Ausgabe 
20.5.1906
 
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Nr. 20.

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Mitteldentsche Sonnags⸗Zeitung.

Seite 3.

DSoftaldemokratischer Sieg in Wien.

Einen großartigen Wahlerfolg erkämpften unsere Parteigenossen in Wien be den dortigen am vorigen Donnerstag stattgefundenen Ge⸗ meinderats wahlen für den vierten Wahlkörper. Bisher hatten unsere Parteifreunde nur drei Mandate inne, die sie nicht nur behaupteten, sondern noch vier dazu gewannen. Von 21 Mandaten, die zu vergeben waren, eroberten unsere Genossen 7, während den Christlichsozialen nochmals 14 zufielen. Der Erfolg läßt si aber erst richtig würdigen, wenn man erwägt, daß die soztaldemokratischen Stimmen von 56000 auf 97000 stiegen, und sie sind damit den Antisemiten ganz nahe gerückt, dle trotz der riesenhaftesten Agitation und trotz der Popu⸗ larität ihres Häuptlings Lueger nur 110000 aufbrachten. Bei der nächsten Wahl wird die christlich⸗soziale Herrschaft sicher zusammen⸗ brechen. Man muß bei Würdigung dieses Resultats ferner bedenken, daß für den vierten Wahlkörper dreijährige Seßhaftigkeit gilt, eine Beschränkung, die ausschließlich die Arbeiter

trifft.

DerFrkftr. Ztg. wurde darüber geschrieben: Die Wlener Gemeinderatswahlen im vierten Wahlkörper haben die herrschende Partei vier Mandate gekostet und außerdem ein Stimmen⸗ verhältnis gezeigt, das den Klerikalen schwer in die Glieder gefahren ist. Obschon die Christlich⸗ sozialen Virtuosen der Wahl⸗ und selbst der Wählermache sind und alles aufgeboten haben, den Soztaldemokraten ihre bisherigen Mandate zu entreißen, ist es ihnen bei fast vollständiger Wahlenthaltung der indifferenten und sicher nicht klerikalen Schichten nicht ge⸗ lungen, auch nur ein Drittel der möglichen Stimmen ihren Kandidaten zuzuführen. Nur der sehr raffinkerten Wahlkreis⸗ geometrie ist es zuzuschreiben, daß trotzdem den Christlich⸗sozialen von 21 Mandaten 14, den Sozialisten nur 7 zugefallen sind. Der Vorsprung von 13000 Stimmen ist sehr leicht eingeholt. Es brauchen nur die Fortschrittlichen sich ein wenig zu ermannen und die ganze christlich⸗soziale Herrlichkeit ist gewesen.

Kleine politische Nachrichten.

Oberschlesische Justiz. Die Beuthener Straf⸗ kammer verurteilte den dreizehnjährigen Schulknaben Schulz und dessen zwölf jährige Schwester für einen Dummenjungenstreich zu je einem Jahre Gefängnis, weil sie unweit der Myslowitzgrube Steine auf die Straßenbahngleise gelegt hatten, wodurch die Entgleisung eines elektrischen Wagens herbeigeführt wurde.

Revolution in Rußland. Das russische Parlament,

dieReichsduma ist seit voriger Woche in Tätigkeit. Es wurde im Winterpalast, dem alten Sitze des russischen Despotismus mit mittelalterlichem Prunk und Pomp eröffnet. Mehr goldstrotzende Uniformen waren dabei nach den Berichten zu sehen, als Volksvertreter. Man hatte zu dem welthistorischen und gewissermaßen doch festlichen Ereigms Soldaten in Masse zu⸗ sammengezogen, Petersburg glich einem riestgen Heerlager. Zar Nikoläuschen wagte sich nach Petersburg und hielt vor den Mitgliedern des Reichsrats und der Duma eine Ansprache, in der die Ansprüche des Absolutismus überwiegen und der Schein erlogen wird, als sei die Duma eine freiwillige Gabe von Väterchens Gnaden. Die aus weinerlicher Frömmelei und absolutisti⸗ schem Dünkel gemischte Ansprache wird natürlich für den Gang der Ereignisse keinerlei Bedeutung haben. Dann hat sich die Duma selbst im Tausischen Palais, der ehemals dem berüchtigten Potemkin von der Kaiserin Katharina ge⸗ schenkten Palast, konstitulert. Ste erwählte den Moskauer Professor Morowzew zu ihrem Präsidenten. Das erste Wort in diesem ersten Parlament Rußlands sprach dann der Führer der konstitutlonellen Demokraten, Rechtsanwalt Petrunkowitsch. Es war ein gutes Wort, ein Wort für die Oprer des Freiheits⸗ kam pses, für die in den Kerkern Schmachtenden. Der Redner bezeichnete es als Pflicht, daß das erste freie Wort denen geweiht sei,

die für die Fretheit der Heimat ihre Freiheit geopfert haben.(Stür⸗ mischer Belfall.) Alle Gefängnisse seien überfüllt. Es sei ihre Pflicht, alles daran zu setzen, daß die Freiheit, die sich Rußland erkauft habe, keine neuen Opfer mehr koste. Das freie Rußland fordere die Befrei⸗ ung der Verhafteten.

