Ausgabe 
4.2.1906
 
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Nr. 5.

Milteldeutsche Sonutags⸗Zeitung.

Seite 5.

tröstlich ist. Na, macht nichts; jetzt kommt die Karn⸗val⸗ zeit, da sind ja Orden ganz billig zu haben.

h. Zum Bergarbeiterstreik auf Grube Juno undUranus bei Nauborn sei noch Folgendes mitgeteilt. Am Freitag war Verhandlung vor dem Gewerbegericht in Wetzlar als Einigungsamt. Vor Beginn der Verhandlung stellte der Vertreter des Berg⸗ arbeiterverbandes, Waldhecker, den Antrag, daß er als Vertrauensmann der Arbeiter fungieren könne. Dies lehnte der Herr Direktor Foelling kurz ab. Man gestattete nicht einmal, daß W. als Zuhörer anwesend sein durfte!(Uns ist das nicht recht verständlich. Dem Direktor steht nach unserer Meinung darüber keine Entscheidung zu. Nach den gesetzlichen Bestimmungen (§ 68 des Gewerbegesetzes) kann der Vorsitzende Aus⸗ kunftspersonen zuziehen und als solche mußte der Vertreter der Bergarbeiter gehört werden. D. R.) Es war klar, daß die Bergleute ohne Beistand ihre Sache nicht mit dem nötigen Nachdruck würden vertreten können. Das zeigte sich auch. Obwohl vorher fest verabredet worden war, unbedingt auf 2.40 Mk. Normalschichtlohn zu beharren und zu fordern, daß keine Maßregelungen vor⸗ genommen werden dürfen, unterschrieben die Arbeiter nach dreistündiger Verhandlung ein Protokoll, worin nicht die geringsten Zugeständnisse gemacht wurden. Direktor Foelling erklärte, 2.40 Mk. könne die fürstlich: Bergverwaltung nicht zahlen. Sie hätte ohnedies 22000 Mk. Verluste gehabt. Das kann wohl so schlimm nicht sein, denn wären die Gruben unrentabel, so würden die Buderuswerke nicht ihren Ankauf planen. Von den Arbeitern wurde ferner darauf hingewiesen, daß Italiener 6 Mk. pro Tag verdienten. Wenn Direktor Foelling darauf erwiderte, daß die Leute auch mehr leisteten, so kann das unmöglich so viel ausmachen. Auf eine weitere Bemerkung eines Deputationsmitgliedes meinte Herr Bergrat Höchst, niemand könne die Arbeiter hindern, sich zu organisieren, das sei ihr gesetzliches Recht. Schließlich hat die Kommission zugestimmt, die Arbeit bedingungslos wieder aufzunehmen. Am Sonntag fand nun in Nieder quembach eine stark besuchte Versammlung der streikenden Bergleute statt, in welcher nach beifällig aufgenommenem Referat des Kameraden Waldhecker einstimmig beschlossen wurde, die Arbeit unter diesen Verhältnissen nicht wie der aufzunehmen, sondern im Streik weiter zu be⸗ harren. Mon war allgemein der Ansicht, daß die Kommission bei der Verhandlung befangen war, was auch daraus hervorgeht, daß sie in der Versammlung gegen Arbeitsaufnahme stimmte. So weit wir bis jetzt in Erfahrung bringen konnten, hat von den Strei⸗ kenden nicht ein einziger die Arbeit aufgenommen. Die Leute erhalten weiter Streikunterstützung vom Verbaud. Der Fürst v. Braunfels ist Vorstand im Verein Landeswohlfayrt. Wie kann aber die Wohlfahrt gedeihen, wenn er selber seinen Bergleuten zwei Mark und weniger Tagelohn zahlt?

n. In Krofdorf findet diesen Montag, den 5. Februar, abends Uhr im Lokale von Wtw. Abel eine öffentliche Ta bak arbeiter versammlung statt, in welcher Gauleiter F. Schnell-Hanau über die Verhandlungen und Beschlüsse des Tabakarbeiter⸗ Kongresses in Berlin sprechen wird. In dieser Versammlung hat jedermann felbstverständlich auch Frauen Zutritt. Es wird um recht zahlreiches Erscheinen ersucht.

