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1 1 auf den Fall Cramer zu sprechen. Ansicht ging dahin, daß Cramer nicht nötig gehabt habe,
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Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung.
Seite 5.
Nr. 3. die Bestrebungen der Stöckerei einzufangen sein, der sie nur einigermaßen kennt.— Jetzt ziehen wieder, wie
alljährlich um diese Zeit, Dr. Burckhardt und Franz Behrens im Kreise herum; außerdem wurde noch ein in der Berliner„Inneren Misston“ dressterter Stöcker⸗ jünger auf ihn losgelessen. Dieses sauberste Exemplar der Stöckerklique hat sich offenbar in den Kopf gesetzt, die Sozialdemokratie totzuschimpfen, soviel Schmutz auf sie zu werfen, daß sie darunter ersticken soll. Stöcker und seine sonstigen Trabanten leisten in dieser Beziehung gewiß etwas, dieser christliche Bruder läßt sie aber alle weit hinter sich; mit ihm verglichen sind die Pückler, Ahlwardt, Iskraut und was man sonst noch als Ver⸗ treter niedrigster Kampfesweise anzusehen gewohnt war, höfliche und anständige Leute.
Am Freitag verzopfte dieser Mensch— Rüffer nennt er sich, von anderer Seite wird uns jedoch mitgeteilt, daß er Rüppel heiße— in Klein⸗Altenstädten fast zwei Stunden lang all' den Blödsinn und Schwindel, der nur je gegen die Sozialdemokratie zusammengetragen wurde, Eine ununterbrochene Schimpferei! Hat der Mann das in der Inneren Mission gelernt, oder ver⸗ kehrt er in Kreisen, wo dieser Ton üblich ist? Unwill⸗ kürlich dachte man an Heines„Disputation“:
Wieder schimpft er, jedes Wort Ist ein Nachttopf und kein leerer!
Genosse Vetters wies die verlogenen Angriffe auf unsere Partei zurück, soweit ihm das in den 15 Minuten Redezeit möglich war. Die Herren verfolgen eine schlaue Taktik. Sie reden erst 2 Stunden, der Gegner darf dann eine Viertelstunde reden und dann reden sie wieder abwechselnd— sie treten immer zu Zweien auf— halbstundenlang. Vetters kennzeichnete ihre verwerfliche Agitationsweise gebührend, und sie haben weder hier Erfolge zu verzeichnen noch in Kinzenbach, wo am Dienstag Virsammlung war. Hier wagte Rüffer nicht so pöbelhaft wie in Klein⸗Altenstädten aufzutreten. Was er sachlich vorbrachte— er besprach die Schul⸗, Wahl⸗ rechts⸗ und Steuerfragen— wurde von Vetters gründ⸗ lich widerlegt. Herr Behrens war auch nicht im Stande, Ausführungen unseres Genossen abzuschwächen. Sachlich können die Herren nichts gegen die Sozial⸗ demokratie ausrichten und ihrem Geschimpfe gegenüber müssen wir uns mit Göthe trösten: f
Uebers Niederträchtige Niemand sich beklage;
Denn es ist das Mächtige, Was man dir auch sage. In dem Schlechten waltet es Sich zum Hochgewinne,
Und mit Rechten schaltet es Ganz nach seinem Sinne.
Mandrer! Gegen solche Not Wolltest du dich sträuben? Wirbelwind und trocknen Kot, Laß sie drehn und stäuben!
h. Eine Biersteuer wollte man in Wetzlar einführen. Die Stadtväter lehnten sie ab, nachdem Stadtv. Michaeli sich energisch dagegen wandte. Man erhöhte die Einkommen⸗ steuer dementsprechend.
