r dir
Nen erger dal.
rl auß 1 f
daz
5 dez
1 f.“ Nach; beber⸗ diesem lers findet fein,
9
e r —
2
Nr. 34.
Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.
Seite 5.
nun so weit ganz gut; wir find die letzten, die dem Bürgermeister einen Vorwurf daraus machen, Arbeit schändet ja nicht; aber wir meinen doch, man solle die Leute wenigstens einigermaßen anständig bezahlen, dann wird man auch Leute bekommen und der Bürgermeister hat nicht nötig, sich Arbeiten zu unterziehen, die er nicht zu machen braucht.
Mordspatriotische Hetzerei. Am Sonntag gabs in Alsfeld einen patriotischen Aufzug. Am Kriegerdenkmal hatte der Kriegerverein eine Gedenk⸗ tafel anbringen lassen, die irgend eine nebensächliche Tat⸗ sache der Nachwelt überliefern soll. Diese Tafel wurde mit dem üblichen Drum und Dran eingeweiht, wobei Pfarrer Becker, Kreisamtmann Dr. Michel und Bürger⸗ meister Arnold Reden hielten. Während letzterer im Sinne des Friedens sprach und sich jeder Angriffe ent⸗ hielt, paukte der Prediger christlicher Nächstenliebe, wie auch der Kreisamtmann gegen den„inneren Feind“ los. Daraus macht sich nun der„innere Feind“ weiter nichts, er lebt und kämpft vergnüglich weiter und läßt sich durch solche Redereien nicht irre machen. Denkende Ar⸗ beiter sollten aber besseres zu tun haben, als sich noch um Kriegervereine zu kümmern. Auch der Alsfelder schließt jeden aus, der irgendwie in den Geruch sozial⸗ demokratischer Gesinnung kommt. Ja, hier wurden kürzlich 3 der Freien Turnerschaft angehörige Arbeiter ausgeschlossen und zwar, um den Skandal vollständig zu machen, auf Antrag von Arbeitern! Das zeigt, welche Borniertheit noch unter den hiesigen Arbeitern herrscht. Hier gibt es deren noch, die einen Wochenlohn von 11—12 Mk. verdienen, aber noch den Antisemiten nach⸗ laufen und bet patriotischen Feiern Hurra schreien. Und welche„Kameradschaft“! Bei dem kürzlich in Hopfen⸗ garten stattgefundenen Bezirkskriegerfest sagte ein Veteran zu einem andern: Schämst du dich nicht, daß du dich zu den Arbeitern setzt? Dies Fest endete übrigens sehr kriegerisch, obwohl auch hier Pfarrer Becker gegen die vaterlandslose Sozialdemokratie donnerte, der gegenüber man einig sein müsse. Jedenfalls sahen sich dann die Krieger gegenseitig als„innere Feinde“ an und ver⸗ möbelten sich gehörig die Köpfe, daß nicht wenig Blut floß. Davon wußte aber das Kreisblatt nichts zu er⸗ zählen. Wie prächtig verlief dagegen das Arbeiter⸗ Turnerfest! Vernünftige Arbeiter bekümmern sich um ihre Interessen und die Verbesserung ihrer Lebenslage und halten sich fern von Kriegervereinen.
Recht trübe Schulverhältnisse herrschen in Burg⸗ Gemünden. Dort ist seit Wochen der ältere Lehrer nach Homberg a. d. Ohm versetzt worden, wo er übrigens lange keine Wohnung erhalten konnte, weil keine da war. Der einzige Lehrer muß nun die acht Jahrgänge unterrichten, sodaß jedes Kind pro Tag 2—4 Stunden Unterricht erhält.— Das Schulhaus, das jetzt zehn Jahre steht, muß umgebaut werden. Das untere Stockwerk ist massiv, das zweite ist Fachwerk und sind die Balken schon morsch. Die Leute behaupten, das Holz sei krank gewesen, was jeder Laie versteht, denn 10 Jahre ist keine Zeit, in der ein Holz so zer⸗ stört werden kann. Das Schulhaus wurde unter staat⸗ licher Kontrolle aufgeführt und wirft es ein eigen⸗ tümliches Licht auf die Fähigkeit der Beamten. Es wird allerhand gemunkelt, wie es kam, daß solch ein Holz überhaupt verarbeitet werden konnte. Aber die Hauptsache: das ganze obere Stockwerk mit Dach muß abgerissen werden. Natürlich verursacht die Sache der Gemeinde bedeutende Kosten.
