Ausgabe 
8.4.1906
 
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den Reichstag am Donnerstag.

Nr. 14.

Nittoldenische Sounags⸗Zeitung.

Seite 3.

Fürst Bülow legte sich höchstselbst für diese Forderung ins ug. Er brachte dieLiberalen leicht zum

Umfal,, doch bei der Abstimmung stellte sich die

Beschlußunfähigkeit heraus. Am Freitag wurde die Forderung mit 127 gegen 110 Stimmen bewilligt und zwar infolge des Verhaltens des Zentrums. Bei der nun folgenden Weiter⸗ beratung des Militäretats wandte sich Bebel scharf gegen den Reichskanzler, der sich vor einiger Zelt mit seiner Erklärung über den Duellunfug in Widerspruch mit den Gesetzen stellte. Dann ging unser Genosse mit gewohnter Energie gegen die Soldatenmißhandlungen und den Militarismus überhaupt in längeren Aus⸗ führungen vor.

Die Generaldebatte über dem Militäretat ging am Samstag zu Ende, nachdem vorher das Etatsnotgesetz(das nötig ist, weil der Etat nicht bis zum 1. April fertig gestellt wurde) angenommen worden war. An der sehr aus⸗ gedehnten Debatte beteiligten sich von unsern Abgeordneten Stolle, der scheußliche Miß⸗ haudlungsfälle zur Sprache brachte, Zubeil, der diese Ausführungen wertvoll ergänzte und scharfen Protest gegen die Verwendung von Soldaten zu Streikbrecherdiensten erhob, und Kunert, der die Hunnentaten in China und das dort unter deutscher Flagge etablierte Bordellwesen geißelte, das der Nationalliberale Held als Maßregel weiser Sozialhygiene zu pretsen den sonderbaren Heldenmut hatte. Der alte Junker Kardorff leistete sich einige Flegeleien gegen unsere Parteigenossen, wofür ihm der Präsident einen Ordnungsruf erteilte.

Montag und Dienstag wurde die Einzel⸗ beratung des Militäretats fortgesetzt, wobei 71 595 viele Mißstände in der Militärwerk⸗ ätte in Spandau zur Sprache brachte.

Karl Marx.

Ein Vortrag von Karl Kautsky. (Fortsetzung).

Man betrachtet sehr oft Heinrich Heine nur als Lyriker, als Meister der Darstellung der Stimmung, als witzigen Feuilletonisten, als Sa⸗ tiriker mit beißenden Einfällen. Daß aber Heinrich Heine ein großer Denker, Philosoph und Gelehrter war, das wissen nicht alle, nicht einmal alle Parteigenossen. Jeder, der mit Heinrich Heine in engere Beziehung kam, hat stets mit größtem Respekt von Heines Denken und seiner Gelehrsamkeit gesprochen, und nur seine leichte Form, in der er sprach, konnte glauben machen, daß dahinter nur ein leichtes Spiel mit Worten steckte. Karl Marx hatte einen großen Respekt vor Heinrich Heine und betonte, er habe von ihm sehr viel gelernt. Koch wichtiger wurde für ihn die Bekanntschaft mit Friedrich Engels. Schon in der Redaktion derRheinischen Zeitung hatte er Engels kennen gelernt, aber ohne ihm näher zu treten. Erst in Paris kam er mit ihm in engere Ver⸗ bindung, und da zeigte es sich, wie nahe sich die beiden Männer gekommen waren, wie sie von verschtedenen Ausgangspunkten zu gleichen Resultaten gelangten. Und von Engels erfuhr Marx eine Reihe der wichtigsten Anregungen damals. Engels war der Sohn eines Barmer Fabrikanten. Seine Eltern hatten dafür gesorgt, daß er eine technische, natur wissenschaftliche Bildung bekam, und was er philosophisch iu sich aufgenommen hatte, das hatte er nur durch eigenes Studium erlangt, Sein Vater besaß in Manchester eine Fabrik, in England also, wo der Kapftallsmus weiter entwickelt war als in Frankreich, wo man also seine Entwicklungs⸗ tendenz am besten lernen konnte, und nicht nur den Kapitaltsmus hatte er in England studiert, sondern auch die erste Form einer großen Klassen⸗ bewegung des Proletariats: der Chartisten⸗ bewegung, die anfangs der 40 er Jahre be⸗ sonders machtvoll eingriff. Diese Bewegung hatte einen biel höher stehenden Charakter als die sozialistischen Bewegungen in Frankreich. Diese hatten die Eierschalen des Kleinbürgertums noch nicht abgestreift, weil das Land nicht so öko⸗ nomisch entwickelt war. Es gab dort zwei Arten von Sozialismus, den Blanquistischen und den

