Ausgabe 
23.9.1906
 
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Nr. 38.

Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 3.

Polizisten. Neichel, der der Angegriffene sein wollte, behalf sich mit der Ausrede, daß er sich geirrt habe, während Meier, der nach ihm vernommen wurde, anfangs bestimmt behauptete, Karl habe den Schutzmann Reichel angegriffen. Nun machte ihn der Richter darauf aufmerksam, daß Reichel selbst erklärt habe, nicht angegriffen worden zu sein. Dies versetzte den Zeugen in sichtliche Bestürzung; dann erklärte er, auf seinen Eid könne er das nicht nehmen. Die An⸗ zeige hatten beide aber erstattet! Karl mußte natürlich freigesprochen werden. Hätte er keine Zeugen gefunden, so wäre er sicher verurteilt worden, denn die Schutzleute hätten in diesem Falle ihre Aussagen wohl nicht eingeschränkt. Mit Recht wies der Ver⸗ teidiger des Angeklagten darauf hin, daß, wenn das Publikum seiner Entrüstung über das bru⸗ tale Auftreten der Schutzleute Luft gemacht hatte, es schließlich auch zu Auftritten gekommen wäre, wie dret Wochen später in der Regens⸗ burgerstraße, wo sich die Polizei so unverwelk⸗ liche Lorbeeren holte.

Eine Begnadigung.

Im vorigen Jahre hatte der Kaufmann Leopold Levt aus Frankfurt a. M., als er in Berlin weilte, in einem dortigen Hotel ein Renkontre mit dem bekannten antisemitischen Grafen Pückler⸗Klein⸗Tschirne, das in Tät⸗ lichkeiten ausartete, und war von einer Berliner Strafkammer zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Man teilt derFrankf. Ztg. nun mit, daß dieser Tage die Gefängntsstrafe auf dem Gnadenwege in 3000 Mark Geld⸗ strafe umgewandelt worden ist.

Bezirkstagswablen in Elsaß Lothringen.

Die Bezirkstagswahlen, die am Sonntag in Elsaß⸗Lothringen stattgefunden haben, sind nach den uns bisher bekannt gewordenen Re⸗ sultaten, durchaus günstig für unsere Partei ausgefallen. Bekanntlich scheidet jedes Jahr ein Drittel der Mitglieder der Bezirkstage aus. Diesmal waren in 31 Kantonen Neuwahlen vorzunehmen, in 17 hatten unsere Genossen Kandidaten aufgestellt. Zwei Genossen wurden glatt gewählt, Böhle in Straßburg und Emmel in Markirch. In Schiltigheim bei Straßburg kommt Genosse Fuchs in Stichwahl, in Seispolsheim Genosse Hoffmann und in Schirmeck Genosse Therré. Jedenfalls haben uns die Wahlen einen sehr beträchtlichen Zu⸗ wachs an Stimmen gebracht.

Christliche Barmherzigkeit.

Wegen einer Tat, die von beispielloser Ge⸗ fühlsrohheit zeugt, hatten sich kürzlich vor der Weimarer Strafkammer steben Einwohner aus Teutleben, darunter der Bürgermeister, zu verantworten. Sie hatten im Dezember 1903 in einer kalten Wintersnacht den alten, voll⸗ kommen hilflosen und gebrechlichen Han d⸗ werksburschen Wüstemann aus Apolda, ausgesetzt und so dem Tode preisgegeben. Der Unglückliche war anscheinend nicht ganz geheilt aus dem Buttstädter Krankenhaus entlassen, hatte sich mühselig nach Teutleben geschleppt und bettelte im Ort herum, bis er schließlich im Hofe eines Mitangeklagten kraftlos zusammen⸗ brach. Er kam darauf ins Teutlebener Armen⸗ haus; da er jedoch damit der Gemeinde zur Last zu fallen drohte, suchte man sich seiner wieder zu entledigen. Es wurde darüber in einer Versammlung förmlich beraten, sodann die Tür zum Armenhause aufgebrochen und der Unglückliche auf einen Wagen geschleppt, der ihn nach Hardisleben, eine halbe Stunde von Teutleben entfernt, brachte. Dort legte man ihn in einer offenen Scheune nieder, in der er fünf Tage später als Leiche aufgefunden wurde. Zwei Jahre lang ver⸗ standen es die Teutlebener Einwohner, diese Schandtat zu verheimlichen, bis man endlich durch einen Zufall dem Verbrechen auf die Spur kam. Die ärztlichen Sachverständigen sprachen sich dahin aus, daß nicht mit voller Bestimmtheit erhärtet werden könne, daß der Tod auch wirklich infolge der Aussetzung ein⸗

