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Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung.
Seite 5.
— Der Stock als Erzieher. Aus Klein⸗ Linden wird uns berichtet, daß der Lehrer Möller vor etwa 4 Wochen den 13 jährigen Sohn des dortigen Bürgers Ludwig Weller dermaßen über den Kopf schlug, daß der Junge jetzt noch schwer krank an Ge⸗ hirnerschütterung darnieder liegt. Und jetzt noch ist sein Zustand so bedenklich, daß der Arzt an seinem Aufkommen zweifelt. Herr Möller ist aus Angersbach, er amtierte vorher in Alten⸗Buseck. Wir geben ja gerne zu, daß es oft auch an den Kindern liegt, wenn ein Lehrer in Zorn gerät, aber so weit sollte sich doch kein Erzieher vergessen, daß er die ihm Anvertrauten halb tot oder zu Krüppeln schlägt. Es sollten sich aber auch die Eltern angelegen sein lassen, die Lehrer nach Mög⸗ lichleit zu unterstützen und nicht, wle es leider oft vor⸗ kommt, den trotzigen oder unartigen(was„trotzig und unartig“ ist, darüber gehen zwar die Meinungen aus⸗ einander; ein gesunder Trotz ist beim Kinde durchaus nicht vom Uebel) Kindern Rückhalt gewähren. Herr Möller scheint allerdings Vorliebe für den Bakel zu haben. Wir empfehlen ihm die Anschaffung der im „Vorwärts⸗Verlage erschtenene Broschüre:„Wie sollen wir unsere Kinder ohne Prügel erziehen“, die in unserer Expedition für 30 Pfg. zu haben ist. Dieses Büchelchen ist überhaupt für alle Eltern sehr lesenswert; wir machen bei dieser Gelegenheit auch unsere Genossen darauf auf⸗ merksam.— Der Fall beschäftigt bereits die Staats⸗ anwaltschaft, wie uns noch weiter mitgeteilt wird. Dann sei noch hinzugefügt, daß der Lehrer den Jungen nicht mit dem Stock, sondern mit der Faust auf den Kopf geschlagen hat.
— Die Versammlung in Leidhecken am Sonntag war gut besucht. Nach dem Vor⸗ trage des Genossen Vetters wurde die Grün⸗ dung eines Wahlvereins für Leidhecken, Blofeld und Bisses beschlossen. Ueber 20 Anwesende erklärten sofort ihren Beitritt.
Aus dem Rreise Wetzlar.
* Kreisblattliches. Der„Wetzlarer Anzeiger“ fühlt sich veranlaßt, auf unseren Artikel in voriger Nummer einiges zu erwidern. Hören wir, was das Kreisblatt zu sagen hat:
„Das Gießener Sozialdemokratenblatt, die„Mittel⸗ deutsche Sonntagszeitung“ bringt in seiner neuesten Nummer eine schon vor 3 Wochen angekündigte Erwide⸗ rung auf einen Artikel, der bereits vor einem Monat oder länger im„Wetzlarer Anzeiger“ erschienen ist. Inhaltlich ist diese„Erwiderung“ so lendenlahm wie nur möglich; dafür fehlen die üblichen Schimpfwörter wie„Reptil“,„Lakai“,„Büttel“ und dergl. mehr natür⸗ lich auch diesmal nicht. Lassen wir sie! Man weiß ja, ohne derartige Anwürfe kann die sozialdemokratische Presse einmal nicht leben, und bleibt vollständig kalt dabei. Auch über die Geschmacklosigkeit, die Schimpfe⸗ reien von soztaldemokratischen Redakteuren mit dem Leben und Tun des Heilandes in Parallele zu stellen, soll nicht gestritten werden. De gustibus non est dispu- tan dum!“ Daß aber die„M. S.“ die staatliche Arbeiter⸗ versicherung„niemals wegwerfend behandelt“ haben will, wird ihren eigenen Parteigenossen neu sein. Wünscht sie vielleicht Zitate? Wenn schließlich die„M. S.“ den Kreisblättern die Eigenschaft einer„eigenen Meinung“ bestreitet, so hätte sie besser getan, eine solche Behauptung in einem Augenblicke zu unterlassen, wo die Affäre der„Vorwärts“⸗Redakteure, die„hinausfliegen“ mußten, gerade weil sie eine„eigene Meinung“ haben, weil sie der Ordre„von oben“, d. h. den Befehlen der Parteigewaltigen Herren Bebel und Singer„nicht parieren“ wollten, noch in der allerfrischesten Erinnerung ist. Wer in einem Glashause sitzt, soll am allerwenigsten mit Steinen werfen.“
