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Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.
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ts. Lesehalle in Bad Nauheim. Die in Bad Nauheim entstandene, mit einer Volksbibliothek verbun⸗ dene öffentliche Lesehalle ist als wirklich allgemeinuütziges, Bildung fördern des Unternehmen mit Freude zu begrüßen. Wir empfehlen sie unsern Lesern um so mehr, als die sonst so oft unsrer Partei gegenüber beliebte Absperrung hier in Wegfall gekommen ist. Hoffen wir, daß die Lebensfähigkeit des Instituts darunter nicht leidet. Da auch unsere Mitteldeutsche Sonntagszeltung dort aus⸗ liegt, bitten wir die Genossen die Gelegenhelt zu benutzen und ihre Bekannten darauf hinzuweisen. Gerade ein Vergleich mit Blättern anderer Parteien wird dem denkenden Arbeiter am ehesten zeigen, wo er seine wahre Interessen vertretung zu suchen hat.
Ein schwerer Unglücksfall ereig⸗ nete sich in der Nacht zum Mittwoch früh im städtischen Gaswerk in Friedberg. In⸗ folge eines Rohrbruches war Gas in großer Menge ausgeströmt und es fanden dabet, der Verwalter Liese und der Arbeiter Weitzel ihren To d. Der Arbeiter Dauth war ebenfalls be⸗ stunungslos, kam aber wieder zu sich.— Die Stadt war infolge des Unfalles ohne Licht. — Ein Schornsteinfeger beging vorige Woche Selbstmord. Als Grund werden Nahrungs⸗ sorgen angegeben.
Aus dem Rreise Wetzlar.
h. Bergarbeiterstreik. Die Bergleute auf den Gruben„Juno“ und„Uranus“ bei Nauborn, die dem Fürsten Solms⸗Braunfels gehören, haben Ende voriger Woche die Arbeit niedergelegt. Die dort beschäf⸗ tigten Arbeiter haben schon viel und oft über die Ar⸗ beitsverhältnisse, Mißstände und geringe Bezahlung ge⸗ klagt, daß sie sich jedenfalls nicht mehr anders zu helfen wußten. Viele von ihnen besitzen nämlich ein Stückchen Land, auf dem ste ein paar Kartoffeln und wenns hoch kommt, auch einige Säcke Getreide ziehen und in Rück⸗ sicht darauf, glauben die Bergherren sie mit geringerem Lohn abspeisen zu können.— Das Wetzlarer Amtsblatt bemerkt dazu, der Streik dürfte„die bedauerliche Folge haben, daß der Betrieb der Grube„Uranus“ gänzlich eingestellt wird. Leider set auch sonst zu befürchten, daß der Streik zu dauernden Entlassungen führt.“— Das soll den Arbeitern jedenfalls Angst einjagen. Wenn die Grube für die Besitzer nichts abwirft, wird ste ohne Streik ebenso gut stillgelegt, wie viele Beispiele zeigen. Ebenso kann es jedem Arbeiter passteren. daß er dauernd entlassen wird, und wenn er Jahrzehnte ununterbrochen geschuftet und nie gestreikt hat. Die Herren hüten sich aber gewöhnlich. die Henne zu schlachten, die ihnen goldene Eier legt!
h. Das Gewerbegericht erledigte im verflossenen Jahre 46 Streitsachen; 19 Fälle wurden außerdem kurzer Hand, wie der Bericht sagt, durch die Gerichts⸗ schrelberei erledigt. Hoffentlich sind dabei die Rechte der Arbeiter nicht zu kurz gekommen. Als Kläger traten Arbeitgeber in 5, Arbeiter in 41 Fällen auf.
