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Nr. 29.
Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.
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vereine gegründet werden und dabei sei anerkannt, daß die Bezirksleitung hre volle Schuldigkeit getan hat, um jahrelang versäumte Arbeit nachzuholen. Immerhin ist noch eine große Arbeit zu verrichten, und das ist die Agitation für die Parteipresse. Vor allem ist es eine unbedingte Notwendigkeit für die Arbeiter der hiesigen Gegend, welche die Woche über in den Städten sind und dort die Volksstimme und das Offenbacher Abend⸗ blatt lesen können, daß dieselben für sich und ihre Familien auf die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung abon⸗ nieren. Denn es ist noch eine traurige Tatsache, daß in einem Orte, wo Gewerkschaftszahlstellen und ein Wahlverein bestehen, noch kein einziger, und in anderen Orten noch nicht die Hälfte Kollegen und Genossen Abonnenten der Mitteldeutschen Sonntags⸗Zeitung sind. Im Gegenteil lassen viele noch ihre Familien angehörigen von Pfaffenblättern abspeisen, welche doch nur stets Partei und Gewerkschaft in unerhörter Weise beschimpfen. Hier ist noch große Arbeit zu schaffen und eine spezielle Agitation für die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung ist am Platze. 5 994 5 2
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Aus dem ⸗Rreise Alsseld-Cauter bach.
* Parteiagitation. Im Alsfelder Wahlkreise hat Genosse Dr. David in den letzten Wochen eine Anzahl Versammlungen abgehalten, die von gutem Erfolg begleitet waren. Es war auch unbedingt nötig, daß etwas in diesem Kreise getan wurde, unsere Bewegung lag sehr darnieder, es find hier wenig Genossen vor⸗ handen, die für die Partei agitatorisch wirken können und dazu gewillt find. Hoffentlich entwickeln die Als⸗ felder Genossen nunmehr wieder eine regere Parteitätig⸗ keit.— In Lauterbach fand am Samstag im Saale des Gasthofs„Felsenkeller zum Johannesberg“ eine öffentliche Volksversammlung statt, in welcher Genosse Dr. David referierte. Die Versammlung hatte das erfreuliche Resultat, daß sich 21 neue Mitglieder zur Parteiorganisation meldeten. Am Sonntag Nachmittag sprach Genosse David in Frischborn und am Abend in Angersbach. In beiden Orten war ein guter Besuch zu verzeichnen und der lebhafte Beifall bewies, daß die Saat auf guten Boden gefallen ist.
Aus dem Nreise Wetzlar.
h. Bürgerliste! Wir machen nochmals dar- auf aufmerksam, daß die Liste der stimmfähigen Bürger bis 30 Juli auf dem Rathause zur Einsicht aufliegt. Sehe sie eder Wahlberechtigte nach! Andernfalls kann er bei der Gemeindewahl nicht wählen, hat also kein Recht, sondern darf nur bezahlen.
* Aus der Sudelküche des Sozialisten⸗ töter-Verbandes schöpft das Wetzlarer Kreisblatt mit vollen Händen; das Schwindelmaterial ist ja diesen Ordnungsblättern immer willkommen. Neulich erzählte es seinen Lesern, Mehring habe in der„Leipz. Volksztg.“ die im Vorwärtsverlage erscheinende Literatur als minder⸗ wertig bezeichnet und über die„Hohenzollern⸗Legende“ Maurenbrechers geurteilt:„Es ist eben doch nichts Rechtes mit dieser Hetzarbeit, die sich„wissenschaftlich“ nennen mag, aber dennoch noch nicht wissenschaftlich ist.“ Bei dem Worte„Hetzarbeit“ machte der Reichsverbändler ein Ausrufungszeichen, um damit den Sinn zu verdrehen, in dem der Satz von der Leipziger Volkszeitung gemeint war, nämlich, daß die Arbeit schnell, ohne die wün⸗ schenswerte Muße geleistet werden mußte. Man sucht diese Bemerkung so hinzustellen, als habe die Leipz. Voltsztg. das Werk als ein hetzerisches bezeichnet. Eine ganz niedliche Fälschung! Soviel steht fest: Das ge⸗ ringste Broschürchen, was der Vorwärtsverlag herausgibt, ist mehr wert, als ein ganzer Jahrgang des„Anzeigers“!