Nachdem dankte Morozew für das ihm durch die Wahl zum Prästdenten bewiesene Vertrauen und betonte, die Arbeit der Duma gehe auf dem Boden völliger Erneue⸗ rung der Regierung vor sich. In der Sitzung am Samstag wurden viele Begrüßungstele⸗ gramme und Glückwünsche verlesen. Bei Ver⸗ lesung von Telegrammen politischer Ge⸗ fangener und Verbannter erhob sich die Versammlung unter anhaltendem Beifall. Die ganze Versammlung rief:Amnestie! A m⸗ nestie! und man beschloß, den Gefangenen im Namen der Duma zu danken. Während der Adreßdebatte an den folgenden Tagen ver⸗ langten alle Redner Befreiung der Gefangenen.

Gapons Leiche ist nunmehr in einem Vororte Petersburgs gefunden worden. Es bestätigt sich, daß Gapon wegen Verrats der Arbeitersache hingerichtet wurde. Der Unter⸗ suchungsrichter begab sich am Samstag in das Bankzebäude des Credit Lyonnais behufs Fest⸗ stellung des Inhaltes einer von Gapon dort deponierten Kassette. Man fand in dieser die Summe von 14500 Rubel in russischen Staatspapieren und 14000 Franks in französischen Banknoten. Das Geld soll Gapon für seinen Verrat erhalten haben.

Heerschau.

Der Malentag, der Weltfeiertag des Prole⸗ tariats, der Tag, an dem die unterdrückte Volksklasse stolz und kühn das Haupt erhebt und die herrschende Gesellschaft immer aufs neue an ihre Forderungen mahnt, die im Interesse der Volkswohlfahrt durchgeführt werden müssen, liegt hinter uns. Ein erhebender Tag, der durch seine aufrüttelnde Wirkung einen unauslöschlichen Eindruck auf Freund und Feind der modernen Arbeiterbewegung ausübt. Spiegelt sich doch in der Matfeier der Kampf zweier Weltanschauungen wieder. Die innerlich brüchig gewordene bürgerliche Gesellschaft kämpft um Aufrechterhaltung und e ihrer angemaßten Rechte gegen die junge, von Lebens⸗ kraft strotzende, aufwärtsstrebende neue Kultur, der Welt und Zukunft gehören werden.

Noch sind die Vertreter der alten Anschauung im Besitz der Gewalt und ste nutzen sie aus. Rücksichtslos und brutal schwingen dieHerren vom Hause die Hungerpeitsche über Tausende, die es wagen, einen eigenen Willen zu äußern. Man beschimpft, verfolgt und bedroht die den⸗ kenden Arbeitermassen; die elendesten Verleum⸗ dungen und Verdächtigungen gelten unseren Gegnern alsgeistige Waffen, und trotz alle⸗ dem bricht sich der sozialistische Gedanke, der in Millionen Herzen lebendig wirkt, mit Allge⸗ walt Bahn.

Es ist die historische Aufgabe und Bestimmung des Proletariats, Grundstein und Träger der neuen Kultur zu sein. Der Sozlal⸗ demokratie ist die führende Rolle in diesem Kampfe zwischen alter und neuer Kultur zuge⸗ fallen. Unter ihrem roten Banner werden die Schlachten gegen den sich enger und fester zu⸗ sammenschließenden Gegner geschlagen! Immer ernster und hartnäckiger wird der Kampf, immer größere Kämpfermassen sind notwendig, um der Gesamtheit des Volkes die hehrsten Güter, Freiheit und Recht, zu erobern.