h. Ueber den Geschichtskalender des„Vor⸗ wärts“ entrüstet sich der Wetzlarer Anzeiger. Der Kalender triefe von Blut, denn er verzeichne alle Tage, an denen Attentate verübt worden seien. Nun, wir sind der Meinung, daß die patriotischen Kalender oder sonstige Ordnungsblätter, wenn sie die Daten von massenmörderischen Schlachten vermerken und sogar feiern, weit mehr von Blut triefen, als der Vorwärts⸗ Kalender. Was wird zum Beispiel am Sedanstage von den„Patrioten“ an blutrünstigen Artikeln und Reden geleistet! Dagegen wird z. B. die Hinrichtung des großfürstlichen Schurken Sergius von vielen rechtlich Denkenden als eine Heldentat und bis zu einem gewissen Grade als eine Wohltat angesehen werden, die verdient, in der Geschichte verzeichnet zu werden. Uebrigens bringt der Kalender weit mehr Daten von kulturgeschichtlicher als von revolutionärer Bedeutung.(Das ist ganz richtig. Und wir wollen, damit sich unsere Leser davon überzeugen können und wir es auch sonst für nützlich halten, den Geschichtskalender wieder veröffentlichen. Zu Nutz unserer Genossen und zum Aerger der Gegner! D. R.
B Pe Einwohnerzahl Wetzlars beträgt nach der letzten Volkszählung 12 279 Einwohner und zwar 6112 männliche und 6164 wetbliche. Bewohnte Ge⸗ bäude wurden 1465 gezählt.
k. In Krofdorf hat sich, wie früher schon mit⸗ geteilt, ein Bürgerverein gegründet, dessen einziger Zweck es zu sein scheint, Zwietracht in der Gemeinde zu säen, Zuerst versuchte er, die Zügel der Gemeinde⸗ verwaltung in die Hände zu bekommen, was ihm auch mit Hilfe des elenden Dreiklassensystems und der Gleich⸗ giltigkeit einiger Wähler zum Teil gelang. Danach kamen die Vorstands⸗ und Aufsichtsratswahlen in der Kreditkasse und dem Konsumverein. Hier herrscht gleiches Wahlrecht und so wurden sämtliche Anhänger des Bürger⸗ vereins, welche Vorstands⸗ und Aufsichtsratsämter be⸗ kleideten, durch andere Personen ersetzt. Auch Her r Lehrer Hofmann II., der Rechner in beiden Instituten,
wurde nicht wiedergewählt, was für ihn einen Einnahme⸗ Ausfall von jährlich 700 Mk. bedeutet und ihn viel⸗ leicht nicht gefreut haben mag. Nun zeigten sich aber die Leute vom Bürgerverein als besonders gute Christen. Sie gründeten eine neue Darlehnskasse und kündigten ihre Kapitalsen bei der Kreditkasse, um diese dadurch trocken zu setzen. Sie schnitten sich aber damit nur selbst in die Finger, denn nicht alle Bürgervereinler sind Kapitalisten, einige hatten auch Hypotheken bei der Kreditkasse aufgenommen und der Vorstand sah sich daher genötigt, diese zu kündigen, sehr zum Leldwesen der Betreffenden.— Die Hauptaktion sollte aber bei der Vorsteherwahl am 5. Januar vor sich gehen. Aber auch da lächelte den Schwarzen das Glück nicht, ihr Kandidat fiel gegen den bisherigen Bürgermeister Pfeifer durch, letzterer wurde mit 7 gegen 6 Stimmen wieder⸗ gewählt! Nun sind unsere Genossen für Herrn Pfeifer gewiß nicht begeistert, er ist ein Gegner von uns, was am besten der Umstand bewelst, daß wir die Wirtschaft seines Schwiegersohnes meiden, aber trotzdem stimmten unsere Gemeindevertreter für ihn, um den Sieg des ausgesprochen arbeiterfeindlichen Bürgervereins zu ver⸗ eiteln. Nun kommt aber das Schönste: der Vorsteher wurde am Sonntag als„Sozialdemokrat“ aus dem Kriegerverein ausgeschlossen! Damit nicht ge⸗ nug, lief man noch zum Landrat, um seine Nichtbestäti⸗ gung durchzusetzen. Und wohlgemerkt, die Leute wissen so gut, wie wir, daß Pfeifer nicht Sozialdemokrat ist. Dieselben Leute wollten aber einen ausgesprochenen Sozialdemokraten(Winter) zum Vorsteher in der Schwester⸗ gemeinde Gleiberg machen, wenn dieser als Gemeinderat für ihren Krofdorfer Vorsteher⸗Kandidaten stimmen würde! Wir meinen, das genügt.
