Ausgabe 
20.5.1906
 
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Nr. 20.

Mittel deutsche Sountags⸗ Zeitung.

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können, sondern Besucher ist von trennt. Letzterer

daß es sie noch elender macht. Der dem Gefangenen durch das Gitter ge⸗ steckt überdies in Kalmuckkleidern und wird vom Aufseher überwacht, der dieUnterhaltung verfolgt. Man kann es daher begreiflich finden, daß schon wiederholt sowohl Gefangene, als auch deren An⸗ gehörige auf Zusammenkünfte dauernd verzichteten, die ihnen nur Qual, Erniedrigung und Erbitterung verur⸗ sachten. Das beschriebene Gitter existiert nicht in allen Strafanstalten, und da wo es errichtet ist, ist es ein un⸗ nötiges Folterwerkzeug. Wir sind Optimist genug, zu hoffen, daß diese Zeilen zu seiner recht baldigen Beseitigung beitragen werden.

Wir gestehen, daß wir nicht so optimistisch veranlagt sind, wie der Einsender obiger Zuschrift, mit der wir im Uebrigen uns durchaus einverstanden erklären.

Antisemitisches Stegessfest mit Kellerei. Vor der Gießener Strafkammer wurde am 4. Mai gegen 7 Angeklagte aus Oberwöllstadt verhandelt, die an der Prügelei auf dem Siegesfeste beteiligt waren, das die Hirschel und Co. im Dezember v. Js. zur Feier des Landtagswahlsieges des Bündlers Breidenbach in Ober⸗ wöllstadt veranstaltet hatten. Die Sache kam infolge Berufung verschiedener von dem Friedberger Schöffen⸗

gerichte Verurteilter zur nochmal anglung. Bei kten bt eine Ger⸗ derkranz zur Perschöner Zwischen

beiden bestehen

Sängerkrieg veranlaßten. der Kämpfer wäre fast totgeschlagen worden, steben Angeklagten hatten Erfolg; vier erhielten höhere Strafen, als das Schöffen⸗

Differenzen, die am selben Abend den Es floß ziemlich Blut; einer Von den nur zwei mit ihrer Berufung

gericht erkannt hatte und

zwar 5 Wochen, 1 Monat, 2 Wochen und 1 Woche

Gefängnis. Bei dem letzten blieb es bei der Geldstrafe von 20 Mark. Die Herren Hirschel, Breidenbach, Wolf 20. die natürlich ebenfalls auwesend waren, hatten sich als tapfere Teutsche recht⸗ zeitig vom Kampfplatze zurückgezogen.

Aus dem Nreise Wezlar.

h. Ein neues Schlachthaus soll in Wetzlar endlich gebaut werden, wie die Stadtverordneten am Montag beschlossen haben. Der Bürgermeister erklärte dazu u. a., daß das jetzige Schlachthaus in leiner Welse den Mindestanforderungen entspräche, die im sanztäts⸗ polizeilichen Interesse gestellt werden müßten. Damit bestätigte er das, was von uns schon vor Jahren über die Zustände im Schlachthaus gesagt worden ist. Allmenröder wandte sich gegen den Neubau mit recht

merkwürdigen Gründen. h. Mit schwarzen Listen scheint das Bud erus⸗ Leuten, die sich dort

sche Eisenwerk zu aperieren.

auf Arbeitergesuche für die Röhrengießerei meldeten, wurden über ihre vorhergegangene Beschäftigung befragt und besonders, ob sie zu den Streikenden der Marmor⸗ schleiferei gehörten. Das zeigt wieder, wie das Unter⸗ nehmertum zusammenhält! Die Arbeiter sollen sich daran ein Beispiel nehmen!

h. Eine öffentliche Gewerkschafts⸗ versammlung findet Samstag, den 26. Mai, im GasthausZur Glocke statt. Als Redner wird Genosse Engelmann⸗Worms erscheinen. Die Arbeiter aller Berufe wollen sich recht zahlreich einfinden.

