Ausgabe 
9.9.1906
 
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Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 3.

portiert. Man warf ihm vor, er habe sich bestechen lassen von einem Unternehmer. Des⸗ halb sei der Streik so schnell beigelegt worden, und ähnliche Räubergeschichten. Lange wollte es nicht gelingen, einen der Burschen so zu fassen, daß man ihn zur Rechenschaft ziehen konnte. Endlich gelang es, und Genosse Schneider lud den Erwischten vor den Friedensrichter, wo der Erwischte völlig zerknirscht gestand, daß er nur andern nachgeredet hätte und himmelhoch bat, ihn nicht vor den Richter zu bringen. Er unter⸗ schrieb dann eine Erklärung, die imMeißner Tageblatt und imVolksfreund auf seine Kosten veröffentlicht wurde und die folgenden Wortlaut hat: Ehren⸗Erklärung.

Ich Endesunterzeichneter erkläre hiermit, daß meine Behauptung, der Vertrauensmann des Verbandes der Fabrik⸗, Land⸗, Hilfsarbeiter und arbeiterinnen sei von den Unternehmern bestochen worden, jeder tatsächlichen Unterlage entbehrt. Ich erkläre weiter, daß ich die Behauptung verbreitet habe, um die freien Gewerk⸗ schaften zu diskreditieren und für die christlichen Gewerkschaften Propaganda zu machen. Ich bitte hiermit Herrn Schneider um Verzeihung und verspreche, in Zu⸗ kunft derartigen Gerüchten entgegentreten zu wollen.

Ernst Richter, Meißen, Görnischestraße 34, Mitglied des Christl. Verbandes keram. Arbeiter.

Nicht jeder Verleumder kann so zum Selbst⸗ ohrfeigen gezwungen werden, aber wenn einmal einer erwischt wird, so empfindet jeder ehrliche Mensch doch einige Genugtuung.

Revolution in Nußland.

Das Attentat auf Stolypin soll tat⸗ sächlich nicht von den Revolutionären ausgehen. Das Zentralkomitee der sozial⸗revolntionären Partei erklärte, laut Mitteilungen bürgerlicher Blätter, offiziell, daß die Partei an dem jüngsten Anschlag auf den Ministerpräsidenten Stolypin unbeteiligt ist. Schon in der letzten Nr. wurde die Vermutung ausgesprochen, daß die sogenannteSchwarze Bande den Anschlag verübt habe, wofür bestimmte Anhaltspunkte vorliegen.

Altentate. Beim Verlassen seines Hauses in Warschau wurde der General Tjumentkoff von Revolutionären überfallen und durch Re⸗ volverschüsse verwundet. Der Präsident des Tulaer Bezirksgerichts, Remezoff, wurde am Samstag in seiner Villa durch acht Revolver⸗ schüsse ermordet. Die Täter entkamen. Der spanische Generalkonsul Löwenberg in War⸗ schau wurde von bewaffneten Soldaten über⸗ fallen und leicht am Arm verwundet.

Plechanow, einer der angesehensten und altesten Führer der russischen Sozialdemokratie, schreibt am Schlusse einer Besprechung über die Dumaauflösung:Das Proletariat wird den Kampf beginnen, wenn es ihm, nicht wenn es Stolypin paßt. Ihm wird es dann passen, wenn das ganze Volk und die Mehrzahl der Truppen revolutionär gesinnt sind. Uns Revo⸗ lutionäre soll die ganze Gesellschaft unterstützen. Dann wird das Ziel in nicht ferner Zukunft erreicht sein.

Wir brauchen keine Augenblicksaus⸗ brüche; diese können uns bloß schwächen; wir brauchen eine siegreiche Revolution; und zu einer solchen ist noch Vorbereitungs- arbeit tg.

Parvus und Deutsch sollen sich bereits auf dem Transport nach den Eisfeldern Sibiriens befinden. Vor mehreren Tagen wären sie von Nischnig⸗Nowgorod mit einem Dampf. lastschiff nach Perm befördert wordeg. Die Freunde, die zum Abschied da waren, haben sich im Namen der Gefangenen an den Gou⸗ verneur Baron Freedericksz gewandt mit der Bitte, die Abreise aufzuschteben und bessere sanitäre Verhältnisse für die Gefangenen auf dem alten Schiff mit seinen dumpfigen Räumen zu schaffen, damit sie unterwegs nicht ersticken in ihrem engen Gefängnis. Der Gouverneur hat die Bitte nicht erfüllt.