l. In Gleiberg und Krofdorf wurden am Sonntag ebenfalls Protestversammlungen gegen die Tabaksteuer abgehalten, die sehr gut besucht waren. Auf Anweisung des überwachenden stellvertretenden Bürgermeisters mußten die anwesenden Franen die Versammlung verlassen. Der Mann sollte doch wenig⸗ stens das Gesetz kennen. Hoffentlich wird er vom Land⸗ rat auf die Beschwerde hin darüber belehrt.
— Eine Versammlung für das all⸗ gemeine Wahlrecht, wird Sonntag, den 21. Januar in Gleiberg stattfinden. Weiteres wird noch bekannt gegeben.
Westerwald und Anterlahn.
t Als Zentrums zuhälter zeigen sich die Stöckerleute im Dillkreis. Sie sammeln Unterschriften für eine Petitlou, in welcher die Einführunggder Konfesstonellen Volksschule auch für Hessen⸗Nassau gefordert wird.
Aus dem RNreise Marburg⸗Kirchhain.
* Auf zur Flugblattverteilung! Unsern Parteifreunden ist bekannt, daß an diesem Sonntag eine allgemeine Flugblattver⸗ teilung stattfinden soll. Diese muß so all⸗ gemein und gründlich wie nur möglich geschehen; deshalb müssen sich alle Kräfte zur Verfügung stellen. Jeder Genosse muß es sich zur Ehre anrechnen hier mitzuhelfen. Die Ausgabe der Flugblätter findet diesen Samstag im Lokale Jesberg von Abends 8 Uhr ab statt.
Das Stadtoberhaupt, Geheimrat Schüler, feierte seinen 70. Geburtstag. Aus Anlaß dessen be⸗ willigten die Stadtväter 30000 Mk. zur Errichtung einer„Schüler⸗Stiftung“.— Außerdem schenkte Herr Gutsbesitzer Hoffmann der Stadt ein Gelände im Werte von 100000 Mk. Dadurch wird voraussichtlich ein neues Stadtviertel am Krummbogen entstehen und Herr Hoffmann seine dort gelegenen Bauplätze eher zu guten Preisen an den Mann bringen, als das jetzt der Fall ist.
* Stadtverordneten versamm⸗ lung. In der vorigen Woche stattgefundenen Stadtverordnetensitzung wurde der seitherige Stadtverordnete Justizrat Dörffler wieder zum Vorsitzenden gewählt, während Herr Rechts⸗ anwald Rothe Stellvertreter wurde. Daran schloß sich eine 2 stündige geheime Sitzung an, der auch der Magistrat teilnahm.
„Eine„Flottendemonstration“ hlelten die Marburger Studenten ab. Sie ließen sich von dem Vorfitzenden des Reichsverbands der Sozialistentöter eine große Flottenpauke halten. Das Bezahlen der W überlassen die patriottschen Jünglinge dem
'olke.
O Einen„schweren Jungen“ glaubte unsere Poltzet in voriger Woche er⸗ wischt zu haben, indem sie einen Metzgergesellen einsteckte, welcher von der Staatsanwaltschaft zu Weimar steckbrieflich verfolgt wurde. Es stellte sich jedoch heraus, daß der Mann, der übrigens wegen dieser Sache schon einmal ver⸗
haftet worden war, auf einen unbewiesenen Ver⸗ dacht hin steckbrieflich verfolgt worden war, und nun also bereits zweimal unschuldig verhaftet worden ist.
OAIn den Landgemeinden unseres Kreises finden die regelmäßigen Ergänzungs⸗ wahlen zur Gemeindebertretung im März statt. Die Ausschreibung derselben ist bereits im Kreisblatt erfolgt. Für unsere Genossen ergibt sich daraus die Pflicht, in eine rege Agitatton für diese Wahlen einzutreten und namentlich für Aufklärung der in Betracht kommenden Wählerschichten Sorge zu tragen.