n. Arbeitervereine nach dem Herzen der Reptilpresse. Der„Wetzlarer Anzeiger“ er⸗ zählte kürzlich davon, daß in Crimmitschau nach dem Terxtilarbelterstreik ein nationaler Arbeiterverein gegründet worden set, der bereits 1800 Mitglieder zähle.„Der Geist, der in ihm herrscht,“ sagt er weiter„leuchtet aus folgender Ansprache seines Vorsitzenden hervor: Im Nationalen Arbeiterverein sind freie Arbeiter vereint. Ich sage frei, weil wir einen Zwang, wie ihn die sozial⸗ demokratische Organisation als überflüssig betrachten und vertrauensvoll mit den Arbeitgebern zusammengehen. Immer kleiner wird die Zahl derer, die jährlich 15 bis 25 Mark in die Verbandkasse zahlen, um sich im„Tex⸗ tilarbeiter“ gehörig anlügen und aufhetzen zu lassen. Kleiner ist die Schar derer geworden, die den Trug⸗ bildern der berufsmäßigen Volksbeglücker noch Glauben schenken, für die Ideen derselben ihren freien Willen opfern und auf Befehl dem Hunger und der Not ent⸗ gegen treiben.“
Bedauernswerte Arbeiter, die sich noch solches Zeug erzählen lassen! Viel solcher Dumme gibts aber nicht mehr und werden immer weniger. Die kapitalistischen Soldschreiber wissen auch warum sie diese geistig Armen als Muster hinstellen,
g. Aus Launsbach. Am Sonntag vor acht Tagen hielt der neugegründete Lahntal⸗Dünsberg⸗Turner⸗ bund sein erstes Turnfest hier ab. Herr Rinn von
hier und Herr Daubert aus Wieseck hielten Festreden, aus denen zu entnehmen war, daß dieser Bund dieselben Tendenzen wie der Deutsche Turnerbund verfolgt. Diese find sattsam bekannt und bewegen sich in einer Richtung, der ein denkender Arbester niemals folgen wird. Die hiesige Freie Turnerschaft, die sich schon recht gut entwickelt hat, beteiligte sich ebenfalls an dem Feste, weil sie der Meinung war, der neue Lahntal⸗ Dünsberg⸗ Turnerbund sei politisch neutral, was sich aber durch die Festreden als ein Irrtum herausstellte. Leider gibt es Parteigenossen, die noch gegen die freie Turnerschaft agitieren, anstatt sie nach besten Kräften zu fördern.
X. Eine öffentliche Turnerversammlung, die sich eines sehr guten Besuches zu erfreuen hatte, fand am Samstag Abend im schwarzen Walfisch zu Gleiberg statt. Turngenosse Noll-Gießen, welcher als Referent erschienen war, gab in seinen?/ stündigen Aus⸗ führungen zunächst einen Ueberblick über den Wert des Turnens im allgemeinen, hielt im weileren Verlauf derselben eine gründliche Abrechnung mit der Deutschen Turnerschaft und kam am Schlusse seines beifällig auf⸗ genommenen Referats auf Zweck und Ziel der Arbeiter⸗ turnbewegung zu sprechen. Im Anschluß hieran fand
die Gründung einer„Freien Turnerschaft Gleiberg“ statt,
welcher sofort 45 Turngenossen beitraten. In den provisorischen Vorstand wurden die Turngenossen Ludwig Göbler, Albert Müller und Karl Zecher gewählt. Ein kräftiges Frei Heil! diesem jüngsten Glied in der Kette des Arbeiterturnerbundes.
Aus dem Rreise Marburg⸗Nirchhain.