a. Launsbach. Unser Genosse Wilh. Börschel ist am Samstag nach langem Leiden im Alter von erst 30 Jahren in der Gießener Klinik gestorben. Unter großer Teilnahme wurde er am Dienstag zur letzten Ruhe bestattet. Von Seiten des Metallarbeiter⸗Verbandes und des Wahlvereins wurden Kränze niedergelegt, der letztere mit roler Schleife geschmückt. Der Gesangverein Liedertafel widmete ihm ebenfalls einen letzten Scheidegruß.— Der Vorstorbene hinterläßt eine Witwe mit drei kleinen Kindern. Wir verlieren in ihm einen aufrichtigen Partei⸗ genossen, der sich als rechtschaffener und tüchtiger Arbeiter allgemeiner Beliebtheit erfreute. Wir werden sein Andenken in Ehren halten.
Aus dem RNreise Marburg⸗Nirchhain.
Wahlverein. Die am Samstag stattge⸗ fundene Versammlung des Wahlvereins nahm zunächst den Kassenbericht für das 4. Quartal 1905 entgegen. Demselben war zu entnehmen, daß die Mitgliederzahl z. Zt. 138 beträgt. Der jetzige Kassenbestand sei zwar nicht hoch zu nennen, was einesteils der lebhaften Agt⸗ tation zuzuschreiben ist, welche stattfand, andererseits sind aber auch viele Genossen mit ihren Beiträgen im Rück⸗ stande. Hier müsse etwas mehr Pünktlichkeit herrschen. Nachdem mehrere Neuaufnahmen erledigt waren, kam
man bei Erörterung der politischen jüngsten Ereignisse Die allgemeine
seine Mandate so ohne Weiteres niederzulegen. Es müsse sich jeder eine Kritik gefallen lassen. Hoffentlich behaupteten unsere Genossen den Wahlkreis.— Schließ⸗
lich teilte der Vorsitzende noch mit, daß auf Samstag, den 10. März, eine öffentliche Volks versammlung einberufen werde, in der Dr. Bensheim⸗Charlottenburg über die Schulfrage sprechen wird. Die Genossen wollen für recht zahlreichen Besuch dieser Versammlung sorgen.
O Oberbürgermeister Schüler feierte Anfang dieses Jahres seinen 70. Geburtstag. Einer öffentlichen Feier ging er bei dieser Ge⸗ legenheit aus Wege; unsere Stadtverwaltung bewilligte 30000 Mark zur Anlage einer sogen. Schüler⸗Promenade und in einer am Montag stattgefundenen gemeinschaftlichen Sitzung des Magistrats und der Stadtverordneten wurde der auf Pergamentpapier geschriebene in Leder ein⸗ gebundene Beschluß dem Jubilar überreicht. Die am Fastnachts dienstag veröffentliche Be⸗ gründung dieses Beschlusses gibt„in dankbarer Erinnerung“ einen Rückblick auf die Entwicklung unserer Stadt. Bei dieser Aufzählung der Ver⸗ dienste unseres Stadtoberhauptes macht es einen eigentümlichen Eindruck, daß auch die Vermehr⸗ ung der Schulden Marburgs von 783000 Mk. auf 5000 000 Mk. verzeichnet ist; daß aber die Vermehrung der Bevölkerung von 11500 auf 20 000 ein Verdienst des Oberbürgermeisters sein soll, dürfte dem alten Junggesellen als ein nicht übler Fastnachtsscherz vorkommen. Aus dieser Aufstellung ist auch zu erfahren, daß unsere Stadt für die Volksschulen pro Kopf der Schüler 48,90 Mk. aufwendet, für die Oberrealschule jedoch trotz des hohen Schulgeldes pro Kopf der Schüler mehr als 80 Mk. Vergeblich wird man aber unter der Aufzeichnung der Fortschritte Marburgs unter Schülers Regime nach solchen suchen können, die der Arbeiterbevölkerung zu Gute kommt. Wäre die Tätigkeit unseres Stadt⸗ oberhauptes in dieser Beziehung eine fruchtbare gewesen, dann wäre ihm ein besseres Denkmal geworden, als es die Schaffung von Anlagen ist. Diese Anlagen, welche den sprachlich unge⸗ heuerlichen Namen„Oberbürgermeister Schüler⸗ Anlagen“ erhalten sollen, sind zu beiden Seiten der Lahn in Aussicht genommen. Herr Guts⸗ besitzer Hofmann hat zudem noch der Stadt ge⸗ schenkt: Gelände zur Herstellung eines Fahr⸗ weges nach e und zur Anlage eines Weges am Waldrande von Spiegelslust und zur Anlage eines Platzes an der Schäferbuche sowie eine Fläche von 20000 Quadratmeter zur Anlage eines„Oberbürgermelster Schüler⸗ Parkes“. Der mehrfache Millianär kann sich das um so eher leisten, als das Wertzuwachs⸗ steuerprojekt durch Schülers Widerstand als ge⸗— scheitert betrachtet werden kann, und durch die Schaffung von Anlagen auf den geschenkten Grundstücken der Wert des übrigen Besttzes be⸗ deutend gesteigert wird.