getreten sei, eine große Wahrscheinlichkeit sei aber dafür vorhanden, daß diese Aussetzung dem Manne den letzten Rest gegeben habe. Diese ärztliche Bekundung rettete die Angeklagten vor dem Zuchthaus und ste erhielten je fünf Monate Gefängnis.

Kleine politische Nachrichten.

Sozialdemokratischer Wahlsieg. Bei einer Ersatzwahl zum Berner Großen Rat, die am letzten Sonntag stattfand, siegte Genosse Schneeberger mit 1732 Stimmen, während der freisinnige Hellmüller es nur auf 1395 brachte.

Soziales.

Moderne Leibeigenschaft. Die große Seidenweberei von Bodmer u. Ko. in Zürich chließt mit ihren Arbeitern für ihre Fabrik in

rugg Verträge ab, durch welche die ganze Familie des Arbeiters zu Sklaven des Fabrikherrn wird. Der feudale Fabrikherr stellt der Familie Wohnung zu bestimmten Preisen 15 Verfügung. Die Miete wird in monatlichen

aten am Zahltag abgezogen. Die Firma treibt ihre Menschenfreundlichkeit noch weiter, site gibt der Familie Geldvorschüsse für den Umzug; die Rückzahlung geschieht durch Innehalten von je 3 Franken an jedem Zahltag. Ferner legt ste das Geld für Billette und Frachtspesen für das Mobiliar aus, die Kosten bleiben aber zu Lasten der betreffenden Arbeiterfamilie; der Betrag wird ebenfalls in monatlichen Raten in Abzug gebracht, aber diese Summe wird auf den Namen der Arbeitnehmer auf einer Spar⸗ kasse zinstragend angelegt. Der Kontrakt gilt zwei Jahre. Treten die Arbeitnehmer(der Vertrag ist mit der ganzen Familie abgeschlossen) vor dieser Zeit aus, so verfällt der einge⸗ legte Betrag zugunsten der Firma. Durch den § 4 sichert sich der Fabrikant für alle seine Menschenfreundlichkeit in mehr als ausreichen⸗ der Weise:Als Garantie für die im§ 3 auf⸗ geführten Bestimmungen bleiben die Mobilien der Familie N. Eigentum der Firma bis zur gänzlichen Erledigung. Schließlich behält sich die Firma noch das Recht vor, den ganzen Vertrag schon vor Ablauf der Vertragsdauer zu kündigen,wenn die Arbeitnehmer ihre Pflichten in der Weberei oder im Hause ver⸗ nachlässigen. In diesem Falle fällt jede Ent⸗ schädigung an die Arbeitnehmer weg. Die Familie des Arbeiters gerät von vornherein in die Schuldknechtschaft des Fabrikanten, aus der ste sich bei den Hungerlöhnen, die in der Weberei gezahlt werden, sicherlich während der ganzen zwei Jahre nicht mehr befreien kann. Wehe, wenn der Arbeiter sich unterfängt, den Wünschen des Fabrikanten entgegen zu handeln, er fliegt hinaus ins Elend, die Wohnung, in der er wohnt, gehört dem Fabrikherrn, sein ganzes Eigentum hat er ebenfalls den Fabrik⸗ herren verschrieben, er ist also ganz in dessen Hände gegeben.

Revolution in Nußland.

