Ausgabe 
24.6.1906
 
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CCC

Nr. 25.

m itteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

Seite 5.

Gewitterregen recht gute Dienste leistete, es fanden Alle darunter Schutz. Der Regen beeinträchtigte denn das Fest auch in keiner Weise, im Gegenteil, er brachte er⸗ wünschte Abkühlung und verhinderte die Staubentwicke⸗ lung, was sich besonders bei dem Festzuge als recht an⸗ genehm erwies. Der Festzug selbst wies eine respeltable Länge auf; denn aus fast allen Orten des Kreises waren die Parteigenossen erschienen. Nur einzelne Orte, wo Festlichkeiten stattfanden, an denen die Parteigenossen beteiligt waren(Daubringen, Wieseck ꝛc.), fehlten oder hatten nur eine schwache Vertretung geschickt. Nachdem der Zug auf den Festplatz zurückgekehrt und der Hausener Arbeiter⸗Gesangverein ein Begrüßungslied vorgetragen hatte, ergriff Landtagsabgeordneter Orb das Wort zur Festrede. Seine beifällig aufgenommenen Aus füh⸗ rungen können wir nur kurz andeuten. Er bemerkte eingangs, daß sich auch bei diesem Feste wieder zeige, wie der Gedanke der Arbeiterbewegung in immer weitere Kreise dringe. Die besitzlose Klasse müsse rastlos bemüht sein, den auf ihr lastenden Druck abzuschütteln. Ihr lege man Pflichten und immer größere Lasten auf; und während Millionen darben, in kümmerlichsten Verhält⸗ nissen dahin leben, keinen Lebens genuß kennen, schwelgen einzelne im Ueberfluß. Um bessere menschenwürdigere Zustände herbeizuführen, sei fester Zusammenschluß aller Unter drückten notwendig, jeder müsse mitarbeiten, in die Reihen der Kämpfer treten und seine ganze Kraft für die große Sache der Völkerbefreiung einsetzen. Nur dann sei der Sieg und die Erringung einer besseren Zukunft möglich. Jeder gab sich nunmehr der Unterhaltung hin und rasch verflogen die paar Stunden. Gegen 8 Uhr bereits mußten die meisten wieder zur Heimkehr auf⸗ brechen und sie taten es in dem Bewußtsein, ein echtes Arbeiterfest gefeiert zu haben.

Die Hausener Genossen senden uns folgen⸗ des zur Bekanntgabe:Hiermit sprechen wir für die zahlreiche Teilnahme an unserem Feste und den guten Verlauf desselben allen Teilnehmern den besten Dank aus. Wir freuen uns darüber umsomehr, als man auf gegnerischer Seite gespannt war, in welcher Art und Weise sich so ein sozlaldemokratisches Fest abspielen würde und Schlimmes erwartete. Man konnte sich aber über⸗ zeugen, daß dieses Fest so ruhig und friedlich verlief und zwar ohne Gendarmen, wie man es bei Krieger und anderen Festen nicht gewohnt war, Durch rege Agitation für unsere Sache werden wir unsern Dank abzustatten suchen.

1. In Trohe starb am Montag unser Genosse der Zigarrenmacher Jakob Licher im Alter von 49 Jahren. Er war seit etwa 5 Wochen Mitglied des Gemeinderates und ge⸗ hörte seit langer Zeit dem Wahlverein an, in dessen Vorstand er war. Nach verhältnis⸗ mäßig kurzer Krankheit ritz ihn ein tückisches Halsleiden nieder. An seinem Grabe wurden vom Gemeinderat wie auch vom Wahlverein Kränze niedergelegt. Ehre seinem Andenken!

