Ausgabe 
19.8.1906
 
Einzelbild herunterladen

doch beste

wenn fen.

, die nnen?

rden.

gers einen 00 M. auptet, dußer⸗ te zum er, ein plstadt immer⸗ 5 2 ür lte es,

Höglich

ustt⸗ besteht

1 bor lichkett

dresden chienen, 8 ein es bon

n be- teck verde, uno enden

9 den er den

1 104

1

haupfung ist bereits durch die Veröffentlichung des Reichsverbandsmaterials imVorwärts

Nr. 33.

Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 3.

erbracht worden; der Reichsverband erbringt jetzt durch seine Klage denselben Beweis zum zweiten Male. Es ist bisher nicht Sitte ge⸗ wesen, daß sich politische Parteien oder Korpo⸗ rationen gegenseitig vor Gericht verklagten. Sie kämpften ihren Kampf mit der Feder oder in Versammlungen aus. Der Reichsverband führt jetzt eine andere Praxis ein. Er selbst bewirft aus sicherem Versteck heraus durch Uebersendung seiner Korrespondenz an willfährige bürgerliche Blätter die Sozialdemokratie fort⸗ während mit gemeinstem Schmutz. Packt man ihn aber dafür an den Ohren und verabreicht ihm die wohlverdiente Zurechtweisung, dann läuft er zum Kadi und klagt wegen Beleidigung. In der Tat eine Kampfesweise, mit der sich der Reichsverband mitsamt den ihm dienstbaren Blättern außerhalb der Grenzen der journa⸗ listischen Konvention und des literarischen An⸗ standes stellt!

Aus dem Breslauer Aufruhrprozeß,

dem man überall mit Spannung entgegensah, scheint nichts zu werden. Nachdem vor einiger Zeit die Voruntersuchung ihren Abschluß ge⸗ funden, ist nun gegen die ermitteltenTäter die Anklage erhoben worden. Von zirka 125 Personen, gegen die die Voruntersuchung eingeleitet wurde, sind 65 außer Verfolgung gesetzt worden. Etwa 55 Angeklagte werden sich nacheinander gegen Ende August vor der Ferienstrafkammer wegen Gewerbevergehen (§ 153) usw. zu verantworten haben. Vor das Schwurgericht kommt nur ein einziger An⸗ geklagter, und zwar derKaiserdepu⸗ fierte Vorschmied Hirsch, der seinerzeit auf dem Oberschlesischen Bahnhofe in Breslau die Kalserrede von der gestcherten Existenz der Ar⸗ beiter mit anhörte. Eine große Anzahl von Personen, die lange Wochen die Qualen der Untersuchungshaft über sich ergehen lassen mußten, kommen also nicht einmal unter An⸗ klage, und wie viele der Angeklagten werden freigesprochen werden müssen! Und während alle diese Opfer der Polizeitaten seit April hinter Kerkermauern schmachten mußten, durften die wahren Uebeltäter, d. h. die Breslauer Polizeimannschaften, sich nicht nur der goldenen Freiheit erfreuen, sondern wurden ob ihrer 1 ihrem höchsten Vorgesetzten feierlich elobt!

Kosakentat eines Polizisten.

Aus Köln wird ein unerhörtes Vorkommnis berichtet. Dort wurde am Montag(6. Aug.) der Taglöhner Heinrich Berndt, ein allgemein geachteter Mann, von einem Polizisten er⸗ schossen. Die Frau des Erschossenen, eines etwa vierzig Jahre alten Mannes und Vaters von neun Kindern, macht über den Vorfall folgende Angaben:

Wir waren von einer Versammlung des Krieger⸗ vereins heimgekehrt und im Begriff, zu Bett zu gehen. Da hörte mein Mann draußen singen und er sah, wie zwei Schutzleute mit gezogenem Säbel hinter zwei jungen Leuten feldeinwärts liefen. Aus Neu⸗ gier begaben wir uns auf die Straße. Dort schlugen die inzwischen zurückgekehrten Schutzleute ohne jede Veranlassung auf meinen Mann ein. Den ersten Schlag erhielt er mit einem Revolver gegen die Stirne. Trotz seiner flehenden Bitten schlugen die Schutzleute dann auf meinen Mann, mich und unsere beiden 14 bis 15 jährigen Söhne. Der Schutzmann Weis schoß jetzt zwei Revolverkugeln auf meinen Mann ab. Dieser schrie: Ich bin getroffen, ich sterbe! Aber der Schutzmann ließ nicht von ihm los, sondern kniete sich auf ihn und schoß ihm eine dritte Kugel in den Leib. Eine Kugel sitzt über den Schamteilen, eine unterhalb der Brust und eine dritte streifte das Nasenbein und versengte das Gesicht. Ferner hat die Leiche schwere Hieb⸗ und Stichwunden und blutunter⸗ laufene Striemen. Mein Mann ist in der ganzen Bürgerschaft als ehrenhaft und charaktervoll bekannt. Der Schutzmann warf nach der Tat den Revolver weg und suchte das Weite. Auf meinen Hilferuf erschienen erst Leute, die meinem Manne beistanden. Die beiden Schutzleute kümmerten sich nicht um ihr Opfer.