Die sozialdemokratischen Arbeiter Petersburgs hielten kürzlich dort eine große geheime Versammlung ab, in der sie über die einzuhaltende Taktik Beschlüsse faßten. Nur Arbeiter wurden in diese Versammlung einge⸗ lassen. Die Majorität bestand aus Anhängern der schärferen Richtung. Auf der Tagesordnung befanden sich die Fragen über die bevorstehende Wahlkampagne, über einen event. Arbeiterkongreß und über die Einberufung eines soztaldemokra⸗ tischen Parteitags. In Bezug auf die erste Frage kam die Versammlung zu dem Beschluß, daß die Sozialdemokraten ihre frühere Losung (Konstituterende Versammlung 2c.) beibehalten müssen. Sollten aber die Wahlen zur Duma ausgeschrieben werden, dann darf die Arbeiter- klasse sie nicht boykottieren, sondern ste muß energisch an ihnen teilnehmen und womöglich Sozialdemokraten durchzubringen suchen. Gleichzeitig fand eine andere Ver⸗ sammlung statt, an der die sozialdemokratischen Arbeiter derrealistischen Richtung teilnahmen,

und die dieselben Fragen diskutierte. Die Bohkottfrage wurde auch hier in verneinendem Sinne entschieden. Der Unterschied zwischen beiden Resolutionen ist aber der, daß die rea⸗ listische Richtung für die möglichst baldige Aus⸗ schreibung der Dumawahlen eintritt, während dielinke der Sozialdemokratie gegen die Losung ist; sollten aber die Wahlen ausge⸗ schrteben werden, dann werden sie sich an ihnen beteiligen.

In Bezug auf die anderen Fragen sind beide Versammlungen verschiedener Meinung. Die linke will die baldige Einberufung eines Parteitags, der die vorhandenen Differenzen schlichten soll; dierechte dagegen hält einen Parteitag für nicht zeitgemäß und befürwortet einen unparteiischen Arbeiterkongreß, der die breitesten Massen der Arbeiter zu organisieren imstande wäre.

Blutmensch Trepow tot. Der General Trepow, von dem schon vor einiger Zeit be⸗ richtet wurde, daß er am Verfolgungswahn leide, ist am Samstag in seiner Villa in Peter⸗ hof plötzlich gestorben. Nach einer späteren Meldung wird als Todesursache angegeben: angina pectoris Brustbräune, bei Herzkranken vorkommende Angst⸗ und Beklemmungszustände. Veelleicht wäre er doch bald einer Bombe zum Opfer gefallen!

Henkerarbeit. Am Dienstag wurden in Helsingfors nach dem Spruche des Feld⸗ gerichts 17 Matrosen der Sveaborger Ma⸗ rinekompagnte erschossen. Von den übrigen wurden 80 Angeklagte zu Zwangsarbeit für verschiedene Dauer verurteilt. 11 wurden frei⸗ gesprochen.

Gärungen im Heere. In Kron⸗ stadt soll ein neuer militärischer Aufstand be⸗ vorstehen. Ebenso herrscht in Sebast o pol unter den Truppen große Unzufriedenheit. Die Offiziere wissen sich nicht zu helfen. Man nimmt mit großer Bestimmtheit an, daß ein neuer Aufstand mit blutigem Verlauf erfolgen werde. Die Revolutionäre haben eine Prokla⸗ mation veröffentlicht, die besagt, daß für jeden von den Kriegsgerichten zum Tode Verurteilten, drei Beamte erschossen würden. Recht so!

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Vom 1. Oktober an erscheint täg⸗

lich in Gießen die

Oberhessische Volkszeitung Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete.

Probenummern gelangen vom nächsten Samstag, den 22. September ab zur Aus⸗ gabe und werden überall im bisherigen Ver⸗ breitungsgebiete der Mitteldeutschen Sonn⸗ tags⸗Zeitung verbreitet. Unsere Parteifreunde wollen bei der Verbreitung nach besten Kräften behilflich sein und ebenso sich die Werbung von Abonnenten angelegen sein lassen. Besonders ist es Aufgabe der Vor stände unserer Parteivereine hierbei regelnd und fördernd einzugreifen. Bestellungen wolle man vorläufig an die Expedition der Mitteld. Sonntags⸗Zeitung, später an die Expedition des neuen Blattes, Neustadt Nr. 14 gelangen lassen. Inserate nehmen die erwähnten Stellen ebenfalls entgegen.

Der Abonnements preis beträgt monatlich 60 Pfennig frei ins Haus, wöchentlich 15 Pfg.

Paxteigenossen, Ar beises Seid unermüdlich tätig für Euer Blatt! B ·r-ůͤaꝛdaͤn e

von Rah und Lern.

Jessisches.

Gegen die Landflucht hat der bauernbündlerische Landtags⸗Abgeordnete Köh⸗ ler⸗Langsdorf jetzt ein neues Mittel entdeckt