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Nr. 32.
Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.
Seite 5.
innung in Limburg mit 19 gegen 3 Stimmen beschlossen, sich aufzulösen, trotzdem der anwesende Landrat wünschte, die Innungsmitglieder möchten sich die Sache noch ein⸗ mal überlegen. Die Meister werden wohl ein Haar in der Innung gefunden haben. Die Handwerker lernen nach und nach erkennen, daß das von den Mittelstands⸗ rettern als Gnadenbrocken hingeworfene Innungsgesetz den Handwerker nicht vor dem Ruin schützt, wohl aber ihn an Händen und Füßen bindet. Es tagt auch schließ⸗ lich in dem schwärzesten Winkel!
Aus dem RNreise Marburg⸗Rirchhain.
* Um Irrtümmer zu vermeiden. Herr Schreinermeister Hch. Textor, Wörthstr. 12 ersucht uns, die in letzter Nr. enthaltene Notiz„Schöffengericht“ dahin zu erläutern, daß der verurteilte Schreinermeister Karl Textor am Pilgrimstein wohnt, mit ihm(Och. Textor) also nicht zu verwechseln ist.
Die öffentliche Gewerkschaftsversamm⸗ lung am Dienstag war recht gut besucht. Genosse Dißmann⸗Frankfurt sprach über die Bedeutung der Gewerbegerichte. Da am 1. Januar n. J. in Marburg ein Gewerbegericht errichtet wird, so war eine Aufklärung darüber wirklich nötig. Dißmann erledigte sich seiner Aufgabe zur vollen Zufriedenheit. Er besprach, nachdem er in großen Zügen die Entstehung der Gewerbegerichte klarlegte, besonders die Marburger Verhältnisse. Am Schlusse seiner Ausführungen besprach er die Arbeiter⸗ bewegung im Allgemeinen und forderte zur lebhaften Agitation für die gewerkschaftliche und politische Be⸗ wegung, sowie für die Parteipresse auf.
* Die Lohnbewegungen der Schreiner und Bauhilfsarbeiter sind am Samgtag beendet worden. Beide Berufe nehmen die Arbeit bedingungs⸗ los wieder auf. Während die Bauunternehmer die Streikenden wieder einstellten, find bei den Schreinern nur 11 Mann eingestellt worden, während man den übrigen mitteilte, daß ihre Plätze besetzt und sie daher auf Stellung nicht mehr zu rechnen brauchten. Doch es dürfte ihnen nicht schwer fallen, jetzt anderwärts Be⸗ schäftigung zu erhalten. Von den Landorten der Um⸗ gebung hatten sich zahlreiche Streikbrecher eingefunden, wodurch die Bewegung scheiterte.
* Konsum verein. Die am Samstag abge⸗ haltene Generalversammlung war leider sehr schlecht besucht. Geschäftsführer Fischer erstattete den üblichen Geschäftsbericht, aus dem die sehr erfreuliche Tatsache zu entnehmen war, daß die Mitgliederzahl auf über 600 angewachsen ist. In der Diskussion wurde besonders der Artikel in der Mitteld. Sonntags⸗Ztg. über die Bierverteuerung besprochen. Fast alle Redner fanden es eines Genossenschaftlers unwürdig, öffentlich in der Zeitung über Dinge herzuziehen, die vor allem dem Vorstand als Beschwerde überweisen werden sollten. So aber müsse man annehmen, daß es auch Mitglieder gäbe, welche ihren eigenen Verein öffentlich in Mißkredit bringen. Daß solche Mitglieder der günstigen Weiter⸗ entwicklung des Vereins nicht förderlich sind, sollten vor allem die Berufsnörgler einsehen.— Bei der Neuwahl zum Vorstande wurde der bisherige Kassierer Gustav Rohr wiedergewählt. In den Aufsichtsrat wurden Herr Schäfer und Schätzle gewählt.