Die Darstellung der unglücklichen Frau wird durch sämtliche Begleitumstände und durch den

allen Teilen bestätigt. Die Frau selber hat bei der Affäre einen Säbelhieb über die Hand erhalten. Die Polizei erklärt demgegenüber, Berndt habe die Poltzisten tätlich angegriffen, so daß in dem Handgemenge zwischen Berndt und dem Schutzmann Weis infolge des Hin⸗ und Herziehens des Revolvers drei Schüsse hintereinander losgegangen seien. Einen Tag vorher noch hatte die Polizei erklärt, nur ein Schuß sei zufällig losgegangen. Das konnte sie natürlich nicht aufrechterhalten. Aber auch die jetzige Behauptung ist nicht nur durchaus unwahrscheinlich, sondern widerspricht auch den Aussagen der Frau. Ein kurioser Revolver, der dreimal nacheinander selbst losgeht. Die weitere Untersuchung wird von der Staatsan⸗

waltschaft geführt. Der sächsischen Klassenjustiz

hat die Leipziger Volkszeitung, wohl das meist verfolgte sozialdemokratische Blatt, wieder ein Opfer bringen müssen. Ihr Re⸗ dakteur, Genosse Seeger, wurde zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Warum? Er hatte in seinem Blatte ein Urteil des Land⸗ gerichts in Insterburg als Klassenjustiz bezeichnet, was die Leipziger Richter als schwere Beleidigung ihrer Insterburger Kollegen ansahen und ihn wie angegeben bestraften. Ueber unser Leipziger Parteiblatt wurden in diesem Jahre bereits Jahre Gefängnis verhängt.

Gutes Zeugnis für sozialdemokratische Abgeordnete.

Ueber die Tätigkeit der Sozialdemokraten sagt ein bayrisches Zentrumsblatt:

Am besten organistert zeigten sich auch bei dieser Gelegenheit, wie überhaupt im ganzen Jahr, die Herren Genossen auf der äußersten Linken. Bei ihnen herrscht stramme Arbeits⸗ teilung, da wird vorher genau geregelt, wer spricht und worüber... Beim Zentrum da⸗ gegen... herrscht volle Anarchie. Wo jeder⸗ mann seitens einer großen Partei eine groß⸗ zügige Rede erwartet, erhebt sich eine meter⸗ buckelbreite Persönlichkeit und fragt, ob an irgend einer Schiene seiner Lokalbahn nicht ein Nagel verkehrt eingeschlagen set und glaubt damit das Vaterland gerettet zu haben.

Das heißt also zu deutsch: Die Sozial⸗ demokraten wissen, was sie wollen, das Zentrum dagegen als Partei, die augeblich allen recht tun und nirgends anstoßen will, treibt Kirch⸗ tumspolitik und vertrödelt dabei die kostbare Zeit im Parlament. Ein bemerkenswertes Eingeständnis!

Männerstolz vor Königsthronen!

Vor einigen Tagen hat Wilhelm II. die Familie Krupp in Essen besucht. Von diesem Besuch erzählt dieRheinisch⸗westfälische Ztg. folgende amüsante Geschichte:

... Der Kaiser unterhält sich einige Augenblicke mit Frau Krupp und wendet sich dann an Fräulein Berta und Barbara Krupp mit den Worten:Also das sind die beiden Verlobten! Dann begrüßt er die Herren v. Bohlen⸗Halbach und v. Wilmowski. Nachdem er einige Worte mit diesen gewechselt hat, winkt Frau Krupp ins Gebüsch hinein, und von dort tritt Oberbürgermeister Holle vor, und Frau Krupp stellt ihn dem Kaiser als den neuen Obercbürger⸗ meister von Essen vor. Der Kaiser drückt ihm die Hand, beglückwünscht ihn zu seiner Wahl zum Ober⸗ bürgermeister von Essen.

Der Oberbürgermeister im Busch, ein reizendes Bild!

Kleine politische Nachrichten.

Die Ersatzwahl in Döbeln-Roßwein ist auf den 22, Oktober festgesetzt.

Revolution in Rußland.

Genosse Parvus nach Sibirien

verschickt!