* Hochwasser war infolge der starken Regengüsse der letzten Tage in ganz Westdeutschland eingetreten. Mosel, Lahn, Main, Neckar hatten vielfach die Ufer überschwemut.
Mit Golddiebstählen
hatte sich in der letzten Zeit das Hanauer Ge⸗ richt viel zu befassen. Es wird deswegen und wegen Hehlerei eine Menge Leute, die meist in den dortigen Goldwarenfabriken beschäftigt sind, abgeurteilt we den und viele befinden sich noch in Untersuchung. Einer der Beschuldigten hat sich dieser Tage erhängt.
Soziales.
Bergarbeiter! Die Siebenerkom⸗ misston beruft auf den 11. und 12. Febr. 1906 eine preußische Konferenz der organisterten Bergarbeiter ein.— Die Kon⸗ ferenz beginnt am 11. Februar, vormittags 9 Uhr, ihm Saale des Herrn van de Loo in Essen.— Tagesordnung: 1. Stellungsnahme zum Knappschaftsgesetzentwurf. 2. Forderung eines Reichsberggesetzes. 3. Stellungsnahme zur Lohnfrage infolge der allgemeinen Teuerung.
Partei-Uachrichten.
Ein unerhört hartes Urteil wurde von dem Fraukfurter Landgericht gegen unsern Genossen Redakteur Quint von der Voltsstimme gefällt. Wegen Abdruck eines Artikels aus dem Berliner Tageblatt, in welchem von einer Verbindung des Kolonialdirektors Stübel mit der Bank Firma Tippelskirch die Rede war, wurde Quint zu der ungeheueren Strafe von 6Mo naten Gefäng⸗ nis verurteilt. Noch schlimmer erging es unserem Genossen Löbe von der Breslauer„Volkswacht“. Er wurde wegen„Aufreizung zu Gewalttätigkeiten“, die
system enthalten sein sollen zu einem Jahr Gefäng⸗ nis verurteilt. Wer etwa bestreiten sollte, daß in Deutschland Klassenjustiz geübt wird, der dürfte durch das Urteil zu anderer Ansicht kommen.
Versammlungskalender. Samstag, 13. Januar.
Gießen. Wahlverein. Abends 9 Uhr Ver⸗ sammlung bei Orbig. Rödgen. Wahlverein. Versammlung Abends
½9 Uhr bei Wirt Balser. Zahlreich ersche inen. Steinberg. Wahlverein. Abends ½9 Uhr Ver⸗ sammlung im„grünen Baum“. Samstag, den 20. Januar. Hausen. Arbeiter⸗Verein. Abends 8 ½ Uhr General Versammlung bei Wirt Wallbott. Alle Mitglieder werden um ihr Erscheinen ersucht.
Briefkasten. Nach Staufenberg. Die Angelegenheit ist zu wenig 92 allgemeinem Interesse. Es hat auch nichts zu bedeuten und laßt uns völlig kalt, wenn irgend ein Schlappmaul die Mitteldeutsche ein Schundblatt nennt. Lassen wir ihn laufen!— K.⸗Lgnbghm. In Ihrem Falle handelt es sich um öffentlich bemerkbare Arbeit am Sonntag, in den andern Fällen eben nicht.
Empfehlenswerte soßialffische Schriften:
Von der Expedition der Mitteld. Sonnt.⸗Zeitung Gießen Rittergasse 17, sind zu beziehen:
eue Zeit. Wochenschrift der deutschen e e ein Heft. Preis 25 Pfg. Generalstreik und Sozialdemokratie. Von Henriette Roland⸗Ho st. Mit Vorwort von Kautsky. Preis 1.20 Mk.
Wah Witzblätter.
rer Jakob; Süddeutscher Postillon. Erscheinen alle 14 Tage. Preis 10 Pfg.
in einem Artikel gegen das preußische Dreiklassenwahl⸗