Einer verhängnisvollen Verwech⸗ selung ist am Samstag in Interlaken (Schweiz) ein 73 Jahre alter Mann, ein Rentier Müller aus Paris, zum Opfer gefallen. Er wurde von einer 22 jährigen Ruffin während

der Tafel erschossen. Bei ihrer Verhaftung erklärte ste, daß sie beauftragt sei, den früheren russischen Minister Durnowo zu töten. Ueber ihre Personalien verweigerte sie jede Auskunft. Fraglich ist, ob man es mit einer Revolutionärin zu tun hat. Unter allen Um⸗ ständen muß diese Tat, der ein Unschuldiger zum Opfer fiel, entschieden verurteilt werden.

Bericht des Parteivorstandes an den Mannheimer Parteitag.

(Fortsetzung.)

Ueber die im verflossenen Jahre stattge⸗ fundenen Wahlen sagt der Bericht bezüglich der Reichstagsnachwahlen:

Eine noch nie dagewesene Höhe erreichte die Zahl der Nachwahlen in der Zeit vom 1. August 1905 bis 31. Juli 1906. In 17 Wahlkreisen fanden Nachwahlen statt. Dieselben wurden nötig, weil in zwei Kreisen der Reichstag das Mandat für ungültig erklärt hatte, in acht Wahlkreisen, well der bisherige Abgeordnete verstorben war und in steben Kreisen, weil die Abgeordneten ihr Mandat niederlegten. Hier⸗ unter befanden sich die Genossen Schtppel und Cramer, die, ohne vorher mit den Genossen Rücksprache zu nehmen, plötzlich die Genossen vor eine Neuwahl stellten.

Die Wahlresultate bei den Nachwahlen, die in der Zeit vom Herbst 1903 bis im Sommer 1905 stattfanden, hatten fast sämtlich weniger Stimmen für unsere Partei gebracht als die Hauptwahlen am 16. Juni 1903. Diese Tat⸗ sache gab zu vielen Erörterungen Anlaß, und wie immer bei solchen Erscheinungen, wurde die Ursache in manchen oft sehr fernliegenden Dingen gesucht. Im vorjährigen Bericht be⸗ zeichnete der Parteivorstand die mang elhafte Organisation unserer Genossen und die bessere Organisation der Gegner als hauptsäch⸗ lichsten Grund für diese Erscheinung und führte zum Beweise hierfür das Resultat von Fürth⸗ Erlangen an, wo eine gute Organisation besteht und auch das Resultat günstiger war, als 1903. Diese Ansicht scheint durch die Wahlresultate der 17 Nachwahlen bestätigt zu werden. Acht Kreise ergaben höhere und neun Kreise niedrigere Stimmenzahlen für unsere Partei als 1903.

In allen Kreisen setzten die Gegner mit großer Entschlossenheit ein. Sie waren auch nicht wählerisch in ihren Mitteln. Fast in allen Kreisen wurde mit den vomReichsverband gegen die Sozialdemokratie vergifteten Mitteln gekämpft, letzten Wahlen an dem Ausbau der Organisation gearbeitet haben, halfen die schmutzigsten Mittel der Gegner nicht. In Essen, Eisenach, Kaisers⸗ lautern, Hannover, Altena⸗Iserlohn, Hagen und Rinteln wurden trotz der gewaltigen Anstrengung der Gegner von unseren Genossen erhebliche Fortschritte erkämpft. Die Mandate, die wir in den Wahlkämpfen zu verteidigen hatten, haben wir sämtlich der Partei erhalten und 700 alten liberalen Besitzstand Altena⸗Iserlohn erobert.

Ein typisches Vorbild für die nächsten Wahlen dürfte der Wahlkampf in Hagen sein. Trotz der scharfen Gegensätze unter den Gegnern im Kampfe vor der Hauptwahl und trotz der Vor⸗ gänge in dem Nachbarkreise, wo das Zentrum durch das Verhalten der Liberalen sehr gereizt war, fanden sich doch die Gegner alle zusammen, um geschlossen gegen unseren Genossen zu stimmen. Die Genossen müssen überall damit rechnen, daß die Wahlbeteiligungsziffer erheblich steigt und daß alle Nichtsozialdemokraten gegen unsere Kandidaten stimmen werden. Die Wahrscheinlichkeit, in Stichwahlen Mandate erringen zu können, sinkt immer mehr. Die Agitation muß darum so betrieben werden, daß wir damit rechnen können, im ersten Wahlgang eine so große Stimmenzahl zu erhalten, daß es die Mehrheit aller eingeschriebenen Wähler ist.