* Gewerkschaftliches aus Marburg. Eine Bauarbeiterversammlung, einberufen vom freien Maurerverbande und vom Verbande der christlichen Bauhandwerker, fand am Dienstag hier statt, um Stellung zu nehmen zum gegenwär tigen Bauhilfsarbeiterstreik in Marburg. Die streikenden Bauhilfsarbeiter hatten schwer zu kämpfen, weil die Mitglieder des freien, wie auch die des christlichen Maurerverbandes Streikarbeit ver— richteten. Von dem freien Maurerverbande waren es fünf Mitglider, die Streikarbeit verrichteten, von dem christlichen Verbande waren es fünf, die keine Streik⸗ arbeit verrichteten, während die übrigen Mitglieder des christlichen Verbandes sämtlich Streikarbeit leisteten. Genosse Fischer vom Bauhilfsarbeiterverbande, der das einleidende Referat hielt, brandmarkte auch in gebührender Weise diese Streikbrecher. Genosse Schneider vom Maurer⸗ verbande erklärte ebenfalls, daß es eines freien Maurers unwürdig sei, Streikarbeit zu verrichten. Die elende Lage der Bauhilfsarbeiter zu verbessern, dazu könnten die Maurer viel, sehr viel beitragen, indem sie sich mit denselben solidarisch erklärten und die von Streik⸗ brechern verrichtete Arbeit verweigerten. Die sehr stark besuchte Versammlung nahm auch einstimmig eine Reso⸗ lution an, in der hervorgehoben wurde, daß das un⸗ kollegiale Verhalten der Maurer endlich aufhöre, zumal, gestützt auf den Kartellvertrag, es ein organisterter Maurer von selbst unterlassen sollte, Streikarbeit zu verrichten.
* Einen vollständigen Sieg errangen die organisterten Dachdecker von Marburg. Obwohl erst 4 Wochen organisiert, stellten sie an ihre Arbeitgeber die Forderung: Einführung der 10 stündigen Arbeitszeit bei Beibehaltung des bisherigen Lohnes. Diese Forde⸗ rung erkannten fast sämtliche Meister an. Nur die Firma Giller hatte noch keine Antwort gegeben. Die dort beschäftigten Dachdecker reichten darauf ihre Kündi⸗ gung ein. Da bei dieser Firma nur ledige Leute in Betracht kommen und diese Marburg verlassen, so kann sie zusehen, wie sie ihre Arbeit fertig bringt. Daß keine Streikbrecher herein kommen, dafür ist schon gesorgt.
Einbruchdiebstahl. In die Bureau⸗ räume der Tapetenfabrik wurde diese Woche eingebrochen, wobei den Dieben 700 Mk. in die Hände fielen.
Der ,christliche“ Schneider verband will in Marburg eine Zahlstelle errichten, wie die Hess. Landesztg. mitteilte. Zu diesem Zwecke soll nächsten Montag eine Versammlung in der„Sonne“ stattfinden. In der Hess. Landesztg. heißt es weiter:„Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, mag er in einem größeren Geschäft oder bei einem kleineren Meister in Arbeit stehen, daß er sich einer Organisation anschließt, welche sür ihn die geeigneteste ist und stets die Interessen des friedlichen Einvernehmens zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern bewahrt.“ Für das national⸗soziale Blatt sind diese Bemerkungen sehr bezeichnend.— Die 13 Schneider, welche nach uns gewordenen Mitteilungen dem christ⸗ lichen Verbande beigetreten sind, gehörten zum Teil schon mehrmals dem Zentralverbande an, wo sie aber wegen restierendee Beiträge ausgeschlossen werden mußten.
Bei der Reichstagsersatzwahl in Hagen am Donnerstag erhielt König(Soz.) 15864; Cuno (freis.) 10 228, Beck(Zentr.) 4909, Moldenhauer(natl.) 4430 Stimmen.(1903 erhielt unser Genosse 13 870, die gesamten Gegner 22 739 Stimmen.)
Par tei-Uachrichten.
Lohnkämpfe. Der Streik der Ziegelei⸗ arbeiter bei Gail in Gießen dauert unver⸗ ändert fort. Die Zahl der Streikenden ist nicht wentger, sondern größer geworden. Eine ganze Anzahl haben sich noch der Bewegung angeschlossen. Halten diese aus und wird der Zuzug ferngehalten, dann wird ein bal⸗ diges, für die Streikenden günstiges Ende des Kampfes zu verzeichnen sein. Bis jetzt sind schon eine ganze Anzahl anderweitig in Arbeit untergebracht. Bedauerlich ist es nur noch, daß es eine kleine Anzahl Arbeiter nicht übers Herz kann bringen, immer noch den Raus⸗ reißer zu spielen. Würden sich auch diese einmal etwas mehr um ihre Arbeiterpflichten kümmern, dann wäre ein derartiger Kampf erspart geblieben. Hoffen wir, daß dieselben dies noch nachholen.