Prondhonistischen. Der Blanquismus knüpfte an die Traditionen der großen Revolution an, an den Jakobinerklub, und suchte diese Taktik

15 Taktik des Proletariats zu machen. Er

uchte durch eine straffe zentralistische Organi⸗ sation, die damals geheim sein mußte, durch Putsche und Erhebungen die politische Macht zu erobern, um dann nachher, wenn einige tausend Mann diese politische Macht erobert hätten, den Sozialismus durchführen. Proudhon erkannte sehr wohl, wie wenig diese Taktik da⸗ mals Aussicht auf Erfolg hakte. Aber er geriet in das enigegengesetzte Extrem, indem er von einer selbständigen Anteilnahme des Proletariats nichts wissen wollte und allmählich den Kampf des Proletariats gegen den Staat verwarf und friedlich durch Organisation des Proletariats die Emanzipation durchzuführen suchte dadurch, daß er wünschte, das Proletariat möge durch genossenschaftliche Unternehmungen sich eine Exl⸗ stenz schaffen, die im Grunde genommen nichts weiter war als die des Kleinbürgers.

Ganz anders war die Bewegung des Char⸗ tismus in England, die an das ganze Proletariat appellierte, die es unabhängig als politische Partei organisieren und die politische Macht er⸗ obern wollte, um sie den Interessen des Prole⸗ tariats dienstbar zu machen. Das alles geschah allerdings noch instinktiv, die Ziele waren noch nicht sozialistisch, man war sich aber klar über das allgemeine Wahlrecht und das Verlangen nach dem Zehnstundentage, und diese Bewegung enthielt doch bereits alle Elemente der modernen ae Wee und stand höher als die sozia⸗ listische Bewegung in Frankreich. Und die Kenntnis dieser Bewegung überbrachte Engels und beeinflußte dadurch Marx. Die beiden be⸗ fruchteten einander nun gegenseitig in ihrem Denken, und aus diesem gegenseitigen Ideen⸗ austausch wurde die mater talistische Ge⸗ schichtsauffassung geboren, die bereits 1845 in ihren Grundzügen fertig war. Aber als es dazu kam, waren ste nicht mehr in Paris, son⸗ dern das vollzog sich in Brüssel. Marx war nicht ein bloß Studierender, nicht ein Mann, der die Wissenschaft um der Wissenschaft willen trieb, er war ein Kämpfer und konnte es nicht aushalten, bloß zu studieren und nicht auch als Kämpfer tätig zu sein. Und so versuchte er auch in Paris, praktisch zu wirken und propagan⸗ distisch seine Ideen von sich zu geben. Er gründete deshalb mit Arnold Ruge eine Zei⸗ kung, die Deutsch⸗Französischen Jahrbücher, die aber nur eine Nummer begriff. Sie erlebte keine große Auflage und konnte nicht mehr weiter erscheinen. Neben dieser Zeitung arbeitete er im Arbeiterverein und schrieb für denVor⸗ wärts, ein Blatt, welches damals in Paris erschien. Es war ursprünglich ein Lokalblatt, in demselben Sinne, wie die deutschen Lokal blätter, aber die deutschen Regierungen beobach⸗ teten mit Mißtrauen alles, was aus Paris kam, und das harmlose Blatt wurde verboten, und nun wurde der Herausgeber, Börnstein, ein charakterloser Mensch, wütend und stellte das Blatt den Emigranten zur Verfügung, und diese nahmen die Gelegenheit gern wahr, und gelegent⸗ lich schrieb auch Marx dafür, nicht sehr viel ganz sicher steht nur, daß er einen einzigen Ar⸗ tikel geschrieben hat, aber wahrscheinlich stammen noch andere von ihm. Je radikaler das Blatt wurde, desto mehr wütete die preußische Re⸗ gierung dagegen und suchte es zu unterdrücken; aber das Blatt ließ sich auf Grund der be⸗ stehenden Gesetze in Frankreich nicht unterdrücken. Da nahm die preußische Regierung zu einem anderen een ihre Zuflucht: Sie suchte die französische Regierung zu veranlassen, die ihr unangenehmen Leute auszuweisen, unter ihnen vor allem Karl Marx, und die französtsche liberale Regierung, das Ministerium Gutzot, tat ihr den Gefallen und wies u. a. Karl Marx 1844 aus. Er ging also nach Brüssel und dort fand er sich wieder mit Friedrich Engels, und ste versuchten, den neu gewonnenen wissentschaft⸗ lichen Standpunkt der materialistischen Geschichts⸗ auffassung kritisch zu entwickeln, im Gegensatz zu ihren bisherigen Freunden, von denen sie sich nun lossagten. Das geschah zuerst in einer SchriftDie heilige Familie, in der