Westerwald und Anterlahn.

Flottenkoller mit Suff. Von Langen⸗ aubach(Dill) wurde kürzlich berichtet, daß dort ein Flottenverein von Arbeitern gegründet worden set, auch der Vorsitzende sei Arbeiter. Diesee braveChristlich⸗ Soziale und Schützling Burckhardt's ist ja allgemein bekannt; allgemein ist man aber auch der Meinung, daß er eigentlich Besseres zu tun hätte, als in der Oeffentlichkeit eine Rolle spielen zu wollen. Vor allem sollte er danach trachten, seine privaten Angelegenheiten zu ordnen. Zu dem Flottenverein hat man auch eine große Anzahl Minderjähriger herbeigezogen. Wie die jungen Menschen zum Beitrittbewogen werden, kann man daraus ersehen, daß ein früheres junges Mitglied, das ausgetreten war, von einem Vorstandsmitgliede angeschrien wurde:Mißgeburt, ich hab dich angemeldet, du kriegst dei Hieb! So läßt sich wohl mancher ein⸗ schüchtern. Ein anderes Lockmittel ist der Hinweis auf die verlängerte Poltzeistunde bei den Tagungen der Flottenarbelter. Man will offenbar durch vermehrten Alkoholgenuß die Flottenbegeisterung steigern. Es fanden sogar Schnapsgelage in einer Privatwohnung statt, bei welcher Gelegenheit es vorgekommen sein soll, daß einem Förstersohn die Taschen revidiert und das Erbeutete in Spiritus aufgelöst wurde. Dieser Fall hat auch die Behörde beschäftigt. Bedauerlich ist ja, daß die hiesigen Arbeiter noch nicht zu der Erkenntnis gekommen sind, daß sie die Lasten für die Flottentollheiten zu tragen haben. Sie sollten lieber über die Verbesserung ihrer eigenen Lage nachdenken! Im Uebrigen brauchen die

Flottenleute auf ihre Langenaubacher Gründung nicht

stolz zu sein.

Aus dem Rreise Marburg⸗Rirchhain. ö

Vom Marburger Wohltätig⸗ keitsbazar. Alljährlich findet in Marburg im letzten Monat des Jahres ein Wohltätigkeits⸗ bazar statt, der von den diversen akademischen Kreisen arrangiert wird. Was bei solchen Ge⸗ legenheiten für Dinge vorkommen, geht aus folgenden Mitteilungen hervor, die uns aus zuverlässiger Quelle zugehen. Die Veranstalter des Bazar stiften Geschenke, die dann an die Besucher verkauft werden. Wer 50 Pfg. Ein⸗ tritt erlegt hat, kann kaufen. Natürlich sind die Sachen so teuer, daß nur sehr vermögende LeuteEinkäufe machen können. Meist werden auch nur Dinge gestiftet, für die nur reiche Leute Verwendung haben. Da nun jeder Ver⸗ anstalter etwas stiften soll, kommt es vor, daß einige sich über ihre Kräfte austragen, während Reichere sich zu drücken verstehen. Diesmal kam es vor, daß eine schwerreiche erst jüngst geadelte Dame(v. B.) in Marburg überhaupt nichts gegeben hat; im Gegenteil, sie ließ sich noch ihr Kostüm bezahlen, das sie sich für den Bazar anfertigen ließ. Echte Wohltätigkeit! Ein anderer rührenderWohltätigkeits⸗Akt! Es waren 40 Flaschen Sekt, echtHenkel trocken zuverkaufen. 39 mußten bezahlt werden, die 40. Flasche war frei. Diese wollte nun jeder erobern und es taten sich zu diesem Zwecke Gesellschaften zusammen. Mancher weniger Be⸗ mittelte, der dazu herangezogen wurde, hat sich da mehr angestrengt, als er seinem Geldbeutel zumuten durfte, denn es wurden Phantasiepreise gefordert.(Geschteht ihnen recht, mögen sie doch wegbleiben. D. R.) Natürlich übte bald der Sekt seine Wirkung aus und, wie ein stiller Beobachter mitteilt, wurden wahre Orgien ge⸗ feiert. Auch die erwähnte Dame tat ihr Mög⸗ lichstes ohne einen Pfennig dazu gegeben zu haben! Die große Mehrzahl der Sektteilnehmer mußte bewußtlos vom Platze getragen werden! Wie weiß die bessere Gesellschaft zu schmälen, wenn des Sonntags mal ein Arbeiter angetrunken über die Straße torkelt, der viel⸗ leicht nur einen Schnaps in den leeren Magen goß! Die hiestgen Zeitungen berichteten aber: Das Fest verlief in der schönsten Weise. Und da sage noch einer, es werde für die Armen nichts getan. Vierzig Flaschen Sekt zum Wohle der Armen zu trinken ist doch gewiß eine Leistung!