— Zur Bierpreiserhöhung im Konsumverein, die in der Einsendung mit der Stichmarke„Teure Zeiten“ in voriger Nummer abfällig kritistert wurde, sendet die Verwaltung des Konsumvereins Marburg eine Zuschrift von solcher Länge, daß wir nicht in der Lage sind, sie unverkürzt aufzunehmen. Vor allem haben wir daher zahlreiche, gegen den Einsender der erwähnten Rotiz gerichteten persönlichen Spitzen ausgemerzt. Wir müssen überhaupt dagegen Verwahrung einlegen, daß diesem vorgeworfen wird, es sei ihm darum zu tun gewesen, den Verein in Mißkredit zu bringen. Er hat in durch⸗ aus sachlicher Welse Kritik geübt, die auch von anderen Mitgliedern und auch von uns als berechtigt anerkannt wurde.— Die Zuschrift lautet:
„Die einfache Tatsache, daß der Marburger Konsum⸗ verein sein Flaschenbiergeschäst anders gestaltet hat, weil er bei der früheren Einrichtung nicht auf die Kosten kam, wird benutzt, um die Verwaltung so hinzustellen, als trete sie die Interessen der Arbelterschaft und der Konsumenten mit Füßen, mache den organisierten Ar⸗ beitern Versprechungen, die sie in der Praxis in das Gegenteil umkehre. Bei der Konstatierung, daß das Bier im Marburger Konsumverein um 8 Pfg. pro Liter teurer geworden ist, wird vorsichtigerweise verschwiegen. daß man trotzdem das billigste Bier in Marburg kauft, denn während man im Konsumverein für das Liter Bler 25 Pfg. bezahlt, nehmen z. B. die Wirte 31 bis 40 Pfg. für das Liter. Hätte der Artikel⸗ schreiber nun die Wirte hergenommen und von diesen verlangt, daß ste mit dem Bier abschlagen sollten, so wäre das immerhin noch eher zu begreifen, als diese Gelegenheit zu benutzen, sich an der Verwaltung zu reiben. Dieselbe hat die Mitglieder über ihr Vor⸗ haben keineswegs im Zwelsel gelassen, und in ver⸗ schiedenen Versammlungen in dieser Beziehung Er⸗ klärungen abgegeben, ohne daß auch nur ein Mitglied
Bedenken dagegen geäußert hätte. Hätte es der Artikel⸗ schreiber ehrlich gemeint, so wäre er in den Versamm⸗ lungen dem Vorhaben der Verwaltung entgegengetreten. Aber hier treffen wir des Tadels Kern. Er hätte dann die Verwaltung nicht öffentlich angreifen können, und die Gegner der Genossenschaftsbewegung wären um ein Argument ärmer gewesen. Um den Konsumverein bei den organisierten Arbeitern in Mißkredit zu bringen, wird angezogen, daß man sich die Bierverteuerung nur gefallen lasse, wenn das Bier aus einer Brauerei stammt, wo in bezug auf Organisation und Behandlung der Arbeiter geordnete Zustände herrschten. Inwieweit die Verwaltung eines Konsumvereins für die Zustände in einem Privatbetrieb verantwortlich gemacht werden kann, weiß unser guter Freund wohl selber nicht. Aber sicher weiß er, daß die hiesige Arbeiterschaft kein anderes als hiesiges Bier trinken mag und infolgedessen der Kon⸗ sumverein gezwungen ist, will er sein Biergeschäft einiger⸗ maßen forcieren, hiesiges Bier zu führen. Unbekannt ist ihm jedenfalls auch nicht, daß schon vor einem Jahr einmal auf Drängen verschiedener„Radikaler“ ein Ver⸗ such gemacht wurde, Bier aus einer Brauerei zu beziehen, wo nach ihrer Meinung bessere Zustände herrschten, und zwar aus der Aktienbrauerei SchöfferhofKassel. Der Erfolg war aber der, daß die Verwaltung dieses Bier selbst trinken konnte und der Verein durch Verderben ansehnliche Verluste erlitt. Wenn in irgend einem Privatbetriebe für die Arbeiter schlechte Zustände herrschen, so sind unserer Meinung nich doch zuerst die dort be⸗ schäftigten Arbeiter die Schuld. Konsequenz scheint übrigens die starke Seite des Einsenders nicht zu sein. Zum Schluß fordert er nämlich die Marburger Arbeiter indirekt auf, dies