ste die Gebrüder Bauer auf das grausamste

verhöhnten. Dann schrieben sie einen dicken Band über den wahren Sozialismus das war ein ähnliches Gewächs wie heute der ethisch⸗ ästhetische Sozialimus, den kritisterten ste auf das schärfste. Aber es gelang nicht, das Buch in Druck zu legen, und später hatte es keinen Zweck mehr, denn er war inzwischen völlig zusammengbrochen und von der Bildflä he ver⸗ schwunden. Endlich aber und das war am wichtigsten veröffentlichte Marx 1847 eine Schrift gegen ProudhonDas Elend der Philosophie. In dieser Schrift kritisterte er den Führer und bedeutendsten Vertreter des französischen Sozialismus. Er zeigte, wie klein⸗ bürgerlich der französtsche Sozialismus war, wie er nur dazu angetan war, die Arbeiter mit der bestehenden Gesellschaft auszusöhnen, wie er nur die schlechten Seiten der bürgerlichen Gesellschaft beseitigen wollte. Er zeigte, daß die schlechten Seiten des Kapitalismus unzertrennlich sind von den guten, daß man die schlechten Seiten nur beseitigen könne, wenn man die ganze bürgerliche Gesellschaft aus dem Wege schaffe. Er zeigte aber auch gegenüber dem friedfertigen Sozialismus des Proudhon, daß nur die Kampfesorganisation des Proletariats es befreien könne, daß die friedfertige Organi⸗ sation in Genossenschaftsverbänden nicht allein genügend sei, sondern nur durch den Kampf mit der gewerkschaftlichen und politischen Organi⸗ sation zusammen die Befreiung des Proletariats bewirken könnte. Neben diesen theoretischen Arbeiten waren ste aber auch vorwiegend prak⸗ tisch tätig. Sie gründeten einen Arbeiterverein in Brüssel. Dort hielt Marx bedeutende Vor⸗ träge über Lohnarbeit und Kapital, die im Kerne dieselben Gedanken enthielten wie später das Wert:Das Kapital. Es ist das in einer kurzen Broschüre zusammengefaßt er⸗ schienen, und wer dasKapital nicht lesen kann, sollte wenigstens diese Broschüre lesen, er wird dort die wichtigsten Punkte, die für das Proletariat in Betracht kommen, auseinander⸗ gesetzt finden. (Fortsetzung folgt.)

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Soziales.

Die größte Konsumgenossenschaft in Deutschland ist zur Zeit diesenige in Leipzig⸗ Plagwitz. Sie erzielte von Anfang Juli 1905 bis Ende Februar dieses Jahres einen Umsatz von 9437352 Mk., fast 1 Million mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Diese Steigerung des Umsatzes ist erzielt worden, obwohl ein nicht unbedeutender Rückgang in der Mitgliederzahl zu verzeichnen ist. Gegen⸗ wärtig beträgt die Zahl der Mitglieder 38 425. Der von der ehemaligen Connewitzer Genossen⸗ schaft übernommene Fleischereibetrieb brachte einen Verkaufserlös von Mk. 547198. Die Einnahmen aus Wurstwaren ꝛc. betrugen allein Mk. 138528. Trotz dem hat dieser Zweig des Unternehmens noch keinen Ueberschuß abgeworfen. Das Besitztum der Genossenschaft an Grund⸗ stücken beträgt Mk. 398 000, das an Gebäuden Mk. 1969000. In eigener Bäckerei produziert die Genossenschaft täglich 17000 Brote, und der Verbrauch an Butter beträgt rund 400 Zentner.

Aus den Gewerkschaften. Der Deut⸗ sche Metallarbetter⸗Verband hatte nach seiner jetzt veröffentlichten Jahresabrechnung 259 692 Mitglieder, 60728 mehr als im Vor⸗ jahre. Der Rechnungsabschluß weist eine Rein⸗ Einnahme von 5107 717 Mk. auf. Es wurden fast Millionen Mark an Beiträgen auf⸗ gebracht. Für Unterstützungen der Mitglieder wurden im ganzen über Millionen Mark ausgegeben, darunter für Reiseunterstützung 247372 Arbeitslosenunterstützung 480 137, Streikunterstützung 2084549, Rechtschutz 81361, Maßregelungen 103504, besondere Notfälle 70623, Umzugsunterstützung 51421 Mk. Das Vermögen betrug am Jahresschlusse 2117198 Mk. Die Entwicklung des Metall⸗ arbeiter⸗Verbandes zeigt deutlich, wie sehr die im Irrtum sind, die da glauben, die Gewerk⸗ schaftsbewegung habe keine Zukunft mehr, oder, daß ste versumpfe. Das Unternehmertum, be⸗