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1.4.1906
 
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Gießen, den 1. April 1906.

13. Jahrgang.

Nr. 13. Redaktion:

Kirchenplatz 11, Schloßgasse.

Sonnt

Mitteldeutsche

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Der europäische Krieg.

Die wirtschaftlichen Folgen eines europäischen Krieges behandelt Jules Roche, ein ehemaliger französtscher Handels minister, in einem Aufsatz in einer französischen Zeitschrift. Er kommt zu dem Resultat, daß bei der Kom⸗ pliziertheit des heutigen ökonomischen Lebens ein europäischer Krieg eine allgemeine Katastrophe hervorrufen würde, die einen vollkommenen Zusammenbruch unsres ganzen wirtschaftlichen Lebens bedeuten würde.

Als Grundlage für seine Berechnungen dienen ihm die Verlustlisten und die aufge⸗ wandten Kräfte in dem Kriege 1870 71. Rach den Aufstellungen Freyeinets betrugen die Streitkräfte der Republik 680000 Mann, die im Felde standen, und 600000 Mann in Paris, worunter 500000 Nationalgarde. In der ersten Zeit des Krieges hatte Frankreich etwa die gleiche Anzahl Soldaten unter den Waffen gehabt, so daß man die jeweilige Stärke der französtschen Armee alles in allem auf 1200 000 Mann beziffern konnte. Die deutschen Streitkräfte zählten im August 1870 alles in allem 1183000 Mann und im Februar 1871, wo die Höchstzahl der unter den Waffen Stehenden erreicht wurde, 1350 000.

Die Kosten für die Unterhaltung jedes einzelnen Soldaten berechnet Roche auf 11 Fr. täglich. Er stellt zunächst die Gesamtkosten des Krieges mit 9 Milliarden 237 Millionen fest, zieht von dieser Summe die 5 Milliarden, die Frankreich Kriegskosten zahlen mußte, ebenso eine Milliarde, die durch die Folgen des un⸗ glücklichen Krieges erwuchsen, ab und kommt zu dem Ergebnis, daß die Ausgaben für den Krieg, auch wenn derselbe glücklich verlaufen wäre, zum mindesten 3 Milliarden 287 Millionen betragen hätten. Da der Krieg 8 Monate oder 245 Tage dauerte, so kommen bei einer Stärke des Heeres von 1200 000 Mann 11 Fr. täglich auf den Kopf.

Seitdem ist die Heeresstärke der Armeen außerordentlich gewachsen. Sie beträgt in Frankreich bei der Mobilmachung des stehenden Heeres 2080000 Mann, zu denen noch 130 000 Mann Reserve in jeder der sechs Klassen kommen, so 08 schon in den ersten Monaten des Krieges 2860000 Mann unter Waffen stehen würden. Die täglich zur Unterhaltung dieses Heeres verausgabte Summe beliefe sich dann auf 31460 000 Frank. Dabei sind die Kosten von 11 Frank sehr niedrig berechnet, denn in dem Burenkriege betrugen die Kosten der Engländer für einen Mann 20 Frank, wobet allerdings 0 bedenken ist, daß der englische Soldat mehr ostet als der französische, und im russisch⸗ japanischen Kriege beliefen sich die täglichen Kosten für einen Soldaten auf über 10 Frank, obwohl der russische Soldat viel billiger ist, als der französtsche. 5

Erfolgt nun die vollständige Mobil⸗ machung, wobei auch noch die sechs Klassen der Landwehr eingereiht werden, so kommen noch 600 000 Mann hinzu, und die Zahl der Kosten für die Armee steigt auf 38 000 000 Fr. für den Tag. Berechnet man die Dauer des Krieges ebenfalls auf 245 Tage wie 1870/71, so ergibt sich als Gesamtkosten die ungeheure Summe von neun Milliarden 310 Millionen.

Dehnt man die täglichen Unterhaltungskosten von 11 Frank für den Soldaten auf die Armeen Deutschlands, das 5 400 000 Mann unter Waffen stellt, Oesterreichs mit 2000000 Mann und Italiens mit 3 300000 Mann aus, so ergibt der Verbrauch dieser Staaten 100000000 Frank für jeden Tag.

Also 80 Millionen Mark jeden Tag!

Zu diesen immensen Kosten kommt noch der wirtschaftliche Niedergang des ganzen Landes und aller Industrien. Im Kriege 187071 entging Frankreich nur dadurch dem Staats⸗ bankrott, daß die Bank von Frankreich die not⸗ wendigen Summen aufbrachte. Aber heute wäre es unmöglich, auch für die Bank von Frankreich, so große Summen aufzubringen. Da fast die ganze männliche Bevölkerung zwischen zwanzig und fünfundvierzig Jahre im Felde steht, muß ein großer Teil der industriellen Unternehmungen und wirtschaftlichen Betriebe ihre Arbeit ein⸗ stellen. Nicht nur daß zwei bis drei Millionen Menschen nichts mehr verdienen, sondern ihre Abwesenheit lähmt auch die übrige Bevölkerung völlig und läßt nur noch der ganz individuellen Arbeit eine Möglichkeit, zu bestehen, und die Zahl solcher Einzelbetriebe ist im modernen Wirtschaftsleben immer geringer geworden. Das Unheil und die Verwirrung würden noch wachsen, wenn der ganze Verkehr und der ganze Ablauf des sozialen Lebens stocken würden. Kein elek⸗ trisches Licht mehr in den Straßen, keine Straßen⸗ bahnen, keine Droschken, keine Telegraphen und kein Gas! Die Druckereien wären verödet, die Bergwerke brachgelegt, und überall würde sich der Krieg auf das furchtbarste bemerkbar machen.