Die, christlichen“ Maurer iu Marburg gaben kürzlich ein bezeichnendes Beispiel dafür, wie sie die Arbeiterinteressen zu wahren und den Gemeinsinn zu pflegen gedenken. Die Arbeitgeber haben für dieses Jahr eine Lohnzulage von 2 Pfg. die Stunde und 10. stündige Arbeitszeit zugesagt. Am Samsklag hielt der Zeutralverband eine Versammlung ab, in der jedermann Zutritt hatte und in der man sich mit dem Zugeständnis der Bauunternehmer einverstanden erklärte. Demgemäß beträgt der Stundenlohn dieses Jahr 42 und nächstes 43 Pfg. Am Sonntag hielten nun die christlichen Maurer eine Versammlung ab, in der über diese Dinge verhandelt werden sollte. Nun hätte man meinen sollen, da ja diese Fragen alle Marburger Maurer angehen, daß es den C ristlichen er⸗ wünscht wäre, wenn auch Leute vom Zentral- verband an ihrer Versammlung teilnehmen. In dieser Meinung begaben sich auch zwei Mitglieder des Zentralverbandes in die„christliche“ Ver⸗ sammlung. Aber diese beiden hatten das Ge⸗ meininteresse der Christlichen zu hoch eingeschätzt. Es wurde ihnen die Türe gewiesen! Damit haben sich die Schwarzen mal wieder in eine schöne Beleuchtung gerückt. Sie hatten jeden⸗ falls manches zu verbergen, was das Licht zu scheuen hat.
s Durch Maßnahmen der Stadtverwal⸗ tung sind einige Private nicht unbedeutend geschädigt worden. Ein städtisches Gelände an der Realschule wurde im Juli vorigen Jahres verpachtet. In dem auf drei Jahre lautenden Pachtvertrage war bestimmt,
daß dies Land nur für landwirtschaftliche Zwecke benutzt werden dürfte. Die Pächter, ein Gärtner, ein Lehrer an der Realschule und ein Gemüsehändler, ließen fich die Bearbeitung des Stückes angelegen sein und schönes Geld kosten. Der Gärtner z. B. hat 150 Mk. Arbeits⸗ lohn ausgegeben; der Gemüsehändler hat seinen Teil umgepflügt und mit Klee eingesät, den er zum Sommer abzuernten gedachte. Dadurch machte aber das Stadt⸗ parlament einen dicken Strich, indem es beschloß, das Terrain vom 1. April ab in einen Spielplatz für die Schuljugend umzuwandeln und der Beschluß ist den Pächtern auch bereits zugestellt worden. Der erste Pachtvertrag läuft am 1. Juli ab. Hätte man den Leuten bis dahin Zeit gelassen, so hätten sie wenigstens einigermaßen Ersatz für ihre Aufwendungen gehabt, jetzt können sie sehen, wo sie bleiben.(Wenn die Betreffenden Schaden haben, wird die Stadt Ersatzleistung kaum verweigern können. D. R.)