Bei der Agitation können wir auf die un⸗ freiwillige Hülfe der Regierung und der Gegner rechnen. Die kurzsichtige, kleinliche Klass enpolitik, durch welche den Besttzenden alle Vorteile zuge⸗ wendet und den breiten Schichten der Bevölke⸗

rung alle Lasten aufgebürdet werden, das völlige

aber wo unsere Genossen seit den

Stocken der Sozialreform usw. öffuer selbst dem Indifferentesten die Augen. Es ist also nur nötig, die Massen über Ursache und Wirkung der Politik der Herrschenden aufzuklären, so daß an Stelle des Gefühls der Unzufriedenheit die Erkenntnis tritt und wir haben die Massen für uns gewonnen. Um aber ein einheitliches Zusammenwirken der Massen herbeizuf ühren, ist Organisation nötig.

Von den Landtagswahlen erwähnt der Bericht die in Bayern, Schwarzburg⸗Rudolstadt, Baden, Hessen, die Nachwahlen in Württem⸗ berg, die Bürgerschaftswahlen in Bremen, die alle, mit Ausnahme der letzteren, für uns güustige Resultate lieferten.

Unsere Partei war in folgenden Landtagen vertreten: In Bremen durch 18, in Hamburg durch 13, in Bayern und Baden durch je 12, in Rudolstadt, Württemberg, Hessen und Meiningen durch je 7, in Koburg⸗Gotha durch 6, in Reuß j. L. durch 5, in Oldenburg und Lübeck durch je 4, in Altenburg und Lippe durch je 3, in Weimar und Anhalt durch je 2, in Sachsen, Elsaß⸗Lothringen und Reuß ä. 8 durch je einen Genossen. In 19 Landesgesetz⸗ gebungen des Deutschen Reiches sitzen also ins⸗ gesamt 115 sozialdemokratische Abgeordnete, während in den Landtagen von Preußen, den beiden Mecklenburg, Braunschweig, Schwarzburg⸗ Sondershausen, Waldeck und Schaumburg⸗Lippe die Sozialdemokratie noch nicht vertreten ist.

Der Kassenbericht weist eine Ein⸗ nahme von 810917 Mk. nach, die aber nicht reichte, die Ausgaben zu decken, die 880 496 Mark betrugen. Es mußten also noch zirka 60000 Mk. der Reserve entnommen werden. Gegen das Vorjahr sind trotzdem die Einnahmen um rund 72 000 Mk. gestiegen. Ganz gewaltig gegen das Vorjahr sind die Ausgaben gestiegen. Sie ergeben, nach Abzug des bereits erwähnten Postens von 15800 Mk., in runder Summe ein Mehr von 365000 Mk. Neben erhöhten Ausgaben für allgemeine Agitatton und Wahl⸗ agitation haben sich die Ausgaben für Unter⸗ stützungen verdoppelt. Sie sind infolge der den Opfern des russtschen Befreiungskampfes und den Mai⸗Ausgesperrten in Deutschland gewährten Beihülfen von 62 206,20 Mk. auf 132 020,05 Mk. gestiegen. Auch die Parteipresse hat wieder erhöhte Ausgaben verursacht. Eine un⸗ verhältnismäßige Höhe hat das Darlehns⸗Konto mit 327606 Mk. erreicht. Abgesehen von einem größeren Darlehen, das einer durch wiederholte Aussperrungen in Bedrängnis geratenen Gewerk- schaft gegeben wurde, sowie einigen Beihülfen zur Errichtung und Erhaltung von Gewerk⸗ schaftshäusern, die zugleich Versammlungslokale unserer Partei sind, wurden auch diese Ausgaben fast ausschließlich im Interesse unserer Partei- presse gemacht.

Hoffentlich gelingt es im neuen Jahre schließt der Bericht das Minus wieder aus⸗ zugleichen, damit die Partei mit guten Finanzen in das Wahljahr 1908 eintreten kann.

Pon Nah und Lern.

Hessisches.

Religionszwang für Volksschul⸗ lehrer. In Hessen besteht, wie kürzlich in derFrkftr. Ztg. bemerkt wurde, bei der Vereidigung der Lehrer ein Unterschied in der beim Dienstantritt zu schwörenden Eides⸗ formel. Von den provisorisch in den Dienst tretenden Schulverwaltern und Schulgehilfen, also vor den nur seminaristisch gebildeten zukünftigen Volksschullehrern und von Volks⸗ schullehrern, die aus einem Bundesstaat in den hessischen Dienst übertreten, verlangt man, daß ste u. a. eidlich geloben, einen gottes fürch⸗ tigen, christlichen Sinn und Wandel bis an ihr Lebensende zu betätigen, während die provisorisch angestellten akademisch ge⸗ bildeten Lehramts⸗Accessisten und Assessoren nur eidlich versprechen müssen, die ihnen obliegenden Pflichten nach bestem Wissen und Gewissen genau zu erfüllen. Hiernach darf also der akademisch gebildete Lehrer in Hessen, ohne den

Diensteid zu verletzen, sich als Freidenker oder

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