Wunsche, seinen Lebensabend in Heidel⸗ berg zu verbringen. Sein Wunsch sollte nicht mehr in Erfüllung gehen. Bereits im Juni warf ihn eine schmerzhaͤfte Krankheit— die Gürtelrose— aufs Krankenlager. Eine Lungen⸗ entzündung, welche hinzutrat, beschleunigte sein Ende. Am 15. Juni hauchte der edle, an⸗ spruchslose, überzeugungstreue Mann seinen Geist aus. Zwei Tage später trug man die sterblichen Reste des schwergeprüften Kämpfers hinaus auf den Kirchhof am Nahrungsberge zur ewigen Ruhe.
Mit Noack schied ein charaktervoller Mann aus dem Leben, ein leuchtendes Vorbild für die Jugend. Ihm stand die Wahrheit höher, als der materielle Gewinn, um ihretwillen ertrug
1 rheinischer Gulden— 1,71 Mark.
er— ein moderner Spinoza— alle Verfol⸗ gungen mit wahrhaft philosophischem Gleichmut.
Erstaunlich fruchtbar war seine schriftstelle⸗ rische Thätigkeit. Einige zwanzig größere, teils mehrbändige Werke und eine große Anzahl von Abhandlungen entstammen seiner Feder. Viermal war er Herausgeber von e Dabei war er kein oberflächlicher Vielschreiber. Alle Arbeiten zeigen gründliches Wissen, fußen auf umfassenden Quellenstudien: sie waren das Ergebnis liebevoller Hingebung an den behan⸗ delten Gegenstand. Jede Leisetreterei lag ihm fern. In der Vorrede zu seiner„Geschichte Jesu“ schrieb er 1876:„Der Verfasser ist sich bewußt, seine Arbeit mit jener strengen und rücksichtslosen Wahrheitsliebe unternommen und ausgeführt zu haben, die nichts verhüllt und nichts bemäntelt und die Folgerungen fließen läßt, wie sie eben fließen. Es ist nicht seine Schuld, wenn bei Solchen, welche(mit Lessing zu reden) die Wahrheit unter allerlei Larven und Schminken an den Mann gebracht wissen wollen, die vom Verfasser gewonnene nackt⸗ geschichtliche Wahrheit als unliebsam und un⸗ bequem bei Seite geschoben wird.“
In diesem Geiste, frei und unerschrocken, trug Noack vor, was er als Wahrheit erkannt hatte, nicht trockenen Tones, sondern in meister⸗ haft vollendetem Stil.
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Getrennt auf ewig. Von O. Tussi. Aus der„Jugend“.
Ihr Entschluß stand fest; sie mußten sich trennen, für immer trennen.
Qualvolle Nächte hatte er ihr bereitet, ver⸗ zweiflungsvoll hatte sie gerungen und gekämpft; doch unabweisbar stand die Notwendigkeit der Trennung vor ihren Augen.
Es wär furchtbar zu denken, es that ihr unendlich leid um ihn, so lange Jahre hatten sie treu zusammengehalten; er hatte für sie ge⸗ arbeitet und geschafft, keine Austrengung war ihm zu groß gewesen um ihretwillen, so manche harte Nuß hatte er für sie geknackt und sie hatte ihn treu gepflegt und behütet.
So war es gegangen all die vielen, glück⸗ lichen Jahre her.
Und plötzlich war es über ihn gekommen, so daß sie ihn nicht mehr zu erkennen glaubte. Tief in ihm fraß etwas, nagte wie ein Wurm, immer tiefer, verderblicher; anfangs ließ er es sie nicht fühlen, aber allmählich spürte sie immer mehr, immer deutlicher die furchtbare Umwandlung, die in ihm vorging. Er mühte sich noch für sie, aber für jede Arbeit, die er that, bekam sie kleine empfindliche Stiche zu fühlen, immer öfter, immer stärker. Hätte er brutal getobt und ihr noch so empfindlich wehe gethan, sie hätte es geduldig hingenommen, aber diese kleinen, bohrenden und tückischen Stiche, die sie unablässig folterten und nur selten auf kurze Minuten zur Ruhe kommen ließen, machten sie rasend.
Lange hatte sie's erduldet, dieses Leben voll Qual; lange wälzte sie sich schlaflos auf ihrem Lager und versuchte ihr Schicksal zu tragen, auf Besserung zu hoffen, sich mit dem Gedanken„Es geht vorüber“ zu trösten; aber nun konnte sie nicht mehr, nun war sie ent⸗ schlossen, sich von ihm zu trennen.
Sie wußte, wie furchtbar sie dies alle Beide noch schmerzen würde, er hing ja trotz alledem noch mit allen Fasern an ihr, folgte ja nur willenlos einer höheren Macht, die ihn trieb, sie zu verwunden und zu quälen, das wußte sie; und wenn sie sein Leben von dem ihren losriß, so tötete sie auch seinen Lebensnerv, trennte den Faden, der ihm Kraft und Stärke verlieh, die er durch sie er⸗ halten hatte. Und sie wußte auch, wie viel sie an ihm verlor, wie sie ihn vermissen würde, den treuen langjährigen Freund!
Doch es mußte ein Ende gemacht werden.
Sie kleidete sich an und verließ sichern Schrittes ihre Wohnung; bald war sie an dem düstern, grauen Hause, wo sich die furcht⸗ bare Trennung vollziehen sollte. Mit hoch⸗
klopfendem Herzen stieg sie die Treppen hinauf,
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