Aus dem RNreise Wetzlar.
n. Mit den Stadtverordnetenwahlen und der Kommunalpolitik im Allgemeinen beschäftigte sich eine Versammlung, die am Mittwoch im Saale„Zur Glocke“ stattfand und sehr gut besucht war. Als Referent war Genosse Stadtverordneter Dr. Quarck⸗Frankfurt er⸗ schienen, der sich in längeren Ausführungen mit den Aufgaben eines städtischen Gemeinwesens befaßte, wobei er besonders auf die Verhältnisse in Wetzlar einging. Quarck wies weiter auf die Jämmerlichkeit des Wahl⸗ rechts zur Gemeindevertretung hin. Obwohl unsere Partei bei der Reichstagswahl in der Stadt Wetzlar fast so viel Stimmen aufbringt, als die gesamten Gegner, hat die Sozialdemokratie doch keinen der ihrigen durch⸗ gebracht!(Dabei muß noch bemerkt werden, daß die Einteilung der Klassen zu Ungunsten der 3. Klasse ver⸗ schoben worden ist, weil eine große Anzahl Bürger, die das Bürgerrechtsgeld nicht bezahlt haben, nicht als Wähler mitgezählt wurden.) In der Diskussion wurde einiges über die Zustände im Schlachthaus vorgebracht. Gegen die Ausführungen Quarcks erhob sich kein Wider⸗ spruch.
Diese Versammlung sollte erst in Göths Garten stattfinden, doch verweigerte Herr Dietz seinen Saal, den er erst zugesagt hatte. Würden die Arbeiter Wetzlars energische Schritte gegen diese Behandlung tun und den Saal so lange nicht betreten, als er zu Versammlungen verweigert wird, so würde sich der Saalinhaber wohl bald eines andern besinnen.
h. Agrarische Preistreiberei. An den letzten Markttagen kostete das Pfund Butter nicht
weniger als Mk. 1,45 bis 1,50 Solch' unerhört hohe Preise sind wirklich noch nicht dagewesen. Es wurde zwar behauptet, daß wegen der Scharfschießerei des Gießener Regiments der Verkehr gehemmt war und die Butterverkäufer nicht auf den Markt kommen konnten, doch dürfte dieser Grund nicht stichhaltig sein. Futter⸗ mangel besteht doch wahrhaftig auch nicht. Die Preise werden durch die Zollpolitik künstlich in die Höhe getrieben und es ist jetzt schon glücklich soweit gekommen, daß sich die Arbeiterfamilie Butter nicht mehr leisten kann.
n. Nächtlicher Spuck. Jüngst eines Samstags nachts ereignete sich eine unheimliche Szene, die geeignet war, abergläubische Gemüter in Furcht und Schrecken zu setzen. Ungefähr zu Ende der Mitternachtsstunde zeigte sich am Kornmarkt eine weiße Gestalt, die offenbar übernatürlichen Wesens sein mußte, denn sie schwebte aus einem Fenster hernieder und verschwand darauf lautlos und augenblicklich. Doch für verständige Leute gibts längst keine Gespenster mehr. Und so klärte sich auch dieser Spuck sehr natürlich auf: er stellte sich als eine durchaus menschliche Affaire heraus. Ein junger Ehemann eilte um diese Zeit nach Hause, störte aber durch seine Heimkunft das Stelldichein seines Weibleins mit einem in Wetzlar sehr bekannten Herrn, der sich mit einem gewissen Rechte des Vertrauens seiner Mitbürger rühmen kann. Dieser ergriff in höchster Eile und im tiefsten Négligé die Flucht, dle für die zufälligen Zeugen allerdings den Eindruck machte, als schwärmten Geister da herum.— Ein ähnliches Vorkommnis, das sich in der Schuhgasse abspielte und bei welchem ein sehr frommer Mann mitbeteiligt war, zeigt auch, wie es mit der Sittlichkeit bestellt ist— in den unteren Volksklassen natürlich.
Aus dem Rreise Marburg⸗Nirchhain.