Wenn das Blatt glaubt, mit den letzten Bemerkungen einen Trumpf auszuspielen, müssen wir ihm schon sagen, daß es gehörig daneben haut. Entweder kennt es die Sache nicht, oder es entstellt bewußtermaßen. Der Vorwärts⸗Konflikt führte zur Entlassung der Redakteur⸗Mehrheit, weil diese das Blatt zur Verfechtung ihrer persönlichen Ange⸗ legenheiten benutzte. Niemals erlaubt sich ein einzelner Parteigenosse, einen Einfluß auf ein Parteiorg en auszuüben, es würde sich auch kein sozialdemokratischer Redakteur solches bieten lassen! Dieser besitzt vielmehr— das haben viele angesehene bürgerliche Preßleute 1 an⸗ erkannt— völlige Freiheit; innerhalb des Rahmens des Parteiprogramms natürlich. Es ist selbstverständlich, daß es einem Redakteur in unserer Presse unmöglich wäre, da etwa konser⸗ vative oder Kreisblatt-Polttik zu verzapfen. Immer untersteht er aber den Beschlüssen der zuständigen Parteikörperschaften, die im Auf⸗ trage der Gesamtheit handeln. Wenn
* Ueber den Geschmack ist nicht zu streiten.
also der„Wetzl. Anz.“ davon redet, daß die damaligen Vorwärts⸗Redakteure entlassen wor⸗ den wären, weil ste eine eigene Meinung ver⸗ treten, oder den„Befehlen“ einzelner Partei- genossen„nicht pariert“ hätten, so ist das un⸗ sinnig und un wahr. Also wir bleiben dabei: die Kreisblätter unterordnen ihre Meinung der⸗ jenigen des Landrats oder wirklichen oder ein⸗ gebildeten Bürgermeistern.„Was in den Kreis⸗ blättern steht, hat nichts zu bedeuten“, so sagte selbst der Redakteur des Offenbacher Amtsblattes Franz Beer und der muß es doch wissen. Es ist auch ganz bedeutungslos, was der „Anz.“ uns hier geantwortet hat.
b. Ueber die Agitation der Stöckerleute stand im Kreisblatt zu lesen:„An verschiedenen Orten, so in Kinzenbach und in Aßlar kam es dabei zu Zusammenstößen mit den Sozialdemokraten, welche unter Führung von Gießener Genossen, Redakteur Vetters usw. erschienen waren. Im großen und ganzen kann man sagen, daß die christlich⸗sozialen Redner dabei nicht übel abgeschnitten haben, denn die sozialdemokratischen Ueber⸗ treibungen und Verlästerungen von allen möglichen Dingen werden nachgerade jedem denkenden Menschen, der nicht unrettbar im Banne der roten Partei steht, zuwider.“ Wer das dem Anzeiger geschrieben hat, weiß also noch nicht einmal, wo die Versammlungen statt⸗ gefunden haben, er weiß aber, daß die Stöcker'schen „nicht übel abschnitten“! In Aßlar war nämlich gar keine Versammlung; wir wissen wenigstens nichts davon, daß dort Parteigenossen gewesen wären. Und wenn da von„sozialdemokratischen Uebertreibungen“ ge⸗ faselt wird, so ist das einfach Blödsinn. Umgekehrt ist richtig! Gerade von den sogenannten„Christlichen“ wurde an Uebertreibungen nicht nur, sondern in Ver⸗ läumdungen und Schimpfereien Unglaubliches geleistet. Gegenüber den Leistungen der Stöcker'schen wird jeder Unbefangene die sozialdemokratische Agitation als sehr sachlich und anständig bezeichnen müssen.