Erfreulich ist es, daß in diesem sich immer mehr zuspitzenden Kampfe auch die Frauen und Mädchen des Proletariats nicht untätig abseits stehen. Von Jahr zu Jahr ist das wachsende Interesse der Frauen an den wirtschaftlichen und politischen Kämpfen mehr und mehr zutage getreten. Auch die großartige Beteiligung der Frauen an der Maidemonstration zeigt das Erwachen derselben. Die letzte Mai⸗Heerschau hat das Bild der gemeinsamen Demonstration herrlicher und schöner denn je gestaltet. Nicht

nur in den Städten, auch in kleinen, entlegenen Landorten haben die Frauen in größerer Anzahl an der Maifeier teilgenommen. Und so ist es recht! Denn die Gedanken, die in dem Maifest der Arbeit pulsen, müssen gerade in den Herzen der Arbeiterfrauen, der doppelt Aus gebeute⸗ ten und Entrechteten, begeisterten Wider⸗ hall finden. Die Arbeitskraft der Frau wird mit Hungerlöhnen entlohnt; heute ist die Ar⸗ beiterin durch den Druck des Unternehmertums zur Schmutzkonkurrentin des Mannes und des Bruders geworden.

In heuchlerischen Salbadereien über die Heiligkeit des Familienlebens, der Ehe usw. ergehen sich die Interessenten der heutigengött⸗ lichen Weltordnung, das hindert ste aber nicht, Mann, Weib und Kind der arbeitenden Klasse in ihr Sklavenjoch zu spannen. Das Leben gestaltet sich für die Proletarierin immer qual⸗ voller; es ist nichts auderes, denn eine lange Kette von Trübsal und Leiden, denen meistens erst der Tod, der Freund und Erlöser der Armen, ein Ende macht. Wirtschaftliche und häusliche Pflichten und Sorgen bilden zumeist den Lebensinhalt der Arbeiterfrau. Doch auch als Staatsbürgerin hat sie die gleichen Pflichten wie der Mann; auch sie muß dem Staat und Gemeinwesen direkte und in⸗ direkte Steuern und Verbrauchsabgaben zahlen. Staat und Privatkapital bereichern sich durch ihre Arbeitskraft, und als Lohn dafür hat der heutige Staat sie aller Rechte beraubt.

Die Frau besitzt kein Wahlrecht, kein Mitbestimmungsrecht in Fragen, die für die Arbeiterin, die Hausfrau, die Mutter von größter Tragweite und Bedeutung sind.

Auflehnung, Empörung gegen so scham⸗ lose Entrechtung und Knechtung ist Pflicht aller Frauen des Proletariats. Die Sozial⸗ demokratie ruft die Frau in ihre Reihen zum gemeinsamen Protest; Frauen, folgt dem Ruf! Die Frau, in der das sozialistische Bewußtsein wach geworden ist, demonstriert für Gleich⸗ berechtigung alles dessen, was Menschen⸗ antlitz trägt, für den Völkerfrieden, gegen den barbarischen, kulturvernichtenden Martnis⸗ mus und Militarismus, für das Wahl⸗ recht der Frau und sie demonstriert als das geknechtete, unterdrückte und entrechtete Weib. Frauen, herbei! Agitiert und werbt in euren Reihen immer neue Kampferinnen für die Sozial⸗ demokratie!

Und setzet ihr nicht das Leben ein,

Nie wird euch das Leben gewonnen sein!

Don Nah und fern.

Hessisches.

Ueber die Beigeordnetenwahl in Mühlheim am Main verhandelte am Samstag der Provinzialausschuß der Provinz Starkenburg. Bekanntlich wurde in Mühlheim unser Genosse, Konsumvereinsleiter Peter Zahn, mit großer Mehrheit als Beigeordneter gewählt. Obgleich der Bürgermeister vor dem Kreisaus⸗ schusse zu Offenbach dem Gewählten bestätigte, daß gegen seine Person nichts einzuwenden sei, viel⸗ mehr könne er mit dessen Tätigkeit im Gemeinde⸗ rat durchaus zufrieden sein, hat doch der Kreis⸗ ausschuß die Wahl beanstandet, weil Zahn sich zur Soztaldemokratie bekennt. Zahn hat Rekurs ergriffen. Regierungsrat v. Stark warf die Frage auf, ob die Wahl überhaupt gültig sei, da in den Wahlakten ein Protokoll fehle über die vom Gemeinderat vollzogene Wahl des Vorsitzenden der Wahlkommisston, der dahingehende Beschluß müsse gemäß 8 41 der Landgemeindeordnung in's Protokollbuch eingetragen werden. R.⸗A. Dr. Fulda als Vertreter des Gewählten sprach sein Bedauern aus, daß diese formale Frage noch aufgerollt werde. Mühlheim werde durch eine Ungültig⸗ keitserklärung nochmals in die Aufregung einer Wahl gestürzt, deren Resultat nach seiner Auf- fassung nicht anders ausfallen werde. Eine derartige Protokollierung werde in den§§ 31 und 41 der Landgemeindeordnung nicht gefordert, nach§ 6 der L.⸗G.⸗O. habe ja der Bürgermeister die Wahlhandlung zu leiten, nur die Beisitzer

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