O Polizei⸗Scherereien. Einem Bauhilfs⸗ arbeiter, der zu einer öffentlichen Maurer- und Bauhilfs⸗ arbeiter⸗Versammlung durch Handzettel eingeladen hatte, wurde ein Strafmandat von 3 Mark zugestellt. Gegen dieses legte er bei dem Amtsgericht Berufung ein. Es wurde der Berufung stattgegeben und das Mandat als nicht zulässig zurückgewiesen. Doch die Polizei hat die Sache bei der Staatsanwaltschaft anhängig gemacht. Nun erhielt der Arbeiter am 14. August ein zweites Strafmandat, aber in Höhe von 9 Mark. Aber auch gegen dieses wird Berufung eingelegt werden. Es soll gerichtlich festgestellt werden, auf welchen Paragraph man sich stützte. Man vergleiche nun aber das Ver⸗ gehen dieses Arbeiters mit dem zweier Studenten, die am Freitag ebenfalls vor Gericht standen. Diese hatten sich wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt, Beamtenbeleidigung und Hausfriedensbruch(sie sind auf die Polizeiwache eingedrungen) zu verantworten und wurden zu 30 bezw. 10 Mark Geldstrafe verurteilt, Was hatten wohl Arbeiter aufgebrannt bekommen?
2, Die hiesigen Schreinermeister geben sich alle Mühe durch Inserate in den Zeitungen Arbeiter zu erhalten zum Ersatz für ihre Gesellen, die seit dem Streik die Werkstätte meiden. Man kann es den Ge⸗ sellen auch nicht verübeln, wenn sie nicht mit den Streik⸗ brechern zusammen arbeiten wollen. In beiden Blättern lassen die Herren Schreinermeister Hering, Metzler und Rohleder ihren Sehnsuchtsruf nach Gesellen erschallen, während sie vorher ihre alten geschulten Leute einiger lumpiger Pfennige Lohn⸗Aufbesserung wegen in den Streik treten ließen und später aussperrten.
2, Das Fest der Freien Turnerschaft am Sonntag, nahm den besten Verlauf. Die Beteiligung war eine recht gute zu nennen, obwohl mancher von der Marburger Arbeiterschaft durch Abwesenheit glänzte. Doch waren von Gießen und Alsfeld Turngenossen er⸗ schienen, denen an dieser Stelle noch gedankt sei. So war der Hildemannsche Garten voll besetzt. Nachmittags gab es Schauturnen, Preisschießen ꝛc., abends begann der Tanz, dem viele Festbesucher bis zu später Nacht⸗ stunde huldigten. Bedauerlich bleibt nur, daß mancher Genosse noch der gegnerischen deutschen Turnerschaft an⸗ gehört, anstatt sich seinen Genossen anzuschließen.
e
Partei-Uachrichten.
Anträge zur Landeskonferenz.
Die Parteigenossen von Hechtsheim beantragen, dem § 5 Absatz 1 des Landesorganisatlonsstatuts folgenden Zusatz zu geben:
Erhebt ein Lokalorganisation mehr als den Mindest⸗ zuschlag von 5 Pfg., so ist es Pflicht der Lokalorganisatton, Mitglieder auch zum Mindestzuschlag aufzunehmen.
Die Genossen von Obererlenbach beantragen: Zwecks besserer Agitation auf den katholischen Landorten sind vom Landeskomitee alljährlich mindestens zwei Flugblätter herauszugeben, welche sich speziell mit den Verhältnissen der katholischen Ortschaften befassen.
Die Parteigenossen von Bretzenheim beantragen:
„Die Landeskonferenz möge die Landtagsfraktion beauftragen, für folgendes in der Zweiten Kammer zu sorgen:
15 1 ben den in Ent⸗ ädigungsansprüchen der Arbeiter gege i Gee gegen Private oder
2. Abschaffung der Bespitzelung der Mannschaften, welche zum Militär müssen oder wollen;
3. das ganze Großherzogtum Hessen in einen Armenverband einzuteilen, eventl. als kleinsten Armen⸗ verband eine Provinz gelten zu lassen.
5 Der Wahlverein Lollar a. Lahn beantragt, die nächst⸗ jährige Landeskonferenz in Lollar abzuhalten.
Die Parteigenossen des Bezirks Alt en⸗Buseck, Trohe, Rödgen und Wieseck beantragen, die Landes⸗ konferenz wolle beschließen, die nächste Landeskonferenz in Gießen oder in nächster Nähe eventl. in Lollar ab⸗ zuhalten.