Die Arbeitsverhältnisse auf der Grube Friedrich bei Trais⸗Horloff lassen sehr viel zu wünschen übrig. Die Löhne betragen 2.80 3. Mk. für eine zwölsstündige Schicht. Das Strafwesen ist der⸗ art im Schwunge, daß für ganz geringfügige Verfeh⸗ lungen 1 Mk. bis 1.50 Mk. Strafe verhängt wird. Eine Badeinrichtung besteht hier wohl, doch nur für den Herrn Direktor, die Beamten und deren Frauen. Ferner fehlen Krankenwagen und Tragbahren, deren Stellen hier Kohlenwagen vertreten. Abortkübel kennt man auch hier noch nicht, und doch bestraft man die Arbeiter, wenn sie ihre Notdurft unten verrichten müssen. Der Fahrschacht ist so naß, daß beim Eln⸗ und Aus- fahren die Arbeiter keinen trockenen Faden am Leibe behalten. Der Kutscher des Werkes gewährte unlängst einem kranken Arbeiter, der schlecht laufen konnte, Platz in der Kutsche aus Nächstenliebe. Erfolg war hohe Bestrafung des Kutschers. Noch vor wenigen Jahren bekamen die Arbeiter Hausbrandkohlen zu einem billigen Preis. Dies hat heute aufgehört, man scheint bei den hohen Arbeiterlöhnen dies nicht mehr für nötig zu halten. Sollen diese Mißstände beseitigt werden, so muß die Werksverwaltung sehen, daß alle Kameraden wirklich einig sind und samt und sonders auf Abschaffung derselben dringen. Darum müssen sie sich alle der Organisation anschließen, treu zu ihr stehen und nicht bei jeder Gelegenheit die Flinte ins Korn werfen.

aus dem Rreise Wetzlar.

J Agrarische Fürsorge für die Volks⸗ gesundheit. Durch die bündlerische und reaktionäre Presse ging vor Kurzem ein Artikel, der sich mit den unerhörten Schweinereien in der amerikanischen Fleisch⸗ industrie beschäftigte und den auch der Wetzl. Anz. ab⸗ druckte. Natürlich wird darin das Loblied der agrari⸗ schen Fleischwucherpolitik gesungen und es so hingestellt, als hätten unsere Junker und ihr Anhang einzig nur die Gesundheit des Volkes im Auge gehabt. Es heißt

da u. a.:

Damals und immer wieder, wenn Sicherheitsvor⸗ kehrungen gegen diese tatsächlich vorhandene Wirkung deramerikanischen Gefahr gefordert wurden, war es die freihändlerische und besonders die sozialdemo⸗ kratische Presse, die solche Ansprüche als agrarische Begehrlichkeit oder Schlimmeres verschrie. Die Vertreter der deutschen Landwirtschaft, die derartige Schutz⸗ vorschriften als nötig bezeichneten, wurden des Fleisch⸗ wuchers beschuldigt, der tatsächlich in den amerikanischen Schlacht⸗ und Packhäusern in schamlosester Weise und in gewissenlosester Habgier betrieben wurde.

Die sozialdemokratische Presse hatte damals sehr recht und heute noch. Den Agrariern liegt doch die Volks⸗ gesundheit nicht mehr am Herzen als den amerikanischen Fleischbaronen, sie erstreben einzig höheren Gewinn. Uebrigens erlebten wir ja auch in Wetzlar schon Dinge, die elwas amerikanisch aussahen, da hatte aber der An- zeiger kein Wort der Kritik.

2. Ein Mohr, der seine Schuldigkeit ge⸗ tan hat, ist der bereits seit einem Menschenalter bei dem Generaldirektor Kayser vom Buderus werke im Dienste stehende Kutscher. Dieser wurde kürzlich entlassen, weil der Herr Direktor ein Automobil angeschafft hatte. War für diesen alten ergrauten Mann nicht noch ein Plätzchen auf dem Werke frei und wäre es auch nur das eines Kroaten gewesen? Jetzt mußte er auf der Karolinenhütte Arbeit nehmen, wo er schließlich kaum so viel verdienen wird, um sein Essen bestreiten zu können. Nette Arbeiterfürsorge!

t. Unglück bei der Arbeit. Am Samstag stürzte ein bei dem Weißbindermeister Vogels beschäftigter und erst kürzlich eingestellter Gehilfe hoch vom Gerüst ab. Schwer verletzt wurde er nach der Gießener Klinik gebracht, doch ist sein Zustand nicht hoffnungslos, son⸗ dern er soll sich nach uns zugegangenen Mitteilungen erfreulicherweise auf dem Wege der Besserung befinden.

h. Eine Parteiversammlung findet Sonntag, den 1. Juli, nachmittags 3 ½ Uhr, im Lokale des Herrn Gastwirt Feußer⸗Gletberg statt. Zum ersten Punkte der Tagesordnung wird Parteisekretär Genosse Dittmann⸗ Frankfurt überdie politische Lage sprechen und an zweiter Stelle sollen Parteiangelegen⸗ heiten des Wahlkreises erledigt werden. Die Mitglieder werden ersucht, vollzählig zu erscheinen und ihre Partei⸗ legitimation mitzubringen.