h. Auf der Grube Amanda, die jetzt den Buderus werken gehört, sind die Söhne immer noch jämmerlich. Der Bergarbeiter⸗Zeitung lagen Lohnzettel vor, von denen der höchste pro Schicht 2,27 Mark beträgt, also noch nicht einmal den Schichtlohn, der 2,40 Mark beträgt, zahlte man den schwer schuftenben Bergarbeitern, wenn sie bei so niedrigem Gedinge nichts verdienen können. Daß bei solchen Löhnen keine Zu⸗ friedenheit unter der Bergarbeiterschaft herrscht, davon kann Herr Obersteiger Gau! versichert sein. Auch bringen diese schlechten Löhne die Bergarbeiter am aller⸗ besten zur Erkenntnis; besser wie der beste Agitator; die Behandlung seitens der Beamten trägt das ihrige dazu bei, daß sich die Arbeiter der Organisation an⸗ schließen. Sollte der Herr Obersteiger Gaul auch der Ansicht sein, daß die hiefigen Bergarbeiter nicht so viel zu verdienen brauchten, weil sie etwas Feld haben, so können wir Herrn Gaul nur raten, sich einmal die Kontobücher des Herrn Rosenthal in Wetzlar und des Kaufmanns Herrn Zimmermann in Niederquembach vor⸗ legen zu lassen, dann wird es sich zeigen, daß er es nicht mit reichen Bauern, sondern mit verschuldeten Bergarbeitern zu tun hat. Auch die Kuh ist in vielen Fällen nicht das Eigentum des Bergmanns, sondern gehört noch dem Biehhändler, und würde von dieser Seite nicht die größte Rücksicht genommen, so würde wohl mancher Bergarbeiter dieselbe verkaufen müssen. die mit in den Streik getreten waren, wieder eingestellt, obwohl Leute von angenommen werden und die Ausrede, genug vorhanden wären, nicht gelten kann. Es scheint, als wolle man den Betreffenden die Macht des Kapitals fühlen lassen; oder wird beabsichtigt, ö ihre Knappschaftskassenrechte zu bringen? Jedem Arbeiter müssen die Dinge zum

sind noch nicht

Nachdenken über seine Vage und die heutigen Zustände zwingen und ihn vera mlasßen, vereint mit seinen Klassen⸗ genossen für Besserung f zu kämpfen.

Aus dem Nr eise Marburg⸗Nirchhain.

O Zur Kran kensersicherungssta⸗ tistik wurde der hiesigenOberh. Ztg. von einem Marburgler Arzte ein Beitrag geliefert, der einige nicht umninteressante Momente bietet, namentlich dadꝛarch, daß ein Vergleich gezogen wird zwischen den Ausgaben der hiesigen Orts⸗ krankenkasse für 1905 und der Verstcherungs⸗ statistik des Jahres 1903 für die Ortskranken⸗ kassen des deutschen Reiches. In der letzten Generalversammlung der rtskrankenkasse wurde nach Erst attung des Rechenschaftsberichtes für 1905 vom Vorsitzenden auf die gewaltige Steige⸗ rung der Ausgaben der Kasse für Aerzte und Apotheken aufmerksam gemacht. Während noch vor ca. 8 Jahren die Kosten der ärztlichen Behandlung und Medikamente nur ca. die Hälfte des Krankengeldes betrug, haben sie jetzt bereits die Ausgaben für Krankengeld über⸗ stiegen. Der Durchschnitt für das deutsche Reich beträgt für Arztkosten 3,99 Mk. pro Mitglied