Wahlverein. Die letzte Versammlung des Wahlvereins war erfreulicherweise recht gut besucht. Gen. Fischer erstatte zunächst Bericht von der Gemeinde⸗ vertreter Konferenz in Frankfurt. Nach einer längeren Aussprache nahm man einen Antrag einstimmig an, den Monatsbeitrag ab 1. Januar 1906 von 20 auf 25 Pfg. zu erhöhen. Nach erfolgter Neuaufnahme von 8 neuen Genossen in den Verein, beriet man die Frage, ob die Gründung eines Diskussionsklub zweckmäßig sei. Die Mehrzahl der Genossen waren jetzt dagegen weil die Einzelnen schon genug angestrengt seien.

Das Schwurgericht verhandelte am 22. Januar gegen den Landbriefträger Lohne aus Wetter, der sich wegen Unterschlagung im Amte zu verantworten hatte. Er hatte ver- schiedentlich kleinere Beträge, Briefmarken und Postanweisungen unterschlagen. Lohne hat den Chinakrieg mitgemacht und dort, wie auch der medizinische Sachverständige zugab, an seinem Verstande gelitten. Trotzdem schickte das Gericht diesen Mann statt in eine Heilanstalt auf steben Monate wegen Unterschlagung ins Gefängnis. In der Schlußsitzung am Sams⸗ tag wurde der frühere Bürgermeister Kohmann in Gemünden a. Worra wegen Unterschla⸗ gung amtlicher Gelder und falscher Führung der Bücher zu einer Gesamtstrafe von sieben Monaten und zwei Wochen Gefängnis verurteilt. In seiner Eigenschaft als Standesbeamter hatte er die Staatskasse um 250 Mk. und in seiner Eigenschaft als Bürgermeister um 460 Mk. be⸗ trogen. Der Angeklagte, welcher in der Haupt⸗ sache geständig ist nur die Unterschlagung hiusichtlich der Krankenkassenbeiträge bestritt er macht einen äußerst heruntergekommenen Eindruck. Sein Gehalt als Bürgermeister war die fürstliche Summe von zwölfhundert Mark.

Selbst der Vertreter der Staatsanwaltschaft

hat Frau und zwei Kinder) und hat die Ge⸗ schworenen mildernde Umstände nicht zu ver⸗ sagen. Nach Schluß der Verhandlung ver⸗ anstaltete der Verteidiger unter den Geschworenen eine Sammlung, um dem Verurteilten die Rück⸗ reise zu seinen Angehörigen zu ermöglichen. Die Verbrechen des armen Teufels haben nun ihre gerichtliche Sühne gefunden. Die Stadt Ge⸗ münden wird einen andern Bürgermeister für 1200 Mk. bekommen, der womöglich wieder, wie schon der Vorgänger des Verurteilten mit den Strafgesetzen in Konflikt kommt. Die Stadt Gemünden ist eine antisemitische Hochburg.