Westerwald und Anterlahn.

Ein blutiges Kriegerfest spielte sich vor Kurzem in Weidenhahn t. Westerw. ab. Die Feier, an der eine Anzahl anderer Vereine teilnahm, wurde mit einer Festrede des Pfarrers eingeleitet. Nach⸗ dem die Patrioten den obersten Kriegsherrn, die deutschen Frauen, die Kameradschaft und noch vieles andere be⸗ sungen und eine Unmenge Alkohol vertilgt hatten, ver- sammelten sich die guten Leute am Abend wieder im Festlokal. Hier war die Stimmung aber mittlerweile umgeschlagen. Die einzelnen Vereine gerieten einander in die Haare, und in kurzer Zeit war eine regelrechte Schlacht im Gange, die nicht eher ruhte, bis der Feind zum Saal und zum Ort hinausgeworfen worden war. Das Ergebnis des Kampfes waren sechs Schwerverletzte und eine ganze Reihe Leichtverwundeter. Es würde sich kaum lohnen, von dieser Schlägerei zu berichten, wenn hier nicht eine kleine Erinnerung angefügt werden müßte. Vor einigen Jahren bestand in diesem Orte elne Stein⸗ hauerorganisation, die aber nicht den Beifall des Pfarrers fand. Der Herr arbeitete so lange selbst von der Kauzel herab gegen diese friedliche Arbeitervereinigung, bis sie aufgegeben werden mußte. Vielleicht benutzt der Geist⸗ liche die blutigen Vorgänge dazn, seine Ansichten über den Wert der Kriegervereine und der gewerkschaftlichen Berufsvereine einer erneuten Prüfung zu unterziehen.

Bei einem anderen Kriegerfeste in dem hannöverschen Orte Meensen wurde der Vorsitzende des Krieger⸗ vereins im Streite durch einen Stich ins Herz getötet. Es läßt sich nicht von der Hand weisen, daß durch die immerwährende Verherrlichung der Mordkultur in den Kriegervereinen Rohheits verbrechen gefördert werden.

Aus dem Nreise Marburg⸗Kirchhain.

Schreinerstreik. Am Samstag haben die Marburger Schreiner die Arbeit eingestellt, nachdem ihre Forderungen von dem Arbeitgeberverband abgelehnt wurden. Bisher befinden sich 60 Gehilfen im Aus stand. Die Meister versuchten soviel als möglich Arbeitswillige von Auswärts heranzuziehen; besonders suchen sie nebst ihren Söhnen die Dörfer in der Um⸗ gebung von Marburg danach ab, aber bis jetzt ohne Erfolg. Destomehr widmen sie sich dem Streikposten⸗ stehen! in aller Frühe die Bahnhöfe besetzen, um etwaige Ar⸗ beitswillige abzufangen. Einige tun sich in diesem Fach besonders hervor.

geblieben sind, erfreuen sich natürlich jetzt der besonderen Des Morgens werden sie von den

Gunst ihrer Meister. Meistern von der Bahn geholt und abends wieder hin⸗ gebracht zum Gaudium der übrigen Bauarbeiter. Trotz⸗

Belustigend ist es anzusehen, wenn die Meister

Die paar Arbeitswillige, die stehen 0

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dem die Arbeitgeber jetzt nicht genug schimpfen können über ihre schlechten Arbeitskräfte, denken sie nicht daran, in Unterhandlungen mit den Arbeitern zu treten. Einige von ihnen würden wohl gerne Frieden machen, doch sie müssen sich den Anordnungen ihres Vorstandes fügen, Sie wissen sehr genau, daß gerade die besten Arbeits⸗ kräfte in den Ausstand getreten sind, die nicht so leicht ersetzt werden können und sie wären froh, wenn sie ihre alten Leute wieder bekommen würden. Alle Arbeiter, besonders die Bauarbeiter, haben aber die Pflicht, dafür zu sorgen, daß keine arbeitswilligen Schreiner nach Marburg kommen.