verteuerte Bier des Marburger Konsumvereins nicht zu trinken. Das noch viel teurere Bier der hiesigen Wirte aber und der Flaschen⸗ bierhändler soll demnach einen Mehrumsatz erfahren, damit der„millionenreiche Unternehmer“, wenn der Bier— umsatz im Konsumverein zurückgeht, keine Einbuße er⸗ leidet. Daß in der betreffenden Brauerei in letzter Zeit Arbeiterbewegungen stattgefunden haben, weiß wohl außer dem Artikelschreiber niemand. Bekannt dürfte allerdings sein, daß vor einiger Zeit ein größerer Arbeiterwechsel in der betr. Brauerei stattfand. te Veranlassung hierzu wird allerdings verschieden darge⸗ stellt. Warum sorgt nun unser„Freund“ nicht dafür, daß sich das Gewerkschaftskartell mit der Angelegenheit befaßt und die Sache klarstellt. ist es keine Streikbewegung, wenn einige Arbeiter aus irgend einem Grunde die Arbeit niederlegen und dann den Schauplatz ihrer Taten verlafsen. Alles in Allem genommen, dürfte der Zweck unseres lieben„Freundes“,
den Konsumverein oder dessen Leitung bei der hiesigen
Arbeiterschaft in Mißkredit zu bringen, nicht erreicht werden, denn die Marburger Arbeiterschaft weiß zur Genüge, welche Vorteile ihr der Konsumverein schon gebracht hat und bei weiterem Streben und gutem Zusammenhalt noch bringen wird. Unsere„Freunde“ sind jedoch unsere ärgsten Feinde, und denen werden wir in Zukunft eine verstärkte Aufmerksamkeit widmen. 5 Franz Fischer, Geschäftsführer.
Partei-Uachrichten.
Reichstagskandidatur. Genosse Hüttmann, Gauleiter der Maurer und Stadtverordneter in Frank⸗ furt a.“ M. wurde von der Genralversammlung des
sozialdemokratischen Wahlvereins für den Kreis Kassel⸗
Melsungen einstimmig als Reichstagskandidat auf⸗ gestellt.
Hessisches Parteisekretariat. Genosse David hat einen Echolungsurlaub bis zum 23. August an⸗ getreten. Der Landeskassterer, Genosse Joh. Or b. Offen⸗ bach a. M., Friedrichstr. 24, verwaltet inzwischen ver⸗ tretungsweise das Parteisekretariat. Zusendungen sind für diese Zeit an ihn zu richten.
Zur Landes⸗ Konferenz in Mühlheim. Mit dem Heutigen hat die Versendung des Berichts des Landes⸗Komitces, des Landes⸗Sekretariats, des Landes Kassierers und der Landtags-Fraktion an die Adressen der Kreis vorstände stattgefunden. Dieselben wollen dafür sorgen, daß den Delegierten ihres Kreises zur Landes⸗Konferenz das Material sofort zugestellt wird. Delegterte, die dabei übersehen werden, wollen sich direkt an den Genossen C. Ulrich, Gr. Marktstraße 23, wenden.
Offenbach, 7. August 1906.
Das Landeskomitee.
Zur Landeskonferenz der Soztaldemokratie Hessens.
Die Berichte des Landeskomitees, des Partei⸗ sekretärs und der Landtagsfraktion sind erschienen. Wir können infolge unserer Raumberhältnisse erst in nächster Nr. Auszüge daraus wiedergeben. Weitere Anträge zur Landeskonferenz.
Die Kreiskonferenz des Wahlkreises Fried⸗ berg⸗Büdingen hat betr. der Grenzstreltig⸗
Unserer Ansicht nach
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keiten der Presse beschlossen, in Anbetracht der gewerkschaftlichen, sowie wirtschaftlichen Bezieh⸗ ungen zu Frankfurt, an dem seitherigen Organ, der Frankfurter Volksstimme festzuhalten. Um jedoch ein Organ zu erhalten, welches neben unseren wirtschaftlichen und gewerkschaftlichen Interessen unsern hessischen Verhältnissen mehr Beachtung schenken kann, wünscht die Konferenz, der Frage einer Verschmelzung der für uns in Betracht kommenden Organe zu einem Zentral⸗ Organ für Hessen bezw. Hessen⸗Nassau näher zu treten und dies bet der hessischen Landes⸗ konferenz in Mühlheim zu beantragen, damit die Streitigkeiten über die Presse endgültig gehoben werden.