Kleine Mitteilungen.
d. Ein Gewerbegericht haben die Arbeiter Friedbergs schon lange gefordert. Nun soll endlich ein solches am 1. April errichtet werden. Hoffen wir, daß es wahr wird!
In Oberlahnstein brannte am Freitag die Druckerei des Lahnsteiner Tageblattes nieder. Ein Feuerwehrmann wurde bei den Löschungsarbeiten tötlich verletzt. Der Materialschaden ist bedeutend, u. a. sind 4 Maschinen vernichtet.
* Gebrochene Ordnungsstützen. Wegen Unterschlagung von 14000 Mk. Gemeindegeldern wurde von dem Schwurgericht in Plauen der ehemalige Gemeindevorsteher Gunechtel aus Rautenkranz zu zwei Jahren und zwei Monaten Gefängnis verurteilt.
So ziales.
Wablsteg der Freien Gewerkschaft. Bei den Knappschaftsältesten⸗Wahlen in Bochum, Essen, Gladbeck und Aplerbeck siegte der al te Verband über den christlichen Gewerkverein. Nur in Beckhausen wurden die christlichen Kau⸗ didaten gewählt.
Die Hirsch⸗Dunkerschen Gewerk⸗ vereine zählten am Schlusse des Jahres 1905 116 143 Mitglieder. Ihre Zunahme beträgt also im verflossenen Jahre nur 4254 Mitglieder oder 3,9 Prozent— ein fast verschwindender Aufstieg gegenüber dem rapiden Aufschwung der freien Gewerkschaften. Es ist ein gutes Zeichen für den gesunden Sinn der jüngeren deutschen Arbeiter, daß sie sich den freien Ge⸗ werkschaften auschließen. In absehbarer Zeit werden wir dadurch hoffentlich auch einmal eine einheitliche machtvolle deutsche Gewerkschafts⸗ bewegung bekommen.
Unser Genosse August Bebel vollendete am Donnerstag(22 Febr.) sein 66. Lebensjahr. Mit uns wird jeder Parteigenosse wünschen, daß uns der bewährte Vor⸗ kämpfer noch lange in seiner jetzigen körperlichen und geistigen Frische erhalten bleiben möge!
Zum 1. Mai beschloß das Stuttgarter Ge⸗ werkschaftskartell wieder einen Umzug durch die Stadt zu veranstalten, was im vorigen Jahre unterblieben war, weil ein Teil der Gewerkschaften den Wert der Demon⸗ stration niedriger als die damit verbundene Mühe und Arbeit veranschlagte. Wir sehen aber wirklich nicht ein, warum man auf die Demonstration verzichten soll und deshalb begrüßen wir den Beschluß.
Die Sozialdemokratie Bayerns hält diesen Sonntag und Montag ihren Landesparteitag in Schweinfurt ab. Außer den Berichten des Landesvor⸗ standes und der Landtagsfraktion steht Aenderung der Landesorganisation auf der Tagesordnung.
Versammlungskalender. Samstag, 3. März.
Gießen. Holzarbeiter. Abends ½7 Uhr Ver⸗ sammlung bei Lö b.— Metallarbeiter abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig.
Sonntag, den 4. März.
Hausen. Arbeiter⸗Verein. Nachmittags 4 Uhr Versammlung bei Wirt Wallbott.
Krofdorf⸗Gleiberg. Wahlverein. Nachmittags 3½ Uhr Versammlung bei Gastwirt Feu ser⸗Gleiberg.
Lollar. Wahlverein. Nachmittags 3½ Uhr Versammlung bei Wirt Schupp.
Dienstag, den 6. März.
Gießen. Gewerkschaftskartell. Abends 9 Uhr Sitzung bei Orbig.
Samstag, den 10. März.
Wieseck. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versamm⸗
lung bei Wacker.