h. Einen einträglicheren Posten hat sich der bisherige Generalsekretär der nattonalliberalen Partei, Dr. Johannes, in Köln gesucht. Er ist, wie be⸗ richtet wird, in den Vorstand des Stahlwerks⸗Verbandes in Düsseldorf ein getreten. Dr. Johannes trat öfters im Wetzlarer Bezirke als Redner auf. Vielleicht ist er zu der Einsicht gekommen, daß es klug ist, das national⸗ liberale Schiff zu verlassen, das ziel⸗ und steuerlos auf den politischen Wellen treibt.
h. Die Brotpreise sind ab 1. März erhöht worden und zwar bis zu 5 Pfg. der Laib. Auch von andern Städten wird Preis⸗ erhöhung berichtet, die auf das Inkrafttreten des Zolltarifs zurückgeführt wird.
h. Zur Märzfeier finden Sonutag, den 18. März in Bleiberg und Launs bach Versammlungen statt. In ersterem Orte bei Wirt Feußer, in Launsbach in der Gast⸗ wirtschaft von Ko mp.— Die Redner in diesen Versammlungen werden die Bedeutung der 48 er behandeln.
Westerwald und Anterlahn.
n. Die Gemeindevertreterwahl in Nieder s⸗ hausen findet Montag, den 12. März, von 10—11 Uhr vormittags statt. Unsere Kandidaten in der dritten Klasse sind: Theodor Schmidt, Former und Hermann Weber, Maurer. Alle Parteifreunde und Arbeiter müssen sich an der Wahl beteiligen und ein kleines Opfer an Zeit bringen. Es ist unbedingt nötig, daß endlich einmal ein anderer Geist in die Gemeindevertretung einzieht; es ist, wie jeder weiß, in sehr vielen Din gen eine Besserung zu schaffen. Seid deshalb alle zur Stelle und wählt unsere oben bezeichneten Kandidaten!
Aus dem Rreise Marburg⸗RNirchhain.
Ueber die Schulfrage spricht diesen Sams⸗ tag Dr. Penzig⸗ Charlottenburg in einer öffentlichen Volksversammlung, die im Lokale Hildemann abends punkt 9 Uhr stattfindet. Das Thema lautet: „Die rein weltliche Schule— Konfessions- oder Moral⸗ unterricht?“ Herr Dr. Penzig ist Herausgeber der Zeit⸗ schrift„Ethische Kultur“. Unter seinen vielen Schriften, seien folgende besonders erwähnt:„Ernste Antworten auf Kinderfragen“.— Zum Kulturkampf um die Schule.“—„Massenstreik und Ethik“ usw.— Es darf wohl erwartet werden, daß die Genossen mit ihren Frauen und Freunden recht zahlreich in dieser Ver⸗ sammlung erscheinen.
* Wenig christliche Nächstenliebe bekundete neulich ein Marburger Geistlicher. Er saß in der Pferdebahn, als auch ein alter schwächlicher Manu aufstieg, um sich für sein Geld nach dem Bahnhof befördern zu lassen. Einige Passagiere halfen ihm in den Wagen, es regnete nämlich furchtbar. Kaum hatte sich
der Mann gesetzt, da traf ihn der gestrenge Blick des Herrn Geistlichen. Mit barscher Stimme fuhr er ihn an und sprach:„Na, Sie könnten aber auch laufen!“ Der arme alte Mann wurde bleich vor Schrecken und die übrigen Passagiere, welche wahrlich keine Sozialdemokraten waren, entrüsteten sich ebenfalls über dieses sonderbare Benehmen des Herrn Geistlichen. Der Maun hat sich aber vorgenommen, nicht mehr in die Kirche zu gehen. Cortsetzung siehe Seite 6.)
Partei-Machrichten
Parteipresse. Die„Leipziger Volkszeitung“ hat es jetzt auf 40000 Abonnenten gebracht; in den letzten Monaten, seit Beginn der Wahlrechtsbewegung, hat sie einen Zuwachs von 3000 erhalten, den sie vornehmlich der Justizhetze zuschreibt, der sie in jüngster Zeit aue⸗ gesetzt war. Hoffentlich hält der Aufschwung des Partei⸗ blattes auch weiter an!
Versammlungskalender. Samstag, 10. März.