Marburger Ortskrankenkasse dagegen 4,69 Mk. pro Mitglied oder 28,7 ozent der Gesamt⸗ ausgaben. Für Arzneikosten muß die Orts⸗ krankenkasse 17 Prozent der Gesamtausgaben verwenden gegen 15,9 Prozent im Durchschnitt. Auf die Ursache dieser Mehrbelastung geht der Marburger Arzt nicht näher ein, Sache des Vorstandes der Kasse aber ist es, sich näher mit dieser Tatsache zu befassen. Dieser Mehr- belastung der Marburger Kasse steht gegenüber zunächst die Minderausgabe für Verwaltungs⸗ kosten(6,3 Prozent gegen 9 Prozent im Durch⸗ schnitt), au Krankenanstalten(9,6 Prozent gegen 13 Prozent im Durchschnitt), und hauptsächlich aber eine wesentliche Minderausgabe an Kranken⸗ geld. Die Marburger Kasse zahlt nur 6.50 Mk. pro Kopf oder 40,7 Prozent der Gesamtaus⸗

gaben gegen 7.74 Mk. oder 43,7 Prozent im Durchschnitt der Ortskrankenkassen. Die Mar⸗ burger Kasse bleibt also am 1.24 Mk. in ihren Leistungen an Krankengeld zurück gegen den Gesamtdurchschnitt. Die erkrankten Mitglieder müssen also zugunsten der immer höherer Forde⸗ rungen stellenden Aerzte und Apotheker pro Mitglied jährlich 1.24 Mk. opfern und sich weiterhin mit den vom Gesetz festgelegten Mindest⸗ leistungen begnügen.

* Nette Arbeiterfreundlichket legte die Hessische Landeszeitung in einer ihrer letzten Nummern an den Tag. Es war da ein schofler Waschzettel der Scharfmacher in der Metallindustrle abgedruckt, in dem es in Bezug auf die Metallarbeiter⸗Aussperrung und die Lohnforderungen der Former u. a. heißt:

oder 22,5 Prozeut der Gesamtausgaben, in der

Uhr seine Generalversammlung m Restaurant Geisler ab. Die Mitglieder des Konsumverelns werden gebeten, sich recht zahlreich und pünktlich einzufinden.(Siehe Inserat.)

Folgen des Zolltarifs? Die Marburger vereinigten Fuhrwerksbesitzer machten bekannt, daß sie vom 1. Mai ab die Preise für Herrschaftsfuhrwerk ꝛc. erhöhen müßten, weil die Futterpreise im stetigen Steigen begriffen seien. Da spüren auch wenigstens die Herrschaften die Wirkungen des Zolltarifs ein klein wenig.

N Ausflug am Himmelfahrtstage. Einen gemeinsamen Ausflug veranstalten am Himmelfahrtstage der ArbeitergesangvereinEintracht und dieFreie Turnerschaft. Pro gramm: Abmarsch morgens 6 Uhr vom Restaurant Hildemann durch den Wald nach Niederweimar. Daselbst Empfang sämtlicher freier Turner von Gießen und Umgebung. um 10 Uhr Abmarsch von Niederweimar durch den herrlichen Buchen wald, Dreiersquelle und Ockershausen nach Mar⸗ burg zum Restaurant Hildemann. Daselbst Kommers und Turnen. Nachmittags 2 Uhr Besichtigung der Stadt. Von 4 Uhr ab Familienfest im Gartenrestaurant Hildemann. Von abends 8 Uhr ab Tanz. Bei un⸗ günstiger Witterung von nachmittags 4 Uhr ab Schau⸗ turnen, verbunden mit Tanz. An diesem gemeinsamen Ausfluge wollen sich die Genossen recht rege beteiligen, gilt es doch, den Turngenossen des Gießener Kreises zu zeigen, daß auch die Marburger Arbeiter zusammenhalten.

Arbeiterbewegung.

Die Metallindustriellen wollen auf Pfingstsamstag die Metallarbeiter a us sperren, wenn bis dahin nicht die Differenzen, die mit den Formern in verschiedenen Orten bestehen, erledigt sind. Die Former sind zu einer Verständigung auf derselben Grundlage wie sie in Offenbach und Braunschweig bereits 1175 ist, bereit, aber die Eisenkönige wollen nicht.

Vartei-Uachrichten.

Der diesjährige Parteitag, der nach dem Beschlusse des Jenaer Parteitages in Mannheim ab⸗ gehalten wird, soll vom 16. 22 September stattfinden.