Eine vernünftige Verordnung hat die Polizeibehörde in Bezug auf das Probieren der Butter auf dem Wochenmarkte erlassen. Es bestand bisher die Unsitte, daß die Käufer mit einem vom Ver⸗ käufer bereit gehaltenen Messer probierten Jetzt wird bekannt gemacht, daß zu diesem Zwecke Probterhölzchen an der Stempelstelle 5 Stück für 1 Pfennig zu haben sind. Aus Gesundheitsrücksichten empfiehlt sich die Be⸗ nutzung dieser Einrichtung.

Verkehrte Erziehungspraktiken übt der Herr Lehrer Eckhardt in Kappel und die kleinen erst 6 jährigen, an Ostern in die Schule aufgenommenen Kinder haben darunter sehr zu leiden. Kürzlich kekam ein 6 jähriges Mädchen solche Schläge, daß ärztliche Hülfe in Anspruch genommen werden mußte. Es soll öfters vorkommen, daß Herr E. erregt aufspringt und die Kinder der Reihenfolge nach durchhaut. Damit ist doch wirklich nichts getan und den Kindern jede Lust und Liebe zur Schule und zum Lernen genommen. Sache des Gemeinderats wäre es, einzugreifen und den Lehrer zu veranlassen, solche bedenkliche Erziehungs⸗ methoden nicht anzuwenden. a

Ein schwerer Gewitterregen ging am Dienstag über unsere Gegend nieder und richtete nicht unerheblichen Schaden an. In Michelbach drang das Wasser in die Ställe ein und verschiedentlich ging das Vieh zu grunde. Mehrere Personen wurden durch Blitzschläge

verletzt. Soziales. Lohnkämpfe. Die Glaser in Mainz

waren im Streik getreten und hatten sich eine Verkürzung der Arbeitszeit von 60 auf 57 Stunden sowie eine Lohnaufbesserung erkämpft. Als der Streik beigelegt und die Arbeit wieder aufgenommen werden sollte, maßregelten die Meister eine Anzahl Gehilfen. Infolgedessen brach der Streik aufs neue aus. i

Der polizeilich totgeschlagene Streik lebt wieder. Die Zwickauer Polizei hatte, wie in voriger Nummer mitgeteilt wurde, durch eine amtliche Verfügung den dortigen Maurerstreik für erloschen erklärt, das Streik⸗ komitee aufgelöst, den Maurern verboten wetter zu streiken und den Wirt des Parteilokals Belvedere verboten, sein Lokal fernerhin der Streikleitung der Maurer zur Verfügung zu stellen. Natürlich erhoben die Maurer sofort Beschwerde und daraufhin wurde selbstverständ⸗ lich die merkwürdige Verfügung aufgehoben. Man scheint sich von ihrer vollständigen Unge⸗ setzlichkeit überzeugt zu haben, und da die Maurer natürlich gar nicht daran dachten, den Streik aufzuheben, weil dasWohlfahrtsamt der Stadt Zwickau das wünscht, hebt man jetzt die Verfügung auf.

Versammlungskalender. Samstag, den 23. Juni. Gießen. Holzarbeiter. Abends 7 Uhr Ver⸗

sammlung bei b. Metallarbeiter abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig.

Wetzlar. Wahlverein. Abends 9 Uhr, Ver⸗ sammlung im GasthausZur Glocke. Vortrag. Vollzähliges Erscheinen wird erwartet.

Sonntag, den 1. Juli.

Wetzlar⸗Altenkirchen. Kreiswa hlverein. Nachmittags 3/ Uhr Parteiversammlung in Glei⸗ berg. Parteilegitimation mitbringen.

Wetzlar. In der neulichen Quittung:Für die alte Tante muß es nicht 14 Mk., sondern 10 Mk. heißen.

r. Stbg. uns bemühen, wir wollen dann ihre Beschwerden gern veröffentlichen. Reiskrchn. Eine Zuschrift von dort ist nicht vorhanden; senden Sie die Sache noch⸗ mals ein. Leihgestn. Wir halten es nicht für nötig, den Pfingst⸗Heldentaten der Jungen Arnold und

Textor einen besonderen Artikel zu widmen, diese werden

schon ihre Lektien bekommen.

Die Betreffenden sollen sich selbst zu

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