Gießen. Wahlvereln. Abends 9 Uhr Ver⸗ sammlung bei Orbig.
Heuchelheim. Arbeiterbildungsverein. Abends 8 Uhr Versammlung bei Wirt Karl Steinmüller. T. O.: Bericht von der Kreiskonferenz; Maifeier Verschiedenes.
Staufenberg. Volks verein. Abends 8/ Uhr Ver⸗ sammlung bei Wirt Geiß ler.
Watzenborn⸗Steinberg. Wahlverein. Abends 8 Uhr Versammlung im Lokale„Zur Wetterau“ T.⸗O.: Bericht von der Kreiskonferenz.
Garbenteich. Arbeiter⸗Bildungs⸗Verein. Abends 8½ Uhr Versammlung bei Heinr. Freund.
Wetzlar. Wahlverein. Abends ½9 Uhr, Ver⸗ sammlung im Gasthaus„Zur Glocke“.
Montag, den 12. März.
Gießen. Schneider verband.
Versammlung bei Orbig. Sonntag, den 18. März.
Hausen. Arbeiter⸗Verein. Nachmittags 3 Uhr Mitglieder⸗Versammlung bei Wirt Wallbott. Pünktlich eischeinen
Großen⸗Buseck. Wahlverein. Nachmittags ½3 Uhr Versammlung bei Wirt Wagner, März⸗
feier und Verschiedenes.
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Briefkasten.
Wtzlr. Es ist schon besser, wenn die Versammlungen jedesmal einzeln angegeben werden, weil sehr leicht Jer⸗ tümer entstehen und oft auch ein anderer Tag festgesetzt wird.
Abends 9 Uhr
Die Neue Zeit. Wochenschrift der deutschen Sozlaldemokratie. Allwöchentlich ein Heft. Preis 25 Pfg. Handelspolitik und Sozialdemokratie. Von Karl Kautsky. Eine populäre Darstellung der handelspolitischen Streitfragen. Preis 30 Pfg.
Wider die Pfaffenherrschaft. Kulturbilder aus den Religionskämpfen des 16. und 17. Jahr⸗ hunderts. Reich illustriert. von Emil Rosenow. In Heften zu 20 Pfg. komplett in 50 Heften.
Sozialdemokratisches Reichstagshandbuch. Von Max Schippel. Ein Führer durch die Zeit⸗ und Streitfragen der Reichspolitik. In 37 Lieferungen à 20 Pfg. Gebunden 2 Mk.
Der Zukunftsstaat der Junker. Man⸗ teuffeleien gegen die Sozialdemokratie im preußischen Herrenhaus. Mit Einleitung und Anmerkungen von Kurt Eisner Preis 20 Pfg.
Freie Stunden. Beste Romanlitteratur. Illu⸗ striert. Wöchentlich ein Heft A 10 Pfg.
Die Volksschule, wie sie sein soll. Von Otto Rühle. Preis 30 Pfg.
Die zehn Gebote und die besitzende Klasse. Von Adolf Hoffmann, Berlin. Preis 30 Pfg. Das Schriftchen ist besonders geeignet, die Arbeiter über die heutigen Zustände und die sittlich⸗ religtöse Heuchelei der herrschenden Klassen aufzuklären, die Schreib weise ist packend und dem Verständnis der Arbeiter angepaßt.
Marktbericht.
Auf dem Wochenmarkt in Gießen kosteten am 6. März: Butter per Pfund Mk. 1,00—1,05, Hühnereier 1 St. 7-8 Pfg., Käse pr St. 6—8 Pfg., Käsematte 2 St. 5—6 Pfg., Erbsen per Liter 21 Pfg., Linsen per Liter 32 Pfg., Kartoffeln per 100 Kilo 5,50— 6,00 Mk., Weißkraut pr. Stck. 10— 30 Pfg., Zwiebeln per Ztr. Mk. 6,00— 8,00, Tauben per Paar 0,80 bis 1,00 Mk., Hühner per St. 1,00—1,60 Mk., Hahnen per St. 0,80— 1,80 Mk., Enten per St. 1,80 bis 2,20 Mk., Gänse per Pfd. 00— 00 Pfg.
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