Versammlungs kalender. Samstag, den 19. Mai.

Gießen. Wahlvereln. Abends 9 Uhr Ver⸗ sammlung bei Orbig. Vortrag von Genosse Diehl: Der II. Teil unseres Programms. Friedberg. Wahl verein. Abends 9 Uhr Ver⸗ sammlung bei Ihl. Sonntag, den 20. Mai.

Großen⸗Buseck. Wahlverein. Nachmittags 3 Uhr Versammlung bei Wirt Wagner,

Das Endziel ist dann, daß dieser Mindestlohn

T.⸗O.; 1. Agitation. 2. Kreisfest. Vollzählig

fortdauernd in die Höhe geschraubt wird, bis er zum allgemeinen gleichen Normallohn der Former für ganz Deutschland sich auswächst. Die Former wurden vor⸗ geschickt, weil sie den sozialdemokratischen Prin⸗ zipien am meisten huldigen. Zweifelsohne läßt man andere Arbeiterkategorien folgen, sobald man mit den Formern einen Erfolg erreicht hat. Der Gesamtverband der Industriellen läßt sich dadurch nicht beirren, sondern wird sich gegen die Aufzwingung solcher Forderungen, deren Annahme die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Metallindustrie auf dem Weltmarkt erschüttern muß, nach Kräften wehren.

Dieses unsinnige, unwahre und arbeitekfeindliche Zeug druckt ein Blatt nach, das für soziale Dinge und die Bestrebungen der Arbeiter Verständnis zu haben vorgibt. Die Fleischpreise sind endlich gefallen. Unsere Metzgermeister haben allergnädigst geruht, den Preis für Schweinefleisch um 10 Pfennig pro Pfund herabzusetzen. Leider ist nach den bisherigen Erfahrungen zu befürchten, daß diese herabgesetzten aber immer noch sehr hohen Preise bald wieder in die Höhe getrieben werden. Andere notwendige Lebensmittel speziell Batter und Eier, haben immer noch ihrefesten Preise, das heißt, das Pfund Butter kostet nach wie vor 1,30 Mk. Was diese Preise für eine Arbeiterfamilie bedeuten, das kann man tagtäglich von den Arbeiterfrauen hören. Aussicht auf Verbilligung der Lebensmittel ist kein e vorhanden, wes⸗ halb die minderbemittelten Klassen sich desto mehr und sester zusammen schließen müssen, um gemeinsam eine Verbesserung ihrer Lage herbeizuführen. Vor allen

Dingen ist Aufklärung nötig, die in unserer Presse und in Versammlungeu geboten wird. Der Konsum verein für Marburg und

erscheinen! Montag, den 21. Mai. Gießen. Schneider verband. Versammlung bei Orb ig. Mittwoch, den 28. Mai. Rödgen. Wahlverein. Abends ½9 Uhr Ver⸗ sammlung bei Wirt Bal ßer. Alles erscheinen!

Arbeiter Turnerbund.

Zu dem gemeinsamen Turngang der Ver⸗ eine des 3. Bezirks am Himmelfahrtstag ist Treffpunkt Lollar um Uhr bei Gastwirt Schupp. Um 3 Uhr pünktlich Abmarsch nach Marburg. Die Freie Turnerschaft Gießen versammelt sich/ Uhr am Torhäuschen in der N alltorstraße. Zahlreiche Beteiligung aller Vereine erwartet Der Bezirksturnwart. (Siehe Notiz aus Marburg.)

Abends 9 Uhr

Arbeiter Sängerbund (Rhein⸗ und Maingau) 2. Bezirk Gießen. Sonntag, den 20. Mai 2 Uhr nachmittags im Saale des Hotel Einhorn, Gießen Lindenplatz: Gesamt probe. Der Bezirksobmann.

Briefkasten.

Zuschriften für die nächste Nummer erbitten wir wegen des Himmelfahrtsta ges möglichst früh⸗

Umgebung hält am Montag, den 29. Mal Abends 8/

zeitig. Wtizlr. Loralliste nächste Nummer.