Zwei hiesige Studenten attackierten nachts einen Schutzmann, der eine nannte ihnPolyp, der andere schlug ihm, als er ihre Namen notieren wollte, mit der Faust ins Gesicht. Der Amtsanwalt beantragte in der Schöffengerichtsverhandlung gegen den ersten eine Geldstrafe von 20 Mk., gegen den zweiten, der geschlagen hatte, eine Gefängnisstrase von drei Monaten, Urteil: Freisprechung. Gleich darauf nahm ein Handwerksbursche auf der Anklagebank Platz, welcher sich beimFechten halte erwischen lassen. Natürlich wurde er regelrechtverknackst, dieser Verbrecher ohne Protektion und Zukunft.

Wahlkreis Friedberg⸗Büdingen.

Sonntag, den 4. Februar, nachmittags punkt 2 Uhr im Pfau in Vilbel Gemeindevertreter⸗Konferenz Tagesordnung:

1. Die Gemeindesteuerreform und die kom⸗ munalen Aufgaben der sozialdemokrattschen Ge⸗ meindevertreter. Ref. Gen. Reichs⸗ und Land⸗ tagsabgeord. Dr. David⸗Offenbach.

2. Verschiedenes.

Es ist unbedingte Pflicht der Arbeiter ver⸗ treter in dem Wahlkreis Friedberg⸗Büdingen an der Konferenz teilzunehmen. Gleichzestig werden die Bezirksleiter ersucht ebenfalls zu

erscheinen. Der Vorstand 3 Karl Armbrust, Vorsitzender. Wahlkreis Gießen⸗ Grünberg. Sonntag, den 18. Februar Mittags 1 Uhr

Kreiskonferenz im Lokale Orbig in Gießen. Tagesordnung: Vorstands⸗ und Kassenbericht; Sonstiges. Die Mitgliedschaften werden ersucht, De le⸗ gierte nach Maßgabe des Statuts zu wäh len und etwaige Anträge bis zum 15. Februar ein⸗

zusenden. Der Vorstand des Wahl vereins.

Versammlungskalender.

Samstag, 3. Februar.

Gießen. Küferverband. Abends 8 Uhr Ver⸗ sammlung bei'b(Wiener Hof).

Lollar. Wahlverein. Abends 8 Uhr General⸗ Versammlung bei Wirt Schupp. Tages⸗Ord⸗ nung: 1. Jahresabrechnung. 2. Vorstands wahl. 3. Verschiedenen.

Staufenberg. Volks verein. Abeuds 8 Uhr Ver⸗ sammlung bei Wirt Geiß ler.

Garbenteich. Arbeiter-Bildungs⸗Verein. Abends 8 ½ Uhr Versammlung bei Heinr. Freund T.⸗O.: Jahresabrechnung, Vorstandswahl.

Marburg. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr bei Hildberger. Freie Turnerschaft⸗ Ockershausen General-Versammlung bei Hilde⸗ mann.

Sonntag, den 4. Februar.

Krofdorf⸗Gleiberg. Wahlverein. Nachmittags 3 Uhr Versammlung bei Gastwirt Feuser⸗Gleiberg. Zahlreich erscheinen!

Montag, den 5. Februar.

Gießen. Holzarbeiter. Abends 7 Uhr Ver⸗ sammlung bei Löb. Referat v. Gauleiter Bucken⸗

dahl⸗Frankfurt.

Marburg. Schneider abends ½9 Uhr bei Hill⸗ berger. Samstag, den 10. Februar. Wieseck. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bei Wacker. Rödgen. Wahl verein. Versammlung Abends ½9 Uhr bei Wirt Balser. Zahlreich erscheinen.

erklärte ausdrücklich, daß es unmöglich] Lauterb ich. Sozialdemokrat. Wahl verein wäre, mit diesem Einkommen eine Familie zu ernähren,(der Angeklagte

Abends 8/ Uhr Mitglieder⸗Versammlung bei Gast⸗ wirt Keutzer.