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Mit Errichtung einer Parteibildungs⸗ schule für befähigte Parteigenossen beschäftigte sich der Partei⸗Vorstand seit längerer Zeit. Seine Beratungen sind nun zum Abschluß gekommen und zum Herbst soll sie ihre Tätigkeit eröffnen.— Ferner soll eine Partei- korrespondenz herausgegeben werden, deren Aufgabe es ist, der Parteipresse und den zur Leitung und Betreibung der Agitation berufenen Genossen das Agitationsmaterial zu liefern. Die Redaktion der Korrespondenz liegt in den Händen der Genossen Dr. Erdmann-⸗Düsseldorf, M. Grunwald⸗ und W. Schröder⸗Berlin, Expedient ist der Genosse Geithner.— Diese Unternehmungen
sind im Interesse der Weiterentwickelung mit Freuden
zu begrüßen und sie werden einem fühlbaren Mangel abhelfen, wenn die Sache, woran kaum zu zweifeln ist, am richtigen Ende angepackt wird.
Wahlkreis Friedberg⸗Büdingen. Gemäß§ 11 der Statuten flindet die Generalversammlung
des Kreiswahlvereins(Kreiskon ferenz) Sonntag, den 5. August, vormittags 10 uhr, im Lokale„Zum weißen Roß“ in Assenheim statt. Die Tagesordnung ist folgende: 1. Jahres- und Kassen⸗ bericht des Vorstandes. 2. Bericht der Bezirksleiter. 3. Neuwahl des Vorstandes. 4. Die stattgehabten Landtagswahlen. 5. Nominierung des Reichstagskandi⸗ daten. 6. Presse. 7. Die diesjährige Landeskonferenz. 8. Der diesjährige Parteitag und eventuell Wahl eines Delegierten. 9. Anträge und Verschiedenes.
Die Filialen werden ersucht, umgehend zur General⸗ versammlung Stellung zu nehmen und die Delegierten⸗ wahl nach§ 13 des Statuts vorzunehmen. Etwaige Anträge sind bis spätestens den 1. August schriftlich dem Kreisvorstande einzureichen. Die Bezirksleiter werden ersucht, für angemessene Bekanntmachung in ihrem Be⸗ zirke Sorge zu tragen. Die noch ausstehenden Abrech⸗ nungen sind unverzüglich an den Kreiskassierer einzusenden.
Vilbel, 13. Juli 1906,
Der Vorstand des Kreiswahlvereins Friedberg⸗Büdingen. J. A.: Karl Armbrust, Vorsitzender.
Wahlkreis Alsfeld⸗Lauterbach.
Kreiskonferenz Sonntag, den 29. Juli, nachmittags 2 Uhr, im„Stadtpark“ zu Alsfeld. Tagesordnung: Ausbau der Organisation,
Die Parteigenossen im Kreise werden ersucht, sofort zur Wahl von Delegierten zu schreiten und überhaupt für eine zahlreiche Beteiligung an der Konferenz Sorge zu tragen. Der Kreis vorstand.
Wahlverein Wetzlar⸗ Altenkirchen. Unter⸗ zeichneter ersucht die Mitglieder, ihre bis Ende Juni fälligen, etwa noch restierenden Beiträge, baldigst zu begleichen, da von da ab neue Bücher und Marken zur Einführung gelangen. Aussteller der Bücher sind A. Fauth und O. Teichmann.— Quittung. „Für die alte Tante“ Mk. 3.—.
O. Teichmann, Kassierer.
Versammlungskalender
Samstag, den 21. Juli.
Gießen. Holzarbeiter. Abends ½7 Uhr Ver⸗ sammlung bei Löb.— Metallarbeiter abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig.
Launsbach. Freie Turnerschaft. 1/9 Uhr Versammlung bei Wirt Ko mp.
Wieseck. Wahlverein. Abends ½9 Uhr Versamm⸗ lung bei Wacker.
Sonntag, den 22. Juli.
Großen⸗Buseck. Wahlverein. Nachmittags ½3 Uhr Versammlung bei Wirt Wagenbach. T.⸗O.: 1. Kreiskonferenz. 2. Verschiedenes. Pünkt⸗ lich erscheinen!
Hausen. Arbeiter⸗Verein. Nachmittags 3 Uhr General⸗Versammlung bei Wirt Wallbott.
Abends
Samstag, den 28. Juli. Wieseck. Tabakarbeiter⸗Verband. Abends 9 Uhr Mitglieder⸗Versammlung bei Wacker.