Um seine Kräfte der Befreiung seines rus⸗ sischen Volkes zu widmen, war auch Gen. Par vus nach Rußland geeilt. Er ist eine Beute der Zarenschergen geworden. Am Dienstag morgen erhlelt die Sächsische Arbeiter⸗Ztg. folgendes

Befund der entsetzlich zugerichteten Leiche in

Telegramm:

Sendedritte Ausgabe meinerGewerk⸗ schaften undHungerndes Rußland an % ee verschickt. Gruß Parvus.

Kampffreudig und bereit, sich selbst und sein Leben zum Opfer zu bringen, stellte sich unser Genosse Parvus in die Reihen der Tapferen, denen der Kampf gegen das fluchbeladene Zaren⸗ tum, gegen die Schmach Europas, das auto⸗ kratische System des Mordens Lebensaufgabe wurde. Jetzt wurde er in den Kerker geworfen und soll in der stbirischen Eiswüste begraben werden. Hoffentlich gelingt es dem Tapferen, den zarischen Henkern zu entkommen.

Revolutionäre Unruhen werden täglich aus dem ganzen Lande gemeldet. Die Unruhen greifen besonders nach den Agrar⸗ bezirken über. Die Bauern stürmen die Be⸗ sitzungen der Gutsbesitzer und brennen Häuser und Felder nieder. Auf einem Gute im Gou⸗

vernement Satalow wurden schreckliche Ver⸗

wüstungen angerichtet. Truppen wurden heran⸗ gezogen, um gegen die Aufständischen zu kämpfen. Dochfraternisierten sie mit den Bauern. Die Soldaten empörten stch und erschossen sieben Offiziere. Aus dem Kaukasus hat die Regierung sehr bedenkliche Nachrichten erhalten, dort bereitet sich eine Erhebung der gesamten Bevölkerung des Kaukasus gegen die russische Herrschaft vor.

Die Rebellion im Heere. Die Ma⸗ trosen der Schwarzemeerflotte haben sich in einem Schreiben an den Admiral Birilew gewendet, worin ste ersuchen, die Hinrich⸗ tungen ihrer Kameraden zu unterlassen. Wenn ihre Wünsche nicht erfüllt werden, drohen sie mit einer neuen Revolte. Aus Sebastopol wird gemeldet, daß die im Ausland weilenden Ma⸗ trosen desPotemkin sich ebenfalls an den Admiral Birilew gewandt haben mit dem Er⸗ suchen, ihnen die Rückkehr nach Rußland zu erleichtern.

Schreckliche Hungersnot herrscht im Gouvernement Samara. Die Bauern sterben in Massen dahin. Große Aufrufe zur Unter⸗ stützung der Notleidenden blieben ohne Erfolg. Die Mönche des Klosters Laura bewaffneten sich mit Revolvern, um die großen Reichtümer des Klosters zu schützen.

2

Die Berichte des Landeskomitees an die Landes konferenz.

Das Landeskomitee erwähnt zunächst die Einrichtung des Parteisekretariats, das dem Genossen David übertragen wurde. Die Leitung der Landtagswahlen erforderte lebhafte Tätigkeit; irgend welche Klagen dar⸗ über liefen nicht ein. Der Beschluß der vor⸗ jährigen Landeskonferenz, für die Landtags⸗ wahlen ein Handbuch herauszugeben, wurde ausgeführt und hat das Buch der Agitation wesentliche Dienste geleistet.

Die angeregten Protestversammlungen gegen die Fleischverteuerung wurden gehalten und waren überall gut besucht.

Die Preßverhältnisse nahmen einen beträchtlichen Teil der Tätigkeit des Landes⸗ komitees in Anspruch. Der Bericht erwähnt dann die unsern Lesern bereits bekannten Ver⸗ handlungen der Gießener Genossen mit dem Landeskomitee, die auf Schaffung eines Tage⸗ blattes abzielen und ersucht die Konferenz um Zustimmung zu diesen Vorschlägen. Das Komitee beschäftigte sich dabei auch mit dem Wunsche der Darmstädter Genossen, ein eigenes Tageblatt herauszugeben. Man warnte vor übereilten Schritten und empfahl den Darm⸗ städter Genossen zunächst im Auschluß an die Mainzer Volksztg. an die Herausgabe eines Kopfblattes zu denken.

Die Verbreitung des Agitations⸗ Kalenders, der in 131566 Exemplaren her⸗ gestellt wurde, ging ziemlich glatt von statten, doch ließ sie stellenweise zu wünschen übrig. So sind dieselben im Kreise Alsfeld einfach liegen geblieben, trotzdem das Landes⸗Komitee für die Kosten der Verbreitung aufgekommen war.

Im Laufe des Jahres bekam das Landes⸗ Komitee durch den Genossen Michels⸗Marburg

2

ä