Die Parteigenossen Kostheims beantragen, zu be⸗ schließen, die nächste Landeskonferenz in Kostheim am Main abzuhalten.
Wahlkreis Friedberg⸗Büdingen.
f Der Vorstand des Kreiswahlvereins faßte in einer Sitzung in Folbe des Bieraufschlags den Beschluß, auf strikte Durchführung des Bierboykotts seitens der Genossen zu dringen. Die Bezirksleiter werden ersucht, allerorts Versammlungen zu veranstalten; wegen Refe⸗ renten wolle man sich an den Vorsitzenden des Kreises wenden. J. A.: Karl Arm brust.
Sersammlungskalenber.
Samstag, den 25. August.
Gießen. Gewerkschaftskartell, Abends ½9 Uhr Sitzung bei Orbig.
Gießen. Wahlverein. sammlung bei Orbig.
Marburg. Wahlverein. sammlung bei Jesberg,
Wetzlar. Wahl verein. Abends ½9 Uhr Ver⸗ sammlung im Gasthaus„Zur Glocke“.
Sonntag, den 26. August.
Lindenstruth. Arbeiter⸗Verein. Nachmittags
3½ Uhr Versammlung bei Wirt Peter Zinkann. Dienstag, den 28. August.
Wieseck. Freie Turnerschaft. Abends ¼9 Uhr erste Turnstunde im Lokale Wacker.— Samstag, den 1. September, abends 9 Uhr Mitglieder⸗ versammlung im gleichen Lokale.
Samstag, den 1. September. 5
Lauterbach Wahlverein. Abends 8½ Uhr Mitglieder⸗Versammlung bei Gastwirt Schwarz, „Zum Johannisberg“.
Abends 9 Uhr Ver⸗
Abends 9 Uhr Ver⸗
Quittung. Zur Unterstützung der Tabakarbeiter gingen ein: Maurer, Liste 1, Mk. 8,30; L. 2, Mk. 1,90; Liste 3, Mk. 2,1; L. 4, Mk. 16,90; L. 5, Mk. 8,15; L. 6, Mk. 5,50; L. 7, Mk. 8,80; L. 9, 8,70. Buch⸗ drucker, Liste 11, Mk, 14,40; L. 12, Mk. 7,—. Schneiderverband Mk. 10,—. Tapeziererverband Mk. 5,.—. Tapezierer, Liste 29, Mk. 6,85. Bäcker, Liste 36, Mk. 7,95. Transportarbeiter Mk. 10.—. C. K. Butzbach Mk. 2,—. Wieseck. Tabakarbeiter, Liste 21, Mk. 8,50, L. 23, Mk. 6,—; L. 26, Mk. 2,15; L. 27, Mk. 10,70; L. 30, Mk. 10,40; L. 39, Mk. 6,15. C. K.⸗Butzbach, Mk. 2.—. Allen Gebern besten Dank!
Die Kommisston.
Briefkasten.
3.⸗Mrbg. Gewiß wäre es besser, wenn jene Firma die Löhne ihrer Arbeiter aufbesserte, austatt daß si⸗ Schmausereien veranstaltete. Aber es ist doch immerhin anzunehmen, daß sie von guter Absicht geleitet war und deshalb wollen wir eine öffeutliche Kritik unterlassen.— Gg. Hs.⸗Burkhrdssidn. Die Stadt Butzbach hat elektrische Beleuchtung. Wir haben uns erst selber davon überzeugt, drum dauerte die Beantwortung Ihrer Frage so lange!— Wie steht's dort mit der Parteiorganisation? — Queckborn. Wegen der Versammlung erwarten wir Nachricht.
—ů——
7 Bemüht Parteifreunde! eng nes nach besten Kräften für die immer weitere Verbreitung Eueres Blattes, der
Mitteldeutschen Sonntags⸗Zeitung!
———
Kirchweihfest in Hausen.
Sonntag, 26. und Montag, 27. August: gutbesetzte Tanzmusik
Für beste Speisen und Getränke ist gesorgt und ladet zu zahlreichem Besuche ein
Konrad Wallbott „Zum Ad 2
—
——
e
9—
r
—
2
. f—
a N
8
5 9 15
10
—