Die Kreiskonferenz des Kreises Friedberg⸗ Büdingen beantragt, die Landeskonferenz be⸗ auftragt die sozialdemokratische Landtagsfraktion dahin zu wirken, daß künftig in den Lehrplan der Fortbildungsschulen ein Unterricht über die soziale Gesetzgebung, Kranken-, Unfall- und Invaliditätsversicherung eingeführt werde.
Die Kreiskonferenz des Kreises Darmstadt— Groß⸗Gerau in Gräfenhausen beantragt, die Landeskonferenz in Mühlheim wolle beschließen: Die Landtagsfraktion zu beauftragen, im Land⸗ tag dahin zu wirken, daß auch den Abgeord— neten, die in Darmstadt wohnen, der übliche Diäten satz gewährt werde.
Die Kreiskouferenz des Kreises Friedberg beantragt: Die Landeskonferenz wolle beschließen: Der Parteibeitrag beträgt pro Monat 25 Pfg. Davon erhält der Parteivorstand 5 Pfg., das Landeskomitee 5 Pfg. und die Kreisorgani⸗ sation 15 Pfg. Für zurückgebliebene Gegenden oder bei besonderen Verhältnissen kann ein ge⸗ ringerer Beitrag gestattet werden.
An die Parteigenossen der Orte Hausen, Garbenteich, Watzenborn⸗Steinberg, Großen⸗Linden und Leihgestern!
Gemäß des Beschlusses der vorjährigen Bezirks⸗ konserenz beruft der unterzeichnete Vorstand auf
Sonntag, den 12. August, nachmittags 3 Uhr, in das Lokal„Zum grünen Baum“ in Steinberg eine Bezirkskonferenz ein.
Tagesordnung: 1. Die Landeskonferenz in Mühlheim. 2. Stellung von Anträgen und Delegiertenwahl.
Parteigenossen! In Anbetracht der Wichtig⸗ keit der Tagesordnung ist es notwendig, daß eine zahl⸗ reiche Vertretung aller in Betracht kommenden Orte erfolgt. Mit Parteigruß
Der Vorstand des sozialdemokratischen Wahlvereins Steinberg
Wersammlungskalender.
Samstag, den 11. August. Friedberg. Wahlverein. Abends ½9 Uhr Versammlung in der„Konkordia“. Gießen. Wahlverein. Abends 9 Uhr Ver⸗ sammlung bei Orbig.
Heuchelheim. Arbeiterbildungsverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Wirt K. Stumpf. Lollar, Wahlverein. Abends 9 Uhr Ver⸗
sammlung bei Wirt Schupp. Launsbach. Freie Turnerschaft. 9 Uhr Versammlung bei Wirt Ko m p. Wieseck. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bei Wacker. Sonntag, den 12. August. Gießen. Allgemeine Gewerkschafts⸗ Versammlung.
Nachmittags 3 Uhr bei Orbig. Tagesordunng: 1. Abänderung des Regulativs; Antrag der Metallarbeiter. 2. Saal⸗ frage. Hausen. Arbeiter⸗Verein. Nachmittags 3 Uhr General⸗Versammlung bei Wirt Wallbott. Heuchelheim. Tabakarbeiter. Nachmittags 3 Uhr Versammlung bei Aug. Rinn.
Heuchelheim. Turnabteilung. ½3 Uhr Versammlung im Turnlokal.
Nieder⸗Eschbach. Wahl verein. Nachmittags ½4 Uhr Mitgliederversammlung bei Wilh. Holz.
Ober Ohmen. Arbeiter⸗Wahl⸗Verein. Nachmittags 4 Uhr außerordentliche General-Ver⸗ sammlung.
Reißkirchen. Arbeiterverein. Abends 9 Uhr General⸗Versammlung bei Wirt Wild.
Sonntag, den 19. August.
Alsfeld. Wahlverein. Nachmittags 4 Uhr Mit⸗
gliederversammlung im„Stadtpark“.
Briefkasten. Viele Zuschriften mußten zurückgestellt werden
Abends
Nachmittags
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