Auch ein völliger Niedergang der Gel d⸗ geschäfte stände bevor. Die augenblickliche Folge eines heutigen Krieges wäre ein unge⸗ heurer Kurssturz, das weitere Ergebnis eine vollständige Geldkrise. Und das unheilvolle Gespenst des Papiergeldes, das schon 1870- 71 Frankreich bedrohte, würde gar bald seine Schrecken bemerkbar machen. Bei der Geld'rise des Jahres 1870 rief der Finanzminister de Roussey aus:Das Papiergeld würde den vollkommenen Ruin Frankreichs bedeuten! Damals half man sich durch das Eingreifen der Bank von Frankreich noch glücklich darüber hinweg. Heute aber würde die Zeit der Asstg⸗ naten nach der französischen Revolution wieder zurückkehren, wo das Paplergeld gar keinen Wert mehr hatte und schließlich 100 Frank⸗ Billetts nur noch den Wert von 3 Sous hatten, und ein Pfund Zucker 470 Frank und ein Brot 60 Frank kosteten.

Die gleichen unheilvollen Folgen würde der europäische Krieg für Deutschland, für Italien, für England, für Oesterreich haben. Ueberall würde eine völlige ökonomische Ver⸗ nichtung hereinbrechen, und dem Sieger würde sein Sieg zu teuer zu stehen kommen.

An alle diese Dinge denken unsere Hurra

und Mordspatrioten nicht. Umsomehr ist es unsere Aufgabe, darauf hinzuweisen, welch' un⸗ geheueres Elend ein Krieg für das Volk im Gefolge hätte, selbst im Falle unseres Sieges. Wenn daher die internationale Sozialdemokratie mit allen Kräften für den Weltfrieden eintritt und arbeitet und sich gegen dienationalen Hetzereien wendet, so handelt stie hundertmal mehr im Juteresse und zum Wohle des Volkes, als diejenigen, welche ihrenPatriotismus

durch Renommistereien und Herausforderungen andern Völkern gegenüber betätigen wollen.

Aus dem Reichstage.

Der Kolonialetat beschäftigte den Reichs⸗ tag noch die ganze vorige Woche. Die Taten und das ganze Verhalten der deutschen Kultur⸗ förderer gab sehr viel Anlaß zur Kritik, die besonders von unserm Genossen Ledebour und Bebel sowie dem Zentrums mann Erz⸗ berger geübt wurde. Namentlich verlangten unsere Vertreter, daß den Negerstämmen das Land wiedergegeben werde, was ihnen vor etwa einem Jahre die Togo⸗Kolontal⸗Gesellschaft für ein paar Pfennige abgeschwindelt hat. Die bürgerlichen Parteien, die sich sonst immer als die Verteidiger des Eigentums aufspielen, lehnten jedoch den sozialdemokratischen Antrag ab. Die Regierung, die zu jenem Kauf ihren Segen

und am Donnerstag konnte Genosse Ledebour mit Genugtuung konstatieren, daß die sozial⸗ demokratische Aktion von Erfolg begleitet ge⸗ wesen ist. Am gleichen Tage wandte sich Bebel noch gegen den Antisemiten Lattmann, der sich bei der Debatte über Südwestafrika als wilder Kolonialeroberer produzierte und die grausame Wegnahme des Landes verteidigte. Bebel erklärte diesem deutschen Richter, daß die Neger von ihrem Standpunkt aus mit Recht sich gegen die deutschen Eroberer aufgelehnt haben. Uebereinstimmend haben die Misstonare erklärt, der Land raub sei in erster Linie die Ursache des Aufstandes gewesen, denn die Neger sahen sich in ihrer Existenz auf's äußerste bedroht. Bebel brandmarkte weiter auch die ganze Unsinnigkeit der Kolonial⸗ politik, die Hunderte von Millionen in afrika⸗ nische Sand- und Sumpfländer verpulvert, Summen, die böllig ausreichen würden, in Deutschland Millionen Hektar unfruchtbaren Bodens in ertragreiche Ländereien umzuwandeln. Weiter behandelte Bebel die vorher vom Abg. Erzberger scharf kritisterte Monopolstellung der bekannten Firma v. Tippelskirch als Lieferantin für die Ausrüstungsgegenstände der Truppen in den Kolonien. Bebel betonte, daß nach seiner Auffassung jede Firma, die auf Ehre und Re⸗ putation hält, auf einen Vertrag freiwillig ver⸗ zichten würde, wenn ihr öffentlich solche Dinge nachgesagt werden, wie der Firma v. Tippels⸗ kirch. Auf alle Fälle sollte der eine Teilhaber, der preußische Minister v. Podbielskti, in diesem Sinne auf die Firma einwirken. Be⸗ merkenswert war die Aeußerung des Geheimrats Seitz, daß heute die Regterung diesen Vertrag nicht mehr abschließen würde.

Samstag wurde der Etat für Südwestafrika erledigt. Verschiedene Abstriche, welche die Kommisston gemacht hatte u. a. ein solcher von 15 Millionen an der Forderung von 92 Millionen für die Schutztruppe wurden auf⸗ recht erhalten, obwohl Prinz Hohenlohe und Oberst Deimling lebhaft für die Bewilligung eintraten. Letzterer wollte der Sozialdemokratie vorwerfen, daß sie die deutschen Truppen in Afrika heruntersetze, Ledebour trat aber dieser Darstellung entschieden entgegen.

gespendet hat, ließ jedoch Remedur eintreten,

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